Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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. 1927 Nr. 81/82, 14. X. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 577 rung Dr, verbreitet nüen wir en. Nach? längere tabe. Er len Korn• r. W e i 7■ , welches 11 Grundtune zur hatte die r Leitung selbst als ission zu vollrnächler dieses Ionischen Problems kanischen iter einem ig, direkt ehr durch u c h mit ersönliche te um die :11 würde, »che Wirirch den jüdischen ser inbe- »nomische nügenden denkbar t aber in lewegnng oder ihre md ihrer endenzen, ־ der ziolicht auch skys an Arbeiten phierte: 1 Sie Basel ttes nicht zwischen rorhanden ich hoffe, gehandelt Sie nicht enheit in wir alle zu vollenerden, die eher, daß :k hervorin sandte tion muß zen jeden en Standledanken- Loyalität 1t züsteht. einer Zu- und dem nistischen hin unter idatmacht m Grund- 1 als Vor- Idlich, um;dien Leist in Anionischen in meiner licht, dem itte meine )olitischen lenum, zu I ״beiter zu hrend der mek. Am 1 Arbeiten September die Arbeit Tag vvururisgebiet l weitere 1 Nahalal. auf Rechisse. Die eh eiuen, waren t. 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Der Prozeß der Differenzierung innerhalb der zionistischen Bewegung, vor allem innerhalb der sogenannten allgemeinen Zionisten, der Prozeß der Gruppenbildung und der Beurteilung aller Teilfragen unter einheitlichen großen Gesichtspunkten hat in den letzten Jahren erhebliche Fortschritte gemacht. Es gab, von innert her ge- -eben, kaum Landsmannschaften auf dem Kongreß, wenn sie;!lieh leider infolge der veralteten Organisationsbestimmungen noch formell und kongreßtechnisch vorhanden waren, was sich dauernd störend bemerkbar machte. (Die Reform des Organisationsstatut.% die dem Aktions-Comite übertragen wurde, wird in erster Reihe dafür sorgen müssen, auf dem Kongresse ein Fnde mit den Landsmannschaften zu machen und das Prinzip der Fraktionierung konsequent auch in organisatorischer Hin- I sicht durchzuführen.) Aber auch die formell noch vorhandenen Landsmannschaften waren auf diesem Kongresse de facto schon fraktionell gegliedert, und es gab kaum eine Abstimmung, in der — wie oft auf früheren Kongressen — zufällige Momente den Ausschlag gaben; vielmehr stimmten alle Delegierten immer auf Grund ihres Parteiprogrammes, so daß die wirkliche politische Willensbildung der Majorität des Kongresses fast stets adäquat zum Ausdruck kam. IWeil der Kongreß in seinem Willen und seinen Anschauäugen bewußter war als frühere Kongresse, war er auch sehr ivl selbstbewußter. Vor allem war er frei von der Belastung, ilic den Karlsbader und insbesondere auch den Wiener Kongreß demoralisiert hat, und die sich aus der Beziehung des Kongresses zu Präsident Dr. Weizmann ergab. Es gab auf diesem Kongrosse, und das soll gern anerkannt werden, kein Problem Weizmann. Der Kongreß stand nicht unter der Drohung fortwährender Demissionen und hätte sich auch aus dieser Drohung wahrscheinlich nicht allzuviel gemacht. Viel stärker als in hi heren Jahren war sich deT Kongreß seiner souveränen Rechte und seiner außerordentlichen Verantwortung bewußt. Er war der parlamentarischste aller Kongresse im guten Sinne des Wortes und —■ um dies vorwegzunehmen — auch die Vorgänge hei der Wahl der Exekutive, so sehr sie sachlich und in ihrem! igebnis unbefriedigend sind, waren doch in der Form durchaus parlamentarisch; Gruppen stellten Bedingungen für ihre Zustimmung; es wurde um diese Bedingungen gerungen, und in viel höherem Maße als früher ging es bei alledem diesmal um sachliche Fragen und um prinzipielle Differenzen. Das gilt ן auch in vollem Maße von dem mit Unrecht viel angegriffenen Misrachi, wie immer man sich auch in der Sache zu seinen Forderungen stellen mag. Darum hat man allen Anlaß, mit dem Kongreß als solchem zufrieden zu sein. Er war das Symptom einer beginnenden Gesundung der Bewegung und