Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 83-84 (21.10.1927)
- Date
- 1927-10-21
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652952--19468-2677346- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 594 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 83/184, 21.X. 1927 fonds machte, einen Gesellschaftsbau und einen Kostümhai!, von denen besonders der letztere als durchaus gelungen bezeichnet werden kann. Ferner fand eine Reihe von gesellschaftlichen Veranstaltungen der einzelnen Ortsgruppen statt, Bälle, Teeabende und so weiter. Der Werbearbeit diente eine Reihe von Zirkeln tn Privathäusern von Gesinnungsgenossen, die meistens mit einer Filmauffühning verbunden waren. Die Leitung der B. Z. V. erfuhr insofern eine Umgestaltung, als Herr Lichthrim sein Amt als erster Vorsitzender niederlegte und an seiner Stelle Herr Dr. Apfel gewählt wurde. An Stelle von Herrn Dr. Apfel wurde Herr Dr. Egon Rosenbe rg zum Vorsitzenden der Vertreterversammlung gewählt. Die Zusammenarbeit zwischen Vorstand und Vertreterversanunlung vollzog sich absolut reibungslos. Während der Vorstand die eigentliche Verwaltungsarbeit leistete, nahm die Vertreter- Versammlung immer mehr die Entwicklung zu einem rein politischen Forum. Die VertreterveTSammlung nahm in einer Reihe von Sitzungen zu allen wesentlichen Fraget! zionistischer Politik Stellung. Igi Rahmen der B. Z. V. wurde eine besondere Abteilung für Frauenarbeit geschaffen, die zum großen Teil von der B. 2. V. subventioniert wird. Die Frauenarbeit hat dank dieses Ressorts in der letzten Zeit einen außerordentlichen Aufschwung genommen. Mehrere hundert Frauen sind zionistisch organisiert und arbeiten kontinuierlich in einer Reihe von Gruppen. Es gelang der B. Z. V. ferner, einen Kontakt zwischen ihrer Leitung und den einzelnen Jugendverbänden herzustellen. Die Arbeit der Jugend verbände wurde, soweit es in den Kräften der B. Z. V. stand, unterstützt. Besonders für die zionistische Ausbildungsarbeit innerhalb der einzelnen Jugendverbände wurde eine Reihe von Kräften seitens der B. Z. V. mobilisiert. Innerhalb des Rahmens der B. Z. V. existiert eine zionistische Jugendgruppe Nordau, die von der B. Z. V. in ihren Etat aufgenommen wurde. Im Rahmen eines Berichtes ist es nicht möglich, auf alle ungelösten Fragen der Arbeit einzugehen. Die großen Schwierigkeiten unserer Berliner Arbeit bestehen nach wie vor. W'ir erinnern nur an das ungelöste Problem der Ueberbrückung der Großstadt mit ihren atomiskrenden und ablenkenden Tendenzen. Wir müssen daran erinnern, daß in Berlin die Ortsgruppe nicht die alleinige und entscheidende Repräsentanz des Zionismus darstellt, wie es in den Provinzorten der Fall ist, sondern daß das Vorhandensein der Z.V. f, D. und der zionistischen Zentralen naturgemäß einen großen Teil des Interesses von der Berliner zionistischen Ortsgruppe ablenken. Gerade: ein großer Teil der besten und geeignetsten Berliner Zionisten arbeitet in diesen zentralen Institutionen mit, und ihre Arbeit kommt der eigentlichen Ortsgruppenarbeit nur zum geringeren Teil zugute, wenn wir auch ständig bemüht sind, diesen Zvvie- Spalt zu überbrücken, so liegt es doch