Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 74 (16.9.1927)
- Date
- 1927-09-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 74, 10. DC 1927 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 531 Kongreß-Köpfe m y'rü/' ״»v f ‘ öu? a '׳׳• -v*2r Vpv £ Öen Gurion Berl Katnelsan Der Präsident des Permanenz ■Ausschusses ■ץ ^'7^' M/ 5*0« twt Vritsland Jizdiak Gränbaum (Zeichnungen von Erna Gro Bmann den ist, nämlich, daß dieser Exekutive eine Chance gegeben wird, eine klare, ehrliche Chance, die man in der Sprache der Mandatar-Regierung als fair p I a y bezeichnet. Das ist alles, was die Exekutive von denjenigen braucht, die glauben, daß sie prinzipielle Auseinandersetzungen mit der Exekutive haben. Das zweite, was sie braucht, ist eine Anstrengung, eine gewaltige Anstrengung seitens der zionistisehen Welt und derjenigen, die mit der zionistischen Welt Zusammenarbeiten, für die Beschaffung derjenigen Mittel, die nicht nur das Budget decken, sondern auch die Frage der Arbeitslosigkeit aus der Welt schaffen werden, ich bin überzeugt, daß alles, was tatkräftig und energisch in der Bewegung ist, sich diese Aufgabe vor Augen halten wird. Was meine Wenigkeit betrifft, so beginnt meine Arbeit bereits in zwei Tagen. Das Programm wird erst dann zu Ende sein, wenn eine Sicherheit da sein wird, daß wir alles erschöpft haben, um die Arbeitslosen zu liquidieren. Und ich glaube, daß, um das möglich zu machen, es sowohl für die Teile der Exekutive, die dort auf dem vorgeschobenen Posten stehen werden, als auch für diejenigen Teile der Exekutive, die außerhalb Palästinas wandern werden, notwendig ist, daß wenn schon nicht der Burgfriede, so doch wenigstens fair play herrscht. Gestatten Sie mir an dieser Stelle noch einige Worte an die Kollegen und Freunde zu richten, die aus der Exekutive ausgeschieden sind. Es sind unsere Kollegen und Freunde Kaplansky, Pick, Sprinzak. Nicht ohne Schmerz trennen wir uns, wenn auch nur politisch. Wir bleiben Freunde und Kollegen, und sie werden weiter arbeiten; denn ihre Erfahrung, ihre Kenntnisse, und vor allen Dingen die aufopfertmgsvolle Leistung der letzten sechs Jahre sind nicht durch Resolutionen, nicht durch politische Kombinationen aus der Welt zu schaffen. Hier steht das, was die Menschen geleistet haben, und sie werden weiterhin fruchtbar arbeiten. Im Rahmen der großen Arbeit, die wir alle leisten oder zu leisten versuchen, werden wir uns wieder freundschaftlich begegnen, wenn auch manchmal politische Differenzen unvermeidlich sind. An die ausgeschieaenen Herren richten wir — danken tun Zionisten nicht, das ist nicht nötig — den innigen Wunsch, daß es ihnen weiter gelingen möge, fruchtbar tätig zu sein, zu Ehren und zum Nutzen unserer Sache. Auch eine Institution, die früher existierte, hat andere Formen angenommen: der Finanz- und Wirtschaftsrat. Aber ich glaube, daß auch alle Männer, die dort gearbeitet haben, wieder auf verschiedenem Posten ihre Arbeit fortsetzen und daß ihre Leistungen in dem gemeinsamen Strom der allgemeinen Arbeit wiederzufinden sein werden. Es sind schwere Tage, die hinter uns liegen und, weiß Gott, es sind schwere Tage, die vor uns liegen. Aber wir sind nur eine kleine Episode in dem großen Weg, den unsere Bewegung und unsere Geschichte zu machen hat. Was sind sieben Jahre, was ist eine Amtsperiode von zwei Jahren in der Geschichte eines Volkes, die nach Jahrtausenden zählt! Trotz aller Schwierigkeiten, trotz aller Hindernisse, die unserer Sache inhärent sind, die ohne Präzedenzfälle dasteht in der Weltgeschichte, sind die Konturen des jüdischen Nationalheims sichtbar für diejenigen, die jetzt schon sehen wollen. Die es nicht sehen wollen, die werden es nach drei oder sechs Jahren wieder erblicken. Schon heute strahlt das jüdische Nationalheim seinen Einfluß weit