Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 498 JUEDISCHE RUNDSCHÄO Nr. 70, 2. IX. 1927 Nr. Geschick mit dem Lande unserer Hoffnung verbunden haben, sind heute zu einem Dasein der Untätigkeit verurteilt. Sie leiden nicht nur, weil sie kaum das kärgliche Brot zur Fristung ihres Daseins erhalten können, sondern noch vielmehr, weil die Arbeit, auf die sie ihre Hoffnung setzten, und mit der sie den ganzen Sinn ihres Lebens erfüllten, zu stocken scheint. Wir wissen, daß diese Stockung nur vorübergehend ist, und wir sehen, wie einzelne Teile unseres Werkes sich bereits heute zufriedenstellend und hoffnungsvoll entwickelt haben. Aber wir dürfen nicht zulassen, daß der heutige Zustand länger andauert. Die Zionistische Organisation als die verantwortliehe Repräsentantin des zum Aufbau seiner Heimstätte entschlossenen jüdischen Volkes muß alles tun, um die Produktivität im Lande wieder zu beleben. Dies ist vor allem eine Frage der Mittel. Wir haben Arbeitskräfte bereitstehen, die mit größter Selbstlosigkeit an unserem Werke bauen wollen. Aber wir haben nicht die richtige Proportion zwischen Kapital und Arbeit, den beiden Elementen jedes Wirtschaftliehen Aufbaus, herzustellen vermocht. Dieser Kongreß darf nicht ausei »andergehen, ohne Mittel und Wege gefunden zu haben, die das Los der Arbeitslosen in Erez-Israel erleichtern und dadurch gleichzeitig den Umfang unserer zionistischen Tätigkeit vergrößern. Von diesem Jubiläumskongreß soll nicht nur ein Gruß tiefer Dankbarkeit für diese unsere Menschen in Palästina ausgehen, sondern auch ein wohl erwogener und durchdachter Plan zur Beseitigung des akuten Notstandes und zur Festigung unseres Aufbauwerkes. Geehrter Kongreß! Unsere Bewegung steht an ihrem dreißigsten Geburtstage mitten im Ernst des Lebens, und wir hoffen und fühlen, daß sie mit der Größe ihrer Aufgaben auch selbst gewachsen ist. Wir haben ein großes ideal proklamiert und wir sind auf unserem Wege der Verwirklichung ein weites Stück vorwärts gekommen. Langsam werden die Konturen des nationalen Heimes erkennbar. Schon heute, wo die Sache erst beginnt, ist die moralische, die befreiende, die umwälzende Wirkung dieser Arbeit gewaltig. Die ganze Welt beobachtet unser Tun und wir können wohl sagen, daß sie in ihrer Mehrheit uns •wohlwollend beobachtet Wir haben von vielen Seiten Ermutigung erfahren und auch die Gegnerschaft, auf die wir gestoßen sind, hat uns nicht geschwächt, sondern stärker gemacht. Wir stehen mitten in dem aufbauenden Freiheitskampf des jüdischen Volkes. Wir sind ans einem Häuflein belächelter Enthusiasten die Träger einer großen Verantwortung geworden. Dieser Kongreß, unser Jubiläumskongreß, muß sich dieser Vcrantwortung bewußt sein, und sich ihrer würdig zeigen. Ich erkläre den XV. Kongreß der Zionistischen Organisation für eröffnet. (Stürmischer Beifall.) * Sokolows Eröffnungsrede Hochverehrter Kongreß! Ein Stück unserer Geschichte blickt uns aus dieser Stadt an. Sie erzählt von den Anfängen unserer Bewegung. Wir treten hier wie über die Schwelle des Vaterhauses. Von hier war •>.dw׳'iete:|n«wan»nrt«B»et4^te»<:;Ä:«ehta»t1#nde-V01ks* .rWrft}wuedd:|i1acltT1W zft lebinÄif S41bWMf«*eihgespaäht, Von hier flatterten die geflügelten Worte unter das Volk hinaus, als ob