Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 76-77 (23.9.1927)
- Date
- 1927-09-23
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 540 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70/77, 23. IX. 1927 Deutsche Delegation und Linkes Zentrum auf dem Kongreß Von Dr. M o r i t z B i I e s k i. Die Delegierten der ״deutschen Landsmannschaft" konnten, als sie zum Kongreß gingen, kaum erwarten, daß sie eine bemerkenswerte oder einflußreiche Stellung einnehmen würden. Wir kamen mit einem schlechten Wahlergebnis und mit Anschauungen, die weit entfernt von der Möglichkeit eines praktischen Erfolges schienen. Das wurde uns von unseren Gegnern immer wieder eifrig versichert, es wurde aber auch in unseren eigenen Reihen schwer genug empfunden. Der Kongreß bot lins nach weit verbreiteter Meinung kaum mehr als die Möglichkeit eines platonischen Bekenntnisses zu dem, was wir fiir richtig hielten. Wir dürfen heute konstatieren, daß diese trübe Prognose nicht eingetroffen ist. Wir waren gewiß nicht anspruchsvoll, aber wir waren, trotz aller schlechten Aussichten, auch nicht mutlos. Vielleicht gab uns das Bewußtsein von der unbedingten Notwendigkeit des von uns für richtig gehaltenen Weges die Klarheit und Festigkeit, die zu nicht unbedeutenden Erfolgen in unserem Sinne geführt hat. Denn ohne Unbescheidenheit und ohne Zufriedenheit — kein interner Erfolg einer einzelnen zionistischen Gruppe kann auch nur einen Augenblick die ungeheuren Schwierigkeiten der allgemeinen zionistisehen Situation vergessen und eine Spur von Selbstzufriedenheit aufkommen lassen — kann gesagt werden, daß die wichtigsten Ergebnisse des Kongresses als Erfolge des von uns vertretenen Programmes zu verzeichnen sind. Durch die Bildung einer neuen Palästina-Exekutive ist eine wirkliche (die einzig mögliche) Chance für eine durchgreifende Wirtschaftsreform geschaffen worden. Der deutschen Delegation und den mit ihr befreundeten Gruppen war es klar, daß die Bildung einer neuen, zu Reformen fähigen Exekutive das Kernstück des 1 angestrebten Gesundungsprozesses bilden mußte. Deswegen setzten sie ihre gesammelte Energie für diese Lösung ein und wehrten sich mit Festigkeit gegen andere, bequemere aber hoffnungslose Kombinationen. Die Entschiedenheft dieser Gruppe hat maßgebend dazu beigetragen, daß der Plan einer Reformexekutive in einer ungetrübten Form durchgesetzt wurde, trotz aller Trägheitsmomente und trotz aller aktiven Widerstände, deren allzu bekannte Stärke die Hoffnung auf eine entschiedene Veränderung zunächst so gering erscheinen ließ. Darüber hinaus laben einige Angehörige der deutschen Landsmannschaft sich auch ganz unmittelbare persönliche Verdienste um die Bildung der neuen Exekutive erworben. Blumenfeld hatte als Vorsitzender des Permanenzausschusses an der Last der Verantwortung für die Lösung dieser entscheidenden Frage besonders schwer zu tragen. Er hat, wie der schließlicbe Erfolg gezeigt hat, seine Aufgabe in einer ihrer Bedeutung entsprechenden Weise durchgeführt. Dazu gehörte nicht nur die Leitung der Sitzungen des Permanenz-Ausschusses, sondern vor allem die mühevollen und komplizierten Verhandlungen mit den vielen in Betracht kommenden Gruppen und Personen. Für dieses ausschlaggebende Gebiet der Einzelverhandlungen war von großer Bedeutung auch die Mitwirkung Schockens. Ohne die persönliche Tätigkeit dieser