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Jüdische Rundschau · 1927-09-09 · Heft 72 (9.9.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 72 (9.9.1927)
Date
1927-09-09
Page
– (sequence 3)
Language
German
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1927 Nr. 72, 9. IX. 1927 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 515 * ine große man das? sprechen, m großen wichtige!! ie Summe oße polifzig oder ufwarten, 11s Schuld stet! voll• n Munde was eine!pielte da len Koloein wirk- Ich ziehe, t zu ger Sowjet■ t, ist der: m decken rren! Es chen Leiichgültig, feil dann enüber und umrmacht tion zu §e und ie Quael auszuerheblich nur für n mit der vendiger■ egenuber aas Ziel n diesem onalheim ehe aber gäbe ist, macht 11. Und gerweise 1t führen Kampf sten. an. Das ht qualibotinsky,!rgnügen fe dieser Warschau :se zwei!n. Aber r inter* änger ad wenn r gehen. ich^wli isky hat ar sagen lir einen llen, um eilt hat. isten in :handelt. überall , die in Fragen n — es ibe, bei aß diese können. /orwurf, langsam tommen irokratie laschine *alästina ky mag iennoen e Frage ranlaßt, b diese Frage udie- Ziehung ind ich )gramm lies zu vundern diese rhitzen. t-Regiessionen etc der in Padustrieschwinwicken, zu ist ein end aus wisset!, virklich ällig : Sache hingend uns . Jabo- : nabe, illionen ) Menletzten n nach ausgeu verationscltnen, aber nicht zwanzig- oder dreißigmal so hoch. Wäre nun die Sache wirklich so, so könnten wir einpacken und gehen. Aber was tut Qott? Es ist nicht wahr. (Heiterkeit.) Und weswegen ist es nicht wahr? Wenn wir gesagt haben, daß die Juden zehn Millionen investiert haben, so heißt das noch nicht, daß man diesen Betrag für die Kolonisation ausgegeben hat. Hineinbringen von Geldern, von öffentlichen, halb oder ganz öffentliehen ist nicht identisch mit der Ausgabe von Geldern für Kolonisation. Zu dem seitens Griechenlands aufgewendeten Kapital muß noch eine Kleinigkeit hinzugefügt werden. Es sind drei Viertel Millionen Hektar Landes, die einen Wert von 26 Millionen Pfund betragen. Außerdem ungefähr 70 000 Häuser. Außerdem war das Land tatsächlich zu zwei, Dritteln oder vielleicht nur zur Hälfte bebaut mit fertigen Pflanzen, die einen Ertrag sofort liefern konnten, d. h. man konnte schon! morgen davon leben. Drittens waren es keine Juden, die angesiedelt wurden, sondern anatolische Bauern, und das ist ein gewaltiger Unterschied. Und viertens wird auch Herr Jabo- Pinskv zugeben, ist doch, trotzdem die Flüchtlinge arm waren, dennoch eine große Menge Privatkapital hineingekommen, so daß diese 15 Millionen sich wahrscheinlich auf ein Vielfaches davon erhöhen dürften. Dann aber ist das Bild anders. Es wird dann ein Verhältnis von 1:2, vielleicht von 1:3 herauskommen. Tatsächlich war die griechische Kolonisation sehr billig, und ich glaube, daß wir diesbezüglich viel zu lernen haben. Sic wurde zum Teil von einem Engländer geleitet, und wir haben ihn gebeten, nach Palästina zu kommen und uns seine Ratschläge zu erteilen. Neulich fuhr ein bedeutender englischer Fachmann durch unsere Kolonien und berichtete, daß unsere Kolonisation wohl teuer sei, aber die höheren Kosten seien eine Kompensation für das menschliche Leiden. Wir haben unsere Kolonisation mit einem relativen Minimum von menschlichem Leiden gemacht. Die griechische Kolonisation ist sicherlich ein glänzender Erfolg, aber verbunden mit einem ungeheuren Maß von menschlichen Leiden. Ist das Verhältnis der Kosten dieser beiden Kolonisationen 1 :2 oder 1 :3, so ist es eben nicht 1:30. Wenn man diese Umstände in Erwägung zieht, so ergibt sich für uns Zionisten daraus eine große Lehre: wenn die politischen Bedingungen in Palästina anders wären, so