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Jüdische Rundschau · 1927-09-16 · Heft 74 (16.9.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 74 (16.9.1927)
Date
1927-09-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 530 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 74, 16. IX. 1927 Wei/maniis ׳״!!stimmet!, untergraben sie die Zionistische Organisation. Menschen sind wichtiger als Erklärungen, und wir kennen Herrn Sacher nicht. Die Erklärung des Präsidenten ist zweideutig und kann niemanden beruhigen. Ing. Kaplan (I iitachduth)׳. Auch wir sind mit der Deklaration des Präsidenten unzufrieden. In der Deklaration ist von keinem Programm die Rede. Die Parole, die Krise zu überwinden durch die Schaffung einer Exekutive, in welcher sich keine Arbeitervertreter befinden, ist gefährlich. Wir hoffen, daß Sie später einsehen werden, daß ohne die Arbeiterschaft der Aufbau Palästinas unmöglich ist. Wir haben kein Vertrauen zu demjenigen Teil der Exekutive, der in Palästina sein wird. Wir werden uns daher der Abstimmung enthalten. Hierauf schlägt Kurt Blumenfeld namens des Permanenzausschusscs die neue Exekutive vor, das Wahlergebnis haben wir bereits in der vorigen Nummer mitgeteilt. Hierauf folgt die Wahl der Mitglieder des A.-C.» des Kongreß- und Ehrengerichtes und des Kongreßanwaltes. Rabbi Berlin gibt für den Misrachi folgende Erklärung ab: In Anbetracht dessen, daß die Entweihung der Heiligtümer des Volkes in Erez-Israel in schmerzlicher und beschämender Weise fortdauern wird und allen von seiten des Misrachi an die höchste Leitung der Zionistischen Organisation gerichteten Forderungen, gesetzliche Sicherung zu geben, daß sich solche Vorfälle in Zukunft nicht wiederholen, nicht erfüllt worden sind, und in Anbetracht dessen, daß die vorgeschlagene Exekutive, abgesehen davon, daß sic in ihrer persönlichen Zusammensetzung nicht als die Vertretung aller Richtungen in der Zionistischen Organisation angesehen werden kann, daß sie in ihrer Mehrheit aus Personen besteht, die den Geist des Volkes und seine Seele nicht kennen und keine Garantie für die Zukunft besteht, daß die Arbeit der Zionistischen Organisation in Erez-Israel im Geiste des Volkes und seiner Tradition geführt wird, auch mit keinem praktischen Wirtschaftsplan gekommen ist, der geeignet wäre, die schwere Lage in Erez-Israel zum besseren zu wenden, iti Anbetracht alles dessen sieht der Misrachi keine Möglichkeit für sich, sich an der Wahl einer solchen Exekutive zu beteiligen, lehnt jede Verantwortung für ihre Taten ab und hat gegen sie gestimm t.“ Nachdem noch Rubaschow und Dr. Ar 10so rof f für ihre Oruppen ihrem Mißtrauen gegen die neue Exekutive in Erklärungen Ausdruck verliehen haben, wird die Sitzung Sonntag, morgens 6 Uhr 45, geschlossen. Achtzehnte Sitzung Sonntag, den 11. September, nachmittags. (Stadtkasino Basel.) Landwirtschaftliche Kolonisation Punkt X wird im Einverständnis mit dem Antragsteller Dr. Ruteisen der Exekutive als Material überwiesen. Er lautet: ״In den Entwurf der Verträge mit den Siedlern ist folgender Passus aufzunehmen: Sollte durch Einführung eines Systems der Kredit-Amortisation in Verbindung mit Lebens- Versicherung eine frühere Amortisation der zurückzuzahlenden Beträge ohne höhere Leistung der Siedler ermöglicht werden, so werden die Siedler verpflichtet sein, in eine Aenderung des Vertrages in diesem Punkte zu willigen.