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Jüdische Rundschau · 1927-09-06 · Heft 71 (6.9.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 71 (6.9.1927)
Date
1927-09-06
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite SOS JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 71, 6. IX. 1927 Ich komme jetzt zum wichtigsten und schwierigsten Punkte, der Arbeitslosigkeit. Wenn der Exekutive nicht die Mittel in die Hand gegeben werden, dieser Frage, die auf allen Arbeiten der jetzigen und künftigen Exekutive lastet, wenigstens irgendwie Herr zu werden, so ist es nutzlos, Zeit und Mühe über die Wahl der oder jener Exekutive zu verlieren. Ich glaube, es ist möglich, daß gewisse Arbeiten eingeleitet werden, die einen Teil der Arbeitslosigkeit beheben. Aber wenn dies alles auch geschieht, wird auch bei einem größeren Zufluß von Privat- Kapital noch immer eine große Zahl von Arbeitslosen übrigbleiben. Ich werde mit jeder Delegation, die hier ist, beginnend mit jener, die die größte Pflicht trägt und tragen soll, Mittel und Wege suchen, tun noch auf diesem Kongreß der Exekutive wenigstens ein Minimum auf den Weg zu geben, um sie in die Möglichkeit za versetzen, die Lage irgendwie zu erleichtern. Man sucht jetzt vielleicht einen Sündenbock für die Schwierigkeiten. Sie werden darüber noch so manches auf dem Kongreß hören, und ich will nicht vorgreifen. Aber das Eine sei hier festgestellt: Wenn nicht die Disziplin, die Selbstaufopferung sowie die übermenschliche Geduld wäre, die diese Tausende vom Arbeitslosen aufbringen, so wären wir politisch, moralisch und zionistisch in einem viel schlechteren Zustande als jetzt. Wir haben in unserer ganzen Tätigkeit, nicht nur durch unsere Schuld, schon seit sieben Jahren auf den Idealismus «der Chaltizim spekulieren müssen. Aber diese Destruktion eines der besten Teile unseres Menschenmaterials kann nicht ungestraft fortgesetzt werden. Diejenigen, welchen der Zionismus eine Lebens- und Todesfraue ist, werden diesen Saal nicht verlassen, ohne nicht das Größte und Beste getan zu haben, um diese Frage würdig und menschlich zu losen. Ich habe schon über *lic Anstrengungen gesprochen, die mit verhältnismäßig kleinen Mitteln seitens des A-bcitsdepartements gemacht worden sind. Aber sogar Sprinzak kann nicht mehr zaubern. Ich will noch kurz den Vertrag zwischen der zionistischen Exekutive und der Hadassah erwähnen, da sich die Presse damit beschäftigt hat, und ich empfehle Ihnen die Ratifizierung dieses Vertrages. Nun noch eine kleine, wenn auch unangenehme Sache. Stets, wenn es schlecht geht, wird ein Sünden bock gesucht und gefunden, und dieser Sünden bock soll jetzt die zionistische Beamtenschaft sein. Diese Beamtenschaft führt znm großen Teile ein Chaluzleben. Es fällt uns schwer, Beamte zu finden, denn wir können ihnen nicht das bieten, was eine Refierung oder sogar nur andere größere Organisationen, die nicht enselben Fluktuationen unterworfen sind, wie wir, bieten können. Wir haben sowohl In Palästina als auch in London eine Kommission von unabhängigen, nicht mit der Exekutive verbundenen Männern, die unser Vertrauen und das der Zionistischen Organisation haben, eingesetzt. Wir haben die ganze Frage der Gehälter und der Anzahl der Beamten geprüft. Die Berichte dieser Kommission, liegen vor, und, soweit man es sehen kann, sind diese Angriffe, die von unverantwortlicher Seite gegen die zionistische Beamtenschaft gemacht worden sind, völlig unbegründet und ungerecht. Eine regelrechte Arbeit muß darunter leiden, wenn unsere Beamten von irgend jemanden, der sein Mütchen kühlen will, heruntergerissen werden. Zum Schluß will ich noch, ohne daß es sich um einen offiziellen Optimismus handelt, sagen: Was wir erreicht haben, ist mit allen Schwächen