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Jüdische Rundschau · 1927-09-20 · Heft 75 (20.9.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 75 (20.9.1927)
Date
1927-09-20
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 75, 20. IN. 1927 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 541 Nach dem Kongreß II. Bemerkungen zur Prozedur Die Beschlüsse des Kongresses sind nach Wert und Gewicht sehr ungleichartig. Nur ein Teil von ihnen betrifft konkrete Maßnahmen, die durchzuführen sind und ist insofern von wirk-!!eher Tragweite. Ein erheblicher Teil hat lediglich demonstrativen Charakter. Manche Beschlüsse sind nur durch die eigentümliche Kräfteverteilung im Kongreß und die dadurch geschaffcnen Stimmungsmomente zu verstehen. Bei jedem Kongreß erleben wir das Schauspiel der sich in bestimmten Momenten entladenden Spannung zwischen rechts und links; in solchen Momenten wird die Abstimmung zu einem reinen Machtkampf, ganz unabhängig von dem sachlichen Inhalt der zu entscheidenden Frage. In .ähnlicher Weise ist für die Opposition oder für eine gerade in Opposition getretene Gruppe nur die Frage maßgebend, ob die Exekutive für oder gegen einen Anfrag eintritt, um entgegengesetzt zu votieren. In den letzten Sitzungen, in welchen die Abstimmungen vor sich gehen, hat mau immer wieder Gelegenheit, über diese Kongreß-Psychose zu staunen, die dem Zustandekommen vernünftiger Beschlüsse abträglich ist und die Frage der Kongreßreform, die noch lange nicht von der Tagesordnung verschwinden wird, als brennend erkennen läßt. Immerhin muß man feststellen, daß die Kongreßreform, wenn auch langsam, fortschreitet. Der XV. Kongreß hat in vielen Beziehungen bereits von ihr profitiert. Sein Mechanismus war viel besser als der seiner Vorgänger. Der frühzeitige Be• ginn der Kommissionsberatungen hat sich sehr bewährt. Vor allem aber ist die Abschaffung der sinnlosen Institution des ״Vertrauensvotums4‘ geradezu eine Erlösung. Die Entscheidüngen werden dorthin gerückt, wohin sic gehören, es können nicht mehr gelegentlich des Vertrauensantrages alle erdenklichen andern Fragen zur Verhandlung gestellt werden, die peinlichen ״Deklarationen“ entfallen und die von niemand gewollte und doch nach der Sachlage fast unumgängliche ״Krise“, die den Kongreß tagelang aufzuhalten pflegte, wird vermieden. Der entscheidende Schritt, die Wahlen während des Kongresses vornehmen zu lassen, so daß seine zweite Hälfte bereits dem Aktionsprogramm der neuen Exekutive gewidmet ist, ist freilieh diesmal noch nicht gelungen. Aber die Arbeitsatmosphäre war für alle beteiligten Faktoren eine viel bessere als in Karlsbad und Wien. Es lag ein klarer Plan vor, ein Wille und ein Ziel, und trotz der großen parlamentarischen Schwierigkeiten und trotz aller Bedenken, die auf allen Seiten vorhanden waren, wurde der Fortgang und Ausgang des Kongresses dadurch erleichtert. Der Kongreß dürfte, wenn er sich selbst ernst nimmt, keine Beschlüsse fassen, die ihrer ganzen Natur nach kein sachliches Gewicht haben können. Dazu gehört z. B. der immer wiederkehrende Beschluß, der nächste Kongreß oder die A.-C.