beiden Mitglieder der deutschen Delegation wäre, wie ohne Uebertrcibung gesagt werden kann, die neue Palästina-Exekutive kaum zustande gekommen. DealOetoÜn0׳־ane Exekutty-Blldung entspricht das zweite wichtige Ergebnis des Kongresses, der Anfang eines neuert Kurses unserer Finanzpolitik. Auch für dieses Gebiet war die Arbeit der deutschen Delegation von entscheidender Bedeutung. Sie hatte vor dem Kongreß und von Beginn des Kongresses an als eines ihrer Hauptziele erklärt, daß der Kongreß den Uebergang zu einer vernünftigen Budget-Politik finden müsse. Von den erheblichen Erfolgen, die gerade auf diesem Gebiet erreicht worden sind, dürfte in der ״Jüd. Rundschau״ noch eine besondere, ihrer Wichtigkeit entsprechende Darstellung gegeben werden. Im Zusammenhänge dieses Aufsatzes genügt der Hinweis, daß die beiden Grundgedankea der neuen Budgetpolitik — Feststellung der Ausgaben lediglich auf Grund einer vorsichtigen, von verantwortlichen Stellen vorgenommenen Schätzung der Einnahmen und, soweit als irgend möglich, Begünstigung der fundamentalen Gebiete des Aufbaus gegenüber den drängenden Forderungen der Vertreter von Spezialgebieten — nicht ohne schwersten Kampf durchgesetzt werden konnten. Die Budget-Reform wurde mit voller Ueberzeugung nur von zwei Gruppen gefordert, den Amerikanern und dem Linken Zentrum, und es bedurfte mitunter recht energischer Einwirkungen gerade des letzteren, um den Gedanken in der Budget-Kommission ernsthaft vorwärts zu treiben. Die Fraktionen von rechts und links, die Vertreter der AHjah, des Erziehungswerkes, der Arbeitsversorgung, der palästinensische Jischuw in allen seinen Schattierungen, ja auch einzelne Ressorts-Chefs der Exekutive, taten ihr Bestes, um den Grundsatz eines soliden Budgets wieder einmal zu Fall zu bringen. Der Vertreter der deutschen Delegation in der Budget-Kommission, Feuerring, hat entscheidend dazu beigetragen, daß zunächst in dieser Kommission der gesunde Menschenverstand einen Sieg auf dem Gebiete der Budgetpolitik errang. Die Bedeutung seiner Tätigkeit kam darin zum Ausdruck, daß er von der Kommission zum Berichterstatter bestellt wurde, ln dieser Eigenschaft hatte er auch im Plenum des Kongresses noch einige nicht unbedenkliehe Angriffe der Anhänger einer unentwegten Budget-Erhöhungs-Strategie abzuwehren. Auf zwei anderen wichtigen Gebieten zionistischer Arbeit, Politik und Organisation, können die Ergebnisse des Kongresses nicht befriedigen. Die organisatorischen Fragen sind, wie man mit Bedauern konstatieren muß, von der Mehrheit des Kongresses nicht mit dem ihnen angemessenen Verständnis behandelt worden. Der Mangel an Verständnis für dieses Gebiet zeigte sich schon darin, daß die bemerkenswerten Einleitungen Felix Rosenblüths zu den Organisationsdebatten in der Kommission und im Plenum von der Mehrzahl der Delegierten nicht genügend gewürdigt wurden. Beide Einleitungen waren getragen von einer klaren Vorstellung von der Bedeutung der Organisation als eines machtvollen Instruments des zionistischen Gedankens; sie wären durchaus geeignet gewesen, in diesem Sinne in die Diskussion über die organisatorischen Fragen die Linie eines großzügigen Zusammenhanges Hineinzutfag'en. Aber ebensowenig wie in der Diskussion auf dieses große Ziel und diesen großen Zusammenhang Rücksicht genommen wurde, geschah das in den Beschlüssen des Kongresses. In fast allen