in der Natur der Sache, daß auf diese Weise die B. Z. V. an Bedeutung und an Interesse verliert. Das zionistische Leben Berlins darf eben nicht nur an der Tätigkeit der B.Z.V. gemessen werden, sondern muß immer als die Summe aller zionistischen Energien Berlins betrachtet werden. Dr. K a n o vv i t z. Der jüdische Bauer auf deutscher Scholle Am Sonnabend, den 15. Oktober, abends, fand im Plenar- Sitzungssaal des ehemaligen Herrenhauses eine vom Reichsbund jüdischer Frontsoldaten veranstaltete Kundgebung unter der Devise ״Der jüdische Bauer auf deutscher Scholle“ statt. Den Vorsitz führte Dr. Leo Löwenstein. Die Hauptrede hielt Professor Franz Oppenheimer, Frankfurt a. M. Die jüdisehen Frontsoldaten, sagte er, zogen als Deutsche hinaus, um den Frieden für immer zu erkämpfen, als Juden, um durch Blutopfer die letzte Gleichberechtigung und die Kameradschaft der deutschen Brüder zu erkämpfen. Doch die Welt ist schlimmer geworden, der Judenhaß ist stärker als zuvor. Die Weltwirrnisse entstehen durch die Abwanderung der Landkräfte zur Industrie. Die Folgen sind feindliche Konkurrenz, imperialistische Verwicklungen. Wenn wir Juden uns der S i e d I u n g s- Bewegung anschließen, so helfen wir ein deutsches Problem lösen und vollbringen dabei eine jüdische Tat, indem wir zur Erhaltung des Judentums beitragen. Wir wollen als Volk nicht sterben. In den Städten aber, wo die Geburteneinschränkung System geworden ist, stirbt das Judentum ab. Durch die Land- Siedlung werden wir auch den Drang zum Austritt eindämmen. Domänendirektor S. D v k erörterte eingehend die Volkswirtschaftliche und finanzielle Seite der Siedlungsfrage. Die Zahl der jüdischen Landwirte, Winzer und Großgrundbesitzer in Deutschland ist höher als man glaubt. Die Großagrarier stellen aber Juden grundsätzlich nicht ein. Traurig ist es, daß auch die jüdischen Großgrundbesitzer es ablehnen, jüdische Mitarbeiter aufzunehmen, eher tun dies die deutschen Bauern. Auf Grund des Reichs- Siedlungsgesetzes haben die jüdischen Frontsoldaten ein Recht, vom Staate Boden zu Siedhingszweckcn zu erhalten. Der Redner empfahl die Einrichtung eines Großgutes als Lehrfarm für die künftigen selbständigen Siedler. Die Wünsche des Central-Vereins überbrachte das Haupt- Vorstandsmitglied Herr Gl aserfeld. Rechtsanwalt Dr. Alfred Klee stellt fest, daß alle Kreise des Judentums hinter dem R. J. F. stehen. Ich sehe, fuhr er fort, die Hauptbedeutung Ihrer Arbeit in der inneren Wandlung des jüdischen Menschen, Es geht heute ein Riß durch das jüdische Familienleben. Der Jugend genügt nicht mehr das gesättigte bürgerliche Dasein, sie strebt nach neuer» Idealen. Der zionistische Gedanke ist ein ungeheures Agens int Judentum. Die Chaluz-Bewegung bedeutet eine Harmonisierung des nationalen Lebens mit dem sozialen Leben. Jüdische Menschen auf eigener Scholle werden auch neuschöpferisch im religiösen Leben sein und den Weg zur jüdischen Weltanschauung finden. Rabbiner Dr. Baeck sagte, wir deutschen Juden sind Großstadtjuden geworden. Solche Menschen sind geistig wenig produktiv. Die Stadt verbraucht Seele und Geist. Der Inteliektualismus mechanisiert den Menschen, raubt ihm die Naivität. Die Erneuerung des jüdischen Menschen auf dem Lande wird der Stadt neue Kraftquellen geben, eine erneuerte Religiosität. Vom Kongreß der Völkerbund-Ligen Sofia, 13. Oktober. (J. T. A.) Einer der Hauptpunkte der Tagesordnung der gegenwärtigen Tagung der Snternationalen Union der Völkerbundgesellschaften ist die Frage der Verfolgung der Juden in Rumänien, über die während der Berliner Tagung kein fester Beschluß gefaßt worden ist. Wie der J. T.A.