Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 72 (9.9.1927)
- Date
- 1927-09-09
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 514 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 72, 9. IX. 1927 Siebente Sitzung Sonnabend, 3. September, abends. Dr. Bernstein (Amerika) nimmt das Wort zu einer Erklärung. Er wendet sich gegen die Ausfälle, die der Del. Katzneison gegen die offizielle zionistische Presse in Amerika vorgebracht hat. Wenn Katznelson behauptet habe, daß die zionistische Presse in Amerika gegen die Arbeiterpartei in Pa* iästina Lügen und Verleumdungen vorbringe, 80 müsse Redner diese Beschuldigungen als ungerecht und unbegründet kategorisch zurückweisen. In unserer ganzen Pressekampagne ist niemals eine beleidigende Aeußerung gegen irgendeine Person gemacht worden, wir bekämpfen bloß ein System. Sämtliche Artikel, die sich mit diesem Gegenstand befassen, waren stets ein Akt der Selbstverteidigung und eine Antwort auf die Attacken, die von der anderen Seite gegen uns unternommen worden sind. Dagegen sind in der Presse in Palästina eine Reihe von Aufsätzen erschienen, in denen amerikanische Zionisten unter Nennung ihrer Namen schwer beleidigt wurden. Wenn von Burgfrieden gesprochen wird, dann kann ich im Namen unserer Presse in Amerika feierlich erklären, daß wir jederzeit bereit sind, den Kampf auf dem Boden der Prinzipien und Ideen zu führen. Wir werden uns dabei von keinerlei persönlichen Angriffen beirren lassen. Madame Benzion (Kanada) überbringt den Gruß der kanadischen Zionisten und spricht der Leitung das Vertrauen aus. Dr. Leon Reich (Ostgalizien): Wir sind mit der Politik der Exekutive, mit dieser Methode der Vorsicht, der Vernunft und bedachtsamen Arbeit zufrieden, wenn wir auch mit einzelnen politischen Handlungen, mit dem Tempo und mit manchen politischen Reden nicht einverstanden sind. Redner trägt verschiedene Postulate an die Adresse der Regierung vor. Die Exekutive müsse allen Schichten ihre Aufmerksamkeit zuwenden, und daher auch die Privatinitiative mehr fördern. Das Budget wollen wir kürzen, aber nicht so, daß die Notwendigkeiten der Zionistischen Organisation darin erstickt werden. Bernheim (Paris) erinnert daran, daß Dr. Weizmann mit dem Oberkommissar von Syrien, de Jouvenel, Unterredungen gehabt hat, die von der Sympathie Jouvenels für das jüdische Aufbauwerk Zeugnis ablegen. Redner verbreitet sieh über die Lage des Zionismus in Frankreich und wendet sich gegen das gleichgültige Abseitsstehen der französischen Juden. Jean Fischer (Belgien): Für unsere Arbeit gibt es nur ein Kriterium, die Resultate, und diese zeigen, daß in unserem System etwas nicht richtig ist. Daß die Entsendung der amerikanischen Kommission notwendig war, ist ein Eingeständnis der Tatsache, daß unser System defekt ist. Bei Darstellung der Krise geben unsere Propagandisten als ihren Hauptgrund an, daß das jüdische Volk nicht genug Geld gegeben hat. Die Juden müssen wirklich viel mehr Geld geben, aber diese Antwort ist oberflächlich und irreführend, genau so irreführend, wie die Behauptung, daß die Arbeiter schuld sind. Die Keren Hajessod-Arbeit ist kostspielig und zeitraubend, sie braucht viel Energien, und darin ist eine Wandlung möglich. Der größte Teil der Gelder muß wirklich nach Palästina kommen und dort gut verwaltet werden. Die Juden geben uns jetzt über eine Million Pfund pro Jahr, und die jetzige Leitung hat das ungeheure Verdienst, dieses Geld jährlich aufzubringen. Es ist dies eine ungeheure Leistung des Volkes. Auch die Leistung der Arbeiter in Palästina ist ungeheuer, und ebenso die der Bour* eoisie. Aber wo bleibt das Aequivalent der Leistung? Nicht er oder jener Einzelne ist, wie die Opposition behauptet, an diesem Zustand schuld, sondern das System, das auch de« Besten zermalmt. Ueber Arlosoroff s Rede habe ich mich sehr gefreut. Sollte die ganze