Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 78 (30.9.1927)
- Date
- 1927-09-30
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 78, 30. TX. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 559 erklärt hatte, daß er nur die Politik machen könne, die er gemacht habe, und daß man für eine andere Politik einen anderen Menschen nehmen müsse. Die Unklarheit der Ent- Scheidung, die durch die — keinen Augenblick zweifelhafte — Wiederwahl Weizmanns in Verbindung mit diesem Text der Resolution entstand, wurde gesteigert, indem ein erheblicher Teil der Kritiker unserer Politik sich doch unaufhörlich zu Weizmann, dem Führer dieser Politik, bekannte. Sie wurde noch dadurch vermehrt, daß die Exekutive sich, wenn auch ungern, mit der Annahme der Resolution einverstanden erklärte, und sie wuchs noch weiter, ah die radikale und revisionistlsche Opposition einen eigenen schärferen Antrag (Ooldmann) einbrachte, der dann vom Vorsitzenden des Kongrosses als ausschließlicher Gegensatz zum Kommissionsantrag zur Abstimmung gestellt wurde — so daß auch die nichtoppositionellen Gegner des Kominissionsantragca für diesen stimmen mußten, um gegen den Antrag Ooldmann zu stimmen. Bei alledem wäre es unzulässiger Formalismus, wenn man aus der Wiederwahl Weizmanns allein eine einwandsfreie Billigung seiner Politik durch den Kongreß machen wollte. Wortlaut und Geist der Kongreßresolution sprechen nun einmal eine andere Sprache. Bedenklich ist besonders die ameri' kanische Kritik, die gezeigt hat, daß das bekannte Lipsky- Interview, welches zu der scharfen Zurückweisung durch den Near East geführt hat, nicht ein faux pas war, der aus Versehen erfolgt wäre, sondern der überlegten Meinung zum mindesten eines Teiles der amerikanischen Organisation entspricht. Bei diesem Stande der Dinge wird cs eine wichtige Aufgabe sein, die Frage unserer Politik noch einmal in ihrer ganzen Bedeutung vor der Organisation auszubreiten und einer ernsthaften Prüfung zu unterziehen. Man kann sich nicht damit abfinden, daß auch der nächste Kongreß sich schließlich wieder aus der Hitze des Meinungskampfes in den Schatten der persönlichen Autorität Weizmanns flüchten, und daß es Weizmanns fester Anschauung und seiner politischen Fähigkeit stets gelingen wird, die Unbejuemlichkeiten von Kongreßresolutionen auszugleichen. Wer Weizmanns Politik für richtig und wertvoll hält, muß danach streben, daß Kongreß und Organisation auf Grund ehrlicher Einsicht und mit wirklieber eigener Verantwortung sich zu dieser Politik bekennen. Dann werden wir festen Grund für unsere politische Arbeit haben. Wenn die Organisation sich aber weiter mit einem persönlichen Vertrauen zu unseren politischen Führern begnügt, das des eigenen Urteils entbehrt, dann werden die, die wirklich sehen, was in uns und um uns ist, sich nicht mehr lange des Gefühles erwehren können, daß wir unseren Weg machen, wie der Reiter auf dem Bodensee. Die Arbeiten der Expertenkommission Jerusalem, 12. September (J. T. A.) Die Mitglieder der neutralen Expertenkommission Prof. Elwood Mead, I. i p p ־ man, Adams, Ryarson, Strahorn, Hcnrique und Dr. W oll man, hielten im Jerusalemer Landwirtschaftlichen Museum eine Beratung ab, an der auch die Mitglieder der Landwirtschaftskommission der zionistischen Exekutive, sowie Dr. Thon als Vertreter des Waad Leumi, Joseph Bar atz als Vertreter des Landwirtschaftszentrums