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Jüdische Rundschau · 1927-09-02 · Heft 70 (2.9.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 70 (2.9.1927)
Date
1927-09-02
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 500 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 70, 2. IX. 1927 Vor der Eröffnung RW, Basel, 30. August Fieberhaft wird seit zwei Tagen in den Räumen des Messegebäudes gearbeitet, eine große Maschine ist in Gang gesetzt, in der jedes einzelne Rädchen unentbehrlich ist, die große Schar der Helfer und Ordner, jüdische Jugend in Wandertracht, ist beschäftigt, um die letzten Vorbereitungen für heute Abend zu treffen — für die Eröffnung des Kongresses. Immer wieder ist es ein großes Erlebnis, dieses große Zusammenwirken zu sehen und zu fühlen, wie hier eine Gemeinsamkeit entsteht, die alle umschlingt, vom obersten Führer bis zu den prachtvollen gebräunten kleinen Mädchen, die in ihrer Weise die blau-weißen Farben zu Ehren bringen. Das Messegebäude präsentiert sich schon von außen sehr imposant, der schöne Bau mit der breiten Fassade steht auf einem großen freien Platz, von den Masten weht die Schweizer und die blau-weiße Fahne. Strahllender Sonnenschein begünstigt das bunte Treiben vor dem Hause. In unzähligen Zimmern und Nebenräumen sind die Büros der zionistischen Behörden untergebracht, An den Schaltern herrscht der übliche Andrang und die obligate Aufregung. Man hat den Eindruck, daß die technischen Vorarbeiten zum Kongreß diesmal sehr gut organisiert sind. Freilich ist in Basel auch mit einem numerisch geringeren Publikum zu rechnen als etwa in Wien oder Karlsbad. Wie steht es nun mit der sachlichen Vorbereitung des Kongresses? Schon eine Woche lang werden Sitzungen abgehalten, die meisten Delegierten sind schon anwesend. Die Fonds (Keren Hajessod und Keren Kajemeth) hatten ihre Konferenzen, die zeigten, mit welchem Eifer die Sammler und Propagandisten am Werke sind. Es wurden Probleme künftiger Arbeit besprachen. Einen besonderen Erfolg hatte in der letzten Zeit, wie in der ״Jüd. Rundschau‘‘ schon berichtet wurde, der Keren Kajemeth; seinem Präsidenten U s s i s c h k i n, ist es gelungen, in C a n a d a ein großes Projekt zu realisieren, das Aussichten auf einen neuen Bodenkauf eröffnet. Das Interesse für diese Sache ist allgemein, doch ist Näheres noch nicht zu erfahren, da noch einige Einzelheiten geregelt werden müssen. Die Exekutive hält ständig Sitzungen ab, das Aktions- Comite tagt, die Wizo hat ihre Weltkonferenz, bei der es manchmal sehr interessant zugeht, und die drei Sonderverbände, Misrachi, Hitachduth und Poale-Zion, halten ihre Parteikonferenzen, die vorläufig in erster Linie den eigenen Parteifragen, erst in zweiter Linie den Kongreßproblemen gewidmet sind. Trotzdem ist natürlich auch bei diesen Parteien das Interesse den zionistischen Hauptfragen zugewandt, der Lösung der Palästina-Krise vor allem. Auch rings um den Kongreß gibt es Veranstaltungen. Der Misrachi hielt im Stadtkasino eine Propaganda-Versammlung; am nächsten Tag hatfeh cfie Revisionisten eine überfüllte Öffentliche Versammlung, in der Temkin, Lichtheim und Jabotinsky sprachen, man hörte aber nichts Neues. Die Zusammensetzung des Kongresses ist noch nicht endgültig klar; das Kongreßgericht hat schwere Arbeit, alle Wahlproteste nachzuprüfen. Das Gericht muß sich selbstverständlich an die formellen Bestimmungen des Statutes halten, wofür eine breitere zianistische Oeffentlichkeit noch nicht das genügende Verständnis hat. Es verlautet, daß die Urteile des Kongreßgerichtes wichtige Veränderungen bewirken werden. Den Amerikanern sollen 14 Mandate kassiert werden; dies steht freilich noch nicht fest, es verlohnt aber die