aus Stahl und Stein Funken sprühten. Die Inkunabeln des modernen Zionismus tragen den Druckstempel Basel,Baseler Programm. Das war eine Tat. Denn Wort ist Kraft und Kraft ist Tat. Der erste Ziontatenkongrefi — Theodor Herzl Nach zweitausendjährigem Schweigen hat das jüdische Volk, welches gelitten hat und leidet wie kein einziges in der Welt, zum erstenmal zu der großen Oeffentlichkeit gesprochen. Das jüdische Volk klagte nicht; es verkündete feierlich sein Menschenrecht, sein Volksrecht, sein Recht auf das Land Israel. Das war ein Aufschrei der in ihm beleidigten Menschheit. Die Idee der Freiheit bildete den dunklen, treibenden Untergrund für die neue Bewegung. Denn der nach Befreiung seines Volkstunis strebende Jude Ist auch ein Glied in jener Kette der Freiheitskämpfer, die die Schätze und Güter der Freiheit heben und verteilen wollen. Das Aschenbrödel der Freiheitsbestrebungen, die Judenfrage, betrat hier zum erstenmal den festen Boden einer eigenen, unverkünstelten und unabhängigen Politik. Einer Politik? Dieser kleine Maßstab reicht an die Größe Theodor Herzls nicht heran! Er hat die Kraft besessen, den Schleier der kommenden Tage zu lüften, er schwang die leuchtende Fackel eines Propheten. Die liebeatmende und ,geistzündende Kraft seiner Persönlichkeit wirkte wie Offenbarung. Aller Herzen schlugen einen einzigen Schlag, aller Augen waren ein einziger Strahl. So war der erste Zionistenkongreß in Basel 1897. Der Eindruck nach innen und außen Aber nicht nur nach außen machte der I. Kongreß einen mächtigen Eindruck, seine Bedeutung war noch viel größer nach innen. Die zionistische Bewegung war eine Rückkehr zum jüdischen Idealismus, dem sittlichen Idealismus. Der hohe Stand des jüdischen Geistes drohte in der letzten Zeitperiode vor dem Zionismus zu verflachen; Zeichen der Entartung wurden sichtbar. Der Zionismus hat einen gewaltigen Ernst in unser Leben gebracht. Nicht durch pedantisches Schelten und eifriges Moraipredigen, sondern durch einen inneren Neuaufbau des Menschen und Juden wurde dieses Resultat erzielt. Es galt der Reinhaltung unseres Besten: unserer Seele, unserer vollkommenen Uebereinstimmung mit uns selbst. — Unser Volk würde am egoistischen Kleinen und Elenden verkümmern, wenn nicht der Zionismus da wäre. Nur das zionistische Ideal vermochte es, einen Adel der Gesinnung auszulösen, dessen unaus- Weibliche Folge der Adel der Handlungen Ist. Das tiefste Sehnen nach einem freien, lebendigen Judentum, das beiße Verlangen, aus der Dürre des im Oafuth erstarrten Volkstum heraus zu den frischen Quellen des Stammlandes zu gelangen und eine reale, eigenartige Einheit zu bilden, diese innere Befreiung hatte neue Menschen und neue jaden geschaffen. Der Kampf mit der Assimilation — Max Nordau Unser Kampf gegen die Assimilation, jetzt schon ein dreißigjähriger Krieg, den der Zionismus geführt hat und führen muß, hat hier begonnen. Einer der sprachgewaltigsten Mensehen, die je gesprochen und geschrieben haben, Max־ Nordau, hat hier diesen Krieg erklärt. Wie der junge Abraham die Götzenbilder seiner Umgebung zerschmetterte er die Fetische eines absterbenden Judentums: die innerliche Untertänigkeit, das Kleinsein, das Versinken, das Beugen des Genicks, das Lecken des Prügelstocks, die