-Sitzung müsse in Jerusalem abgehalten werden. Und was soll man von einer Kampfabstimmung über die Frage halten, ob die neue Einwanderung, die der Kongreß {und jeder Zionist) für nötig erklärt, ״bei der ersten Möglichkeit‘ oder aber ״noch in diesem Jahre“ stattfinden müsse? Diese Frage wird kaum durch eine Resolution entschieden. Alle wünschen, es möge sich die Möglichkeit noch in diesem Jahre ergeben. Aber dies einfach beschlußtnäßig festzulegen, ohne sich über das Wie Gedanken zu machen, ist des Kongresses unwürdig. Die Zahl der Beispiele ließe sich vermehren. Bedenklich ist auch die Art, wie das neue A.-C. gebildet wird. Das A.-C. ist während der Vakanz des Kongresses die oberste legislative Behörde. Sie sollte die besten Köpfe enthalten und wirklich arbeitsfähig sein. In der letzten Kongreßperiode hat sich gezeigt, daß ein A.-C. von 50 Mitgliedern zu groß, schwerfällig, kostspielig und unpraktisch ist. Der Kongreß aber hat so viele Personen im A.-C. ״unterzubringen“, daß er diesmal sogar auf 51 oder 55 Mitglieder kam. Damit tötete das A.-C. sich selbst. Man müßte neben dem A.-C. eine neue Körperschaft, eine Art Senat schaffen, 11m die Möglichkeit zu geben, bewährte Gesinnungsgenossen von allen Ländern in einer geeigneten Form mit der obersten Leitung in Kontakt zu halten, ohne darum das A.-C. zu einer Bastion der verdienten Männer zu machen und die allmähliche Heranziehung jüngerer Kräfte zu verhindern. Erhebliche Schwierigkeiten verursaclite die Frage der Inkompatibilität. Es ist kein Zweifel, daß hier ein ernstes Problem vorliegt, dessen Bagatellisienmg sich an der Bewegung rächen könnte. Die Gefahr einer Bürokratisierung und (Beamtenherrschaft ist besonders groß in einer Bewegung, die auf Freiwilligkeit beruht und dauernd ihre attraktive Kraft behalten muß; zugleich kann man aber die Augen nicht vor der Tatsache verschließen, daß die Beurteilung der zionistischen Einzelfragen immer schwieriger und daher beinahe ein Reservat der berufsmäßig damit betrauten Menschen wird. Außerdem ist der zionistische Beamte kein Beamter im Sinne einer feststehenden Lebenslaufbahn, vielmehr ein fluktuierendes Element: Oft versucht man, wertvolle zionistische Arbeitskräfte zu hauptberuflicher zionistischer Arbeit zu gewinnen und unsere noch nicht erzogene und in dieser Sache von Affekten beherrschte öffentliche Meinung ist geneigt, das Ausscheiden aus der Wählbarkeit auch dann als eine Art Degradation zu betrachten, wenn es mit einer Acnderung der organisch-konstitutionellen Funktion verbunden ist. Leider sind in den Anträgen, die die Wählbarkeit der Beamten für das A.-C. abschaffen wollten, Motive von Ressentiment gegen die Beamtenschaft unverkennbar gewesen; dadurch wird ein wichtiges, sachliches Problem der Sphäre sachlicher Beratung entrückt. Der Ausweg, den der Kongreß gefunden hat, ist auf keinen Fall befriedigend; er schafft weder ein konstitutionelles Prinzip, noch ist er der wirklichen Sachlage angemessen. Denn reine ״Verwaltungsbeamte“ haben sich bisher noch kaum jemals um die Mitgliedschaft des A.-C. beworben, und die Begünstigung der Propagandabeamten sowie der verschleierten Beamten ist in Wirklichkeit eine Umgehung des Problems. Die Aufzählung der Institutionen und Komitees, deren Beamte unwählbar sein sollen, verrät deutlich seinen Ursprung: die gegeneinandcrgerichteten Tendenzen von rechts und links. Jeder versucht dem andern eins zu versetzen, indem er die Institution des andern auf die Proskriptionsliste setzt. Ein etwas naives Verfahren, aber es eröffnet Einblicke in die psychologische Situation, die unhaltbar ist. Es wird