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Jüdische Rundschau · 1927-08-26 · Heft 68-69 (26.8.1927) · page 9

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 68-69 (26.8.1927)
Date
1927-08-26
Page
– (sequence 9)
Language
German
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Seite 403 Nr. 08/66, 26. Vm. 102t JUEDISCHE RONDSCHÄO zur Hälfte vernichtet. Vergangenes Jahr war der Preis in Europa bis zu 35 Schilling pro r aß. Diese Varietäten werden auf imbewässertem, steinigem Boden angebaut. Die Anlage kostet bis zum vierten Jahre zirka £ 15 bis 16 per Dunatn. Durchschnittsertrag bleibt ungefähr £ 16 per Dunam. Ich glaube, daß man dieser Varietät wirklich mehr Aufmerksamkeit schenken soll. Bis jetzt hat sich außer einer Privatperson nur die Pica dafür interessiert und auch mit der Anlage begonnen. Unsere Leitung hat das bis jetzt absolut ignoriert Solche Anlage wie Klrjath Anawim könnte ein idealer Platz dafür sein und ihre teuren Terrassierungsanlagen damit rechtfertigen. Ein Zweig, der bisher vernachlässigt worden ist — Ro* sinenindustrie. Es ist war, man hat auch Versuche im Trocknen von Trauben gemacht, aber auch hier infolge des Mangels an Marktkenntnissen sich nur mit Muskat-Alexander begnügt Diese Sorte, in Europa als Traubenrosinen bekannt, ist ein Luxusartikel, da nur die größte Sorte gut bezahlt wird, und hat einen ganz beschränkten Markt, der nur bis Weihnachten dauert, nachher ist sie so gut wie unverkäuflich. Man hätte daran zuletzt denken müssen, diese Sorte zu trocknen und nicht zuerst. Die ganze Ebene und das ganze Emek könnten Trauben für Rosinen produzieren. Mit und ohne Be- Wässerung. Natürlich muß man auch da die richtigen Varietäten einführen, die den Märkten in Europa entsprechen, sonst kann dasselbe Bild werden, das wir jetzt mit Tafeltrauben haben. Bei meinen Forschungen habe ich an verschiedenen Stellen in kleinen Mengen Sultanas gefunden, aber auch das waren nicht die richtigen Sorten, denn diese Varietäten kommen aus Kaliformen und haben die Seenschaft, beim Trocknen nachzudunkeln. Abgesehen von diesem Fehler waren die Beeren in jeder Beziehung einwandfrei. Selbstverständlich muß man mir hochwertige Varietäten aussuchen, und das kann nur ein Fachmann machen. Man muß und kann auch die Eigenarten unseres Klimas ausnutzen. So z. B. sind in En Charod 100 Dunam Sdhasla tebauf worden. Trotz aller Versuche kann die Kolonie keinen!־trag davon haben, obgleich, wie ich mich überzeugt habe, die Bearbeitung des Bodens nichts zu wünschen übrig läßt. Man muß dort die Trauben umptropfen oder herausreißen (nach so viel Jahren Arbeit!). Da wäre eine Korinthenanlage am Platze. En Charod hat nur 350 mm Regen, also ist es selbstverständlich, daß Schasla, die an sich schon eine ganz kleine Frucht ist, dort nicht angebaut werden dürfte. Man kann aber dort mit Erfolg Korinthen anbauen, da die Korinthe, je kleiner sie ist, desto höher bewertet wird. Also, um zu resümieren, wiederhole ich, daß Palästina absolut ein Rebenland jeder Art ist. Um Exporttrauben zu bauen, muß man die hochliegenden Terrains ohne Bewässerung ausnutzen, die Ebenen hingegen für lokale und naheliegende Märkte mit passenden Varietäten anbauen, außerdem die Ebenen, wie auch tiefliegende Orte mit Trauben für Rosinen, aber auch nur hochwertige Sorten. Bei Anbau der obenerwähnten Exporttraube können 20 Dunam gut eine vierköpfige Familie ernähren, bei Wirtschaft