Mannheim
Compact Memory

Jüdische Rundschau · 1927-09-23 · Heft 76-77 (23.9.1927) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 76-77 (23.9.1927)
Date
1927-09-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2651273-2652877-2652948--19418-2677292
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Seite 548 JUE1SJ5CHE RUNDSCHAU Nr. 70/77, 23. IX. 1927 daß diese Front gegeben ist, trotz ideologischer Verschiedenheit, trotzdem cfie einzelnen Wortführer aufs verschiedenste argumentieren. Der Rohstoff ist undifferenziert. Das System unserer Ideologie ist nicht nur ein dialektisches; denn eine Bewegung von Menschen ist unbeweisbar. Es gibt keine Möglichkeit, im Reiche der Dialektik etwas zwingend zu beweisen. Alle unsere rationalen Versuche sind nötig und wichtig, um diejenigen zu uns zu führen, in denen das gleiche irrationale Leben liegt wie in uns. Und nur die können das tun, in denen wirklich diese irrationalen Kräfte liegen. Der Zionismus war immer eine verkappte Religion, eine von Gläubigkeit getragene Bewegung. Und er kann auch heute seinen Weg nur gehen, wenn er sieh nicht in Beweisen erschöpft. Weder politische noch wirtschaftliche Argumente reichen dazu aus. Wir müssen uns die wahre geistige Rüstung anlegen, getragen von Menschen, in welchen nicht die vorletzten, sondern die letzten Ziele des Zionismus liegen. Die Forderung, die wir heute erheben, ist, daß an Stelle der Formel Darlegung und Analyse trete, eine rationale Methode, das Wissen darum, daß das Irrationale und Unbeweisbare die stärkste Kraft des Zionismus ist. Notwendig ist der Glaube an die letzten Dinge, die hinter der Verwirklichung des Zionismus stehen. Das bedeutet neue geistige Arbeit der zionistischen Welt und schärfsten Kampf gegen alle die, die nur an Wiederholung glauben, die anfangen mit ״zurück zu dem oder jenem!“, wir brauchen Menschen, die die Wahrheit von morgen haben, die gerade in der gegenwärtigen Zeit fühlen, daß sie den Sieg in der jüdischen Welt erringen, daß der Zionismus trotz der palästinensischen Krisis die stärkste, ja die einzige Macht im jüdischen Leben ist. Ich konnte nur einige Andeutungen aus einem großen Zusammenhange geben, zur Einleitung einer Aussprache. Es muß in der zionistischem Welt heute Menschen geben, die aus tiefer Erkenntnis der jüdischen Gegenwart heraus fähig sind, den geistigen Angriff auf den Rohstoff des Judentums durchzuführen, Menschen, die an ein positives Ergebnis dieser Arbeit zu glauben vermögen. < Zweite Welfkonterenz des ״Haschomer Hazair“ Am 15. September fand in Danzig die feierliche Er- Öffnung der II. Weltkonferenz des Jiwischen Pfadfinderbundes ״Haschomer Hazair“, der über 35 000 Mitglieder in 18, Staaten zählt, statt. Es erschienen 30 Delegierte aus 10 Ländern Europas, sowie über 100 Gäste. Die feierliehen Eröffnungsreden wurden von Jehuda Gothel f und Meir J a a r i (Palästina) gehalten. J. Oothelf betonte in seiner Ansprache den Unterschied in der äußeren wie auch inneren Arbeit der Organisation in der Zelt zwischen der 1. und 2. Weltkonferenz. Der ״Haschomer“ gewinnt eine immer festere Stellung in der zionistischen Bewegung als die einzige Organisation, die imstande ist, die jüdische Jugend vor den zwei Gefahren der Assimilation und des Kosmopolitismus zu bewahren. Der Redner schloß mit der Aufforderung an alle Versammeiten, trotz der großen Unterschiede doch möglichst einen gemeinsamen Arbeitsweg für die Weltorganisation zu finden. M. J a a r i macht darauf aufmerksam, daß die Konferenz des .,Haschomer" in die Zeit nach der Arbeiterkonferenz in Palästina, sowie nach dem zionistischen Kongreß fällt. Dies wird einen großen Einfluß auf den Verlauf der Beziehungen haben. Drei grundsätzliche Momente kann man im Leben des Schomers unterscheiden: Die Periode der Erziehung, das Leben der Aelleren und schließlich, was das wichtigste ist, der Eintritt in den Histadruth Haowdim in Erez-lsrael. Im Namen des Z.