“ Punki XI wird ta folgender vpn Bert Kfzadson bq#nfragt«n ״Der Kongreß stellt die erfreuliche Tatsache fest, daß unsere landwirtschaftlichen Siedlungen sich unverändert weiter entwickeln und von der im Linde seit längerer Zeit herrschenden Krise fast unberührt geblieben sind und daß sie sich als eine feste Grundlage unseres Aufbauwerkes erwiesen haben, um so mehr, als ihre Entwicklung zur vollen Rentabilität deutlich erkennbar ist.“ Punkt XII und XIII werden unverändert angenommen. Sie lauten: ,,XU. Der Kongreß begrüßt die Tatsache der vollendeten Entwicklung einer Reihe von landwirtschaftlichen Siedlungen des Keren Hajessod zur wirtschaftlichen Selbständigkeit und erblickt darin einen begrüßenswerten Fortschritt in dem Konsolidierungsprozeß unserer palästinensischen Wirtschaft. XIII. Die Exekutive soll ihre Aufmerksamkeit den mitteleuropäischen Moschawim und den Siedlungen der jemenitischen und sephardischen Juden zuwenden.“ Von Punkt XIV wird der erste Teil angenommen, der Zusatzantrag aut Antrag Berl Kaznelsons als Material der Exekutive überwiesen. Die angenommenen Anträge lauten: XIV. Der XV. Zionistenkongreß ist der Auffassung, daß die Anlage von bewässerten Pflanzungen (Orangen) sehr geeignet ist, sowohl die Siedlung des Mittelstandes als auch der dabei beschäftigten jüdischen Arbeiter in produktiver, rat ioneller und rentabler Form zu ermöglichen und das private Kapital in größerem Maße für die landwirtschaftliche Er- Schließung Palästinas heranzuziehen. Zusatzantrag: ״Der Kongreß hält es für eine dringende Aufgabe der zionistischen Exekutive, die Initiative in dieser Hinsicht zu ergreifen, einen Siedlungs- und Wirtschaftsplan auszuarbeiten, die Organisierung der in Frage kommenden bemittelten und minderbemittelten Siedler vorzunehmen und Art und Ausmaß der Beteiligung der Exekutive an der Ausführung dieses Planes zu bestimmen.“ Punkt XV wird in folgender Form angenommen: XV. (Antrag der von der Kolonisations-Kommission eingesetzten Subkommission für Schchunoth Owdirn und Ansiedhing der Koloniearbeiter): ״In der schon vom XIII. und XIV. Kongreß ausgesprochenen Erkenntnis, daß die Errichtung von Schchunoth Owdirn eine der wichtigsten Voraussetzungen für eine gesunde städtische Siedlungspolitik und für eine geeignete Förderung von Industrie una Handwerk ist, und da (bis auf wenige Vorbereitungsmaßnahmen) die Beschlüsse des XIII. und XtV. Kongresses über die Errichtung von Schchunoth Owdirn bisher nicht ausgeführt wurden, und da eine wirkliche Liquidierung der Arbeitslosigkeit nur erreicht werden kann, wenn man zugleich mit der Arbeitsbeschaffung dem Arbeiter die Möglichkeit gibt, einen maximalen Teil seines Lohnes für die Schaffung einer dauernden Existenzbasis zu verwenden, beschließt der Kongreß wie folgt: 1. Der Kongreß erklärt die Errichtung von Sehe hunoth Owdirn als eine der wichtigsten Kolonisationsaufgaben. \ Der Kongreß fordert das Direktorium des K. K. L. auf, die Erwerbung der für die Schchunoth Owdirn bestimmten Bodenfläche bei Tel-Awiw schnellstens zum Abschluß zu bringen, zusammen mit den in Betracht kommenden Departements und Institutionen für die Sanierung des für die Schchunath Owdirn Haifa bestimmten Boden zu sorgen und bei erster Möglichkeit