Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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1027 : Wizo 1alästina ler ziomg ihr, ise einicn, die ijemeth- »pe der hkin, ׳den die der des ber die d über Galuth, »1 gi der Budgetten Zuahre in lostel in hule in iken in 16 fallen, en Verren den Maialästinae 11 n e r alästinaten der bürgerxekutive »st, das »e. Die die aus egangen ir nicht!ulassen. chäftigt, sie das hat und eß aber Stich in :n ihres :r Weltion j ü ׳ ien der ie Wizo um die nuß vor len Not des jüäntwickalal, die Studiendie füh- }esuchen Nahalal nicht in haftliche llich zu ldung in , Milchrerinnen wirke!} leftragfeir ׳ ai»f eine h deren e Mittel jinn des er Frau el-Awiw : — ervon der Frauenrein jü- 1 Frauen uch ihre Arbeiten oth und ein und n bezug!genüber oth sind ־rau, für;atz zum Mbeit in t darauf Tradition d. Rederfüllen ird. 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Herr Alfred Berger weist auf die sehwierlgett Verhältnisse in Deutschland hin, wo die Gegner des Keren Hajessod sich immer mehr organisieren, im Gegensatz zu manchen anderen Ländern beruht die Kereai Hajessod-Arbeit in Deutschland auf der eifrigen Mitarbeit der Zionisten. Dr. Mibashan berichtet über die wachsenden Einnahmen in A 11 r u m ä n i c n. Dort gibt es nur wenige Juden, die dem Vertreter des Keren Hajessod einen Beitrag verweigern. Herr Benzion S h e i n berichtet über den zufriedenstellenden yerlauf der Keren Hajessod-Arbeit in Südafrika. Dr. Friedemann bespricht vorerst die Lage in Holland, wo bei 15 000 erwachsenen jüdischen Männern der Keren Hajessod auf 3000 Beitragende hinweisen kann. Sodann schildert er die Lage in den ungarisch sprechenden Ländern, für die viel zu wenig getan werde. Es gibt in Ungarn selbst eine halbe Million Juden und noch eine weitere Viertelmillion ungarisch sprechende Juden in den anderen Ländern. Man müsse durch mehrere Jahre unter diesen Juden eine energische Propaganda durchführen. Dr. Olsvanger berichtet ergänzend über R11mänien. Herr Alorris Myer (England) weist darauf hin. daß auch in England die nicht einheimischen Juden entsprechende Beiträge für den Keren Hajessod aufgebracht haben. Herr Harzfeld (Palästina) beklagt die defaitistische Stimmung, die sich bei uns bemerkbar macht. Wir selbst seien schuld, wenn wir infolge dieser gedrückten Stimmung nicht mit entsprechender Begeisterung unsere Arbeit durchführen können. Dr. Reifer weist darauf hin, daß die Bukowina die erste Etappe der Rückwanderer bildet, was natürlich die Arbeit für den Keren Hajessod in der Bukowina außerordentlich erschwert. Auf der Freitagvormittag-Sitzung erstattet der General- Sekretär des Keren Hajessod, Herr Leo Herrmann, ein Referat über die verschiedenen Probleme, vor die sich das Keren Hajessod-Hauptbüro gestellt sieht. Er behandelt zunächst die Arbeit unter den Zionisten und die sich daraus ergebenden Probleme. Bezüglich der Propaganda unter den Nichtzionisten seien besondere Methoden fiir die Ergreifung der noch nicht Interessierten, der Indifferenten, anzuwendeii und besonders für die, deren Interesse man bereits geweckt habe, um ihr Interesse weiter zu erhalten. Besondere Methoden seien für die Propaganda unter der Orthodoxie nöiig. Auch die Bearbeitung der nach Palästina kommenden Touristen sei von besonderer Wichtigkeit. Weitere Probleme seien die Organisierung der Sammluugen, die Steuerfrage, die Fra^e der Beamten. Für die englisch sprechenden Länder biete die Propaganda für Testamente und Stiftungen zugunsten des Keren Hajessod große Möglichkeiten. Ein besonders schwieriges Problem sei die Art der Arbeit in den Großstädten, ln einer Reihe von Ländern ist auch die Mitarbeit der Nichtjuden von Bedeutung. Darauf werden die Referate fortgesetzt. Dr. Hugo