Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1927)
- Date
- 1927-09-20
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 542 JÜEtJISCHE RUNDSCHAU Np. 75, 20. IX. 1927 Hablmati: ״Jaakobs Traum* Der ״Dybuk“, wie ihn Habirnah darstellt, und Beer- Hofmanns ״Jaakobs Traum“ haben über den Abgrund ihrer dramatischen Verschiedenheit hinweg ein Gemeinsames, das im Repräsentativen liegt, darin, daß da und dort nur schein* bar ein individuelles Schicksal den Ablaut der Vorgänge be* stimmt und notwendig macht, während es in Wahrheit Bewußtsein und Schicksal des Kollektivums tun. ״Dybuk“ aber verweist ins Vergangene, das da mit Distanz objektiviert und in der künstlerischen Sphäre festgehalten wird, indem man es der toten Wirklichkeit entreißt und in die phantastisch-groteske Gesetzmäßigkeit eines Bühnenvorganges übersetzt, der gegenüber der Wirklichkeit die höhere Wahrheit hat. Anders ״Jaakobs Traum“. Seine Handlung ist in der Zeit nicht abgeschlossen, sie verlangt vom Zuhörer die Erfüllung und seine persönliehe Entscheidung. Nicht eine Station aut dem Wege des Kollektivums stellt sich dar, sondern dieser Weg zum unendlich fernen, aber bestimmten Ziele selbst offenbart sich, gefaßt in seinem Ausgangspunkte, dem als Moment der Voikswerdung verstandenen Jaakob-Erlefanis zugleich den Sinn der schon zurückgelegten Strecke deutend und die Fortsetzung des Weges in seiner Geradlinigkeit und Eindeutigkeit fordernd. Die Regie der Habimah hat verstanden, daß dieses Drama hingerichtet ist, wenn es als historisches verstanden und dargestellt wird. Es muß ins Zeitlose und in eine Wirklichkeit gerückt werden, die zwar im Erdreich, seinen Winkeln und Falten, wurzelnd ihm doch nicht zugehört. Also eine Aufgabe, die der eigentümlichen Darstclluiigsart der Habimah außerordentlich angepaßt ist, deren Kunst doch gerade darin ihren Gipfel hat, Vorgänge wirklicher und wahrer darzustellen, als sie es, auf ihre bloße Realität reduziert, sind. Trotzdem befriedigt diese Vorstellung nicht so restlos wie die des ״Dybuk“. Die Zeitungskritik hat bei vorzüglichen Einzelleistungen die Uneinheitlichkeit der Aufführung hervorgehoben, die zweifeilos besteht und auf ein Mißverständnis der Inszenierung zurückgeht, — als dessen Grund man die Zurückstellung des Wortes hinter die anderen dramatischen Mittel erkennt. Was dem ״Dybuk“ seine starke Wirkung gibt, das muß in ״Jaakobs Traum“ versagen, in diesem Drama, das weniger in sichtbaren Vorgänge verläuft als in den inneren Spannungen des Mono- 10gs und des Dialogs. Die Scheu vor dem Wort ist es, die der Aufeinanderfolge von mehr oder weniger zusammenhanglosen Szenen das Drama als solches opfert und cs auch bewirkt, daß dort, wo die bedeutungsvolle Rede nicht zu umgehen i^t, ihr Vortrag im Pathos hart an die Grenze der Unwahrhaftigkeit reicht und manchmal auch die sonst doch so beherrschte Geste dahin mit sich fortträgt. Es gibt zwischen Groteske (erste Szene) und Pathos einen Weg des hohen Sprechstiles, der bei Dramen mit sprachlichen Ansprüchen (und die anderen sind ia Ausflüchte) gegangen werden muß, und der den Spielern der Habimah keineswegs verschlossen ist, wie man sehen konnte, wo die Regie den Sprechvortrag zuließ. Und noch eines fällt bei dieser Aufführung eines auf die Rede gestellten Dramas auf, eine phonetische Behandlung des Hebräischen in Artikulation und Tonfall, die dem Bühnen russisch Stanislawskis nachgebildet und für die Sprache, in der da doch letzten Endes gesprochen wird, unmöglich ist. (Besonders das russische 1״“ und die Ersetzung jedes ״Zere“ durch ein fast schon als