Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 502 JUEPISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 2. IX.!027 Die Erziehungsarbeit in Erez - Israel Die Exekutive übermittelt uns nachstehenden Auszug aus den Bericht des Erziehungs - Departements der Zionistischen Exekutive an den XV. Zion isterikongreß Die zwei Jahre, die seit dem XIV. Kongreß verstrichen sind, waren für die Erziehungsarbeit in Palästina eine Fort- Setzung der Schwierigkeiten und Schwankungen, über die wir in jedem unserer bisherigen Berichte zu klagen hatten. Noch immer sind wir zu keiner ruhigen, geordneten Arbeit gekommen. Ständiger Druck und kurze Pausen der Erholung und Ruhe sind die gewöhnlichen Bedingungen unserer Arbeit. Die Krise in der Leitung der Erziehungsarbeit, die 5685 bestand, erstreckte sich auch auf das folgende Jahr, und erst mit Beginn des Jahres 5687 übernahm Herr Dr. I. Lurje wiederum die Leitung des Erziehungsdepartements. Die Arbeit des Jahres 5687 wurde ferner ohne Mitwirkung des Waad Hachinuch (Erziehungsausschttß) geführt. Seine Organisation wurde bis zum Abschluß der Arbeiten der ״Zwanziger-Kommission“ verschoben, die vom XIV. Konreß mit dem Aufträge gewählt war, die Grundlagen für die rziehungsarbeit festzusetzen. Die Kommission arbeitete das ganze Jahr 5686 über und unterbreitete ihre Vorschläge dem Aktions-Comite, das sie mit gewissen Aenderungen bestätigte, so daß der Waad Hachinuch erst 5687 seine Arbeit aufnehmen kann. Nach den erwähnten Bestimmungen sind mit Beginn des Jahres 5687 zum ersten Male die Schulen der Arbeiter- Organisation der obersten allgemeinen Leitung des jtidisehen Erziehungswesens für Palästina unterstellt worden. Die meisten orthodoxen Schulen waren schon seit ihrer Gründung mit den allgemeinen vereinigt. Im Jahre 5687 arbeitoten der Waad Hachinuch und das Erziehungsdepartemcnt ein gemeinsames Budget für die Schulen aller drei Richtungen aus. Die Vertreter aer drei Richtungen beteiligten sich in gemeinsamer Arbeit am Waad Hachinuch und den verschicdenen Kommissionen. Hiermit wurde ein wichtiger Schritt zur Zusammenfassung des jüdischen Erziehungswesens getan. Zurzeit findet diese Zusammenfassung erst in administrativen Bestimmungen ihren Ausdruck, aber sie wird• allmählich von immer größerer Bedeutung. Die gemeinsame Arbeit der Vertreter der verschiedenen Richtungen in der obersten Leitung des Erziehimgswesens hindert nicht die innere Autonomie, die vor allem in dem Unterschied zwischen den orthodoxen und den allgemeinen Schulen ihren Ausdruck findet. Dieser Unterschied liegt in der religiösen Tendenz und im Programm. In den orthodoxen Schulen wird eine praktische religiöse Erziehung geleistet, der Lehrer muß selbst orthodox sein und die Kinder in religiösem Geiste erziehen. Die Erziehung in den allgemeinen Schulen ist ebenfalls von religiösem Geiste erfüllt, hat aber keine Beziehung zu der praktischen Ausübung der Gesetze. Diese ist den Eltern überlassen. Die Schulen der Arbeiterorganisation unterscheiden sich von den übrigen durch ihre besondere Struktur. Sie bestehen in den Kwuzoth und Moschvve Owdim. Die sozialen Lebensbedingungen der Kwuzoth und Moschawim und die dort herrschenden pädagogischen Anschauungen haben zur Schaffung eines besonderen Schultypus geführt. Der Lehrer an einer derartigen Schule kann sicH nicht damit begnügen, seine Stunden zu geben, um danach frei zu sein und die Kinder sich selbst