Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1927)
- Date
- 1927-09-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 560 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 78, 30. IX. 1627 Was bedeutet der XV. Kongreß für den KKL.? Es ist das Schicksal jedes Zionistenkongresses, daß sich das Urteil über seine Bedeutung für die Zionistenentwicklung erst allmählich bilden kann. Auch der beste Kongreß ist nur ein Versprechen. Mehr als je trifft dies für den XV. Kongreß zu, der den Schlußstrich unter eine Entwicklung setzt und den Beginn einer neuen Periode bedeutet. Wir haben allen Grund, zu er• warten, daß diese Periode gleichbedeutend sein wird mit der Liquidierung der Krise, mit dem Beginn einer neuen auf Konsolidierung, Zusammenfassung und Straffung zielenden Arbeit, Wir glauben es — wir hoffen es. Aber eines ist heute schon klar: für den Keren Kajemeth war der XV. Kongreß ein Kon• greß des Erfolges. Und wenn das abgelaufene Jahr in gewisser Hinsicht einen Stillstand in der aufwärtssteigenden Linie der K. K. L.-Entwicklung der letzten Jahre darstellte, von diesem Kongreß beginnt eine neue Kurve, eine Linie, die von Anfang an steil aufwärts weist. Auf diesem Kongreß, der in so vieler Hinsicht Abbau und Einschränkung bedeutete erschien der Keren Kajemeth mit einer großen, in die Zukunft weisenden Tat. In einer Zeit, wo wir gezwungen sind, uns überall einzuschränken, konnte der Keren Kajemeth es wagen, eine ganz große, in vieler Hinsicht epochale neue Unternehmung einzuleiten. Das ist der große Boden■ erwerb, der mit der Kanada-Aktion verknüpft ist. Das, was über die Aktion gesagt werden kann, ist schon in der Kongreßzeitung bekanntgegeben worden. Wir wollen es hier noch einmal wiederholen: ״Als vor einigen Monaten der Vorsitzende der kanadischen Zionisten-Föderation, Herr A. Fr ei mann, in Erez-Israel weilte, machte auf ihn das Werk des Keren Kajemeth den allertiefsten Eindruck. Er kam zu der Uebcrzeugung, daß das jüdische Aufbauwerk in Erez-Israel in erster und letzter Linie von der Erlösung des Bodens abhängt. Nach seiner Rückkehr nach Kanada leitete er Schritte ein, um dein Keren Kajemeth eine Anleihe von einer halben Million Dollar zur Verfügung zu stellen, und lud Herr Ussischkin, der damals an der letzten Sitzung des Aktionskomitees teilnahm, ein, nach Kanada zu kommen. Nachträglich zerschlugen sich aber die Verhandlungen mit den Banken wegen dieser Anleihe, so daß das Prospekt gegenstandslos wurde. Trotzdem fuhr Herr Ussischkin nach Kanada und legte Herrn Freimann einen ganz anderen Plan vor. Dieser Plan rechnete von vornherein nicht mit einer Anleihe, sondern mit einer großen Spende der kanadischen Zionisten. Die Verhandlungen waren nicht leicht, aber die Bedeutung des Planes, die Größe der Forderung und die Energie des Fordernden brachten sie zu einem futen Resultat. So kam es, daß statt einer Anleihe von einer alben Million Dollar, die aufzubringen nicht möglich gewesen war, eine Spende von einer Million Dollar seitens der kanadischen Zionisten zustande kam. 30«,« der Spende, 300 000 Dollar, wurden sofort bar ausgezahlt und dem Hauptbüro des Keren Kajemeth zur Verfügung gestellt. Der Rest von 700 000 Dollar soll nach Ablauf von zwei Fahren in jährlichen Raten von 100 000 Dollar dem Keren 'ajemeth überwiesen werden. Man ermißt die Größe der kanadischen Verpflichtung, wenn man sich vor Augen hält, daß die bisherige Jahresleistung der kanadischen Zionisten für den Keren Kajemeth etwa 6000 bis 7000 Pfund brutto durchschniftlieh betrug. Da die neue Verpflichtung auf £ 20 000 netto jährlieh lautet, bedeutet das, daß die kanadischen Zionisten willens sind, ihre Leistungen für den Keren Kajemeth in Zukunft mindestens zu vervierfachen. Die