Patach“ gesprochenes ״Segol“ empfindet man äußerst störend.) Habimah mit ihrem unbestrittenen An- Spruch darauf, d i c nationale Bühne zu sein, wird diesem Punkte erhöhte Aufmerksamkeit zuwenden, und ihr Büh nenhebräisch, das Vorbild sein sollte, in Zusammenarbeit mit Kennern der hebräischen Phonetik auf ganz neue Basis stellen müssen. Mit dem, was hier an Kritik vorgebracht ist, nehme ich kein Wort von dem zurück, was ich anläßlich der ״Dybuk“- Aufführung (der ersten Habimah-Vorstellung, die ich sah) an dieser Stelle sagte. Gerade daß man an die Leistung der Habimah einen so außerordentlich anspruchsvollen Maßstab legen kann, macht die Pflicht, bemerkte Mängel nicht zu verschweigen, zu einer hoffnungsvollen Aufgabe. Und wem das nach allem Gesagten noch nicht deutlich ist, dem sei es nun noch ausdrücklich gesagt, daß man eine Theatervorstellung von der Würde dieser, und eine kollektive künstlerische Leistung von ihrem Rang trotz der Mängel nicht leicht wieder sehen kann und daß den Spielern auch diesmal unsere Anerkennung, unser Dank und die Zustimmung gebührt, die ihnen der starke Beifall des Premierenpublikums begeistert aussprach. M. Spitzer. Nene Zionslieder Die hebräische Literatur ist um eine neue Erscheinung bereichert worden, im besten Sinne des Wortes bereichert. Der Dichter Arie Ibn-Sahaw hat ein Bändchen ״Jerusalems- Lieder“ erscheinen lassen (בת1ככי ירושלים Verlag Acluewer, Jerusalem-Tel-Awiw, 1927), in denen er sich nicht nur als der von früher bekannte Künstler*) des hebräischen Wortes wieder erweist, sondern auch einer Stimmung Ausdrufik verleiht, die für die jüngere Generation Palästinas, die hier geborene und die eingewanderte, erfreulich symptomatisch ist. Zionistisches Gefühl und zionistische Wirklichkeitsarbeit sind belastet teils mit einer Menge von Bewußtseinsvorstellungen, teils mit den schweren Sorgen der Gegenwart. Nur langsam und sicher nur in Palästina — aber auch hier nicht überall — gelingt es, geistig und seelisch den Konnex mit organischem Volkstum zu finden, d. h. wieder den Rhythmus der Geschichte z.u spüren, sich wieder als Glied einer Kette zu fühlen, die nicht nur von der fernen Vergangenheit bis heute heraufreicht, sondern auch ihre Verlängerung in die Zukunft erkennen läßt. Aber auch in' Palästina selbst stellt sich dies Gefühl nur langsam ein. Zu neu in ihrer Art, zu sehr losgelöst von der Vergangenheit ist alles, was Aufbauarbeit der letzten fünfzig Jahre heißt. Und zu sehr erstarrt, zu sehr befangen in der klagenden Tradition der letzten zweitausend Jahre scheint Jerusalem, wo gar vieles verlorene Geschichte, gar wenig ihre Erweckung darstellt. Jerusalem — das Symbol der Freiheit und des Glanzes für die Sehnsucht von zweitausend Jahren. Wie wenig entspricht doch seine geistige und seelische Bedeutung für das neue Palästina, für die jüngeren Generationen des Gaiuth dieser seiner Rolle! Und doch gibt es wohl kaum jemand, der nicht, wenn er in Jerusalem ist, plötzlich von dem Gefühl erfaßt wird, an der Stelle zu sein, wo Vergangenheit und Zukunft zusammenwachsen. Diesem Gefühl wird hier dichterischer Ausdruck verliehen. Reich ist unsere Literatur an Liedern der Klage von Jerusalem; zahlreich sind in der jüngsten Literatur die Werke, die das Leben der Chaluzim zum Gegenstand nehmen, mit aller der psychologischen Problematik und dem Ucberschwang, die das Zeichen der Unausgeglichenheit, des revolutionären Momentes sind, die dies neue Aufbauleben kennzeichnen. Hier aber singt ein Mensch, der die Harmonie gefunden hat, einer, in dem der Rhythmus des neuen, des zukünftigen jüdischen Palästinas schwingt und für den dieses mit der Vergangenheit zusammengewachsen ist. ״Gesegnet ist mein Leben, Jerusalem, denn du hast den Traum meiner Kindheit erfüllt, daß ich wieder ein Sohn der Heimat werde.