mit einer Hühnerzucht werden auch 10 Dunam genügen. ♦ Die zweite Kategorie waren Obstbäume. Nach dem, was ich gesehen habe, hat Steinobst alle Aussichten, gut zu gedeihen. Im Emek wie auch in Obergaliläa habe ich junge Bäume (vier bis fünf Jahre alt, außer zwei Jahren in der Baumschule in Europa) voll tragend gesehen. Ihr Umfang entspricht zumindest den europäischen im selben Alter, zum Teil sind sie sogar vorgeschrittener. Sie gedeihen auf unbewässertem wie auch auf bewässertem Boden, allerdings auf bewässertem, wie es vorbildlich in Kfar Gileadi zti sehen ist, unvergleichlich schöner. Der Ertrag, durch die Bewässerung gesteigert, und der Geschmack und das Aroma auf der Anhöne, was zum Teil durch den stark kalkhaltigen Boden bedingt ist, ist in Klar Gileadi Viel bester als bei denselben Früchten in der Ebene. Auch Kernobst gedeiht nicht schlecht auf dem bewässerten Boden, wie z. B. in Kfar Oileadi, wo die Bäume ihrer Stärke nach mindestens so gut sind wie in Europa und sogar schon früher Früchte geben. Trotzdem machen sie nicht solch guten Eindruck wie die Steinobstbäume. Ich befürchte, daß selbst auf dem bewässerten Boden die Kernobstbäume nach nicht langer Zeit degenerieren werden, geschweige denn aut unbewässertem, wenn sie da überhaupt jemals zur Entwicklung kommen. * Citrusarten, vor allen Dingen Orangen, sind hier jedem geläufig. Ueberproduktion ist vorläufig nicht zu befürchten, dagegen ist zu befürchten, daß man mit zuviel Optimismus an die Sache herangeht. Man darf keinen Augenblick vergessen, daß man zwei anormale Jahre hatte, indem in Spanien zwei Jahre hintereinander Frost war. Bei vielen wird das beinahe schon In die Kalkulation miteinbegriffen. Demgegenüber möchte ich in Erinnerung bringen, daß Palästina genau soviel Chancen hat, Frost zu bekommen, wie Spanien. 1924 war auch hier Frost, und die Früchte waren total saftlos in Europa angekommen, in Spanien war der letzte Frost vor den beiden letzten Jahren im Jahre 1908, also eine Zwischenreit von 17 Jahren. Man soll auch nicht so optimistisch sein zu glauben, daß die Palästina- Orangen von besonderer Qualität sind. Diese Ansicht herrscht nur in Palästina, auf europäischen Märkten hält man die Paiästina-Orange infolge ihrer unreellen Packung für minderwertig als Handelsobjekt. Die zwei Jahre Frost in Spanien hätten palästinensischen Packern Gelegenheit geben können, die Frucht im Weltmärkte gut einzuführen, indem man gezeigt hätte, was man auf dem Gebiete der Packung leistet. Statt dessen haben viele die Frucht diskreditiert, indem mail kurzsichtigerweise nur die momentane Situation ausgenutzt hat. Zum Glück gab es ein paar vernünftige Exporteure und Packer, die es anders gemacht haben, aber ihrer waren zu wenig. Ich befürchte, daß der hier herrschende Optimismus hinsichtlich der Orangen viele, die nicht genügend eigenes Kapital dafür haben, veranlassen wird, Pardessim anzulegen. Pardeß- Anlage ist bis heute eine sehr kostspielige Sache. Bei dem hohen Zinssatz können sich das nur ganz wenige leisten. Es ist aber sehr bedauerlich, daß wir keine Institution besitzen, welche billigere Kredite für solche Zwecke gibt. Ich könnte mir vorstellen, daß man eine spezielle Institution schafft, die gegen erschwingliche Zinsen einen Kredit auf Orangenbau gibt, so daß ein Mann, der £ 1000 hat, nur einen Teil investiert, das andere zum Leben aufbewahrt, da man bekanntlich bis zum Ertrag