ewige Flucht vor dem eigenen ich, den Affentrieb einer kläglichen Nachahmung. Die scharfen Sentenzen von der moralischen Judennot, von dem ״Bauch- und Auchjudentum“, die Max Nordau geprägt und mit grandioser Wucht in die Oeffentlichkeit geschleudert hat, waren nicht bloß eine pikante Würze für Feinschmecker polemischer Rhetorik; sie waren vielmehr wie der Zionismus selbst, uralte Wahrheiten in neuem Gewände. Die Assimilation herrschte damals fast noch unbeschränkt. Sie entfremdete, erstickte; ihre Politik war ein unwürdiges Versteckspiel. Wo es galt, kühn aufzutreten, verkroch sie sich zwerghaft und feige. Sie verstand nicht, daß es nicht genügt, sich fremde Namen aufzukleben, wie eine Etiquette» daß dies kein anderes Blut in den Adern fließen läßt und daß man notwendigerweise das bleibt, als was man geboren ist. Da hilft keine eigene Willenswahl: dieser Freiheit gegenüber steht das ewig bindende, das selbstlos Nationale und alle persönlichen Tendenzen zerschellen an dem sittlichen Lebensgesetz des Volkes. Jüdische Art war der Assimilation eine ferne, verschollene Kultur, über die sie sich erhaben dünkte: die Bibel ein Buch mit sieben Siegeln, die nationale hebräische Kultur eine Pharaonen-Grabkammer, Palästina — ein Märchenland, Zionismus — eine rückständige Verirrung, Eitelkeit und Größen• wahn, vielleicht ein letztes Aufflackern des fliehenden nationalen Lebens. Alles Positiv-Jüdische kam ihr als unklare Träumerei vor. Hochmütig kümmerte sie sich in der Regel um diese Träumereien blutwenig; geschah dies zuweilen, so konnte man mit Erstaunen sehen, wie kalt und freudlos, ohne Schauder und ohne Ehrfurcht, das heiligste ideal nicht nur eines alten Volkes, sondern auch von Millionen jetzt lebender Söhne dieses Volkes, zergrübelt und lebendig zergliedert wird. Ein Judentum, das für sich denkt, für sich lebt, für sich will und für sich handelt, war in den Augen der ,Assimilation eine Chimäre. Sie hatte das jüdische Volk nicht gesehen. Ihre Schwäche war der Irrtum, daß alles Volksleben sich in der Tageshelle abspiele, das Verkennen der unbewußten, unter dem Bewußtsein arbeitenden Lebens- und Seeienkräfte, die au%dem ewigen Geheimnis des Lebens hervortauchen und über sich selbst hinausweisen, in eine Welt, in der der historische Impuls wirksam wird. Des״ schöpferische Lebensdrang der Rasse, die bildende Kraft des Stammes, die unüberwindliche Macht des Blutes waren ihr eine terra incognita. Ihre ganze Weisheit war die Kunst des ״Mimikry“. Sie wollte mit Gewalt nachahmen und hatte doch kein Verständnis für den inneren Sinn des Nachzuahmenden. Sic schwärmte für die Verschmelzung mit den Völkern. Sie begriff nicht, daß man durch Absonderung zur Gemeinschaft gelangt. Die erschreckenden Folgen dieser Tendenz traten wie die Feuer- Zeichen eines Menetekel ein. Nach innen Zerrissenheit, Selbstentäußerung, Indifferentismus, Renegatentum, insbesondere der Fugend, die sich von der Assimilation ganz hinaus ins Fremde flüchtete, wie lose Zähne aus dem Munde eines Greises fallen. Nach außen schmähliche und schnöde Zurückweisung der Assimilations7udringlichkeiten seitens der umworbenen Völker. Und doch wollte diese Tendenz führend bleiben. Dieser Schmach mußte ein Ende gesetzt werden. Der Sauerteig mußte