Aufbringung der Summe von 300000 Dollar oder £ 60 000 bar, die dem Keren Kajemeth bereits zur Verfügung gestellt wurden, erfolgte in der Weise, daß eine größere Zahl führender kanadischer Zionisten Wechsel im Gesamtbetrag von 400 000 Dollar bei einer kanadischen Großbank deponierten, die darauf ein Darlehen von 300 000 Dollar gewährten. Die Wechsel, die auf Beträge von £ 50 000 bis zu 1000 Dollar lauten, sind in zwei Jahren fällig. Im Laufe dieser Zeit müssen die Nationalfondssammlungen in Kanada die Summe von 300 000 Dollar bringen, andernfalls die Unterzeichneten Wechsel für den fehlenden Betrag der Bank gegenüber haftbar sind. So wurde erreicht, daß eine große Zahl der besten Juden Kanadas sich persönlich für das Gelingen der enorm vergrößerten Keren Kajemeth- Arbeit einsetzen werden, damit das gesteckte Ziel erreicht wird.“ Zwiefach Ist das Bedeutende, das Zukunftsweisende dieser Unternehmung. Es ergibt sich, daß eine große Forderung auch heute und vielleicht gerade heute, große Tat zeitigt. Es ist möglich, es ist dem Keren Kajemeth möglich, ganz große Leistungen zu erzielen, wenn nur der Mut aufgebracht wird, sie zu verlangen. Das Mißtrauen, dem wir heute so oft begegnen, ergtreckt sich nicht auf den Keren Kajemeth. Im Gegenteil: seine Forderung findet ein Echo stärker als je zuvor. Außerordentliche Möglichkeiten aber eröffnet die Kanada- Aktion auch in einer ganz anderen Hinsicht, nämlich für die zionistische Siedlungspolitik. Die Rücksicht auf die schwebenden Kaufverhandlungen läßt es nicht zu, jetzt schon genauere Angaben über den Bodenkomplex zu geben, der mit dem kanadischen Gelde gekauft werden soll. Eine zusammenhängende Fläche von 45000 Dunatn wird erworben werden, in einer Gegend, die kolonisationspolitisch von allergrößter Bedeutung ist. Wenn erst der Kauf getätigt sein wird — wir hoffen, daß dieser Zeitpunkt nicht mehr allzu weit entfernt ist —, dann wird sich ergeben, daß dieser neu erworbene Boden Siedlungsmöglichkeiten ergibt, die insbesondere für den Mittelstand vielversprechend sind und auch jene Elemente mit dem Boden des Keren Kajemeth näher verknüpfen werden, die über Kapital zur Ansiedlung verfügen, die sich aber bisher nicht recht entwickeln konnten, weil sie den in Frage kommenden Boden aus eigenen Mitteln zu erwerben nicht imstande waren. Im Rahmen der manchmal so stürmischen Kongreßverhandlungen bildeten die Kanada-Aktion und der bevorstehende große Bodenerwerb des K. K. L. den ruhenden Punkt, auf den sich die Hoffnung stützte, daß auch in der bevorstehenden Zeit der notwendigen Einschränkungen unser großes kolonisatorisches Werk sich ungestört weiter entwickeln wird. Mehr als je beruht die Zuversicht der Zionisten auf den Keren Kajemeth. Das soll die Keren Kajemeth-Arbeiter zuversichtlich machen. In zweierlei Hinsicht verdient übrigens die Aktion in Kanada noch ein besonderes Wort. Wenn etwa die Befürchtung laut geworden ist, daß die Keren Hajessod-Aktion unter dem großzügigen Vorgehen unserer kanadischen Freunde leiden könnte, so haben schon die Tatsachen in Kanada erwiesen, daß das Gegenteil der Fall ist. Einmal haben die kanadischen Zionisten beschlossen, zur Aufbringung der übernommenen großen Verpflicbfungcn ausschließlich die Intensivierung der bekannten K. K. L.-S’ammelmethoden anzuwenden. Vorgesehen ist vor allem eine ganz großzügige Synagogen-Aktion, die regelmäßig erfolgen und al'e Synagogen des Landes umfassen soll, ferner die weitestgehende Ausdehnung der Büchsensammlung. Aufstellung einer Büchse in jedem jüdischen Hause und die Vermehrung der Leerungen bis zur regelmäßig monatlichen Büchsenleerung. Daneben selbstverständlich die weitestgehende Anwendung aller übrigen K. K. L.-Sammelmittel. Tatsächlich hat das Bekanntwerden der gelungenen K. K. L.