der Arbeiterorganisation und Botkowsky, Chedera teilnahmen. Herr E11 i n - g e r, der den Vorsitz führte, hieß die Gäste willkommen und setzte die Probleme auseinander, mit denen sich die jüdischen Ansiedler in Palästina auseinanderzusetzen haben. Er teilte mit, daß der Jüdische Nationalfonds bezüglich eines wichtigen Landerwerbs einen Entschluß gefaßt hat, der als ein Markstein in der Geschichte der vor sieben Jahren begonnenen Besiedlung des Emek Jesreel gelten wird. Prof. Elwood Mead hielt eine Ansprache, in der er ausführte, das jüdische landwirtschaftliche Aufbauwerk in Palästina sei in ökonomischer und sozialer Beziehung eines der seltensten Phänomene, deren die Welt im letzten Jahrhundert Zeuge gewesen ist. Mit großer Zufriedenheit stelle er den ungeheuren Fortschritt fest, den die Kolonisation seit seinem letzten Besuch im Jahre 1923 aufzuweisen hat. Er stimme mit den Direktoren des Jüdischen Nationalfonds, die den neuen Bodesikäufen im Tale Esdralon und an der Akko-Bucht große Bedeutung beimessen, vollkommen überein. Die große Zukunft der Stadt Haifa wird diese Erwartungen vollauf rechtfertigen. Prof. Lippma n besprach gewisse technische Fragen, sowie das Wesen der kooperativen Institutionen und die Arbeitsmethoden, endlich die Frage der Ausfindigmachung von Märkten im Auslande für die palästinensischen Produkte. Jerusalem, 15. September. (J. T. A.) Prof. Elwood Mead und Prof. Jakob Lippman, die landwirtschaftliehen Sachverständigen der Jewish Agency-Kommission, haben am 12. September Palästina verlassen, um nach den Vereinigten Staaten zurückzukehren. Vorher empfingen sie Vertreter des Landwirtschaftszentrums der Arbeiter-Organisationen und berieten mit ihnen über die Methoden der Siedlung im Hinblick auf die für Ansiedler in Palästina noch bestehenden Schwierigkeiten, die besonders in dem Mangel an Anlagekapital bestehen. Prof. Mead legte den Arbeitervertretern eine Anzahl Tragen bezüglich der Konstitution der Kwuzotli vor. Dr. W 011 mann, der Wirtschaftsbeirat der Sachverständigen-Kommission, besuchte mehrere Arbeiterinstitutionen und erörterte mit deren Leitern Fragen der Finanzen und Organisation. Ferner konferierte er mit Pinchas Ruthenberg über den Plan der Elektrifizierung Palästinas. Er kam auch mit Vertretern der Handwerkerorganisationen und der Kreditgesellschäften zusammen. Auch besuchte er mehrere Fabriken in Tel-Awhv. Von dort begab er sich nach dem Norden zum Besuche von Samarja und Haifa. Er hat auch seinen Besuch in den jüdischen Kolonien von Judäa angekündigt. Dr. Wollman bleibt bis Ende September in Palästina. Dr. Lee K. Frankel and die Palästina •Anleihe New York, 12. September, (f.T.A.) Vor kurzem brachten einige Zeitungen die Mitteilung, daß Dr. Lee K. Frankel, Mitglied der Jewish Agency-Kommission, einen Plan für die Unterbringung einer Fünfzig-Millionen-Dollar- Anleihe für Zwecke des Palästina-Aufbaus ausgearbeitet hat. Dr. Frankel, der in diesen Tagen von seiner Europa- und Palästma-Reise in New York eingetroffen ist, erklärte, er habe einen solchen Plan nicht ausgearbeitet und einen solchen Vorschlag nicht gemacht. Er habe drei Wochen in Palästina geweilt und dort das jüdische Leben in allen seinen Verzweigungen studiert, habe aber bis heute noch keinerlei Urteil über das Gesehene zum Ausdruck gebracht. Einen Bericht über meine Eindrücke und Wahrnehmungen, fuhr