aus dem Hause gefegt werden, bevor wir das Fest der Freiheit feiern durften. Deshalb mußte Nordau seine b’itzcnde Geißel gegen die Assimi'ation schwingen. Man darf ohne Uebertreibung sagen, daß der Siegeslauf Herzlscher Gedanken nicht so leicht gewesen wäre ohne die kongeniale Mitarbeit Nordaus, der das Hcrzlschc Edelmetall mit unübertrefflicher Kraft in große rhetorische Form umzugießen verstand. m Das Baseler Programm und die zionistische Ideologie Selbstverständlich handelte es sich beim I. Kongreß einzig und allein um das Palladium des nationaljüdischen Zukunftsbegriffes, an dem alle jüdischen Generationen seit ältester Zeit hingen, der unbewußt und unverrückbar im tiefsten Grunde der Millionen jüdischer Herzen nistet und der sich nicht hat verkümmern lassen wollen. Selbstverständ'ich war Erez Israel und nur Erez Israel die Wiege unserer Nationalität und der Ur- ^spijjng,unserer •als..jfer.״sfnrig ׳®öflichr'und;«jet' Diese? Grundsatz würde i'iti iJäi*!er Pr0|ränitTr förmü’im. Das ist der kategorische Imperativ unserer viertausend’ährigen Geschichte. An diesem granitenem Fels werden alle Angriffe, alle Ablenkungsversuche, alle Zweifel zerschellen. Aber Zionismus wie ihn der l. Kongreß verkündete, ist auch eine klare, nicht mißzuverstehende Lebensanschauutig und Gemütsstimmung. Er ist das Gegenteil des chauvinistischen Nationalismus, dieses Zerrbild eines echten Patriotismus, dieses Götzen der wahngehetzten Völker, den wir hassen und verabscheuen. Er ist das Streben nach höchster Ausprägung wahrhaft eigenen Wesens, die Autonomie des kollektiven Wi.iens, die Erziehung des Volkes zu einem Ede’dasein und zur Ueberwindung der Knechtschaft. Die Gebote dieser Lehre lassen sich nicht in Paragraphen festlegen. Sie sind klarer als die mit größter Genauigkeit formulierten Texte eines Gesetzes. Die Andersdenkenden haben sie auch richtig verstanden. Jene jüdische Gemeinde, die uns ihre Gastfreundschaft versagte, hat das nicht beneldenswerte, aber für die Orientierung wichtige Verdienst, die Gegensätze hervorgehoben und die Situation beleuchtet zu haben. Sie hatte den Mut, zu bekennen, daß sie keinen Mut hatte. Klug, aber Galuthklugheit, Ghettovorsicht. Sie glaubte, die Welt werde untergehen, wenn Juden als solche einen Kongreß abhielten. Das waren GhettopAspektiven, wenn auch mit zierliehen Emanzipationswendungen geschmückt. Diese Propheten waren damals zahlreicher als «die unsrigen, aber wir glaubten ihnen nicht. Unsere Taktik war eine andere: wir Juden wollen nicht als arische Patrizier, Proletarier oder Proletarierpropheten umhergehen. Wir emfinden es einfach als eine Geschmacklosigkeit. Man soll jedem ansehen, was er Ist, von wem er abstammt, wer in ihm und wie er lebt. Wir sind in vielen Be- Ziehungen anders, denken anders, fühlen anders, haben eigene Sorgen und eigene Wünsche, also wollen wir auch ungestört beisammenbleiben, eben unserer eigenen Art gemäß. Warum sollen wir es nicht tun, wenn wir freie Menschen sind? Mögen die anderen kommen und uns zuhören! Man soU für die Menschheit arbeiten, man soll die Weit zu verbessern suchen, aber vor allem das eigene Stückchen Welt! Jüdische« Volkstum und die öffentliche Meinung Die größte Leistung des ersten Kongresses war der Kongreß selbst. Die