Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 70 (2.9.1927)
- Date
- 1927-09-02
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Einzelnummer 0,33 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion and Verlag Berlin W15, Meinekeatraße 10. Eracheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, Yierteljlhrlich 5,25 Goldmark. AssliBtisaboiaeinegts werden in der Wtbnwg der einzelnen Liadez berechnet Anzeigen-Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., B erlin W15, Meinckastr.tO Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Anzeigenpreis: 3 jetpzltNoapzreiOezefle 040 G.-M. SteDengeiacbe 0,25 G.-M- AazetfenacUsii Dien ■tag und Freitag nachmittag 4 Uhr. Telephon: Bismarck 7165 - 70. Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392• Für Oetterreich: Posiaparkasseiiaat Wien, Konto Nr. 156030. Für Tschechoslowakei 1 Poftsparkasseaami Prag, Konto Nr. 59 4J& Fär Polen! Postsparkassen«»! Warschau, Konto Nr. 190708. Redaktionsschluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 70 | Berlin, 2. IX. 1927 אלול תיפ״ז n | xxxil jahrg. Oer Zionismus erstrebt für des Jüdische Volk die Schaffung einer üffentllch rechtlich gesicherten Heimstätte In PalSstina. ״Basalar Programm.*• Der XV. Zionistenkongreß Die Er öffnungs - Sitzung Dienstag, am 30. August, wurde der XV. Kongreß in feierlicher Sitzung eröffnet. Der Saal ist won einem׳ ,festlich gekleideten Auditorium von Delegierten und Gästen bis zum letzten Platz gefüllt. Punkt 8 Uhr betritt die Exekutive, von stürmischem Beifall begrüßt, den Saal. Auf der Estrade gruppiert sich das Präsidium, vor dem Präsidium nehmen die Mitglieder der Exekutive und des Wirtschaftsrates sowie die Direktoren der Fonds Platz; das Aktions-Comite gruppiert sich hinter dem Präsidenten. Dr. Weizmann beginnt seine Rede mit leiser Stimme, er liest sie in ernstem und gemessenem Ton; dieser offizielle Akt hat bei ihm den Charakter einer staatsmännischen präsidialen Enunziation; sein Temperament pflegt sich erst in dem zweiten Referat zu entfalten, das die politische Debatte einleitet. Nach Weizmann Sokolow mit der unvergleichlichen Jugendlichkeit und weltmännischen Liebens- Würdigkeit, die diesen Führer auszeichnen. Er sprudelt von Temperament, als er jetzt seine Eröffnungsrede in wundervolllem Hebräisch frei vorträgt. Beide Führer sind Gegenstand lebhafter Ovationen. Dann folgen die üblichen Begrüßungen. Dazwischen surren die Schein- Werfer, es wird photographiert und gefilmt. Nach den Begrüßungen beginnt der zweite Teil der Eröffnungssitzung: Die Gedenkfeier für den großen Zionisten, der in diesem Jahre für immer von uns gegangen ist: Achad Haam. auf Lösung. Sie hat zu verstehen begonnen, daß für dieses Problem eine natürliche Lösung gefunden werden kann und muß. Das entscheidende Er^gnis war der Wille, die Judenfrage in ihrem wahren Wesen zu erkennen und aus dieser Wahrheit Konsequenzen zu ziehen. Dadurch ist das Judentum zur Aktivitat erwacht und zu politischem Handeln reif geworden. Die nüchterne, vernünftige Ueberlegung vermochte zu zeigen, daß die Judenfrage eine nationale Frage ist. Ein Volk, das gewaltsam von dem Boden seiner Heimat getrennt wurde, das kein natürliches nationales Zentrum hatte, mußte sich zur Selbsthilfe organisieren, um den Boden für seine Wurzeln wiederzugewinnen. Dies ist, auf die schlichteste Formel gebracht, das