Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 81-82 (14.10.1927)
- Date
- 1927-10-14
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Postaparkasieoaint Wien, Konto Nr. 156 030. Für Tachachoilmwakei: rostsparkassen&rat Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen: Postsparkaasenarat Warschau, Konto Nr IW708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. י״ח תשרי חר־פ״ח XXXII. Jahrs. Der Zloniamiii erstrebt fOr das jüdische Volk die Schaffung einer «ffentllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.'* Kundgebung der Zionistischen Exekutive Die vom XV. Zionistenkongreß gewählte neue Exekutive übernimmt ihr Amt unter schwierigen 1 Verhältnissen. Sie vertraut jedoch darauf, daß die ihr von den Zionisten der ganzen Welt und | vom jüdischen Volk übertragene Aufgabe mit Erfolg durchgeführt werden kann, wenn sie sich auf die unentwegte und rückhaltlose Mitarbeit all derer stützen kann, denen der Aufbau des jüdischen Palästina Lebensfrage ist. Die Aufgabe der neuen Exekutive besteht in Konsolidierung und Erweiterung unseres Werkes, und wenn der Konsolidierung der zeitliche Vorrang gebührt, so immer nur unter dem Gesichtspunkt, daß sie die Bahn frei macht und die Basis für die Erweiterung des zionistischen Werkes schafft. Die neue Exekutive sieht die Balancierung des Budgets als ihre erste Pflicht an und wird die durch die gegenwärtige Finanzläge der Organisation und durch Forderungen der Wirtschaftlichkeit gebotenen Aenderungen und Sparmafinahmen durchführen. Bei der Lösung dieser Aufgabe wird sich die neue Exekutive, die keine Partei vertritt und keine anderen Interessen oder Ziele verfolgt, als das Wohl des jüdischen Palästina als eines Ganzen, von keiner Voreingenommenheit leiten lassen, sondern jedes einzelne Problem nach seiner Bedeutung beurteilen und sich bemühen, Lösungen zu finden, die zur Förderung der jüdischen nationalen Heimstätte führen. Die neue Exekutive ist frei von jedem Vorurteil und erwartet deshalb vertrauensvoll die großzügige Mitarbeit aller Elemente, aus denen sich die zionistische Bewegung zusammensetzt. Wenn von Zeit zu Zeit Entscheidungen gefällt werden, die Opfer fordern, so fühlt sich die neue Exekutive berechtigt, den Rat, die Unterstützung und die Mitarbeit aller zu verlangen, auch derer, von denen das Opfer gefordert wird. In Palästina erstehen die schwierigsten Aufgaben, und Palästina muß daher in erster Reihe Selbstverleugnung beweisen. Aber gerade weil Palästina schließlich die Früchte dieser Mühen und Opfer ernten wird, und weil es ausgezeichnet ist durch Beweise de3 Mutes und der selbstlosen Hingabe für die Zionsidee, deshalb blickt die Exekutive mit Vertrauen auf Palästina, daß es ihr mit der gleichen Bereitschaft ratend und helfend beistehen wird, wie ihren Vorgängern in der Vergangenheit. Die Probleme der Arbeitslosigkeit sind schwer und drängend; die Exekutive kann nicht sagen, daß sie bereits eine fertige Lösung für dieses Problem gefunden hat, wird sich aber notwendigerweise sehr stark mit ihm beschäftigen. » y.erden besondere finanzielle Anstrengungen, gasylcLt■» die nochrweitergeführt; we:den sollen, und es wird unter Wahrung des finanziellen Gleichgewichtes nichts unterlassen werden, um die Not der Arbeitslosigkeit zu mildern und Besserung zu schaffen. Selbstverständlich ist, daß die geistigen Werte des jüdischen Nationalheims der neuen Exekutive ebenso teuer sind wie all ihren Vorgängern, und daß keine Mühe gescheut werden wird, um sie ungeschmälert zu erhalten. Die Zionisten des Galuth haben eine nicht weniger wichtige, wenn auch weniger schwere Pflicht zu erfüllen als die Juden Palästinas. Sie haben in erster Linie die Verantwortung dafür, daß die Mittel zur Durchführung der Aufgabe, mit der sie die Exekutive betraut haben, beschafft worden. Die finanziellen Verpflichtungen, die sie eingegangen sind, bilden das Minimum dessen, was sie zu leisten haben. Wenn dieses Minimum nicht weitgehend überschritten wird, so ist es sicher, daß die Exekutive in der Erfüllung ihrer dringendsten und ernstesten Verpflichtung, nämlich der Beseit'gung der Arbeitslosigkeit, schwer gehemmt sein wird. Die Exekutive erwartet mit Bestimmtheit, daß sich die Juden des Galuth zur vollen Höhe ihrer Verantwortlichkeit erheben werden. Um dies zu erreichen, müssen sie sofort an ihre Aufgabe