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Jüdische Rundschau · 1927-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr 81/82, 14.X. 1027 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 581 Von gewaltiger Kraft der Wirkung ist die Ballade ״Die Frau des Rabbi Mose s“. Der babylonische Gelehrte verläßt, als die Hochschulen im Kalifat gewaltsam geschlossen werden, in Jlcgleitimg seines Weibes die Heimat. Auf hoher Sec geraten sie in die Gefangenschaft eines heidnischen Flottenkommandanten, der ein Auge auf die Schöne Jüdin wirft und sie mit seinen Liebcswerbungen verfolgt. Nach gewiß schwerem Seelenkampfe richtet eines Morgens die treue Gattin an den Gelehrten die scheinbar naive Frage, ob auch die Seelen der in die Tiefen des Meeres Versinkenden einst auferstehen werden. Der nichtsahnende und glaubensstarke Weise antwortet in Ruhe, daß jede reine Seele dereinst auch aus dem Abgrunde des Meeres zurückkehren werde. Da — ein Schrei des Entsetzens! und das treue Weib ist in den Fluten verschwunden. An sich ein Ereignis, das nicht ohne Beispiele in der Literatur und im Leben geblieben ist. Virginia, Lucretia, Emilia Galotti und andere Frauen haben aus Liebe und Treue den Tod der Schande und Sünde vorgezogen. Einer anderen Sünde entzieht sich diese Frau; anders die Motivierung, anders und ergreifender der Seelenkonfiikt. II. Akt: Im Himmel. In den Kreis der heiligen Frauen Rachel, Deborah und Ghana und der anderen Ghana, jener großen jüdischen Märtyrerin, tritt die Seele der Selbstmörderin. Sie begründet ihre Tat: Die Leidenschaft zum Heiden hatte sich allmählich bereits in ihrem Herzen eingenistet und der Gedanke fraß in ihrem Hirn: O daß doch mein Mann stürbe!- Eine historische Ballade behandelt den ״W iederaufbau der Stadt Jericho“ zur Zeit des gottlosen Königs Achab und das tragische Schicksal Chiels. Mehr Satire Ist das Gedicht ״Gras ist das Volk“. (Inhaltlieh nicht zu verwechseln mit dem gleichbetitelten Gedicht Bialiks.) David flieht vor Absalom. Mit jedem Wechsel des Kriegsglücks ändert sich die Haltung der wankelmütigen Plebs gegenüber dem König. Die Horazische ״Aurba mobilium Ginritnim“ und Herzls ähnliche Situationen im ״Palais Bourbon“. Den Widerstreit des Materiellen mit dem Geistigen behandelt das dramatische Gedicht ״Ufa und Rabbi Jochanan“. Der Stoff ist dem Talmud entnommen. Das Geistige tragt den Sieg davon. Ein Gedicht tritt fürdieEinheitdesBuchesJesaia efn. Das einzige wissenschaftliche Sujet in der ganzen Sammlung. ״Bei lebendigem Leibe hat man Dich entzweigesägt und jetzt zerreißt man Dein Buch in zwei, in drei Stücke.“ Eine Anspielung auf die bekannte Legende vom Tode Jesaias und auf die bisherige Jesaia-Forschung. Lachend bemerkt der Prophet von der Höhe der Wolken herab: ״Die mich verstehen — für die bin ich Einer, und Eins ist das Buch meiner Offenbarung.“ Ueber die Einheit Jesaias hat der Verfasser übrigens bereits mehrere Studien publiziert und er kündigt für das bevorstehende Wintersemester eine Reihe von Vorträgen über dieses Thema an. Daß der Verfasser der eben besprochenen Gedichtsammlung vor allem Gelehrter ist und einer der bedeutendsten Forscher des Maimonides, jenes Mannes, der gerade dem Intellektualismus den ersten Platz zuwies, macht diese Dichtungen um so interessanter. Ueber sein Verhältnis zur Dichtung sagt der Verfasser mit Ovid: At mihi iam puero callestia sacra placebant, Inque suum furtim Musa trahebat opus. Deutsch: Schon als Knabe bin ich dem Rufe der Muse gefolgt, Hehre, Du zogest mich stets, heimlich zum lieblichen Werk. Dr. H. Glaser (Wien). Die Baukunst in Palästina Zur Ausstellung von Alex. Baerwald in den Sälen aes Technikums zu Haifa. Von Dr. Sehalom Spiegel.