noch sehr viel Takt und organisatorische Einsicht nötig sein, um die ernste Frage der Stellung der Beamten leidenschaftslos und im Einklang mit den Interessen der Bewegung zu regeln. R. W. Henrietta Szold Von Helene Hanna Thon. Von Henrietta Szold, die als Erste ihres Geschlechts nunmehr in die zionistische Exekutive eintritt, weiß man in Europa wenig über die Tatsache hinaus, daß sie die Gründerin und Führerin der ״Hadassah“ ist und im amerikanisehen Zionismus eine leitende Rolle spielt. Sie hat zwar schon mehrmals dem Aktions-Comitö und auf dem letzten Kongreß dem Kongreßpräsidium angehört, aber da sie niemals die ״gute“ alte Sitte befolgt, der so viele Kongreßdelegierte huldigen, die an jedem Kongreß aufstehen und ihre — längst bekannte — Rolle hersagen, da sie sich vielmehr jederzeit auf die höchst konkrete Arbeit in den Kommissionen beschränkt hat, so ist sie dem Plenum des Kongresses immer etwas fern und fremd geblieben. Da sie ferner keine Veranlassung hatte, vor ein europäisches Zionistenpublikum zu treten, so ist sie diesem kaum mehr als ein Name und ein Begriff. Und dabei ist doch gerade diese Frau so voll von Lebendigkeit, von einer so originellen Kraft des Geistes und Charakters, daß jeder Zionist und jede Zionistin aus der Berührung mit dieser eigenartigen Persönlichkeit Impulse zu neuen Anschauungen und neuer Tätigkeit schöpfen könnte. Henrietta Szold entstammt einer ungarischen Familie, die wahrscheinlich — wie sie uns an einem Freitagabende in ihrem Jerusalemer Hause erzählte — aus Galizien nach Ungarn gekommen war. Als sie selbst noch sehr jung war, erhielt ihr Vater, der namhafte Gelehrte Benjamin Szold, eine ehrenvolle Berufung nach Baltimore. Als Leiter des Jüdischtheologischen Seminars hat er später, zusammen mit einer Anzahl jüngerer jüdischen Gelehrten, unter ihnen Alexander Kohut, dem Judentum in Amerika, das von einer flachen Reform bedroht wurde, geistige Vertiefung und Verankerung gegeben. Be! ihm drang Henrietta, die älteste seiner Töchter, so tief in die jüdische Wissenschaft ein, wie es nur wenigen Frauen vergönnt ist. Auf Grund ihrer in der Jugend erworbenen gründlichen Kenntnisse der hebräischen Sprache gelang es ihr später schnell, sich das moderne Hebräische der ■Umgangsspräche und des Schrifttums anzueignen. Daneben vertiefte sie das bereits in Europa erworbene allgemeine Wissen nach den verschiedensten Seiten hin. Wer Miß Szolds Deutsch und Englisch hört, spürt nach den ersten Sätzen, daß er es mit einer hochkultivierten, an der klassischen Literatur beider Sprachen geschulten Frau zu tun hat. In der äußerlich einfachen, von geistigem Leben innerlich reich bewegten Atmosphäre des jüdischen Gelehrtenhauses reifte sie zu einer vorwiegend wissenschaftlich gerichteten Persönlichkeit heran. Ihr jahrelang ausgefüllter Beruf als Lektorin der Jewish Publication Society entsprach vollkommen dieser Seite ihres Wesens. Nach langer innerer Entwicklung gelangte Henrietta Szold zum Zionismus. Aber in den Jahren, als sie sich der Bewegung anschloß, war die Zionistische Organisation ein sehr unansehnliches Gebilde, das im großen Strom des amerikanischen Lebens fast verschlungen wurde. Das Hauptquartier waren zwei düstere Bürostübchen im jüdischen Einwandererviertei, in denen Louis Lipsky mit einer Schreibmaschinistin und einem Botenjungen schaltete. Die Versammlungen, vorwiegend