und Gebrechen genügend stark, um auch diese Krise zu überstehen, wenn die Zionisten und der Kongreß ihre Pflicht tun. Wir habe« Erfahrungen gesammelt, und ein Stück Aufbauarbeit geleistet» das sich vergleichen läßt mit dem Aufbauwerk so mancher kleinen Regierung. Die Männer, die seit dreißig Jahren eine Verantwortung in sich tragen, schauen in die Zukunft mit der Hoffnung, daß das, was jetzt in Pailstinä Vergelt, mit unserem Anstrengungen beseitigt werdet! kann. Vor uns liegt die Zukunft für eine größere, weitere systematische Arbeit. Der Vorsitzende Motzkin erteilt sodann das Wort dem Präsidenten der zionistischen Exekutive, Nahum S o k o l o w, der über die Fortschritte der Bewegung im Innern spricht. Die Generaldebatte Dritte Sitzung Mittwoch, 31. August, nachmittags. Rabbi Meir Berlin (Misrachi): Die Krise ist nicht in Palästina, sondern in der zionistischen Bewegung. Es ist nicht jüdische Art, im Leide zu verzweifeln und im Unglück die Hände in aen Schoß zu legen. Es ist nicht an der Zeit, die Leitung oder diese oder jene Persönlichkeit zu kritisieren. Die Krise ist nicht eine Krise der Leitung oder einzelner Persönlichkeiten, sondern sie dringt immer stärker in alle Teile des Zionismus ein. Das Unheil kommt nicht vom Mangel an Geld, sondern vom Mangel an Mut. Dem Misrachi ist all das nicht überraschend gekommen. Wir haben es immer gesagt, daß der Zionismus nicht eine Bewegung ist, die nur Menschen von einem Lande ins andere übersiedelt. Unser Zionismus muß aus den Tiefen der Seele kommen. Die Organisation hat es nicht verstanden, die Herzen des größten Teiles des Volkes zu gewinnen, weil der Zionismus sich nicht auf die große messianische Hoffnung stützt, die verbunden ist mit den Heiligtümern der Nation. Präsident Weizmann hat Einschränkungen verlangt. Aber wenn wir das Budget vermindern, verringern wir die Arbeit im Lande, dadurch weiter die Begeisterung im Volke und als Folge dessen auch die Höhe der Eingänge. Wir bewegen uns also damit in einem Kreise. Das Eingeständnis, daß wir am Ende unserer Mittel stehen, bedeutet einen Mangel an Hoffnung zum Volke. Die Leitung hat für die vierte Alijah nichts getan. Der Misrachi steht keineswegs zur Arbeit und den Arbeitern in einem Gegensatz. Hat er doch zahlreiche Chaluzim in seiner Mitte. Aber man kann das Volk nicht auf Haß und Kampf der Klassen gegeneinander aufbauen. Wenn Palästina aufgebaut werden soll, muß die Hilfe von allen Seiten kommen. Es ist ein Unrecht, das Erziehungsbudget verringern zu wollen. Wir geben so die Erziehung aus unserer Hand. Redner wendet sich weiter gegen das System der Waadath Hatarbuth und dagegen, daß es drei verschidene Erziehungssystemc in Palästina gibt. Es ist soweit gekommen, daß wir in Palästina jüdisciie Kinder haben, die nicht nur den Glauben, sondern auch den jüdischen Nationalistnus verleugnen, daß man die Feiertage öffentlich entweiht. Ich hoffe, daß die Sach« der Jewish Agency glücken wird. Wir müssen vollenden, was. wir begonnen haben. Wenn aber unser Präsident sich vor anderen Leuten demütigt und auf vieles verzichtet, warum macht er keine Konzessionen gegenüber jenen religiösen Elementen, die man zum Zionismus bringen könnte, wenn man. es verstände, zu ihnen zu reden. Wir wünschen und hoffen, daß dieser Kongreß alle Lager einigt. Wir hoffen aber auch, daß der Kongreß, wenn nicht jetzt, so doch in einigen Jahren verstehen wird, was der Misrachi verlangt. Dr. Arlosoroff (HHachduth): Ich glaube, die Dinge, die Herr Berlin eben berührt hat, sind doch nicht ganz so einfach, wie er sie geschildert hat. Die Religion ist nicht mit den Politikern der Religion zu identifizieren. Ich will nicht in der Misrachi-Bewegung eine große reaktionäre Masse sehen. Ich will glauben, daß es auch im Misrachi Menschen