*) Auf einem Gebiete des Lebens ist es mir schwer, mich mit der Formel der Rechtfertigung auszusöhnen, die unsere Freunde im Lande und außerhalb des Landes mitunter anzuwenden lieben: ״Letzten Endes sind doch alle Schöpfungen in Erez- Israel nur erste, tastende Versuche der Verwirklichung, und man darf über sie nur mit schonender Liebe urteilen als einer, der sich mit dem Kern des Werkes identifiziert und deshalb Sünden in nebensächlichen Einzelheiten verhüllt.“ Es ist ein Körnchen Wahrheit darin. Aber in diesem einen Gebiete des Lebens zeigt sich in furchtbarer Gestalt der Fluch unserer Wurzellosigkeit, die keine Vertröstung auf Versprechunfen der Zukunft zuläßt. Ja noch mehr, hier liegt es in der ache selbst, daß die Häßlichkeit auch noch vor den Augen der kommenden Geschlechter stehen und einer besseren Zukunft vorbauen wird.... Ich meine die Häßlirhkeit der Bauart im jüdischen Palästina. Der Mangel an Geschmack, die Begrenztheit der Empfindungen, das honle Aufgeblasensein, der Haag zu Trennung und Disziplinlosigkeit (lies: ״Wahre Kultur“), die Gier, sich selbst hervorzutun auf Kosten der Umgebung, all dieses Sklaventum und diese seelische Niedrigkeit schreien bei den Bauten des jüdischen Palästinas von den Wänden, von jedem Gesims, von jedem Dache. Daß nicht die Armut dies verschuldet, bezeugen die Bauten, bei deren Errichtung nicht an Geld gesoart wurde — die aber in ihrer Mehrzahl noch häßlicher sind, da sie von Prätensionen strotzen. Ich beschwere mich nicht über den Mangel an einem ursprünglichen ״Stil“, im Gegenteil. Möchten doch die Anhänger der nationalen Ursprünglichkeit endlich aufhören, einen hebräischen Stil mit den Händen zu ״machen“, mit Anstrengung und Grübelei. Mögen sie dies lieber der Gnade des Bodens und des natürlichen Wachstums überlassen! Wie lächerlich und bar jedes künstlerischen Geschmacks sind doch die an die Wände feklebten Menoroth und Migtie David! In einer Epoche der inwanderung ist der Mangel an einem einheitlichen Stil natiirlieh und selbstverständlich. Die aus aller Welt Heimkehrenden müssen in ihren Häusern die besonderen Gewohnheiten der Fremde verkörpern, von denen der Mensch sich nicht auf einmal losreißen kann. Aber über einen Mangel kann der Mensch sich auch in unserer Generation beklagen, über einen moralischen und künstlerischen: über den Mangel an Wahrhaftigkeit in den Rohstoffen des Baues, der Bauart, der Teilung der Fläche, ihrer Wirkung nach außen, und besonders in den Bedürfnissen und Gewohnheiten, denen diese Bauten dienen sollen. Das ist nicht mehr ״nur“ ästhetischer Mangel. Die Lügenhaftigkeit dieser Bauten zerstört die Gesundheit und bringt Schaden an Kraft und Geld. Das Haus muß an erster Stelle dem Klima und den besonderen natürlichen Bedingungen im Lande entsprechen. Damit allein erfüllt es schon die künstlerische Forderung: Die Anpassung an den Charakter der Landschaft und die besonderen Eigenschaften des Weltteils. Hier und da werden in Erez-Israel verheißungsvolle Anfange einer gesunden und künstlerischen Bauart sichtbar. Eine kleine Gruppe Architekten verschönert allmählich mit ihrer schlichten Tat die Straßen unseres neuen Lebens. Wie Inseln stehen diese Bauten in der Umgebung architektonischer Schreckensgestalten und enthüllen die verborgenen Möglichkeiten der Zukunft. Wie das ״Wahrheitsprinzip“ in der Definition Spinozas so enthalten auch diese guten Bauten die Bestätigung ihrer Wahrhaftigkeit und den Beweis für die Lüge der anderen in sich. Unter diesen Baukünstlern in Erez-Israel ist eine der unzweifelhaften Begabungen Alex Baerwald, der Schöpfer des Entwurfes und jetzt auch der Leiter der Bauabteilung des jüdischen Technikums in Haifa. Eine Ausstellung