Gerüchte zu verzeichnen. Durch solche Reduktion würde vor allem die Mitte verkleinert werden. Die Revisionisten und Radikalen haben 23 Sitze zusammen. Die verschiedenen Gruppen der Allgemeinen Zionisten haben bereits Fraktionssitzungen abgehalten. Man will den Versuch machen, alle Allgemeinen Zionisten zu einer Arbeitsgemeinschaft zu vereinigen, und zwar: Arnerika, Linkes Zentrum, Eth Liwnoth, Einzelne. Die Allgemein-Zionistischen Delegierten aus Palästina haben sich zu einer ״palästinensischen Landsmannschaft“ zusainmengeschlossen, die gleichfalls an den Beratungen teiinimmt. Die Allgemeinen Zionisten sollen keine programmatisch einheitliche Kongreßfraktion bilden, aber ein Aktions-Programm von fünf oder sechs Punkten akzeptieren, das sie gemeinsam im Kongreß vertreten und für das eine Art ״Fraktionszwang“ bestehen soll. Ob es zustandekommt, ist noch nicht zu sagen. Langsam beginnen sich auch die Konturen der Kongreß-Politik bereits abzuzeichnen. Es handelt sich ...um zwei Hauptfragen: Budget und Leitung. Man befürchtet, daß die Sonderverbände wieder für ein übersteigertes Budget eintreten werden. So schmerzlich es ist, ein Budget von nur £ 440 000 aufzustellen, wovon ein Teil bereits verbraucht oder festgelegt ist, so gibt es doch diesmal keinen anderen Weg, und die Kunst des Kongresses wird sich darin zeigen müssen, dieses Budget richtig aufzuteilen. Mehr zu verteilen als man haben wird, ist sinnlos. Es heißt, daß die Linke für einen radikalen inneren Umbau des Budgets eintreten wird; sie fordert, daß 50 ״., des Budgets für landwirtschaftliche Kolonisation ausgesetzt werden. Bezüglich der Gesamthölie des Budgets ist die Neigung vorhanden, wieder wie bei der Aktions-Comite-Sitzung mit erhofften ״Anleihen“ zu operieren, um eine Erhöhung der Einnahmen-Schätzung zu erzielen. Was die Zusammensetzung der künftigen Leitung betrifft, so kann man schon heute sagen, daß wesentliehe Veränderungen nicht zu erwarten sind. Von seiten der Allgemeinen Zionisten wurde bekanntlich eine Zeitlang die Bildung einer!,flügellosen“ Palästina-Exekutive, d. h. ohne Vertreter der Sonderverbände, propagiert. Diese Forderung ist daran gescheitert! daß es keine Kandidaten der Mittelparteien gibt Auch bei uns sind die ,,Wirtschaftler“ nicht so leicht dazu zu bewegen, Verantwortung auf sich zu nehmen. Es wurden ein paar Namen genannt, die jedoch heute bereits als eriedigt gelten. Die Mittelparteien dürfen sich nicht ein zweites Mal — so wie bei der letzten Aktions-Comitü- Sitzung — den Luxus erlauben, Körperschaften einzusetzen, die dann nicht ins Leben treten, weil alle Gewählten absagen. Die Amerikaner, die teilweise in letzter Zeit besonders gegen die Teilnahme der Arbeiter- Vertreter in der Exekutive Stellung nahmen (eine einheitliche Meinung besteht unter ihnen in dieser Frage nicht), haben keinen Kandidaten zu präsentieren. Es geht ihnen nur noch um ein formales Prinzip: Sie wollen ausdrücklich erklärt haben, daß jedes Mitglied der Exekutive wegen seiner persönlichen Qualitäten vom ganzen Kongreß gewählt wird und nur dem Kongreß verantwortlich ist. Damit soll ausgesprochen sein, daß auch diese Herren keine Parteivertreter sind und für ihre Arbeit in der Exekutive nicht Direktiven ihrer Parteien anzunehmen haben. Es ist kaum anzunehmen, daß wegen einer solchen Formalfrage ernste Schwierigkeiten entstehen werden. Ob es möglich sein wird, die Exekutive gemäß dem Plan der Tagesordnung bereits am Sonnabend Abend zu wählen, bleibt freilich dahingestellt. Blumenfeld Präsident des Permanenzausschusses Telegramm der ״Jüdltchen Rundschau“ (telephonisch) Basel, 1. September 1927. Der Permanenzausschut) hat sich ln seiner Sitzung vom Donnerstag nachmittag konstituiert. Zum