gibt, die wissen, daß aas, was auch im jüdischen Felde heute gcschieht, in der Landwirtschaft und in den Gemeinschaften aufwächst, dem Geiste der jüdischen Religion vielleicht näher steht als ein politischer Klerikalismus, der sich auf diesem Felde des innerzionistischen Gruppenkampfes seine Triumpfc holen will. Aber ich will mich den Kernproblemen zuwenden. Wer aufmerksam zugehört hat, hat in dem nolitischen Bericht des Präsidenten den Ton der Würde, Selbstbchauptung, der politischen Methode gehört, den wir als politische Tradition der Zionistischen Organisation angenommen und gehört haben. Zwischen der Mehrheit der zionistischen Exekutive und der politischen Opposition stehen ganz andere Meinungsverschiedenheiten, als vielfach behauptet wird. Die erzielten Erfolge sind keineswegs auf den Druck der Opposition zurückzuführen, denn diese hat nicht einfach ‘״politische Arbeit verlangt, sondern einen grundlegenden Wechsel in der politischen Methode, nämlich statt der Politik des Vertrauens eine solche des Mißtrauens. Redner kritisiert dann einzelne politische Mißerfolge, z. B. in der Frage des Handelsvertrages mit Syrien, der die Industrie bedroht. Mögen wir nach innen dem Judenstaat auch so nahe sein wie wir wollen, nach außen sind wir eine schwer kämpfende Partei, und es muß das Interesse des Zionismus auch darauf gerichtet sein, die Einheitlichkeit dieser außenpolitischen Disziplin für die Zukunft stärker zu festigen als bisher. Die Versuche der Revisionisten, interne zionistische Streitfragen in die Weltpresse zu lancieren, dürfen nicht geduldet werden. Wir haben innerhalb der zionistisehen Bewegung auch nach anderer Richtung hin s e p a r a - tistis che Tendenzen, die unsere ernsteste Aufmerksamkeit verdienen. Nehmen wir z. B. die Hadassah, die sicherlich heute eine große positive Position des Zionismus in Amerika ist. Es wird durch einen Separatvertrag ein integrierender Bestandteil unserer Arbeit in Palästina der Gewalt der zionistischen Exekutive entzogen. Ich nenne als weiteres Beispiel den Versuch, die amerikanischen Juden, die in Palästina leben, abzusondern. Ich glaube, es ist noch nicht zu spät, in aller Freundschaft, die ich der Hadassah gegenüber empfinde, zu sagen, daß gewisse Anzeichen, wie z. B. der Rücktritt von Dr. Gery, äußerst bedenklich sind. Für diese innere Lage, der wir unsere Aufmerksamkeit zuwenden müssen, gibt es aber noch viele andere Beispiele. Zwischen K. H., K. K. L. und Exekutive ist noch immer nicht ein System der Kooperative gefunden worden, daß sie in einen einheitliehen Wirtscnaftsplan cingliedcrn würde. Dasselbe ist der Fall mit den Bodenkau{:,gc:c":r'־.־!’ten. Ich will noch betonen, daß der Ideenkampf der Zionisten um die Geister im Judentum beinahe ln allen Ländern faktisch aufgehört hat, und zwar noch vor der Erweiterung der Jewish Agency und ohne Zusammenhang mit ihr. Wir halten es für unbedingt notwendig, daß wir zu einer Konzentration der zionistischen Energien in allen Ländern kommen, so daß wieder Zionisten aller Fraktionen in jedem Lande an diesen gemeinsamen Aufgaben Zusammenarbeiten. Wir müssen in allen Ländern zur Schaffung interfraktioneller zionistischer Organisationen nach dem Vorbild der Weltorganisation kommen. Dies ist ein unerläßlicher Schritt, um alle potentielle Energie, alle intellektuelle Energie der Zionisten aller Schattierungen zusammenzufassen unter Wahrung der Autonomie der Sondergruppen. Hier erst wird jede Gruppe zu bewähren haben, welches ihre ideelle innere Kraft ist. Und nun zu den palästinensischen Fragen. Nach Kriegsende standen wir vor einer unerbittlichen Alternative. Wir hatten politische Bedingungen geschaffen, die uns eine große Palästinaarbeit ermöglichten, und wir mußten uns sagen: entweder wir .schaffen^ die großen