Dr. Frankel fort, werde ich in der Sitzung der Jewish Agency-Kommission erstatten. Heute kann ich nur dies sagen: Ich habe alle wichtigsten jüdischen Kolonien besucht und mich mit Abordnungen verschiedener Gruppen der jüdischen Bevölkerung Palästinas unterhalten. Auf die Frage, wie sich die Palästina-Regierung zu den jüdischen Belangen stellt, erwiderte Dr. Frankel, als offizieller Vertreter der Jewish Agency-Kommission müsse er sich bei Aeußerungen über dieses Thema Zurückhaltung auferlegen. Anfang 1928, sagte Dr. Frankel, werden Direktor Oskar Wassermann aus Berlin und Sir Alfred Mond aus London nach Amerika kommen; wir werden sodann in einer gemeinsamen Sitzung die Berichte unserer Sachverständigen über Palästina prüfen. Vorher noch, im Oktober d. J., wird Oskar Wassermann Palästina besuchen und sich persönlich ein Urteil über die Lage bilden. United Morris Der United Palesllnc Appeal in Amerika Anläßlich der Ankündigung der Konferenz des Palestine Appeal in Cleveland am 30.. Oktober hat Rottenberg nachstehende Erklärung veröffentlicht: ״Die Beschlüsse, die der XV. Zionistenkongreß in Basel angenommen hat, legen den amerikanischen Zionisten große Verpflichtungen auf. Nachdem es der amerikanischen Delcgation gelungen ist, den Kongreß zur Annahme ihres allgemeinen Programms zu veranlassen, das zur Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit führt, glaubt sie, daß dadurch die Verantwortlichkeit des amerikanischen Judentums noch gewachsen ist. Von besonderer Wichtigkeit für die Konferenz in Cleveland sind die neuen Maßregeln, die für die Verwaltung der Palästina-Exekutive getroffen wurden. Alle diese Reformen werden die Juden Amerikas zu größeren Anstrengungen für Palästina ermutigen, da sic wissen, daß jede aufgewendete Energie durch ein Höchstmaß von Leistung belohnt wird. Der Kongreß hat beschlossen, daß die zionistische Position in Palästina auf Konsolidierung und Einschränkung gegründet sein muß. Dies stellt eine Stabilität in Aussicht, die bis jetzt teils gefehlt hat, teils unmöglich war auf Grund der dortigen wirtschaftlichen Verhältnisse. Die Konferenz des. United Palestine Appeal für 1927 hat die Möglichkeit, die Beschlüsse des Baseler Kongresses in die Wirklichkeit umzusetzen, mit dem PrivFeg, diese neue Aera, die die erfolgreichste Periode beim Aufbau des jüdischen Nationalheims werden kann, inaugurieren zu können.“ 350000 Dollar bis zum 1. Oktober Der United Palestine Appeal von New York beschloß in einer Sitzung, vom 18. September bis zum 1. Oktober in New York 350 000 Dollar für Palästinazwecke aufzubringen. Die Leitung des Appeals wandte sich zu diesem Zwecke m einem Aufrufe an die New Yorker Judenheit, in welchem ausgeführt wird, daß das Programm der amerikanischen Zionisten auf dem Kongresse angenommen wurde und daß darum die amerikanische Judenheit die Pflicht habe, die Mittel zur Durchführung der in Basel beschlossenen Maßnahmen beizustellen. New York, 15. September. (J.T. A.) Die jüdischen Arbeiterorganisationen von Chicago und sechs weiteren Städten des Mittleren Westens haben eine Konferenz abgehalten urd beschlossen, eine Summe von 50 000 Dollar für das Werk der jüdischen Arbeiterschaft in Palästina aufzubringen. Die Einnahmen des Keren Hajessod im Angnst 1927 Die Einnahmen der Hauptbüros des Keren Hajessod in Jerusalem betrugen im Monat August 1927 £ 36,859.0.2. Die Oesamteingänge