eine entsprechende geeignete Bodenfläche bei Jerusalem zu erwerben• 3. Der Kongreß verpflichtet die Exekutive: a) alle Anstrengungen zu machen, um die für die Schaffung der Schchunoth Owdirn nötigen Mittel bereitzustellen, b) die mit der Errichtung der Schchunoth Owdirn verbundenen öffentlichen Arbeiten (Wasserversorgung, Drainage, Straßenbau usw.) unbedingt in Ihr Arbeit*- beschatfungsprogramm zur Liquidierung der Arbeitslosigkeit mit In erster Linie aufzunehmen, c) für die Erschließung von Hypothekarkrediten für die Bauten In den Schchunoth Owdlm zu sorgen und vor allem bei der Hypothekenbank durchzusetzen, daß diese ihre Tätigkeit auf die Schchunoth Owdirn ausdehnt. - Punkt XVI wird an gen o tn m e n, desgleichen die Resolution gegen die Bodenspekulation. Sie lauten: Bodenpolitik. XVI. Bel der Bewilligung von Krediten an private Bodenkäufer und BodenkaufsgeseTlschaften unter privater Leitung sollen die zionistischen Institutionen nur diejenigen Personen und Gesellschaften unterstützen, welche die Sicherheit bieten, daß sie ihre Ankäufe in einer mit den Interessen des jüdischen nationalen Heimes zu vereinbarenden Weise verwerten werden. Die Exekutive wird aufgefordert, im Einvernehmen mit dem Aktions-Comitö Bestimmungen zu treffen, nach denen sich die betreffenden Institutionen zu richten haben, um dieses Prinzip zu verwirklichen. Gegen die Bodenspekulation. Der Kongreß stellt fest, daß durch die gefährliche Erscheinung der Bodenspekulation, die sich in den Jahren der großen Einwanderung ln erschreckendem Maße in Palästina ausgebreitet hat, schwerster Schaden für unser ganzes Aufbauwerk verursacht worden ist: sinnlose Hochtreibung der Bodenpreise, Verschwendung jüdischen Kapitals, Ausbeutung der Mittel und Energien der erwandernden Massen, Ruin vieler Familien. Der Kongreß bedauert, daß keine öffentliche Körper- Schaft den ernsten Versuch gemacht hat, sich der Gefahr dieser Spekulation entgegenzusteilen und sie auszumerzen. Der Kongreß erklärt es zur Pflicht der Zionistischen Organisatfon, alle Mittel zu ergreifen, um die Bodenspekulation ln all ihren Formen unmöglich zu machen, und zwar sowohl durch Vermehrung der mittel und Bodenerwerbung des K. K. L. als auch durch die Kontrolle und den Einfluß der Zionistischen Institutionen und Fonds. Zu Punkt XVII beantragt Supraski hinzuzufügen: Der Kongreß begrüßt alle Arbeiten in der Landwirt- Schaft auf dem Gebiete der Pflanzungen und der Ansiedlung, die im Jahre 1927 in Palästina von Privatleuten begonnen wurden und wünscht ihnen besten Erfolg. Punkt XVII wird mit dem Zusatz Supraski an genommen. Ebenso Punkt XVIII. Die angenommenen Anträge lauten: XVII. Neue Ansiedlung 192 7. Der Kongreß begrüßt das neue Ansiedlungswerk, das im Jahre 1927 begonnen wurde und durch das in diesem Jahre der schweren Krisis Hunderte von Familien in der Land- Wirtschaft Fuß fassen und die Mittel des gekürzten Budgets zur Schaffung eines Werkes von höchstem produktivem Wert verwendet werden konnten. Der Kongreß beauftragt die Exekutive, für die schnelle Durchführung des Aufbaus der Wirtschaften der Kwuzoth, Moschawe Owdirn, Hachscharah- und Okkupationsgruppen, die im Jahre 1927 mit der Bearbeitung ihres Bodens be- ,-gwmen habfl%_ nach juem, - ׳ .