von frisch eingewanderten, der englischen Sprache noch nicht mächtigen Eiementen besucht, standen auf sehr niedriger Stufe. Die Redaktion des einzigen zionistischen Blättchens, ״Dos Jiddische Folk“, hauste in einem mit Papier vollgestopften Loch, das wie die Illustration zu einer Zangwillschen Ghettogeschichte wirkte. Henrietta Szold, deren kultivierte Geistigkeit in diesem Milieu keine Entfaltungsmöglichkeiten fand, war es Vorbehalten, den Zionismus in viel weitere Kreise hineinzutragen und der großen zionistischen Bewegung, die heute in allen Schichten des amerikanischen Judentums ihre Anhänger hat, den Weg zu bahnen. Ich lernte Henrietta Szold an dem denkwürdigen Tage vor 15 Jahren kennen, als die ״Hadassah“ gegründet wurde. Zuerst in der kleinen, bei puritanischer Einfachheit anheimelnden Wohnung, der ihre längst verwitwete Mutter, der ausgesprochene Typus der frommen jüdischen Großmutter, Wohnlichkeit und Traulichkeit gab. Am Abend in der konstituierenden Vcrsammlung, die ganz anders auf mich wirkte als alles was ich bisher von zionistischen Versammlungen in Amerika gesehen hatte, ernst, sachlich, auf einem — ich möchte sagen ״gebildeten“ — Niveau, besucht von Frauen der verschiedensten Gesellschafts- und Bildungskreise. Als Kuriosum möchte ich erwähnen, daß ich junges Mädel, von Miß Szold selbst dringend hierzu ermutigt, in dieser Versammlung aufstand und — ahnungslos, zu welcher Riesengröße sich diese kleine, eben geborene ״Hadassah“ später auswachsen sollte — mein Befremden darüber aussprach, daß sich diese amerikanische Frauengesellschaft ganz selbständig organisieren wollte, anstatt Anschluß an den Kulturverband zu suchen. Vom ersten Moment ab hatte ich einen tiefen Eindruck von Henrietta Szold erhalten; den Jahren nach schon damals nicht mehr jung und den Regeln der Schönheit nach nicht eigentlich schön, war ihre Gestalt, ihr Gesicht, ihre Art zu sprechen von einer geradezu jugendlichen Anmut erfüllt. Dabei war alles an und in ihr von solcher Kraft des Geistes und Willens durchdrungen, daß ihr ganzer Kreis — einschließlich Schwestern und Verwandten — sich willig ihrer Führung überließ. Ich habe oft, wenn ich Henrietta Szold in Amerika, Palästina und Europa traf, über die Quelle ihres dominierenden Einflusses auf Mensehen — Frauen und Männer — nachgedacht und bin zu der Ueberzeugung gelangt, daß er nicht nur auf ihrer ungewöhnliehen geistigen Begabung, sondern mindestens ebensosehr auf ihrer absoluten Hingabe an die von ihr vertretenen Ideen, auf dem Verzicht jeglichen persönlichen Lebens zugunsten der von ihr vertretenen Sache beruht. Henrietta Szold lebt ein Leben härtester Arbeit und äußersten Verzichtes auf jede Bequemlichkeit und jeden Luxus. Wenn ich sie in Jerusalem, wo ihr Häuschen dem meinen so nahe lag, daß ich — absichtlich oder unabsichtlich — einen Einblick in ihr Leben gewinnen mußte, jeden Morgen punkt 1/28 Uhr das Haus verlassen und mit ihrem beflügelten Gang, dessen Jugendlichkeit sogar unseren Kindern auffiel, mit schwerer Aktenmappe an die Arbeit gehen sah, so wußte ich, daß ihre einzige Nahrung bis dahin nur in einem Glas Wasser und einem Apfel bestanden hatte (schon oft hat sie uns andere bemitleidet, die in ihrem Tagesbeginn von der Frühstücksstunde in Privathäusern oder Hotels abhängig sind). Wann sie den Inhalt der schweren Mappe durchgearbeitet