Wesen der gewaltigen Umwälzung, die die Stellung des jüdisehen Volkes in der Welt durch den Zionismus erfahren hat. Wie die Welt schließlich auf diese unsere Entschlossenheit reagiert hat, wissen wir aus den Ereignissen der letzten zehn Jahre. Die äußeren Etappen dieser Entwicklung sind die Balfour- Deklaration, der Beschluß von San Remo, die Zustimmungen der großen Regierungen der Welt, die Gesetzwerdung des Mandates, das die Balfour-Deklaration in sich faßt. Die Balfour- Deklaration hat zum Mandat geführt und von da zur Schaffung jener stabilen politischen Bedingungen, die unentbehrliche Voraussetzung für unser Werk sind. Die jüdische Welt bat mit Freude und Vertrauen die bedeutsame T atsache begrüßt, daß Groß- Britannien mit der Uebernahme des Palästina-Mandates betraut wurde. Was wir seit jenem Moment in Palästina geschaffen haben, hat bewirkt, daß das gegenseitige Verständnis ständig zunahm und daß engere Beziehungen zwischen den Bestrebungen der Zionisten und den Problemen und Schwierigkeiten hergestellt wurden, denen sich die Mandatarmacht gegenüber sieht. Mit jedem Vorwärtsschreiten unserer Arbeit vertieft sich dieses Verständnis. Und so festigt sich unsere politische Stellung nicht nur gegenüber den unmittelbar mit uns in Berührung kommenden Regierungsorganen, sondern auch — was in einem so Welt, in dem noch jüdisches Gefühl lebendig ist, heute teilnahmslos an ihr vorübergeht. Unter den verschiedensten Formen und den mannigfaltigsten Namen zieht Erez-Israel alle gutgesinnten Elemente des jüdischen Volkes in seinen Bannkreis. Von der werdenden jüdischen Heimstätte geht eine vereinigende zentripetale Kraft aus, die auf einer höheren Stufe, als es die Erkenntnis vermochte, die auseinandergerissenen Teile des Judentums zusammenführt. Das ist eine Tatsache von tiefgreifender, vielleicht entscheidender Bedeutung. Denn uns liegt ob, die gesammelte nationale Kraft auf Erez-lsrael zu konzenfrieren. Und je wuchtiger sich der dem Außenstehenden fast unerklärliche jüdische Lebenswille, je bewußter sich unser zionistischer Aufbauwille geltend macht, desto stärker wird die Anziehungskraft sein, die vom lebendigen jüdischen Palästina ausgeht. Geehrter Kongreß! Wir stehen heute mitten in der Arbeit des Aufbaus. Es ist schwer, in einem Rückblick, der eine historische Würdigung geben will, das Auf und Nieder dieser stetigen Entwicklung zu charakterisieren. Ein Aufhauwerk, eine Koloni- Sation wie die unsere, macht verschiedene Phasen durch. Unser Werk ist heute bereits eingeordnet in die Zusammenhänge der realen Welt, es steht in dauernder Wechselwirkung mit vielen Tatsachen, die von uns abhängig sind und die uns oft überrennen. Muß es ausgesprochen werden, daß wir selbst oft nicht mit allen Einzelheiten unseres eigenen Werkes zufrieden sind? Eine nur allzu begreifliche Ungeduld ist vor allem unzufrieden mit dem Tempo unseres Fortschritts. E>enn uns treibt auch mit grausamer Gewalt das Bewußtsein von der kritischen Lage hunderttausender unserer Brüder, für die in dem Gebäude der übrigen Welt kein Raum zu sein scheint, zu schnellen Taten. Aber diese Disproportion zwischen unserem Wollen oder Müssen und unserem Können darf uns doch nicht zu einer Unter- Schätzung unserer bisherigen Leistung führen. Wenn wir alle UntäÄnde berücksichtigen, wenn wir bedenken, in welcher Zeit, mit welchem Volk, in welchem