Herrmann macht Mitteilungen über die Arbeit in der T sch ec ho- Slowakei. Das Prinzip des Maasser resp. der Steuer erblickt er in einer ganz bestimmten, alljährlich sich wiederholenden, also dauernden Leistung für Palästina. Das zentrale Problem ist das der Kontinuität. Dr. K o f f 1 e r weist fürLettlan d darauf hin, daß im Gegensatz zu Westeuropa in Osteuropa die Mitarbeit der Zionisten sehr zu wünschen übrig lasse. Dr. T a r 1 o betont, daß Westgalizien im Verhältnis zu den anderen polnischen Gebieten recht günstige Keren Hajessod-Eingänge aufweist. Auf Grund seiner letzten Erfahrungen ist er gegen eine Vereinigung der vier polnischen Lanaesorganisahonen. Hdrr Walter Samuel (SeitweTz) verlangt eine energischere Durchführung des Maasserprinzips. Der Leiter des Organisations-Departements der amerikanisehen Zionistischen Organisation, Herr Blitz, weist in einer kurzen Ansprache darauf hin, daß in Amerika noch viel größere Kreise vom Keren Hajessod ergriffen werden könnten. Er wundert sich über die verhältnismäßig geringen Keren Hajcssod-Eingänge in England. Amerika könne von den europäischen Keren Hajessod-Arbeitern Aufopferung und Treue lernen, diese aber von Amerika systematische Arbeit. Herr Gold- Mnom berichtigt die Ausführungen über England. Man dürfe die großen Beiträge von Bernhard Baron nicht imberücksichtigt lassen, da auch diese zweijähriger zionistischer Arbeit zu verdanken sind. Herr Dr. Mibashan spricht von seinen Erfahrungen in Bulgarien. Die direkte Einziehung des Keren Hajessod durch die Jüdischen Gemeinden sei zwar theoretisch ein idealer Zustand, praktisch sei aber dadurch das Niveau herabgedriiekt worden. Für Be ß a r a bi e n spricht Herr Wassermann, der auf die sehr geringe Kapitalkraft der dortigen Judenheit hinweist. Der Keren Hajessod kann bei den Einzelnen mir geringe Beträge erzielen, was die Arbeit ungemein erschwert. Karpin spricht über Transsvlv a n i e n und Herr Jizchak Berger über Polen, wohin seiner Meinung nach die zionistische Exekutive Kommissare mit diktatorischer Gewalt senden sollte. Herr Kurt Blumenfeld erklärt, man dürfe nie vergessen, daß trotz aller projektierten Anleihen die Arbeit für den Keren Hajessod energisch fortesetzt werden müsse. Das naive Judentum ist im verschwinen, weshalb die Keren Hajessod-Arbeit im Westen von Jahr zu Jahr schwerer werde. Das Hauptproblem der Arbeit ist die Gewinnung neuer Propagandisten. Bei aller Differenzierung müssen wir in den Hauptfragen zu Einheitlichkeit gelangen. Herr Ab. Goldberg (Amerika) betont, daß die dortige Judenheit sich ständig ändert. Es ist deshalb schwer, die dortigen Verhältnisse wirklich zu kennen. Man ist gezwungen, immer wieder nur von Geld und sehr wenig von Zionismus zu reden, weil die Bedürfnisse in Palästina die rascheste Herbei- Schaffung von Mitteln verlangen. Ussischkin habe in Kanada Erfolg gehabt, weil er Geld fiir eine konkrete Aufgabe verlangt hat. Wir sollten daher das reguläre Budget so niedrig wie möglieh halten um umso mehr Geld für Spezia!zwecke sammeln zu können. Es sei in Amerika außerordentlich schwer, Beamte zu finden. ln seinem Schlußwort weist Herr Leib J a t f e auf das große Werk hin, das wir bisher in Palästina geschaffen haben. Wegen der Krise in Tel-Awiw und der Arbeitslosigkeit übersehen wir, wieviel Großes geleistet worden ist. Gegen die Zionisten, die ihre Pflicht gegenüber dem Keren Hajessod nicht erfüllen, müßten Repressalien ergriffen werden. Er verlangt, daß die zionistische Exekutive mit aller Energie der Hetze gegen die Beamtenschaft entgegentrete. Die Propaganda für Anleiheprojekte berge die Gefahr in sich, daß die Aufmerksamkeit von den Keren f lajessod-Sammhmgen abgelenkt wird. Wichtig auch für den Keren Hajessod sei, daß der