-Vertreter erfährt, war die rumänische Delegation bemüht, die Mitglieder des Generalrates dafür zu gewinnen, die rumänische Judenfrage von der Tagesordnung abzusetzen. Die rumänischen Delegierten wiesen darauf hin, daß die jetzige rumänische Regierung sich bemüht zeigt, die jüdischen Angelegenheiten zu regeln. Es wurde beschlossen, die Frage der Juden in Rumänien auf der nächsten Tagung der Union zu behandeln. Am 11, Oktober ging die Tagung zu Ende, In den Räumen der ״jüdischen Kunstausstellung“ in Warschau wurde eine Sortderausstellung von Gemälden und Skulpturen des jüdischen Künstlers Professor Leopold Pilichowski eröffnet Berliner Kalender Büro: Berliner Zionistische Vereinigung, Berlin W 15, Meinekestr, 10. Telephon: Bismarck 7165—70. Postscheckkonto Nr. 37 830 Berlin NW 7. Kassenverwaltung der B. Z. V. בית הועד העברי" ברייך במוצש״ק 22. אוקטובר. בשעה השמינית בערב 10 Meinekestraße אספת בית הועד העברי סדר היום: הרצאת הסופר דניאל «רסקי מאמריקה (חבר המערכת של *הדאר״ז על הנושא: "כדבר איש אי רעהו״-עי התרבות והחיים העברים באמריקה אחרי ההרצאה טסבת־דעים. - אורחים רצויים. _ ההנחיה Sonnabend, den 22. Oktober abends 8 Uhr Berliner Ortsgruppe des Hechaluz im Jüdischen Volksheim, Dragonerstr. 22. Zusammensein. Gäste willkommen. Sonntag, den 23. Oktober Zionist. Jugendbund Nordau, in Schinkels Festsälen, Brückenstr. 2. Simchath Thora-Bali. Reichhaltiges, künstlerisches Programm. Erstklassige Kapelle. Eintritt für Jugendliche 1 M., für Erwachsene 1,50 M. Montag, den 24. Oktober abends 8 Uhr Verein ehemaliger Hörer der Hochschule für die Wissen* Schaft des Judentums, in der Aula der Hochschule. Vortrag von Dr. S c h ole m , Jerusalem, über ״Die Entwicklung des kabbalistischen Schrifttums“. Gäste willkommen. Mittwoch, den 26. Oktober abends 8 Uhr Verband jüd. Frauen für Kulturarbeit in Palästina, Oeffentlfcher Vortragsabend, im Logenhaus, Kleiststr. 10. Frau Anita Müller-Cohen (Wien-Tel-Awiw): ״Ein Arbeitsjahr ln Palästina.“ Donnerstag, den 27. Oktober abends 81/* Uhr Sitzung der Vertreterversammlung der B. Z. V. im Sitzungssaal der Z. V. f. D., Meinekestr. 10. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes über das abgelaufene Arbeitsjahr. 2. Neuwahl des Vorstandes. 3. Antrag der revisionistischen Gruppe auf Anerkennung als Sondergruppe innerhalb der B. Z. V. 4. Aussprache über: Die Auswirkungen des Kongresses auf die zukünftige zionistische Arbeit in Deutschland. Die Sitzung ist für Mitglieder der B. Z. V. öffentlich. Dienstag, den 1. November abends 8V2 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung ,Bund Zionistischer Frauen im Logenhaus, Kleiststr. 