des Hauptbüros des Keren Hajessod bis zum 31. August 1927 betragen damit £ 3,124,588.17.7. An den Eingängen im Monat August sind folgende Länder hauptsächlich beteiligt: Vereinigte Staaten von Amerika £ 20,978 Südafrika £ 4,000, Argentinien £ 2,289, Neuseeland £ 1,730, Kanada £ 1,800, Polen (Warschau, Lemberg und Krakau) £ 1,268, Bulgarien £ .1,250, Deutschland £ 1,206, Rumänien (Altrumänien, Bessarabien und Transsylvanien) £ 1,137, Algier £ 655, Holland £ 624. Ueber 2 Millionen Piund Einnahmen des Keren Kajemeth .. Zusammen mit den £E. 29 063, die der Keren Kajemeth Lejisrael im Monat August erhalten hat, sind die Einnahmen seit seiner Begründung jetzt auf £E. 2 008 700 gestiegen. Die Einnahmen im Monat August in Höhe von £E. 29 063 sind ein bedeutender Schrift gegenüber den Einnahmen desselben Monats im Vorjahre, der nur £E. 25 135 gebracht hat. Zu dieser Einnahme haben Beträge von mehr als £E. 500 beigetragen: Amerika mit £E. 19017, Südafrika mit £E. 1101, Warschau mit £E. 780, England mit £E. 761, Italien mit JE. 702, Deutschland mit £E. 679, Transsylvanien mit JEE. 624, Erez-Israel mit £E. 545, Jugoslavien mit £E. 550. Vom 1. Oktober 1926 bis zum 31. August 1927 betrugen die Einnahmen £E. 249 796 gegenüber £E. 251 674 in der .gleichen Zeit des Vorjahres. Lord Balfoar tritt zurück Aus London wird der ״Vossbchen Zeitung“ gemeldet: Der ״Manchester Guardian“ kündigt wesentliche Aendederungen im Kabinett an. Lord Balfour, der amtsmüde sei, werde als Präsident des Geheimen Rates durch den bislierigen Kultusminister Lord Percy ersetzt werden. An Pcrcvs Stelle, der sich durch reaktionäre Reden in einem für die kommenden Wahlen gefährlichen Umfang bei der Lehrerschaft verhaßt gemacht habe, werde wahrscheinlich der von den Liberalen zu den Konservativen übergegangene ehemalige Finanzdirektor von Polen, HIIton Young, der bereits jetzt in Genf für die Regierung tätig sei, Kultusminister werden. Kanzler des Herzogtums ״Lancaster an Stelle von Lord Cecil werde der bisherige Vertreter Indiens im Völkerbund, Lord L y 11 o n. Der Verlust von Lord Balfour, der ein Gegner der Russenpolitik und ein erfolgreicher englischer Delegationsfiihrer auf der Abrüstungskonferenz in Washington war, würde einen weiteren schweren Prestigeverlust der Regierung unmittelbar vor den Neuwahlen bedeuten. Niemand glaubt hier, daß Balfour, dessen jugendliche Frische allgemein auffällt, gerade jetzt amtsmüde sei. Dagegen sind zahlreiche Aeußerungen des Unwillens von Balfour über die Unbelehrbarkeit und Ungeschicklichkeit Chamberlains in den außenpolitischen Verhandlungen in Umlauf. Ein Zwisclienlall in Tel-Awiw? Englische Zeitungen melden aus Tel-Awiw, daß es dort am Vortage von Rösch Haschanah zu Unruhen gekommen ist. Arbeitslose verlangten die Auszahlung von Beihilfen. Als dieser Forderung nicht stattgegeben wurde, drangen radikale Elemente in die Jrijah (Stadthaus! ein und richteten dort Verwüstungen an. Die städtische Polizei mußte eingreifen und es kam zu Zusammenstößen. Schließlich gelang es, Ruhe zu schaffen. Man zahlte einige Verletzte. (Bisher liegt keine Bestätigung dieser Nachricht vor. — Red.) Das neue Präsidium der Repräsentanlenversammtanfl Die Repräsentantenversammlung der Berliner jüdischen Gemeinde trat am 25. September zu ihrer konstituierenden Ver- Sammlung zusammen. Den Vorsitz führte der Alterspräsident Emil P i n c