Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 79-80 (4.10.1927)
- Date
- 1927-10-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 507 Nr. 79/80, 4. X. 1927 ,t diesen durchaus iren einionismus ein offiung der leicht —- 1 finden, gehören, e in der che Haiichkcitcn 1 diesem eizmanns inger ist n Augen ein Bei- Plenum )11 unteridschau“. ibehagen ngli scher Auftreten alias mit h vorzu- 'ortbruch : Beleidioffizielle ein Wort ede eben l Nichtsr das ist 1 — nicht amiliche sen. 1, wie zu de Oppo- Revisio-;ie in den allgemein Unglückschon tot <ys Rede, olitilc bot : Unmögdes Konemand an :hlag des m ist und hren vom 1g, in der ktion der von allen sten muß Iche wirt- 1 die Ent- Scheidung aufwirt• e gerieten beitslosigmen. Die s von der unter den ,wähl vernächsten )nisationsnicht zu Probleme Verhalten Wirtschaft sionismus, r und von! hat, wird en Qrund-!Wirtschaft lie heutige )erwunden wird sich 131 die im und die uerung ist sagt: Das licht Geld- ״ Aktivität ׳ politisch- 1ioniertum, 1 beflügelt ׳eit freilich 1er Erfolge 1“ Jugendfür ihren t. Warum ehr ehrenler Sacherriotismus?!eich nach Die Linke em sic ihr irtinde an- Die Linke es Sturzes mutig der 1 Rücktritt >lge haben; und ihre von einem ' in erster t so guten :1, zog die icn Diktat ich freilich nfach eine Tendenzen 1. Die Majorität der Linken aber, insbesondere die ״Hitachdufh“, glaubte nachgeben zu müssen. Alles ganz verständlich, vielleicht vernünftig, doch keineswegs heldenhaft. Warum aber so heftige Kritik am Misrachi? Dieser hat — ein allzu seltener Fall — für seine Prinzipien gekämpft und hat cs gewagt, offen gegen eine Leitung zu stimmen, die diesen Prinzipien nicht entsprach. Man sollte Bravo rufen, statt zu verdammen — wobei es ganz gleichgültig ist, ob diese Prinzipien uns Nichtmisrachisten gefallen. Wenn die Wählerschaft so viele Misrachisten in den Kongreß entsendet, so ist die Misrachi-Delcgation verpflichtet, energisch für ihre Prinzipien einzutreten. Sie kämpfte für ihre religiöse Ueberzeugung und zugleich für das parlamentarische System. Man mag sich im einzelnen zu den Forderungen des Misrachi stellen wie man will, aber man hat nicht das Recht, im Tone der Entrüstung von der Haltung des Misrachi zu sprechen, der gerade diesmal keinen Kuhhandel tTeibcn, sondern Ansichten durchsetzen wollte. VIII. Landsmannschaften oder Parteien? Dieses Problem hat durch den Verlauf des Kongresses an Aktualität gewonnen. Vieles spricht dafür, wenigstens in den meisten Ländern, das landsmannschaftliche Prinzip aufrechtzucrhalten. Doch scheint es, daß gegenwärtig die Tendenzen zur Parteibildung überwiegen. Besonders in Deutschland, wo die Landsmannschaft sich vollständig in Parteien aufgelöst hat — die offizielle Begründung des ״Linken Zentrums“ ist Beweis genug — wird eine Vereinigung der ״allgemeinen“ Zionisten wohl erst wieder möglieh sein, wenn die heute schwebenden Probleme der zionistisehen Politik, der Wirtschaft und der künftigen Organisationsleitung geklärt sein werden. Bis dahin werden die Parteien und Fraktionen das Feld beherrschen. Die deutschen allgemeinen Zionisten werden sich künftig nicht mehr so leicht wie bisher den politischen Tendenzen ihrer organisatorischen Zentrale anschließen. Sie werden sich deutlicher als bisher über die Programme der verschiedenen Gruppen Rechenschaft geben und durch ihr Votum klare Entscheidungen herbeiführen müssen. Eine ״deutsche Landsmannschaft“ gibt es zurzeit nicht. Damit gewinnt ein von der Exekutive unterbreiteter Vorschlag zur Bildung von ״Territorialverbänden“ für Deutschland besonderes Interesse. Im einzelnen waren die organisatorischen Vorschläge der Exekutive nicht glücklich und drangen im Kongreß auch nicht durch. Auffällig an diesen Vorschlägen war das gefälirliehe Durcheinander organisatorischer und politischer Gesichtspunkte. Richtig ist aber die Forderung zur Schaffung echter Territorialverbände in solchen Ländern, wo im wesentlichen nur noch Parteien existieren. Das ist heute auch in Deutschland der Fall. Daraus sind organisatorische Konsequenzen zu ziehen. Dr. Arthar Rappln in Moskau (J.T. A.) M o s k a u, 26. September. (I. T. A.) Dr. Arthur R u p p 1 n ist in Moskau eingetroffen. In einem Gespräch mit dem J. T. A.