Kongreß einen guten Verlauf nehme. Mit Energie werde man über alle Schwierigkeiten hinwegkommen und den Keren Hajessod auch im kommenden Jahre wachsende Beiträge verschaffen. Mit Dankesworten an die Versammelten für ihre aufopferungsvolle Arbeit fiir den Keren Hajessod schließt Herr Dr. Hantkc die Konferenz. Die Keren Kajemefh-Konferenz! Das Direktorium und Hauptbureau des Keren Kajemcth Lejisrael in Jerusalem hatte die in Basel als Delegierte oder sonstige Teilnehmer der XV. Zionistenkongresses anwesenden Mitarbeiter des Keren Kajemcth aus alietr Ländern zu einer Konferenz eingeladen, die am Donnerstag, den 25. August, im Kongreßgebäude stattfand. Obwohl die Besprechung fast eine Woche vor dem Kongreß angesetzt war, waren doch zahlreiche Mitarbeiter und Freunde des Keren Kajemcth erschienen. Der Vorsitzende des Keren Kajemeth-Direktarhims, Herr M. M. Ussischkin, eröffnete die Sitzung mit einer hebräischen Ansprache, in der er darauf hinwies, wie schwer die gegenwärtige Lage des Keren Kajemeth sei, der seine bedeutenden Bodenkäufe in Palästina in den letzten Jahren nur durch die Uebernahme großer Verpflichtungen durchführen konnte. Er müsse konstatieren, daß wir bisher noch lange nicht alles getan haben, um diese Verpflichtungen zu erfüllen. Eine Ausnähme aus der allerletzten Zeit bildet Canada, wo Herr Ussischkin vor kurzem weilte und die Zionisten dieses Landes veranlaßte, große!Mittel innerhalb einer bestimmten Frist für neue Bodenkäufe dem Keren Kajemeth zur Verfügung zu stellen. Im Namen der zionistischen Exekutive begrüßt Herr Felix Rosenblüthdie Konferenz und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß deren sachliche und fruchtbare Beratungen ein guter Vorbote für den bevorstehenden Kongreß sein mögen. Er hob die große erzieherische Bedeutung der Keren Kajemeth-Arbeit hervor. Weitere Begrüßungen erfolgten durch die Herren Leib Jaffe für den Keren Hajessod und A. Harzfe 1 d für den Merkas Hachakiai. Von der amerikanlsch-zionisti־ sehe!» Frauenorganisation Hadassah war ein Begrüßungstelegramm eingegangen. Der Leiter der Propaganda-Abteilung des Keren Kajemeth- Hauptbureaus in Jerusalem, Herr Julius Berger, leitete die Ansprache ein, indem er kurz die Arbeitsmethoden des Keren Kajemeth, wie sie sich insbesondere in den letzten vier Jahren ausgebildet haben, skizzierte. Er gab dem Wunsche Ausdruck, daß die Besprechung sich auf die praktischen Fragen der Sammelarbeit konzentrieren soll und erhofft von derselben Anregungen für den weiteren Ausbau unserer Sammeltätigkeit. An der darauf folgenden Aussprache, die den ganzen Tag in Anspruch nahm, beteiligten sich die Herren Rabbi Meir Berlin, Jerusalem, Kamini, Tel-Awiw, Harzfeld, Jerusalem, Spiro, New York, Dr, Juris, Tel-Awiw, Dr. Ricg e r, Haifa, S z e k e 1 y , Budapest, Reichenbauch, Zürich, Dr. W e i n e r t, Zürich. 111 einem längeren Schlußwort erwiderte Herr Julius Berger auf verschiedene Einwände und gab nochmals zusammenfassend eine Darstellung der Grundlagen und des Systems der Keren Kajemeth-Arbeit. Am Abend fand ein zwangloses Zusammensein der Mit- Frauen überhaupt bildet. Die Regeneration der jü• dischen Frau im nationalen Sinne sei der Mittelpunkt unserer Arbeit. Bevor wir die allgemeinen jüdischen Frauen Organisationen an uns anzuschließen versuchen, müssen wir uns bemühen, eine Organisation der jüdischen Frau in Palästina zu schaffen, zunächst eine Art beratender Körper- Schaft (Moazah), die in Kontakt mit unserer Exekutive und den Diaspora-Organisationen stehen soll. Es soll ein Frauenfonds geschaffen werden (Keren Hanaschim), der sowohl in Palästina als auch im Gaiirth für die Zwecke der nationalen Entwicklung der jüdischen Frau verwendet werden soll. Frau Steiner verliest einige Resolutionen, die