“ Von Ibn-Sahaw erschienen früher ״Aus den Tiefen einer Seele“, ein psychologischer Roman, und ״Das Märchen des Lebens“, ein symbolisches Schauspiel. Beide erhielten in der hebräischen Presse ausgezeichnete Besprechungen. ^X&fteurt GLÜCK WÜNSCHE RÖSCH HASCHANAH durch den KEREN KAJEMETH Vorliegender Nummer der ״Jüdischen Rundschau“ liegt eine Zahlkarle des Keren Kajemeth bei, die *ur Lieber- Weisung von Glückwunsch - AblÖsungaspenden anläßlich der Rosch Haschanah - Aktion bestimmt ist. Wir haben einen Staat, die Freiheit gehabt, haben sie ehrenvoll verloren und werden sie ehrenvoll neu schaffen. Jede Ruine, die das bezeugt, ist uns teuer aber wir klagen nicht um sie, daß sie Ruine ist. Jeder Gedenktag, der von unsern Kämpfen zeugt, ist uns heilig, aber kein Trauertag. ״Sie, die Völker, die nie eine Träne vor dieser Mauer vergossen, nennen sie Klagemauer; für uns aber, wenn auch die Tränenströme vieler Geschlechter an ihr herabrannen ist sie die Westmauer.“ Am tiefsten empfunden kommt dieser Gedanke in dem Gedicht De Macht des 9. Aw“ zum Ausdruck. Tisch'ah b׳aw ist der Tag Jerusalems. Es gibt wohl niemanden, dem diese mondhelle Nacht in der alten Stadt, in der Klagemauer, auf der Stadtmauer, nicht an das Herz gegriffen hätte. An der Klagemauer findet man Beter und die jüngere Generation als Zuschauer. Und eben diese Jüngere Generation empfindet die wahre Bedeutung dieser Nacht. Sie sucht die Klagemauer auf, sie umwandert die Stadt auf der Mauer, sie ist durchpulst von dem Gefühl ״Jerusalem“, und sie scheut sich nicht, diesem Gefühl in Freude, mit Singen Ausdruck zu geben. Der 9. Aw war einst der Untergang Jerusafems? Gut, ein Tag der Ehrfurcht (und nie wird diese Ehrfurcht verletzt), aber heute sind wir wieder hier und Jerusalem lebt wieder. ״Ja, Jerusalem, mein Glaube ist es, daß du bald ganz auferbaut sein wirst, und dann, dann wird das Buch der Klagelieder in Freuden zum Ausdruck höchster Freude erhoben werden.“ ״Wir, die Generation der Pioniere der Arbeit vor den späteren Geschlechtern, errichten eine lebende Mauer um dich, Jerusalem.“ ״Talpioth winkt Beth-hakerem Tag und Nacht, Kirjath Moschch schaut nach Mekor-Chajim und Bajith wegan, eins streckt nach dem andern die Hand aus. Und wenn sie so sich die Hände reichen und eines Tages zu einem verschmelzen, dann werden die Kriegsmauern um dich Altertümer sein und diese lebendige Mauer um dich wird die Mauer des ewigen Friedens heißen, und du wirst, die Stadt des Friedens, allen Völkern und Ländern zum Wahrzeichen dienen.“ Ein neuer Ton, ein neuer Geist, Bereicherung der Literatur und Harmonisierung unseres Lebens. - i h— V. WeldMmferenz der Hllachdath Am 9. September ist die V. Weltkonferenz der Zionistischen Arbeitsoartei Hitachduth, die in Basel tagte, geschlossen worden. Es wurde beschlossen, zwei Bureaus der Welt/entrale zu errichten: in Palästina und in Warschau. Als Mitglieder der Weltzentrale sind gewählt worden: Dr. Ch. Ariosoroff, U. Friedland, Dr. J. Hellmann, E. Kaplan, Dr. A. Kaznelson, Abg. A. Lewinson, Abg. A. Silberschein, J. Sprinzak, €11. Schürer, Dr. A. Tartanower, N. Twersky. Die Legalisierung des Zionismus in Marokko Paris 12. September. (J. T. A.) Herr T h u rs z, der die Zionisten Marokkos auf dem XV. Zionistenkongreß in Basel vertrat, wurde heute vom Direktor für politische Angelegenheiter! beim Außenministerium, Herrn