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Jüdische Rundschau · 1927-09-20 · Heft 75 (20.9.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 75 (20.9.1927)
Date
1927-09-20
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 540 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 75, 20. IX. 1327 beitsleistungert soll man nichts ein wenden. Man soll kontrollieren, aber die Arbeit nicht lähmen. Nun zur Beschaffung der Mittel. Wir haben unsere Zentrale in Jerusalem und müssen die Mittel aus 56 Ländern der Welt beschaffen. In jedem Land sind andere Menschen und andere Verhältnisse. Unsere Einkünfte in den letzten Jahren betrugen £ 281 000 gegen nur £ 70000 vor fünf Jahren, haben sich also in dieser Zeit mehr als vervierfacht. Für das letzte Jahr haben wir etwas kleinere Eingänge befürchtet, aber nach unseren letzten Berichten sind wir sicher, daß die früheren Eingänge erreicht, vielleicht sogar etwas werden übertroffen werden. Ich will jetzt noch einige Worte über das Verhältnis zwischen Keren Kajemeth und Keren Hajessod sagen. Ich bin sicher, daß sich diese Beziehungen ständig verbessern werden. Schon nach der Uebersiedlung des Büros des Keren Hajessod nach Jerusalem sind einige Schritte zur Vereinheitlichung der Arbeit geschehen, so bezüglich der Propaganda und der Entsendung von Menschen in verschiedene Länder. Es geht wohl nicht rasch, man muß vorsichtig sein, aber es geht vorwärts. Wir müssen sparen, und eine Vcreinheitlichung ist gesund für beide Fonds. Es ist meine volle Ueberzeugung, daß eine gute Propaganda des Keren Kajemeth dem Keren Hajessod nützt und umgekehrt. In Kanada hatten wir einen großen Erfolg. Dort gibt es nur eine kleine Anzahl von Juden, 120 000 Seelen. Und es gibt dort keine jüdischen Millionäre. Und doch ist: es dem Direktorium des Keren Kajemeth in kurzer Zeit gelungen, dort eine große Verpflichtung zu einer Summe von einer Million Dollar zu erreichen, wovon bereits 300000 Dollar eingezahlt worden sind. Es wird möglich sein, mit diesem Betrage 50 000 Dunam Boden für das jüdische Volk auszulösen. Ich hoffe, daß wir bald die Möglichkeit haben werden, Ihnen mitzuteilen, daß der E r we rbdesBodensbereits erfolgt ist. Diese Leistung der kanadischen Zionisten ist an sieh sehr wichtig, aber sie ist noch viel wichtiger, wenn man sie nicht als Episode betrachtet, sondern als den Anfang eines Systems. Wir haben heute im Direktorium des K. K. L. beschlossen, die kanadischen Zionisten ins Goldene Buch einzutragen, und zwar als die ersten des vierten Buches. Ich glaube das Recht zu haben, dem Präsidium des Kongresses vorzuschlagen, einen Dank des Kongresses an die kanadische Föderation zu senden. Die deotsche Delegation des linken Zentrums beim XV. Kongreß Der Vorsitzende der deutschen Delegation, Kurt Blumenf e 1 d, der vor und während der ersten Kongreßtage auch der Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Linkes Zentrum beim Kongreß war, legte nach seiner Wahl zum Vorsitzenden des Permanenzausschusses die Leitung des Linken Zentrums nieder. An seine Stelle trat Dr. Martin Rosenblüth, der gleichzeitig Mitglied der finanzpolitischen Kommission und Stellvertreter im Permanenzausschuß war. Unter seiner Leitung fand eine ganze Reihe von Sitzungen des Linken Zentrums statt, das insgesamt zirka 40 stimmberechtigte Mitglieder umfaßte. Neben der deutschen und tschechischen Delegation, die zunächst den Kern des Linken Zentrums bildete, erklärten die Delegationen von Rumänien (10 Delegierte), Bulgarien (3 Delegierte), sowie fast alle Vertreter der kleinen Landsmannschaften (Oesterreich, Skandinavien, Schweiz, Strasbourg usw.) ihren Beitritt zum Linken Zentrum. Die Delegation von Jugoslawien trat dem Linken Zentrum nicht bei, arbeitete aber im engen Kontakt mit ihm. Dr. M. Bileski gehörte dem politischen Ausschuß an und wurde in die Subkommission gewählt, die mit der Ausarbeitung der Resolutionen betraut war. Dr. Landsberg arbeitete im Organisationsausschuß und war dann im Plenum des Kongresses der Referent für eine ganze Reihe von Minderheitsanträgen. Herr F e u e r r i n g, der in der Budgetkommission arbeitete, wurde von dieser Kommission zum Berichterstatter für das Plenum gewählt. Dr. Hugo Schachtel vertrat die deutsche Delegation des Linken Zentrums im Kolonisationsausschuß, dem ferner Dr. Wilhelm Brünn als Sachverständiger für landwirtschaftliche Kolonisation und Dipl.-lng. Grünst ein, Frankfurt a. M., als Sachverständiger für städtisehe Kolonisation angehörten. In der Immigrationskommission war das Berliner Palästinaamt durch Herrn Dr. Eli Ascher vertreten. Herr S. Schocken nahm in seiner Eigenschaft als Mitglied des Finanz- und Wirtschaftsrates an den Arbeiten verschiedener Kommissionen regen Anteil. Die Arteitslosenlürsorge in Palästina Jerusalem, 15. September. (J.'i.A.) In Haifa und in T i b e r i a s wurde bereits die Auszahlung der Arbeitslosen- Unterstützung eingestellt, gleichzeitig wurde mit der Durchführung von Notstandsarbeiten zwecks Beschäftigung der Arbeitslosen begonnen. In Emek Jesreel und in Galiläa werden 260 Arbeiter im Baufach, im Kischontal 300 Arbeiter bei Drainagearbeiten beschäftigt, 150 Arbeiter führen in N u r i s und 100 Arbeiter in N a h a 1 a 1 Bewässerungsarbeiten durch. Auf Grund eines Vertrages zwischen dem Arbeiterrat von Tiberias und der Regierung sind jetzt 80 jüdische Arbeiter bei der Ausbesserung der Semach- Landstraße beschäftigt. Mehrere jüdische Zinuncrleute haben mit der Regierung einen Vcrtrag über den Wiederaufbau von 60 durch das Erdbeben zerstörten Häusern in Nablus abgeschlossen. Die Mawromatis-Konzessioaea wieder vor Gericht Haag, 11. September. (J.T.A.) Am 8. September begann vor dem Haager Internationalen Gerichtshof die Ver- Handlung über die Klage der griechischen Regierung gegen die britische Regierung auf Schadenersatz an den Griechen M a w r o m a t i s für die Entziehung der ihm vor dem Kriege von der türkischen Regierung erteilten Konzessionen betreffend Licht - und Verkehrsanlagen inj erusalem. Schon im März 1025 fällte der Haager Gerichtshof ein Urteil zugunsten von Mawromatis, worauf die britische Regierung Verhandlungen wegen Erneuerung der Konzessionen führte. Es scheint aber, daß Mawromatis gar nicht in der Lage ist, die Konzessionen auszunutzen, und die Palästina-Regierung deswegen keine Verträge mit ihm abschloß. Der Haager Gerichtshof soll nun über das Recht von Mawromatis, eine Entschädigung zu verlangen, ein Urteil fällen. Der Keren Hajessod Referat Dr. Hontkes in Basel Der Keren Hajessod steht im siebenten Jahre seiner Ent* Wicklung. Diese Entwicklung war weit regelmäßiger, als Freunde und Gegner erwartet haben. Der wachsenden Erkenntnis von der Bedeutung des Fonds entspricht auch eine langsame Steigerung seiner Einnahmen. In den letzten zwei Jahren hat der Keren Hajessod Bruttoeinnahmen von gegen £ 800 000 gehabt, d. s. etwa % der öffentlichen Gelder, die für jüdische Aufbauzwecke nacn Palästina strömen, und etwa 250 000 Beitragende, von denen die Hälfte organisierte Zionisten sind. Der Durchschnittsbetrag der Zahlungen beträgt über .