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Jüdische Rundschau · 1927-10-14 · Heft 81-82 (14.10.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 81-82 (14.10.1927)
Date
1927-10-14
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 578 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 14.X. 1927 Legalisierung der Zionistischen Organisation in Ungarn Aus Budapest kommt die erfreuliche Mitteilung, daß es f)r. Nison Kahan, dem derzeitigen Präsidenten des Zionistischen Landeskomitees, nach vieljährigen fruchtlosen Bemühungen g e - Jungen ist, endlich die Legalisierung der Zionistischen Organisation bei der ungarischen Regierung durchzusetzen. Am Erev-Rosch Haschanah wurde Dr. Kahan ins Ministerium des Innern geladen, wo ihm vom Chef des politischen Departements offiziell ‘mitgeteilt wurde, daß der Minister des Innern die Statuten der ungarischen zionistischen Landesorganisation bestätigt hat und Gewicht darauf legt, daß dies den Zionisten ztim Neu״ jahrsfeste mitgeteilt werde. * Die Geschichte dieser Legalisierung verdient eine ausführliehe Darstellung. In Ungarn ist die Gründung von Vereinen an die Genehmigung seitens des Ministeriums des Innern und Legalisierung der Statuten gebunden. Es kostete einen fünfundzwanzigjährigen Kampf, bis es gelang, die Regkrungsgenehmigting zu erwirken, da die offiziellen Vertretungskörperschaften der ungarischen Judenheit seit Jahrzehnten kein Mittel unversucht ließen, um die Legalisierung der Zionistischen Organisation in Ungarn zu vereiteln. Die ersten Statuten wurden durch den ״ßudapester Zionisten-Vcrein“ im Juli 1902 der Regierung unterbreitet und von dieser der ״Israelitischen Landeskanzlei“ zur Begutachtung übermittelt. Das Gutachten lautete: Die ungarische Judenheit wolle nicht nach Zion auswandern, die Zionisten senden die gesammelten Gelder ins Ausland, ohne daß deren Verwendung kontrolliert werden könnte und schließlich würde die Legalisierung der Organisation die Einmengung in die inneren Verhältnisse eines fremden Staates, der Türkei, bedeuten. Auf Grund dieses Gutachtens wurde vor genau 25 Jahren, am 26. September 1902, zum erstenmal die Genehmigung der Zionistischen Organisation durch die Regierung verweigert Dasselbe Schicksal erlitten noch mehrere von zionistischen Vereinen in den darauffolgenden Jahren unterbreitete Statuten. Im Jahre 1900 wandte sich die ״Ungarländische Zionistische Organisation" Und gleichzeitig der zionistische akademische Verein Makkabäa an das Ministerium und bat um Legalisiemng der Statuten. Abermals wurde ein Gutachten der Israelitischen Landeskanzlei eingeholt. Diesmal wurde seitens dieser offiziellen, israelitischen Landesbehörde darauf hingewiesen, daß die Zionisten größtenteils unverläßliche Ausländer seien, im Lande eine jüdische Nationalitätenbewegung organisieren wollen, es wurden überdies die Argumente aus dem Jahre 1902 wiederholt und bezüglich der Makkabäa auch noen hervorgehoben, daß die jungen Leute bezüglich der Geldgebarung unverläßlicli wären. Die Regierung wurde ganz besonders darauf aufmerksam gemacht, daß eine Legalisierung der Zionistischen Organisation ״internationale Komplikationen nach sich ziehen könnte“. Naturlieh wurden nach diesem von jüdischer Seite unterbreitetem Gutachten die Statuten wieder nicht bestätigt. Gleichzeitig versandte die Landeskanzlei an sämtliche Kultusgemeinden eine Abschrift ihres Memorandums mit einer Aufforderung, das Umsichgreifen der zionistischen Bewegung zu verhindern. Im Jahre 1909 versuchte es die Makkabäa, die Regierung zur Genehmigung von Statuten zu bewegen, in denen der zionistische ZwecK des Vereins ziemlich verschleiert wurde. Doch die Israelitische Landeskanzlei war auf der Hut und machte die Regierung eingehend darauf aufmerksam, daß es sich um eine heimliche Einschleppung des Zionismus handle. 