Land und unter welchen Bedrei vollen jähraehnten *begann Mer eine Epoche der jüdischen Geschichte, Her setzte dap jüdische Volk den Grenzstein• des Galuth. Und der Name dieser Stadt wurde für ewige Zeiten in diese neue Geschichte eingeführt durch zwei Schöpfungen: den ersten Basler Kongreß und das Basler Programm, Begriffe, die eine so unzerstörbare Verbindung von Namen und Sinn darstellen, wie jener dritte, der sich ihnen viel später gesellte: die Balfour-Deklaration.. Und nun, da aus. dieser Erklärung die Wirklichkeit des Erez- Israel von heute geworden ist, finden wir uns wieder an der Stätte zusammen, von der aus wir vor drei Jahrzehnten unseren Weg in das neue Leben bahnten. Wir vereinen uns im Schatten des Genius, der diesen Kongreß geschaffen hat im Gedächtnis Theodor Herzls, von dem gerade hier kostbare Erinnerung und eine fast legendär gewordene Tradition soviel zu erzählen wissen- Nichts auch scheint angemessener, als von solcher Stelle aus Rückschau und Umschau zu halten. In der Zeitspanne einer Generation hat eine tiefe historische Wandlung das Wesen und die Lage des jüdischen Volkes in seiner Gesamtheit umgestaltet, eine Wandlung, die unmittelbar oder mittelbar durch die Arbeit der Zionistischen Organisation bewirkt worden ist. Unsere Bewegung, geschaffen von einer Minderheit im jüdischen Volk, die Erfahrung weder in der Sphäre der Politik, noch im Bereiche modernerer Kolonisation besaß, sieht jetzt nach drei Jahrzehnten auf zwei grundlegende Leistungen zurück: sie schuf die Elemente eines jüdischen Gemeinwesens und sie normalisierte die Haltung der Welt zur Judenfrage. Diese beiden Wirkungen sind nicht voneinander zu sondern, sie ergänzen und verstärken einander: daß das jüdische Volk in Palästina seine natürliche Schaffenskraft erwies, half den Aspekt der Judenfrage für die Welt völlig zu wandeln; und daß die Welt lernte, das jüdische Volk anders zu sehen, gab uns immer erhöhten Ansporn zu schöpferischer Tat. Wer immer unvoreingenommen das zionistische Werk in Palästina betrachtete, konnte sich seiner Bedeutsamkeit nicht verschließen. Rahmen und Grundlage einer organisch wachsenden Heimstätte wurde geschaffen. Bruchstücke des jüdisehen Volkes wurden nach Erez-lsrael gebracht, um allmählich zu einer wirtschaftlichen und geistigen Einheit zu verschmelzen. Nur zu oft hat uns der übermächtig wirkende Drang nach Palästina die Freiheit des Handelns genommen, während es im Lande selbst mannigfacher Versuche bedurfte, bevor eine Anpassung des Einzelnen und der Gruppen an das Ganze erfolgen konnte. Dennoch — in seiner Gesamtheit betrachtet — war das jüdische Werk in Palästina, wie es wuchs und sich gestaltete, so, daß es die Aufmerksamkeit und die Achtung der Welt erzwang. Es gibt kaum einen unter den wirklichen Sachkennern, die Palästina besucht haben, der verfehlt hätte, seine Anerkennung — nicht selten war es Bewunderung — auszudrücken für das, was die Juden an neuen Tatsachen und Werten geschaffen haben. So haben zionistische Idee und zionistisches Aufbauwerk in Erez-lsrael eine tiefe und entscheidende Aenderung in der Einstellung der Welt zur Judenfrage bewirkt. Das jüdische Problem von heute ist nicht mehr dasselbe, was es vor einer Generation war. Die gespenstischen Nebel um die Judenfrage sind zerstoben. Nicht länger betrachtet die Welt das jüdische Problem als ein peinliches