modernen Finanzinstrumente, die eine moderne greßiurglge Kolonisation finanzieren können, oder wir werden in einen sehr harten Anpassungsprozeß hineingehen müssen. Die Geschichte des Zionismus der Nachkriegsjahre ist die Geschichte dieses harten Anpassungsprozesses. Man erkannte jetzt, daß die Schaffung der Finanzinstrumente das zentrale Problem sei. Seither gibt cs das Problem der Anleihe. Ich habe schon auf dem vorigen Kongreß gesagt, eine große Anleihe ist keine rein finanzielle Sache, sondern eine politische allerersten Ranges, und sie kann ohne den Einsatz aller politischen Kräfte nicht durchgeführt werden. Ich habe diese politische Arbeit der Exekutive während der letzten zwei fahre vollständig vermißt. Im Gegenteil, sie hat sich — ein einzig dastehender Fall — durch die nach London berufene Finanzkonferenz besfätigen lassen, daß die zionistische Bewegung für eine Anleihenoliiik nicht in Betracht kommt, weil ihr die Kredithasis fehlt. Nun ein Wort zur Expertenkommission. Ich will ihrer Arbeit nicht vorgreifen noch ihr die geringsten Schwierigkeiten machen. Aber sie wird nur dann einen politisch wirklich konstruktiven Sinn haben, wenn sie sich nicht verzettelt, sondern das gibt, wozu sie berufen ist; einen Aufbauplan für Palästina. Der kann ein großes bewegendes Faktum in der zionistischen Arbeit werden. Das Unternehmen darf aber nicht begleitet sein von der Herabsetzung der Autorität unserer eigenen Experten, wie Ruppin, Wilkansky usw., die schon Jahrzehnte in der praktischen Arbeit stehen und gegenüber all diesen Fachleuten ihren Mann stellen. Zuletzt will ich vom für mich wichtigsten Problem reden, der Frage der aktuellen Arbeit im Lande. Wir alle wissen, was die letzten 22 Monate für unsere Arbeiter bedeutet haben. Selbst einen 70jährigen englischen Feldmarschall, der von Chaluzim nichts, von Zionismus wenig wußte, hat die Bewegung der Arbeiter innerlich bezwungen. Manchen Zionisten ist es Vorbehalten geblieben, in dieser harten Zeit eine Kampagne gegen die palästinensische Arbeiterschaft zu entfalten. Aber es ist dies nur eine sterile, vorübergehende, reaktionäre Episode, nicht darum, weil wir es so wollen, sondern weil die objektiven Bedingungen des Landes und der Menschen die Arbeiterbewegung zu tragenden Pfeilern der nationalen Heimstätte gemacht haben. Das eine steht nämlich fest: der Sieg des jüdischen Arbeiters in Palästina war nicht der Sieg des einzelnen Arbeiters und nicht der der Arbeiterklasse, sondern ein Sieg des Z i o n i s - m u s. Die Arbeiterbewegung und damit der Jischuw befinden sich wegen der Arbeitslosigkeit in einer Uebergangskrise, Uebergangskrise weil die wichtigen kolonisatorisehen Positionen fest und un erschüttert dastehen. Es gibt kein Vorwärts für uns, ohne daß die Arbeitslosigkeit einer relativ erschöpfende» Lösung zugeführt wird. Es muß der Kurs auf den Abbau der Arbeitsloseriunter- Stützung genommen werden. Dies ist nur möglich, wenn wir unsere ganze Arbeitslosenpolitik produktivieren. Dr. Weizmann bat bereits heute einige dieser Grundsätze angedeutet. Wir dürfen nicht den Eindruck entstehen lassen, als ließen wir uns hinter den Zuständen herschleifen. Es muß ein bestimmtcr Plan für ein oder zwei Jahre bestehen. Unsere tragische Situation ist furchtbar durch den Gegensatz zwischen unseren konstruktiven Plänen und den realen Möglichkeiten. Ich denke an die Schlacht von Platää. Der eine Teil des kämpfenden Heeres wurde besiegt, weil er den Ganzen Tag die Sonne in den Augen hatte und von ihr gelendet war. Der Zionismus war im Verlaufe der Nachkriegsjahre in einer ähnlichen Situation. Die Sonne des zionistischen Ideals in seiner reinsten Verwirklichung stand ihm vor Augen, und er konnte daher nicht immer den klaren Blick auf den Kampfplatz richten. Man