10. Frau Gerda Arlosoroff (Palästina): ״Frauenprobleme in Palästina“, Mittwoch, den 2. November ׳—״abönds 8»/3 Uhr Jugendkundgebung der Berliner Zionist. Vereinigung in der Aula der 4. Pflichtfortbildungsschule, Georgenstr. 30/31, anläßlich des 10. Jahrestages der Balfour-Deklaration. Thema: Jüdische Jugend — zionistische Bewegung und Pa- Iästina-Aufbau. Redner: Gerda Arlosoroff, Palästina, Dr. Werner Bloch, London, Dr. Siegfried Kanowitz, Berlin. Sonntag, den 6. November vorm. 11 Uhr Berliner Zionistische Vereinigung, im Bach-Saal, Lützowstr. 76. Festakt: 10 Jahre Balfour-Deklaration. Jüdische Selbstmordstatistik Die wirtschaftsstatistische Sektion des Jüdischen Wissenschaftlichen Instituts in Berlin hat Untersuchungen über die Zahl der Selbstmörder unter den Juden angestellt und kam zu den folgenden Resultaten: Im Jahre 1025 haben von 100 000 jüdischen Seelen Selbstmord begangen: in Berlin 68, in Budapest 48, in Wien 45, in Warschau, wo die Wirtschaftskrise eine Steigerung der Zahl jüdischer Selbstmörder verursachte, nur 17, in Lodz nur 7. Unter der Berliner jüdischen Bevölkerung ist die Zahl der Selbstmörder größer als unter den Nichtjuden. So kamen im Jahre 1025 auf 100 000 Evangalen 45, auf 100000 Katholiken 32 Selbstmörder. Seit 1022 ist die Zahl der Selbstmörder unter den Juden Berlins im Steigen begriffen. 1022 zählte man noch 61, 1023 schon 72, 1024 06 und 1025 117 jüdische Selbstmörder. Auf Berlin, wo 43ס/יי aller preußischen Juden wohnen, entfielen mehr als die Hälfte aller jüdischen Selbstmorde in Preußen (117 von insgesamt 215). Zionistischer Gruppenverband Rechtsrheinland und Westfalen. Am 6. November findet in Essen im Saal des Kruppsehen Bildungsvereins, Limbecker Straße, ein Gruppenverbandstag statt. Wir bitten schon heute alle Oesinnungsgenossen, sich diesen Tag freizuhalten. Nähere Bekanntmachung folgt noch. Beata jßalkin von der Berliner Städtischen Oper Ist an die Mailänder Scala verpflichtet worden und tritt bereits in dieser Spielzeit in verschiedenen von Toscaninf geleiteten Vor- Stellungen auf. Von nun an wird Fräulein Malkin ihre Tätigkeit zwischen Berlin und Mailand teilen. im Verlage 0P. R. FlPlMP, HMr.SStraü. ist soeben erschienen: Zionistische Polifik Eine AufsatzreIhe von Hans Hohn und Robert Wellidi 8°, 300 Seiten. Preis M. 3.60 * Abhandlungen zur Frage des Jüdischen Nationalismus, Ober aktuelle politische Themen, über Jüdischen Liberalismus, Politische Gestaltung Palästinas usw. Vortrag Gerhard Schoten Der Verein ehemaliger Hörer der Hochschule fürdie Wissenschaft des Judentums veranstaltet am Montag, den 24. d. M., abends 8 Uhr, in der Aula der Hochschule einen Vortrag von Dr. Scholem, Jerusalem, über ״Die Entwicklung der Kabbala“. Dr, Scholem, der bekanntlich an der hebräischen Universität in Jerusalem den Lehr- Stuhl für jüdische Religionsgeschichte, speziell Kabbala, innehat, hat soeben eine Reise durch Westeuropa beendet, um die in den großen Bibliotheken aufbewahrten kabbalistischen Hand- Schriften zum erstenmal zu durchforschen. Sein Berliner Vortrag wird sicherlich großes Interesse finden. Gäste willkommen. Die Tagung des Österreichischen Blan-Wciß Am 24. und 25. September fand der Bundestag des österreichischen Blau-Weiß statt. Das Interesse für die Tagung war groß; das bewies