Palastina- und Galutharbeit betreffend. Nach der Beratung ergreift Frau Helene Hannah Thon namens der Histadruth Naschim Iwrijoth in Palästina das Wort, und versucht, das Gemeinsame und das Trennende in den Zielen und Arbeiten der Wizo und der Histadruth zu veranschaulichen und zu verdeutlichen. Die Wizo hat sich nur ein kleines Gebiet der Arbeit ln Palästina, nämlich die landwirtschaftliche und hauswirtschaftliche der Mädchen gewählt. In dieser Arbeit werden wir sie unterstützen. Wenn sie aber als eine zionistische Weltorganisation auftritt, dann muß sie an sämtlichen Arbeiten der palästinensisehen Frauen teilnehmcn und im Kontakt mit der Vereinigung der Frauenorganisationen Palästinas stehen. Die Diaspora verlangt genaue Informationen über Palästina und solche können nur von einer palästinensischen Moazah erteilt werden. Eine besondere Aufmerksamkeit muß den Fingewanderten aus dem Orient gewidmet werden, die die Brücke zwischen uns und der Araberwelt zu schaffen imstande sind. Das gleiche gilt auch für den alten Jischuw, der zu produktiver Arbeit herangezogen werden kann. Frau Anita Müller-Cohen unterstützt die Vorschläge der Frau Thon, die sich auf die Wichtigkeit der Wohlfahrts- und Schulfragen seitens der Wizo beziehen und glaubt an eine Verständigung zwischen der Wizo und den anderen Organisationen. In der 5. Sitzung der Konferenz, die unier dem Vorsitz von Frau Wronski geführt wird, wird die Debatte über die Stellung der neutralen Verbände zur Wizo und über die Vorschläge der Frau Johanna Steiner beschlossen. Rachel Janaitli wie auch Frau Lichtenstein und Fräulein Gellner treten den Ausführungen von Frau Thon entgegen, die im Namen von rein eharitativen Organisationen spricht und sie der Wizo als gleichbedeutend gegenüber- .stellt. Die Wizo ist keine Organisation, die Chalukkah verteilt, sondern eine, die konstruktive Arbeit in Palästina leistet. Sie hat Verständnis für die Ziele und Arbeiten der Arbeiterin in Palästina und hat sich mit der Moazatli Hapoalotli zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammcngcschlosscn, während die Moazali der bürgerlichen Frauen keine Verbindüng mit den palästinensischen Arbeiterinnen hat. Fräulein F rankenstein (Deutschland) und Frau Ben Zion (Kanada) äußern sich skeptisch zu den Plänen von Frau Steiner wegen der Schaffung eines allgemeinen Frauenfonds (Keren Hanaschim). Sie fürchten, daß bei der Beteiligung der neutralen Frauenorganisationen, die nicht ganz auf nationaler Basis stehen, an der Aufbringung und Verteilung der Gelder, Palästina zu kurz kommen wird. Die Keren Hajessod-Konlerenz Donnerstag, den 25., und Freitag, den 26. August, fand in Basel eine stark besuchte Besprechung der Keren Hajessod- Delegierten und Generalsekretäre aus den meisten europäischen Ländern wie auch aus Nord- und Südamerika und Südafrika statt. Dr. Hantke eröffnete die Tagung. Nach Begrüßung ־»der Konferenz durch Herrn S p r in z ak als Vertreter der zlo- ,nlstfedien Exekutive und Herrn li s s i s C h k in •namens «es Keren Kajemeth weist Herr Leib Jaffe auf die Schwierigkeiten der Arbeit während des letzten Jahres hin. Nicht nur die Krise in den verschiedenen Ländern Europas und vor allem die in Palästina habe die Arbeit erschwert, sondern auch die Verhetzungen gegen die Beamtenschaft, die dem Keren Hajessod großen Schaden zugefügt haben. Herr Jaffe dankt allen Keren Hajessod-Arbeitern für ihre aufopferungsvolle Tätigkeit. In Ergänzung des gedruckt vorliegenden Keren Hajessod-Berichtes macht Dr. Hantke einige weitere Angaben über die Eingänge des Keren Hajessod und die Verteilung der Gelder in den ersten zehn Monaten des laufenden Budget-Jahres. Die Eingänge des Keren Hajessod von Oktober 192(» bis inkl. I uli 1927 betrugen netto £ 520 727 (im Vorjahr 426 253). Mit den Eingängen der noch ausstellenden Monate August und September werden somit die erwarteten £ 600 000 erreicht werden. Außerdem konnte der Keren Hajessod der Palästina- Exekutive noch durch Anleihen aufgebrachte Beträge in Höhe von £ 39 000 zur Verfügung stellen. Dem Finanzbericht Dr. Hantkes folgten die Berichte der Vertreter von 20 verschiedenen Ländern. Als erster sprach Dr. Wilensky, der sich über die mangelnde Mitarbeit der Zionisten beklagte, die besonders in Argentinien sich sehr Kongreßpräladten Von Moses Wald mann. Basel, den 26. August 1927. Die eigentliche Kongreßwoche beginnt erst am 28. August mit der Sitzung des Großen Aktions-Comites. Alles, was diesem Ereignis vorangeht, ist bloß Präludium. Nur Vorbereitungen sind die Tagungender Fraktionen, tastende Versuche zur großen Kongreßschlacht sind die unverbindlichen Unterredungen und Besprechungen zwischen den Wortführern der einzelnen Gruppen und Personen, die im Schatten ihrer Führer geschäftig hin- und herlaufen, wichtig tun und unter dem Vorwand, daß sie die Stimmung studieren, eigentlich das schaffen, was man Stimmung nennt. Eier in der Vorwoche des Kongresses in Basel erschienene Personenkreis ist nicht groß, aber man muß teststellen, daß abgesehen von den wenigen Weltbummlern, die auf ihrer Sommerreise sich vorzeitig nach Basel verirrt haben, die wirklieh Interessierten und viele Kongreßhabitues, sowie diejenigen, die sich für den Zionismus verantwortlich fühlen, oder es auch tatsächlich sind, bereits in Basel weilen. Allerdings fehlen noch die Mitglieder des Exekutivpräsidiums We i z m a n n und S 0 k o 1 o w, auch M o t z k i n , der Vorsitzende des Aktions- Comites und der traditionelle Leiter der Plenarversammlungen des Kongresses, ist noch nicht da. Leo Motzkin absolviert vorerst zwei Tagungen, die jüdische Rechtsschutzkonferenz in Zürich und den Kongreß der Minderheitsvölker in Genf. In Zürich führte er den Vorsitz, quasi als Vorübung und Vorbereitung für die voraussichtlich zweiwöchentliche Tätigkeit aut dem Präsidentenstuhle des Kongreßsaales in Basel. Außer den zionistischen Politikern sind auch einzelne Journalisten als Vorboten der großen Journalistenarmee, die erst am 30. August ihre Kampftätigkeit aufnimmt, in Basel eingetroffen. Diese Journalisten suchen Stoff. Sie machen Interviews, sie begucken das Kongreßgebäude, sie tauschen Reminiszenzen aus, sie sammeln Bonmots und Apercus — lauter Suppe, die richtigen Knödel, die dem Telegraphenungeheuer zum Fräße hingeworfen werden sollen, sind noch nicht gekocht. Dennoch versuchen besonders findige Journalisten Ersatzknödel so zu präparieren, daß sie echter Nachrichtennahrung ähnlich sehen. Das richtige Kongreßleben, wie das eigentliche Parlamentsleben überall, vollzieht sich eigentlich in aen Couloirs. Diese aber sind vorläufig noch verlassen. Wohl sieht man einige Palästinenser, die gar nicht zeitig genug kommen können, alle braun gebrannt, einsam durch die großen Räume ziehen und die Vorbereitungen in Augenschein nehmen, die von geschäftigen Handwerkern getroffen werden, aber diese wenigen Couloirbewohner machen noch kein Kongreßleben. Auch den ״Kongreß-Sachverständigen“ will das nicht gelingen. Diese stellen sich bald in diesen, bald in jenen Winkel des Verhandlungssaales, kneifen ein Auge zu und lugen mit dem anderen scharf in den Saal, um vorauszuberechnen, welch äußeren Eindruck der Kongreßsaal machen wird, wenn die Herren Delegierten in den breiteren Sesseln und die Journalisten und Gäste in den schmalen Stühlen Platz genommen haben. Es fehlt da nicht an Vorschlägen: Der eine meint, man sollte die Teppiche nicht der Breite, sondern der Länge nach hängen, und der andere ist dafür, daß die Blattpflanzen, die