zu überlassen. Er muß den ganzen Tag mit ihnen verbringen, mit Ihnen leben, arbeiten und sie unterrichten. Die Kindergärtnerin muß sich auch nachts um die Kinder kümmern. Infolgedessen gibt es in den Schulen und Kindergärten der Kwuzoth keine Einteilung der Arbeit und des Unterrichts nach einzelnen Stunden. Dazu kommen bestimmte Ansichten über Erziehung, die mit dem sozialen Leben der Arbeiter verbunden sind. Die Kinder bestimmen selbst gemeinsam mit dem Lehrer die Ordnung der Arbeit und des Unterrichts und die Arbeitsverteilung für die einzelnen Tage und Stunden. Dieses System, das in den Schulen der Waadat Hatarbuth (Kulturkommission der Arbeiterorganisation ן herrscht, gibt bei einem begabten und charaktervollen Lehrer gute Resultate, aber es versagt oder ist bisweilen sogar gefährlich, wenn die Kinder Lehrer und Schule beherrschen. Jedenfalls ist dieses System vorläufig noch ein Versuch, dessen Resultate man ab warten muß.*) In den letzten Jahren hat unsere Arbeit eine starke Vergrößerung erfahren. Das Anwachsen des Jischuw durch Einwanderung führte einen Strom neuer Schüler in unsere Schulen. Die Schülerzahl in den Schulen der Zionistischen Exekutive betrug im Winter 5687 18 593. Im Jahre 5679, dem ersten Jahr der englischen Okkupation, hatten wir 10 172 Schüler. Die Vergrößerung war anfangs eine langsame, wurde aber mit Vergrößerung der Einwanderung überaus schnell. Im Jahre 5686 war die Zahl sämtlicher jüdischen Schüler 26838 oder 58,2;«/0 aller Schüler, die in diesem Jahr palästinensische (Regierungs-, jüdische, mohammedanische und christliche) Schulen besuchten. Die Statistik zeigt, daß 60,5 «;0 der jüdischen Schüler in Institutionen der Zionistischen Exekutive erzogen werden. Die Schülerzahl in den Schulen der Zionistischen Exekutive ist in diesem Jahr fast die gleiche (18 593) wie in den Regierungsschulen im Jahre 5685 (19 737). In dui beiden Jahren, die seit dem XIV. Kongreß vergangen sind, ist die Schülerzahl in unseren Schulen um 5347 gestiegen; davon entfallen auf die Städte 3998 und auf die Dörfer 1351 Schüler. Nach den verschiedenen Richtungen verteilt sich diese Vergrößerung wie folgt: allgemeine Schulen 2631 Schüler; orthodoxe Schulen 1736 Schüler; Institutionen der Waadat Hatarbuth (Kulturkommission der Arbeiterorganisation) 980 Schüler (der Hauptteil der Institutionen der Waadat Hatarbuth ist erst in den letzten beiden Jahren uns unterstellt worden). Die Kindergärten. Die Kindergärten sind im vergangenen Jahre einer neuen Aufsicht unterstellt worden, die Herr Alt mann, früher Leiter von Kursen für hebräische Kindergärtnerinnen im Auslande, übernahm. Wir haben in den letzten Jahren das System der großen Kindergärten mit zahlreichen Klassen aufgegeben und sind zu kleinen, aus ein bis zwei Klassen bestehenden Kindergärten übergegangen. In Tel-Awiw־ eröffneten wir im Jahre 5687 einen Musterkindergarten in Verbindung mit dem Lehrerinnen- und Kinderärtnerinnenseminar. ln diesem Kindergarten erhalten die chülerinnen des Seminars die praktische Ausbildung, die sie für ihre künftige Arbeit brauchen. Er wird von Herrn Jechiel Halperin geleitet. Die Oeffentlichkeit steht den Kindergärten liebevoll gegenüber, und auch die Regierung, die uns jetzt verschiedene Ersparnisse bei unserer Arbeit vorschlägt, widersetzt sich Sparmaßnahmen auf diesem Gebiete. Aber ungeachtet der wichtigen Aufgabe, die der Kindergarten erfüllt, müssen wir Ihn doch antasten. Die schwere Wirklichkeit stellt uns jedes Jahr vor die Frage: Volksschule oder Kindergarten, und bei *) Vgl. den Bericht über diese Schulen in dem Aufsätze ״Vom Weltkongreß für Erneuerung der Erziehung“ in Nr. 68 69 der ״J. R.