u s. S e 1 i g m a n 11 (Liberaler) versuchte nachmweisen, daß die fehlenden Repräsentanten Dr. Oskar Cohn und Ministerialrat Goslar nicht ordnungsgemäß entschuldigt seien und daß die Einberufung von Stellvertretern zu Unrecht erfolgt sei. Da Seligmantt aber voraussah, daß er bei einer, eventuellen Abstimmung in der Minorität bleiben würde, verzichtete er auf Einbringung eines־ Antrages. Moritz A. Loch gab hierauf die Erklärung ab, daß die Gruppen der Jüdischen Volks- Partei, der Konservativen und der Religiösen Mittelpartei im Wahlkampf mit einem Programm, das eine Reihe von gemeinsamen Punkten enthielt, eine gegen die liberale Richtung gcrichtete Front vertreten hätten und daß deshalb der Spitze der Repräsentantenversarmnlung ein Charakter gegeben werden müsse, der das Ergebnis der Wahl mich äußerlich versinnbildlicht. Er schlage deshalb als Vorsitzenden Geheimrat Dr. Julius Stern vor. Prof. Türk erklärte darauf namens der Liberalen Partei, daß diese eine solche ״Blockbildung“ vom demokratischen Standpunkt nicht anerkennen könne und daß die Liberale Fraktion, als die stärkste im Hause, auf den Vorsitz Anspruch erhebe. Sollte diesem Anspruch nicht stattgegeben werden, so werde sich die Liberale Fraktion au dem Präsidium und dem Büro überhaupt nicht beteiligen. Bei der Abstimmung ergab sich, daß 11 Stimmen für Geheimrat Dr. Julius Stern (Religiöse Mittelpartei), 10 Stimmen für den liberalen Kandidaten, den bisherigen Vorsitzenden Rechtsanwalt Heinrich Stern, abgegeben wurden. Geheimrat Stern war damit zum Vorsitzenden der Repräsentanten- Versammlung gewählt. Zum ersten stellvertretenden Vorsitzenden wurde gewählt Rechtsanwalt Dr. Klee (Jüdische Volkspartei), zum zweiten stellvertretenden Vorsitzenden Moritz A. Loeb (konservativ), Schriftführer wurde Lnndgerielrtsrat Rau, zu seiner Vertreterin wurde gewählt Frau Lina Wagner-Tauber. Die Liberale Fraktion beteiligte sich an den Abstimmungen nicht. Dr. Klee übernahm den Vorsitz, dankte für die auf ihn entfallene Wahl und sagte, wenn er auch nur vo'n einer Seite des Hauses gewählt worden sei und die andere Seite nur aus politischen Gründen sich der Stimme enthielt, so werde er gewiß, wie es alle von ihm erwarten, nach jeder Seite bin Objektivität üben. Er bedauere, daß nicht Heinrich Stern das Amt eines ersten stellvertretenden Vorsitzenden angenommen habe. Es erfolgte dann die übliche Besetzung der Aus- Schüsse. Es wurde ein Dringlichkeitsantrag angenommen, sofort ein Terrain zur Errichtung einer neuen Altersversorgung®- anstalt zu kaufen. Es wurde eine Kommission zur Vorbereitung der Vorstandswahlen eingesetzt. ln seinem Schlußwort gedachte Dr. Klee des bevorstehenden Neujahrsfestes. Als ein Tag der Erinnerung möge es uns an das Große und Schöne in der Geschichte unseres Volkes und unserer Gemeinde erinnern, und aus dieser Erinnerung Kraft für opferfreudige und hingebungsvolle Arbeit für die Gemeinschaft erwachsen. — Prof. Türk gab seiner Freude Ausdruck, daß Rechtsanwalt Dr. Klee nach seiner schweren Erkrankung wieder völlig hergestellt sei und seine Kraft der Gemeinde widmen könne. — Vorher hatte Pincus in warmen Worten des dahingeschiedenen langjährigen Syndikus der Gemeinde, Justizrat Lilienthal, gedacht. Vertrag Englands mit Ibn Sand Die ״Time 5“ veröffentlichte am 24. September den am 20• Mai abgeschlossenen Vertrag zwischen England und dem König des