Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 75 (20.9.1927)
- Date
- 1927-09-20
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W 15, Meinekeitrafie 10. Erscheint jeden Dienstag und Freitag, Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Auslandsabonoenieoi• werden in der Währung der einzelnen Länder berechnet, Nummer 75 | Berlin, 20« IX. 1927 Anzeigen - Verwaltung Jüdische Rundschau G, m. b. H«, Berlin W15, Meinelcestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. AnzeigenpreU! SgespaibNonparetllezeile 0,50 G.-M״ Stellengesuche 0,25 G.-M. AnzeißenichluB: Dienstag «cd Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165-70. Postscheckkonto: Berlin Mr. 17392 , Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei: Postsparkassenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen: Postsp&rkasienamt Warschau, Konto Nr. 190 7081 ׳ Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Der Zionismus erstrebt fOr das JOdlscbe Volk die Schaffung einer dffentllch - rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina. ״Baseler Programm.1« Für die Rosch Haschanah-Aktion des Keren Kajemeth Lejisrael Zionisten! . Eroberung palästinensischen Bodens für die jüdische Siedlung ist die historische Aufgabe des Keren Kajemeth. So umstritten alle anderen Fragen des Palästina-Aufbaus sein mögen, so unbestritten ist die grundlegende Bedeutung des Keren Kajemeth für das Gelingen unserer nationalen Kolonisation. Jede neue Entwicklungsperiode des Palästinawerks wird notwendig durch Arbeit des Keren Kajemeth eingeleitet. Landkäufe des Keren Kajemeth ermöglichten die Schaffung der ersten zionistischen Siedlungen. An der Gründung der Stadt Tel-Awiw hat der Keren Kajemeth wesentlichen Anteil. Die Emek-Kolonisatlon steht auf Boden des Keren Kajemeth. Der Keren Kajemeth hat Sümpfe getrocknet, Wüsten bewässert, kahle Berge aufgeforstet; er hat nicht nur Land erworben, sondern auch saniert und besiedlungafähig gemäht. Unsere wihtigsten Bildungsinstitutionen, u» a. die Hebräische Universität in Jerusalem und das Technikum in Haifa erheben sich auf Boden des Keren Kajemeth. Mit Recht betonte der Aufruf der Zionistischen Vereinigung für Deutschland, dem sih alle zionistischen Tarteien und Jugendgruppen anschlossen, anläßlich des Jubiläumsjahrs des Keren Kajemeth, daß die Geschichte des Keren Kajemeth die Geschichte des Palästina-Aufbaus sei. Der deutsche Zionismus ist sich seiner Verantwortung dem Keren Kajemeth und seiner dem alten jüdischen Bodengesetz ebenso wie den neuesten Forschungen der Wissenshaft entsprechenden Idee der Ueberführung palästinensischen Bodens in Gemeineigentum des jüdischen Volkes gegenüber voll bewußt. Wir wissen, daß der Bodenbesitz des Keren Kajemeth mit das wichtigste Aktivum in unseren Händen ist und daß jede Vergrößerung dieses Bodenbesitzes nicht nur die jüdische Stellung im Lande stärkt, sondern auh die Möglichkeit steigert, neue Mittel dem Aufbauwerk zur Verfügung zu stellen. Wir fordern unsere Freunde auf, die Rosch Haschanah-Aktion des Keren Kajemeth durch Spenden und Mitarbeit zum Erfolg m ״f0mn. Wenn unsere■ Gesinnungsgenossen, durchdrungen von der Wichtigkeit der Aufgabe, ihre zionistische Pflicht tun, so wird die Rosch Haschanah- Aktion des KKL. die zionistische Arbeit der neuen Kongreßperiode würdig einleiten. Zionistische Vereinigung für Deutschland Kurt Blumenfeld Dr. Martin Rosenblüth Landeskommission des Keren Kajemeth Dr. Alfred Schwarz Max Wolisteiner Kar! (יי- Aufruf deutscher Rabbiner für den Keren Kajemeth Lejisrael Deutsche Juden! Für Tausende von Juden ist Palästina, das Land, mit dem unsere Geschichte für immer eng verknüpft ist, auh ein