Linke hinter Arlosoroff stehen, so würde ich das mit Freude begrüßen. Arlosoroff hat straffere Zentralisierung alter Institutionen verlangt. Meine langjährige Erfahrung hat mich überzeugt, daß wir Dezentralisation nötig haben. Koordination muß nicht Zentralisation sein. Im Gegenteil, die Institutionen, die unter dem direkten Einfluß der Exe* kutive stehen, müssen davon befreit werden, um aufzuleben. Ich verlange, wie ich es schon so oft erfolglos verlangt habe, die prinzipielle Anerkennung des Grundsatzes der Inkompafcibilitlt. Weizmann liat es für nötig befunden, eine Lanze für die Beamtenschaft einzulegen. Ich habe nichts egen die Beamtenschaft, aber es ist inkompatibel, daß so viele eamte im Kongreß und im A.-C. sitzen und Stimmrecht haben. Man kann nicht Partei und Richter in einer Person sein. Redner spricht über das Problem der Anleihe und tritt nachdrücklich für die Agency-Erweiterung ein. Es folgen nun noch eine Anzahl weiterer Redner, die zum Teil kleine Landsmannschaften und zum Teil Gruppen angehören, die bereits in der Debatte gesprochen haben. So sprechen u. a. Farbstein (Misrachi), Dr, Julius Becker (Schweiz), Pacif i ci (Italien, spricht hebräisch), Ab. Goldberg (Amerika). Die Antwort der Exekutive Col. Kisch charakterisiert die gegenwärtige Krise in Palä* stina als eine Folge der Unterproduktion. Er wendet sich dann der Kritik zu, die der Kongreß an der Palästina- Regierung geübt hat. Ich möchte dringend wünschen, sagt Redner, daß das, was die Regierung getan oder nicht getan hat, richtig eingeschätzt werde. Es ist keine Entdeckung und kein Monopol der Oppositionsgruppen, auch nicht der Gruppe Eth Liwnoth, daß wir durch die Förderung industrieller Ent- Wicklung die Absorption der Arbeitslosen fördern können. Es war das von der Exekutive während der letzten fünf Jahre andauernd verfolgte System, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln und durch ständigen Druck auf die Behörden die industrielle Tätigkeit zu intensivieren. Allerdings ist uns nicht alles gelungen, und in bezug auf den bereits erwähnten syrisch-palästinensischen Vertrag haben wir leider einen Mißerfolg gehabt. Der Vertrag wird wahrscheinlich leider in der Ihnen bekannten Form ratifiziert werden, und es ist kein Trost, daß uns die Regierung mitgetcilt hat, sie werde die ganze Situation neu prüfen, wenn der Vertrag ein Jahr in Kraft gewesen ist. Es besteht jedoch noch eine gewisse Möglichkeit, daß wir im letzten Augenblick die Konzession erlangen werden, daß die Regierung denjenigen unserer Industrie- Produkte, die beim Transport von Palästina nach Syrien dem syrischen Zoll unterliegen werden, eine Exportvergütung oder Prämie zuerkennt. Das würde in einem gewissen Grade den Schaden mildern, den der neue Vertrag unserer Ansicht nach mit sich bringen wird. Der Standpunkt der Exekutive in dieser Frage wurde den Behörden klipp und klar bekanntgegeben, und wir werden diesen Standpunkt weiter verfechten und versuchen, mit der uns zu Gebote stehenden Autorität die durch die Annahme dieses Vertrages geschaffene Lage zu verbessern. ln anderen Fragen haben jedoch unsere Verhandlungen mit der Regierung bezüglich der Industrie in den letzten Jahren in weitem Umfang Erfolg erzielt. Ich denke hauptsächlich an den Zolltarif. Man sollte jbei Betrachtung dieser Frage verstehen, daß es in Palästina keine direkte Besteuerung, keine Einkommen- Steuer gibt und daß die Haupteinnahmequellen der Regierung die Zölle, die Boden- und Besitzsteuer (Werko), der Zehent von landwirtschaftlicher Produktion (Oscher), die Einnahmen der Staatsbahnen, der Post- und Telegraphenverwaltuug usw. sind. Die letzteren kann man aber im wesentlichen als Zahlung für eine bestimmte Leistung ansehen, und wenn wir dauernd Zugeständnisse mit Bezug auf die Zölle verlangen, so dürfen wir nicht veyjessen, daß wir andererseits auch viele