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Jüdische Rundschau · 1927-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Nr; 76/23 ,דד. IX. 1027 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 551 er möchte eben mitgehen. Daß er diese Sehnsucht hat und daß sie von solcher Stärke und Tiefe Ist, und jenen Verzweiflungsschrei: ״Israel, Israel“ ausstößt, darin liegt, wie schon gesagt wurde, das Neue und Bemerkenswerte in Flcgs Roman ״Der kleine Prophet“. Welchen Ausweg findet nun Claude Levy? Zu den bloß Lächelnden kann er nicht gehören, und bei solcher Inbrunst ein lauer Israelit bleiben, wird er auch nicht können. Welche Heilung findet seine wunde Seele? Sie bleibt wund, sie bleibt zernagt von Zweifeln und unerfüllter Sehnsucht. Um sich Linderung zu verschaffen, zu einem Messianismus ihre Zuflucht zu nehmen, zu einem sehr aktiven Messianismus. Claude Levy sucht Trost in dem Oedanken, daß Jude sein die Vorbereitung auf das Kommen des Messias bedeutet, des Messias des Friedens und der Oerechtigkeit. Er möchte, daß alle jüdischen Feste und Gebräuche nur diese einzige Sehnsucht symbolisieren sollen und daß auch der Palästina-Aufbau von diesem hohen Oedanken durchdrungen sein soll. Claude Levy weiß nur nicht, daß seine Rückkehr zum Judentum durch seine Leiden, durch seine Sehnsüchte bereits vollzogen ist, und als er, Sohn eines Gleichgültigen und Lächelnden, jenen Schrei: ״Was soll ich tun, um Jude zu werden?“ ausstieß, er es schon dadurch geworden war... Ein Jahr ״Ktawlm“ Zugleich mit dem Bewußtsein der Verantwortung für die;Gestaltung des jüdischen Geschehens und für das Schicksal der ׳lebenskräftigen Tendenzen darin, ist der zionistischen Oeffentlichkeit auch das Verhältnis der Solidarität verlorengegangen, .das sie vordem mit der hebräischen Sprache und dem Schaffensprozeß verband, der, mit dem Anspruch ihre Renaissance herbeizuführen, sich in ihr erneuerte. So wenig man uns geneigt finden wird, dem Verschwinden .jenes ahnungslosen hebräischen Hurrapatriotismus der Dilettanten und Ignoranten auch nur eine Träne nachzuweinen (der im Gegenteil verdient, vernichtet zu werden, wo er sich noch nicht selbst verzehrt hat), so sehr gibt es uns Grund zu Sorge und Bedauern, daß das Kind nun mit dem Bade ausgeschüttet!ist und zugleich mit der Auflösung der wahllosen Hebräischbegeisterung auch das Gute, Kräftige und Hoffnungsvolle in der hebräischen Wirklichkeit ein gut Teil der früher vorhandenen Resonanz eingebüßt hat. Von den Zeitschriften, die, ent- ,sprechend dem werdenden Charakter des hebräischen Lebens, sein adäquatester Ausdruck sind und von denen einige sein •Wesen in hohem Maße׳ :bestimmt haben, ist eine nach der anderen den neuen Umständen zum Opfer gefallen. Es gibt 'keine zentrale Tribüne des Hebräischen mehr, wie es früher etwa ״Haschiloach“ war, die zugleich eine erhöhte Warte über dem jüdischen Leben wäre. Die verhängnisvollste, durch die zionistische und hebräische Anstrengung zu überwindende Charaktereigenschaft des jüdischen KoHektivums, der Mangel an der Fähigkeit, seine Kräfte der Zucht einer zentralen sachliehen Aufgabe zu unterwerfen und sie unter jene zu beugen, hat auch auf diesem Felde der vormals reinsten Intention ihre Opter gefordert. Vor einem Jahr etwa vereinigten sich Angehörige