Land der jüdischen Zukunft geworden. Viele haben ihre Heimatsländer verlassen und sind im Begriff unter Schwierigkeiten und Entbehrungen das Heilige Land wieder aufzubauen. Diese Arbeit bedarf der Unter- Stützung des gesamten Judentums. In Uebereinstimmung mit dem Beschluß des ״Allgemeinen Deutschen Rabbiner-Verbandes“ erklären wir es für eine heilige Pflicht aller Judeh, den Aufbau Palästinas tatkräftig zu unterstützen. Rosch Haschanah ist uns Anlaß, erneut auf diese heilige Aufgabe des Gesamtjudentums hinzuweisen und alle jüdischen Brüder aufzurufen, die Arbeit des Keren Kajemeth Lejisrael, die dem Bodenerwerb in Palästina dient, zu unterstützen. Rabbiner Dr. Felix Aber, Bremen; Dr. Augapfel, Insterburg; Dr. Baeck, Berlin; Dr, Bähr, Prenzlau; Dr. Baneth, Göthen; Dr. Bergmann, Berlin; Dr. Bleichrode, Berlin; Dr. Blum, Emden; Dr. Caro, Cöln; Dr. Chone, Konstanz; Dr. Emil Cohn, Berlin-Grunewald; Dr. Elk, Stettin; Dr. Eisass, Landsberg; Dr. Freier, Berlin-Herrcsdorf; Prof. Dr. Golmski, Beuthen; Dr. Grün, Frankfurt a. O.; Dr. Max Grünewald, Mannheim; Dr. Holzer, Hamburg; Dr. Hoff mann, Frankfurt a. O.; Dr. Jampel, Schwedt a. O.; Dr. Joseph, Stolp; Dr. Martin Joseph, Berlin; Dr. Kaatz, Hindenburg; Dr. Krakauer, Osnabrück; Dr. Krengel, Ratibor; Dr. Lauer, Mannheim; Dr. Alfred Levy, Bonn; Dr. Arthur Levy, Berlin; Dr. Emil Levy, Berlin; Dr. Harry Levy, Regensburg; Dr. Wilhelm Lewy, Berlin; Dr. Liebermann, Berlin; Dr. Lubasch, Hamburg; Dr. Melchior, Beuthen; Dr. Nobel, Berlin; Dr. Norden, Elberfeld; Prof. Dr. Perles, Königsberg i. Pr.; Dr. Prinz, Berlin; Dr. Rösel, Tilsit; Dr. Rülf, Bamberg; Dr. Schlesinger, Buchau; Dr. Schreiber, Potsdam; Dr. Max Schüftan, Erfurt; Dr. Simonsohn, Breslau; Dr. Viktor, Hindenbürg; Dr. Walter, Dessau; Dr. Warschauer, Berlin; Dr. Weisse, Berlin; Dr. Wiener, Berlin; Dr. Wilhelm, Braunschweig; Prof. Dr. Winter, Dresden; Dr. Ziemelt, Freiburg; Dr. Zlocisti, Offenburg. Der Bericht über den Keren Kajemeth Ussischkins Referat auf dem Kongreß Es wird sowohl von Juden wie von Nichtjuden, sowohl von unserer Leitung wie von der englischen Regierung anerkannt, daß die Basis Für den Aufbau Palästinas die Landwirtschaft ist. Ist diese Basis vorhanden, dann kommt alles andere von selbst. Ist aber die Landwirtschaft die Basis für den Aufbau des Landes, dann ist selbstverständlich der Boden die Basis für die Landwirtschaft. Die Basis des Bodens ist wiederum der Keren Kajemeth. Haben wir einen großen starken Keren Kajemeth, dann werden wir das Problem des Bodens lösen. i Nun glauben manche, daß die Lösung des Problems des Bodens nicht im Keren Kajemeth, sondern in den Böden der Regierung läge. Eine zweite Anschauung erblickt die Lösung des Problems in der Privatinitiative, in privatem Kauf von Boden. Dazu muß gesagt werden, daß bis heute alle Versprechungen der Regierung in der Frage des Bodens absolut keine positiven Resultate ergeben haben. Und ich bin nicht optimistisch genug zu hoffen, daß wir in der nächsten Zeit etwas Entscheidendes in dieser Frage erleben werden. Diejenigen, die die Lösung des Problems von der privaten Initiative erwarten,' konnten in den letzten zwei Jahren erkennen, wie sehr sie sich irren. Aus der Erwartung der letzten zwei Jahre, daß große Bodenkäufe von Privaten unter Ansiedlung von Privatleuten erfolgen werden, rührt zum großen Teile die schwierige Lage im Lande her. Die reichsten unter denen, die ans Amerika! gekommen sind, haben hinterher Verhandlungen mit dem Keren' Kajemeth geführt, damit dieser das Erbe ihrer Böden antrete. 