Forderungen an die Regierung stellen, die Ausgaben aus den Einkünften mit sich bringen, die durch jeden Nachlaß an Zöllen verringert werden. Die Zölle brachten rund 800000 Pfund von den Regierungseinkünften des letzten Jahres, werden aber in diesem Jahre um etwa 200 000 Pfund zurückgehen, zum Teil wegen der Zollbefreiung, die wir zugunsten der Industrie erlangt haben, zum Teil infolge der Krise. Wir erreichten die völlige Zollbefreiung für jede Art von Seiden-, Baumwoll-, Sehafwoll-, Hanf- und Jutegarnwaren, Rohbaumwolle, sowie für alle für Textilindustrie erforderlichen Rohstoffe. Diese Nachlasse wurden direkt auf Grund der von der Exekutive mit der Regierung geführten dauernden und eindringlichen Verhandlungen gewährt. Andere Artikel, die auf unser Ansuchen vom Zoll befreit wurden, sind das gesamte Rohmaterial für die Gerberindustrie, ferner sämtliche landwirtschaftlichen und industriellen Maschinen, endlich Druckertypen und -Maschinen. Bezüglich der letzteren können wir behaupten, daß die Produktion der hebräischen Literatur eine natürliche Industrie Pa- Iästinas ist. Ich könnte noch viele andere Artikel anführen, die vom Zoll, und zwar als direktes Ergebnis unserer Unterhandlangen, befreit worden sind. Ich sage nicht, daß wir restlos zufrieden sind, aber diese Konzessionen auf Grund unserer Vorstellungen sollten doch anerkannt werden. Und man sollte auch daran denken, daß die Umwandlung Palästinas aus einem Agrarland, in ein Land, das sowohl landwirtschaftlich als auch industriell tätig ist, komplizierte und weitgreifende Veränderungen innerhalb der legislativen Tätigkeit mit sich bringt. Vielleicht liegt in dieser Richtung der schwerwiegendste Grund zur Klage über die Langsamkeit, mit der solche Veränderungen bewirkt werden können, aber, meine Herren, ״langsam aber sicher“ ist charakteristisch für das englische Volk und für jede englische Verwaltung. Wenn es wahr ist, daß wir manchmal leiden, weil die Mandatsmacht nicht so schnell vorwärts geht, wie wir es wünschen, so glaube ich, daß wir nicht selten aus dieser charakteristischen englischen Vorsicht und Voraussicht, die wir so ungeduldig ertragen, Nutzen gezogen haben. Redner spricht sodann über die Verhandlungen zur Regelung der Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehtnern, bei denen Dr. R u p p i n der Exekutive wertvolle Dienste geleistet hat. Sodann wendet er sich der Hadassah-Frage zu und empfiehlt dem Kongreß Annahme des Vertrages. Er fährt fort: Viel wurde auf dem Kongreß über unsere Be- Ziehungen zur Mandatar macht und über die Art der Führung unserer Geschäfte mit der britischen Mandatarregierung gesagt. Ich habe während der letzten fünf Jahre andauernd in offener Weise Beschwerden der Regierung gegenüber vorgebracht, und der Großteil meiner Beschwerden fand mehr oder weniger befriedigende Erledigung, allerdings manchmal erst nach langen Verhandlungen. Natürlich kommt es immer noch auf Ton und Haltung an, und wenn die Exekutive, gemeinsam mit den Industriellen, komplizierte Verhandlungen mit dem Direktor des Handels- und Zoll-Departements führt, so ist es für diese Verhandlungen nicht gerade förderlich, wenn das Organ der Revisionisten in Haifa diesen hohen Beamten einen Lügner nennt. Was die Bemerkungen von Herrn Grünbauin zu dieser Frage anlangt, so möchte ich sagen: Bei aller Hochachtung für seine glänzende Führerleistung im Kampf um unsere Rechte in einem Lande, wo nur allzu oft ein Bestreben zur Geltung kam, unserer Gemeinschaft die Minoritätsrechte zu bestreiten, die schließlich doch gesetzlich festgclegt wurden, glaube ich nicht, daß die Art, in der er diesen Kampf so rühmlich und erfolgreich geführt hat, auf Palästina anwendbar ist. In Palästina fordern wir etwas anderes als Minoritätsrechte, auch etwas anderes als Majoritätsrechte, nämlich die spezifischen historischen Rechte des jüdischen Volkes