Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 570 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 81/82, 14. X. 1927 Bekämpft!!!״• der Arbeitslosigkeit gerade für Landwirtschaft aus• gegeben wird. Fs bedarf keiner Betonung, daß es nicht leicht sein wird, mit diesen! schmalen Budget aus/ukommen. Nachdem aber von vornherein durch die Notwendigkeit, einen Teil der Schulden zurückzuzahlcn, durch früher übernommene Verpflichtungen und sciiliefSiieli durch die aufrecht zu erhaltende Administration fast 40 ״/« der zur Verfügung stehenden Beträge fest in Anspruch genommen waren, erwies sich ein anderer Weg als unmöglich. Noch einmal ein irreales, aus Mangel an Mitteln praktisch undurchführbares Budget — und die Verwirrung in Palästina wäre aufs liüehste gesteigert, der Kredit, und das Ansehen der Zionistisehen Organisation ernstlich gefährdet, die Planmäßigkeit der Arbeit völlig zerstört worden. Gerade all diejenigen, die das Budgetrecht praktisch wirksam erhalten und es nicht zu einem leeren Schein degradieren wollen, sollten mit größter Energie für eine sachgemäße, reale Budgetpolitik eintreten. Denn das Gegenteil muß zu willkürlicher Budgetverteilung führen, sobald die Eingänge den Einnahmen nicht entsprechen, macht also alle Budgetbeschlüsse des Kongresses illusorisch. Die Folgen sind teures Wirtschaften, weil die Gelder nicht rechtzeitig disponibel sind (,,teure Wirtschaft des armen Mannes“), kostspielige Finanzierung durch Wechsel und Vorschlisse, Entmutigung der Siedler, Lehrer und Arbeiter und last not least — Erschwerung jeder Rentabilitatskontrolle. Also nochmals: deshalb ist nur ein mit einiger Sicherheit vertretbares, wenn auch schmales Budget akzeptabel, ein unwahrscheinlicher, aufgeblähter Etat dagegen von größtem Ucbcl. — Es bleibt die 1 loffnung. daß die notwendig werdende, besondere An* strangting zur Sparsamkeit die wichtigsten Institutionen vor Schäden trotz der verringerten Budgets bewahren wird. — Die Ermächtigung, die die Exekutive auf Antrag der Budgetkontinission vom Kongreß bekommen bat, Veränderungen der einzelnen Posten bis zu 10 <>0 im Rahmen des Gesamtbudgets vorzrunehinen, wird zur leichteren Ueberwindung auftauchender Schwierigkeiten beitragen. — Weizmanns Erklärung vor der Wahl der neuen Exekutive, daß diese das Recht haben muß, ״das Budget mit der tatsächlichen Lage in Einklang zu bringen und die zu diesem Zwecke notwendigen Aenderungen vorzunehmen“, gibt der Exekutive freilich darüber hinaus noch größeren Spielraum. 111. Die Annahme der Schätzung der Exekutive und des Keren Hajessod-Direktoriums für die auf der Einnahmeseite zugrunde zu legende Summe bedeutet den Bruch mit der Budgetpolitik der früheren Kongresse. Während der Wahl zum Kongreß, als das ״Linke Zentrum“ die Notwendigkeit der veränderten Budgetkrung in den Vordergrund rückte, gab es keine Parteien, die sich dazu ablehnend verhalten hätten. Man bekämpfte in* Gegenteil das Linke Zentrum gerade mit der Behauptung, daß es lächerlich wäre, dieses heute von allen Parteien anerkannte Prinzip gerade als Programmpunkt des Linken Zentrums zu beanspruchen. In den Wahlversammlungen erklärte der Misrachi, daß er schon von jeher für dies Prinzip ein getreten wäre, während Teile der Linken sogar die Priorität dieser Forderung für ihre Gruppe reklamierten. Ganz anders auf dem Kongreß: die Abstimmung über die Forderung der Exekutive, daß nur der von ihr und dem Keren Hajessod-Direktorium als räsonabel angenommene Betrag in das Budget aufgenommen werden dürfe, mußte in der Kommission viermal wiederholt