Juden aller Länder, Kulturstufen, Stände, Parteien, Sekten, Fraktionen, verschiedenen Lebensalters und Geschlechtes, ehrwürdige Rabbiner und Jeschiboth-Lciter, patriarchalische Gemeindevorsteher, Kaufleute, Industrielle, Bankiers, Lehrer, Schriftsteller, Künstler, Handwerker, Arbeiter, Studenten usw. stellten das Bild eines Volkes en miniature dar. Die geschichtliche Gewöhnung wirkt stark; sie zwingt den Einzelnen in ihren Bann, und nur Wenigen ist es vergönnt, schöpferisch in neue Zukunftswege zu leiten. Aber der erste Kongreß hat in seiner Gesamtheit diesen hohen Grad der Erkenntnis erreicht. Das war seine Größe. Denn wichtiger als alles materielle Geschehen ist das seelische Leben einer Nation. So wirkte der Kongreß auf das jüdische Volk und so wirkte er auch auf die anderen Völker, Denkwürdig ist die Verbrüderungsszene, der Freudentaumel am Sankt Jakobstage, als (während des zweiten Kongresses) das Volk von Basel uns zurief: Es leben die Juden! Man konnte schon damals einsehen, daß wir uns gerade durch den Zionismus mit den anderen Völkern ln den tiefsten Grundlagen und den höchsten Spitzen berührten. Nur als Volk kann man die wahre Emanzipation erreichen. In allen seinen Lebensäußerungen strebt ein Volk nach einer individuellen Betätigung. Jeder Künstler und Dichter wurzelt tief in seinem Volke. Der kosmopolitischen Kunst, die von jedem Volke etwas entliehen hat, haftet etwas Ungesundes an. Das Volkstum, wenn wir hierunter gemeinsame Abstammung, Erinnerungen, Traditionen usw. verstehen, schließt keineswegs von der Außenwelt ab, noch hat es mit Rassen- und Völkerhaß irgendetwas gemein. Der Orkus, In dem alles Individuelle von der Allgemeinheit verschlungen wird, ist nicht das Ideal einer! Kultur. Wahre Kultur ist Persönlichkeit, freie Eigenart, Wahr-I heit. Volkstum und Internationalismus sind kemc so ausgesproehenen Gegensätze, wie sie auf den ersten Blick erscheinen! mögen, man durfte sie eher als zwei nebeneinander laufende, das Völkerleben beherrschende Faktoren betrachten. Drst Perioden zionistischer Geschichte Welche Zeit, welche Geschichte rauscht an dem rückwärts gewandten Blick vorüber! Seit der Begründung der Zionistischen Organisation durch den ersten Kongreß ist ein Zeitraum von 30 Jahren verstrichen. Dieser Zeitraum zerfällt in drei Perioden: 1. die Herzl-Periode, 2. die Periode Wolffsohn-Köin und Warburg-Betlin und 3. die jetzige Periode. Die Herzl-Periode war die Schöpfungsperiode des Zionismus. Anfänglich eine winzige Schar, vergrößerten sich die Reihen der Zionisten nach und nach und schwollen in immer schnellerem Tempo zu gewaltigen Zahlen an. Mit Riesenschritten ging die Entwicklung vor sich. Die Finanzinstitute und der Jüdische National fonds wurden begründet. Auch das Programm klärte sieh infolge genauer Prüfung und sorgfältiger Untersuchung der realen Verhältnisse. Der Zionismus war nicht mehr eine große Sehnsucht, ein großes Heimweh nach einer besseren, schöneren Welt allein. Es wurde nicht mehr alles in einer Parole konzentriert; es galt schon, aus dem weiten Reich der Gedanken in die enge Arena der Tat hinabzusteigen und sieh als moralische, volkstümliche Macht zu organisieren und durchzusetzen. Man begann die zur Realisierung des Programmes notwendigen