1910 richtete die Zionistische Landesorganisation ein ausführliches Memorandum an die Regierung, in dem das Programm des Zionismus eingehend behandelt und gegen die antipatriotischen Verdächtigungen der Zionisten Stellung genommen Wtttde,. Pi« Regierung schien diesmal, gewillt zu sein, die Gerielihflgüng zu erteilen und erachtete es als überflüssig, von der Landeskanzlei ein neueres Gutachten abzufordern. Di« Landeskanzlei erhielt jedoch von der Sache Kenntnis und ohne hierzu aufgefordert zu sein, unterbreitete sie der Regierung ein Gegenmemorandum, in welchem diesmal auf die innerpolitischen Gefahren hingewiesen wurde, die aus der Anerkennung einer jüdisch-nationalen Bewegung in Ungarn erwachsen würden, es wurde den Zionisten zur Last gelegt, daß sie bestrebt seien, den Frieden in den Kultusgemeinden zu zerstören und daß die patriotisch gesinnte ungarische Judenheit mit diesen ausländisehen Elementen nichts gemein haben will. 1913 intervenierte der Präsident der Zionistischen Organisation, David Wolffsohn, persönlich bei der ungarischen Regierung, doch hatten auch seine Schritte, wiewohl sie durch den damals politisch sehr einflußreichen Grafen Theodor Battyänyi unterstützt wurden, keinerlei Erfolg. Im Dezember 1913 reichte die Zionistische Landesorganisation neue Statuten ein und erwirkte, daß diese einer neuerlichen Untersuchung unterzogen wurden. Im März 1914 wurden diese Statuten abermals der Israelitischen Landeskanzlei zur Begutachtung ausgeliefert. Die Landeskanzlei erachtete es für angezeigt, diesmal eine neue Taktik zu befolgen. Trotz unzähliger Urgrenzen behielt sie den Akt bei sich und erst durch energisches Auftreten der Regierung wurde von der Landeskanzlei nach sieben Jahren, im Mai 1921, ein neues Gutachten unterbreitet, das noch immer gegen eine Legalisierung der Organisation sich verwahrte, jedoch in der Argumentation diesmal eine Verdächtigung der Zionisten in patriotischer und politischer Be- Ziehung unterließ. Da inzwischen auch die Orthodoxie in Ungarn zur Macht gelangt war und über eine eigene orthodoxe Landesknnzlei verfügte, wurden die Statuten diesmal auch art sie übermittelt. Die Orthodoxie versuchte es, die Taktik der Neologie nachzuahmen und trotz zahlreiche. Interventionen und Proteste verstand sie cs, volle zwei Jahre die Statuten bei sich zuriickzuhalten. Erst im April 1923 erklärte sich auch die Orthodoxie gegen die Legalisierung, und zwar aus religiösen Gründen! Diese einmütige Stellungnahme der offiziellen Judenheit hatte zur Folge, daß jedwede zionistische Tätigkeit durch die Behörden strengstens verboten wurde, nachdem schon zuvor die oiinc Statuten" wirkenden Zionistenvereine aufgelöst worden waren. Nachdem alle Versuche, einen Wandel der Lage zu schaffen, fehlgeschlagen hatten, unternahm es die Londoner Zionistische Exekutive, die Legalisierung durchzusetzen, da die Zionistische Organisation es keineswegs gleichgültig hinnehmen konnte und durfte, daß 500 000 ungarische Juden aus der zionistischen Bewegung ausgeschaltft wurden. Es folgten verschiedene Interventianen seitens der Exekutive, doch ohne Erfolg. Anfangs 1925 gelang es dem Generalsekretär der Exekutive, Hem! Israel Cohen, endlich bei der Regierung durchzusetzen, daß die führenden Persönlichkeiten der ungarischen Judenheit vom ungarischen Kultusminister zu einer Besprechung geladen wurden, mit dem Ersuchen, ihre