werden. Er wurde erst abgelehnt, dann angenommen, dann wieder ab* gelehnt und endlich — fast am letzten Tage — wieder angenommen. Der Misrachi, für den im Wahlkampf auch diese Forderung im Rahmen der Konsolidierung selbstverständlich war, stimmte in der Kommission erst dagegen und enthielt sich später der Abstimmung, die Linke stimmte bis zum Schluß dagegen. Vertreter der Poale Zion machten sogar noch am letzten Tage auf dem Kongreß selber den Versuch, eine Aenderung zu erzwingen. Auch die Radikalen machten diese Politik mit; das Zentrum fand in der Kommission lediglich die Unterstützung der Revisionisten bei der Durchsetzung dieser zwangsläufigen Forderung. Besonders kompliziert wurden die Beratungen noch dadurch, daß nicht nur zu Anfang des Kongresses, sondern schon, nachdem die Exekutive über das neue Budget und die einzelnen Posten zu einem Beschluß gelangt war (was erst auf dringende Forderung der Budgetkommissiort geschah), noch in den anderen Kommissionen unter Zu- Stimmung von Vertretern der Exekutive die einzelnen Budgets auf Grundlage viel höherer Beträge zusammengestellt wurden. Wie merkwürdig einzelne Parteien ihre Stellungnahme zum Gesamtbudget auffassen, geht noch daraus hervor, daß auch diesmal z. B. wieder von den glcicfien Gruppen sowohl eine Erhöhung des Erziehungsbudgets, als auch des Landwirtschaftsbudgets verlangt wurde — ohne daß natürlich eine Erhöhung des Oesamtbudgets beschlossen werden konnte — oder ohne daß man Vorschläge für die Reduzierung anderer Posten machte. Ganz merkwürdig aber muß es berühren, wenn nach derartigem Verhalten der eigenen Vertreter in der Budgetkommission, in der Erklärung, die im Kongreß Arlosoroff im Namen der Hitachduth abgegeben hat, als Begründung für die Stimmenthaltung dieser Fraktion die Tatsache angegeben wird, daß das Budget der Forderung dieser Fraktion, daß mindestens 50!י;» des Budgets für konstruktive, produktive, kolonisatorische Zwecke ausgegeben werden müssen, nicht entspricht. Es ist schon eine bcsonders weise Budgetpolitik erforderlich, um diesen Grundsatz durchzuführen, wenn allein 25 «0׳ des Budgets von vornherein für Schuldentilgung verwandt werden müssen. IV. Kann auch das eingeschränkte Budget nicht befriedigen, zumal nur ein relativ kleiner Betrag für die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit in Aussicht genommen ist, so muß doch die neue Methode als ein großer Fortschritt und als die Einleitung zu neuer Expansionsmöglichkeit betrachtet werden. Wie steht es aber mit der Konsolidierung? Auf Antrag der finanzpolitisehen Kommission hat der Kongreß zum ״fundamentalen Grundsatz der zionistischen Finanzpolitik“ den Beschluß erhoben, daß die Beendigung und Konsolidierung begonnener Arbeiten den Vorrang haben soll vor neuen Unternehmungen. Für die Konsolwllerung der landwirtschaftlichen Siedlungen allein sind etwa £ 500 000 erforderlich, die im Laufe von drei Jahren bereitgestellt werden müßten. Das Budget des kommenden Jahres, welches ln so ausgesprochenem Maße ein Schuldentilgung«- budget ist, konnte für Konsolidierungszwecke nur geringe Mittel erübrigen. Man darf wohl schätzungsweise die Summe, die aus den verschiedenen Budgetposten für die Konsolidierung zur Verfügung stehen wird, mit etwa £ 40 000 bis 50 000 be- Ziffern. Das ist der erste Ansatz, aber mehr wird sich erst nach Deckung der Schulden erreichen lassen. Rufen wir uns den Betrag ins Gedächtnis zurück, der dieses Jahr für Schuldentilgung reserviert werden mußte, so finden wir, daß auch bei nur gleichbleibenden Eingängen die Konsolidieran# in