muß aber die Kraft haben, an die Sonne zu glauben, auch wenn die Sonne im Rücken steht. Besser, den klaren Blick auf das Kampffeld gerichtet und klar und besonnen gehandelt, als bezwungen sein von der Größe und Helle des Sieges, dem man zu strebt, und dabei den klaren Blick verlieren. (Lebh. Beifall.) Dr. Stefan Wise (Amerika): Die amerikanischen Zionisten haben in den letzten zwei Jahren große Aufgaben zu erfüllen gehabt. Wir sind damit einverstanden, daß man uns die Sorge für die Deckung des Budgets aufgebürdet hat, aber wir fragen uns doch manchmal, ob nicht ein allzu großer Teil der Bürde auf unsere Schultern gelegt wurde. Wenn wir Amerikaner für Palästina auch alles tun, was in unseren Kräften steht, so dürfen die europäischen Juden darum keineswegs in ihren Anstrengungen nachlassen. Wir haben loyal die Beschlüsse des Kongresses über die Jewish Agency befolgt. Wir erwarten mit Vertrauen, daß nach der Erstattung des Berichtes der Agency-Kommission Vieles und Großes für den Wiederaufbau Palästinas geleistet werden wird. Sollte diese nichtzionistische Hilfe für Palästina nicht in dem Maße kommen, wie wir das erhoffen, so haben wir wenigstens unsere Pflicht getan. Nach der Balfour-Deklaration pflegten wir zu sagen, sie habe uns das Tor Palästinas weit geöffnet, und das sei alles, was wir verlangen. Heute aber verlangen wir mehr. Das offene Tor genügt nicht. Förderung heißt nicht bloß: nicht hindern. Unser Werk in Palästina wird so besteuert, als ob die Regierung Palästinas die von 1807 wäre, der wirtschaftliche Zustand Palästinas aber der von 1957. Die Palästinaregierung hat einen Budgetüberschuß von einer Million Pfund erzielt, der durch jüdische Opfer und durch jüdische Leistung ermöglicht worden ist. Es gibt viele Wege, auf denen die Mandatarregierung das Versprechen de! Balfour-Deklaration cinhaften kann. Wir haben volles Vertrauen, daß unsere Führung in jeder gerechten Forderung gegenüber der Mandatarregierung allen Rückhalt finden wird ich verlange im Namen meiner Freunde in Amerika keineswegs, daß irgendwelche ungerechten oder übertriebenen For• derungen an die britische Regierung gestellt werden, abei wir dürfen nicht aufhören zu mahnen und zu mahnen, daß alle gerechten und billigen Forderungen erfüllt werden die in dem Versprechen, in dem Bunde der britischen Regicrung und des britischen Volkes mit den Juden für den Wiederaufbau Palästinas enthalten sind. Die amerikanischen Zionisten sind bereit, durch mich zu erklären, daß sie das Weizmann-Programm de! Konsolidierung und der Sparsamkeit vorbehaltlos unterstützen und daß sie auch für ein Budget eintreten, welches nicht in der Hitze und dei Erregung des Kongresses improvisiert, sondern sorgfältig vorbereitet und durch eine verantwortliche Kongreß-Exekutive sorgfältig ausgeführt wird. Die Hauptsache ist, daß wir der Leitung nicht nur ein materielles Recht geben, sonder« auch jene moralische Unterstützung, die sie in die Lage versetzt, ihre Arbeit nicht kurzatmig von Tag zu Tag zu führen, sondern sich auf den Willen und die Bereit• Schaft der Zionisten der ganzen Welt zu stützen. Wenn wir Forderungen an Großbritannien stellen, so müssen wir vo! allem bereit sein, an uns selbst einen strengen Maßstab anzulegen. Wenn Fehler geschehen sind, so mußten wi! sie machen aus Gründen unseres knappen Budgets. Und wenn wir England zurufen, daß es die Bedingungen des Mandates erfüllen möge, so haben wir den Zionisten zu sagen: erfüllet die Bedingungen unseres Budgets. Palästina ist kein Platz für Intoleranz gegenüber denen, die nicht den Idealen des traditionellen Judentums nachhängen. Ich TO«::.