bisherige Stellungnahme einer eventuellen Revision zu unterziehen. Die Konferenz fand in Gegenwart des Ministers statt, doch führte sie zu keinem. Ergebnis. Auf Ersuchen der Exekutive berief einige Monate später Ministerpräsident Graf Bethlen die beiden Führer der orthodoxen und neologcn Juden zu sich, um eine Ueberbräckung der Gegensätze zu versuchen. Trotz des offenbaren Wohlwollens der ungarischen Regierung und des Grafen Bethlen erwiesen sich jedoch die beiden Präsidenten als intransigent und legten gegen eine Legalisierung der Zionistischen Organisation bei der Regierung Protest ein. Nachdem auch diese Versuche gescheitert waren, schien es, daß weitere Schritte unterlassen werden müßten. Und diesen Standpunkt schien auch die Exekutive zu teilen. Im Februar 1927 fand nach mehrjähriger Unterbrechung eine zionistische Landeskonferenz statt und es wurde mit Dr. Nison Kahan als Präsidenten ein neues Landeskomitee gewählt, das sich die Legalisierung der Zionistischen Organisation zur Hauptaufgabe machte. Im Man wurden der Regierung neue Statuten unterbreitet und als Zweck der Organisation wurde die Schaffung des im Palästinamandat gewährleisteten Jüdischen Nationalheimes fixiert. Gleichzeitig wurde der Regierung ein Memorandum übermittelt, das an Hand eines sehr reichhaltigen Dokumenten- und Büchermaterials die Aufgaben und Resultate der Zionistischen Weltorganisation veranschaulichte. Es gelang, bei der Regierung den Standpunkt klarzumachen, daß die zionlstische Bewegung keine konfessionelle Bewegung sei, daß der Zionistischen Organisation als Jewish Agency 1m Palästinamandat wichtige politische Rechte zugestanden wurden, deren Verwirklichung von sämtlichen Mitgliedern des Völkerbundes gewährleistet werden. Inwiefern Ungarn an der Verwirklichung von sämtlichen Mitgliedern des Völkerbundes gewährleistet werde . Inwiefern Ungarn an der Verwirklichung des Palästinamandates interessiert sei, entziehe sich ganz der Kompetenz der konfessionellen israelitischen Landeskanzleien und diese seien keineswegs berufen, in Fragen des Zionismus ein Gutachten abzugeben. De Regierung konnte sich dieser Argumentation nicht verschließen und an Steile der Landeskanzleien wurde diesvom ungarischen Ministerium des Aeußern ein Gutachten eingeholt. Nach eingehender Untersuchung der Frage wurde von diesem Ministerium die Legalisierung der Zionistischen Organisation befürwortet und diesem kompetenten Gutachten schloß sich auch das Ministeipräsidium an. Nun stand der Legalisierung der Statuten nichts weiter im Wege und am 26. September Unterzeichnete der Minister des fnnern Bela von Seitovszky eigenhändig den Ministererlaß, mit dem nach fünfundzwanzigjährigem schweren Ringen die Legalität der zionistisehen Bewegung in Ungarn anerkannt wurde. 10 000 Pfand aas Südafrika Johannisburg, 5. Oktober. (J.T.AJ Der Vollzugsausschuß der südafrikanischen zionistischen Föderation erhielt vor kurzem aus Basel ein von Dr. W e i z m a n n und S o k o - low unterzeichnetes Telegramm mit dem Ersuchen, sofort 10 000 Pfund als außerordentliche Keren Hajessod-Leistung nach Palästina zu senden. Der Vollzugsausschuß kam dieser Aufforderung nach und hat bereits die erwähnte Summe nach Palästina gesandt. Ein Bericht der Jaliaer Handelskammer In der Halbjahresversammlung der Jaffaer Handelskammer wurde Bericht über die Handelslage erstattet. De großen Firmen, heißt es darin, konnten sich leicht den neuen Bedingungen anpassen, allein die kleineren Firmen wären stark erschlittert. In dem Handelszentrum Jaffas existieren zu viele Kleinläden, eine Reduktion derselben wäre zur Sicherung der