eines wachsenden Organisations- Bewußtseins. Dies muß besonders allen denen gegenüber hervorgehoben werden, die gerade vor diesem Kongreß versucht haben, die Bedeutung des Kongresses zu bagatellisieren, seine Rechte zu beschneiden und ihm beinahe das Todesurteil 7u sprechen. Gerade dieser Kongreß hat alle diese Ansichten Lügen gestraft und gezeigt, daß er noch immer, und für lange hinaus nicht nur das beste, sondern das einzige Mittel Ist, um den politischen Willen der zionistischen Bewegung wirklich zum Ausdruck zu bringen und daß er das Recht hat, verlangen zu dürfen, in allen entscheidenden Fragen zionistischer Politik und Arbeit die souveräne Entscheidung zu treffen. II. So sehr dieser Kongreß in seiner Struktur und in der Form seines Verlaufes einen Fortschritt bedeutet, so sehr ist er auch als Symptom einer fortschreitenden politischen Erkenntn i s innerhalb der großen Majorität der Zionistischen Organisation zu begrüßen. Ohne Uebertreibung kann ״gesagt werden, daß wenigstens, was die außenpolitischen Probleme unserer Bewegung betrifft, dieser Kongreß einen unbestreitbaren Erfolg der oppositionellen Ansichten gebracht hat. Wäre das parlamentarische System bei uns schon wirklich konsequent durchgeführt und würde nicht die Ausnahmestellung, die Dr. Weizmann noch immer für einen großen Teil der Bewegung einnimmt, die wirkliche parlamentarische Bildung der Exekutive erschweren oder gar unmöglich machen, so hätte dieser Kongreß das Ende des Regimes Weizmann sein müssen. Seit vier Jahren schon macht sich eine dauernde Abkehr der Organisation von dem außenpolitischen Kurs Dr. Weizmanns bemerkbar, ein Prozeß, der in den letzten zwei Jahren seit dem Wiener Kongreß dazu geführt hat, daß die überwältigende Majorität der Organisation außenpolitisch nicht mehr hinter Dr. Weizmann steht. Nicht nur die Flügelparteien und die eigentliche Opposition der Radikalen und Revisionisten lehnt das außenpolitische System Dr. Weizmanns ab, sondern auch die große Majorität der allgemeinen Zionisten steht nicht mehr hinter dieser Politik. Die Rede, die Dr. Stephen Wise im Namen der amerikanischen Delegation in der Generaldebatte hielt, und die in der Kritik der politischen Lage in Palästina und der Haltung der englischen Administration stellenweise viel schärfer war als das, was Grünbaum und Jabotinsky sagten, war ein deutliches Symptom dieser Sachlage. Noch deutlicher aber äußerte sich dies in den Debatten und Beschlüssen der politischen Kommission. Es ist schade, daß die Generaldebatte dieser Kommission nicht der Gesamtheit der Organisation zur Kenntnis gebracht werden kann. Mit Ausnahme von einigen wenigen Mitgliedern, vor allem der Vertreter des Linken Zentrums, war sich die gesamte Kommission einig in dem Ausdruck stärkster Unzufriedenheit mit der politischen Lage und mit der Führung unserer Politik durch die Londoner Exekutive. Es herrschte in dieser Kommrssion — um den Ausdruck eines amerikanischen Delegierten zu gebrauchen — eine ״harmonische Unzufriedenheit“. Der Zwischenfall mit Dr. Stephen Wise, der unmittelbar aus einem Konflikt zwischen ihm und Lipsky erwuchs, entstand doch in seinen tieferen Ursachen aus dieser Opposition gegen die Politik Dr. Weizmanns. Der Antrag von Tuliin und Guedalla, der zu diesem Konflikt führte, und der die Einsetzung einer vom Kongreß gewählten Kommission zwecks Führung direkter Verhandlungen mit der englischen Regierung forderte, war zweifellos der Ausdruck des Mißtrauens gegen unsere heutige politische Leitung, und war darum auch io der Tat für Dr, Weizmann Inakzeptabel. Alle Versuche, die nachträglich, insbesondere von Herrn Lipsky, gemacht worden sind, um den Zwischenfall mit Dr. Stephen Wise als ein pures Mißverständnis zu bagatellisieren, wirken auf den Kenner der Dinge höchstens belustigend. Der Telegrammwcchsel zwischen Lipsky und Wise nach dessen Abreise vom Kongreß, der jetzt