£ 3 pro Jahr. Wenn man die russische Judenheit, die an der Mitarbeit behindert ist, außer Betracht läßt, so gibt jede jüdische Familie durchschnittlich jährlich 10 Schillings für K. H. und K. K. L., wovon 7 Schilling, also gegen zwei Drittel, auf den K. H. entfallen. Diese Zahlen lassen sich von verschiedenen Standpunkten aus betrachten. Von der Kritik wird mit Recht hervorgehoben, daß von 2,5 Millionen jüdischer Familienväter — immer abfesehen von Rußland — nur etwa der zehnte Teil bisher an en K. H. zahlt und daß £ 3 jährlich pro Zahler im Ausgabenbudget des Gebers meist nur einen verhältnismäßig geringen Betrag ausmachen. Der Kritiker wird an die Zahl von 25 Will. Pfund erinnern, von denen der ungezügelte Optimismus der ersten Nachkriegszeit sprach, und von denen erst etwas über 3 Millionen Pfund dem K. H. zugeführt worden sind. Wer an der Arbeit für den Keren Hajessod teilgenommen hat, der weiß, welche ungeheure Arbeit im K. H. steckt. Der Keren Hajessod ist eine der größten Sammlungen, die seit historischen Zeiten im jüdischen Volke durchgeführt worden sind. Sie hat nur ein Gegenstück in den Sammlungen des Joint in New York. In den sieben Jahren ist es gelungen, jede zehnte Familie zur Beteiligung ain K. H. zu veranlassen und es wird uns gewiß gelingen, diese Zahl erheblich zu vergrößern. Aber selbst bei absoluter Einigkeit des jüdischen Volkes in der Palästinafrage wird cs technisch und wirtschaftlich unmöglich sein, alle oder auch nur die Mehrheit dieser Familien zu regelmäßigen Beiträgen zu veranlassen. Selbst der moderne Staat hat nur in ganz vereinzelten Fällen versucht, die Masse der Unbemittelten zur Steuerleistung heranzuziehen. Aber gerade, wenn wir von Phantastereien absehen und uns auf den Boden realer Tatsachen stelle«, können wir mit einem Gefühl der Sicherheit der Zukunft entgegensehen und von den nächsten sieben Jahren des Keren Hajessod eine weitere Ausnutzung seiner Möglichkeiten erwarten. Die Tribüne des Kongresses ist der Ort, von dem aus vor allem hervorgehoben werden mag, welche Bedeutung der Keren Hajessod für die Erweiterung des Aktionsradius der zionistischen Bewegung bereits jetzt gewonnen hat. 125000 K. H.-Zahler, die nicht der zionistischen Bewegung angehören, bedeuten eine Verdoppelung der finanziellen Kräfte der organisierten Palästinabewegung. Der Versuch, die propalästinensisch gestimmte Judenheit zu positiven Leistungen für Palästina heranzuziehen, obwohl diese Elemente nicht bereit sind, in die Zionistische Organisation einzutreten, ist gelungen. Die Komitees des Keren Hajessod, soweit sie schon fetzt Zionisten und Nichtzionisten zur Arbeit für den Palästinaaufbau vereinigen, sind Gremien, die für den Aufbau der Jewish Agency in weitgehendem Maße verwendet werden sollen. Was den Keren Hajessod von anderen Sammlungen unterscheidet, ist die Idee der Steuer. Das auf Palästina konzentrierte nationale Gefühl des jüdischen Volkes mußte erst wieder erwachen, ehe man wieder einmal an eine neue Steuerforderung denken konnte. Steuerzahlung für den K. H. bedeutet Steuerzahlung für den Palästina-Aufbau, bedeutet Zusammenschluß des Volkes für den Aufbau des nationalen Heims in Erez-Israel. In dieser Konzentration auf den allgemein verständlichen und populären Begriff des nationalen Heims in Palästina liegt ein gesunder Kern. Für lange Zeit wird die Zionistische Organisation mit ihrer synthetischen Auffassung der Bewegung und ihren weitgesteckten Zielen im Kampf stehen. In immer steigendem Maße aber wird es elingen, die konkrete Aufgabe des Aufbaus Palästinas aus iesem Kampf der Meinungen herauszunehmen und zu neutralisieren. Der so viel gescholtene ״neutrale Charakter des Keren Hajessod“ liegt