wichtigen Fragen — Kongreßreform, Uebertragung des Budgetrechts auf das Aktions-Comite, Wahlrecht, finanzielle Sicherung der Exekutive5 in der zweifelhaften aber wichtigen Frage der Inkompatibilität — wurden von der Mehrheit durch die Art der Diskussion oder durch die Abstimmungen unbefriedigende Antworten gegeben. Da die deutsche Delegation Vorschläge vertrat, die auf eine wirkliche Sicherung und Stärkung der Organisation gerichtet waren, konnte sie sich bei dieser Haltung der Mehrheit auf dem Gebiete der Organisation nicht durchsetzen. Sie geriet hier in die Rolle der Minorität, brachte aber in dieser Rolle durch ihren Sprecher, Dr. L a n d s b e r g, in der Kommission und auch im Plenum ihre Forderungen nachdrücklich zur Geltung. Die Deutlichkeit, mit der das geschah, dürfte doch nicht gänzlich ohne Eindruck geblieben sein. Sie wird sich als Vorbereitung für einen Kongreß, der mehr Ruhe, Ueberlegung und Konzentratlon für die organisatorischen Fragen findet, nützlich erweisen. Auf dem Gebiete der Politik brachte das Linke Zentrum, dessen Wortführer der deutschen Landsmannschaft angehörte, sowohl in der Generaldebatte, wie besonders in der politischen Kommission, seine Uebereinstimmung mit der von Weizmann vertretenen Auffassung unserer politischen Methode zu deut* lichem Ausdruck. Es wäre nicht nötig, diese Tatsache zu erwähnen, wenn nicht das Linke Zentrum sich gegenüber einer Fülle von Einwendungen der verschiedensten Qualität, mit denen in der Politischen Kommission unsere politische Arbeit kritisiert wurde, allein mit voller Entschiedenheit und Konsequenz für Weizmanns Politik eingesetzt hätte. Die Politik einer verständnisvollen Kooperation mit der Mandatarmachf, unter nachdrücklicher Betonung unserer Forderungen, aber begleitet von Verständnis für die Bedingungen der Wirklichkeit, ist, wie es scheint, für die große Masse der Organisation nicht reizvoll genug, um in ihrer ganzen Bedeutung erkannt und gewürdigt zu werden. Diese Un• stimmigkeit zwischen dem Geschmack zahlreicher Politiker aus fast allen unseren Lagern und dem Inhalt unseres offiziellen politischen Kurses ist diesmal insbesondere in den Abstimmungen nicht mit genügender Klarheit zum Ausdruck gekommen. Die deutsche Delegation war demgegenüber in der Lage, eine fundierte und konsequente politische Anschauung vorzutragen. Sie erwies sich damit schon jetzt als kräftigste Stütze einer politischen Haltung, von deren Richtigkeit sieh hoffentlich in dem für dieses Oebiet noch notwendigen Klirungsprozeß die gesamte Organisation überzeugen wird. Die deutsche Delegation führte ihre Arbeit auf allen erwähnten Gebieten in voller Einmütigkeit und Geschlossenheit. Sie teilte die innere Uebereinstimmung und die Klarheit des Auftretens mit der weiteren Gruppe, in deren Rahmen sie sich eingegliedert hatte, dem Linken Zentrum. Der ״Arbeit»• gemeinschaft des Linken Zentrums“, die bei Beginn des Kongresses aus Tscheehoslowaken und Deutschen gebildet worden war, schlossen sich bald die rumänische und die bulgarische Landsmannschaft und zahlreiche Vertreter kleiner Landsmannschaften an. Die Arbeitsgemeinschaft erreichte eine Zahl von 35 stimmberechtigten Mitgliedern und erhielt also schon zahlenmäßig einen erheblichen Wert. Die Entscheidüngen der Gruppe wurden ausschließlich in gemeinsamen Beratungen der Arbeitsgemeinschaft getroffen. Sie kam sogar bald