de Beaumarchais, empfangen. Thursz führte namens der marokkanischen Juden Klage darüber, daß die marokkanischen Behörden sich hartnäckig weigern, die Zionistische Organisation anzuerkennen. Herr de Beaumarchais versprach, sich für eine baldige Lösung der Frage einzusetzen. Kongrcftberidiis-Versammlunüen der Berliner Zionistischen Vereinigung Montag« den 3. Oktober, abends 8J/a Uhr in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Straße 31 Dienstag, den 4. Oktober, abends 8% Uhr im Logenhaus, Kleiststraße 10 Referenten: Vertreter sämtlicher Parteien Eintritt 30 Pf. Das Sdiulwerk in Palisttna (Vortrag Rabbiner Dr. Wiener.) Am Programm des letzten Vortragsabends des ״B u n - des fiir entschiedene Schulreform“, der am 13. d. M. unter dem Vorsitz von Prof. Oestreich in der Aula des Werner-Siemens-Reaigymnasiums stattfand, stand neben einem Bericht des Herrn Dr. Tacke über die internationale Konferenz für Fragen der neuen Er- Ziehung, bei der er den Bund vertreten hat, ein Referat von Rabbiner Dr. M. Wiener über ״Aufbau und Wesen des hebräischen Erzieh ungswerkes in Palästina.“ Ausgehend von dem Problem der ״Verkopfung“, die von den entschiedenen Schulreformern als eine der verhängnisvollsten Folgeerscheinungen der verfehlten Schul- und Gesellschaftserziehung in den Vordergrund der pädagogischen Debatte gestellt wird, versuchte der Referent, einem über diese Dinge uniformierten, aber von der pädagogischen Seite her daran interessierten Zuhörerkreis zuerst die besonderen Bedingungen vor Augen zu führen, unter denen sich die Regenerationsbestrebungen des jüdischen Volkes vollziehen und denen auch alle erzieherische Intention im Rahmen dieser Bestrebungen unterworfen ist. Bei keinem anderen Volke sei die einseitige Festlegung auf Intellektuelles, und dessen Vorherrschaft über das Vitale so weit fortgeschritten, wie gerade beim jüdischen, das durch seine abnormale soziologische Struktur schon seit Jahrhunderten der Urproduktion und damit der vitalen Verwurzelung in der primitiven Realität entbehre, wozu noch kommt (wobei das Problem von Grund und Folge unberürksichtigt bleiben kann), daß die Religion, in der sich die besten kollektiven Kräfte seit Jahrtausenden verdichten, auf Tradition von Schriften aufgebaut ist und Treue zum Ueberkommenen fordert. Der Aufbau Palästinas soll Abhilfe schaffen, indem er einen immer größeren Teil des iüdischen Volkes der Urproduktion wiedergibt, einen normalen Volkskörper schafft und so auch eine allseitige nationale Kultur ermöglicht. Der Erziehung ist demzufolge neben der Ersetzung des Sprachenwirrwarrs durch die nationale Kultursprache, das Hebräische, zuerst die Aufgabe gestellt, die Einordnung in die neuen Verhältnisse der soziologischen Struktur und wirtschaftlichen Produktion anzubahnen. Diese sachliche Aufgabe stellt an die Schule besondere Anforderungen und macht es unmöglich, daß sie in Methoden und Ziel- Setzung der alten Schulen verharrt. Weitgehende Autonomie der Sghüler, handwerkliche Ausbildung neben der geistigen, auch auf den höheren Schulen, und Mitverantwortung für die Bedürfnisse der Schule, weiche durch die Verhältnisse allein schon gefordert werden, geben dem Schulwesen seinen Grundcharakter, während die didaktischen Methoden durch das Zusammentreffen von Lehrern aus den verschiedensten Ländern mit verschiedenen pädagogischen Traditionen und die dadurch entstehenden Spannungen in lebendigem Flusse erhalten bleiben. Nähere Angaben werden über ״Kfar hanoar“ in Ben-Schemen und die höheren Schulen in Tcl-Awiw und Haifa gemacht. Zahlen aus dem Palästina-Budset