wäre die Kolonisation billiger. Die Frage ist nun: Können wir aber diese politischen Bedingungen ändern? Jabqtinsky sagt: ja; ich glaube: vorläufig nicht. Das ist unser Unterschied. Ich hoffe, ich habe es klar gesagt, jedenfalls habe ich es Ihnen mit vollständiger Aufrichtigkeit ausemandergesetzt. Auch aus Grünbaums ganzer Rede habe ich nicht herausgehört, w i e man diese politischen Bedingungen in Palästina zu ändern hätte. Ich habe noch nicht e i n Mittel gehört, nicht einen Weg, der eine zehn Minuten lange Prüfung aushalten könnte. Jabotinsky beschuldigt die Exekutive, speziell mich, daß ich den Weg zu Forderungen an die Regierung obstruiere, indem ich immer behaupte, die politischen Bedingungen seien gute. Ich will nur etwas korrigieren. Nicht eine Rede ist von mir gehalten worden, in der ich nicht gesagt hätte: ״Zwar ist das Mandat noch lange nicht erfüllt, zwar haben wir viele Forderungen zu stellen, aber es besteht kein Grund, daß wir heute nicht in größerem Umfange arbeiten als bisher, wenn wir nur größere Mittel hätten.“ Das ist die stets von mir formulierte These, und diese These ist das einzig richtige in der jetzigen Situation. Bei der letzten A.-C.-Sitzung konnte sich keine politische Debatte entwickeln, weil die Herren, auch die aus Palästina, sich bewußt waren, daß sich die polititische Lage rascher entwickelt hat., als unsere ökonomischen Möglichkeiten. Ich glaube wirklich nicht, daß die Legion auch nur für einen Moment ein Mittel wäre, um die politische Lage zu verbessern. Die Legion ist ein Anhängsel geworden zu allem anderen, was Jabotinsky sagt. Der einzige Hebel, den man ansetzen könnte, um eine bessere politische Lage herzustellen, ist die Gewinnung der öffentlichen Meinung, über welche Jabotinsky so wunderbar gesprochen hat. Aber die öffentliche Meinung eines Volkes und insbesondere eines so differenzierten wie des britischen Volkes zu beeinflussen, ist ein großes Erziehungswerk, das nur langsame Fortschritte macht. Wir sind überzeugt, wir alle, daß die ganze Palästina- Politik, die ganze Politik des nationalen Heims im Interesse Englands liegt, aber England und die öffentliche Meinung Englands ist noch lange nicht davon überzeugt. Wenn Sie sich auf die öffentliche Meinung berufen, dann müssen Sie daran denken, daß auch die englische Regierung ein empfindliches Ohr hat und weiß, wie weit sie gehen kann, wie weit sie die öffentliehe Meinung hinter sich hat. Man kann zugeben, daß in den vier -Jahren die Sache sich geändert hat. Ich teile nicht die Meinung des Herrn Guedalla, daß England jemals sein Wort brechen wird. (Lebhafter Beifall.) fm Gegenteil: je größer eine Nation ist, desto weniger kann sie sich erlauben, mit Dingen herumzuspielen, die anderen heilig sind. Aber wenn heute jemand von Ihnen vor dem englischen Parlament eine Anklage gegen die palästinensische Administration formulieren würde, mit allen Tatsachen, die Sie anführen, und wenn dann die Regierung darauf antworten würde und es zu einer Ab- Stimmung käme, dann bin ich überzeugt, daß die überwiegende Majorität des Parlamentes entweder sagen würde: ״Scheren Sie sich beide zum Teufel, wir wollen davon nichts vÄssen“ — denn Sie müssen wissen, England hat noch andere Dinge zu tun — oder die Abstimmung würde gegen uns ausfalien. Wenn man das nicht will, dann folgt daraus für die Leitung der Politik ein ganz klares Prinzip. Das Prinzip setzt sich aus zwei Teilen zusammen: solange eine Koinzidenz der Interessen vorhanden ist, können wir unsere Forderung soweit treiben, als nur möglich. Ist aber keine Koinzidenz der Interessen vorhanden — und das ist immer ein bedauerlicher Fall — dann tritt der andere Faktor in Geltung. Und der zweite