“ - A. d. R. einer derartigen Lage haben wir keine Wahl. So beschlossen wir, die Zahl der Kindergärten einzuschränken. Zahlreiche Kinder bleiben zurzeit außerhalb des Kindergartens. Um wenigstens in geringem Maße die Forderungen der Oeffentlichkeit zu erfüllen, vergrößern wir die Zahl der Kinder in den Klassen manchmal über das Maß ihrer Aufnahmefähigkeit hinaus. Die Volksschule. Die Volksschule nimmt den größten Raum in unserer Arbeit ein, und auch in den schwersten Jahren haben wir sie zu erhalten gesucht. Die Schule und ihre Verbesserung sind von der Qualität der Lehrer abhängig. Deshalb sind wir bemüht, die Zusammensetzung der Lehrerschaft unserer Anstalten zu verbessern. Wir haben uns bemüht, die ungeeigneten Lehrer durch geeignete zu ersetzen. In den Unterrichtsmethoden entwickelt sich allmählich in unseren Schulen die Tendenz nach Konzentrierung der Fächer und Verstärkung des Arbeits- und Handfertigkeits-Unterrichts als eines pädagogischen Mittels für Erziehung und Unterricht, In den beiden untersten Klassen ist das besondere Unterrichtssystem vollkommener geworden, die Lehrer der Unterklassen besprechen auf besonderen Konferenzen die Verbcsserung der Erziehung und der Arbeit in diesen Klassen. Der W e rkunterricht gewinnt In den meisten unserer Schulen immer mehr an Boden. In denjenigen Schulen, in denen Küchen und Speisezimmer eingerichtet sind, haben die Kinder selbst die erforderlichen Bänke und Tische eingerichtet. In einigen Schulen fertigen die Schüler einfaches Unterrichtsmaterial an. Besonders ist dies in den naturkundliehen Fächern unter Benutzung einfachen Materials der Fall, das ihnen leicht zugänglich ist. Landwirtschaftliche Arbeit wird nicht nur in den Kolonieschulen, sondern auch in den Städten getrieben. Gemüsebau und Blumenzucht sind die gebräuchlichsten Formen. In einigen Schulen wurden jetzt Gruppen von ״landwirtschaftlichen Pionieren*• organisiert nach einem System, das in den Vereinigten Staaten üblich ist. Das Erscheinen hebräischer Lehrbücher in Palästina und im Ausland halt viel zer Verbesserung des theoretischen Unterrichts in den jüdischen und in den allgemeinen Fächern. Es besteht auch nicht mehr jener Biiclicrniangel wie in früheren Jahren, obwohl wir noch immer fern von der Möglichkeit sind, alle Lesebedürfnisse der jungen Leser zu befriedigen. Im Programm der jüdischen Schule bestehen im allgemeinen keine großen Unterschiede im Unterricht der Knaben und Mädchen. In Mädchenschulen war der Unterricht im Nähen immer üblich. In der letzten Zeit wurde der Unterrieht im Kochen eingeführt. Dank der Hilfe der ״Junior Hadassali“ wurden jetzt in mehreren Schulen Küchen eingerichtet. Die Reformen und Verbesserungen in der Volksschule stehen unter ständigem finanziellen Druck. Ersparnisgründe haben uns gezwungen, allzu große Klassen einzurichten. Die Einschränk u n gen i m Budget haben uns vor ein sehr schweres Dilemma gestellt: Sollten wir uns weiter ausdehnen und sämtliche Kinder, die Erziehung brauchen, auf Kosten der Verbesserung und Ausgestaltung der Arbeit aufnehmen, oder sollten wir die Qualität über die Quantität stellen, einige Schulen schließen!, einen Teil der Kinder