hat jetzt die Möglichkeit gegeben, einen Einblick in die Qualität und Wesenheit seiner Werke zu gewinnen. Die ausgestellten *) Infolge Raummangels verspätet. Architekturentwürfe, die selbstverständlich den Kern der auch Gemälde, Radierungen und Lithographien umfassenden Aus- Stellung bilden, zeigen reiche Vielfältigkeit: Wohnhäuser ln verschiedenen Größen für Stadt und Dorf, Hotels, Synagogen, Banken, Kraftstationen, Volkshäuser und Gemeindeinstitutionen, Entwürfe für Markthallen und Handelszentren, Gartenkioske, elektrische Transformatoren. So vielfältig derart die Aufgaben gewählt sind, so einheitlich ist doch das innere Maß, das die Lösungen als Stempel der starken Persönlichkeit ihres Schöpfers tragen. Und dann muß man wieder die Elastizität und Wandlungsfähigkeit (ohne Verwischung des Charakters) und die architektonische Kultur Baerwalds bewundern, für die ein Vergleich mit seinen Bauten im Auslande lehrreich ist. In der Ausstellung findet man zwei Bilder von Landhäusern in Deutschland aus der Umgebung von Berlin und Leipzig. Wie verschieden sind diese Häuser von allem, was er hier geschaffen hat! Baerwald ist kein Mann der bloßen Geschicklichkeit, der starren Formen und festgefrorenen Gedanken. Boden, Himmel, Klima, Baumaterialien und Menschen verschiedener Art bewirken in demselben Künstler grundverschiedene Lösungen. Die Reife und die vollendete Beherrschung der Bautechnik geben ihm die Mittel dazu an die Hand. In jedem Entwurf findet man vor allem Exakt* heit und Vertiefung in die Grundbedingungen des Bauhandwerks: in die Raumverhältnisse, die Bedürfnisse der Menschen, die Qualität der Baumaterialien. Aus diesen Gegebenheiten der Wirklichkeit wächst jeder Entwurf wie von unten herauf, und nicht aus wurzellosen ״Stil“-Anleihen. Er versteht die Bodenbeschaffenheit bis zum Letzten auszunutzen, sich den Forderungen der Wirklichkeit bis zur äußersten Grenze zu unterwerfen — und gerade dadurch die Lösung in die Sphäre der Kunst zu erheben. Daher ist der in Baerwalds Bauten deutlich erkennbare Einfluß der arabischen Bauweise kein Zei hen von Epigonentum. Er übernimmt diesen Einfluß in wissender Erkenntnis und mit klarem künstlerischem Willen. Er liebt die Formen und die stilistische Dynamik der Araber, da sie nach seinem Geschmack in höchstem Maße die Bedingungen des Klimas und der Landschaft entsprechen. Da, wo in diesen Formen keine innere Wahrheit und konstruktive Notwendigkeit ist, ver'etzen sie (z, B. die beiden Kuppeln beim Entwurf für das Rathaus in Tel- Awiw, die, wie ich höre, mit Recht entfernt werden.. S'.e sind in doppeltem Sinne ohne jeden ״Geschmack“: unmotiviert und daher störend). Auf Erkenntnis und Empfindung des Menschen unserer Tage können nur Notwendigkeit und Wahrheit allein Eindruck machen. Jedes Zuviel wird sofort als überflüssig emp* funden. In der Wahrheit ist kein Verzicht auf Kunst, wie man einmal irrtümlich glaubte, sondern im Gegenteil ein künstierischer gesunder und erhabener Grundsatz, welcher der neuen Baukunst die Seele gibt: Artis sola domina necessites. Baerwald, man muß diese seine Schwäche zugeben, läßt sich manchmal aus dekorativen Gründen zu den Formen arabischer Baukunst hinreißen. Er ist gefangen von dieser Schönheit — vielleicht aus der Entdeckerfreude und dem starken Erleben des europäischen Menschen im Orient heraus. Aber seine guten und roß: n En würfe wachsen aus inneren Gründen hervo־, aus en Forderungen von Boden und Material, und es ist in der Natur der Dinge begründet, daß sie zu Lösungen führen, die denen der Araber gleichen. In den arabischen Bauten in Erez Israel ist ein Schatz von Erfahrungen in bezug auf Klima und Naturbedingungen angehäuft — ein Schatz von