-Vertreter sprach sich Dr. Ruppin in folgender Weise über den Zweck seiner Rußlandreise aus: Seit 20 Jahren beschäftigte ich mich mit Fragen der Kolonisation in Palast Ina. Mich interessiert jeder Kolonisationsversuch. Um möglichst alle Methoden der Kolonisation kennenzulernen, habe ich verschiedene Länder besucht, so zuletzt G r i ec h en 1 a n d, wo eine Kolonisation in riesigem Maßstabe im Gange ist, und jetzt Sowjetrußland, wo eine spezielle jüdische Kolonisation dutchgeführt wird. Eine jüdische landwirtschaftliche Kolonisation in Rußland hat auch für das Judentum in Westeuropa Bedeutung. Die Zunahme der jüdischen Bevölkerung in der ganzen Welt ging in den letzten 100 Jahren so schnell vor sich, daß sich׳ die Juden der langsamer sich entwickelnden Wirtschaft nicht überall anpassen konnten. Nur durch Landansiedlung kann für die Juden in West- und Osteuropa eine gesicherte ökonomische Basis geschaffen werden. Zwischen der Kolonisation in Palästina und der Kolonisation in Rußland besteht keinerlei Konkurrenz. Es bestellt die Aussicht, in den nächsten 15 bis 20 Jahren eine halbe Million Juden in Palästina anzusiedeln. Daß dadurch eine ökonomische Lösung der Judenfrage bewirkt sein wird, wird niemand behaupten. Eine Kräftigung des Wirtschaftslebens der Juden muß überall erstrebt werden. Während aber jüdische Landsiedlung in Südamerika, in Rußland und in anderen Ländern nur eine Frage der Wirtschaft ist, hat die jüdische Kolonisation in Palästina zum Ziel, ein Land zur Erhaltung der Nation zu gewinnen. Die Kolonisation in Palästina entwickelt sich ganz gut. Wenn es so weitergeht, wird der Anbau von zwei Desjatin Land zur Erhaltung einer ganzen Familie genügen. Die Wirtschaftskrise hat nur die Städte betroffen, die Landwirtschaft istdavongarnichtberührt. Aber auch in den Städten nimmt die Arbeitslosigkeit im Zusammenhang mit den großen Arbeiten des Haifaer Hafenbaus und Ruthenbergs Elek trizitä t s an 1 agen ab. Anklage gegen den Joint Warschau, 20. September (J.T. A.J. Der amerikanische Jude, Max Steuer, der an der Züricher Rechtsschutzkonferenz teilnahm, hat in Zürich und dann nach seiner Rückkehr nach Amerika, Angriffe auf das Joint Distribution Committee gerichtet und u. a. behauptet, vor dem Jahre 1025 seien 40°/o aller nach Europa gesandten Joint-Oelder beim Umwechsein und aut andere Weise verloren gegangen bzw. veruntreut worden. Als seine Gewährsmänner nannte er u. a. Ch. D. No mb erg, Tschemichow (Steuer verwechselte den Namen Tschernichow mit Tscherikower vom Hias lea Emigdirekt) und Dr. S c h a b ad-Wilna. Jetzt erklärt Ch. D. Nomoergin der Warschauer jüdischen Presse, weder er, noch seine Freunde hätten Steuer irgendwelche Materialien Segen Joint gegeben, noch ihn sonst informiert. Sie stunden er Attacke Steuers gegen Joint nicht nur vollkommen fern, im Gegenteil: auf Befragen Steuers in Zürich habe er, Nomberg, und seipe Freunde die Jointarbeit gegen herabsetzende Kritik in Schutz genommen und die positiven Seiten dieses jüdischen Aufbauwerkes hervorgehoben. Das ganze Auftreten S'euers mache auf ihn den Eindruck einer recht mysteriösen Aktion. * Auf die Anklagen Max Steuers antworteten Louis M a r s h a 11 und Felix M. Warburgin Erklärungen, in