Faktor ist unsere Position im Lande. Sind wir stark genug im Lande, daß unser spezifisches Gewicht die Reibung der Widerstände überwinden kann, dann werden wir vorwärtskommen. Sind wir aber nicht stark genug, dann werden wir keinen Erfolg haben. Daraus folgt, daß unser Vorwärtsschreiten qjne Funktion unserer Arbeit im Lande ist. Ich weiß, daß das ein verzauberter Kreis ist. ich weiß, daß, wenn sehr günstige politische Verhältnisse vorhanden wären, unsere Arbeit leichter wäre und wir mehr erreicht hätten, und daß andererseits, wenn wir mehr erreicht hätten, unsere politischen Verhältnisse günstiger wären. Aber die politische Leitung der zionistischen Bewegung ist nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina solche Verhältnisse sind, wie sie eben existieren. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina so und soviel Araber sind. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß Palästina klein ist. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß in Palästina der Jordan fließt und nicht der Rhein und daß dort Berge sind und keine Ebenen. Wir sind nicht dafür verantwortlich, daß man uns zweitausend fahre lang von Palästina ferngehalten hat. Das alles sind politische Bedingungen, die gegeben sind, und diejenigen, die das nicht so nehmen wollten, wie es ist, sind nach Uganda gegangen. Wir aber, die wir nach Palästina gegangen sind, wissen, daß wir uns mit diesen Verhältnissen abfinden müssen. Darüber kann man sich weder mit Phrasen, noch mit der Absetzung der Leitung — und das ist sicherlich das letzte, was mich interessiert — noch mit einer Anklage gegen die!englische Regierung hinwegsetzen. Ich glaube, es ist ein Trugschluß und eine Illusion, dem jüdischen Volke einreden zu wollen, daß irgendein anderer, diese Arbeit für uns machen wird. Auch der künftige Leiter der zionistischen Politik wird entweder im gleichen Sinne die Geschäfte leiten wie wir, oder — seine Verhandlungen mit dem Colonial Office werden nur «ine Stunde dauern. (Bewegung.) Als Herr Jabotinsky vor die schwere Prüfung gestellt war, wie wir alle, das Weißbuch zu unterzeichnen, da hat er nicht die Rede gehalten, wie er sie hier gehalten hat. (Lebhafter Beifall und Händeklatschen.) Er hat unterzeichnet, weil er eben nicht anders konnte, und das ist schwer, sehr schwer. Und wir werden noch lange arbeiten müssen, bevor aus dem Weißbuch ein Blau-Weißbuch werden wird. (Stürmischer Beifall.) Was immer inan auch sagen mag: die politische Position der zionistischen Bewegung ist aus Null während des Krieges zu einer achtbaren, respektierten Größe angewachsen. Wir haben bei weitem und noch lange nicht alles erreicht, aber sieben Jahre sind eine sehr kurze Zeit, und Herr Grimbaum hat darin recht: sicherlich drücken viele Mängel auf die politische Leitung. Es ist wahr, ich bin nicht allzu viel in London. Das ist nicht Ihre Schuld und auch nicht meine Schuld; ich kann nicht in Amerika und in London zugleich sein. Wir haben eine sehr lange Front /u verteidigen, und unsere Aufgabe ist komplizierter vielleicht als die mancher organisierter Staaten. Wir sind eine freiwillige Bewegung ohne Exekutivgewalt, rein auf der inneren Disziplin und moralischen Kraft aufgebaut. Und das ist ungeheuer schwer und, weiß Gott, ich habe den größten Preis gezahlt. Und das ist die Qualifikation, die ich auch von ihrem zukünftigen Komitee verlangen werde: daß es diesen Preis voll und ganz zahle. Wir haben nicht alles erreicht. Wie lange wird es dauern, bis wir alles erreichen werden! Aber ich behaupte, wie ich dies immer getan habe und tue: heute sind viele Dinge in Palästina zu machen, wenn wir nur die Kraft hätten, unsere Position in zwei bis drei Jahren so