-K. ,des Histadruth begrüßte die Konferenz Berl Kazitelson. Im Namen des Jugendbundes ״Kadifhah“: L. G o 1 <f h a b e r; im ”•'Aufträge der Organisation Tarbuth: Dr. Heindorf, und zuletzt als Vertreter des ״Haschomer Hazair" in Danzig: R. Löwen herz. Zahlreiche Begrüßungstelegramme wurden verlesen, u. a. vom K.K.L. in Polen, vom Abgeordneten I. Grünbaum, vom Z.-K. des Tarbuth in Polen usw. Die Eröffnungssitzung fand ihren Abschluß mit einer Anspräche des hebräischen Schriftstellers Nathan Bystricki über die Aufgaben der Schomerbewegung. Am 2. Konferenztage verlas M. Schenhabi, Mitglied der Weltbundesleitung, den Bericht über die Arbeit der Leitung des Weltbundes. Im Zeitraum nach der 1. Konferenz, die im Jahre 1924 in Danzig stattfand, hat sich die Organisation stark entwickelt. Die Mitgliederzahl stieg von 22000 auf 35 000. Eine Reihe neuer Organisationen entstand in den verschiedensten Staaten Europas, Amerikas und Südafrikas, außerdem schlossen sich viele bereits bestehende Bünde wie T rumpe 1 d or in Polen, Bar Kochba in Lettlandu.a. m. dem Weltverband des Haschomer an. Im Laufe dieser drei Jahre haben sich die Bande unter den einzelnen Ländern gefestigt, hat sich ebenso die innere Zusammengehörigkeit des Weltbundes verstärkt. Trotz größter Finanzschwicrigketten (völliger Mangel irgendeiner Hilfe von außen) unterhielt die Weltbundesleitung innigen Kontakt mit den einzelnen Ländern und versorgte die Arbeit der Organisation im Galuth mit einer Reihe von Führern aus Erez-lsrael. In den schwierigsten Verhältnissen, da sie nicht legal ist, befindet sich die Organisation in Rußland; ständige Verfolgungen der G. P. M., Arretierungen von Führern und Verschickung nach Sibirien stören die normale Entwicklung der Organisation in höchstem Maße. Ueber 300 Mitglieder der Organisation, Jungen wie Mädchen, befinden sich im Gefängnis oder in der Verbannung. Aber trotz dieser Hindernisse fuhrt die Orgatiisation doch eine äußerst intensive Arbeit und ist die einzige aktive zionistische Organisation in Rußland. Die Weltbundesleitung gibt eine ganze Reihe Zeitschriften für die einzelnen Altersschichten der Schomerbewegung heraus: Eine Wochenschrift ״Haschomer Hazair“ für die älteren Schomrim, ״Hamizpeh“, eine Zeitschrift für Jüngere, und ״Hamadrich“ für die Führer. Die Auflage der Zeitschriften beträgt ca. 7000 Exemplare, alle in hebräischer Sprache. Man muß bei dieser Gelegenheit unterstreichen, daß die Hebraisierung der Organisation große Fortschritte gemacht hat; die älteren Bünde, wie Polen, Galizien, Rumänien und Litauen, sind völlig hehraisiert. In Palästina wurde eine Unterabteilung der Wcltbundesleitung geschaffen, die im Laufe der ganzen Zeit einen Kampf um die Zertifikate für tausende organisierter Schomrim führte. Es folgten darauf die Berichte der Vertreter der einzelnen Länder. 