nicht darin, daß der K. H. in seiner Propaganda oder gar in der Arbeit in Palästina jüdisch-politische, oder nationale Momente verleugnet, die Neutraiität bedeutet vielmehr frei sein vom innerjüdisehen Parteikampf, Neutralität in der inneren Politik, Abstinenz von jeder Galuthpolitik und Arbeit inPalästina auf der allgemeinen Grundlage der Balfour-Deklaration. ln diesem Rahmen kann heute der K. H. weite Kreise des jüdischen Volkes einigen. Ein jedes Volk steht dauernd in Widerstreit der einigenden und trennenden Kräfte. Normal geschichtete und normal wohnende Völker haben sich im Staat einen Zwangsapparat geschaffen, der diesen inneren Widerstand kontrolliert und ausgleicht. Schwierig wird die Lage eines solchen Volkes erst, wenn sein Staat in Gefahr kommt, auseinanderzubrechen. Wir Juden sind nicht in dieser Lage. Der Streit in unserer Oeffentlichkeit ist hemmungsloser, immer sind wir in Gefahr, daß die innerjüdischen Diskussionen zu einer dauernden Schädigung des Volkes durch Abfall führen. Im jüdischen Volke ist es also mehr als anderswo notwendig, den Widerstreit der einigenden und trennenden Kräfte zu beeinflussen. Wenn es dem Keren Hajessod gelingt, eine steigende Zahl von Juden zu Steuerzahlern für den Palästinaaufbau zu einigen, so leistet er damit ein außerordentlich wichtiges Stück nationaler Erziehung. Die Kritik am Aufbau Palästinas muß von Jahr zu Jahr stärker werden, denn von Jahr zu Jahr steigt die Zahl der Juden, die ihr Schicksal mit Palästina verbunden haben. Der Kreis der direkt an Palästina Interessierten wächst damit. Die Kenntnis der palästinensisch-jüdischen Verhältnisse wird durch die Presse, durch Briefe in die weitesten Kreise unseres Volkes getragen. Um so stärker muß die Kritik an den Einzelheiten des Aufbaus werden, namentlich da dieser Aufbau doch immer wieder abhängig ist von den prinzipiellen und theoretischen Einstellungen der Menschen — und es ist schwer, zu einem Kereii Hajessod, der der finanzielle Träger dieses Aufbans ist, zu steuern, obwohl man soviel Kritik nört und selbst soviel zu kritisieren hat. Wenn es trotzdem gelingt, so viele Menschen zu überzeugen, daß sie diesen Aufbau mit allen seinen Fehlern und Unzulänglichkeiten bejahen und ihm erhebliehe Geldbeträge zuwenaen, so bedeutet diese Arbeit, diese Durchsetzung der Steuerpflicht einen wichtigen Teil der nationalen Erziehung, die unsere Generation zu leisten hat. Es ist eine Aufgabe, schwer genug, als daß wir sie unnötigerweise mit zu starkem Gepäck belasten sollten. So sehr wir aber bemüht sein sollen, den neutralen Charakter .des Keren Hajessod aufrechtzuerhalten, so wenig dürfen wir vergessen, daß der Keren Hajessod als das stärkste Finanziiistrument des Palästinaaufbaus ganz besondere Forderungen zu erheben hat gegen diejenigen Juden, welche sich Zionisten nennen und in der Oeffentlichkeit die Repräsentanten des Palästinaaufbaus in seiner stärksten Potenz darzustellen haben. Ein Charakteristikum des Zionismus ist der Anspruch, in jüdischen Dingen führend aufzutreten und insbesondere in allen Fragen Palästinas die Entscheidung zu geben.!Wir haben aber nicht das Recht der Bestimmung, wenn wir nicht die Pflicht erfüllen, die uns zu solcher Stellungnahme erst berechtigt. Die Gesamtheit der Zionisten — wir müssen es von dieser Tribüne aus sagen — hat ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod bisher noch nicht voll erfüllt. Wir sprechen nicht von den vielen traurigen Fällen, in denen wirtschaftliche Verhältnisse es dem einzelnen Zionisten unmöglich machen, seine Palästinasteuer zu zahlen. Es handelt sich um die