denen sie nachwiesen, daß die Verluste des Joint hauptsächlich daher rühren, weil die Juden in Polen infolge der Inflation die ihnen gewährten Darlehen in entwertetem Gelde zurückzahlten. Sonst seien weder Unregelmäßigkeiten vorgekommen noch irgendwelche falschen Verwaltungsmaßnahmen getroffen worden. Max Steuer erklärte schließlich, daß die hauptsächlichsten Verluste bei dem Umwechseln der Valuten entstanden seien. Prof. J. Landau aus G ö 11 i n g e n wird in Jerusalem erwartet, wo er das neue mathematische Institut eröffnen wird. Er wird im Winter zwei Vortragszyklen über Zahlenlehre und Grundlagen der Analytik abhalten. Der Baseler Kongreß (Urteil eines Schweizer Journalisten.) Nach dem Kongreß veröffentlichte die ״Basler Nationalzeitung“, die fortlaufend über den Kongreß berichtet hatte, aus der Feder ihres Mitarbeiters O. A. B., eines nichtjüdischen Journalisten, der noch vor zehn Jahren ein enragierter Judengegner war, nachstehenden Aufsatz. — Red. Wenn diese Zeilen im Druck erscheinen, weilen nur noch wenige Delegierte unterm Schutze des bischöflichen Krummstabs, der sogar in etwas hebraisierter Form die Kongreßwappen zierte. Im Restaurant des Mustermeßgebäudes ist es stille geworden, recht stille sogar, so daß der Liebhaber der Weltpresse sich ungeniert auf zehn bis zwölf Zeitungen setzen kann, um sie behaglich, eine nach der anderen, zu lesen. Und wenn man dann die ״Times“, den ״Manchester Guardian“, den ״Corriere della Serra“, den ״Temps“, die Pariser und Wiener Boulevard-Klatschbasen, die ״Prager Presse“ und den ״Messager Polonais“ durchgeht, so konstatiert man mit einigem Befremden, daß die Verhandlungen des XV. Zionistenkongresses ein eigentlich recht spärliches Echo gefunden haben. Der sonst sehr judenfreundliche ״Temps“ z. B. schweigt tagelang, bringt dann aber am 9. September aus der Feder Fernand Corcos einen orientierenden Bericht, der als ein Musterbeispiel 'ournalistischer Berichterstattung gelten kann. Bei diesem Anaß möchte ich auch noch der Redaktion der Kongreß- Zeitung ein Kränzlein winden und ein anderes den Redakteuren des Pressebüros, die in bewundernswerter Weise gezeigt haben, wie Agentur-Berichte eigentlich abgefaßt werden sollten. Unter den Juden hat es, auch wenn Herr Löon Daudet anderer Meinung sein mag, immer gute Journalisten gegeben, angefangen bei Heine und Börne bis herab auf unsere Tage, wo Leute, wie Sauerwein, Stephane Lauzanne, Kisch, Goldmann, Theodor Wolff im journalistischen Handwerk als anerkannte Meister eine Zierde des Standes bilden. Man verzeihe mir diese Paraphrase, die freilich nicht ganz unangebracht ist, in einer Schlußplauderei über den Zionistenkongreß, über dem d'c Manen Herzls und Nordaus, ebenfalls zweier Journalisten von Weltgeltung, schwebten. Der Grund dafür, daß die Weltpresse dem verflossenen Kongreß nicht soviel Raum gewährte wie den früheren, mag in der Tatsache liegen, daß der jüdische Volksstaat von ihr bereits als ein fait accompli betrachtet wird, dem aber noch lange nicht eine umfangreiche zeilenmäßige Bedeutung zukommt. Das ist eigentlich unbegreiflich, da am Ausbau und an der Verwirklichung, an der restlosen Realisierung der zionistischen Idee alle Länder und Regierungen interessiert sind. Der Schreiber dieser Zeilen hat seinen Hosenboden schon auf den Berichterstatterbänken des Palais Bourbon und des englischen Unterhauses abgewetzt, er wohnte den Pultdeckelschlachten des österreichischen Parlamentes bei und stürmisehen Sitzungen des Reichstages, er ärgerte sich über die schlechte Akustik der eidgenössischen und der Basler Ratssäle, und so darf er sich wohl ein Urteil über das Niveau des Kongresses erlauben. Es lag stark über dem Durchschnitt. Das jüdische