außer- ::halb;der Schule lassen;«ad;dafSf• apf dfe--■Verbesserung;;d£r uns "verbleibenden Schulen bedacht sei»? Bisher haben wir den ersten Weg beschritten. Wir haben die Ausgaben für Lehrmittel so sehr gekürzt, daß die innere Arbeit der Schule für Lehrer und Schüler äußerst erschwert wurde. Zu unserer Schande müssen wir gestehen, daß wir 1. B. Schulen haben, in denen Geographie ohne Karte unterrichtet wird. Die Ein- Schränkungen haben es uns unmöglich gemacht, den Arbeits• und Werkunterricht in unseren Schulen auszudehnen, so notwendig dies auch besonders in denjenigen Anstalten wäre, die von Kindern der untersten Schichten besucht werden und bei denen Erziehung zur Arbeit und Vorbereitung für das Leben eine unbedingte Notwendigkeit sind. Lehrer-Seminare. Ueber die zu große Zahl der Lehrer-Seminare haben wir in unseren früheren Berichten geklagt, und obwohl wir fanden, daß drei Seminare für uns zuviel sind, ist dieses Jahr noch ein viertes hinzugetreten: das vom Misrachi vor drei Jahren gegründete Lehrerinnen-Seminar, das jetzt der obersten Leitung unserer Schulen unterstellt wurde. Jede dieser Anstalten hat allerdings eine besondere Aufgabe, und für jede besteht in gewissem Sinne ein Bedürfnis, aber es entspricht nicht unserem kleinen Budget, vier Lehrer- und Lehrerinnen-Seminare zu unterhalten, die uns dieses Jahr £E. 10909 (10,3 0/0 unseres Budgets) kosten. Seit Bestehen des allgemeinen Lehrer-Seminars in Jerusalern haben 180 Absolventen ein Lehrerdiplom erhalten. Von diesen stehen zurzeit 79 in Palästina und 3-1 im Ausland im Schuldienst. Das Seminar für Lehrerinnen und Kindergärtnerinnen in Tel-Awiw haben bis zu diesem Jahr 203 Zöglinge absolviert; von diesen sind pädagogisch in Palästina 37, im Auslande 3 tätig. Höhere Schulen. Die höheren Schulen sind ein notwendiges Glied in der Kette unserer hebräischen Anstalten. Unsere drei Mittelschulen — die Gymnasien in Tel-Awiw und Jerusalem und die Realschule in Haifa — ziehen eine große Schar von Schülern und Schülerinnen aus Palästina und aus dem Auslande an. Die Zahl der Schüler in ihnen betrug in diesem Jahre 1236. Das hebräische Gymnasium in Tel-Awiw haben bis zu diesem Jahre 484 Schüler und Schülerinnen absolviert (daranter ein mohammmedanischer Araber). Das Jerusalemer Gymnasium absolvierten bisher 80 Schüler und Schülerinnen. Das Gymnasium in Jerusalem erhält noch immer sein volles Budget vom Erziehungsdepartemen׳‘, abgesehen von CE. 1800 jährlich, die als Schulgelder eingehen. Die Leitungen des Gymnasiums in Tel-Awiw und der Realschule in Haifa müssen selbst für die Deckung ihrer Aüsgaben sorgen. Das Erziehungsdepartement gewährt, der ersteren Anstalt eine jährliche Subvention von £E. 2000 und der zweiten von £E. 500. Das Budget des Gymnasiums in Tel-Awiw beträgt fast £E. 12 000 und das der Realschule in Haifa £E. 6000. Wir beteiligen uns also an dem Budget dieser beiden Anstalten mit 16,5«/0 resp. '8,8 0/0. Budget. Die Ausgaben für sämtliche Schulen, die der Leitung des Waad Hachinuch und des Erziehungsdepartements unterstehen, wurden in diesem Jahre auf £E. 158 384 veranschlagt. — An den Ausgaben für die. Erhaltung der Erziehunpsinrtif״:׳•״nen sind vier Faktoren beteiligt: 1. die Zionistisch״ Exekutive, '1. der Jischuw, 3. die PICA (früher 1CA), 4. die Regierung. Die Beteiligung der Zionistischen Exekutive am Erziehungsbudget kt bei ständiger Vergrößerang der Arbeit immer geringer geworden. Im Jahre 5679 gab die Zionistische Exekutive für Erziehungszwecke £E. 68 841 aus. Im Jahre 5680 wurden aus Geldern der Exekutive £E. 97 387 ausgegeben, 5681 erreichte die Beteiligung ihr Maximum — £E. 108 821 (die Zahl der Schüler in unseren Schulen betrug damals 12380) — und seitdem ist die Beteiligung der Exekutive am Erziehungsbudget immer geringer geworden. 