Momente zu suchen. Man hielt an dem Leitgedanken fest, aber man fand es ungenügend, eine Formel tatenlos zu wiederholen. Neben der gewaltigen politischen Sisyphusarbeit Herzls, die er trotz Enttäuschungen und Rückschlägen, Erschütterungen und Konflikten mit übermenschlicher Zähigkeit geführt und die ungeachtet des Mangels positiver Resultate moralisch bahnbrechend war, setzte auch eine praktische Arbeit in Erez-Israel ein. In einem harten Seelenkampf hatte sich Herzl zu der Ueberzeugung durchgerungen, daß man, ohne auf die Gunst der politischen Verhältnisse zu warten, eine intensive Kolonisationsarbeit unverzüglich fördern müsse. Diese Probleme beschäftigten seinen Geist noch, als der Todesengel mit umgestürzter Fackel an sein Bett trat. Der frühzeitige Tod Herzls war die größte Katastrophe, von der die Monistische Organisation je betroffen worden ist. Herzl hat uns nicht mehr führen können, aber an seine Stelle ist die Erinnerung getreten, die sich mehr und mehr verklärt hat, in der wir Trost und Ruhe gefunden, die wir liebgewonnen haben und die um ein Ersatz für den Verstorbenen geworden Ist. Das heilige Vermächtnis Herzls wurde von seinem treuesten Freund und Mitarbeiter, dem unvergeßlichen und verdienstvollen David Wolffsohn übernommen und mit hingebungsvollem Eifer und Selbstaufopferung gewahrt. Der Name Wolffsohn ist mit der ersten und zweiten Periode des Zionismus und der zionistischen Kongresse aufs engste verbunden. Er war ein begeisterter Vorkämpfer des palästinensischen Ideals, einer der Paladine der ersten Kongresse, ein Mitstreiter und Mitarbeiter für die Gründung unserer Institutionen, die nachher unter seine Leitung gekommen sind, ein willensstarker und kraftvoller fführer und Förderer auf dem Gebiete der Organisation. Auch sein Heimgang bedeutete eine schmerzliche Lücke in unseren Reihen. Die Kölner und die darauf folgende Berliner Per i o d e glänzten nicht durch überraschende Erfolge; aber es waren Zeiten schwerer und segensreicher, stiller Arbeit. Die Organisation wurde gefestigt, ihre Institutionen ausgebaut, die innere Geschlossenheit und das jprograminäßige'Zuflaaijnenwirken der Krlfte gesichert, manche!.ebfnskeiflif nattonal-kultu Tüchtig gesiche Un haben 1 Keren! Leistun ein Vo die Siel aufbiet Israel י der ge worder ist, sei) so hat diente, tendes ginnen der Di; Dank den Ai ln des Jü eignet! dieser auf Er und ia wir es der Bi ein m bieten und st Boden dies : schrei Die gegenwärtige Lage Hochverehrter Kongreß! Zwei schwere Jahre liegen hinter uns. Das Teuerste, was wir besitzen, das Ziel unserer Hoffnungen, der Hort unserer Einheit, das Herz unseres Volkes: Erez-Israel leidet schwere Not. Tausende unserer tüchtigsten Arbeiter nagen am Hungertuch, sie hungern mit Würde, mit dem Pflichtbewußtsein ernster Männer und mit der beharrlichen, unermüdlichen Ausdauer begeisterter Pioniere. Unsere Organisation hat übermenschliche Anstrengungen gemacht. Aber da haben wir den tragischen Kampf zwischen dem glühenden Stein der Bedürfnisse und dem Wassertropfen der Mittel. Was soll nun die Botschaft des jetzigen Kongresses sein? Etwa die Hände In den Schoß legen und kleinmütig verzagen? Nein, tausendmal nein! Unsere Bot- Schaft lautet: Pflicht, Ehre, Opfer, Einheit, Ausdauer, Zuversicht! Aus