der jungen hebräischen Schriftstellergeneration, die sich inzwischen in Palästina zusammengefunden hatten, um sich ein Organ zu schaffen, das ihnen und dem hebräischen Schriftsteller überhaupt (die Zeitschrift, die einfach ״Ktuwim“-״Schriften“, ״Geschriebenes“ heißt, wird vom ״Gesamtverband der hebräischen Schriftsteller Palästinas“ herausgegeben, wenn auch meist von den Jungen benutzt und von ihrem Exponenten A. Stein berg geleitet) den Zusammenhang mit dem Publikum geben und ein pjegel der Bestrebungen sein sollte, die in der hebräischen Welt leben. Daß dieser Versuch gelungen ist, daß die Zeitschrift knapp vor Beendigung ihres 1. Jahrganges eine notwendig gewordene Erhöhung Ihrer Auflage auf 35W) Exemplare («ine Verhältnismäßig sehr hohe Zahl) mltteilen konnte, spricht für sie. Sie dankt den Erfolg ihrer Verwurzelung im hebräischen Leben von dem aus sie ohne Scheu die weite Welt zu umfassen bestrebt ist. Die Lebendigkeit, Unverdrossenheit und Zukunftsfreudigkeit ihrer Mitarbeiter macht es, daß dem mikroskopisch kleinen, dafür aber realen Lebensboden, der ihre Grundlage bildet, eine im guten Sinn aktuelle Zeitschrift erwächst, interessiert und berufen ist, Brücken zwischen dem hebräischen Schriftsteller und seinem Leser zu schaffen, vielleicht sogar ihm neue zu werben. Unversehens wächst sich diese Wochenschrift zu dem Verständigungsorgan der an der hebräischen Produktion 'und Renaissance Beteiligten aus. Damit kann und soll natürlich nicht gesagt sein, daß jetzt schon alles erfüllt ist, was man billigerweise an eine solche Zeitschrift an Forderungen stellen kann. Aeußerlich, im Typographischen, und innerlich, in Haltung und inhaltlicher Ausgestaltung ist der Zustand des Experimentierens noch nicht überwunden. Das Experiment ist aber auch dort wo es Irrwege geht, interessant und lebendig, und daß überhaupt experimentiert, eine Anpassung an die Erfordernisse und Gegebenheiten ernsthaft gesucht wird, ist ein erfreuliches Zeichen und Gewähr für das Gelingen. Man kann nur wünschen, daß sich ״K t u - wim“ ihren Eroberungswillen weiter erhalten und daß ihm Erfolg beschieden bleibt. Hebräischen Lesern, die init der hebräischen Gegenwart Kontakt gewinnen oder behalten wollen, kann man nur empfehlen, Leser der ״Ktuwim“ zu werden. M.Spitzer, Jüdische Gelehrte in Frankreich In Riga ■weilte vor kurzem der Professor am Pariser Pasteur- Institut Dr. Schön. In einem Gespräch mit dein Ita-Vertretcr gab der Gast Aufschluß über die jüdischen Gelehrten in Frankreich, die, wie er sagte, im Vordergrund der französischen Gelehrsamkeit und Forschungsarbeit stehen. Sehr viele Professoren an der Sorbonne — namentlich an der philologischen Fakultät — sind Juden. Zu erwähnen sind Prof. Levi Brüll, einer der fesselndsten Philosophen unserer Zeit, der aus einer rabbinischen Familie stammt, aber ganz französisch assimiliert ist; der hervorragende Spinoza-Forscher Prof. Braunschweig und der weltberühmte Historiker Camille Bloch. Unter den Professoren der philologischen Fakultät nimmt der Professor für deutsche Literatur und Aesthetik Victor Basch einen hervorragenden Platz ein. Prof. Basch nimmt bftanntlidi starken Anteil am öffentlichen jüdischen Leben und ist Zionist. Sein Vater, ein aus Ungarn eingewanderter Jude, war 1848 wegen Teilnahme an