111 allen Ländern sind die Arbeitsbedingungen aus den verschiedensten Gründen äußerst schwer, ln den Staaten West- und Mitteleuropas muß der Haschomer gegen die eingewurzelte Assimilation der Juden hart ankämpfen, wie z. B. in Belgien, oder gegen die ״rote Assimilation" der Sozialdemokratie in Wien. Die zionistischen Organisationen und Parteien verhalten sich nicht überall verständnisvoll gegenüber dem Haschomer, und sehr oft stören sie in manchen Ländern sogar die Arbeit des Bundes. Aber trotz all dieser häufig recht beträchtlichen Gefahren und Schwierigkeiten, entwickeln sich die einzelnen Bünde recht günstig, die Mitgliederzahl steigt stetig, und der Einfluß des Schomergedankens verbreitet sich immer mehr. Die größte Organisation ist die in Polen und Galizien, die zusammen zirka 16 000 Mitglieder :'rillt (in 250 Städten) Und die in Rußland mit zirka 6000 Mit't ledern. Der ftfisraebl uni die Wahlen zur Exekutive auf dem XV. Kongreß Infolge technischer Schwierigkeiten konnte bisher noch keine umfassende Darstellung der Haltung des Misrachi zur Exekutivbildung auf dem Baseler Kongreß erfolgen. Deshalb soll heute, nachdem vergangene Woche Lazarus Barth in' knappen Worten sich dazu geäußert hat, vor der endgültigen Stellungnahme in einer der nächsten Nummern, heute, ebenfalls in Kürze, ohne Anspruch auf Vollständigkeit, Endgültigkeit und die Herstellung der Zusammenhänge, folgendes betont werden: 1. Wir führen Klage über die Berichterstattung der zionistisehen Presse, die wohl durchweg gar keinen Versuch gemacht hat, der misrachistischen Haltung gerecht zu werden. 2, Der Misrachi weist darauf hin, daß das Zentrum, das in den entscheidenden zionistischen Ländern, bei den Wahlen zum Kongreß fast überall Niederlagen erlitten hat, dennoch bei der Exekutivbildung, in völliger Mißachtung der Situation, rücksichtslos seine Absicht durchgesetzt hat. Niemals hat diese Gruppe, insbesondere der Teil, der bisher wirtschaftsnolitisch links orientiert war, so sehr alle parlamentarischen Rücksichten und demokratischen Grundsätze über den Haufen geworfen wie diesmal. 3 Der Misrachi hatte von vornherein schwerste zionis t i s c h e Bedenken gegen eine angelsächsische Palästinaexekutive, der in jedem Fall die Seele des Volkes und seine kulturellen Bedürfnisse (dies nicht nur von uns aus gesehen) fremd sein muß. 4. Diese Bedenken erhöhen sich angesichts der personellen Zusammensetzung, die insbesondere in der führenden Figur keine Gewähr für die weltanschaulichen Forderungen und damit für die Bedürfnisse des Misrachi und der Arbeiterschaft bietet. Das Diktatorische des neuen Direktoriums, die Art seines Zustandekommens, die automatische Haltung Sachers, die bereif* vor der Bildung der Exekutive sich bemerkbar machte, widerstreben uns durchaus. 5. Zu den zionistischen Bedenken gehört auch unsere Einstellung zu dem deklarierten Kontrollansprach der Exekutive über die Fonds, insbesondere den Keren Kajemeth. 6. Daß angesichts dieser Sachlage wir für eine Exekutive, in der wir nicht vertreten sind».die waler personell noch programmatiseh bei uns Vertrauen erweckt, nur hätten votieren können, wenn unsere prinzipiellen Forderungen betreffend Sicherung des öffentlichen-religiösen Lebens in den Keren Kajem e t h - Siedlungen in der gestellten Form angenommen worden wären, verstehen sowohl parlamentarisch geschulte als auch von der Bedeutung der Sache selbst und von den Verpflichtungen, die uns obliegen, überzeugte Menschen ohne weiteres. Dies zur vorläufigen Orientierung. Alles Genauere soll folgen. Das Zentralbüro des Deutschen Misrachi. Wolfsberg. * Das Zentralbüro des Deutschen Misrachi hat in seiner letzten Sitzung folgende Resolution gefaßt: Das Zentralbüro des Deutschen Misrachi nimmt mit großem Bedauern Kenntnis von dem Ausscheiden Professor Picirs aus der Zionistischen Exekutive, das erfolgte, weil mit Rücksicht auf die wirtschaftliche Lage Palästinas die Mitte ein Direktorium in Erez-lsrael ohne Beteiligung der Flügel durchsetzen zu sollen glaubte. Das Zentralbüro dankt Professor Pick für seine vieljährige