hatte, wußten wir auch — brannte doch, wenn man einmal spät in der Nacht an ihrem Hause vorbeikam, noch die Lampe an ihrem Arbeitstisch. Den moralischen Wert ihrer bei aller Würdigkeit äußerst schmucklosen Kleidung und ihres ganzen einfachen Auftretens versteht man erst dann ganz, wenn man sich klarmacht, daß ihre propagandistische und organisatorische Arbeit sie auch in alle diejenigen amerikanischen Kreise führt, die gewöhnt sind, den Menschen nach seinem Dollarwert abzuschätzen — Kreise, die zu einem großen Teile gerade durch diese schlicht auftretende Frau für den Zionismus gewonnen wurden. Ihre geistige Stärke beruht nicht allein auf der Großzügigkeit ihrer Pläne und der Wege zu deren Durchführung, sondern in mindestens gleich hohem Maße auf der Beherrschung und Durcharbeitung jedes kleinsten Details. Sie hat jede Zahl und jedes Datum, die zu ihrer Arbeit in irgendeiner Beziehung stehen, im Kopfe, erinnert sich aufs genaueste an Ereignisse und Gespräche, die Jahrzehnte zurückliegen, überblickt in jeder Minute jedes Rädchen der großen ״Hadassah“-Maschine. Diese Beziehung zum kleinen und kleinsten gibt ihrer Arbeit etwas berufsmäßig Sachliches, steht im Gegensatz zu dem häufig Impressionistischen jüdischen Arbeitens, das leicht in Dilettantismus ausartet und ist wohl das tiefste Geheimnis ihrer großen organisatorischen Erfolge. Mitreißen konnte wohl ihre Ideenkraft und ihre Gabe des klaren und geistreichen Redens — halten konnte gerade die Kreise, aus denen die ״Hadassah“ sich aufbaut, nur eine Sachlichkeit, die in der zionistischen Arbeit nicht eine Nebenbeschäftigung, sondern einen Beruf sieht. Als einen Beruf, den man ausfüllen muß wie einen Erwerbsberuf, hat sie den Frauen der ״Hadassah“ ihre Arbeit für die gemeinsame Sache aufgegeben — und darauf beruht die Kraft und Disziplin dieser streng geformten Organisation. Die Wichtigkeit, die sie selbst der Durchführung jeder einzelnen Detailarbeit beimißt, gleichviel ob es Schekelsammeln oder Ausbildüng der Rednergabe, ob es Pressedienst oder Erlernung parlamentarischer Formen ist, ob Nähen von Kinderwäsche oder Veranstaltung von Versammlungen — jede einzelne Arbeit, der ״Hadassal1“-Frauen sich widmen, wird von ihr zu einem wichtigen Faktor im Gesamtwerk gemacht, und das Ergebnis ist, daß alle die ״Hadassah“-F!auen, die wir im Laufe der letzten Jahre in Palästina trafen, wie gründlich durchgebildete Fachmenschen wirken. Henrietta Szolds eigenes Fach ist der Ausbau und Instand- Haltung der ganzen ״Hadassah“-Maschine, deren Größe einer Schwächeren als sie ist, wohl längst über den Kopf gewachsen wäre. Dieses Werk erfordert auch eine Verteidigung des von ihr Geschaffenen nach vielen Seiten hin, und dieser ständigp Kampf mit vielen Fronten, in dem sie nun seit Jahren steht, hat sie härter und schroffer gemacht als der auf dem Grunde ihres Wesens liegenden Anmut entspricht. Die ungeheure Sachlichkeit ihrer Facharbeit hat sie letzthin auch ein wenig in Gefahr gebracht, ihr Einzelwerk auf Kosten des dimensionalen Verhältnisses zur gesamten Zionistischen Organisation auszubilden. Ihr Eintritt in die Exekutive gibt ihr nun die Möglichkeit, eine harmonische Eingliederung der Teile in das Ganze zu finden. Möge der Eintritt dieser Frau, die ungewöhnliche Eigenschäften besitzen mußte, um sich zu dieser höchsten Stelle im zionistischen Leben als Frau