-Aktion die zionistische Stirnmung in Kanada so belebt, daß die zu gleicher Zeit durchgeführte Keren Haiessod-Aktion. an der Herr Ussischkin selbst den aktivsten Anteil nahm eine ganz beträchtliche Vermehrung der Eingänge auf das Vielfache der erwarteten Ergebnisse erbrachte. Der zweite bezeichnende Umstand bei der kanadischen Aktion ist die starke Anteilnahme, die die Frauen daran nehmen. Mrs. Freiman, die Leiterin der kanadischen ״Hadassah“ hat seihst die Leitung der K. K. L.-Aktion in die Hand genommen und wurde zur Vorsitzenden der Keren Kajemeth- Kommission für Kanada gewählt. In Zukunft werden die kanadischen Frauen der K. K. L.-Arbeit die stärkste Mitarbeit widmen. Eine starke Rückwirkung gerade dieser Erscheinung war auf dem Kongreß zu verspüren. Die Women International Zionist Organisation (Wizo) hat die energische Aufnahme der K. K. L,-Arbeit in den Betätigungsrahmen ihrer Arbeit beschlossen. Wie ernst sie diesen Beschluß auffaßt, geht aus der Bedeutung hervor, die man der Wahl der Leiterin für die besonders eingerichtete K. K. L.-Abteilung der ״Wizo“ beimaß. Man betraute mit diesem Amte ״Mrs. Sieff, die bekanntlich eine der Gründerinnen der ״Wizo“ und seit ihrem Beginn Mitglied ihres dreigliedrigen Vorstandes ist. Mrs. Sieff hat bereits für Anfang Oktober eine großzügige Aktion in England zur Organisierung der Frauenarbeit für den K. K. L. eingeleitet, an der als Delegierte des Hauptbüros Frau Sari Berger aktiven Anteil nehmen wird. In dem Zusammenhang darf wohl darauf hingewiesen werden, daß nach allgemeinem Urteil der K. K. L. überhaupt auf diesem Kongreß gut abgeschnitten hat. Vor dem Kongreß wurde viel darüber gesprochen, daß in der Verwaltungs- Politik, in der Frage der Gehaltsbemessung und dergleichen gebessert werden müßte. Der Kongreß hat sich mit seinen Kommissionen eingehend mit diesem Problem beschäftigt und eine genaue Untersuchung vorgenommen. Die Untersuchung hat das denkbar günstigste Resultat gehabt. Es ergab sich nicht eine einzige Beanstandung. Nicht ein Reformvorschlag war nötig. Auch in dieser Hinsicht sind die Sympathien, die dem Keren Kajemeth immer entgegengebracht wurden und die auf dem Kongreß so sichtbar zum Ausdruck kamen, offenbar vollkommen berechtigt. Auch das mag eine Beruhigung geben und die moralische Sicherheit für alles, was wir verlangen. Noch ein drittes, ein Detail, sei angeführt, das auf dem Kongreß Sympathien für den Keren Kajemeth warb: das war die geschickte Art, in der die schweizerische Sammelstelfe und ihre Mitarbeiter es verstanden, die Kongreßbesucher dem K. K. L. nahe zu bringen und sie zu Spenden für den K. K. L. zu bewegen. Alks Aufdringliche war vermieden und doch wurde man unaufhörlich an den K. K. L. erinnert. Die Sammeltasche feierte Triumphe. Die Zeichnung für Eintragung in das Goldene Buch war im höchsten Schwung. Eine große Propagandaveranstaltung, ein Blumentag. ein Ball fehlte nicht. Alles war gut angelegt, gut durchgeführt und hatte ein gutes Aussehen. Es ergab sich, daß auch eine Fülle von K. K. L.-Unternehmungen, wenn sie nur mit der richtigen Auswahl betrieben und mit dem nötigen Takt und Geschmack unternommen werden, nicht nur niemanden müde macht, sondern Sympathie und Willigkeit weckt. Auch in dieser Hinsicht war der Kongreß ein Vorbild und eine Aufmunterung. So rundet sich das Bild dessen, was der XV. Zionistenkongreß dem K. K. L. gebracht hat und was er für ihn bedeutet. Das mutige Vertrauen, das in den stürmischsten Zeiten erst recht sich durclizusetzeii versucht, die große Chance für unser Palästinawerk, die der große Erfolg des K. K. L. verheißt, die Zuversicht in die Ordnung und Richtigkeit seiner Verwaltung — Beweis für die ungebrochene Wirkung seiner