Existenz der Bleibenden zu wünschen. Die Lage dieser Geschäfte ist besonders dadurch unsicher, weil zu ihren Kunden eine große Zahl Arbeitsloser gehört. De unsichere Lage der Kleinladen gefährdet aber auch den Großhandel. De Lage der lokalen Industrie ist weit besser, als allgemein angenommen wird. De kleineren Industrien, deren Unternehmer technisch nicht vorbereitet waren oder über zu wenig Kapital verfügten, mußten verschwinden. Anders aber die Industrien, die über administrativ und technisch geschultes Personal sowie über genügend Kapital verfügten; diese haben ein gutes Fundament und prosperieren. Die Lage des Orangenmarktes (Orangen bilden den Hauptproduktionszweig Jaffas) ist diesmal n i c h t g ut. In der zweiten Hälfte aer Saison 1926/1927 sanken die Preise, und Kaufleute,;4i«־ji1wder.ersten!Jüllfte der■ Saison Anschaffungen machten, mußten viel verlieren. Auf der anderen Seite hatten die Pflanzer eine gute Einnahme; ihre vorzügliche ökonomische Lage bildet einen Lichtpunkt in dem sonst wenig erfreulichen Bilde. Die neue Palästinawährnng Jerusalem, 2. Oktober. (J.T. A.) Zwischen den Reglerungen Palästinas und Aegyptens bestehen DfJerenzen in der Frage des Rückflusses von ungefähr einer Million ägyptische Pfund in Noten und 200000 ägyptische Pfund in Silber und Nickel nach Aegypten, die nach Einführung der neuen Währung in Palästina außer Kurs gesetzt werden. Die Verhandlungen werden zwischen dem Finanzminister der ägyptischen Regierung und dem britischen Oberkomtnissar in Kairo, der die Palästina-Regierung vertritt, geführt. De ägyptische Regierung erhebt Anspruch auf eine Entschädigung für den Wertverlüst der Silbermünzen, den diese während ihres Um- Iaufs in Palästina durch Abnutzung erfahren haben. Der Ver* treter Palästinas führt demgegenüber ins Treffen, daß dieser verhältnismäßig kleine Verlust reichlich aufgewogen wird durch den Nutzen, den Aegypten durch den zehnjährigen Umlauf seiner Währung in Palästina gehabt hat. Die neue palästinensische Währung wird am 1. November ln Kraft treten. Bekanntlich sind im Juli £ 430 000 und später wiederum £ 400 000 Noten und Münzen der neuen Währung in Palästina eingetroffen. Staatskredit Iflr die Opier des Erdbebens Jerusalem, 2. Oldober. (J.T.A.) Offiziell wird mitgeteilt: Die Regierung Palästinas hat eine Summe von £ 100000 zwecks Gewährung von Darlehen an Erdbeben geschädigte bereitgestellt; die Darlehen sollen für Wiederaiifbauarbeit verwendet werden. Die Darlehen sind in spätestens 10 Jahren rückzahlbar. Der Zinsfuß beträgt 6 «/» jährlich. Ein Pro Palästina-Komitee in Lettland Riga, 9. Oktober. (J.T. A.) Dr. Chaim Arlosoroff, der gegenwärtig in Riga weilt, hat in Begleitung des Sejmabgeordneten Prof. M. Laserson den Präsidenten des lettländi sehen Sejm, Dr. Kalnin, und den Außenminister Z eie ns besucht. Die beiden Staatsmänner, die der sozialdemokratischen Partei angehören, zeigten sich über die jüdische Arbeiterbewegung wohlinformiert und sprachen ihre Bereitwilligkeit aus, für das Zustandekommen eines lettländischen Pro Palästina-Komitees nach dem Muster der schon in Deutschlaud, Frankreich, England und in anderen Ländern bestehenden Komitees zu wirken und demselben anzugehören. Die warmen Quellen von Tiberlas Jerusalem, 7. Oktober. (}.T.A.) Eine Beschwerde der Gemeinde von Liberias betreffend die Eigentumsrechte an den heißen Quellen von Liberias hat Lord Plumer dahin beantwortet, daß die Quellen nicht Gemeindeeigentum, sondern Staatseigentum seien. Demgemäß hat der Oberkommissar die Niederreißung der jetzt bestehenden Gebäude angeordnet, damit Platz für moderne