durchzuringen, für unsere Arbeit von Segen sein. Wir, die sie näher kennen, erwarten von der Sechsundsechzigjährigen, die seit Jahren auf Schiffen und Eisenbahnen lebt, bald in Amerika, bald in Palästina, bald in Europa, die noch eben in Basel Dutzende von Malen — unter Ver- Schmähung des Fahrstuhls — die Treppen zu ihrem Hotelzimmer leichtfüßig herauf- und herunterlief, daß das besondere Gepräge, das sie der Palästina-Exekutive geben soll, in einer Durchdringung mit jugendlicher Tatkraft bestehen soll. i —“■יי■■“— j. Der Völkerbund und die jüdischen Fittchtlinge Genf, 11. September. (J.T.A.) Das Internationale Komitee der Gesellschaften zum Schutze der Auswanderer und Einwanderer begann in Genf unter dem Vorsitz von Albert Thomas, Direktor des Internationalen Arbeitsamtes des Völkerbundes, seine Tagung. Zunächst wurde die Lage der armenischen und der j ü d i - sehen Flüchtlinge erörtert. Hierauf behandelte das Komitee die Frage der Ausdehnung des Völkerbundschutzes auf die Staatenlosen in allen Ländern Europas. Von jüdischer Seite wohnen der Tagung u. a. Herr Lucien Wolt im Namen der Anglo-Jewish Association und der Alliance Israelite Universeile und Herr Z. Aberson im Namen des Council on the Rights of the Jewish Minorities und der Vereinigten Emigrationsgesellschaften bei. Herr Aberson erstattete au? der Tagung Bericht über die Rechtslage der Staatenlosen. Großfeaer in Haifa In der Nacht zum 15. September brach in den Magazinen der Eisenbahnstation Haifa ein Feuer aus, dem Frachtgüter und Anlagen der Palästina- und Hedschasbahn im Werte von £ 25 000 zum Opfer fielen. Die Annahme, daß es sich um Brandstiftung handle, fand trotz gründlicher polizeilicher Untersuchung keine Bestätigung. Barlassina ein Freund des Judentums? Jerusalem, 15. September. (J.T. A) Der lateinische Patriarch Barlassina empfing den Herausgeber des ״Doa r Hajo m“, E1 m a 1 a h , und erklärte ihm gegenüber, er nehme eine durchaus freundschaftliche Stellung zum Judentum ein. An den Behauptungen, er sei ein Antizionist oder gar Antisemit, sei kein wahres Wort. Welttapng des ״Hechaiuz“ und ״Hascbomer Hazalr“ Danzig, 16. September. (J.T. A.) Am Donnerstag, den 15. September, wurde in Danzig die Konferenz des Weltverbandes ״H e c h a 1 u z“ in Anwesenheit von 25 Delegierten aus 10 Ländern und zahlreichen Gästen eröffnet. Die Eröffnungsansprache hielt Herr Do bk in im Namen der Weltzentrale. In das Präsidium wurden sodann gewählt: Schechter (Rumänien), Süßkind (Palästina), Braginski (Polen). Dobkin referierte über die gegenwärtige Lage des Weltverbandes. Gleichfalls am 15. September begann in Danzig die zweite Weltkonferenz des nationaljüdischen Jugendverbandes ״Haschomer Ha za'ir“ unter Beteiligung von Vertretern aus 15 Landesorganisationen, die zusammen 35000 Jugendliche zählen. Die Konferenz befaßt sich mit den Grundfragen der Schomer-Erziehung und mit der Stellung des Haschomer Hazai'r zur zionistischen Bewegung im allgemeinen und zur Arbeitsbewegung in Palästina im besonderen. Moskau, 15. September. (J.T.A.) Das Hauptbüro des Agrojoint in Moskau erhielt ein Telegramm von seinem Vertreter in der Krim, demzufolge das Erdbeben, von welchem in der vergangenen Woche die südliche Ukraine und die Krim betroffen worden sind, in den jüdischen Kolonien keinerlei Schaden angerichtet hat

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