Sammelmetnoden —, all das kam auf diesem Kongreß zur Geltung und hat zum guten Teil seinen Charakter bestimmt. Das Jahr, das der Kongreß so verheißungsvoll begonnen hat, muß und wird ein Jahr des Erfolges für den Keren Kajemeth sein. b. j. Der XV. Kongreß und der Keren Hajessod Der XV. Zionistenkongreß war eine Probe der Inneren Stärke des zionistischen Aufbauwerkes in Palästina und der Bewegung, die ihn trägt. Er hatte den Mut, dem Ernst der Lage in Palästina ins Gesicht zu sehen und daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen. Er hat ein Budget aufgestellt, das nicht bestimmt wurde von den Notwendigkeiten eines schnellen Tempos des Aufbaus einer jüdischen Heim- Stätte in Palästina, sondern von der Notwendigkeit, die Ausgaben, die in der letzten Zeit infolge der Arbeitslosigkeit und der dadurch gestiegenen Bedürfnisse die Einnahmen überschritten hatten, so zu veranschlagen, daß sie den voraussichtlichen Einnahmen des Keren Hajessod entsprechen. Das neue Budget trug ferner für die Konsolidierung und Tilgung der bestehenden Verpflichtungen Sorge. Die Verwendung der Gelder des Keren Hajessod ausschließlich für neue konstruktive Zwecke ist daher für die Zukunft sichergestellt. Ein weiteres Zeichen für die Stärke des zionistischen Kongresses kann auch darin erblickt werden, daß er sein Augenmerk beinahe ausschließlich auf die Krise gerichtet hatte und sich nicht gemüßigt fühlte, dabei gleichzeitig hervorzuheben, wie ungeachtet der schweren wirtschaftlichen Lage in der letzten Zeit das Aufbauwerk in Palästina auf vielen Gebieten bedeutende Fortschritte gemacht hat. Die landwirtschaftliche Kolonisation, die noch vor wenigen Jahren auf durchaus unsicherer Grundlage zu stehen schien, hat si°h in den letzten Jahren konsolidiert. Die alten Kolonien durchleben eine Zeit des Aufschwungs und des Wohlstandes, der Anbau von Orangen hat sich als ein höchst rentabler Produktionszweig erwiesen; mit dem Anbau von Bananen und von Tafeltrauben werden gerade in den jüngsten Siedlungen des Keren Hajessod vielversprechende Anfänge gemacht. Eine Anzahl der landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajessod bat in den letzten Jahren ihre Entwicklung zur wirtschaftlichen Selbständigkeit vollendet, und selbst die jüngsten Siedlungen sind von der Krise fast unberührt geblieben und lassen für den Betrachter deutlich ihre Entwicklung zur Rentabilität erkennen. Der jüdische landwirtschaftliche Arbeiter, dem es bisher fast unmöglich gewesen war, in den alten Kolonien Fuß zu fassen, hat diesen beinahe zwanzigjährigen Kampf in den letzten zwei Jahren siegreich beendet. Die jüdischen Pflanzungskolonien in Judäa und Samaria beherbergen heute über 4000 jüdische landwirtschaftliche Arbeiter. Die neuen Siedlungen des Mittelstandes, die in den letzten zwei Jahren mit Hilfe des Keren Hajessod gegründet wurden, haben einen neuen Typus im jüdischen Siedlungswerk in Palästina geschaffen, der, wenn man M a g d i e 1 oder Herzliah betrachtet, die besten Prognosen zu rechtfertigen scheint. Eine ganze Anzahl von Arbeiterinnen-Wirtschaften sind mit Hilfe des Keren Hajessod im Zusammenhang mit der zionistischen Frauen Weltorganisation geschaffen worden, und ihre fortschreitende zufriedenstellende Entwicklung hat viel zur Lösung des schwierigen Problems der Arbeiterin in der palästinensischen Landwirtschaft beigetragen. Darüber hinaus konnte selbst in dem schweren Krisenjahr 1927 durch die Neukolonisation, die aus dem Budget des Keren Hajessod vorgenommen wurde, eine Anzahl von Familien in der Landwirtschaft Fuß fassen und ein großer Teil des westliehen Emek zwischen Nahalal und Haifa in das Gebiet jüdischer Landarbeiter einbezogen werden. Ebenso hat die Industrie in Palästina gerade in den