Weltparlament, das zum 15. Mal zusammentrat, hat die Flegeljahre hinter sich. Es ist schon schön diszipliniert und wenn auch ab und zu in den Debatten die die Gegensätze hart aiueinanderstießen, so geschah es immer in ritterlicher Weise. Selbst die Waffengänge zwischen Chajm Wcizmann, dem Präsidenten der Organisation, und Wladimir Jabotinsky, dem Führer der Revisionisten, wurden in aller ״fairness“ atisgetragen. Mir erschien Dr. Weizmann als der bedeutendste politische Kopf der Versammlung. Er ist sichtlich bei den großen englischen Politikern in die Schule gegangen, denn er besitzt die große Kunst geschmeidigen Wartens. Dieses Plus aber ist in den Augen seiner Opponenten ein Minus. Er weiß, daß Stürmen und Drängen bei der britischen Mandatarmacht zu nichts führen wird und so verhält er sich als kaltrechnender Realpolitiker großen Stils abwartend, aber deshalb nicht tatenlos. Er wartete zwar nicht einmal den Schluß des Kongresses ab, sondern verließ Basel nach der langen Nachtsitzung vom Samstag aut den Sonntag, da den Nimmermüden die Pflicht nach London rief. Die Beherrschtheit Weizmanns mag auf dem Gefühle der absoluten Rückendeckung beruhen, denn er weiß nicht nur, daß er das bürgerliche Zentrum und den religiös-konservativen Flügel hinter sich hat, sondern auch die Arbeiterparteien auf dem linken Flügel und nicht gar zu weit im Hintergrund auch noch die Führer des amerikanischen, des englischen und des deutschen Judentums: nämlich die Herren Louis Marshall und Felix Warburg aus New York, Sir Alfred Mond, den intimen Freund Llovd Georges, in London und Direktor Oskar Wassermann in Berlin, also mächtige Finanzbarone, die den Finanznöten des jungen Judenstaates schon werden abhclfen können. Sein Antipode Wladimir Jabotinsky, der Sprecher der sogenannten Warschauer Gruppe, ist schon mit Mussolini verglichen worden. Es besteht in der Tat eine gewisse äußerliehe Aehnlichkeit zwischen den beiden. Leider besitzt aber Jabotinsky lange nicht die Gefolgschaft des Duce, dessen Programm er sich teilweise zum Vorbild genommen hat. Von den 280 Kongreßdelegierten scharen sich nämlich nur 11 Mann um den Oppositionsführer, der als Vertreter des integralen (jüdischen) Nationalismus anzusehen ist. Als solcher berührt er sich mit dem Faschismus und folgerichtigerweise bekennt sich Jabotinsky auch zum Militarismus. In ihm wabert die Unrune des jahrhundertelang geknechteten und drangsalierten Ostjuden, dem die Pogromrurcht noch im Blute liegt. Er ist ungeduldig und drängt deshalb aut schnelle Schaffung einer jüdischen Mehrheit in Palästina, die dadurch alle Herrschaftsrechte einer territorialen Nation erlangen würde. Noch vor vierzig Jahren wäre, wenn Palästina damals schon ein britischer Mandatarstaat gewesen wäre, die rasche Erfüllung der Desideraten Jabotinskys angängig gewesen; heute, wo durch den Weltkrieg, auch das Nationalgefühl der Araber mächtig gestärkt wurde, lassen sich die Forderungen der jüdischen Nationalisten, die eigentlich nur auf Kosten der Eingeborenen sich erfüllen ließen, nicht durchsetzen und die Schaffung einer starken jüdischen Militärmacht nach dem Willen der Revisionisten würde geradezu unter den obwaltenden Umständen als Provokation wirken. Die Leute um Weizmann, von ihm und den britischen Freunden des Zionismus wohl beraten, sind der Ueberzeugung, daß in ״Englands Interesse und auch in der Tradition und Geistesanlage des jüdischen Volkes nur die Möglichkeiten eines friedlichen jüdisch-arabischen Zusammenlebens liegen“. Während Jabotinsky Morgenluft wittert, d. h. für die jüdischen Einwanderer Pogrome befürchtet, erklären die Vertreter der Exekutive die Lage der Kolonisten in Palästina als . verv satisfactory“. ״Die temperamentvolle Ungeduld der Juden muß lernen, mit der ruhig-bedächtigen Langsamkeit englischer Verwaltung, mit der Langatmigkeit dieser alterfahrenen Politik zu rechnen, die gerade durch ihre Ausdauer alles in Ihrer Geschichte überwunden hat.