sieben Jahre warten muß. Der Boden kann der lnstitution verpfändet werden. Aut diese Art könnte man vielen Leuten Gelegenheit geben, zu einem Pardeß zu kommen, die Zahl der Pardessim zu steigern und vielen Arbeitern Arbeit verschaffen. Wir haben bis jetzt zirka 45000 Dunam Pardessim 1'ncl. aller neuen Anlagen, die während der letzten zwei Jahre gemacht worden sind. Das ist nicht annähernd genug, da erst bei 100000 Dunam ein richtiges Orangengeschätt mit Palästina anfangen kann, während bis jetzt nur ein einziger Markt voll erfaßt ist. Ein Markt wie der Hamburger, der im Import von spanischen Orangen die erste Stelle einnimmt und gleichzeitig der einzige bedeutende Importplatz von italienischen ist, da England diese überhaupt nicht mehr importiert, hat Ws jetzt tanz unbedeutende Mengen von Palästina-Orangen gehabt. benso Frankreich, alle skandinavischen Länder, Holland und die Randstaaten, geschweige denn, wenn noch Rußland für die Orangen in größerem umfange geöffnet würde. Ich sehe, daß für die nächsten 40 Jahre keine Ueberproduktion zu erwarten ist Man muß aber bei wachsendem Anbau von Pardessim mit einem normalen Verdienst rechnen. Und das darf man nicht außer acht lassen. Wenn ich als Beispiel Spanien oder Italien nehme, so ist der normale Ertrag vier Schilling die Kiste ab Baum. Das ist auch der Maßstab, den wir uns nehmen sollen. Selbst bei diesem Maßstab ist mit einer Verzinsung von 14 bis 15 «/e zu rechnen. Das ist ein ganz gutes Geschäft, aber nicht für denjenigen, der, wie es oft in der letzten Zeit zu hören war, hier für die Gelder, die er zur Anlage des Pardeß braucht, als Zinsfuß schon ebensoviel zahlt. * Schon aus dieser knappen Darstellung kann man sehen, welch wichtige Rolle die Pflanzungen bei unserer Kolonisation spielen könnten, und zu welch traurigen Komplikationen sie andrerseits führen können, wenn die Anlage nicht sachgemäß geschieht. Es ist aber Tatsache, daß wir bis heute keinen Mann hatten, der die Pflanzungen nicht nur technisch versteht, sondern auch weiß, welche Arten dieser Pflanzungen lukrativ sind. Es wird Aufgabe des Kongresses sein, einen solchen Mann zu finden. J. Benari, Tel-Awiw. Bericht über einen Besueh Palästinas Von Sir E. J. Russell, F. R.S., Direktor der Rothamsted- Versuchsstation. Wir brachten in der vorig m Nummer dm Gutachten von Dr, Orr und veröffentlichen nachstehend dm von Sir John Russell, dem Empire Marketing Board, überreichten Bericht, Med, Zweck des Besuches. Der unmittelbare Zweck des Besuches war, eingehender die Natur des Problems zu prüfen, das dem Empire Marketing Board, im Zusammenhang mit der palästinensischen Landwirt- Schaft vorgelegt und als das Problem mangelhafter Tierernähnährung bezeichnet worden war; es wurde daher dem Rovvett- Institut!in Aberdeen übertragen. Herr Arthur Crichton, der das Land im Dezember besuchte, gab der Ansicht Ausdruck, daß das Uebel mehr auf die Armut an Viehfutter überhaupt zurückzuführen sei als auf irgendwelche besonderen Mängel, von(der Art, wie sie verschiedene Krankheiten beim Vieh in Südafrika und anderswo erzeugen. Da das Problem sich derart als eines der Bodenfruchtbarkeit heraussteilte, wurde beschlossen, Rothamsted von Beginn an an der Arbeit zu beteiligen. Mit diesem Standpunkt stimme ich vollständig überein. Es ist das große Erfordernis des Landes, insbesondere für die jüdischen Kolonisten, den Ertrag des Bodens zu vergrößer n*). 