Jahren der Krise sich in bestimmten Teilen als durchaus lebensfähig erwiesen, und die palästinensischen Produkte beginnen schon in vielen Zweigen zur Deckung der Bedürfnisse der palästinensischen Bevölkerung und auch darüber hinaus sogar zum Export in die Nachbarländer befähigt zu werden. Die Versorgung der jüdischen Arbeitslosen mit produktiver Arbeit hat in den letzten Monaten Fortschritte gemacht, wobei viele der für die Arbeitslosen aus Jerusalem und Haifa eingerichteten Arbeiten gleichzeitig der Konsolidierung und Stärkung der landwirtschaftlichen Kolonisation dienen, ebenso wie cs beabsichtigt ist, bei den in Tel Awiw geplanten öffentliehen Arbeiten vor allem den Bedürfnissen dieser jüdischen Stadt in Schulbauten, im Bau von Arbeiterhäusern usw. Rechnung zu tragen. Neben all diesen in den letzten Monaten mit Hilfe des Keren Hajessod durchgeführten Fortschritten soll nicht vergessert werden, daß sich für die nächsten Jahre weitere Perspektiven eröffnen. Die Elektrifizierungsarbeiten der Rutenberg-GeseHschaft, an deren Kapital der Keren Hajessod beteiligt ist, haben bereits ihren Anfang genommen, und jetzt schon arbeiten mehrere Hundert jüdische Arbeiter an der Vorbereitung für das Staubecken am Tiberiassee. Die Zahl der dort beschäftigten Arbeiter wird in kurzer Zeit wachsen. Ebenso wie es der zionistischen Exekutive gelungen ist, diese wichtige Konzession für den jüdischen Konzessions- Werber zu erhalten, kann mit Genugtuung vermerkt werden, daß eine zweite, für die wirtschaftliche Entwicklung des Landes ebenso bedeutende Konzession, die zur Ausbeutung der Mineralschätze des Toten Meeres, ebenfalls dem jüdischen Konzessionswerber verliehen wurde, wobei auch hier der Keren Hajessod an dem Kapital der die Konzession erwerbenden Gesellschaft beteiligt ist. Es besteht Aussicht, daß die Toten-Meer-Arbeiten, ebenso wie die Hafenbauten in Haifa im kommenden Jahr beginnen und eine größere Anzahl jüdischer Arbeiter beschäftigen werden. Ueber diese Linderung der Arbeitslosigkeit hinaus werden aber diese drei Unternehmungen von großem Wert für den Wirtschaftliehen Aufschwung des Landes sein und so die Grundlage für eine Stärkung der jüdischen Position in Palästina bilden. Der zionistische Kongreß hat die Gesamteinnahmen des Keren Hajessod für das nächste Jahr auf £ 631 832 geschätzt. Dieser Schätzung liegen außerordentlich sorgfältige Berechnungen des Direktoriums auf Grund einer nunmehr sechsjährigen Erfahrung zugrunde. Es wird damit gerechnet, daß Amerika etwas weniger als die Hälfte der Einnahmen aufbringt, während die andere Hälfte von Europa und den übrigen überseeischen Ländern beigesteuert werden soll. In die Summe voii £ 631 832 ist eine Summe von £ 112832 eingestellt, die die Hadassah-Organisation in Amerika direkt neben den normalen Keren Hajessod-Eingängen für die Zwecke der medizinischen Arbeit der Hadassah in Palästina aufbringen soll. Von diesen Einnahmen von £ 631 832 sind £ 92 501) bereits zur Zinsenzahlung und Amortisation von Anleihen bestimmt, die der Keren Hajessod im Laufe der letzten Jahre aufgenommen hat, sowie zur Deckung der Propagandakosten des Keren Hajessod selbst. Die bereits eingegangenen Verpflichtungen der zionistischen Exekutive in Palästina sollen im Laufe von zwei Jahren abgedeckt werden. Im Laufe dieses Jahres sind £ 70 000 dafür veranschlagt worden. Es verbleibt daher eine Summe von £ 469 332 zur Durchführung neuer Arbeiten. Die Festsetzung dieser, angesichts der Bedürfnisse verhältnismäßig kleinen Summe hat es selbstverständlich notwendig gemacht, daß neben der Fortführung der wichtigsten Tätigkeiten, der landwirtschaftliehen Kolonisation, der Beschaffung produktiver Arbeitsrnöglichkeiten, der Erziehung und des Gesundheitswesens, die