hingebungsvolle Arbeit im Interesse des gesamten Zionismus und des Misrachi, besonders in Erez-IsraeJ, und stellt die Arbeit Professor Picks allen Misrachisten als Beispiel treuer Pflichterfüllung und Hingabe an unsere Bewegung zur Nacheiferung vor Augen. Der deutsche Misrachi erwartet, daß in naher Zukunft die Situation den Wiedereintritt der Fraktionen In die Exekutive ermöglicht und daß Professor Pick bereit’ sefn wird, erneut des Repräsentant des Misrachi in ihr zu sein. Bis dahin hofft das Zentralbüro, daß Professor Pick seine Dienste dem Misrachi weiterhin zur Verfügung stellt. Die Konferenz des Weltheehalaz ln Danzig Danzig, 20. September. (J.T.A.) Im Namen der Weltzentrale referierte Dobkin über die jetzige Lage der Hechaluz- Bewegung und stellte einen fühlbaren Rückgang■ in den Chaluz- Organisationen fest, der auf die schwere Lage in Palästina und das Ruhen der Alijah zurückzuführen ist. Auch steht die Zentral- Organisation in einer schweren finanziellen Krise. Die Zionistisehe Weltorganisation unterstützt die Chaluzbewegung nur wenig, 75 «% des Budgets der Organisation werden aus nichtzionistischen Quellen wie Joint, Emigdirekt, Ort, jüdische Gemeinden, Bnei Brith usw. gedeckt. Der Referent befürwortete eine Vereinigung aller nationalen jüdischen Jugendorganisationen wie ״Haschomer Haza'i", ״Brith Hanoar", ״Haschomer Kadimah“, ״Tcheieth Lawan“, ,Jungjüdischer Wanderbund“ u. a. m. damit der jüdischen Arbeiterschaft Palästinas eine starke Reserve in den Qaluth-Ländern geschaffen werde. Die Organisation des Welt-Hechaluz, berichtete Dobkin weiter, zählt 18 530 Mitglieder, van denen 4140 in 103 Hachscharah-Grtipnen tätig sind. Der Welt-Hechaluz verfügt über 19 eigene und 16 städtische Anstalten. Ferner haben außerhalb dieser 3500 Mitglieder ihre Vorbereifungszeit (Hachscharah) absolviert. Alle diese warfen auf die erste Möglichkeit, nach Palästina zu reisen. In den Jahren 1919/1926 arbeiteten in Palästina 9500 frühere Mitglieder des Hechaluz. Minkowski berichtete über Polen. Die Mitgliederzahl des polnischen Hechaluz ist von 9000 auf 4000 gesunken, dagegen ist das Menschenmaterial ein besseres geworden. 3000 Jugendlich sind außerdem im Chaluz Zair organisiert. Vom Preußischen Landesverband Am 8. d. M. fand unter dem Vorsitz von Bruno Galewski eine Sitzung der Subventionskommission des Preußischen Landesverbandes jüdischer Gemeinden statt. Es wurde beschlossen, die Inspektion des Religionsunterrichts in den vom Landesverband subventionierten Gemeinden mit größter Sorgfalt weiter auszuüben, cla der Landesverband für die ordnungsgemäße Verwendung der Beihilfe seinen Mitgliedsgemeinden und der Regierung gegenüber verantwortlich ist. Ueber die Staatsbeihilfen, deren Bewilligung Dr. Freund bei der Preußischen Staatsregierung durchgesetzt hat, erstattete Dr. Freund selbst ausführlichen Bericht. Er gab davon Kenntnis, daß die Auszahlung der vom Preußischen Landtag bewilligten Beihilfen trotz größter Bemühungen noch nicht zu erreichen gewesen sei. Ueber ihre Verwendung soll die Subventionskommission aut dem Laufenden gehalten werden. In diesem Zusammenhang wurde der Appell der Vertreter der Lehrerschaft an den Preußischen Landesverband jüdischer Gemeinden um sofortige Auszahlung einer größeren Beihilfe an die Lehrer besprochen. Voraussetzung für diese Eingabe der Lehrerschaft war ablr, wie das mitanwesende Mitglied der Kommission, Mittelschullehrer Stern, bestätigte, die Annahme, daß die Ausschüttung der bewilligten Staatsbeihilfen seitens des Finanzministeriums schon erfolgt sei. Nach obiger Fest- Stellung von Dr. Freund wird allgemein