׳ XVIII. Ar beite rinnen-Wirtschaften. Der Kongreß nimmt mit Befriedigung die Schaffung und die fortschreitende Entwicklung der Arneiterlnnenwirtschaften zur Kenntnis, in denen unter planmäßiger ökonomischer Leitung Hunderte von Arbeiterinnen Arbeit, landwirtschaftliehe Erziehung und Berufsfortbiidung und Vorbereitung für die Ansiedlung finden. Zu Punkt XIX wird nach längerer Diskussion statt des letzten Absatzes auf Grund eines von Supraski gestellten und von Dr. Mossinsolm und Glücksohn modifizierten Antrages folgender Zusatz angenommen: Der Kongreß begrüßt die organisierten landwirtschaftliehen Verbinde, welche theoretisch und praktisch auf der Basis der jüdischen Arbeit stehen. Punkt XIX wird mit dieser Abänderung angenommen. Er lautet: XIX. Vertretungen der Ansiedler. Der Kongreß stellt die Wichtigkeit der Aufgabe des Landarbefterverbandes fest, der seit dem Beginn des zionistischen Kolonisationswerkes in Palästina besteht und wirkt und der den jüdischen Landarbeiter leitet, von seiner Ankunft Im Lande bis zur Vollendung zu einem Landwirt, der fähig Ist, alle Pflichten, die mit seiner Ansiedlung verbunden sind, zu erfüllen. Der Kongreß stellt mit Befriedigung die harmonische Zusammenarbeit zwischen den zionistischen Kolonisationsinstitutionen und dem Landarbeiterverband als autonomen Vertreter der ihm angeschlossenen Ansiedler fest. Der Kongreß drückt seinen Willen aus, daß diese harmonische Zusammenarbeit auch in Zukunft fortgesetzt werde, und daß der Landarbeiterverband als Vertreter der Ihm angeschlossenen Ansiedler auch in Zukunft mit allen seinen Rechten anerkannt wird. Dieser Beschluß findet sinngemäße Anwendung auch auf Vertretungen von Ansiedlern anderer Kategorien. Zu der Resolution zur Lage der Koloniearbeiter schlägt Supras.ki folgenden Zusatz vor: Im ersten Passus sollen am Schluß die Worte hinzugefügt werden: ״und des guten Willens und der Erfüllung der natioaalen Pflichten durch jene Kolonisten, die jüdische Arbeiter beschäftigen“. Die Resolution 3 wird mit diesem Amendement angenommen. Sie lautet: Zur Lage der Koloniearbeiter. Der Kongreß stellt mit Befriedigung das bemerkenswerte Anwachsen der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien fest, ein Ergebnis außerordentlicher Anstrengungen der Chaluzim. Er macht es der Exekutive zur Aufgabe, diese Ent- Wicklung zu fördern und für die Befestigung una Erweiterung der jüdischen Arbeit in den Kolonien Sorge zu tragen. Zugleich betrachtet der Kongreß mit Sorge die schwere Lage des jüdischen Arbeiters in den Kolonien, durch die diese Eroberung der jüdischen Arbeit aufs ernsteste gefährdet wird. Der Kongreß stellt daher fest, daß die Stabilisierung der Lage der Kolonie-Arbeiter durch ihre Ansiedlung in und bei den Kolonien von größter Bedeutung für unser Kolon}- sationswerk ist. Die Schaffung solcher Arbeitersiedlungen soll dem Koloniearbeiter ein ausreichendes N ebenem kommen angesichts des Saisoncharakters der Arbeit in der Kolonie gewähren und ihm die Möglichkeit gehen, allmählich zur selbständigen Siedlung zu gelangen. Nur auf diesem Wege kann die jüdische Arbeit in der Kolonie gesichert und verwurzelt und die gegenwärtige schwierige Lage der Koloniearbeitet gebessert werden. Der Kongreß nimmt den Bericht der von der Exekutive I — gemäß dem Beschluß des A.