Prlsideuten wurde Kurt Blumenfeld gewählt. Die Vorverhandlungen RW, Basel, 31. August. Während der Kongreß bereits im Gange ist, werden natürlich die Verhandlungen der Parteien fortgeführt. Nach den letzten Nachrichten, die in den Kreisen der Delegierten kursieren, haben die Amerikaner ihr Programm bereits zu konkreten Vorschlägen formuliert. Es scheint, daß diesmal sehr weitgehende Uebereinstimmung zwischen den Amerikanern und dem Linken Zentrum herrscht Auch die Amerikaner treten dafür ein, daß die Budget-Politik geändert wird. Das Gesamtbudget soll £ 440 000 nicht überschreiten. Bei Festsetzung des landwirtschaftlichen Budgets soll die Konsolidierung der bestehenden Punkte Vorrang vor neuen Unternehmungen haben. Ein wirksamer Abbau des Defizits der Exekutive müsse durchgeführt werden. Auch in der Leitungsfrage sind Amerika und Linkes Zentrum bereits so gut wie einig, freilich sind Personenfragen noch nicht Im einzelnen festgelegt. Die palästinensischen Allgemeinen Zionisten sollen, wie cs heißt, fiir eine Koalitions-Exekutive in Palästina eintreten. Die Meinung der Fraktionen ist noch nicht klar, doch haben die Poale Zion bereits beschlossen, daß sie bereit sind, in die Exekutive einzutreten (während bisher ihr Vertreter Kaplansky nur Mitglied des Wirtschaftsrates war). Das Linke Zentrum hat sich konstituiert. Zum Vorsitzenden wurde Kurt Blumenfeld gewählt, zum Sekretär Dr. Eckstein (Tschechoslowakei). In den nächsten Tagen wird Dr. Weizmann vor dem Linken Zentrum sprechen. Die Fraktionsleitung hat ferner die Herren Ruppin, Hantke, Arlosoroff und Landauer zu Referaten eingeladen, insbesondere über die Frage der Arbeitslosigkeit. Die Allgemeinen Zionisten Deutschlands haben sich außerdem zu einer Landsmannschaft zusammengetan, was besonders aus Gründen der Kongreß-Technik erforderlich ist (wegen der Vertretung in den Ausschüssen). Die Wizo-Konferenz Sonntag, den 28. August, 10 Uhr vormittags, begann die IV. Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (Wizo), an der 46 Delegierte aus 17 Ländern, Vertreterinnen der Gruppenverbände lind Fraueninstitutionen aus Palästina, Argentinien, Belgien, Bulgarien, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Holland, Kanada, Oesterreich, Polen, Rumänien, Südafrika, Tschechoslowakei und anderen und viele Gäste teilnahmen. Die Präsidentin der W. 1. Z. O., die Gattin des früheren Oberkornmissärs in Palästina, Lady Samuel, eröffnet die Konferenz mit einer Ansprache (hebräisch und englisch), in der sie die Grüße des Wizo-Zentrums in Palästina überbringt und der Konferenz den besten Erfolg wünscht. Die Not der jüdischen Frau ist in Palästina noch sehr groß, die Sterblichkeitsziffer der Säuglinge noch sehr hoch. Es ist die Aufgabe der Wizo, die Not zu verringern. Die Frauen- Organisation sorgt für Mädchen, die nach Palästina gehen, und hilft ihnen in ihrem Streben, im Lande Wurzel zu fassen durch die Gründung der Mädchenschule für Haus- und Kleinwirtschaft (״Hostel“) in Tel-Awiw, der landwirtschaftliehen Mädchenschule in Nahalal und Bildung der Mädchen- Siedlungen auf dem Lande (Kwuzoth). Besondere Aufmerksamkeit, setzt Lady Samuel fort, wurde der Arbeit unter den jüdischen Frauen in der Diaspora gewidmet. Jede jüdische Frau soll sich fragen, welche Opfer sie für den Aufbau Palästinas und für die Hebung der jüdischen Erziehung gebracht hat und ob sie alles getan hat, was in ihrer Macht war. Die Liebe zum eigenen Volk und zum Lande unserer Vergangenheit und Zukunft lasse uns vereinigen zur Verwirklichung unseres großen Ideals. Das Land von Israels Traum muß das Land von jüdischer Wirklichkeit werden. Nach der Begrüßung der Mitglieder der Zionistischen EÄkutive und der jüdischen Institutionen