den kommenden Jahren durchgeführt werden kann. Die Budget- Kommission hat aber darüber hinaus noch andere Wege gesucht. Auf ihren Antrag hat der Kongreß beschlossen, dal die Exekutive sich um die Aufnahme einer langfristigen Anleihe zur Fundierung der Schuld bemühen soll, um auf diese Weise die Budgets der kommenden Jahre von der Bürde dieser Schuldenrückzahlung in dem Umfange, zu dem wir jetzt gezwungen waren, zu befreien. Kurzfristige Anleihen haben nur geringen Wert; sie belasten die Budgets der nächsten Jahre über Gebühr. Sie dürfen nur dienen zu früherer Verwendung mit Sicherheit erwarteter Beträge, nicht aber, um fehlende Einnahmen zu erglinzeri. Ganz anderen Wert aber hätte eine Fiindierungsanleihe von auch nur £ 70 000 bis 100000 zur Amortisation in etwa sieben Jahren. Sie würde es erlauben, schon das Budget des Jahres 5689 ganz für Konsolidierungszwecke zu verwenden, was einen augenfälligen Fortschritt gegenüber der diesjährigen Situation bedeuten würde. Je rascher die Konsolidierung der Siedlungen — desto größer und näher die Chance einer großen Anleihe, für die die Rentabilität der Siedhingen Voraussetzung ist. Die finanzpolitische Kommission des Kongresses hat sich mit der Frage der Anleihe befaßt, und das einzig fruchtbare Resultat der Beratungen dieser Kommission — von dem Be- Schluß der Schaffung eines Kontrollamts abgesehen ־- scheint die Wahl einer ständigen Anleihekommission zu sein, die die Möglichkeit der Anleihe gründlich prüfen soll. Leider hat der Kongreß wohl inehr aus demonstrativen Gründen auch die Wahl einer Subkommission, die in Palästina ihren Sitz hat, beschlossen. Es besteht die Gefahr, daß auf diese Weise ein einheitliches Arbeiten nicht resultieren kann. Eine weitere Erleichterung des Budgets kann in Zukunft vielleicht auch von seiten der Hadassah erwartet werden. Daß es möglich ist, auf dem Wege sachlicher Verhandlungen manches zu erreichen, ergibt sich daraus, daß es diesmal gelungen ist, für die Kupath Cholim einen Spezialbcitrag der Ffadassah von £ 10 000 zu erhalten und auf diese Weise das reguläre Palästinabudget von dieser Ausgabe zu entlasten. Nun weisen manche unserer Freunde auf das Mißverhältnis hin zwischen unseren Aufwendungen für sanitäre Zwecke im Lande und den anderen Ausgaben. Sie übersehen dabei freilich, daß die festgefügte, musterhaft arbeitende Organisation der Hadassah ihre Gelder zum Teil aus Kreisen aufbringt, die nur für dieses abgegrenzte Sondergebiet beizutragen bereit sein mögen, und daß diese Konzentration gerade die Stärke der Hadassah ausmacht und ihr die Möglichkeit gibt, die volle Verantwortung für diesen Teil unserer Arbeit im Lande zu übernehmen. Wir sind aber Großzügigkeit der Auffassung hei der Hadassah gewöhnt, und man darf deshalb vielleicht hoffen, daß die Hadassah allmählieh auch gewisse Aufgaben, die in das Gebiet der Prophylaxe fallen, ln ihren Arbeitskreis einschließen kann. In Frage käme in gewissen Fällen in erster Reihe Teilnahme an Drainage und Irrigation, was von nicht zu unterschätzender Bedeutung sein könnte. Das sind jedoch schon Anregungen für die Zukunft. Daß aber durch eine vernünftige Budgetpolitik die Kotisoliderung wenigstens vorbereitet und eingeleitet werden konnte, bleibt immerhin ein wertvolles Ergebnis dieses Kongresses. Harry Sacher über die neue Palästina-Exekutive Harry Sacher, der am 7. Oktober von London nach Palästina abreiste, sprach am 3. Oktober auf einer großen öffentliehen Versammlung, die unter Vorsitz von Philipp G u e d a 11 a in London stattfand, über die Ergebnisse des