herangehen und ihre Anstrengungen unermüdlich fortsetzen. Indem die Exekutive alle Kreise des jüdischen Volkes zur Mitarbeit aufruft, wird sie sich um die verständnisvolle Mitarbeit der Behörden in Palästina und außerhalb Palästinas bemühen, die nach den Bestimmungen des Mandates für die Verwaltung des Landes und die Förderung des Aufbaus des jüdischen Nationalheims verantwortlich sind. Die Exekutive glaubt, daß sie einer solchen, auf Sympathie beruhenden Mitarbeit und Unterstützung seitens der britischen Regierung und der Regierung Palästinas sicher sein kann. Dr. Chaim Weizmann Nahum Sokolow Dr. M. D. Eder Col. F. H. Kisch Louis Lipsky Felix Rosenbl&ih Harry Sacher Hearieiia Szold Vor dem Schwarzbart-Prozeß Paris, 9. Oktober. (J.T. A.) Die Presse widmet dem am 18. Oktober beginnenden Prozeß gegen Schalom Schwarzhart, der den ukrainischen Attaman Petljura ermordet hat, große Aufmerksamkeit. Die von dem Staatsanwalt verfaßte Anklage- Schrift, in welcher Petljura als ukrainischer Patriot und als eine ״moralische“ Persönlichkeit, dem die Organisierung von Pogromen fernliegen mußte, bezeichnet und die Persönlichkeit Schwarzbarts in den dunkelsten Farben geschildert wird, wird von einem Teil der Pariser Presse scharf kritisiert. Einige Zeitungen drucken den von einer großen Zahl Führer der tränzösischen Intellektuellen schon im Jahre 1920 veröffentlichten ״Appell an die Menschheit“ ab, in welchem es heißt: ״Im Namen des menschlichen Gewissens, im Namen der moralischen Verantwortung, die jeder Mensch für seinen Mitmenschen trägt, richten die Unterzeichneten den folgenden Aufruf an alle Völker der Welt und speziell an das französische Volk: En Schrei des Entsetzens und tiefer Pein dringt zu uns aus Osteuropa. Die luden, die seit Jahrhunderten dort wohnen, werden jetzt unbarmherzig vertilgt als die Opfer der nationalen, politischen und wirtschaftlichen Kämpfe. Der ganze Ambitions• kainpt der Völker, Regierungen und Parteien, der ganze blutige Wahnsinn des Bürgerkrieges entlädt sich heute mit einer verbrecherischen Brutalität auf die unglückliche jüdische Minderheit. Hunderte ukrainische Städte wurden durch Pogrome verwüstet, zehntausende jüdische Opfer sind gefallen. Die Tage der schrecklichsten Inquisition sind wieder da, denn den Metzeleien gehen fürchterliche moralische und physische Peinigungen der Opfer voraus. Der Judenschaft der Ukraine droht voll ständiger Untergang. Millionen Männer, Frauen und Kinder haben unsagbare Leiden zu erdulden und stehen waffenlos dem Tode und der Schändung gegenüber. Was der Krieg von jüdischem Vermögen noch zurückgelassen hat, wird jetzt systematisch geraubt und zerstört. Der Aufruf war u. a. unterschrieben von Anatole France, Paul Apel, Prof. Aulard, Henry Barbusse, George Duhamel Prof. Charles Gide, Senator Emile Combes, Michael Cordey Gustave Herveux, Victor Marguerite, Senator de Monzie u. v. a. Die noch lebenden Unterzeichner dieses Aufrufes erklärten auf Befragen, sie stehen noch heute zu ihrem Aufruf und wünschen, daß die damalige jüdische Tragödie in der Ukraine bei Gelegenheit des Prozesses Schwarzbart wieder aufgerollt werde, damit das Weltgewissen, das auf den Aufruf von 1920 nicht reagierte, jetzt endlich wachgerüttelt werde. Die Budget- und Finanz- Politik auf dem XV. Kongreß Von Isaak Feuerring. I. Schon vor Beginn des Kongresses stand es für die Keime! der Verhältnisse fest, daß die Aufstellung des Budgets diesmal besonders schwierig sein würde. Irn Verlauf des Kampfes um die ״Konsolidierung“ war es auch weiteren Kreisen klar geworden, daß die Wurzel der falschen Wirtschaftspolitik der Zionistischen Organisation in der illusionistischen Budgetpolitik der Kongresse zu suchen war. Die Einleitung zu einer Kon• solidierung mußte also in erster Reihe die radikale Aenderung der bisherigen Budgetpoütik bedeuten. Die ungeheure Schwierigkc.it ergab sich daraus, daß diese Aenderung in einem Augenblick vollzogen werden mußte, in dem die Arbeitslosigkeit, die schon während des ganzen letzten Jahres dem regulären Budget bedeutende Beträge entzogen hatte, sich als noch vollkommen ungelöstes Problem darstellte. Andererseits durfte aus der Tatsache, daß das zu unefträglicher Höhe angewachsene Defizit der Zionistischen Organisation gebieterisch einen Abbau erforderte, und daß aus diesem Grunde nur beschränkte Mittel für das Budget zur Verfügung standen, e!