dazu, für ihre Angehörigen in allen wichtigen Fragen Fraktionszwang einzuführen. An der gemeinsamen Arbeit nahmen alle beteiligten Kongreßmitglieder mit dauernder Befriedigung teil, so daß sich von selbst der Wunsch ergab, die Verbindung auch über den Kongreß hinaus aufrecht zu erhalten. Nicht nur die Gemeinsamkeit der Beratungen wiwrie , als Vorteil empfunden, vor allem wurde allgemein konstatiert, daß in dieser Arbeitsgemeinschaft des Linken Zentrums, dank einem von Anfang an vorhandenen Gefühl für die Notwendigkeit von Gruppendisziplin, von aktiver und geschlossener Mitwirkung an den Beratungen des Kongresses, ein aktionsfähiges Instrument für die gemeinsamen Anschauungen entstanden war. Dieses Auftreten des Linken Zentrums ist nicht nur als ein einmaliges Ereignis zu werten, das lediglich für diesen Kongreß Bedeutung gehabt hätte. Es ist geeignet, auf die innerpolitische Entwicklung der Organisation dauernd und günstig einzuwirken. Ein oft beklagter, grundlegender Mangel des Kongresses, der sich auch diesmal wieder deutlich zeigte, ist die Schwäche der Mitte, der noch immer die für das Schicksal der Organisation bestimmenden Leistungen und Ent- Scheidungen aufgebürdet werden, die aber in ihrer Aktion»- fähigkeit außerordentlich behindert ist. Denn sie ist uneinheitlich und zerklüftet, sie vermag vor allem keine wirkliche Verfügungbefugnis über ihre Mitglieder auszuüben, in traurigem Gegensatz zu der von den Klammern der Fraktionen zusammengehaltenen Rechten und Linken. In diesem inneren Widerspruch, daß der mit Verantwortung am meisten beschwerte Teil der Organisation die relativ geringste Stoßkraft besitzt, besteht das dringendste Problem unserer Organisationspolitik. Gut gemeinte Aufrufe zur Vereinigung aller allgemeinen Zionisten können nach unserer Meinung nicht mehr viel ausrichten. Sie haben sich stets als erfolglos erwiesen, und mit gutem Grunde: Der Differenzierungsprozeß innerhalb des allgemeinen Zionismus ist schon zu weit vorgeschritten. Es scheint uns, daß aus demselben Grunde auch die wenigen echten ״Landsmannschaften“, die heute noch auf einer lediglich territorialen Grundlage zusammengeschlossen auftreten, dieses Prinzip ihrer Vereinigung nicht mehr allzulange aufrecht erhalten werden. Schon diesmal konnten aufmerksame Beobachter häufig auf den Gedanken kommen, daß es diesem, zur Verschwommenheit erziehenden Prinzip der Landsmannschaft zu verdanken wäre, wenn sich auf wichtigen Gebieten große Landsmannschaften nicht mit dem erforderlichen Nach5druck für die Anschauungen ersetzten, die nach ihren immer wiederholten Erklärungen von ihnen gebilligt und unterstützt werden. Die Aktionsfähigkeit des Zentrums wird gesteigert werden, wenn die Anhänger derselben Anschauungen sich zu wenigen, großen Gruppen zusammenschließen, die über ihre Angehörigen disponieren können, so wie die Fraktionen das heute tun. Diese Zerlegung des Zentrums in verschiedene, aber geschlossene Gruppen wird nicht nur das Gewicht der einzelnen Gruppen steigern, sondern auch ihre Bündnisfähigkeit untereinander stärken. Sie kann so anf einem neuen Wege zu vielfach verstärkter Wirkung der heute das Zentrum bildenden Gruppen führen. Alles das ist durch das Beispiel des iinuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuniiii'HininwiiiiiiiiniiiiiiniiiiiiiiiiiiHiiniiiiiiniBiiiiiiiiiwiininiiiCTimiiiiiiniiiniiiiHHnnwnin