seitens der Ehren- Sekretärin der Exekutive der Wizo, Frl. Ruth Franklin, ergreift Dr. Weizmann das Wort, um seine Glückwünsche der Konferenz der Wizo zu überbringen. Er benützt die Gelegenheit, um seine große Freude über den Erfolg der Frauenorganisation auszusprechen. Die Wizo hat sich nicht nur auf spezifische Frauenarbeit in Palästina beschränkt, sondern nahm auch an den Arbeiten der zionistischen Institutionen einen großen Anteil. Es gelang ihr, besonders in England und Amerika, in solche Kreise einzudringen und sie für die Palästinaarheft zu gewinnen, die den Männern verschlossen waren. Namens der Exekutive in Palästina, der Keren Kajemeth- Zentrale, des Keren Hajessod und der Basler Gruppe der Wizo begrüßen die Konferenz Col. Kisch, Ussiscnkin, Jaffe und Frau Bloch-Levaiilant. Sodann werden die Begrüßungsschreiben und Telegramme verlesen. Edith Eder und Romana Goodman, Mitglieder des Präsidiums der Exekutive in London, referieren über die Arbeit der Wizo in den letzten zwei Jahren und über die Wege und Ziele der Arbeit in Palästina und im Gallith, die mit großem Beifall aufgenommen werden. Es folgt der Bericht der Frau J. Marks über die Finanz- und Budgetfragen der Wizo und ihrer Tätigkeit in der nächsten Zukunft. Die Wizo hat im Laufe der letzten zwei Jahre in Palästina £ 18 547 ausgegeben, von denen auf das Hostel in Tel-Awiw £ 3520, auf die landwirtschaftliche Schule in Nahalal £ 7720, auf die Kinderfürsorge und Kliniken in Neve Schalom, Nordia und Jemenitisches Viertel £ 2706 fallen. Die zweite und dritte Sitzung, die noch am ersten Verhandlungstag nachmittags und abends stattfanden, waren den Berichten der Frauen Anita Müller-Cohen, Maisel-Schochat und Ada Fischman über Palästinaarbeit gewidmet, ferner dem Bericht des Fräulein Gel ln er über die Lage der Arbeiterin in Palästina, der Palästinadebatte und der Wahl des Präsidiums. Frau Anita Müller-Cohen kritisiert die Arbeiten der Wizo in Palästina und tadelt ihre Gleichgültigkeit der bürgerliehen Frau in Palästina gegenüber. Die Londoner Exekutive der Wizo nahm keine Fühlung mit Palästina selbst, das eine große und schwere Krise durchzumachen habe. Die Wizo hat es nicht verstanden, die Frau der 4. Alijah, die aus reinem Idealismus mit ihrem Manne nach Palästina gegangen ist, in ihr Arbeitsgebiet hineinzuziehen und hat ihr nicht die Möglichkeit gegeben, sich für dauernd niederzulassen. Die Wizo hat sich mit romantischen Dingen beschäftigt, sorgte für junge Mädchen und Chaluzoth, für die sie das Hostel und die landwirtschaftliche Schule geschaffen hat und auch für die Säuglinge der ärmsten Bevölkerung, ließ aber die nicht weniger bedürftige bürgerliche Frau im Stich in ihrem Kampf fiir die Errichtung und das Bestehen ihres Heimes in Palästina. Rednerin verlangt an Stelle der Welt- Organisation zionistischer Frauen eine Weltorganisation j ü ■ discher Frauen, die sich mit allen Problemen der jüdischen Frau zu befassen hätte. Wenn sich aber die Wizo Weltorganisation nennt, so darf sie sich nicht nur um die junge Generation in Palästina kümmern, sondern muß vor allem auch der geistigen, moralischen und materiellen Not der bürgerlichen Frau in Palästina, der Trägerin des jüdischen traditionellen Geistes, Rechnung tragen. Frau Maisel-Schochat berichtet über die Entwicklung der landwirtschaftlichen Mädchenschule in Nahalal, die unter ihrer Leitung geführt wird, erzählt über die Studienreise, die sie im Sommer unternommen hat, um die führenden landwirtschaftlichen Schulen in Europa zu besuchen und über die gewonnenen Erfahrungen, die sie in Nahalal zu verwerten gedenkt. Die Zukunft Palästinas liegt nicht in der Stadt, sondern auf dem Lande. Die landwirtschaftliche Schule bezweckt, den