־wartet werden, daß die Verteilung der vorhandenen Mittel auf die verschiedenen Posten ziemlich rasch vor sich׳ gehen würde. Ein Kampf um das Budget hat schließlich Sinn, wenn es sich um die Verteilung freier Mittel handelt, die nicht von vornherein durch lebensnotwendige Verpflichtungen in Anspruch genommen sind. Lagen die Verhältnisse aber so, daß der Betrag, der zur Verfügung stand, kaum oder gerade noch ausreichte, um die landwirtschaftlichen Betriebe in Palästina und die wichtigsten Institutionen aufrecht zu erhalten und den früher übernommenen Verpflichtungen zu genügen, so konnte eine Einigung über die verschiedenen Einzelposten rasch erfolgen und die Bahn für eine eingehende und ernste, gemeinsame Beratung der Budgetkommission mit den anderen in Frage kommenden Instanzen für die Beschaffung von Mitteln zur Behebung der Arbeitslosigkeit frei sein. Würde unsere Arbeit von vernünftiger Zeitökonomie beherrscht sein, so wäre die Kammission mit den zur Verfügung stehenden zehn Tagen in dieser Weise verfahren. Daß dem nicht so war, daß vielmehr ein sinnloser Kampf um das Budget von Anfang bis zu Ende des Kongresses in stundenlangen Sitzungen geführt wurde, so <j|B K«piMte־*fcaÄ*®g für וו»׳ *i&'ÄÄits»י י losigkeit nicht einmal in Angriff genommen werden konnte, ist Schuld derjenigen Gruppen, die sich von einer irrealen, illusionistischen Budgetpoütik immer noch nicht trennen können, und auch diesmal mit aller Gewalt ein unvernünftiges, weil auf falschen Voraussetzungen begründetes, Budget erzwingen wollten. II. Um die Zahlen vorwegzunehmen: das Palästinabudget umfaßt diesmal einen Betrag von rund £ 632 000, von dem allerdings, wenn ein Vergleich mit den Budgets früherer Kongresse gezogen werden soll, £ 103 000, die von der Hadassah in Amerika für ihre eigenen Zwecke aufgebracht werden, abgezogen werden müssen. Als Vergleichsziffer für die früheren Jahre verbleibt demgemäß ein Betrag von £ 529 000, was eine Rückkehr etwa zu der Basis bedeutet, die auf dem 13. Kongreß in Karlsbad im Jahre 1923 angenommen wurde. Die Resolutionen der Exekutive, die dem Kongreß vorgelegt wurden, verlangten, daß als Grundlage für die zu erwartenden Einnahmen in Zukunft eine vvbhl erwogene gemeinsame Schätzung der Exekutive und des Keren Hajessod-Direktoriums genommen werden sollte. Nur so konnte mit einiger Sicherheit erwartet werden, daß die in Aussicht genommenen Beträge auch wirklich eingehen werden. Die ursprüngliche Schätzung dieser Instanzen lautete für Amerika auf einen Keren Hajessod-Eingang von £ 222 000 und für alle anderen Länder auf £ 240 000. In gemeinsamen Beratungen der Budgetkommission mit den zuständigen Instanzen wurde jedoch eine Erhöhung beider Beträge vereinbart, so daß die Einkammenseite des Budgets jetzt an Einnahmen aus Amerika £ 247 000, aus allen anderen Ländern von £ 265 000 vorsieht. Das ergibt zuzüglich eines Spezialbeitrages der Hadassah von £ 10 000 und gewisser Rück- Zahlungen in Palästina von £ 7000 einen Gesamteingang von £ 529 000. Leider steht diesen Einnahmen schon am Beginn des Budgetjahres ein Defizit der Exekutive von mehr als £ 150 000 gegenüber, wozu noch verfallende Vorschüsse von rund £ 50 000 kommen. Die teilweise Abdeckung dieser Schulden und Vorschüsse erwies sich als gebieterische Notwendigkeit, sollte nicht der Exekutive für die Zukunft jede Handlungsfreiheit geraubt werden, so daß rund £ 124 000, fast 25 «/o des zur Verfügung stellenden Budgets, für Rückzahlung von Schulden und Abdeckung von Vorschüssen verwendet werden müssen. Die weiteren Posten verteilen, sich etwa wie folgt: für landwirtschaftliche Kolonisation (einschl. Audja- Irrigation und hierher gehöriger Posten des Arbeit-rbi.dgets).£ 151 000 ״ Industrie .... 4 000 ״ Arbeitsbudget (davon mehr als die Hälfte für Bekämpfung der Arbeitslosigkeit) ...... 000 45 ״ ״ Solei Boneh.000 20 ״ ״ Immigration.10״ G00 ״ Erziehung, Technikum, Universität, religiöse Zwecke .000 65״ ״ sanitäre Arbeit '(außerhalb Hadassah) .... 000 16 ״ ״ Ruthenbergprojekt .. 12 ״ SCO In der Tat ist die Trennung bei den einzelnen Posten nicht so deutlich wie die angegebenen Verwendungszwecke glauben lassen; so greifen z. B. Arbeits- und Landwirtschaftsbudget stark ineinander, da. ein großer Teil der Beträge zur produktiven •; ■» 'II sli I. b׳. ׳!IL.I