#ä«lltionstreu» Jtitten,1 tfi€ die Tfadttfön rsehf schlecht repräsentieren. DasT|# setzestreue Judentum in New York oder in Warschau kann gewiß nicht entscheiden, wie das Leben in Palästina sein wird, aas eine ist aber sicher, daß das traditionelle Judentum in Palästina dieselben Rechte haben muß wie das radikale. Aber wir sind auch der Ueberzeugung, daß jeder Mensch das Recht hat, sich das Leben nach seinen eigenen Gesichtspunkten einzurichten und daß jede Art von Juden, die nach Palästina geht, um dort zu leben und aufzubauen, das Recht auf ihren eigenen Standpunkt hat. Daß wir Unrecht durch die Intoleranz der Orthodoxie im Galuth erlitten haben, ist kein Grund dafür, daß wir es auch in Palästina erleiden sollen. Vierte Sitzung Mittwoch, 31. August, abends. Berl Katznelson (Poale Zion): Wenn auch die Politik nicht im Zentrum unserer Arbeit in diesem Moment steht, so muß ich doch sagen, daß die Schwierigkeiten unserer Wirtschaft in Palästina von der politischen Lage abhängen. Bis auf den heutigen Tag gibt es In der palästinensischen Verwaltung noch viele antijüdische Elemente, die unsere Arbeit zu stören ver• suchen. Ich erinnere nur an den Bund zwischen Mills und Bustani bei der Zerstörung der Pflanzungen der Pica und die Ernennung Richtnonds. Die Beziehung der Regierung der jüdi• sehen Arbeit und der Arbeit der Organisation hat sich während der letzten Jahre nicht gebessert. Wir müssen konstatieren, daß seitens unserer Leitung nichts in dieser Richtung getan worden ist. Die Krise ist keine Krise in Palästina, sondern in der zionistischen Bewegung, die nicht die Fähigkeit hatte, die mit der vierten Alijah verbundenen Schwierigkeiten zu überwinden. Die vierte Alijah war eine Volkswanderung, die wirtschaftliche und idealistische Gründe hatte. Aber die Zionistische Organisation hatte nicht die Kraft, der Auswüchse Herr zu werden. Als vor einigen Jahren die ersten Schwierigkeiten entstanden, hätte man die Krise noch sehr leicht verhindern können. Vor 20 Jahren haben die zionistischen Führer verstanden, daß Palästina nur ein arbeitendes Palästina sein kann. Als vor acht oder neun Jahren zahlreiche junge Pioniere, die den Krieg unter Englands Fahne mitgemacht haben, in Palästina waren, hätte die Zionistische Organisation die Möglichkeit für sie schaffen können, im Lande zu bleiben. Die Leitung hat es aber nicht verstanden. In einer Zeit, in der in Palästina die Arbeiter treu auf ilirem Posten wie in Schützengräben leben, hält es ein Teil der Zionistischen Organisation für passend, uns zu beleidigen. Nicht unkontrollierte Zeitungen, sondern die offizielle Zeitung der amerikanischen Zionistischen Organisation hetzt gegen die Arbeiter. In Amerika und Deutschland predigt man einen gegen die Arbeiter gerichteten Kurs. Die Organisation besteht jetzt aus zwei Gruppen, einer, die ohne Risiko arbeiten möchte, ohne den Glauben an die Erweiterung des Jischuw zu haben — das wird reale Wirklichkeit und reale Kolonisation genannt — und die zweite, die die Arbeiterschaft in Palästina vertritt, die findet, daß dies bloß Worte ohne jeden realen Inhalt sind. Man wirft uns auch vor, daß wir von Verwaltung nichts verstehen. Haben uns diese Herren gezeigt, daß sie ihre Institutionen in ihrem Lande besser verwalten? Es wird viel über Konsolidation gesprochen. In Palästina wird ja diese Konsolidierung durchgeführt. Unsere ökonomischen Positionen, hauptsächlich in der Landwirtschaft, werden von Jahr zu Jahr gestärkt. Die Zionistische Organisation muß beschließen, ob sie mit der Arbeiterschaft oder ohne sie zu arbeiten gedenkt. Wir glauben, daß die reine Logik ihr den richtigen Weg zeigen wird. Grünbaum (Radikale Zionisten): ln den Programmreden unserer beiden Präsidenten ist eine gewisse Müdigkeit zum Ausdruck gekommen. Führer dürfen auch nicht für einen Augenblick den Glauben an die Kraft der Bewegung verlieren.

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