bis in die fernsten Winkel der Diaspora hinaus und schon heute steht das Nationalheim auf festem Boden, der nicht durch zeitweilige Krisen erschüttert werden kann. Einer Partei oder einer Organisation, wie es die unsrige ist, ziemt es, Nerven zu haben, Ruhe zu bewahren und schwer zu arbeiten. Es kommen schwere Tage» aber es kommen auch bessere Tage. Und selbst wenn wir die besseren Tage nicht sehen sollten, so werden wir doch die Genugtuung haben, daß diejenigen, die nach uns kommen werden, ehrenvollere und bessere Tage erleben werden. Und diese Tage vorzubereiten, ist die Pflicht und die Absicht aller, der Exekutive, der Opposition, der Fraktionen, der Landsmannschaften und wie sonst unsere Terminologie lauten mag. Es gibt etwas, was über uns aßen steht: der Aufbau des Heims, so schnell wir es können, damit wir noch in unseren Tagen sehen, wofür wir unser Leben gegeben haben. (Stürmischer, langanhaltender Beifall.) Das Budget I. Feuerring berichtet im Namen der Budgetkonimission. Für eine Verwendung in unserem Palästinabudget kommt nicht mehr als ein Drittel aer Einnahmen in Frage. Aus dieser Situation können wir nur durch eine langfristige Anleihe herauskommen. Die Kommission hat zum ersten Male als Prinzip auf gestellt, daß die Einnahmen nur auf Grund einer vorsichtigen Schätzung aller in Betracht kominenden Instanzen berechnet werden dürten. Wir schlagen vor, die Exekutive zu ermächtigen, Veränderungen der einzelnen Posten bis zu 10 ס/יי vorzunehmen. Sämtliche Mehreingänge über das Budget hinaus sollen zur produktiven Bekämpfung der Arbeitslosigkeit verwendet werden. Ich bcan« trage, en bloc-Annahme des Budgets. A. Harzfeld spricht sich gegen diesen Vorschlag aus, vor allem deshalb, weil die Einnahmen aus Amerika für dieses Jahr mit einem geringeren Betrage angesetzt wurden als im Vorjahre. Der Redner bemängelt die Disproportion der nicht produktiven zu den produktiven Ausgaben im Budget. Für Gesundheit sind 118000 Pfund vorgeschlagen, für Kolonisation nur 106000 Pfund. Redner schlägt vor, eine Pause eintreten zu lassen, in der die jetzige Exekutive zusammen mit dem Präsidium des Kongresses mit den amerikanischen Delegierten darüber sprechen soll, wie man die Einnahmen des Keren Ha- Jessod aus Amerika mindestens auf die Höhe der vorigen Jahre bringen kann. Berichterstatter Feuerring wendet sich gegen den Antrag und beantragt nochmals en bloc-Annahme des Budgets. Der Antrag Harzfeld aut Verweisung des Budgets an die neue Exekutive zu einstündiger Beratung wird ab gelehnt. M. Samuel protestiert im Namen der amerikanischen Delegation gegen die Ausführungen von Harzfeld, die eine völlige Unkenntnis der amerikanischen Verhältnisse verraten. Der Antrag auf en bloc-Annahme des Budgets und das vorgeschlagene Budget werden angenommen. Beidemal enthält sich die Linke der Abstimmung. Das angenommene Budget für das Jahr 5688 lautet über einen!Gesamtbetrag von Pfund 631,832. 1 Die Hauptausgaben dieses Budgets sind folgende: Landwirtschaftliche Kolonisation Pfund 106,000 Arbeit 65,000 ״ Einwanderung 10,000 ״ Erziehung 53,000 ״ Gesundheit 118 ״,OM Schuldendienst 54,500 ״ Deckung früherer Defizite 70 ״,OM Meremlnski erklärt im Namen der P 0 a I e Zion, daß seine Partei gegen das Budget gestimmt habe aus den Gründen, die Harzfeld vorgebracht habe, und weil sie nicht die Möglichkeit hatte, die Verantwortung für die einzelnen Teile des Budgets zu übernehmen. Rabbi Meier Berlin: Die Verringerung des Budgets ist keine Heilung. Im Budget ist ein Posten von 3000 Pfund für religiöse Erziehung und von 4000 Pfund für religiöse Angelegenhelfen. Der Misrachi wird von seiner Pflicht, Palästina in religiösem Sinne aufzubauen und ganz besonders für religiöse Er- Ziehung zu wirken, nicht ablassen. Er hofft, daß er durch Zusammenarbeit mit anderen Gruppen