anerkannt, daß ein Verschulden der Subventionskommission nicht vorliege. Es wurde beschlossen festzustellen, in welchen Gemeinden nicht seminaristisch vorgebildete Lehrer tätig sind und auf dem Wege einer Inspektion Erhebungen mit Bezug darauf anzustellen; schon heute soll der betreffenden Gemeinde mitgeteilt werden, daß Ihnen keine Schwierigkeiten gemacht werden, daß aber in Zukunft bestimmte Grundsätze zu befolgen sind, auf die die Mitgliedsgemeinden bei neuen Anstellungen Rücksicht nehmen müssen. Ueber etwa 40 Gesuche wurden Entscheidungen gefällt. U. a. wurden 14 leistungsschwache Gemeinden, die ihre Synagogen, Friedhöfe, Mikwaus usw. in Ordnung bringen wollen, mit Zuschüssen bedacht. Dem Gesamtarchiv der Deutschen Juden in Berlin wird der Restbetrag der ihm bereits bewilligten namhaften Unterstützung ausbezahlt werden, jedoch soll ein Mitglied des Rates in aie Verwaltung des Archivs delegiert werden. * Am 18. September trat der Ständige Ausschuß des Preuß. Landesverbandes jüdischer Gemeinden zu einer Beratung zusammen. Es lag eine Reihe von Anträgen zu dem Reichs- Schulgesetzentwurf vor, die erledigt wurden. Es wurde sodann die Frage der Schaffung einer jüdischen pädagogischen Akademie erörtert, sowie das Problem der Lehrerausbildung überhaupt. Auf der Tagesordnung standen ferner die Regelung der Lehrer und Kultusbeamtengehäiter und Fragen über den Stand der Reichsorganisation der deutschen Juden. Außerdem wurde nach einem eingehenden Bericht von Dr. Freund über die bisherigen Arbeiten des Rates seit der Tagung der Landesver- Sammlung eine Reihe von schwebenden Fragen erörtert. Hervorgehoben sei u. a. eine Aussprache über ein in Preußen in Aussicht stehendes Schulpflichtgesetz. Zu diesem Schulpflichtesetz, hat die Fraktion der Jüdischen Volkspartei en Antrag gestellt, es möge bei der bevorstehenden gesetzliehen Regelung dafür Sorge getragen werden, daß der S c h u 1 - zwang auch auf jüdische Ausländerkinder seine An- Wendung finde. Weiter hat die Jüdische Volkspartei die Frage der Errichtung der Bezirksrabbinate angeschnitten. Seitens der liberalen Fraktion ist die interessante Frage zur Entscheidung gestellt worden, ob der Landesverband nicht in der Frage der Abfindung der Standesherren für Judenschutzabgaben, deren parlamentarische Behandlung bevorsteht, Stellung nehmen soll; ferner die Frage, in welcher Weise der Rat dem Beschluß des vorletzten Verbandstages zur Einbürgerungsfrage Folge gegeben hat. Von den Mitgliedern des Rates waren anwesend: Der Vorsitzende, Kammergerichtsrat Wolf f, die stellvertretenden Vorsitzenden Rechtsanwalt Dr. Klee und Dr. G a 1 e w s k i, außerdem Herr Dr. Freund und Prof. Türk. Die Redner der einzelnen Fraktionen, die die Wünsche des Ständigen Aus- Schusses und die Anträge vertraten, waren für die liberale Fraktion Rechtsanwalt Dr. Breslauer, für die Fraktion der üdischen Volkspartei Dr. Sandler, für die konservative raktion Rechtsanwalt Horowitz. Von poale-zionistischer Seite wurde durch Herrn Alfred Berger ganz besonders auf die Schwierigkeit der sozialen jüdischen Organisationen hingewiesen, die selbstverständlich am Sabbat ihre Büros geschlossen halten, durch die bestehende Gesetzgebung aber gezwungen sind, auch am Sonntag völlig geschlossen zu halten, so daß durch zwei Tage vollkommenen Stillstandes die gesamte soziale Arbeit gefährdet wird. Er bat dringend um Abhilfe. Der Sitzung lag ein schriftlicher Bericht über die Tätigkeit der Subventionskommission aus der Zeit vom 1. Oktober 1926 bis 15. September 1927 vor, sowie, ein Bericht über die ins Leben gerufene Schichterschule. Die Volksschule