vielen anderen Fälle, in denen aktive Zionisten, sogar Männer, welche führend in der zionistischen Oeffentlichkeit stehen, es nicht verstehen, daß die Zahlung der festen Steuer für Palästina eine der moralischen Klammern ist, die das schwankende Gebäude des jüdischen Volkslebens zusammenhalten. In der Hitze der ersten Begeisterung sprachen wir vom M a a s s e r. In Ländern, in denen man den Begriff ernst nahm, setzte man diesen Maasser mit 2 bis 5 °/0 des Einkommens fest. Das ist heute der Maasser, von dem wir sprechen. Es genügt festzustellen, daß mehr als 1000 Menschen diesen Maasser ernst zahlen. Damit hat auch diese Idee ihren Eingang in das jüdische Leben gefunden. Mit jedem Jahre wachsen mehr junge Mensehen heran, die die Idee der Maasserzahlung von Jugend an in sich aufnehmen. Wir wissen, daß die Idee des Maasser reif wird. Sie wird in weitere Kreise dringen. Wir haben aber die Aufgabe, diesen Prozeß zu beschleunigen. Wir glauben feststellen zu können, daß die Uebersiedlung der Leitung des Keren Hajessod von London nach Jerusalem gelungen ist. Möglich geworden ist diese Uebersiedlung ohne Beeinträchtigung der Einnahmen und ohne eine auch nur vorübergehende Stockung in der Arbeit, weil diese Arbeit seit der Gründung des Fonds auf gesunden Grundlagen auf gebaut war. Wir sind mit dem, was erreicht ist, nicht zufrieden. Aber eines kann doch gesagt werden: Objektiv gesehen gegenüber dem, was vor uns war, gemessen an den Leistungen der nichtzionistischen Judenheit und der jüdischen Vergangenheit im allgemeinen, ist das, was in diesen sechs bis sieben Jahren erreicht worden ist, doch eine respektable Leistung. Die Bedeutung der Leistung besteht nicht so sehr darin, daß der Keren Hajessod in dieser Zeit nach Abzug aller Unkosten 3 Millionen Pfund nach Palästina überwiesen hat, sondern daß wir in einem so großen Teil des jüdischen Volkes das Gefühl der Verpfiichtung zur Steuerleistung erweckt, aufrechterhalten und vertieft haben. Dieses Resultat konnte nur dadurch erzielt werden, daß an der Spitze der Delegierten des Keren Hajessod die Präsidenten der Bewegung und der Exekutive standen und stehen, daß unsere Delegierten nicht nur als Geldsammler in die Länder kommen, sondern alsTrägerjüdischerFordernngen, als Förderer jüdischen Geisteslebens, als Boten eines neuen und starken Palästina, und daß die leitenden Beamten des Keren Hajessod in den einzelnen Ländern es verstanden haben, einen hohen Stand der Arbeit zu schaffen und aufrechtzuerhalten. Das hat dazu geführt, daß heute in einem großen Teil der Länder Menschen von hohem moralischen Niveau, von starker Geistespotenz und von weitreichender Autorität im allgemeinen jüdischen Leben in den Kuratorien und Komitees des Keren Hajessod sitzen und sich an der Arbeit des Keren Hajessod beteiligen. Palästina tritt in ein neues schweres Jahr. Um so stärker empfindet der Keren Hajessod die Verpflichtung, die Einnahmen zu erhöhen. Wir haben unseren Budget- Schätzungen natürlich solche Ziffern zugrunde gelegt, von denen wir mit weitgehender Wahrscheinlichkeit, wenn nicht mit ziemlicher Sicherheit annehmen können, daß sie wirklich erreicht werden. Sie bedeuten aber nicht das Maximum des Möglichen. Sie bedeuten nicht die Erfüllung der jüdischen Steuerpflicht gegenüber Palästina in den kommenden schweren Jahren. Es ist für die Verwaltung des Keren Hajessod klar, daß mit der steigenden Entwicklung Palästinas die Zahl der palästinensischen Finanzinstitute wachsen muß. Manche von ihnen können nicht ohne den Keren Hajessod geschaffen werden. Wir haben vor einigen Jahren die erste Hypothekenbank