Die heutige Nummer der Jüdischen Rundschau" ers&elnt wegen der Feiertage als Doppelr.ummer. Die DI ens tag-Ausgabe entfällt Linken Zentrums auf dem Kongreß! bereits bewiesen worden. Seine einheitliche Aktion erlangte für alle wichtigen Kongreßfragen maßgebende Bedeutung. Durch ihren Zusammen- Schluß war diese Gruppe imstande, zusammen mit einem anderen großen und geschlossenen Teil des Zentrums, dem amerikanisch-englischen, in den wichtigen Fragen einen Block zu bilden, dessen Anziehungskraft dann noch erhebliche andere Teile des Zentrums folgten. Wichtig ist, daß dieser Erfolg nicht erreicht wurde, indem man primär auf irgendeinem Wege einen Zusammenschluß erstrebte. Sondern die Bestfmmthelt einer Anschauung verhalt zur Aktionsfähigkeit, und sie erwies sich als besseres Mittel für gemeinsames Vorgehen mit anderen Oruppen, als ein taktisches Suchen nach einer gemeinsamen Basis um jeden Preis. Diese bestimmte Anschauung war am Linken Zentrum sehr deutlich zu erkennen. Der Wille zur Wirtschaftsreform einerseits, die alte, ״linke“ zionistische Grundauffassung andererseits, kamen bei mannigfachen Gelegenheiten zu deutlichem Ausdruck. Und wenn wir im Wahlkampf von unseren Gegnern wiederholt gefragt wurden, worin denn das ״Linke“ am Linken Zentrum bestände, so dürfte diese Frage nach dem Verlauf des Kongresses nicht mehr wiederholt werden. Unsere Verschiedenheit von anderen Gruppen des Zentrums — die sich nicht nur gegen die Arbeiterschaft, sondern auch gegen die Wirtschaftsreform stellten — hat sich deutlich gezeigt Wenn Blumenfeld zum Vorsitzenden des Permanenzausschusses gewählt wurde, so war das auch aus dem Umstande zu erklären, daß er zum Linken Zentrum gehörte. Und wenn die Reform- Exekutive so gebildet wurde, wie es geschehen ist, wenn sie, wie die Abstimmungen deutlich zeigen, nicht als eine Exekutive des Kampfes gegen die Arbeiterschaft aufgestellt und empfunden wurde, so dürfte daran die Auffassung von Wirtschaftsreform nicht unbeteiligt sein, um deren Darstellung das Linke Zentrum bemüht war. Eine Frage zweiten Ranges ist es, ob die Entwicklung kongreßtechnisch zur Bildung einer Fraktion führen soll, oder ob man es bei einer Arbeitsgemeinschaft lassen will. Wichtig ist nur, daß auch in Zukunft der linke Flügel des allgemeinen Zionismus sich zu einheitlicher Aktion zusammenschließt, so wie es diesmal mit nicht geringem Erfolge geschehen ist. Er wird dann dazu beitragen, daß Kongreß (und Aktions-Comite) ihre Funktionen besser erfüllen, als es bisher geschehen konnte. Die positive Beurteilung, die der Arbeit der deutschen Delegation in diesem Aufsatz zuteil wird, ändert nichts an einer fundamentalen Tatsache: Der ungeheure Druck der zionistischen Aufgab« kann heute keinen Augenblick vergessen werden, trotz aller ״Erfolge“, trotz der positiven Ergebnisse des Kongresses. Wir wollen diese nicht veAleiitem. Sie zeigen, daß es in der Zionistischen Organisation noch Möglichkeiten für neue Lösungen, für neue Kräfte und noch nicht festgefahrene Gedanken gibt Aber wirkliche Bedeutung erhalten diese Resultate einer Tagung erst, wenn sie imstande sind, das tiefste Gefühl wirklicher persönlicher Verantwortung für die zionistische Sache unter den Zionisten zu verbreiten. Ob der Kongreß, und mit ihm die Arbeit der deutschen Delegation, ein Erfolg gewesen ist, wird sich zeigen, wenn er in uns den ernsthaften Willen