der Not der Stunde soll neue Kraft erwachsen! Das jüdische Volk hat gerade im Unglück immer seine stärksten Kräfte zu erlangen vermocht. Es wird sich auch jetzt zu einer größeren Aktion aufraffen. Vorübergehend sind die Schwierigkeiten, aber beständig die Errungenschaften. Unsere großen Positionen: der Boden, die Arbeit, die nationale Sprache, die Erziehung, sind fest gesichert. Viele treibende Kräfte traten in Erscheinung, manche hohen Güter wurden zwar noch nicht ganz errungen, aber als Strebeziele aufgestellt. Zidnistlscher Unternehmungsgeist, zionistische K wickii zu ha gung bedei wech! achte I!eam das $ tief! Aber die A groß! unsei noch Die Unm ist, 1 samr Man Abei Die Apol syst« Sand Geb! rage Nati . befinden, die Periode der Anerkennungund der Verwirklichung aes Nationalheims für das füdfsehe Volk unter dem Mandat Großbritanniens und dem Schutz des Völkerbundes auf der Grundlage internationaler Verträge hat uns vor ganz neue und epochemachende Aufgaben gestellt Der Schlüssel zum Verständnis der Situation, die durch die historischen Erfolge unserer Politik geschaffen worden ist, liegt nicht in dem Ueberhandnehmen dieser oder jener innerzionistischen parteipolitischen Richtung, dieser oder jeder Nuance unserer nationalen, kulturellen oder wirtschaftlichen Einstellung; das entscheidende Moment ist die Entstehung des Nationalheims de jure, der dessen Aufbau de facto folgen muß. Zionismus ist nicht mehr eine Sehnsucht nach einem erdenfernen Paradies, sondern eine Bewegung von Mühe und Arbeit, ein Kampf ums Dasein. Das Land der Verheißung ist ein Land der Erfüllung geworden, ungenügend, fragmentarisch, durch tausend Widerstände gehemmt, von tausend Gefahren bedroht und wiederum von günstigen Kräften gefördert, von großen Anläufen und unver- ״leidlichen Rückschlägen hin und her gedrängt, aber Erfüllung! So ist das Gesetz des Lebens. Jede große Wahrheit hat in ihrer Entwicklung zunächst einen harten Kampf um ihr Daseinsrecht zu bestehen. Der Zionismus hat die erste Entwicklungsphase bereits überschritten, ja, der Kampf war schon so weit gediehen, daß mar zur Entscheidung antreten mußte. Man konnte nicht im Warteraum der Weltgeschichte noch länger sitzen bleiben. Man mußte daran gehen, das Potenzielle zu aktivieren. Hier liegt die Größe der Situation, hier ist das Befreiende, das Beglückende, zugleich aber auch das Schwere, das Verantwortungsvolle. Der Zionismus wird aus diesem Endkämpfe siegreich hervorgehen. Aber um diesen Sieg zu ermögliehen und zu beschleunigen, muß viel Großes^ Tüchtiges und Lebenskräftiges in Erez-Israel geleistet werden. Es geht nicht mit einem: Es werde! Das höchste Gut: ein Vaterland, muß mit den höchsten Opfern bezahlt werden. Das ökonomische Gesetz der Reaktionen nach großen Erfolgen ist ein hartes Gesetz. Wir können es nicht ändern, und kein einziges Volk auf Erden kann es ändern. Man muß temporäre Mißerfolge mit in den Kauf nehmen. Die verschiedenen Etappen müssen durchgemacht werden. Die qualvollen Wehen sind nicht Todeswehen; sie sind Wehen des Werdens. vorv rum; vom in j fieb! fehl fehl gen Wa! forr den und mit Erz uns aus ide; reit ihr! vor höc Be! koi friü mi1 be' nu ge oe! die Es Zu his sei ra; lin ha du zu an m zu g< S: se w w O G Z k! s! w