Palästinas gegründet, was mit außerordentlichen Schwierigkeiten juristischer und ökonomischer Art verbunden war, die erst durch mehrjährige Anstrengungen überwunden werden konnten. Es besteht ferner der Plan, ein Institut für Industrie- Kredite zu schaffen. Auch dieses Institut soll aus Mitteln des Keren Hajessod gegründet werden. Wir hoffen, daß es, sobald es seine ersten Kinderkrankheiten überstanden haben wird, auch Privatkapital anziehen und an die Anlage in der Industrie Palästinas gewöhnen wird. Wir sind uns bewußt, daß über diese Aufgaben hinaus vor uns die Schaffung eines landwirtschaftlichen Kredit- Institutes steht, das wird eine Aufgabe sein, die über die eben genannten an Bedeutung weit hinausgeht. Dieses Institut wird der Keren Hajessod aus seinen laufenden Mitteln nicht schaffen können. Hier wird es notwendig sein, an die Oeffentlichkeit zu appellieren, wie es einmal bei der Jüdischen Kolonialbank geschehen ist. Aber auch hier wird der Keren Hajessod mit seinem Apparat, mit seinen Erfahrungen die notwendige Grundlage für die Durchführung der Propaganda und für die erste organisatorische Einrichtung geben können. Die Gründling dieser Institute ist um so wichtiger, als die Finanzpolitik des Keren Hajessod eine außerordentlich vorsichtige sein muß, als der Keren Hajessod mit großer Sorgfalt darauf achten muß, daß seine finanziellen Mittel nicht überanstrengt werden. Der Keren Hajessod hat in den letzten zwei Jahren der zionistischen Exekutive eine Reihe nicht unbeträchtlicher Vorschüsse gegeben, um eine beschleunigte Durchführung der Arbeit, insbesondere der!andwirtschaftlichen Kolonisation, zu ermöglichen. Vorschüsse bedeuten aber eine Vorwegnalime der Einnahmen späterer Jahre. Hier erhebt sich bald eine Grenze. Vielfach wird der Gedanke einer Anleihe erörtert. Eine solche liegt durchaus im Bereiche des Möglichen. Voraussetzung ist aber, daß Zinsen und Amortisationen aus Erträgnissen wirtschaftlicher Anlagen gedeckt werden können. Wir müssen zunächst die Verträge mit den Siedlern in unseren landwirtschaftlichen Kolonien ordnen. Diese Verträge sind bisher nicht vereinbart und nicht unterschrieben. Der Keren Hajessod hat aus allen seinen Investitionen in der landwirtschaftlichen Kolonisation bisher weder Einnahmen noch gesicherte Rechtstitel. Auch aus anderen Immobilien, die der Keren Hajessod besitzt, und die er der Exekutive zur Benutzung überlassen hat, werden die Mieten bisher nicht bezahlt. Eine weitere Voraussetzung für eine Anleihe ist eine weitgehende Verwendung der Keren Hajessod-Gelder im Palästina-Budget für I n ve s t i m e 111 s, d. h. daß der Keren Hajessod als Entgelt für die Zahlung positive Werte erhält, die wieder dem Nationalvermögen zugeführt werden. Der Keren Hajessod ist heute das vornehmste Finanz- Instrument des jüdischen Palästina-Aufbaus. Je stürmischer die Ausgestaltung des nationalen Heims vor sich gehen wird, desto stärker wird das Bedürfnis nach einer weiteren Mannig- Fähigkeit der Formen werden. Das Direktorium des Keren Hajessod wird diese Entwicklung genau beobachten und, soweit seine Kräfte reichen, initiativ Vorgehen. Der Keren Hajessod hat nach unserer Empfindung große Möglichkeiten der Ausdehnung. Von der Entschlußkraft der Führer des Zionismus in jeder Stadt, in jedem Lande hängt das Ergebnis ab. Setzen Sie die Autorität des Kongresses, setzen Sie Ihre eigene Autorität ein. Dann führen wir alle in emeinsamer Anstrengung den Keren Hajessod zu neuen rfolgen, dann bauen wir das Haus des jüdischen Volkes in Palästina.

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