Palmen und Topfgewiiclise, ans dem Saal verschwinden sollen. Donnerstag abends wurde Probebeleuchtung gemacht. Die Kongreßväter, das ist der Umkreis aller derjenigen Personen, die in der Vergangenheit den Kongreß organisiert haben, standen mit gewichtigen Mienen herum. Der Elektrotechniker ließ seine Klaviatur spielen und der Hintergrund des Präsidiumstisches und der Estrade leuchtete in einem prachtvollen Himmelblau auf, in dessen Mitte ein großes Herzl-Bildnis schwebte. Selbstverständlich ist ein Zionistenkongreß undenkbar, dessen Verhandlungssaa! nicht als vornehmsten Schmuck das Porträt desjenigen zeigte, der die Institution des Zionistenkongresses geschaffen hat. In Basel hat überdies das Herzl-Porträt, abgesehen von dem offiziellen Charakter, der ihm innewohnt, noch eine besondere Bedeutung: Herzl und Basel gehören zusammen, wiewohl er in Budapest zur Welt kam und in Wien den größten Teil seines Lebens verbracht hat. Der Höhepunkt seines Daseins ist jedoch an den Namen Basel geknüpft. Es ist auffallend, wie die Persönlichkeit Herzls im Gedachtms der Baseler Bevölkerung, die sonst sich wenig Gedanken über Judentum und seine Interessen machen dürfte, fortlebt. Bei der Wohnungssuche wurde ein Kongreßbesucher von seiner Wirtin, einer braven Schweizer Matrone, gefragt, ob denn Herzl auch kommen würde. Sie hätte ihn vor 30 Jahren gesehen, und das wäre für sie stets die Erinnerung an einen der bedeutendsten und schönsten Menschen geblieben, die sie gesehen hatte. In der Straßenbahn sagte mir ein Schaffner voller Stolz: ״Ich kann mich noch gut an ihre ersten Kongresse erinnern, ich habe auch den seligen Dr. Herzl einigemal gesehen.... das war ein schöner, feiner Mann.“ Für uns Zionisten ist Basel untrennbar mit der Person Theodor Herzls verbunden. Schon in der Vorwoche kann man feststellen, wie sehr sich der Charakter unserer Kongresse geändert hat. Aut dem I. Kongrell stand die Mehrzahl der Teilnehmer im Alter von 20 bis 30 Jahren, heute sieht es anders aus. Unter den Delegierten sind die Jungen in der Minderheit, und man kann sich gut vorstellen, daß es auf der Kongreßtribüne und in de» Reihen der Delegierten mehr Grauals Schwarz- und Blondköpfige geben wird. Der Chor jedoch ist jung geblieben. Die zahllosen Helfer und Ordner sine! zumeist unter 20. Viele von ihnen sind in anstrengenden Fußreisen aus Wien gekommen; einige erzählten mir, daß sie seit fünf Wochen untervvegs sind. Nun leisten sie schwerste körperliche Arbeit. Sie tragen Lasten, sie helfen bei der Einrichtung der Büros, sie versehen den Dienst im Quartieramt, sie besorgen Gepäck — all das mit glühendem Eifer. Die richtige Kongreüstinummg ist aber doch noch nicht festzustellen. Man sieht noch allzu viele, die nicht da sind. Es fehlen die Kongreßbummler, die pünktlich wie die Schwalben im Frühjahr am Tage des Kongreßbeginns auftauchen. Es fehlt jene Dame, die bei allen Kongressen schwarz gekleidet erscheint und von der niemand weiß, wer sie ist und woher sie kam, und die mit gespanntester Aufmerksamkeit vom ersten bis zum letzten Tage einsam im Kongreßgewimmel ihres Weges zieht. Man sagt, jene Dame lebe Erinnerungen nach. Es fehlt der Maler aus Prag, der als Wallfahrer zu jedem Kongreß auf Schusters Rappen erscheint und sich in allen Gemeinden, die er passiert, bescheinigen läßt, daß er aut dem Wege zum Kongreß die betreffende Gemeinde mit seinem Besuche beehrt hat. Es fehlt noch jene Stimmung, die man empfindet, wenn man die vorgeschricbenen Kerzen entzündet hat, zum Zeichen, daß das Fest beginnt. Erst, wenn die Leuchten, die wichtigsten Personen, die Präsidien der Exekutive und der zentralen Instanzen und die vielen unwichtigeren, die aber dazu gehören, erschienen sind, dann kann der Kongreß beginnen.