Hedschas, Ibn Saud. Von Interesse sind nachstehende im Auszug wiedergegebene Artikel, ln Art. 1 erkennt England die völlige Unabhängigkeit des Königreiches der Hedschas an. In Art. 2 geben die vertragschließenden Staaten sich gegenseitig die Zusage, daß ihre Gebiete nicht als Ausgangspunkt von Bestrebungen, die sich gegen die Sicherheit des anderen Staates richten, benützt werden dürfen, ln Art. 8 wird die Dauer des Vertrages auf sieben fahre festgesetzt. Im neunten Artikel wird der Vertrag zwischen England und dem Hedschas vom Dezember 1915, in dem das Abnängigkeitsverhältnis des Hedschas von England in der Form einer Subvention, die die englische Regierung zahlte, zum Ausdruck kam, aufgehoben. In vier Begleitnoten wird festgestellt, daß England und Ibn Saud sich über die Festsetzung der Grenzen zwischen englischem Mandatsgebiet und dem Hedschas noch nicht einig seien, den jetzt bestehenden Status quo aber achten wollten, bis die Orenzfrage sich ״zu einem günstigen Zeitpunkt“ regeln lasse. Das Verbot des Waffenhandels von England und englischen Besitzungen nach Arabien wird aufgehoben. Bemerkenswert an dem Vertrag ist, daß Ibn Saud offenbar aus religionspolitischen Gründen noch nicht seine Zustimmung zur Abtretung des nördlichen Hedschas mit den Städten A k a b a und M a a n gegeben hat. Diese beiden Städte sind seit Juni 1925 dem britischen Mandatsgebiet Transjordanien einverleibt. Das Budget der Palästina-Regierung Jerusalem, 23. September. (J. T. A.) Wie die J. T. A. erfährt, hat das Londoner Kolonialamt die Palästina-Regierung angewiesen, im Hinblick auf die verminderten Staatseinnahmen die Ausgaben um mindestens £E 100 000 zu kürzen. Die Regierung hat deshalb die Durchführung geplanter Arbeiten unterlassen und die Gehälter sämtlicher Beamten u m 10 0/0 gekürzt. Ein Jüdischer Vizepräsident des polnischen Sejm? Warschau, 21. September. (J. T. A.) Auf den durch die Demission des Ab״. Poniatowski freigewordenen Posten eines Vizepräsidenten des polnischen Sejm haben drei Parlamentsklubs, die ״Wyzwolenie“ mit 25 Mitgliedern, die ״Stronietwo Chlopske“ mit 33 Mitgliedern und der ״Jüdische Klub“ mit 34 Mitgliedern Anspruch erhoben. Der Jüdische Klub mit der größten Mitgliederzahl hat nach Hausordnung und Tradition unzweifelhaften Anspruch, aus seiner Mitte den Vize- Präsidenten zu stellen. Als seinen Kandidaten nominierte er seinen Präsidenten, Abg. Dr. Hart gl aß. Unter den polnisehen Parlamentklubs herrscht aber die Tendenz vor, in diesem Falle die Tradition zu verlassen und keinen J u d e n als Vize- Präsidenten zu wählen. Ein Gespräch zwischen jüdischen Abgeordneten und dem Sejmpräsidenten R a t a i hatte bis jetzt keinen Erfolg. Inzwischen hat die Angelegenheit durch die Vertagung des Sejms auf einen Monat keine unmittelbare Aktualität. Warschau, 21. September. (J. T. A.) In der letzten Sitzung des jüdischen Parlamentklubs gab Dr. Leon Reich Aufklärung darüber, warum er an der letzten Tagung der Interparlamentarischen Union nicht teilgenoinmen hat. Das Präsitlium der polnischen Delegation für diese Tagung hat die Referate so verteilt, daß der Vertreter des jüdischen Parlament* klubs ohne Referat blieb. Unter diesen Umständen zog es Dr. Reich vor, der Tagung fernzubleiben. Der Parlamentklub beschloß, bei der polnischen interparlamentarischen Delegation gegen dieses Verhalten ihres Präsidiums Protest einzulegen.