Rätsel, ohne Aussicht liehen Meinung gewonnen. Zwar hat uns das Palästina-Mandat politisch noch nicht alles gegeben, was wir wünschen, nicht alles, was wir zu erwarten berechtigt sind, auch nicht alles, was sein I nhalt wirklich umfaßt. Aber es hat die Tore weit geöffnet zu unbehinderter Tätigkeit und es hat einen Zustand geschaffen, bei dem unsere politische Position wachsen muß und wird, im Verhältnis zur wachsenden Entwicklung unseres Gemeinwesens. Es hat uns Im vollen Sinne zu Herren unseres eigenen Geschickes gemacht, politisch wie sozial; was wir säen, werden wir ernten. Geehrter Kongreß! Dies war das Ergebnis nach außen von dreißig Jahren zionistischer Arbeit. Vor allem aber bedeutete der Zionismus eine innerliche Revolution des jüdisehen Volkes selbst. Dem atomisierten haltlosen Volke war plötzlich der Schlüssel zu seinem eigenen Schicksal in die Hände gegeben. Der Lebenswille des Volkes, zurückgedrängt und entmutigt durch vielhundertjährige Knechtschaft, richtet sich auf in einer großen neuen Hoffnung. Das Bewußtsein, eine nationale Aufgabe zu haben, verlieh dem Volke die beinahe verlorengegangene Würde wieder. Was durch Jahrhunderte geschlummert hatte, brach wie aus unterirdischen Schleusen mit der elementaren Macht eines reißenden Stromes hervor. Der Zionismus war die innerliche Befreiung des Judentums vor seiner äußeren FreiweTdung. Der Sinn unseres Lebens und Leidens war wieder offenbar geworden. Aber nicht allein die neu gewonnene, erleuchtende Erkenntnis vom Wesen der Judenfrage, nicht der Wille, unser Geschick als Volk wieder selbst in die Hand zu nehmen, nicht dies bloß hat die große Wandlung bewirkt, sondern die Arbeit, die hingebungsvolle und bescheidene Arbeit im Dienste dieses Ideals selbst war es, die uns zu anderen Menschen gemacht hat. Der Zionismus war nicht dazu bestimmt, uns das Leben leichter oder annehmlicher zu machen. Wenn es je eine Aufgabe gegeben hat, vor die die Gottheit Schweiß und Blut gestellt hat, so ist es unsere. Wir wußten, daß es für unsere Generation kein Rasten und kein Ruhen geben kann, denn der Weg, den wir beschritten hatten, war weit und dornenvoll. Aber wir alle, die Repräsentanten des jüdischen Volkes, die in dieser Stadt vor dreißig Jahren sich legitimiert erachtet haben, in seinem Namen zu sprechen und seine Anspräche zu verkünden, wir haben mit Freude und Enthusiasmus dieses persönliche Schicksal der Ruhelosigkeit auf uns genommen, um die Ruhelosigkeit und Heimatlosigkeit des jüdisehen Volkes zu beenden. Aber nicht nur im zionistischen Menschen vollzog sich solche Wandlung; weit über die Grenzen unserer Bewegung hinaus hat die Erneuerung des Judentums ihre Wirkung ausgeübt. Das Versteckenspiel, die Erbschaft unseres Ghetto-Daseins, die Scham, sich als Jude zu bekennen, die Vernachlässigung aller jüdischen Werte hat allmählich nachgelassen. Der Zionismus — und das ist vielleicht sein Größtes — hat dem Judentum einen neuen WertbegHff gegeben. Freilich dreißig Jahre sind eine kurze Zeit in der Geschichte eines Volkes wie des unseren. In solcher Frist kann die Verwirklichung einer Idee nicht vollendet werden. Aber heute stehen wir mitten in der schaffenden Arbeit, wir bauen bereits jenes nationale Heim, das im Basler Programm als das Ziel der zionistischen Bewegung bezeichnet wurde. Was einst als phantastischer Traum erschien, gestaltet sich in unseren