publiziert worden ist, insbesondere aber die Erklärung von Dr, Wise, die er nach seiner Rückkehr nach Amerika im ״New Palestine“ veröffentlicht hat, zeigt doch ganz klar und unzweideutig den tiefen Gegensatz zwischen ihm und seinen Freunden einerseits und Dr. Weizmann andererseits hinsichtlich der politischen Ansichten; ein Gegensatz, der nicht durch offiziöse Vertuschung aus der Welt geschafft werden kann. Daß die politische Kommission in ihrer großen Majorität hinter Dr. Wise stand, Ist unbestreitbar. Ohne die Demissionsdroliung Dr. Weizmanns und die Abreise von Dr. Wise wäre die Resolution von Tuliin mit großer Majorität angenommen worden. Die allgemeine politische Resolution, die die politische Kommission beschloß und die auf dem Kongreß zur Annahme gelangte, war doch ebenfalls ein deutlicher Ausdruck der Differenz zwischen ihrer politischen Auffassung und derjenigen Dr. Weizmanns. Die Exekutive hatte bekanntlich eine ganz andere politische Resolution vor geschlagen, der aber in der politischen Kommission außer den Vertretern des Linken Zentrums, die dabei assistiert wurden Trotz Anfeindung und Gegnerschaft hat der deutsche Keren Hajessod im Jahre 5687 47°f» mehr dem PalSstina-Anfbau zur Verfügung gestellt als Im Jahre 568 6. Steigert die Arbeit im Jahre 56881 von Herrn Dr. Marco Romano, niemand zustimmte. Wer die zur Annahme gelangte politische Resolution liest und sie mit Reden und Kundgebungen der Vertreter der oppositionellen Parteien in den letzten Jahren vergleicht, wird ohne weiteres die Gleichheit der Gesinnung und Auffassung konstatieren können. Es ist sehr schade, daß Dr. Bileski seine in der Kommission geäußerte Absicht, als er gegen die Resolution dort stimmte, die abgelehnte Resolution der Exekutive im Plenum des Kongresses wieder aufzunehmen, im letzten Moment nicht zur Ausführung brachte. Es hätte sich gezeigt, in welch verschwindender Minorität sich das Linke Zentrum befunden hätte. Es ist für jeden objektiv Urteilenden heute klar, und dies muß besonders den deutschen Zionismus interessieren, daß die Politik, in die sich die ״Jüdische Rundschau“ hineinsuggeriert hat, heute — mit Ausnahme eines Teiles des Linken Zentrums — von keiner Gruppe in der Bewegung auch nur irgendwie gebilligt wird. Der deutsche Zionismus wird in einer sehr nahen Zukunft darüber entscheiden müssen, ob er tatsächlich noch weiterhin bereit ist, diese die vitalsten zionistischen Interessen dauernd schädigende Politik seines Zentralorgans zu decken und zu billigen. Der Kongreß jedenfalls hat sie entschieden abgelehnt, und dieser Fortschritt in der Erkenntnis der wirklichen politischen Lage, dieses Abrücken von der Illusionspolitik Dr. Weizmanns, die dauernd die politische Lage als ״zufriedenstellend“ erklärt — hier liegt die wirkliche Illusion und nicht in den Konzeptionen der oppositionellen Gruppen — ist ein sehr erfreuliehes Symptom politischer Reife und wachsender politischer Einsicht. Viel weniger deutlich und viel langsamer vollzieht sich der gleiche Prozeß hinsichtlich der Stellungnahme zur J e w i s h Agency. Es war nicht viel von ihr die Rede auf dem Kongreß, und es konnte nicht viel von ihr die Rede sein in diesem unklaren Stadium, in dem sie sich befindet. Es war klar, daß dieser Kongreß nicht die Energie aufbringen würde, im Moment, in dem die amerikanischen Experten in Palästina sitzen, die Jewish Agency-Politik abzubrechen. Aber klar ward auch auf dem Kongreß, daß alle Begeisterung und alle hochgespannten Erwartungen, die mit dieser Politik verknüpft wurden, bei fast allen restlos geschwunden sind. Dr. Weizmann äußert sich in den vorsichtigsten Worten, was die positiven Aussichten dieser Politik betrifft, und die größere Zahl auch derjenigen, die für die Fortführung dieser Politik sind, tun es aus Aengstlichkeit, aus einer Abneigung, sie im letzten Momente abzubrechen und aus dem Bewußtsein heraus, daß