XV. Zionistenkongresses in Basel. Laut der ״Jewish Times“ erklärte Sacher, daß der Kongreß die Exekutive nicht eingesetzt hat, weil gewisse Leute es dringend gewünscht hätten, in die Exekutive gewählt zu werden. Alle Mitglieder der Exekutive empfinden ihre Wahl als große Ehre, aber es ließe sich kaum eine ungünstige rer Moment für den Eintritt in die Exekutive finden, als der jetzige. Was ihn persönlich betrifft, so habe er den Posten nur übernommen, weil er es für seine Pflicht hält, alles was nur möglich ist zu tun, um in der jetzigen schweren Lage mitzuhelfen. Wenn der Kongreß beschlossen hat, eine Exekutive zu wählen, die unabhängig ist von jeder Partei oder Richtung, so geschah dies deshalb, weil die Arbeit in Palästina besondere Methoden erfordert. Erstens kommt in Betracht, daß die finanziehe Lage der Organisation eine schlechte ist. Die Krise in Palästina entstand, weil man mehr Geld aus gegeben hat, als man hatte. Die neue Exekutive hat daher mit einem großen Defizit zu rechnen. Zweitens ist zu bedenken, daß die Lage in Palästina infolge der Arbeitslosigkeit, die dort herrscht, eine sehr schwere ist. Die ganze Arbeit wird von der traurigen Tatsache beherrscht, daß Tausende von Arbeitern in Palästina sich in schwerer Notlage befinden. Und drittens muß noch bemerkt werden, daß in gewissen Zentren ein Gefühl des Mißtrauens entstanden Ist über die Art und Weise, in der die Arbeit in Palästina geführt wird. Diese drei Tatsachen haben zu dem Beschluß geführt, in Palästina eine kleine unabhängige Exekutive zu schaffen. Die bisherige Exekutive bestand aus Vertretern verschiedener Richtungen, sogar gewisser Interessen. Dies hat zu Kompromissen geführt, die die Arbeit gestört haben. Sacher wies weiter darauf hin, daß man der neuen Palästina-Exekutive vorwirft, sie vertrete die kapitalistische Riehtung, und daß ihre Wahl eine Kriegserklärung an die Arbeiter bedeute. ״Dies ist falsch. Ich meinerseits“, erklärte Herr Sacher, ״bin bereit, ein jedes Prinzip zu akzeptieren, das am schnellsten und besten zum Aufbau der jüdisch-nationalen Heimstätte führt. Wenn man mich überzeugen wird, daß dies das misrachistische Programm tut, so werde ich von diesem Moment an Misrachist sein. Wenn ein sozialistisches Programm dazu geeignet ist, dann werde ich Sozialist, und wenn ein kapitalistisches Programm es ist, dann bin ich für den Kapitalismus. Mein einziger Wunsch ist, daß Palästina aufgebaut wird.“ ״Die neue Exekutive“, führte Sacher scJhließlich aus, ״wird nichts leisten können, wenn sie nicht größere finanzielle Unter- Stützung von den Juden der ganzen Welt erhält. Die Exekutive ist machtlos, wenn sie nicht die volle Unterstützung von jenen erhält, in deren Namen sie handelt. Der Aufbau Palästinas ist nicht nur eine Arbeit für die Exekutive, sondern für das ganze jüdische Volk, und die Verantwortung jedes Zionisten und jedes Juden ist ebenso groß, wie die Verantwortung der neuen Exekutive.“ Dr. Weizmann in Palästina Laut den palästinensischen Zeitungen gedenkt Dr. Weizmann zwei Wochen in Palästina zu bleiben. Er lehrt Ende Oktober nach London zurück, wo Anfang November eine große Feier anläßlich des zehnten Jahrestages der Balfour- Deklaration stattfindet. Für die zweite Hälfte November ist ein Besuch Dr. Weizmanns in Deutschland geplant. Anschließend daran soll Dr, Weizmann Rumänien besuchen. Zur Erklärung Dr. Stephen WIses Wir haben in der vorigen Nummer eine Erklärung Dr. Stephen Wises veröffentlicht, die durch die J. T. A. verbreitet wurde. Im ״New Palestlne“ vom 16. September finden wir eine Veröffentlichung, die