der Revolution zum Tode verurteilt worden. An der naturwissenschaftlichen Fakultät nehmen die Juden Bruder Bloch und Prof. Abraham, an der medizinischen Fakultät Prof. Ferdinand Vidali, der als der beste Arzt in Frankreich gilt, einen hervorragenden Platz ein. Am College de France lehrt der jüdische Professor Hadamara, der autoritative französische Statistiker, ferner Prof. Meier aus dem Elsaß, einer der besten französischen Physiologen und Prof. L u r i e. Am Pasteur-Institut arbeiten Prof. Fernbach, Spezialist der Gärungschemie, und sein Bruder Fernbach, Spezialist für Tuberkulose-Forschung; ferner Prof. Besredka, dessen Vater in Odessa Melamed war. Aus Odessa stammt auch der berühmte Bakteriologe Dr. Weinberg. Zu erwähnen ist auch der bekannte Mediziner Prof. Wolminn, der aus Minsk stammt. Dies .nur eine kleine Auslese. Der KongreS von Innen Von Moses Waldmmn. Basel, 5. September 1927. Man mag ein alter blasierter KongrcRbesucher sein und es bereits als selbstverständlich finden, daß rechts und links von Einem Juden aus allen Enden der Welt einhergehen in selbstverständlicher, natürlicher Haltung, als ob es nicht anders sein könnte. Man mag der Rednertribüne, die im Kongreßsaale errichtet ist, kaum einen interessierten Blick schenken. Innerlich ist man doch auf ein Niveau gestellt, das dem alltäglich gewöhnliehen in der ständigen Umgebung jedes Einzelnen so unvergleichbar ist wie der Mont Blanc einem Hügel in der Nähe Berlins. Das Kongreßleben Ist auch ein Normalleben, jedoch unter veränderten Bedingungen. Daher kommt es, daß der Kongreß mit seinem Treiben und Weben so gar keine Beziehung zur Welt, in die wir hineingestellt sind, hat. Auf dem Kongresse gibt es Gegner — und auch Feindschaften. Es gibt Delegierte, die einander auf dem Kongresse ausweicheo, miteinander kein Wort wechseln. Die Tatsache, daß Jabotinsky Weizmann nach dessen Rede die Hand gereicht und ihn beglückwünscht hat, ist auf dem Kongreß eine Sensation, wo doch beide gegenüber der übrigen jüdischen und nichtjüdischen Umwelt samt ihren Anhängern in einer geschlossenen Phalanx stehen. * Ich gehöre zu den Wenigen, die sich den Holzkasten genau angesehen haben, der gegenwärtig die Rolle der Rednertribüne im Kongreßsaale spielt. Ein eigentümliches Möbelstück. Acußerlieh läßt es gar nicht erkennen, daß ihm Zauberkräfte innewohnen, und doch genügt es, auf dieser Rednertribüne zu stehen, um selbst leise gesprochenen Worten eine derartige Resonanz zu geben, daß sie in der ganzen Welt gehört werden. Diese Rednertribüne hat eine erzieherische Wirkung. Steht man auf ihr, so stellt sich das Bewußtsein der Verantwortung mahnend daneben und zwingt zur Ueberleguiig und zur Würde. Ich habe aus dem Munde der meisten Redner, die von der Tribüne herab zur Versammlung gesprochen haben, in den Couloirs Worte gehört, die witziger und treffender waren, als die, welche aus ihrem Munde von der Tribüne herab erschollen. Diese witzigeren und schärfer pointierten Bemerkungen hatten jedoch keine Emanationskraft. Sie drangen bloß in den Umkreis von wenigen Zentimetern. Worte jedoch, die von der Tribüne des Kongresses gesprochen werden, vermengen sich mit den geheimen Mächten der Tribüne und gleichen dann dem elektrischen Strom, der mühelos in Sekundendauer den Erdkreis