“ In gehaltvoller Rede hat Kurt Blumenfeld am verflossenen Donnerstag über den Zionismus und die jüdische Gegenwart gesprochen und dabei Wahrheiten verlautbart, die auch vom nicht-jüdischen Bürgertum, besonders von den ״laudatores temporis Acti“, den Lobrednern der ״guten alten Zeit“, bei uns beherzigt werden könnten. Für den Journalisten war der Kongreß von höchstem Interesse, obwohl er ihm ein vollgerütteltes Maß von Arbeit brachte. Plenarsitzungen bei Tag und Nacht und eine Unmenge von Kommissionsdebatten. Der Fernstehende hat gar keine Ahnung, welch ungeheure Arbeitslast von den Organisatoren und den Delegierten bewältigt werden mußte. Daß sie in der knappen Zeit von zwölf Tagen erledigt werden konnte, stellt der jüdischen Arbeitskraft, Energie, Zähigkeit und Hartnäckigkeit ein glänzendes Zeugnis aus. Unsere eidgcnössischen und kantonalen Parlamente, aber auch die Delegierten beim Völkerbunde dürften sich an ihren jüdischen Kollegen ein Beispiel nehmen. Diese Gedanken kamen mir, als ich in dem nun fast verlassenen Restaurant bei einem Gläschen Weine vom Berge Karmel noch einmal die Kongreßdebatten in der Erinnerung vorübertreiben ließ. Der Wein war gut, aber teuer, was nicht verwunderlich ist, wenn man bedenkt, daß die Fracht von Jerusalem bis Haifa teurer ist, als die Fracht von Haifa nach Marseille, und daß zwischen dem jungen jüdischen Staate und der Schweiz vorläufig noch Zollschranken bestehen. Aber ״the Situation in Switzerland“ ist, wie in Palästina, ״very satisfactory“. G. A. B. Die Beschlüsse der Hechalux-Wellkonlerenz Die dritte Konferenz des Welthechaluz hat eine Reihe Beschlüsse angenommen, von denen hervorzuheben sind: Die dritte Weltkonferenz der Organisation Hechaluz stellt mit Genugtuung fest, daß ungeachtet der schwierigen Lage in Palästina und der gedrückten Stimmung innerhalb der zionistischen Bewegung es der Hechaluz-Organisation gelungen ist, Ihre HachscharaTnstitutioncii zu erhalten und sogar zu befestigen. Der Versuch der Palästina-Regierung, die Einwanderung jüdischer Arbeiter zu stoppen, wird scharf zurückgewiesen und der Beschluß des Zionbtenkongresscs, in diesem Jahre 1000 bis 1500 Chaluzim nach Palästina zu lassen, warm begrüßt. — U. a. wurde beschlossen, im Januar 1928 in Warschau ein Seminar zur Ausbildung von Lehrer-Chaluzim zu eröffnen, sowie in Oesterreich und in Galizien je eine neue landwirtschaftliche Chaluz- Kolonie zu eröffnen. Es sollen einige 100 Chaluzim aus den osteuropäischen Ländern nach der Tschechoslowakei, Oesterreich, Frankreich und Holland zur Ausbildung in verschiedenen Fächern geschickt werden. Ab 1. November wird in deutscher Sprache das Chaluz-Journal ״Der junge Jude“ erscheinen. Gegen die Verfolgung der Chaluzim und Zionisten in Rußland wird scharf protestiert. Die zweite Weltkonlerenz des Hasch®mer Hazair Nach ncuntägiger Dauer ist die zweite Weltkonfercnz des Haschomer Hazair am 29. September zu Ende gegangen. Es wurde beschlossen, die Arbeit für den Keren Kajemeth zu verstärken und für die Verbreitung der zionistischen Idee und der hebräischen Kultur unter der Jugend tätig zu sein. Die Organisation ist apolitisch, den Mitgliedern ist es verboten, irgendeiner politischen Partei anzugehören. — In das Weltbüro wurden gewählt: Gotthelf und Elster aus Warschau, Orenstein aus Lemberg, Ben-Tow, Gordon, Jaari, Schenhabi, Chasan aus Palästina, Grünberg aus der Tschechoslowakei, Nissenbauin aus Rumänien u, a. m. Gründung einer Arbeiierkolonie für Durchwanderer Am 25. September