Generationen. Diese Formen sind nicht Ergebnisse des Zufalls: Sie wurden durch die Eigenschaften der Stoffe des Landes und durch die besondere Natur dieses Landstriches und dieses Himmels beeinflußt. Von diesem Gesichtspunkte aus ist es ein großes Verdienst Baerwalds, daß er Respekt vor der Bautradition und den Erfahrungen des Landes und ihre Aneignung fordert. Baerwalds Entwürfe verlangen Studium und Vertiefung in Einzelheiten bis in alle architektonischen Feinheiten hinein, was natürlich nicht die Aufgabe dieses Artikels ist, der sich mit den Hauptsachen und den Andeutungen der Dinge begnügen muß. Trotzdem will ich hier aus der Fülle der Entwürfe wenigstens einige hervorheben. Der Entwurf zur TachkemonischuTe in Tel-Awiw ist eine geradezu klassische Schöpfung. Wieviel ernste eindringliche Aufmerksamkeit wurde hier den Grundforderungen der Schule und den klimatischen Bedingungen gewidmet: Alle Klassenzimmer, ausnahmslos, sind gegen den Westwind geöffnet; er fürchtet sich nicht nach Osten zu eine glatte, fast völlig leere Wand hinzustel’.en, denn so verlangen es die Natur des Ortes und die Winde in Erez Israel — und trotzdem oder vielleicht gerade deswegen ist die Lösung so künstlerisch; ihre Schönheit ist von innen heraus begründet. Der große mit der Synagoge verbundene Saal wirkt schon durch seine horizontalen Proportionen und durch die schöne Anordnung der Licht- und Luftquel’en, und die Nische für die Heilige Lade wandelt sich wie von selbst in ein reizendes Ornament der Front. Die einzelnen Ecken des Hofes gehören zum Schönsten, was Baerwald geschaffen hat, und ich wünsche nur, daß der im Entstehen begriffene Bau in Tel-Awiw — entgegen der in Erez Israel herrschenden Unsitte — endlich einmal wirklich nach dem Entwurf gebaut wird. Jede leichte Abweichung wäre imstande, die Schönheit der Proportionen zu zerstören. Das Haus des Malers Hermann Struck ist vom Gesichtspunkte der Einführung in die Landschaft und seiner inneren Einleitung, die ein wirkliches Kunstwerk ist, eines der reifsten Bauwerke Baerwalds. Die Höhe von K'arheit und Einfachheit, zu der er sich darin erhoben hat, lehrt ein Vergleich mit dem Hause Brandstätter. Auch dieses ist eine in ihrer Weise vollkommene Schöpfung, aber hier gibt es noch etwas von unnötiger, verschwenderischer Pracht. Der Entwurf für die Anglo Palestine Company in Haifa zeichnet sich durch die absolute Ausnutzung der schmalen Bodenfläche 13,90 X 21,20 aus und durch die vollkommene Anpassung an die Aufgabe. Nach meinem Geschmack, ich möchte es nicht verhehlen, war das erste Projekt organischer und schöner: die Notwendigkeit einer befestigten und fensterlosen Wand für die Safes schafft von selbst einen stillen Rhythmus der Front. Ihr ästhetischer Hauptwert, die letzte Einfachheit, fand anscheinend in den Augert der Besteller, die eine wirkungsvollere und repräsentativere Front verlangten, keine Gunst. Interessant ist der großzügige Entwurf für das Handels- Zentrum in Haifa. Der Entwurf ist wie im Vorgefühl eines kummervollen Verzichtes mit dem Motto ״Süße Träume“ bezeichnet, als hätte der Künstler im voraus empfunden, daß es nur ein süßer Traum bleiben wrird. Mit vieler Liebe wurden hier friedliche Winkel im Schatten der am Bauplatze befindliehen Palmen erdacht. ״Das Cafö zu den 5 Palmen“. Ein rachtvolles Hotel und ein schmuckloses Foyer, ein herrlicher rannen und noch ähnliche Bauwerke waren in den sonst von rein praktischen Gesichtspunkten beherrschten Entwurf einbezogen. Entzückende Einzelheiten enthält der Entwurf zu den Handelshallen in der Nazarethstraße in Haifa. Er ist mehr praktisch, nutzt die Rodenfläche vollkommen aus und schafft Häuserreihen von herrlichem Rhythmus. Auch ein kleiner