Bauten und Einrichtungen frei werde. Die Regierung wird demnächst über die Vergebung einer Konzession zur Ausnützung der Quellen nach modernen Gesichtspunkten der Therapie eine Entscheidung treffen. Am 22. September wurde die Landwirtschaftliche Aus■ Stellung in Haifa geschlossen. Amerys Rede in Johannisbnrg Wir haben seinerzeit kurz den Inhalt der Johannisburger Rede des britischen Kolonienministers Amery über die englische Politik in Palästina mitgeteilt. Nunmehr liegt uns der volle Text der vor den südafrikanischen Zionisten gehaltenen Rede vor und nachstehend geben wir einige markante Stellen aus ihr wieder. Amery sagte u. a.: Sir Mark Sykes war es, der um meine Sympathie für den Zionismus warb. Anfangs galt mein Interesse hauptsächlich den militärischen Gesichtspunkten: die britische Haupthandelslinie über den Suezkanal könne nur gesichert werden, wenn es ein starkes, blühendes Palästina im Norden gäbe; ein solches Palästina läge im Inter- In diesem Geiste übernahm die britische Regierung das Mandat und damit eine jedenfalls nicht leicht zu tragende Verantwortung. Es war gewiß keine leichte Aufgabe, die Gesichts* punkte der Balfour-Deklaration mit unserer Verpflichtung, die Interessen der arabischen Bevölkerung zu berücksichtigen, in Einklang zu bringen. Viele hegten anfangs extravagante Er- Wartungen mit Bezug darauf, was in Palästina in wenigen Jahren zu schaffen möglich wäre. Die übertriebenen Hoffnungen auf der einen Seite und die übertriebene Panik der arabischen Bevölkerung auf der anderen Seite trugen mit dazu bei, in den ersten Jahren bei einem Teil der britischen Öeffentlichkeit Zweifel an der Durchführbarkeit unseres Unternehmens zu erregen. Ich gebe Ihnen aber die Versicherung, daß die stetige Politik der britischen Regierung in Palästina, und die Administration unter Sir Herbert S a in u e 1 und Lord P1 u m e r es erreicht haben, alle Befürchtungen und Zweifel des britischen Volkes zu zerstreuen. Die gesamte britische Nation steht treu hinter dem Gebote der Verwirklichung des Mandates. Ein Wechsel in der Parteipolitik Englands ward nie auch nur die geringste Wirkung auf die Weiterführung der Administration in Palästina haben. Auch wird, was ebenso wichtig ist, eine herzlichere und bessere Verständigung mit der arabischen Bevölkerung erzielt. Es ist nicht zu leugnen, daß unter den aktiveren politischen Elementen der Araber noch eine starke Opposition gegen das Mandat besteht. Aber auch diese Opposition ist wesentlich anderer Art als die frühere. Wir haben mit der Einrichtung von Oemeindeselbstverwaltungen begonnen. Eines der erfreulichsten Zeichen für den gesunden Fortschritt ist die Tatsache, daß bei den vor einigen Monaten durchgeführten Gemeindewahlen in Jerusalem und in anderen Städten die extremen Nationalisten einer Vereinigung der gemäßigten Araber und der Juden leicht unterlagen, wir bauen auf gesunder Grundlage, auch wenn wir langsam bauen müssen. Minister Amery schloß mit der Versicherung, daß die britische Verwaltung in Palästina, während sie darauf bedacht sei, die Interessen aller Teile der Bevölkerung wahrzunehmen, absolut ehrlich und loyal ihrer Mission sich bewußt ist, im Oeiste und in der Tat das im Namen Lord Balfours im Jahre 1917 §' an einer anderen verantwortlichen Stelle in der Verwaltung Palästinas tätig sein werden, gewissenhaft erfüllt werden wird, esse der Juden der ganzen Welt. Ein weiterer Gesichtspunkt war die Forderung nach Konsolidierung des Mittleren Ostens, in welchem neue Probleme entstanden und ein neuer Nationalismus erwacht war. Eine Wiederbelebung des kulturellen Einflusses, den