trat der Vorstand der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge, der sich aus Vertretern der Landes- und Provinzialverbände zusammensetzt, auf Einladung der Gemeinde Leipzig in Leipzig zusammen. Den Vorsitz führte Eugen Caspary, Berlin. Der Hauptpunkt der Tagesordnung war der Diskussion über die praktische Durchführung der seinerzeit von der Generalversammlung der Hauptstelle beschlossenen Gründung einer jüdischen Basis gewidmet. Die Aussprache wurde durch ein einführendes Referat von Dr. Max Kreutzberger, Berlin, eröffnet. Die Vorschläge des engeren Vor- Standes basierten insbesondere auf einem Gutachten, das der Berliner Güterdirektor Dyk seinerzeit erstattet hatte, und das durch Ausführungen von Pastor Braune, dem Geschäftsführer der Arbeiterkolonien der Inneren Mission, ergänzt worden war. Auf Grund dieser Gutachten war in Aussicht genommen der Ankauf eines Gutes von zirka 2000 Morgen, das Beschäftigung der Wanderer in Land- Wirtschaft und Gärtnerei und die Anlage einer Reihe von gewerblichen Nebenbetrieben gewährleisten würde. Die zum Ankauf notwendige Summe würde sich auf 200 000 M. belaufen, wobei noch 100 000 M. notwendiges Betriebskapital hinzukämen. An der Aussprache über dieses Projekt beteiligten sich alle anwesenden Vertreter des Reichsvorstandes. Dr. Straus, München, Dr, Oppenheim, Mannheim, Dr. Ollendorff, Berlin, Dr. Stein, Königsberg, sprachen sich für die Ergänzung des vorliegenden Projektes durch Anregung und Unterstützung von gewerblichen produktiven Fürsorgemaßnahmen innerhalb der Gemeinde selbst aus. Die Schwierigkeiten gewerblicher produktiver Fiirsorgemaßnahmen wurden durch S. Adler-Rudel, Berlin, dargelegt, der insbesondere darauf hinwies, daß gewerbliche Gründungen der Gemeinde nie einen solchen Umfang annehmen könnten, wie ihn der Bedarf und der Notstand d$r Wanderfürsorge Deutschlands erforderlich macht. Er wies des weiteren auf die mannigfachen Schwierigkeiten hin, denen derartige Gründüngen innerhalb der Gemeinde selbst begegnen müßten. Auf Vorschlag von Dr. Straus, München, wurde einstimmig folgender Beschluß gefaßt: 1. Der Hauptvorstand beauftragt den engeren Vorstand, das Projekt der Schaffung einer landwirtschaftlichen Arbeitsstatte zur produktiven Beschäftigung jüdischer Durchwanderer der Verwirklichung zuzuführen. Zu diesem Zweck soll im Zusammenwirken mit geeigneten Sachverständigen ein konkreter Vorschlag ausgearbeitet und der nächsten Sitzung des Hauptvorstandes zur Beratung und Beschlußfassung unterbreitet w'erden. Es soll ferner die Aufbringung der Mittel zur finanziellen Durchführung des Projektes im Wege der freiwilligen Beiträge von Einzelnen, den Gemeinden, Landesverbänden und Wohlfahrtsorganisationen sowie durch Aufnahme von Krediten sofort in die Wege geleitet werden. Die Mitglieder des Hauptvorstandes werden in ihren Gemeinden und Verbänden sich nachdrücküchst für die Förderung des Werkes einsetzen. rr. Der Hauptvorstand ersucht den engeren Vorstand, die Frage der Produktivierung der Durchwanderer in dezentrainierten Arbeitsstätten einer eingehenden Prüfung zu unterziehen, die Erfahrungen, die in verschiedenen Gemeinden gemacht wurden, zu sammeln, auf Grund derselben Riehtlinien für die Schaffung, den Betrieb und die Finanzierung solcher Einrichtungen für örtlich oder provinzial begrenzte Gebiete aufzustellen und für deren Verwirklichung durch die Zeitschrift der Hauptstelle sowie die sonstige jüdische Presse und durch aufklärende Vorträge einzutreten. Das Jerusalemer ״Beth Am“ feierte dieser Tage den 20. Jahrestag seines Bestehens. An der Feier, die unter Vorsitz von Prof. Schatz stattfand, beteiligten sich zahlreiche Personen, die noch zu den Gründern des Volkshauses gehören,