jedenfalls das nächste Jahr die endgültige Klärung bringen muß. Zum nächsten Kongreß wird es jedenfalls keine Jewish Agency-Frage mehr geben, sondern entweder eine Jewish Agency oder — wie wir glauben — das endgültige Fiasko dieser Politik. Es war die letzte Chance, die dieser Kongreß Dr. Weizmann für die Durchführung dieser Politik gegeben hat. 111. So erfreulich diese fortschreitende Durchsetzung der wirkliehen Erfassung der politischen Probleme ist, die sich auf diesem Kongreß gezeigt hat, so bedauerlich ist es — und damit komme ich zu dem entscheidenden Charakteristikum dieses Kongresses — daß er nicht den Mut und die Energie gehabt hat, die vollen Konsequenzen aus dieser Erkenntnis zu ziehen. Das einzig Folgerichtige und Logische wäre gewesen, daß der Kongreß, der das politische System Dr. Weizmanns ablehnte, auch eine Leitung gewählt hätte, die Gewähr dafür bot, daß ein anderer Kurs unserer Politik nunmehr durchgeführt wird. Daß Dr, Weizmann die Politik, die in der Resolution der politischen Kommission zum Ausdruck gebracht ist, nicht durchführen wird, hat er nicht nur in seinen Reden im Plenum mit aller Deutlichkeit erklärt, sondern auch in der politischen Kommission unzweideutig zum Ausdruck gebracht, und zwar itt einem Ton, der einen — erfreulicherweise den einzigen — Rückfall in eine Tonart Weizmanns auf früheren Kongressen darstellte. Es war daher absurd, die politische Resolution mit dem Passus zu beschließen, daß man das Vertrauen habe, daß die neue Exekutive unter Dr. Weizmann sie realisieren wurde (dies war der entscheidende Grund, weswegen die Radikalen und die Revisionisten nicht für diese Resolution stimmen konnten), und cs war noch unlogischer, Dr. Weizmann mit der Führung der politischen Geschäfte zu betrauen. Daß man cs tat, darin lag die bedauerliche Inkonsequenz dieses Kongresses, der ein typischer Kongreß des Uehergangs war. Man steht tatsächlich nicht mehr hinter der Politik Dr. Weizmanns, aber man hält noch an seiner Person fest, oder deutlicher gesagt, man ist noch nicht bereit, ihn zu stürzen. Deutlicher vielleicht noch als in den Beschlüssen des Kongresses und der Wahl der Exekutive kam dies in den Stimmungen der verschiedensten Gruppen zum Ausdruck. Von vielen Gruppen hörte man, daß sie sachlich nicht mehr hinter Weizmann stehen, daß aber eine Exekutive, die seine Erbschaft übernehmen könnte, für diesen Kongreß noch zu wenig vorbereitet wäre und daher noch diesmal nicht gewählt werden könnte. Zum erstenmal auf einem Kongreß wurde Dr. Weizmann gewählt mit bedeutend weniger Stimmen als denjenigen der Hälfte der Delegierten. In den meisten entscheidenden Gruppen, besonders bei den Linken und bei den Amerikanern, kam diese Unentschiedenheit der Haltung deutlich zum Ausdruck. An diesem Zwiespalt ist der Kongreß in einem gewissen Sinne gescheitert. Er hätte unbedingt die Möglichkeit gehabt, eine wirkliche Systemänderimg der zionistischen Leitung und Politik herbeizuführen. Es wäre möglich gewesen, auf diesem Kongresse eine wirklich fruchtbare Koalition zu bilden, nicht in der Weise zusammengesetzt wie auf früheren Kongressen, daß einfach die stärksten Gruppen je einen Vertreter delegierten, ohne programmatisch geeinigt zu sein, sondern auf der Basis eines klaren und verpflichtenden Koalitionsprogrammes; aber dazu hätte man zum wenigsten die Möglichkeit in Kauf nehmen müssen, diese Koalitionsexekutive auch ohne Dr. Weizmann zu bilden. Dafür konnte sich vor allem die Linke in diesem Augenblick noch nicht entscheiden. Und so endete der Kongreß mit einer beinahe unverständlichen Inkonsequenz. Er wählte eine Exekutive, die faktisch im Gegensatz steht zu dem Willen und zu den Ansichten der großen Majorität des Kongresses, und er hat dadurch seine eigenen Beschlüsse dazu verdammt, rein theoretisch auf dem Papier zu bleiben. IV. Aus dieser Charakteristik istdieWahlderneuenExekutive