in Priästina. Weil diese Rechte so besondere und weil die Situation eine so andre ist, müssen unsere Beziehungen, nachdem einmal die Anerkennung dieser Rechte auf Grund gegenseitiger Vertrauensvoller Verständigung mit dir Mandatarmäeht erfolgt Ist, aut die Grundlage gegenseitigen Zutrauens gestellt werden. Es gab während der letzten schwierigen Periode reiche Beweise dafür, daß dieses Zutrauen gerechtfertigt ist. Ebenso zeigte sich während dieser Periode ein betrachtlicher Fortschritt in einer der Hauptrichtungen nationaler Ent- Wicklung. Unsere Industrie ist wahrend der beiden letzten Jahre in einer Weise vorwärtsgekommen, die weit über die Entwicklung der vorhergehenden fünf Jahre hinausgeht. Der industrielle Export unserer Fabriken erreichte jetzt eine Ziffer von rund 60 000 Pfund jährlich, während es vor zwei Jahren noch keinen Industrie-Export gab. Das Gebiet jüdischer landwirtschaftlicher Ansiedlung hat unter der Krisis kaum gelitten, ja es gab in der Ausdehnung der Pflanzungen in den letzten 18 Monaten einen größeren Fortschritt als in den vorhergehenden drei Jahren, und diese Seite unserer Entwicklung wird in rund fünf Jahren reiche Frucht im wörtlichsten Sinne bringen. 1 Redner beschäftigt sich weiter mit dem Staatsbürgerschaftsgesetz und dem neuen Gemeindegesetz, erwähnt die bevorstehenden größeren Arbeiten wie Ruthenberg-Werke, Hafenbau und betont schließlich, daß die Grundfesten der nationalen Heimstätte sich auch in der Erschütterung der Krise als fest erwiesen haben. Nach der mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Rede ergreift Dr. Weizmann um 12 Uhr nachts das Wort. Er spricht bis 2 ״ י Uhr. Weizmanns Schlußrede Dr. Weizmann (lebhaft akklamiert): Ich muß mich auf die Hauptpunkte der verschiedenen größeren Reden, die gehalten worden sind, beschränken. Bezüglich der Einzelfragen verweise ich auf das Programm der Exekutive, das inzwischen publiziert worden ist. Es sind dort in einfacher Form die Hauptgedanken, die wir glaubten, ihnen unterbreiten zu müssen, dargelegt. Zu den Reden will ich folgendes bemerken: Eine Bemerkung fiel von Berl Katznelson bezüglich des ״Nir“. Er sagte, die Tatsache, daß der Präsident der Zionistisehen Organisation es für nötig befunden habe zu unterstreichen, daß die Kontrakte mit den Kolonisten direkt gemacht werden sollen und nicht mit einer dritten Körperschaft, deute auf den ״neuen Kurs“. Er hat sich unnötigerweise aufgeregt. Es ist aßen und sollte ihm jedenfalls bekannt sein, daß in der Mitte der Exekutive seit Monaten eine Diskussion über diese Frage besteht. Es ist eine rein sachliche Frage, die mit Kursänderung nichts zu tun hat. Es liegt eine Meinung vor, die zweifach begründet ist. Erstens wird von kompetenten Beurteilern angenommen, daß die Einschaltung des ״Nir“ die Kontrakte-vom Standpunkt einer zukünftigen Kreditbasis weniger wertvoll mache. Zweitens behaupten Menschen, die über diese Dinge ein Urteil haben, daß ein direkter Vertrag mit dem Siedler auch ein größeres Verantwortungsgefühl im Siedler hervorrufen würde. Diese beiden Dinge sind ebenso im Interesse der Siedler wie im Interesse der kontrahierenden Parteien. Das allein waren die leitenden Motive und es ist wirklich nicht notwendig, so empfindlich zu sein, und in jedem sachlichen Vorschläge die Aenderung oder Nichtänderung eines politisehen Kurses zu erblicken. Herr Grünbaum hat die Argumente wiederholt, die auf dem vorigen Kongresse mit ziemlicher Gründlichkeit von ihm durchgefünrt worden sind. Wenn Herr Grünbaum gesagt hätte, was er unter einer ״großen politischen Tat“ versteht, dann wäre ich imstande, ihm zu antworten, ob sie nach meiner Meinung möglich ist oder nicht. Aber wenn man Nt so einfach ins Blaue hinein erklärt, wir brauchen ״eine große! politische Tat“, so frage ich: Was ist das, wie macht man das״< Wohl als Antithese wurde von der Kleinarbeit