durchläuft. # Es ist kein Zweifel: Vergleicht man den gegenwärtigen Kongreß mit dem vorangegangenen, so sind verschiedentliche Fortschritte festzustellen. Man kann ohne Uebertreibung sagen, daß 99 «0 der Delegierten genau wissen, um was es sich handelt. Es gibt kaum noch Zufallsdeiegierte. Die innere Disziplin ist gewachsen. Die sonst so beliebten Geschäftsordnungsdebatten gedeihen nicht mehr auf dem Boden des Kongresses. Die meisten Redner fassen sich kurz und reden zur Sache. Nur wenige Exoten sprechen für ihre heimatlichen Zeitungen. Die anderen aber sind eingefügt in den Kongreßorganismus, welcher bestimmte Aufgaben sieht und ihnen gerecht werden will. Die Oeffcntlichkeit, die jüdische und nichtjüdische, bekommt nur das vorgesetzt, was in der Schaustellung der Plenarverhandlungen vorgebracht wurde. Der wirkliche Inhalt des Kongresses wird nicht in den großen Kongreßsaal getragen, Feirt verteilt befindet er sich in den Kommissionszimmern. Port versucht jeder Ausschuß die Speise zu bereiten, die einen Bestandteil des ganzen Kongreßmahles bilden soll. Manche Speise gerät, manche ist versalzen und manche ist schal. Je nach der Geschicklichkeit der Köche und entsprechend den zur Verfügung gestellten 111gredienzien. * Um den und neben dem Kongreß laufen verschiedentliche größere und kleinlichere Interessen. Da sieht man Menschen mit beschäftigter Miene einherlaufen. Da packt einen an allen Ecken und Enden ein neuer Retter und Projektenmacher am Rockzipfel und will unbedingt sein Allheilmittel an den Mann bringen. Da lauert ein anderer, der irgendeine Angelegenheit zu erledigen hat, dort steht ein Vertreter einer Gruppe von Intercssenten, die sich und ihre Sache als den Mittelpunkt der Welt betrachten, und fordert Abhilfe und das, was er Gerechtigkeit nennt. Mancher ist da, der sich seine Sache ״richten“ will. Er ist erstaunt und empört, daß die anderen achtlos an ihm vorübergehen. Natürlich gibt es genug des Lächerlichen und Kleinlichen. Der Kern jedoch ist von diesen Schlacken miberührt. Man kann immer wieder die Beobachtung machen, daß sich um diesen Kern, der aus Menschen besteht, deren Haupteigenschaft Charakter und nicht Intelligenz ist, alle anderen gruppieren. Es ist eben so: Nicht die Witzigsten und Geistreichsten haben das Zeug zum Führer in sich, sondern die Besten und Gläubigsten. * Es ist erstaunlich, daß diejenigen Institutionen und Tat- Sachen, die wirklich erfreulich sind, kaum erwähnt werden. Man betrachtet es als selbstverständlich, daß das Kongreßgericht seine Aufgabe so mustergültig erfüllt, daß es eine von allen anerkannte Autorität erlangt hat. Man betrachtet es als selbstverständlich, daß schon heute das Hebräische bei einer unverhältnismäßig großen Zahl von Kongreßteilnehmern natürliehe Umgangssprache ist. Von all dem wird nicht gesprochen. Das erinnert an einen, der einen wehen Finger hat und den ganzen Tag alten Leuten vorjammert, was für Schmerzen er aussteht. Daß er ein gesundes Herz, einen gesunden Magen und gesunde Füße hat, davon zu erzählen, findet er nicht für notwendig, ja sogar für überflüssig. In einer ähnlichen Situation befindet sich der Kongreß. Ueber den erkrankten oder wunden Teil des neugeschaffenen Gemeinschaftsorganismus vergißt er, der gesunden und lebensverbürgenden Organe