übrigen Posten sehr stark verkürzt werden mußten. Noch immer nimmt die landwirtschaftliche Kolonisation mit einem Betrage von £ 131000 die erste Stelle im Tätigkeitsgebiet des Keren Hajessod ein. Von dieser Summe entfallen £ 10000 auf die Arbeit der Versuchsstation und £ 15 000 auf die Durchführung des außerordenflich wichtigen Bewässerungspknes in der Audschagegendj durch den eine Reihe von Keren Hajessod-Siedlungen, insbesondere der neuen Mittelstandssiedlungen, die Möglichkeit haben werden, zum rentablen Pflanzungsbau überzugehen. Wie alle anderen Posten mußte auch das Budget für hebräische Kultur und Schularbeit reduziert werden und beträgt einschließlich der Beiträge des Keren Hajessod für Universität und Technikum nur noch £ 58 000. Angesichts der wachsenden Anzahl schulpflichtiger jüdischer Kinder in Palästina und des wachsenden Bedürfnisses nach Vergrößerung des bestehenden Schulnetzes bedeutet diese Kürzung des Erziehungsbudgets ein schweres Opfer,_ das sich der Jischuw in Palästina angesichts der allgemeinen Lage auferlegt. Auch das Budget für religiöse Erziehung und religiöse Angelegenheiten mußte auf £ 7000 gekürzt werden, während es infolge der Anstrengungen der Hadassah-Organisation in Amerika gelingt, das gerade in den Jahren einer Wirtschaftliehen Depression notwendige Budget für öffentliches Gesundheitswesen und öffentliche sociale Fürsorge auf entsprechender Grundlage zu halten. Der Kongreß hat sich bei seinen Erwägungen von dem Gedanken leiten lassen, daß bei der Verteilung des Budgets nur jene Eingänge in Betracht gezogen werden sollen, mit denen man tatsächlich rechnen kann. Alle waren aber von der Hoffnung erfüllt, daß darüber hinaus durch eine besondere Entfaltung von Opfersinn und Energie höhere Beträge erzielt werden können, die vor allem die Ueberführung der Arbeitslosen in produktive Beschäftigungen dienen werden. Die Delegierten sind in ihre Heimat mit der festen Ueberzeugung zurückgekehrt, daß vor allem die Zionisten , in diesem entscheidenden Jahr ihr Aeußerstes hergeben müssen. Ihr Beispiel sollte dem Gesamtjudentum die Bedeutung des Aufbauwerkes im Heiligen Lande vor Augen führen. Gerade in der letzten Zeit hat der briiische Kolonialminister Amery beim Empfang einer zionistischen Delegation in Johannesbürg (Südafrika) und ebenso der britische Oberkommissar in Palästina, Lord Plumer, beim Besuch von Tel-Awiw namens der Mandatarmacht erklärt, daß sie in die Zukunft des jüdischen Aufbauwerkes in Palästina volles Vertrauen haben und zu Buchstaben und Geist der Balfour-Deklaration und des Mandates stehen wollen. Das Tempo des Aufbau- Werkes zu beschleunigen ist aber in erster Reihe Sache des jüdischen Volkes. Nur dieses kann die Situation in Palästina schaffen, welche der inneren Stärke der Bewegung, wie sie aut diesem Kongreß zutage getreten ist, auch den äußeren entsprechenden Rahmen schafft. Der Kongreß dankt der Stadt Basel Am 22. September statteten die leitenden Sekretäre des Zionistischen Kongreßbüros dem Regierungspräsidenten Wenk einen offiziellen Abschiedsbesuch ab. Sie überreichten ihm in Ausführung eines feierlichen Kongreßbeschlusses das Diplom über die vollzogene Eintragung der Stadt Basel in das Goldene Buch des Jüdischen Nationalfonds. Der Regierungspräsident sprach der Kongreßleitung seinen Dank für diese Ehrung aus und versicherte, daß der Zionistenkongreß auch in Zukunft stets auf die Gastfreundschaft Basels rechnen könne. Am 23. September erschien in Wien zum ersten Male eine neue jüdische Wochenschrift unter dem Titel ״Die Neue Welt“ an Stelle der ״Wiener Morgenzeitung“. Als Heraus* geber zeichnet Robert Stricker, als verantwortlicher Redakteur Julius Löwy. Redaktionsadresse: Wien IX, Universitätsstraße 6—8.