ln Prenfien nnd die Juden Die bevorstehenden ^Beratungen des Refehrates und des Reichstage• über den Reichsschulgesetzentwuri dürften den vor kurzem Testgestellten vorläufigen Ergebnissen der preußischen Schulerhebung vom 25. November 1926 besondere Beachtung sichern. Wie der ״Amtliche Preußische Pressedienst" der ,Statistischen Korrespondenz" entnimmt, ist seit der vorletzten Erhebung im Jahre 1921 die Zahl der Schüler der öffentlichen Volksschulen in Preußen erheblich zurückgegangen, nämlich von 5 461 594 auf 4136665 oder um 24,26 °/0. Die Abnahme hängt mit dem Geburtenausfall während des Krieges zusammen. Von größerem Interesse für die Oeffentlichkeit ist die Gliederung nach der Konfession. Die Zahl der evangelischen Schüler ist relativ um eine Kleinigkeit mehr zurückgegangen als die der katholischen (um 25,06 «/o bei den Evangelischen, um 24,36 9/0 bei den Katholischen). Verhältnismäßig viel geringer war der Rückgang bei den Juden, nämlich nur um 5,96 %. Zugenommen haben die Schüler, die weder einer Rcligionsnoch Weltanschauungsgemeinschaft angehören (von 41 732 auf 50885 oder um 21,9 °/oh Noch stärker war die Zunahme bei den Angehörigen von Religions- und Weltanschauungsgemeinschäften, die weder zu den Christen, noch zu den Juden gehören (dazu gehören auch Freireligiöse und Monisten). Diese Zahlen haben sich mehr als versiebenfacht. Bemerkenswert ist, daß die außerhalb jeder Gemeinschaft stehenden Kinder an Zahl zurückgegangen sind und nur im Rheinland sich fast verdoppelt haben. Die Kinder, die freireligiösen Gemeinschaften angehören, weisen in Sachsen, Berlin, Niederschlesien, Westfalen, Hannover und der Rheinprovinz eine besonders starke Vermehrung auf. Vergleicht man die konfessionelle Gliederung der Schulen mit der konfessionellen Gliederung der Schüler, so zeigt sich gegenüber 1921, daß die Zahl der evangelischen Schulen von 23 159 auf 22 854 oder um 1,32 0׳,״ zurückgegangen, dagegen die Zahl der katholischen Schulen von 8638 aut 8721 oder um 0,96 °/0 gestiegen ist. Sehr stark ist der Rückgang der jüdischen Schulen (93 gegen 153 oder 39,22 ״/o weniger). Auch die paritätischen Schulen weisen eine Abnahme von 1331 aut 1238 oder um 7 °/0 auf. Die Schulen ohne Religionsunterrieht (Sammelschulen) sind in diesen Zahlen nicht enthalten. Solche Sammelschulen existierten am Zahltage 171 mit 11&1 Lehrpersonen und 49 970 Schülern. Die Zahl der planmäßigen Schulstellen ist bei den evangelischen Schulen um 8;08 ״/o gcsunken, bei den katholischen um 5,33 0/0, bei den jüdischen um um 33,83 0/0, bei den paritätischen um 4,1 ״/o. Was die Konfession ',der Lehrer angeht, so ist die Zahl der evangelischen Lehrer um 7,99, die der katholischen um 5,11, die der jüdischen um 29,41 «/o zurückgegangen, dagegen haben die Lehrer, die freireligiösen Gemeinschaften oder keiner Religions- oder Weltanschauungsgemeinschaft angehören, von 153 auf 338 oder um 120,9 0/0 zugenommen. Aus der Gesamtübersicht ergibt sich, daß sich die Versorgung der Schüler mit Schulen und Lehrkräften der eigenen Konfession bei den Katholiken am günstigsten, bei den Juden am ungünstigsten entwickelt hat. Jerusalem, 18. September. (J.T. A.) In der arabischen Zeitung ״Fplestin“ fordert ein arabischer Arbeiter die arabische Arbeiterschaft des Landes auf, aus den ״zionisti. sehen“ und ״kommunistischen“ Arbeitervereinen auszutreten und eine eigene arabische nationale Arbeiterpartei zu gründen, ln den erwähnten Vereinen, heißt es in dem Artikel, wird nur gegen die Regierung für die Erhöhung der Löhne der jüdischen Arbeiter gekämpft.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.