dieses neuen Körpers zu gedenken. * Unverkennbar lastet über denjenigen im Kongreß, die durch Stimmenabgabe zu ent*eheiden, oder als langjährige Mitarbeiter unserer Institutionen und unseres Werkes zu berichten haben, ein Gefühl der Besorgnis und der Verantwortlichkeit sowie das Bewußtsein, daß wir in einer außerordentlichen Zeit des Zionisinus leben, die ein außerordentliches Verhalten gebietet. Darum traten auch die weltanschaulichen und sonstigen Gegen- Sätze zwischen den einzelnen Gruppen nicht so schroff in Erscheinung, wie z. B. auf dem Wiener Kongreß, als man glaubte, in einer Zeit gesicherter zionistischer Hochkonjunktur zu leben. Wohl gab cs und gibt es auf dem jetzigen Kongreß Angriff und Riposten, Zusammenstöße und erregte Zwischenrufe, aber alles ist sordiniert durch den Ernst der Stunde. Man konnte sich darum des Gefühles nicht erwehren, daß selbst die schärfsten Oppositionellen sich eine bei ihnen ungewohnte Mäßigung auferlegt haben und daß die Regierenden in der Abwlhr der Opposition ungewöhnlich milde gewesen sind. Es ist klar: Aul einer Hochzeit gibt es Unstimmigkeiten bei den Eingeladenen. weil sie sich nicht genug geehrt fühlen. Am Bette eines Kranken verschwinden die persönlichen Eitelkeiten und Eifersüchteleien ■ ■ ■ 4 Nimmt man alles in allem, so ist man sich auf der Rechten und auf der Linken und erst recht in der Mitte bewußt, daß man dazu berufen ist, Krankheiten zu heilen. * Sonst gemahnt der Kongreß an einen großen Fabrik!- betrieb. Aber nicht an einen geordneten. Im Kriege konnte man cs sehen, wie man unter Aufwendung von Höchstkosten bei kriegswirtschaftlichen Unternehmungen ein Mindestmaß von Effekt erzielt hat. Das lag daran, weil in außerordentlichen Zeiten nicht lange danach gefragt wird, wie alles am besten zu geschehen hat. Man handelt sclilankwegs, es ist eine außerordentliche Zeit. Auch der Kongreßbetrieb ist etwas Außerordentliches. Ein fahrendes Parlament. An jedem Kongreßort neue Bedingungen, denen oft das alte Schema nicht anzupassen ist. — Es handelt sich um den Zweck, und da kann man nicht lange überlegen, wie die Sache organisiert werden soll, bezichungswcisc man kann nicht das lange vorher Organisierte und Ucberlegte restlos zur Anwendung bringen. Der Kongreßbetrieb soll Wirtschaft und nicht Wirtschaftlichkeit haben. Das vorausgeschickt, funktioniert unser fahrendes Parlament im all* gemeinen zufriedenstellend. Wären wir ein Wanderzirkus und würden wir uns darauf einrichten, in aller Ewigkeit fahrend 711 bleiben, dann müßte natürlich außer Wirtschaft auch Wirt- Schädlichkeit Leitmotiv des Kongreßbetriebes sein. Wir hoffen aber, in absehbarer Zeit unsere Kongresse in Jerusalem abzuhalten. Im Hinblick auf jene, hoffentlich bald kommende Zeit müssen wir die Kongresse so nehmen, wie sie fallen. * Man beklagt sich oft in zionistischen Kreisen, daß es uns an Jugend fehlt. Diesen Klageweibern und Skeptikern rate ich, einen Kongreß zu besuchen. Dort werden sic junge Menschen schert, die wochenlange Fußreisen hinter sich haben und dann Tag und Nacht Arbeiten ausführen, die man sonst nur ״dienstbaren Geistern“ überläßt. Und alles mit rührendem Eifer und mit einer Einfühlungsfähigkeit in die vielfachen technischen Einzelheiten, wie man sie wohl kaum bei Jungens und Mädeln anderer Völker