die Juden in früheren Zeiten in diesem Teile der Welt ausübten, wurde der beste Weg zur Herbeiführung einer Verständigung zwischen diesen Ländern und dem Westen. Schließlich interessierte mich die Wirkung des Bestehens eines jüdischen Nationalheims in Palästina auf die Gesamtiudenheit. Jeder erkannte, daß nur ein kleiner Teil der über die ganze Welt verstreuten Juden ein Heim in Palästina finden könnte. Es galt also nicht, das' Problem der Schaffung einer Heimat für alle Juden zu lösen,' sondern einen Beitrag zur Lösung jenes Problems zu liefern: Wi e sollen die Juden überall in der Welt leben? Der Jude wird ein besserer lind stolzerer Bürger seines Landes sein, wenn er das Bewußtsein haben wird, daß in dem alten Lande, das die Wiege einiger der größten Ideen war, die die Geschicke der Menschheit bestimmten, auch jetzt noch ein Teil seines Volkes in Freiheit, seine eigene Kultur pflegend, die eigene Sprache sprechend, lebt und die großen Eigenschaften der Rasse entwickelt. Der palästinensisch-syrische Handelsvertrag Tel-Awiw, 7. Oktober. (J.T.A.) Der Arbeiterrat und der Fabrikantenverein von Tel-Awiw hielten eine gemeinschaftliche Beratung über das zwischen der Palästina-Regierung und Syrien abgeschlossene Handelsabkommen ab. Dieses Abkommen hat die Gefahr heratifbeschworen, daß der syrische Markt gegen palästinensische Industrieerzeugnisse vol'komincn abgesperrt werde. Es erwies sich, daß in diesem Punkte die Interessen der Arbeiterschaft mit denen der Fabrikanten übereinstimmen. Namentlich sind die Textilindustrie und die Lederbranche durch das Abkommen mit Syrien bedroht. Es wurde beschlossen, eine Aktion zur Aufklärung der Oeffentlichkeit Palästinas und des Auslandes über die schädlichen Folgen dieses Abkommens einzuleiten und für dessen Abänderung zu wirken. * Der ״Haarez“ berichtet: Die Fabrik Lodzia weist eine schöne Entwicklung auf, hauptsächlich dank der Tätigkeit von Schenkar, der sein ganzes Vermögen in diese Fabrik investiert hat. Die Zahl der Arbeiter ist von 48 auf 128 gestiegen, darunter sind zahlreiche Familienväter. Die Produktion erreicht an Güte und Schönheit die ausländische Ware, so daß es gelungen ist, sowohl in Palästina als auch in Syrien große Absatzgebiete zu finden. In den letzten Monaten hat die Lodzia 40 °/0 ihrer Produktion nach Syrien ausgeführt, was den Aushau der Fabrik auf ihren jetzigen Stand ermöglichte. Jedoch droht das neue Zollabkommen mit Syrien diesen Export wieder ganz zu unterbinden, so daß die Lodzia gezwungen sein wird, ihre Produktion auf die Hälfte einzuschränken, da die Aufnahmefähigkeit des palnstinensischen Marktes nur eine geringe ist. Herr Schenkar, der jetzt im Auslande weilt, hat bereits von dort aus der Fabrikleitung den Auftrag gegeben, vom Tage des Inkrafttretens des syrischen Zollvertrages die Produktion auf die Hälfte einz 11 schränken. Es liegen auch jetzt zahlreiche Bestellt!!!- . können, falls das neue Zollabkommen in Kraft tritt. Nur Palästinenser im Eisenbahnwesen Jerusalem,3. Oktober. (J.T. A.) Die arabische Zeitung ״Iqdam“ meldet aus Haifa, aaß der General Manager der palästinensischen Eisenbahnen beschlossen hat, nur palästinensische Staatsbürger als Beamte und Arbeiter im Eisenbahnwesen anzustellen. Wien, 7. Oktober. (J. T. A3 Der Präsident der Zionistisehen Organisation Oesterreichs. Dr. Leo G o 1 d h a m m e r, hat infolge von Differenzen sein Amt niedergelegt. Warschau, 4. Oktober. (J.T.A.) In diesen Tagen begaben sich aus Polen 90 Juden zu ständigem Aufenthalt nach Palästina, unter ihnen 50 aus Warschau.

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