5684 und 5685 erreichte sie das Minimum von £E. 63 000 jährlich. Die große Einwanderung der letzten Jahre und die starke Zunahme der Schülerzahi zwang die Exekutive, größere Summen für Erziehungsausgaben zu bewilligen, und so wanden 5686 £E. 70000 und 5(87 £E. 74 000 angewiesen, ln den Jahren 5686 und 5687 gab die Exekutive nur wenig mehr als im Jahre 5679 aus, obwohl die Schülerzahl in unseren Schulen inzwischen von 10172 auf 18 593 gestiegen war. Eine bedeutende Erleichterung für die Zionistische Exekutive brachte die allmähliche Vergrößerung der Beteiligung des Jtschuw am Erziehungsbudget. Diese wurde auf folgenden Wegen erzielt: 1. Erhöhung des Schulgeldes; 2. stänclige Erhöhung der Beiträge seitens der Gemeinden und Waadim der Kolonien; 3. Einrichtung von Schulen, deren Budget ganz oder zum größten Teil ihren Begründern oder Leitern zur Last fällt. In diesem Jahre trägt der Jischuw zur Erhaltung der Anstalten des Waad Hachinuch die Summe von £E. 64 431 bei einem■ Gesamtbudget von £E. 158 384 bei. Die Kolonieschulen der PICA sind 5681 an uns übergegangen. Wir sind bemüht, sie ohne finanzielle Unter- Stützung unsererseits zu leiten und auch die PICA verringert regelmäßig ihre Beteiligung an ihren Schulen. Im Jahre 5681 beteiligte sie sich mit £E. 10 201 und in den beiden letzten Jahren mit £E. 6210 jährlich. Bis zu diesem Jahre war es trotz aller noch so häufigen Forderungen nicht gelungen, von der Regierung mehr als £E. 2500 jährlich für die Erhaltung unserer Schulen zu bekommen. In diesem Jahre hat die Regierung zum ersten Male eine größere Summe für unsere Schulen überwiesen: £E, 9740. Dies ist im Vergleich zu früher ein großer Fortschritt, aber diese Subvention genügt nicht. Wir haben eine größere Summe gefordert und auf £E. 20 000 gehofft, und wir sind sicher, daß die Regierung schließlich die Notwendigkeit erkennen muß, ihren Anteil zu vergrößern. (Ist inzwischen geschehen. — A. d. R.) Zwei Vertreter der Regierung beteiligen sich jetzt an den Sitzungen unseres Waad Hachinuch. Ende April haben wir eine kleine Budgetkommission organisiert, in der ebenfallls ein Vertreter der Regierung sitzt. Die Regierung nimmt mithin aktiven Anteil an unserer Arbeit, und wir hoffen, daß wir aus ihrer Erfahrung und ihren Kenntnissen Nutzen ziehen werden. Im Verhältnis der Regierung zu unserer inneren Arbeit ist keinerlei Aenderung eingetreten und wird auch nicht eintreten. Die Regierung erkennt die Autonomie unserer Erziehungsinstitutionen in bezug auf Sprache, Programm und Leitung an. ln einem Bericht über die Erziehungsarbeit in unserem Lande können wir nicht mit Stillschweigen über die Lehrer hinweggelien. Der Lehrer arbeitet mit Hingebung, wacht über alle pädagogischen Fragen und Bestrebungen und ertrügt mit großer Geduld die schweren Lebensbedingungen. Die Lehrer veranstalten zahlreiche pädagogische Vorträge und Diskussionsabende zur Klärung der Fragen der Schularbeit und erübrigen von ihrem geringen Gehalt noch Beträge für pädagogische Werke. Die Lehrer geben die Zweimonatsschrift ״Hachinuch“ und die zweimal monatlich erscheinende Zeitschrift ״Hed Hachinuch“ heraus. In den Sommermonaten veranstalten sie auf eigene Kosten Fortbildungskurse. In diesem Jahre haben sie ein pädagogisches Museum eröffnet. Alle guten Bestrebungen werden aber durch die schwer«) "•materielle :.