umzugestalten, daß auch die politischen!Möglichkeiten andere werden. Es ist ganz natürlieh, daß die Opposition den Tod des Polizisten zitiert und nicht die positiven Dinge, die inzwischen geschaffen wurden. Und doch sind in Palästina in der ganzen Umgestaltung unserer Situation Dinge geleistet worden, die von schwerwiegender politischer Bedeutung sind. Auf dem ganzen Gebiete der wirtschaftlichcn Konzessionen, einem Gebiet, das von schwerwiegender politischer und ökonomischer Bedeutung ist, waren wir erfolgreich, erfolgreich auf Grund des Mandates. Das ist etwas, was wohl mehr wiegt als manches was hier so ausgeschlachtet wird. Nunmehr einige Worte zur Frage der Jewish Agency. Ich möchte vor allem feststellen, was in Amerika in den Be- Ziehungen zwischen der amerikanischen Zionistischen Organisation und meiner Wenigkeit geschehen ist. Zunächst ein Wort über die ״Priorität“. W i r haben die Priorität Palästinas nicht aufgegeben. Jene haben sie nie angenommen; denn wenn sie sie angenommen hätten, wäre eine Jewish Agency nicht nötig, dann säßen sie alle hier. Deswegen verhandeln wir ja mit diesen Leuten. Ich glaubte und glaube, daß die Taktik in einer gewissen Periode der Zionistischen Organisation Amerikas infolge verschiedener Umstände nicht geholfen hat, diese Sache zu fördern, die der Kongreß beschlossen hatte. Ich war gezwungen, wie ich oft gezwungen bin, nicht aus freien Stücken das zu tun, was ich getan habe. Und ich habe den Mut, es auf mich zu nehmen, in der Hoffnung, daß meine zionistischen Freunde in Amerika, mit denen ich jahrelang aufs innigste zusammengearbeitet habe, es verstehen und weiter mit mir arbeiten werden. Und das ist auch geschehen. Und jeder Versuch, die amerikanischen Zionisten und mich auseinanderzu loben, wie es Jabotinsky mit mir und Wise getan hat, wird fehlgehen. Lassen Sie davon ab. Sie können ja Argumente anführen, aber versuchen Sie nicht Keile zwischen uns zu trpiben. Was die Jewish Agency selbst anbelangt, so erinnere ich an die Beschlüsse des Kongresses. Es ist möglich, daß sie gewisse Gefahren in sich schließt. Ich kann mich nicht der naiven Auffassung anschließen, wir sollten mit den Nichtzionisten in allen ökonomischen Dingen Zusammenarbeiten, nur nicht in Eolitischen. Wissen Sie denn •nicht, daß die ökonomischen finge in Palästina auf das innigste mit den politischen zusammenhängen? Hat nicht Jabotinsky selbst seine Einstellung ganz auf ökonomisch-politische Grundlage gebaut? Es geht wirklich nicht an, das eine von dem anderen zu trennen. Wenn es gelingen wird — und ich glaube daran — große Summen nach Palästina zu bringen, dann werden die Nichtzionisten die von ihnen investierten Summen mit noch größerer Energie politisch verteidigen, als manche andere es tun. Ich habe dafür schon Beispiele gesehen. Geehrter Kongreß! Sie haben die Jewish Agency beschlossen. Geben Sie der Sache eine Chance und sehen Sie sich an, wie sie sich auswirkt. Eine Diskussion über diese Frage hatte mir vor dem Beschluß einen Sinn. Also entweder den Beschluß zerbrechen oder vorwärtsgehen! Ich hätte noch einige Bemerkungen persönlicher Natur. Die beiden Hauptredner der Opposition haben mir empfohlen, mich zurückzuziehen. Wenn die Dinge in Palästina heute besser gingen, wäre ich nicht eine Minute geblieben. Persönlich werde ich mich freuen, wenn Sie einen anderen oder ein Komitee ■wählen. Ist das aber nicht der Fall, so muß ich ganz offen erklären: ich werde meine Politi k'nicht ändern und ich werde mich nicht in einen Druck hineinjagen lassen, irgendwie auf andere einen Druck auszuüben, wenn ich es nicht für gut^halte. Ich bin überzeugt: was wir heute erleben, ist ein Ueb e r - gang. Ich bin überzeugt, daß uns