finden wird. Unsere junge Generation ist hellhörig und scharfsichtig, sie ist auch gesünder, als die alte, vielleicht weniger romantisch, dafür tatkräftiger. Möglich, daß dieses Urteil voreingenommen ist. Aber meine Voreingenommenheit ist erklärlich. Wenn man diese entzückenden, braungebrannten, prachtvollen Kinder Aug in Aug gesehen hat, dann kann man nicht anders als voreingenommen sein. # Soll ich noch von den Leuten erzählen, die zu uns gehören und nicht zu uns gehören: Von den Unentschlossenen, die es imiier wieder zu den Zionistenkongressen zieht, die gleichsam Schatten des Zionistenkongresses sind, aber noch keine Zionisten werden wollen? Und von den Zweiflern und Skeptikern, die sich nicht zu einer Entscheidung durchringen konnten und im Unbewußtsein ahnen, daß es im Zionismus etwas Positives, gibt, Lichtvolles, von dem sie angezogen werden, dem sie sich jedoch nicht hingeben wollen? Sol! ich von den bekannten Köpfen erzählen, die seit 30 Jahren zu sehen sind, und soll ich berichten, ob und wie sie sich verändert haben?.... Vielleicht werde ich das ein anderes Mal tun. Heute und gestern tagten die Kommissionen. In ihnen lebte der Kongreß sein eigentliches Leben. Wem Zionismus Schicksal ist, der fiebert mit diesem innersten Kongrcßleben mit und findet kaum Stimmung und Mußq, um all das zu sagen, was ihm die Fülle des flutenden Kongreßgeschehens in Aug und Ohr gießt. Eia Briefwechsel Die J. T. A. veröffentlichte am 20. September nachstehende Mitteilung■ Herr Rabbiner Dr. Baeck hat — wie uns mitgeteilt wird — die folgende Zuschrift an die ״C.-V.-Zeitung“ gerichtet: ״Berlin, den 18. September 1927. An die Schriftleitung der,C.-V.- Zeitung'. Ich erlaube mir, Ihnen mitzuteilen, daß unter einen kürzlich verbreiteten Aufruf für den Keren Kajemeth meine Unterschrift ohne meine Erlaubnis gesetzt ist. Mit vorzüglicher Hochachtung Baeck.“ Zu dieser Notiz der J. T. A. ersucht uns das N.-F.-Büro um Veröffentlichung nachstehenden Briefwechsels: Herrn Rabbiner Dr. Baeck, Berlin W62, Burggrafenstr. 19. Hochverehrter Herr Dr. Baeck! Zu unserem aufrichtigen Bedauern haben wir erfahren, daß die Veröffentlichung Ihres Namens unter dem Aufruf des Keren Kajemeth Ihren Wünschen nicht entspricht. Der Gedanke, daß unsererseits etwas geschehen konnte was Sie mißbilligen, ist uns außerordentlich unangenehm. Es liegt uns natürlich sehr viel daran, Sie zu überzeugen, daß cs sich lediglich um ein Miß- Verständnis gehandelt hat und daß wir im guten Glauben gehandelt haben. Wir bitten Sie. selbst zu urteilen und gestatten uns daher. Ihnen den fraglichen Briefwechsel in der Anlage ganz ergebenst zu überreichen. Mit vorzüglicher Hochachtung Keren Kajemeth Lejisrael. Glaser. An den Keren Kajemeth Lejisrael Berlin W 15 Meinekestr. 10. Sehr geehrte Herren! Nach Durchsicht der mir freundlichst übersandten Korre* spondenz darf ich erklären, daß die irrtümliche Veröffentlichung meines Namens unter dem Aufiuf des Keren Kajemeth durch ein Mißverständnis eines Schreibens verursacht worden ist. Ein Verschulden in dieser Angelegenheit liegt auf keiner Seite vor. Daß ich meine warme Sympathie dem Palästina-Aufbau zuwende, brauche ich nicht besonders zu betdnen. Mit vorzüglicher Hochachtung Baeck.

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