-C. — einberufenen, aus Ver- I tretern der Kolonisten, der Landarbeiter und des Waad I Leumi zusammengesetzten Kommission zur Prüfung der I Möglichkeiten einer Stabilisierung der Lage der Kolonie- I arbeiter zur Kenntnis und macht es der Exekutive zur I Aufgabe, noch im bevorstehenden Jahre, auf Grundlage der I Ergebnisse dieses Berichtes Schritte zur Konsolidierung der I Koloniearbeiter zu tun. I Die Resolution betreffend den Misrad Kablani wird mit dem Zusatz von Supraski, der nach ״begrüßt“ die Worte ״den wichtigen Versuch der Schaffung usw." cinfügt, a n g e - noramen, ein Antrag Dr. Hindes, die Frage dem Aktions- Comitä als Material zu übergeben, abgelehnt. | Misrad Kablani. Der Kongreß begrüßt den wichtigen Versuch der Schaffung des ״Amtes zur Ucbemahme von landwirtschaftliehen Arbeiten“ (Misrad Kablani) und den Beginn seiner Tätigkeit. Der Kongreß sieht in dieser Institution ein wichtiges Werkzeug für die Ermöglichung von Investierungen des Privatkapitals in der Landwirtschaft, zur Erweiterung der jüdischen Arbeit bei den bevorstehenden neuen Pflanzung;• arbeiten. Punkt XV. wird ebenfalls angenommen. Er lautet: Der Kongreß nimmt mit Bedauern die Tatsache zur Kenntnis, daß es in Palästina noch Hunderte von Landarbeiterfamilien gibt, die mit der zweiten Alijah nach Palästina eingewandert sind, sich im Laufe von vielen Jahren an das Land und die Arbeit angepaßt haben, aber trotz ständiger Bemühungen immer noch nicht zur Ansiedlung in welcher Form auch immer gelangt sind. Der Kongreß bringt seinen Willen zum Ausdruck, daß die Ansiedlungslnstitutionen für diese Veteranen der Arbeit einen Platz in der kommenden Ansiedlungsarbeit finden müssen. Darauf wird die Sitzung unterbrochen. Der Zionismus in Rufiland Nach Wiederaufnahme der Sitzung hält die Vorsitzende Miss Henrietta Szold folgende Ansprache: Meine Herren und Damen! Delegierte des Kongresses! Auf diesem XV. Kongreß, der sich 30 Jahre nach dem I. Kongreß in der gleichen Stadt versammelt, die einst die Wiege des Zionismus war, haben wir eine feierliche historische Pflicht zu erfüllen. Ein wichtiger Teil unserer Bewegung fehlt auf diesem Jubiläumskongreß. Diejenigen, die als die ersten dem lauten Rut unseres unsterblichen Führers Herzl gefolgt sind, sind nicht hier. Lange Jahre hindurch trug Rußland im materiellen und ideellen Sinne einen großen Teil zum Fortschritt des Zionismus bei. Heute suchen wir vergeblich die Vertreter des russischen Zionismus unter den Delegierten. Die Reste des russischen Zionismus erdulden harte Verfolgung. Diejenigen, die es wagen, unsere Fahnen hochzuhalten, wirft man in Gefängnisse. Aber weder Verfolgungen noch Peinigungen können die Entwicklung unserer Bewegung aufhalten. Unsere Kameraden sind nicht hier bei uns. Aber Ihre Arbeit hat nicht autgehört Immer wieder gewinnen sie neue Rekruten und Anhänger. Sie halten unsere Fahne hoch. Mit Enthusiasmus und Hingabe kämpft der russische Zionismus für die gleichen Ideale, um deren Verwirklichung willen wir uns hier versammelt haben. Unser Palästina erlebt jetzt eine schwere Krise, eine Krise, die uns mahnt, alle unsere Anstrengungen in de» Versuch zu konzentrieren, sie za fibefWfijteBt. A§er auch diese unsere ifÄvere Aufgabe kann uns russischen Kameraden vergessen lassen. Dieser Jubiläumskongreß kann nicht mit Stillschweigen über die Leiden, den Heroismus und das Martyrium unserer russischen Gesinnungsgenossen hinweggehen, die