in der Zukunft noch weitere Krisen bevorstehen. Ich bin überzeugt, daß dies eine natürliehe Erscheinung in einer sehr schwierigen Aufgabe ist. Ich habe diese Krise niemals unterschätzt, und die Exekutive hat ihre ganze Kraft aufgeboten, um sie zu lindern. Auch jetzt ist für den Kongreß eine große Aufgabe vorhanden, die uns alle vereinigt: den Versuch zu machen, die Krise halbwegs zu beseitigen. Ich glaube, dies übersteigt nicht die Kraft des Kongresses. Und immer wieder werde ich sagen: wenn Sie diese temporäre Sache beseitigen, hat alles, was in Palästina gemacht worden ist, Hand und Fuß. Nur wir selbst pflegen es zu zerfetzen, es in Grund und Boden zu kritisieren. Verbessert, was zu verbessern ist; ändert die Exekutive, vervollkommnet die Administration; seid aber ehrlich und stolz in der Beurteilung dessen, was Ihr selbst gemacht habt. Denn es liegt Schweiß, Blut, Ehre und dreißigjährige Arbeit darin. Und wenn die ,Wolke sich heben wird, so wird man sehen, daß das Grundlegende, was in Palästina geschaffen worden ist, gesund ist. Wir haben ein schweres Joch auf uns genommen, wir sind auf die Wanderschaft gegangen, jahraus, jahrein, um zu bauen. Wir suchen der Front das zu schaffen, was sie braucht, und es ist Sache desjenigen Teiles, der in der vordersten Linie der Front steht, mutig zu sein und weiterzugehen. (Langandauernder, begeisterter Beifall und Ovationen für Weizmann. Der Kongreß erhebt sich. Aus der Mitte des Kongresses wird die Hatikwah gesungen.) Achte Sitzung Montag, 5. September, abends. Vizepräsident Rabbi Berlin schlägt namens des Präsidiums vor, die Generaldebatte, zu der noch 16 Redner vorgemerkt sind, ohne Anhörung der weiteren Redner zu schließen. Der Antrag wird angenommen. Nahum Sokolow gedenkt sodann der Toten seit dem vorigen Kongreß und widmet den von ihm Genannten einige Worte der Charakterisierung. Dr. Benzion (Argentinien) übermittelt dem Kongreß die Grüße der judenheit Süd- und Mitteiamerikas, besonders Argentiniens. Er weist zum Schluß auf die Bedeutung der Sep h a r d i m für das Aufleben des Volkes und seiner Sprache sowie für den Aufbau des Landes hin. Es folgt sodann eine Reihe von Erklärungen. Für die Fraktion der radikalen Zionisten verliest Dr. Soloweitschik eine langatmige Deklaration, in welcher nochmals die bekannte Anschauung der ״Radikalen“ ausführlich dargelegt wird. Es wird darin" die Außenpolitik (gegenüber der Mandatarmacht) und die Innenpolitik (Jewish Agency) der Exekutive als eine Kette dauernder Mißerfolge charakterisiert, scharf gegen den Wcizmann-Marshall-Pakt Stellung genommen. Die Erklärung schließt: ״Aus allen diesen Gründen geben wir unserer stärksten Unzufriedenheit mit der Tätigkeit der Exekutive in den letzten zwei Jahren Ausdruck und machen sie in der ersten Reihe verantwortlich für die schwierige und kritische Lage der Bewegung im Gallith und in Palästina. Das Programm, das der Präsident der Organisation und der Präsident der Exekutive dem Kongreß vorgelegt haben, bedeutet die Fortsetzung des bisherigen auf allen Gebieten gescheiterten Systems der herrsehenden zionistischen Politik. Wir leimen dieses Programm in seinen wichtigsten Richtlinien ab und werden gegen die Wiederwahl der beiden Präsidenten und ihr Betrauen mit der Leitung der zionistischen Politik stimmen.“ im Namen der revisionistischen Delegation gibt Lichtlieim folgende Erklärung ab: ״Wir sprechen der jetzt zurücktretenden Leitung bezüglich ihrer Tätigkeit auf den Gebieten der äußeren Politik, der Wirtschaftlichcn Arbeit in Palästina und der innerjüdischen Politik unsere Mißbilligung für das Vergangene und im Falle ihrer Wiederwahl unser Mißtrauen für die Zukunft aus.