Unterricht möglichst vorbildlich zu gestalten, den Mädchen eine solche gründliche Ausbildung in verschiedenen Fächern wie Gartenbau, Hühnerzucht, Much- Wirtschaft u. a. zu geben, daß sie später als Lehrerinnen wird, das Niveau der Landwirtschaft in Palästina auf eine solche Höhe zu bringen, wie in den Ländern, nach deren Plänen sie errichtet wurde. Leider sind noch die Mittel zu klein, um die Zahl der Schülerinnen, die zu Beginn des Schuljahres 60 betrug, zu vergrößern. Frau Lichtenstein ergänzt den Bericht der Frau Müller-Cohen über die Tätigkeit der Wizo in Tel-Awiw und betont die praktisch — soziale und kulturelle — erzieherische Arbeit unter den Frauen Tel-Awiws, die von der Wizo-Gruppe geleistet wird. Die Gründung eines Frauen- Klubs in Tel-Awiw ermöglichte die Bildung einer rein jüdischen geistigen Atmosphäre unter den bürgerlichen Frauen und das kleine Gärtchen verhalf vielen von ihnen, auch ihre materielle Not zu lindem. Ada Fischman geht eingehender auf die Arbeiten der ländlichen und städtischen Siedlungen (Kwuzoth und Chawuroth), die von der Wizo unterstützt werden, ein und weist die Vorwürfe der Frau Anita Müller-Cohen in bezug auf die Sonderstellung der bürgerlichen Frau gegenüber zurück. Die Mädchen m den Kwuzoth und Chawuroth sind eben die Töchter und Schwestern der bürgerlichen Frau, für die sie den Weg nach Erez-lsrael ebnen. Im Gegensatz zum Lande, wo unser Werk 100 ״/» gelungen ist, ging die Arbeit in der Stadt viel langsamer und schwieriger. Dies ist darauf zurückzuführen, daß wir in der Stadt noch keine Tradition haben, die mit der Zeit herausgebildet werden wird. Rednerin glaubt, daß die Frau in Palästina ihre Pflicht erfüllen und dem Manne in allen Rechten ebenbürtig sein wird. Nach einem eingehenderen Referat des Fräulein Hedwig Gel ln er (Palästina) über die Lage der Arbeiterin in Palästina wurde die zweite Sitzung geschlossen. Die Palästina-Debatte in der dritten Sitzung wurde von der Sekretärin der Wizo in Palästina, Frau R. Doniach, eingeleitet. Die Frau der 4. Alijah war nicht die Frau, die den jüdischen traditionellen Geist nach Palästina gebracht hat. Die Tragödie der Mutter in Palästina, die das Hebräisch ihrer Kinder nicht versteht, ist viel geringer als die Tragödie der Jüdin, die ihre Kinder durch die Assimilation im Galuth verliert. Rednerin schlägt vor, neben einer großen neuen ländlichen Siedlung eine zweite landwirtschaftliche Schule zu gründen. An der Diskussion beteiligen sich die Damen Rahel Janaith (Palästina), Wronski (Deutschland), Brisco (England), Wysenbek (Holland), Benzion (Kanada), Berger (Elsaß) und Netter (Frankreich). Zum Schluß der Sitzung wird das neue Präsidium gewählt, das aus folgenden Damen besteht: Lady Samuel, Frau Wronsky, Frau Margulies (Rumänien), Frau Benzion, Frau Ben Zwi, Frau Wysenbek, Frau Steiner. Die vierte Sitzung ist dem Referat von Frau Johanna Steiner über die Stellung der neutralen Verbände zur Wizo und über die Arbeit im Galuth gewidmet. Frau Steiner spricht im Namen der Föderationen der Exekutive der Wizo den Dank für ihre Arbeit während der letzten zwei Jahre aus. Sie bemerkt, daß die Kritik an ihrer Tätigkeit zum Zwecke der Verbesserung ihrer Arbeit und des Zustandes innerhalb der Organisation geübt wird. Unsere gemeinsame Gesinnung verpflichtet zu gemeinsamer Verantwortung und Anstrengung bei der Verwirklichung unserer Ideale. Als Zionistinnen sind wir mit den Männern in der Zionistischen Organisation gleichberechtigt und brauchen als solche keine besondere Organisation, als Frauen müssen wir aber eine Organisation haben, die alle Interessen der jüdischen Frauen vertritt und einen Weltbund der jüdischen

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