ungeachtet aller Hindernisse und Schwierigkeiten immer wieder den Zionismus in den Reihen des russischen Judentums verbreiten. Den Juden Rußlands fehlt heute jede Möglichkeit zu nationaier und kultureller Entwicklung. Jüdische Erziehung ist aus Rußland geschwunden. Unsere Sprache darf jüdischen Kindern, der Hoffnung der kommenden Generation, nicht mehr gelehrt werden. Das hebräische Buch ist verboten. Unser geistiges Besitztum wird rücksichtslos ausgemerzt. Und dennoch glüht das Licht des Zionismus im innersten Herzen des Judentums. Die Zionisten stehen unerschüttert gegen die Kräfte der Assimilation und der Auflösung. Die zionistischen Gruppen und Fraktionen setzen ihre Aktivität iort, trotz der Gefahr, die ihnen droht. Tausende Männer und Frauen schmachten in Gefängnissen und leben als Verbannte in Sibirien. Der zukünftige jüdische Geschichtsschreiber wird die grausige Geschichte von den unmenschlichen Leiden und dem Märtyrertum der russischen Zionisten, von der Treue zu ihrem Ideal zu erzählen haben. Von der Tribüne des XV. Zionistenkongresses in Basel senden wir unsere Grüße den Zionisten Rußlands und erheben ernsten Protest gegen die Verfolgung unserer Bewegung. Wir fordern, daß in Zukunft alle feindlichen Akte eingestellt werden. Von unserer eigenen Weltorganisation jedoch tordern wir brüderliche Hilfe für unsere rassischen Gesinnungsgenossen, damit sie in Sicherheit leben und in Frieden für ihr Ideal arbeiten können. Die Zionisten Rußlands sollen wissen, daß wir mit ihnen sind in den Tagen ihrer Not und Leiden. - Techesaknah jedechem! (Stürmischer, lang anhaltender Beifall.) Louis Llpsky bringt hierauf folgende Resolution ein: 1. Der XV. Zionistenkongreß begrüßt die russischen Zionisten, die ständigem Terror ausgesetzt, dennoch in Treue den Kampf um unser Ideal innerhalb des russischen Judentums fortiühren, in allen ihren Gruppen. 2. Der XV. Zionistenkongreß begrüßt alle Zionisten, die in russischen Kerkern schmachten, die Helden der nationalen Bewegung, die Märtyrer der jüdischen Befreiung. 3. Der XV. Zionistenkongreß protestiert gegen die unmenschlichen Verfolgungen der Sowjetregierung gegen alle Teile der zionistischen Bewegung, deren Ziel die Zerstörung unserer nationalen Bewegung ist. 4. Der XV. Zionistenkongreß ersucht die Regierung des S.S.S.R., die verhafteten Zionisten zu befreien und den Verfolgungen des Zionismus in Rußland ein Ende zu machen. Der Kongreß ist von der Ueberzeugung erfüllt, daß die Juden der ganzen Welt sich unserem Protest anschließen und die Befreiung der verhafteten Zionisten fördern werden. Die Resolution wird mit sämtlichen gegen zwei Stimmen angenommen. Weizmanns Abschiedsrede Dr. Weizmann: Geehrter Kongreß! Die Arbeiten des XV. Kongresses gehen zu Ende. Es ist nach schwerem Ringen eine Exekutive gewählt worden, die eine Aufgabe übernommen hat, welche alle ihre Energien und alle ihre Arbeitskraft in Anspruch nehmen wird, wir treten in eine schwere Periode ein, und ich fürchte, es wird lange dauern, bis bessere Tage kommen werden. Wir wollen honen, daß es nicht allzu lange dauert. Der Erfolg der Arbeiten der Exekutive wird von zwei fundamentalen Tatsachen abiiängen: von einer, die schon sogar von opppsitioneUer oder halb-oppositioneller Seite berührt wor-

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