Wolkenkratzer fehlt nicht, der fröhlich in die Luft ragt. Daß Baerwald viel Liebe und tiefes künstlerisches Bestreben an eine kleine Aufgabe zu wenden weiß, bezeugen seine Projekte für ein Kolonistenhaus und ein Kwuzahaus, welche vom praktischen Gesichtspunkte der größtmöglichen Ausnutzung einner kleinen Fläche als auch vom künstlerischen Standpunkte aus geradezu vorbildliche Schöpfungen sind. Wie* viel Helle und Harmonie ist in dem Projekt für den ״Frohliehen Bauern". Von der schweren Problematik der jüdisehen Landwirtschaft in Erez Israel ist hier nichts zu spüren. Warum baut man bei uns nicht nach diesen Projekten? Vielleicht ist das die Folge der hohen Kosten. Baerwald pflegt zu sagen: ״Gut und billig ist unmöglich!“ Seine Bauten verlangen große Exaktheit und beste Qualität der Arbeit, Vertiefung in die Einzelheiten der Ausführung, beste und echte! Baustoffe, keine Surrogate — und das verteuert natürlich not* wendigerweise den Bau. Aber trotz alledem muß Baerwald lernen billig zu bauen, sonst werden die schönsten unter seinen Bauten dazu verurteilt werden, nur ״Sti.'le Träume“ zu b’eiben! Der Geldmangel ist eine der Grundbedingungen des Bauens in Erez Israel, und der Architekt ist verpflichtet damit ebenso zu rechnen, wie mit den übrigen Gegebenheiten der Wirk* lichkeit in unserem Lande! Baukunst ist kein Luxus, und echte Kunst soll Eigentum des ganzen Volkes werden. Leicht kann man aus der Kunstgeschichte an vielen Orten Beispiele an* führen, die bezeugen, daß eine gesunde Baukunst sich auch in geldarmen Epochen entwickelt, ja, daß sich dann sogar höchste künstlerische Einfachheit kristallisiert und dauernde Werte schafft. Knappheit der Mittel kann uns auch in der Kunst zu einer gesunden Basis führen, zu künstlerischer Sparsamkeit und Oekonomie, Baerwald darf sich nicht mit papierenen Entwürfen oder mit Preisen und Lob begnügen, die nicht die Ausführung nach sich ziehen. Seine Bauten sind würdig, gebaut zu werden. Gut und billig ist — bei einem Künstler — möglich, es muß möglich sein! Es ist mir eine angenehme Pflicht, mit einem Glückwunsch zu schließen: Baerwald vollendete kürzlich sein 50. Lehensjahr. Die Jahre seines Lebens waren voll von Schaffen, Fleiß und Taten. Er ist freilich noch weit entfernt von dem Ruheverlangen eines Jubilars, seine Gedanken sind jugendfrisch strömend und entflammen immer neu bei jeder neuen Berührung mit architektonischen Fragen, sein Schaffen ist reich und freudig wie die Gabe seiner besten Jahre. Und in Wahrheit gelang er erst jetzt auf die Höhe eines Lebens und seiner Leistung. Mit Recht bemerkte irgendwo der große Baumeister Otto Wagner, daß die erfolgreichste Schaffensperiode bei dem Baukünstler im Gegensatz zu den anderen bildenden Künstlern erst im reifen Mannesalter beginnt, und daß deshalb viele von den großen Baumeistern der Geschichte bis Ins höchste Oreisenalter lebten, ohne daß bei ihnen die Schaffensfreude erlahmte. Möge auch Baerwald dieses Los beschieden sein! Von der indischen Nationalbibliothek Die Kollektion von Autographen und Porträts (Samm* lung Dr. Schwadron) in der Jüdischen National* und Universitätsbibliothek Jerusalem ist in letzter Zeit durch zahlreiche Spenden neu bereichert worden. Herr Abraham Aidema spendete eine Anzahl von wichtigen Manuskripten und Photographien des Begründers des Nationalfonds Prof. Schapira. Darunter waren auch die ersten Programmentwürfe für den Nationalfond, Briefe von Mohilewer, Lilienblum, Slonimski u. a. Ferner einen bisher unveröffentlichten humoristischen Traktat ״Massecheth Chassidim“. Frau Ada L. Hy am übergab eine Briefsammlung des Geographen Ney Elias und seines Vaters der Bibliothek. Ferner Briefe und Dokumente von Dr. Bernhard