die zahlreiche Teilnahme der Gäste an den öffentlichen Sitzungen. Diese Gäste rekrutierten sich vornehmlieh aus den Kreisen der zionistischen Tugend. Im Gegensatz zum verworrenen Bilde, das die übrige Zionistische Organisation in Oesterreich bietet, war die Tagung des Blau-weiß ein Hoffnungsstrahl. Wer der Konferenz mit lebendigem Interesse gefolgt war, konnte feststellen, warum der österreichische Blau-Weiß nicht vom schweren Schicksal des deutschen erfaßt wurde. Die Führer waren sich allmählich darüber bewußt geworden, daß der Blau- Weiß nur dann seine Existenzberechtigung hat, wenn er sich nicht vom Zionismus trennt und vor allem in Palästina zu einem Integrierenden Bestandteil des Jischuw wird: nicht das Trennenae, sondern das Gemeinsame hat er zu betonen; er hat sich nicht von der übrigen Gemeinschaft zu scheiden, sondern sich ehrlich zu bemühen, mit ihr zu einer organischen Einheit zu verwachsen. Dieser Jugendbund erkannte es klar, daß er die westliche Jugend dem jüdischen Volke wiederzugewinnen und natürlich dem Zionismus zuzuführen hat. In dieser Hinsicht konnte man bei den Führern großes Verantwortungsgefühl feststellen: sie treten nicht an den Einzelnen mit der kategorischen Forderung heran: du mußt nach Palästina gehen und demgemäß dein Leben einrichten. Der Bund sieht seine Aufgabe darin, seine Menschen so zu führen, daß sie im entscheidenden Moment der Reife fähig sind, auf eigene Verantwortung die Entscheidung zu treffen. Das Verantwortungsgefühl sowie den sicheren jüdischen Tnstinkt offenbarte der Bund auch in der Frage des Sozialismus, ln Oesterreich beginnt sich in erschreckender Weise die ״rote Assimilation“ auszubreiten. Der österreichische Zionismus hat — zum Teil auch durch eigene Schuld — eine große Zahl jugendlicher Menscftn an die Sozialdemokratie verloren. Die Sozialdemokratie hat es durch große Leistungen und dank den ihr zur Verfügung stehenden großen Mitteln verstanden, eine Atmosphäre zu schaffen, der jugendliche Menschen nur zu leicht verfallen können. Die Anziehungskraft der Sozialdemokratie wuchs immens, und zu unserem größten Leidwesen — auf Kosten jüdischen Volkstums und der zionistischen Bewegung, ja, man darf beinahe von einer Psychose sprechen. Der Blauweiß blieb von dem herrschenden Geist nicht unberührt: er weiß, daß die sozialen Verhältnisse der heutigen Menschheit einer radikalen Aetiderung bedürfen, aber er leugnet, daß deswegen, weil die Menschhwt einen Ausweg aus dieser drückenden Not sucht, das jüdische Volk seine Existenz oder seine nationalen, zionistischen Hoffnungen preisgeben muß. Die Tagung setzte sich ernst mit dem Sozialismus auseinander, betonte jedoch mit aller Klarheit, daß Bekenntnis zum Sozialismus nicht Sache des Bundes sei, solange er nicht selbst für ihn reif geworden sei Der Buna erfaßte mit richtigem Takt seine Verpflichtungen dem Zionismus gegenüber: gerade die tiefe Zerklüftung in den zionistischen Reinen Oesterreichs veranlaßte den Buna, Mittel und Wege zu suchen, um an dem Gesundheitsprozeß teilzunehmen. Die Führer erkannten das schwere Unrecht, daß sie dem Zionismus in Oesterreich dadurch getan, daß sie ferne gestanden sind. Der Umstand, daß