Tagen zu historischer Wirklichkeit. Und diese Wirklichkeit ist so stark, daß kein Teil der jüdischen g Jabren"ÄS”WiMi*'WIÄif' in der jüdischen Geschichte. Und wenn sich,von Z?it zu Zeit besondere Schwierigkeiten auftürmen, die wir Kris«! nennen, wenn wir infolge des Zusammentreffens einer Reihe von ungitistigen Momenten Rückschläge erleiden, so darf und wird uns das nicht aus dem Gleichgewicht bringen. Gerade im gegenwärtigen Moment ist unser ganzes Denken und Sorgen aufgerührt durch eine solche Krise, Es wäre unklug, ihre Schwere zu unterschätzen, aber es wäre gefährlich, sie zu übertreiben. Wir haben das Vertrauen: die Fundamente unseres Baus sind fest genug, ihr standzuhalten. Wir werden unsere äußersten Kräfte anspannen, die Krise zu überwinden, aber unser zionistischer Wille wird für keinen Augenblick entmutigt. Was wir jetzt erfahren, hat aber auch seine Lehre in sich rj und solche Lehre ist vielleicht nicht zu teuer erkauft. Der Kongreß darf das jüdische Volk innerhalb und außerhalb Palästinas nicht darüber im Zweifel lassen, daß er diese Lehre gezogen hat. Geehrter Kongreß! An dem ersten Tage, als wir uns vor dreißig Jahren zusammenfanden, haben wir klar verkündet, daß wir mit einer Botschaft des Friedens in unsere alte Heimat zurückkehren wollen. Dem sind wir treu geblieben. So wie unser Nationalismus im Innern nicht leere Ueberhebung, sondern das Bekenntnis zur geistigen und kulturellen Wurzel unseres Seins, Besinnung auf uns selbst bedeutet, so sind auch die konkreten Auswirkungen unserer nationalen Bewegung keine agressiven Aktionen gegen andere Völker, sondern airfbauende Taten: die Schaffung einer kulturellen und ökonomischen Wirklichkeit, die die Basis eines höher gerichteten Daseins bilden soll. In diesen letzten Jahren, den Jahren der Aufbauarbeit in Palästina, hat sich unsere Ueberzeugung gefestigt, daß aus unserem Werke zwar vor allem das jüdische Volk, aber auch alle Bewohner des Landes Palästina, in dem wir unsere nationale Heimstätte zu errichten völkerrechtlich befugt sind, Nutzen haben. Wir haben oftmals versichert, daß wir mit unseren arabischen Nachbarn in Frieden und Freundschaft zusammen leben wollen; wir können heute sagen, daß das wirkliche Leben Palästinas die Aufrichtigkeit unserer Gesinnung bereits bewiesen hat. Geehrter Kongreß I Vor kurzer Zeit wurde Palästina von einer furchtbaren Naturkatastrophe heimgesucht. Die Gefühle aller Zionisten, und, man kann wohl sagen, des ganzen jüdischen Volkes, haben sich in jenen Tagen dem’ Lande und den unglücklichen Opfern zugewandt. In jenen Tagen wurde auch empfunden, was es bedeutet, in einem Lande miteinander zu leben. Die spontane Reaktion auf das Erdbeben hat gezeigt, daß auch wir Juden wissen, was es heißt, Mitbürger zu sein. In diesen Tagen des Schreckens sind die beiden Völker einander näher gekommen, weil über alle Schranken der Politik und der Programme hinaus das unmittelbar Menschliche sein Recht verlangt. Wir sprechen auch an dieser Stelle unser tiefstes Mitgefühl für die Betroffenen aus. Geehrter Kongreß! In dieser Stunde, da wir uns zu schwerer und sorgenvoller Arbeit zusammengefunden haben, gilt unser ganzes Denken den Menschen, die in der vordersten Front unserer Bewegung stehen, den Pionieren, die im Lande an dem Aufbau unseres Werkes schwer und mühevoll arbeiten. Viele unserer Brüder, die ihr persönliches