gesprochen. Ich habe seit Jahren gesagt, daß unsere Arbeit sich zum großen l Teile aus Routine, aus wichtigeren und weniger wichtigen I Tätigkeiten zusammensetzt. Die Hauptsache ist, daß die Summe dieser kleinen Dinge einen Fortschritt bedeutet. Große poii-l tische Taten geschehen einmal in zwanzig oder fünfzig oder | noch mehr Jahren. Damit kann man nicht jedesmal aufwarten und ich glaube nicht, daß man es .irgendeiner Leitung als Schuld vorwerfen kann, daß sie keine großen politischen Taten voll• | bracht hat. Ich habe mich auch gewundert, gerade aus dem Mündel des Herrn Grünbaum den Hinweis darauf zu hören, was eine Regierung tut, wenn sie wirklich helfen will. Er spielte da offenbar auf die Sowjet-Regierung an, die der jüdischen Kolo-1 nlsation in Rußland Hilfe bringt. Hier liegt vielleiht ein wirklicher grundlegender Unterschied zwischen uns vor. Ich ziehe, alles in allem genommen, die langatmige, mühsam zu ge-1 winnende Hilfe der Engländer der raschen Hilfe der Sowjet- Regierung vor. (Beifall.) Der neue Ton der In die Diskussion gekommen ist, ist der: ״Niemand ist zufrieden mit dem politischen Kurs; warum decken Sie diesen politischen Kurs?“ Meine Damen und Herren! Es] ist eine delikate Angelegenheit. Die Rolle des politischen Leiters der Zionistischen Organisation — und es ist gleichgültig,] wer immer es sein wird — wird immer zum großen Teil darin bestehen, die zionistischen Wünsche gegenüber | der Mandatarmacht zu interpretieren und umgekehrt, die Wünsche und Antworten der Mand atarmacht | gegenüber der Zionistischen Organisation zu interpretieren. Und das ist eine schwierige und] delikate Rolle. Es ist möglich, daß ich nicht die Qualifikation dazu habe, aber ich erlaube mir den Zweifel auszusprechen, daß die anderen diese Qualifikation in so erheblich höherem Maße haben. Da Sie die Exekutive nicht nur für die Taten der Exekutive verantwortlich machen, sondern mit der Administration ziemlich Identifizieren, so sind wir notwendigerweise sehr oft gezwungen, die Mandatarmacht Ihnen gegenüber wohl nicht zu decken, aber zu interpretieren. Mir ist aas Ziel des Zionismus genau so verständlich wie irgendeinem in diesem Saal, und ich verstehe sehr gut, daß das jüdische Nationalheim nicht identisch ist mit der Mandatarmacht. Ich verstehe aber auch ganz gut, daß es zum großen Teil unsere Aufgabe ist, die Sache so zu leiten, daß man die Mandatarmacht in ein Minimum von Verlegenheit bringt. Und ich suche mit allen Kräften zu vermeiden, was unnötigerweise zu dem Schaden eines Konflikts mit der Mandatarmacht führen kann. Denn in diesem Konflikt wäre der Kampf ein ungleicher. Das können wir uns nicht leisten. Und nun möchte ich zu der Rede Jabotlnskys übergehen. Jabotinsky hat sich großen Zwang angetan. Das Ganze ist reduziert worden auf einen Unterschied nicht qualitativer, sondern quantitativer Art. Es gibt einen Jabotinsky, der im Kongreß ist und den wir alle mit großem Vergnügen gehört haben, und es gab einen Jabotinsky, der im Laufe dieser Kongreßperiode geschrieben und gesprochen hat, in Warschau und Saloniki und Paris und im ״Rasswjet“, und diese zwei Jabotlnskys haben in verschiedenen Sprachen gesprochen. Aber mich interessiert nicht, was vorher war. Noch weniger interessiert mich und, wie ich glaube, auch ihn, was die Anhänger Jabotinskys schreiben. Ich arbeite, meint er, unter einer Psychose, und wenn ein Mensch so ist, so ist er unverbesserlich, also muß er gehen. Die Psychose besteht darin, daß ich alles unter einem Winkel, und zwar unter einen! schiefen Winkel *die. Nun, ich will nicht mit derselben Münze zahlen, aber Herr Jabotinsky hat eine Reihe von Tatsachen angeführt, von denen man nur sagen kann, daß er sie unter einem bestimmten Winkel, für einen bestimmten Zweck, um eines psychischen Effekts willen, um ein bestimmtes Resultat zu erreichen, zusammengestellt hat. Zum