der Bund ״Aeliere“ hat, das sind Mensehen, die dem Bunde entwachsen sind und nach zionistischer Betätigung verlangen, beschleunigte diesen Prozeß. Sowohl im letzten Janre als auch auf der Tagung selbst setzte sich der Blau- Weiß mit den Problemen der Zionistischen Organisation Oesterreichs auseinander und wählte den einzig möglichen Weg: den der aktiven Beteiligung am Zionismus und lehnte es ab, wegen tiefer Unzufriedenheit mit der österreichischen Bewegung ihr den Rücken zu wenden und der Sozialdemokratie sich in die Arme zu werfen, um morgen, jüdisches Volk und jüdische Ideale, ganz über Bord zu werfen. Wie tief und ehrlich das Verantwortungsgefühl für die zionistische Bewegung war, ist auch aus folgendem Umstande zu ersehen: er war bereit, mit anderen zionistischen Jugendbünden eine Fusion einzugehen, nur um die Schaffung einer einheitliehen gesunden zionistischen Jugendbewegung zu ermöglichen. Die anderen Bünde brachten jedoch kein aktives Interesse auf. Wir sind überzeugt, daß der Blau-Weiß in Oesterreich beruftn ist, eine entscheidende Rolle im Gesundheitsprozeß, sowohl der zionistischen Jugend als auch der Zionistischen Organisation zu spielen. Er muß nur so sachlich bleiben und von diesem Gefühl der Verantwortung und der Ehrlichkeit beseelt sein, welches die Tagung beherrschte. Aber noch an eines muß der Blau-Weiß denken: er darf sich nicht einer Richtung verschreiben in der Bewegung, sondern sich mit allen Menschen und Gruppen zu Aktionen koalieren, die sachlich und ernst die Wiederbelebung der zionistischen Bewegung anstreben, weil sie an den Zionismus glauben. Dr. Chaira Tartakower. Vermischtes Der Beth Waad veranstaltet am Sonnabend, den 22. er., Im Sitzungssaal, Meinekestr. 10, einen Vortrag des amerikanischhebräischen Schriftstellers und Feuilletonisten Daniel Perski. Deutsche Gesellschaft für ethische Kultur (E. V.). Freitag, den 21. Oktober 1927, abends 8 Uhr, iin Bürgersaal des Berliner Rathauses. ״Das Reichsschulgesetz eine Gefahr für die Volkseinheit*‘. Redner: Prof. Dr. Paul Hildebrandt, Johannes Tews, Dr. Rudolph Penzig. Freie Ausspräche. Die Fürsorge-Erziehungsanstalt für Mädchen des D. J. S. B. in Cöpenick feierte kürzlich das Fest ihres 25jährigen Be- Stehens, zu dem sich Mitglieder des Kuratoriums für die Fürsorgeerzichung mit vielen Freunden und Förderern der Anstalt zusammen gefunden hatten. Gleichzeitig konnte die verdienstvolle Leiterin des Hauses, Fräulein Mathilde Katz, ihr 25jähriges Dienstjubiläum feiern. Mit Recht stand ihre Persönlichkeit im Mittelpunkte des Festes, denn ihrer hingebungsvollen Arbeit ist es vor allem zu danken, daß das Haus sich aus den kleinsten Anfängen zu seiner jetzigen Gestalt entwickeln konnte. Herr Rabbiner Dr. Blumenthal gab einen Ueberblick über die Entwicklung der Anstalt. 275 Mädchen sind im Laufe der Jahre Fräulein Katz׳ Obhut anvertraut gewesen. Eine Reihe von Rednern würdigte die Verdienste von Fräulein Katz. Der schöne Eindruck der Feier ließ in allen Teilnehmern den Wunsch entstehen, daß die segensreiche Arbeit, die hier an gefährdeten Mädchen getan wird, noch mehr als bisher die Förderung und Teilnahme weiter Kreise finden möge. ' b.g.