die Möglichkeit haben wird» auch die bewilligten 7000 Pfund zurttefeifehfen, äaül m"Inr andere Zwecke verwendet werden können. Dr. Arlosoroff (Hitachduth): Im Augenblick, wo die Fraktion Hitachduth sich auf diesem Kongreß bei der Wahl der Exekutive ihrer Stimme enthalten hatte, war sie sich voll dessen bewußt, daß die neugewählte Exekutive ihrer objektiven Richtung nach, die auch In diesem Budget zum Ausdruck kommt, ungeachtet ihrer Erklärung, gegen die Arbeiterbewegung gerichtet ist. Datür sprechen zwei Momente, der bewußte Ausschluß der Vertreter der Arbeiterbewegung, vor allem unseres Genossen Sprinzak, aus der Exekutive. Er hat in sehr schweren Jahren an der Spitze des Arbeitsdepartments gestanden und wurde ohne Rücksicht auf Qualifikation, lediglich als Vertreter der Arbeiter, entfernt. Das zweite Moment ist die Haß- und Verleumdungskampagne gegen die schwerkämpfende Arbeiterschaft, die dieser Exekutivbildung vorangegangen ist. Das Programm der neuen Exekutive läßt nicht erkennen, daß hier die starke und aktionsfähige Autorität wäre, deren Palästina bedarf. Das Budget, das soeben angenommen wurde, bei dessen Abstimmung wir uns enthalten haben, ist ein Budget entgegen der Politik unserer Partei. Wir haben gefordert, daß mindestens 50 0/0 des Budgets für konstruktive, produktive, kolonisatorische Zwecke ausgegeben werden. Unsere Stellung zu der neuen Exekutive ist ausgesprochen negativ. Aber der Teil des Kongresses, der diese Exekutive getragen hat, war zu schwach, um sie ins Leben zu rufen. Es bestand die drohende und schwere Gefahr, daß überhaupt keine Exekutive gewählt würde und daß die Vorgänge des Wiener Kongresses sich wiederholen. Im Bewußtsein, daß diese Gefahr für die Bewegung und den Aufbau nicht tragbar ist, haben wir uns aus zionistischem Patriotismus sehr schweren Herzens entschlossen, uns der Abstimmung zu enthalten. Von diesem Augenblicke an wird die Partei die neue Exekutive, ihre Taten und Handlungen kritisch verfolgen. Suprasky (Palästina): Wir sehen in dem Budget keine Erleichterung der schweren Krisis, in welcher sich der Jischuw befindet, sondern den Willen zur Stabilisierung, welcher vielleicht unsere Finanzen gesund machen kann, aber dazu führen wird, daß ein großer Teil des Jischuw Erez-Israel wieder verlassen wird. Wir haben kein Zutrauen zu diesem Budget und konnten; daher nicht dafür stimmen. Dr. Nahum Goldmann (Radikal): Die Fraktion der Radikalen Zionisten ist der Ansicht, daß dieses Budget eine katasfrophale Schädigung unseres Palästinawerkes aarstellt. Wir sind nicht der Ansicnt, daß die kleinen Summen auf der Einnahmeseite Ausfluß von objektiven Tatsachen sind; wir glauben, daß bei einer Acnderung des liquidatorischen Kurses der Bewegung größere Summen aus dem jüdischen Volk herauszuholen wären. Wir sind der Ansicht, daß dieser Kongreß in der Lage gewesen wäre, eine Exekutive zu wählen, welche die große Majorität des Kongresses repräsentiert hätte, wenn auch vielleicht gewisse Aenderungen in den höchsten Stellen vorangegangen w׳ären. Wir haben nur aus dem Grunde nicht gegen das Budget gestimmt, weil wir den Jischuw nicht ohne Budget lassen wollen. Eliashar (Palästina): Wir verkennen nicht die schwierige Lage, in der sich heute der Kongreß und die Exekutive befinden. Doch müssen w׳ir erklären, daß sämtliche Kommissionen trotz ihrer Versprechungen unsere Wünsche nicht berücksichtigt haben. Wir meinen, daß die Nichtberücksichtigung der Interessen der Sephardim in Palästina unserer Bewegung viel Schaden bringt. M. Großmann (Revisionisten): Die verschiedenen Kommissionen, besonders die politische, haben viele wichtige Resolutionen ausgearbeitet, die vom Kongreß angenommen worden sind. Die heutige Exekutive aber gewährt nicht die Sicherheit, daß diese Beschlüsse von ihr realisiert werden. Es ist keine