Magnussen, eines dänischen Juden, der am Emanzipationskämpfe in den 40er Jahren des vorigen Jahrhunderts teilgenommen hat. Der greise hebräische Schriftsteller N. D. Brandstätter übergab der Bibliothek ein Manuskript seiner Jugendgedichte, die nicht veröffentlicht worden sind. Von Dr. Alexander S c h o r erhielt die Bibliothek das Gemeindebuch der Gemeinde Bukaczowce in Ostgalizien. Das rumänische Komite der Bibliothek übersendete 200 Bücher, darunter wichtige B־oschüren zur Geschichte der Juden in Rumänien. Prof. Sigmund Freud übersendete der Bibliothek die neue zehnbändige Ausgabe seiner Werke. Die Witwe des verstorbenen Arztes Dr. A. Sachs übergab der Bibliothek Werke aus seinem Nachlaß, darunter wichtige Bücher zur jüngsten deutschen Geschichte. Herr und Frau S. A. Joffe, New York, übersendeten der Bibliothek eine 10€0 Bände umfassende wertvolle mathematische Sammlung, welche Serien mathematischer Zeitschriften und gesammelte Werke hervorragender Mathematiker und Physiker enthält. Dr. Julius J a r c h o, New York, begründete in der Bibliothek eine Abteilung für Sport und Spiel. Orienlreiscu Der Palestine Liovd, Jerusalem, hat ein kleines, schön au» gestattetes und mit Photographien geschmücktes Büchlein mit einer Beschreibung einer Reihe von Reisen und Ausflügen in Aegypten, Palästina, Transjordanien und Syrien heraus^egeben. Es enthält Vorschläge für ein- bis zwanzigtägige Reisen mit genauer Angabe der zu besichtigenden Sehenswürdigkeiten und der Pauschalpreise, für die der Palestine Lloyd die Durchführung dieser Ausflüge übernimmt. Das Büchlein enthält auch die in Betracht kommenden Eisenbahnfahrpläne in Aegypten, Palästina, Transjordanien und Syrien unter Angabe der Fahrpreise erster und zweiter Klasse. ״Versöhnung“ fn der Türkei Konstantinopel, 3. Oktober. (J.T. A.) Mehrere prominente Juden der Türkei haben sich zu einer Gesellschaft vereinigt, die das Ziel verfolgt, die türkische Sprache allmählich zur Muttersprache der Juden in der Türkei werden zu lassen. Sie wird dafür Propaganda machen, daß in den jüdisehen Schulen türkisch als Unterrichtssprache eingeführt werde und daß Abendkurse für erwachsene Juden zur Erlernung der türkischen Sprache eingerichtet werden. Die türkische Presse drückt ihre Genugtuung über die Arbeit dieser Gesellschaft aus und nennt ihre Ziele in höchstem Maße patriotisch. Die im Zusammenhang mit dem Konstantinopeler Judenprozeß in Smyrna stattgefundenen antijüdischen Demonstrationen und Ausschreitungen haben auch in türkischen Kreisen peinlich bcrührt. Eine Abordnung türkischer Notabein, Aerzte, Advokaten und Geschäftsleute, drückte den jüdischen Notabein in Smyrna ihr Bedauern und ihre Empörung darüber aus, daß türkische junge Leute, aufgestachelt durch die unverantwortliche Pressehetze, gegen ein so ehrenhaftes und friedliches Element, wie es die jüdische Bevölkerung der Türkei ist, so schnöde sich benehmen konnten. Die Beruhigungsversuche sind wohl eine Folge der verschiedenen ausländischen Proteste gegen den türkischen Antisemitismus. Man muß die weitere Entwick’ung abwarten. Früher hat sich das Mittel der bedingungslosen Unterwerfung der fürkischen Juden unter den Druck der türkischen Chauvinisten leider nicht als taugliches Mittel erwiesen, um den türkischen Judenhaß aus der Welt zu schaffen. Konstantinopel, 3. Oktober. (Jf. T. A.) Auf Anordnung der Polizei wurden die Bücher der Orientloge Bnei Brith beschlagnahmt; sie werden jetzt dnhaufhin geprüft, ob die Orientloge wirklich einen großen Geldbetrag zur Bestreitung der Begräbniskosten für das von dem Türken Osman Bcy ermordete jüdische Mädchen Elsa N i e g 0 hergegeben hat.

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