zu erklären. Ich will hier nicht nochmals die Gründe anführen, die die politische Sinnlosigkeit beweisen, die in dieser Wahl ihren Triumph gefeiert hat. In einem Moment schwerster Krise, in dem jede neue Exekutive sich mit dem Odium unpopulärer und einschneidender Maßnahmen wird belasten müssen, eine Exekutive zu wählen, die weniger als ein Drittel der Stimmen des Kongresses auf sich vereinigen konnte, ist ein politischer Nonsens, den ein Außenstehender überhaupt nicht begreifen kann. Statt die Last der schwierigen Lage auf eine möglichst breite Koalition zu verteilen, wählte man eine Exekutive für Palästina, für die auch nicht ein einziger Delegierter aus Palästina gestimmt hat, die vom ersten Tage an die Gegnerschaff aller Parteien im Lande gegen sich hat, die im Aktions- Comitfi über keine Majorität verfügt, die den Kongreß verließ mit dem Odium stärkster Unpopularität in der großen Mehrheil der Organisation. Und warum das alles? Man kann nicht einmal das Argument früherer Kongresse anführen, daß dies Dr. Weizmanns Exekutive sei. Es ist ein offenes Geheimnis, daß er auch eine andere akzeptiert hätte, vielleicht sogar noch lieber als diese. Es ist für mich insbesondere kein Zweifel daran, daß man eine sehr viel bessere Exekutive hätte wählen können, hätte man sich bereit gefunden, auf Dr. Weizmann zu verzichten. Von allen Auswegen war der, der in der neuen Exekutive zum Ausdruck kam, der politisch falscheste. Man wählte sie, weil die Amerikaner sich auf die ״flügellose“ Exekutive fcstgelegt hatten, und das Linke Zentrum unter der Führung seiner deutschen Mitglieder eine Ideologie der Konsolidierung entdeckt hatte, die den Begriff der rein ״sachlichen“ Exekutive schuf und — unpolitisch wie es nun einmal in Deutschland geborene Theorien sind — gegenüber den wirkliehen Erfordernissen der Lage blind war und blieb. So ungünstig und bedauerlich dieser Ausgang ist, gerade vom Standpunkt der künftigen sachlichen Sanierungsarbeit in Palästina, soviel Gutes kann er auf der anderen Seite haben unter dem anderen Gesichtspunkt der Klärung innerhalb der Organisation. Wenn dieser Kongreß in der Tat, wie mir scheint, ein Kongreß des Uebcrgangs war, und sachlich und prinzipiell das Ende des Systems der Weiztnannschen Politik bedeutete, so wird das Ergebnis der Wahl der Exekutive diesen Prozeß der Liquidation des bisherigen Kurses außerordentlich fördern und beschleunigen. Die Flügelparteien, die aus den Wahlen zu diesem Kongreß mit einer’überraschenden Stärke hervorgegangen sind, sind frei geworden von jener Bindung, die die Beteiligung an der Exekutive immer bedeutet und können nunmehr ihre wirkliche politische Stellungnahme konsequent zum Ausdruck bringen. Die Unzufriedenheit mit unserer politischen Führung muß wachsen, nachdem eine Exekutive da ist, die keine Anstalten machen wird, die politischen Beschlüsse des Kongresses zu realisieren. Und so besieht — zum erstenmal seit Jahren — die begründete Aussicht, daß ein wirklich durchgreifender Umschwung in der Gestaltung der Machtverhältnisse innerhalb der Organisation, und in der Be- Stimmung der Richtung unserer Politik erfolgen wird. Diese neugewählte Exekutive kann — und viele ihrer Anhänger haben es bereits erklärt — nur eine Episode sein. Die Verantwortung für diese Episode tragen diejenigen, deren politisches Ingenium sie geschaffen hat. Wir anderen, die wir von dieser Verantwortung frei sind, haben bis zum nächsten Kongreß die wichtigere Aufgabe zu erfüllen, alle Hindernisse für einen wirklichen Kurs- Wechsel zu beseitigen und die Möglichkeit zu schaffen für eine neue Leitung, die den wirklichen Ausdruck der fortschreitenden politischen Reife, des neu erwachenden starken Organisationsbewußtseins, des wachsenden Willens zu solidarischer Zusatnmenarbeit, der sich auf diesem Kongreß bereits in so erfreulicher Weise gezeigt hat, darstellen wird. pli י |0.|1 F*. »11