“ Gesundheit erklärt, daß der in seiner Rede vom Freitag auf die Arbeiterfrage bezügliche Passus nur in seinem eigenen ' Namen und nicht im Namen der südafrikanischen Delegation vorgebracht worden ist. Jabotinsky setzt in einer ״persönlichen Erklärung“ die näheren Umstände auseinander, die ihn zur Unterzeichnung des Weißbuches im Jahre 1922 bewogen haben. Er sei danach wenige Stunden vor der Unterzeichnung aus Amerika nach London gekommen und habe aus Loyalität gegenüber seinen Kollegen in der Exekutive das Dokument mit unterzeichnet. Er bedaure heute diese seine Loyalität. Hierauf erhält Dr. Ruppin das Wort zu seinem Referat: ״Grundprobleme des Aufbaus Palästinas.“ Nach Dr. Ruppin spricht Ussischkin über die Aufgaben des Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth). Die Referate werden nachgetragen. Neunte Sitzung Dienstag, 6. September, 81/2 Uhr abends. Die Sitzung von Dienstag abend ist der Debatte über den Jüdischen Nationalfonds (Keren Kajemeth) und eien Keren Hajessod gewidmet. Nach Beendigung der Keren Kajemeth-Debatte, in welcher Dr. Bernstein (Amerika), Levenson (Misrachi, Amerika), Rabbi Gold (Misrachi). Rabbi Ostrowski (Misrachi, Palästina), Dr. Juris (Poale Zion), Rabbi Brod (Misrachi), W e rt h e i m (Amerika) sprechen, hält Dr. Hantke sein Referat über die Aufgaben des Keren Hajessod. Wir werden den Inhalt des Referats nachtragen. An das Referat schloß sich eine kurze Debatte, worauf die Sitzung um Mitternacht geschlossen wurde. * Basel, S. Sept., nachm., (telephonisch) Die Lage ist insofern unverändert, als eine Entscheidüng über die neue Palästina-Exekutive noch nicht getroffen ist. Inzwischen haben sich Poale Zion und Hitachduth als entschiedene Gegner des Dreier-Direktoriums erklärt. Es besteht also nach gegenwärtigem Stand nur dann Aussicht auf Durch- Setzung dieses Vorschlags, wenn der Misrachi zustimmt. Sollten die Verhandlungen mit dem Misrachi zu keinem Resultat führen, so bleibt augenblicklich kein artderer Ausweg, als Wiederwahl der alten Exekutive. Weizmann hat heute im Permanenz-Ausschuß wieder das Dreier-Kollegium als einzigen realen Vorschlag bezeichnet, da alle anderen Kombinationen sich als unmöglich erwiesen haben. Die Hauptschwierigkeit besteht darin, daß Sacher, die zentrale Figur der neuen Exekutive, nur in der Form des Dreier-Direktoriums in die Exekutive einzutreten gewillt ist. Eine gewisse Erleichterung erfuhr die Lage durch die Erklärung des Präsidenten der Exekutive, Herrn Sokolow, daß er im nächsten Jahr sechs Monate in Palästina sein wird. Man sieht darin eine gewisse Milderung des ״diktatorischen Prinzips“. In den Couloirs wurden auch andere Kandidaturen genannt, z. B. Miß Szold, um eine festere Verbindung mit Amerika zu bewirken. Es scheint aber, daß dies im Augenblick nicht ernstlich in Frage kommt. Dr. Weizmann hat an Dr. Stephen Wise nach Paris ein Telegramm geschickt, er solle zuriiekkommen. Es stellt sich jedoch heraus, daß Dr. Wise bereits vor dem Zwischenfall in der politischen Kommission zur Abreise aus persönlichen Gründen vorbereitet war. Im Plenum wurde Mittwoch Nachmittag und abends die Debatte über Keren Hajessod vor fast leeren Bänken zu Ende geführt. In der Nachtsitzung wurden die Anträge der Immigrations-Kommission behandelt, Donnerstag Vormittag die Anträge der Gesundheits- Kommission. Das Referat von Blumenfeld soll Donnerstag Abend erstattet werden. * Der Fraktion des Linken Zentrums haben sich bisher 42 Delegierte angeschlossen, und zwar: 12 Rumänien, 10 Deutschland, 8 Tschechoslowakei, 1 Ungarn, 1 Oesterreich, 3 Bulgarien, 1 Schweiz, 1 Skandinavien, 1 Straßburg, 4 Jugoslawien. V ■;•I :!'■ 1; ■v-1; ל; ';ii ■Mi t'/

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