geweckt hat, durch Anstrengungen großen Formats über die Hindernisse auf unserem Wege hinwegzukommen. Jüdische Arbeiter bei arabischen Arbeitgebern In der letzten Zeit gelang es einer gewissen Zahl jüdischer Arbeiter, bei arabischen Unternehmern Arbeit zu finden. Im vorigen Jahr nahm eine Gruppe Arbeiter des ״Gdud Haawodah“, Tel-Awiw, eine Reihe von Arbeiten in Jaffa an. Dann aber verkleinerte sich auch in den arabischen Stadtteilen Jaffas die Bautätigkeit und es wurden keine bedeutendere Arbeiten ausgeführt. In der letzten Zeit stieg aber die Zahl jüdischer Arbeiter, die von arabischen Arbeitgebern an verschiedenen Orten des Landes, besonders in Jerusalem und Nablus, beschäftigt werden, in ganz bedeutendem Maße. Auch in Jerusalem erhielten schon früher jüdische Arbeiter in spezielle« Fächern, wie Betonbau usw., bei nichtiüdischen Arbeitgebern Arbeit. Nach dem Erdbeben bildete sich unter der arabischen Bevölkerung die Meinung, daß die jüdische Bauarbeit viel stärker und solider als die arabische ausgeführt sei, und daß Be* tonbauten vor Erdbeben bei weitem mehr Schutz böten als andere Methoden der Bauausführung. Arabische Unternehmer fingen in der letzten Zeit an, sich an das Arbeitsbüro des Arbeiterrates in Jerusalem zu wenden und jüdische Arbeiter anzufordern. Es muß darauf hingewiesen werden, daß der arabische Arbeitgeber, der sich an das Arbeitsböro wendet, wohl davon unterrichtet ist, daß er sich den Arbeitsbedingungen des Arbeitsbüros, ihren Lohntarifen und der von ihm festgesetzten Arbeitszeit anzupassen hat, daß er also dem jüdischen Arbeiter gegenüber eine andere Stellung einzunehmen hat, als er den billigen unorganisierten arabischen Arbeitern gegenüber einzunehmen gewohnt ist. Außer den jüdischen Arbeitern, die bei Arabern in Jerusalem selbst beschäftigt sind, arbeiten auch jüdische Arbeiter in den Jerusalem nahe gelegenen arabisehen Dörfern, wie in Ajn-Kerem und im Dorfe Tilr auf dem Oelberg. Verschiedene Arbeiter brachten auch ihre Familie mit ins arabische Dorf. Zwei jüdische Arbeiter arbeiteten eine Zeitlang bei Ausbesserungsarbeiten an der Omar - Moschee (Fachleute, die unter den Arabern nicht Vorbanden sind). Viele jüdische Arbeiter fanden Arbeit in Nablus beim Ausbessern der Gebäude, die durch das Erdbeben beschädigt wurden und auch bei Neubauten. Die Migration In Palästina Im Monat Juli 1927 kamen nach Palästina 273 Einwanderer, unter ihnen 223 Juden; in dem gleichen Monat wanderten 618 Personen, unter ihnen 383 Juden, aus. —־ Die entsprechenden Zahlen für Juni sind folgende: Es wanderten 376 Personen (311 Juden) ein und 749 Personen (565 Juden) aus. In Rischon le-Zion organisierte sich eine Gruppe landwirtschaftlicher Arbeiter, die sich die Aufgabe stellte, intensive Landwirtschaft in der Nähe der Kolonie zu betreiben. Auf ihrer letzten Sitzung beschlossen die Arbeiter, ihrer Gruppe den Namen Nachman Syrkin zu geben. Die Hilfsaktion der Tel-Awiwer Sockenarbeiter für ihre Warschauer Genossen, die sich im Lockout befinden, wurde beendigt. Die gesammelte Summe, 35 Dollar, wurde durch die Arbeiterbank nach Warschau übersandt. Die Wiener Morgenzeiliuig als Wochenblatt Wien, 19. September. (J.T.A.) Die ״W iener Morgenzeitung“, die einzige jüdische Tageszeitung in deutscher Sprache, hat am 17, September als Tageszeitung zu erscheinen aufgehört. Sie wird als Wochenschrift weiter erscheinen.