•Lage"־der "-Lehrer• •in Ihrer Ausführung gehemmt. Sie arbeiten bisweilen monatelang, ohne Gehalt zu bekommen. Erst im Juni dieses Jahres wurde ihnen das Februargehalt ausgezahlt. Die Regierung hat sich daher mit der energischen Forderung an die Zionistische Exekutive gewandt, für die Auszahlung der Lehrergehälter zu sorgen. Presse-Empfang in Basel Am Dienstag, den 30. August, mittags, empfing Dr. Wciimann die Vertreter der Presse. Es hatten sich etwa 200 Herren und Damen eingefunden. Dr. Weizmann begrüßte die Journalisten herzlich und sprach in großen Zügen über die Aufgaben des Kongresses. Nach , ihm referierte Kaplansky über die Prinzipien unserer Ko- Ionisation. Die Pressevertreter folgten aen Ausführungen mit großem Interesse. * Als Vertreter des deutschen Auswärtigen Amtes ist Legationsrat Prof. Sobernheim Ehrengast des Kon* gresses. Presse-Sch ao In der ״Frankfurter Zeitung“ vom 28. August ist ein Artikel ,.Palästina und das Judentum״ von Alexandra Ramm veröffentlicht, in welchem das zionistische Werk vom jiddischistisch-bundistischen Standpunkt sehr scharf attackiert wird. Es ist seltsam, daß die ״Frankfurter Zeitung“ in der zionistischen Frage sich sogar von anarcho-kommunistischer Seite informieren läßt, was sie wohl in keiner anderen politischen Frage täte. Die Redaktion schickt zwar eine einschränkende Vorbemerkung voraus, die jedoch den Abdruck dieses Artikels kaum hinreichend erklärt, in dem Artikel sind eine ganze Reihe entstellter und unrichtiger Angaben enthalten — abgesehen von der gehässigen Beleuchtung der wirklichen Tatsachen. Wir können nur die Hoffnung aussprechen, daß die ״Frankfurter Zeitung“, das große liberale Blatt, durch die Verhandlungen des Zionistenkongresses Gelegenheit haben wird, ihre Tradition der Objektivität auch dem Zionismus gegenüber wieder zu Ehren 2u bringen. Die ״V o s s i s c 11 e Zeitung“ brachte am 30. August anläßlich der Kongreßeröffnung einen Artikel des Revisionisten Dr. v. Weis!, der den völligen Zusammenbruch des Zionismus annonciert. Es ist wohl zum erstenmal in der Geschichte des Zionismus und auch des zionistischen Journalismus, daß ein Mitglied der Zionistischen Organisation (er war selbst Kongreß- Kandidat!) iu einer großen Zeitung ein derartiges Pamphlet veröffentlicht und seine Stellung bei der allgemeinen Presse in dieser Weise für innerzionistische Polemik mißbraucht. Es sind traurige Lorbeeren, die hier gepflückt wurden. ln der C. V. - Zeitung veröffentlicht Dr. Alfred Wiener einen Leitartikel, der natürlich gegnerisch, aber würdig und, maßvoll geschrieben ist. Dr. wiener stützt sich auf einen Artikel Grünbaums über den Niedergang der Bewegung und charakterisiert die Schwierigkeiten des Zionismus, wie er sie versteht. Es sei aber vermerkt, daß der Aufsatz mit folgendem erfreulichen Satz schließt: ״Ob man Gegner, ob man Anhänger des Zionismus ist — das eine wird jeder wünschen: Möge aer Baseler Kongreß, auf dem sich so viel Arbeitsfreude mit Wärme und Hingabe eint, die Kraft finden, gangbare Wege zur Linderang der schweren Not im jüdischen Palästina nicht in Redefl und Tadeln, sondern in Taten zu finden.“