Beispiel: er erzählte von dem Tode eines Polizisten in Jerusalem und sagte: seht, so werden die Juden behandelt. Es ist eine Psychose, wenn er eine Tatsache, die überall passieren kann, auf eine bestimmte Theorie zuspitzt, die in seinen Kram hineinpaßt. Was den großen Komplex von Fragen betrifft, die sich auf Schutzzoll, Steuern usw. beziehen — es sind außerordentlich wichtige Fragen, aber ich glaube, bei allem Respekt, den ich vor dem Kongreß habe, nicht, daß diese Fragen in dieser Versammlung richtig behandelt werden können. Herr Jabotinsky weiß genau, daß wirseitjahrund Tag die Regierung drängen, um hier gewisse Ver- Änderungen zu erzielen, und ich glaube, der Vorwurf, den man der Regierung machen kann, Ist der, daß es zu langsam geht. Aber ich glaube, wenn der Judenstaat einmal kommen wird, wird es auch dort eine Administration, eine Bürokratie geben, der man vorwerfen wird, daß sie eine hölzerne Maschine ist, die langsam arbeitet. Ob eine allgemeine Schutzzollpolitik in Palästina möglich ist, ist eine prinzipielle Frage. Herr Jabotinsky mag darüber eine definitive Meinung haben, aber es ist dennoch eine Streitfrage und es wird noch lange dauern, bis diese Frage endgültig erledigt ist. Wir haben die Regierung veranlaßt, anstatt empirisch von Fall zu Fall zu entscheiden, ob diese oder jene Industrie geschützt werden soll, die ganze Frage vom Standpunkt des ganzen Landes zu Studier e n, und wir sind aufgefordert worden, in dieser Beziehung einen Vorschlag zu machen. So stehen die Dinge, und ich verstehe nicht, warum man das für ein politisches Programm ausschrotet. Es liegt eine gewisse Psychose darin, dies zu einem politischen Kernpunkt zu machen und mit dieser wunderbaren Rednerkunst, die besserer Dinge wert wäre, in diese Versammlung hineinzuwerfen und sie zur Rotglut zu erhitzen. Wie Herr Kisch schon geschildert hat, hat die Palästina-Regierung in den letzten zwei Jahren verschiedene Konzessionen gemacht, auf empirischem Wege, speziell auf dem Gebiete der Textilindustrie. Man könnte ganz schematisch sagen: in Pa- Iästina werden wahrscheinlich hundert verschiedene Industriezweige versucht werden, von denen neunzig wieder verschwinden werden. Und es ist das Wesentliche, die entwicklungsfähigen Industrien, die übrig bleiben werden, schützen. zu griechischen Ansiedlung. aber Sache was 1 ist e! zehn man! bring lichei K0101 Kapil sind 26! Haus oder die c mors gesic ״Z u f ä 11 i g“ habe ich etwas darüber gelesen. Es ist wirklich ein purer Zufall, aber Ich habe es doch gelesen. Zufällig haben meine Freunde und ich uns sehr eingehend für die Sache interessiert. Wir haben zufällig einen Menschen hinge• schickt, um die Sache an Ort und Stelle zu studieren und uns Bericht zu erstatten. Und zufällig kenne ich Ziffern. Jabotinsky zitierte meine Rede aas Boston, wo ich gesagt habe, wir haben in das Land seit Anfang unserer Arbeit zehn Millionen Pfund gebracht. Dafür sind nun, sagt Jabotinsky, 72000 Mensehen ins Land gekommen. Die Griechen haben in den letzten sechs Jahren eineinhalb Millionen Menschen aus Anatolien nach Griechenland gebracht und dafür 15 Millionen Pfund äusgegeben. Jabotinsky sagt seilst, daß die Sachen nicht zu verf*'' . gew: tmsk denn daß davo dann korni billig habe wir sein! Und nun noch ein Punkt, der viel ernster ist. Das ist ein Knalleffekt, mit dem man große Versammlungen, bestehend aus Männern, die manchmal nicht allzu viel von den Dingen wissen, vielleicht zu blenden vermag. Das ist die Frage der unse tcue für mit!11 ac der vor Kos1 eher zieh wen so \ Kör jabi Unt ich geh! zu : e i n kön daß indt gut! von ist wir daß wer mir in c sich die ti s ö k für ver and ans ist üb« die difl ein ma pol En; En auf de! hat licl vie Me bre ein Di! hei An wn die sti M; Sic zu W de sic de so In Fa Fa im W kc ke Ic da w, hä ut pc VC si! in vc vc di si ti! ni \X w k; d! ii: R u d