wir im Auszug wiedergeben. Nach seiner Rückkehr aus Basel gab Stephen Wise eine längere Erklärung ab, warum er vorzeitig Basel verlassen habe. Er sagte u. a.: יןEin wohldurchdachter Vorschlag der politischen Kommission, deren Vorsitzender ich war, zur Stärkung Dr. W e i zma nn 8 für einige Monate ein Komitee zu bilden, welches unter seiner Leitung die politischen und ökonomischen Grundlagen der zionistischen Bewegung in ihrer Beziehung zur britischen Mandatarmacht prüfen und sichern sollte, hatte die Drohung von Dr. Welzmann zur Folge, sich von der Leitung zurüekzuzlehen, und so blieb mir nichts übrig, als selbst als Vorsitzender und Mitglied der politischen Kommission zu demissionieren und danach, angesichts einer nicht bevollmächtigten Desavouierung der amerikanischen Antragsteller dieses Vorschlages, mich Inbegriffen, auch aus der amerikanischen Delegation auszuscheiden. Diese besondere Seite des Problems wird wohl nicht mehr wiederkehren, da die amerikanischen Delegierten zu den Kongressen aufhören müssen, unter einem emeinsamen Zwang zu stehen und, falls notwendig, direkt urch die zionistischen Wähler gewählt und nicht mehr durch die Convention ernannt werden sollen. Dies, ich wiederhole es, bedeutet keinen Bruch mit der Zionistischen Organisation und auch keine persönliche Differenz mit Dr. Weizmann, dessen große Verdienste um die zionistische Sache ich am allerwenigsten unterschätzen würde. Dr. Weizmann scheint zu glauben, daß seine politische Wirkungskraft gestört, wenn nicht annulliert wird durch den Mangel an ökonomischer Unterstützung seitens des jüdischen Volkes. Manche von uns, die meisten Palästinenser inbegriffen, sind der Ansicht, daß die ungenügende ökonomische Unterstützung in hohem Maße aus unserem ungenügenden politischen Fortschritt in Palästina resultiert. Die denkbar schlechteste Behandlung jeder Schwierigkeit besteht aber in einer unangreifbaren politischen Diktatur... Ich bin Zionist; bin es seit der Begründung der Bewegung gewesen. Ich kämpfe nicht gegen die Bewegung oder ihre Leitung. Im Interesse der zionistischen Sache und ihrer Leitung stehe ich auf der Wacht gegen gewisse Tendenzen, die mit dem immanenten demokratischen Charakter der zionistischen Bewegung unvereinbar sind ...“ Dieselbe Nummer des New Palestine“ veröffentlicht auch den Text der Telegramme Prof. Weizmanns und Llpskys an Wise, in denen dieser gebeten wurde, weiter an den Arbeiten des Kongresses teilzunehmen. Dr. Weizmann telegraphierte: ״Habe soeben zu meiner Bestürzung gehört, daß Sie Basel verlassen haben. Ich kann die Gründe dieses Schrittes nicht verstehen. Sie wissen, daß kein persönlicher Konflikt zwischen uns besteht, sogar wenn eine Meinungsdifferenz vorhanden sein mag, welche leicht beseitigt werden könnte. Ich hoffe, daß Sie nicht unter dem Einflüsse von Leuten gehandelt haben, deren Standpunkt Im Zionismus sicherlich Sie nicht beeinflussen kann. Ihre Kooperation und Anwesenheit in dieser schweren Zeit hier ist dringend nötig, und wir alle bitten Sie, zu kommen und die Arbeit hier mit uns zu vollenden. Ihr Schritt wird in einer Weise interpretiert werden, die für die Bewegung schädlich sein wird. Ich bin sicher, daß es nicht Ihre Absicht sein kann, solch einen Eindruck hervorzurufen. Weizmann.