der zionistischen Exekutive zeigen, welche Bedeutung man dort Erziehungsfragen zuwendet. Im allgemeinen muß bei aller Anerkennung für den Referenten leider festgestellt werden, daß über seinen Bemühungen, einem Kreis von Nichtjuden die zionistischen Bestrebungen plausibel zu machen, die Darstellung des inneren Aufbaus des Schulwerkes, seiner speziellen Probleme und Methoden, zu kurz kam. — i-e— Neu« iesiiminuitgeit lür die Efnwandermig nach Palisttna Folgende Kategorien dürfen in der nächsten Zukunft nach Palästina einvandern: 1. Wirkliche Kapitalisten, die sich im Lande einordnen können. 2. Frauen und Kinder von in Palästina Ansässigen, die in der Lage sind, sic zu ernähren. In besonderen Ausnahmefällen auch andere Verwandte ersten Grades. 3. Kinder von Ausländern, die nach Palästina geschickt werden, um dort erzogen zu werden unter der Bedingung, daß die palästinensischen Erziehungsinstitute für ihren Unterhalt die Verantwortung übernehmen. 4. Politische Gefangene aus Rußland. Anmerkung; 1. Die Kinder in Kategorie 2 dürfen höchstens 18 Jahre alt sein. 2. Mit Ausnahme der auf Grund Nr. 2 einwandernden Frauen und Kinder dürfen nur Personen ein palästinensisches Visum erhalten, deren Paß zur Rückreise aus Palästina berechtigt. 3. Einreisezertifikate für die obengenannten Kategorien werden von jetzt an auf ein Jahr ausgestellt. Sämtliche Einreiseerlaubnisse, die die zionistische Exekutive vor dem 23. August ausgefertigt hat, werden noch auf Rechnung der Periode März/September gegeben. Im folgenden Halbjahr, Oktober/März, werden außer den obengenannten keinerlei Einreiseerlaubnisse nach Palästina gegeben werden. Sämtliche Personen, die jetzt eine Einreiseerlaubnis erhalten haben, müssen diese bis zum 30. September auf dem zuständigen Englischen Konsulat entnehmen. Nach diesem Datum besteht nicht die geringste Möglichkeit mehr, ihre Einreiseerlaubnis zu verlangem. Palästina-Amt. Konferenz des Jtrint New York, 11. September. (J. T. A.) Am 22. und 23. Oktober wird — wie schon mitgeteilt — im Standard-Club zu Chicago, eine Nationalkonferenz des American Joint Distribution Committee abgehalten werden. Die Tagung wird das dritte Jahr des United Jewish Campaign, dessen Ziel die Aufbringung von 25 Millionen Dollar fiir jüdische Aufbauzwecke in Europa ist, einleiten. Zur Vorbereitung der Konferenz fand in diesen Tagen im Büro des Herrn Felix M. War bürg eine Sitzung der Mitglieder des Joint Distribution Committee und des United Jewish Campaign statt, in der der Joint-Prasident Herr Warburg und der Präsident des United Jewish Campaign David A. Brown Ansprachen hielten. Zentralstelle liir jüdische Wanderlürsorge in Wien Wien, 13. September. (J.T. A.) Auf Veranlassung des Präsidiums der Wiener Kultusgcmcinde fand Sonntag, den 11. d. M., in Wien eine Enquete über die Errichtung einer Zentralstelle fiir jüdische Wanderfürsorge statt, die mit einem Referat des Geschäftsführers der Hauptstelle für jüdische Wanderfürsorge in Berlin, Herrn S. Adler-Rudel, eingeleitet wurde. An der Beratung nahm u. a. die Wiener Kultusgemeinde durch ihren Vizepräsidenten Dr. Orn stein und Dr. Löwenherz teil. Nach dem eingehenden Referat von Herrn Adler-Rudel fand über die Möglichkeiten des Anschlusses an die bereits bestehenden ähnlichen Institutionen Deutschlands, der Tschechoslowakei, Polens, Hollands und Belgiens eine mehrstündige Debatte statt, in deren Verlauf Herr Dr. Löwen herz namens der Wiener Kultusgemeindc die Erklärung abgab, daß diese bereit sei, eine solche Zentrale für Wanderfürsorge ztt gründen und an ihre Spitze zu treten.