1 Das beweist, daß * die Hoffnungen der jüdischen Welt auf Boden ln Palästina unlösbar mit dem einzigen Institut des nationalen Bodens, dem Keren Kajemeth, verbunden sind. Alles andere ist nur ein kleiner Beitrag zu dieser zentralen Arbeit. Wenn wir nun sehen, daß unser Keren Kajemeth, wie er sich ln des׳ letzten zwei Jahren entwickelt hat, nicht imstande war, auch nur den Anfang dieses Bodenproblems in entscheidender Weise zu lösen, dann ist es die Pflicht des Kongresses, der Leitung, des A.-C. und aller unserer Faktoren, darüber nachzudenken und sich in dieses Problem zu vertiefen. Ein weiteres wichtiges Moment ist die Frage der Bodenreserve. Viele einflußreiche Persönlichkeiten unter uns sind große Anhänger der Landwirtschaft, hegen aber die Meinung, daß der Kauf des Bodens mit seiner sofortigen Kolonis i e r u n g verbunden sein müsse. Wenn wir keine Mittel haben, sofort zu kolonisieren, dann, glauben Sie, brauchen wir keine Bodenreserve. C>ieser Standpunkt ist einer der g e f ä 11 r - liehst en, der uns einer Katastrophe zuführen kann. Die Frage des Bodenkaufs, die Frage einer Reserve an großen Böden muß von der Frage der sofortigen Kolonisation unabhängig sein. Für Kolonisation haben wir Zeit, das ist nur eine Frage des Geldes. Die Frage des Bodens jedoch ist keine Frage von morgen oder übermorgen, sondern eine Frage von heute. Wir wissen, wie schwer man in Palästina Boden erwirbt, wie sehr die einzelnen Gesetze der türkischen Regierung, die noch bis heute Geltung haben, den Bodenkauf erschweren. Wenn es wahr ist, daß der Keren Kajemeth der Schlüssel des Landes ist, dann sind die Agrargesetze das Schloß, und es nützt der beste Schlüssel nichts, wenn das Schloß verrostet und unbrauchbar ist. Die heutigen Agrargesetze bereiten nun der Erwerbung des Bodens ungeheure Schwierigkeiten. Man darf nicht warten, bis ein Jude kommt und Boden erwerben will, sondern dieser muß vorhanden sein, damit, wenn der Keren Hajessod oder ein anderer die Mittel hat, der Boden sofort besiedelt werden kann. Wenn man keine Bodenreserve hat, dann bringt man viele Familien in die Gefahr, ihr letztes bißchen Geld zu verlieren, ehe sie sich in den Besitz des Bodens setzen können. Es ist daher die Pflicht des Keren Kajemeth, alle Anstrengungen zu machen, um eine Bodenreserve für den Augenblick der Notwendigkeit zu beschaffen. Dr. Weizmann sagte vorgestern, der K. K. L. sollte in dieser oder jener Form mehr mit der Exekutive verbunden werden. Wenn man schon etwas verbessern will, so könnte man ja etwas anderes finden wie den K. K. L., denn ich habe noch nie gehört, daß der K. K. L. etwas Schlechtes oder Anfizionisfisches gemacht hätte. Nach unseren Statuten ist ein Vertreter der Exekutive Governor in der Leitung des K. K. L. in der Absicht, einen Vertreter mit starker Hand zu entsenden, wurde Col. Kisch als Governor delegiert und hat bis jetzt noch an jeder Sitzung ,des Direktoriums teiigciiommen. Er hat hierbei nur ein einziges Mal ein Veto erhoben, und auch dies wurde schließlich zurückgezogen. Es wäre also sehr gesund für den Kongreß, wenn man diesen Gedanken aufgäbe. Wir haben trotz unserer geringen, begrenzten Mittel und trotz großer Verpflichtungen, die wir noch von früher hatten, auch in diesen zwei Jahren Fortschritte gemacht und zusammen über 60 000 Dunam Boden erworben. Wir haben außerdem auch in den Städten manche Erwerbung gemacht und haben Am cliorationcn und Wasserinstallationen durchgeführt. Für landwirtschaftlichen Boden haben wir 77 0;ס ausgegeben, für städtischen 10״;®, für Ameliorationcn 6״/o, für Wasserinstallation 4",'o und für Pflanzungen 3°,ö. Wenn Sie die Ausgaben für Ameliorationcn und Wasserinstallationen hinzurechnen, so haben wir für die Landwirtschaft über 80»/o ausgegeben. Gegen eine solche Wirtschaft, gegen solche Ar-