“ Auf die Telegramme von Lipsky und Weizmann sandte Wise folgendes Telegramm an Lipsky: ״Mein Austritt aus der amerikanischen Delegation muß bestehen bleiben als ein wohlüberlegter Protest gegen jeden versuchten Zwang durch die Exekutive und gegen den Standpunkt, der in Cowens Erklärung enthalten war, daß Gedanken- und Aktionsfreiheit auch innerhalb der Grenzen der Loyalität den Mitgliedern der amerikanischen Delegation nicht züstcht. Die Tulfin-Guedalla-Resolution, eingebracht mit meiner Zu- Stimmung, bezweckte unmittelbar, der bitteren Kritik und dem dauernden Streit über die politische Leitung der zionistischen Angelegenheiten ein Ende zu machen und fernerhin unter der Leitung Weizmanns gemeinsam mit der Mandatmacht eine Ueberprüfung der politischen und ökonomischen Grundlagen des lischuw herbeizuführen. Meine Demission als Vorsitzender der politischen Kommission war unvermeidlich, um den drohenden Rücktritt Weizmanns von der politischen Leitung zu vermeiden, da seine Führerschaft nötig ist in Anbetracht der Agency-Verhandlungen und der ökonomischen Krise in Palästina. Der Zwischenfall ändert nichts an meiner Loyalität zu der zionistischen Sache und meiner Absicht, dem Zionismus meine vollste Unterstützung zu geben. Bitte meine Mitteilung der amerikanischen Delegation, der politischen Kommission, Weizmann, Tullin und dem Kongreß-Plenum, zu übermitteln. Wise.“ Die Bekämpfnng der Arbeitslosigkeit In den letzten Tagen begaben sich Haifaer Arbeiter zu den Arbeiten im Emek und im Galil; unter ihnen, während der letzten Woche, 260 Arbeiter für die Bauarbeiten im Emek. Am 11. September begannen die ersten 80 Arbeiter mit den Arbeiten des ״Jüdischen Nationalfonds“ beim Kischon. Am 12. September wurde die 2. Gruppe hinausgeschickt; im ganzen wird die Arbeit beim Kischon 300 Arbeiter Desdiäftigen. Am selben Tag vvurden auch die Arbeiter zu den Irrigationsarbeiten im Nurisgcbiet im Emek — 150 Arbeiter — ninausgeschickt und weitere 100 Arbeiter zu den Irrigationsarbeiten Im Gebiet von Nahalal. Alle Arbeiter, die zur Arbeit gehen, bekommen auf Rechnung ihrer Arbeit von den Unternehmern Vorschüsse. Die Arbeitslosenunterstützung in Haifa wurde gänzlich eiugestellt. Von den Arbeitern, die zur Arbeit gingen, waren einige seit einem Jahr keinen einzigen Tag beschäftigt. Da das Kiscnongebiet einige Kilometer von Haifa entfernt liegt, führt der Haifaer Arbeiterrat mit der Eisenbahnverwaltung Unterhandlungen wegen Einlage eines So_*derzuges, der die Arbeiter jeden Tag zu und von ihrem Arbeitsplatz bringt. Am 11. September fand in Tiberias zwischen dem Chefingenieur der Regierung im Nordbezirk, Mr. Nobel, und den Sekretären des Arbeiterrates von Tiberias, sowie einem Mitglied des Arbeitsausschusses der ״Allgemeinen Arbeiter- Organisation“ eine Beratung statt. Nachdem über die Arbeitsläge gesprochen worden war, teilte der Regierungsvertreter mit, daß er dem Arbeitsbüro von Tiberias die dortige D r a i - nagearbeit übergebe. Diese Arbeit muß vor der Regenzeit beendet werden, sie wird £ 12300 kosten und mehr als 60 Arbeiter beschäftigen. Die Arbeit wird durch Vermittlung der Arbeitszentrale an die Arbeiter vergeben werden. Bei diesen Arbeiten wird auch eine ganze Zahl arabischer arbeitsloser Arbeiter von Tiberias beschäftigt werden. In derselben Beratung wurde auch ein Kontrakt zwischen dem Arbeitsbüro und Mr. Nobel über die Ausbesserung eines Teiles der Chaussee Tiberias — Zemach abgeschlossen. Diese Arbeit wird 20 Arbeiter einige Monate lang beschäftigen. Nach einer Reihe von Verhandlungen, die zwischen der Regierungsabteilung für öffentliche Arbeiten in Haifa und der Arbeitszentrale geführt wurden, übernahm eine Gruppe Tischler aus Haifa den Bau von 60 von den insgesamt 100 Baracken, die die Regierung für die Einwohnerschaft von Nablus, die unter dem Erdbeben gelitten hat, zu bauen beginnt