1. Erziehung. Viele der Kolonisten haben keine großen Kenntnisse in der Landwirtschaft und erzielen infolgedessen in den ersten Jahren nicht soviel aus dem Boden als sie sollten. Es ist bereits manche erzieherische Arbeit geleistet worden. Ich hatte Gelegenheit, di י Mädchenschule in Nahalal zu sehen, ebenso die Landwirtschaftliche Schule Mikweh Israel, sowie mit einigen Mitgliedern des Wanderlehrerstabes, der Regierung und der Zionistischen Organisation zusammenzukommen. In allen diesen Institutionen scheint die Arbeit nach guten Richtlinien geführt zu werden. Die Mädchenschule steht unter Leitung von Frau Dr. Meisel-Schochat, einer Dame, die sich um praktischen Unterricht in Geflügelzucht, Milchwirtschaft, Gemüsebau usw. bemüht, bei dem die meiste Zeit auf die praktische Arbeit selbst verwendet wird. In Mikweh ist der Unterrieht mehr schulmäßig eingerichtet, er wird dort teils in den Klassenzimmern und teils auf dem Felde erteilt. Der Wanderunterricht scheint auf amerikanischen Vorbildern zu basieren; die Beamten erschienen mir als eifrige Männer, die sorgfältig bemüht sind, güte Arbeit zu leisten. Es müßte'jedöch in Er-’ wägung gezogen werden, ob man nicht größere Vorteile aus dem Wissen ziehen könnte, über das die tüchtigen Bauern in den alten deutschen Kolonien Sarona, Wilhelina, Beth Lahm und ferner die in den Kolonien der zionistischen Palästina- Exekutive und der Pica erfolgreichen Bauern, verfügen. Auch irgendein System von Wirtschaftslehrlingen, wie Coi. Sawer es befürwortet, könnte von Nutzen sein. 2. Erforschung. Obgleich eines der ältesten Länder der Welt, wurde Palästina erst neuerdings den modernen Methoden der Landwirtschaft eröffnet, so daß noch viel zu tun bleibt, um die passendsten Methoden, Pflanzenarten usw. ausfindig zu machen. Ich habe die Versuchsstationen gesehen und die Berichte studiert, ich habe mich gründlich mit der Ernte- Produktion befaßt. Leider konnte ich nicht umhin, die hohen Kosten der Kälberzucht nach dem jetzigen System zu bemerken — die mir angegebenen Zahlen waren £ 27 im ersten, £ 23 im zweiten una £ 17 im dritten Jahr, also im ganzen £ 67 — bevor ein Milchertrag erzielt wird. Ueberdies ist die Qualität des Fleisches, des Geflügels und der Eier noch einer erhebliehen Verbesserung fähig. Diese Fragen werden von Dr. Orr und Mr. Crichton behandelt werden. Das gegenwärtige System der Landwirt- Schaft in Palästina. Drei Gruppen von Menschen gibt es in der palästinensischen Landwirtschaft: 1. die Beduinen, ein Nomadenvolk von Hirten, das mit seinen Herden umherzieht und sie weiden läßt, wie es sich ergibt, und die auch Viehkrankheiten verbreiten; 2. die arabischen Landwirte, schwer arbeitende Bauern, die selbstverfertigte Geräte verwenden und faktisch nichts für den Boden aufwenden, so daß der Ertrag fast zur Gänze reiner Nutzen ist; 3. die jüdischen Siedler. Die arabischen Bauern, die sich bemühen» antarkisch zu wirtschaften, erzeugen alle Nahrung, die sie für sich und ihr Vieh brauchen, und haben daher im ganzen Lande das gleiche System angenommen, das englische Farmer des Mittelalters angewandt haben. Das System der Ernteproduktion, das von den Arabern befolgt wird, ist durch die Tatsache bestimmt, daß der Regenfall auf die Wintermonate von Oktober bis März oder manchmal April**) beschränkt ist, während die Sommermonate, April bis September, trocken, meist ohne Regen und natürlich heiß sind. Es kann daher nur zwischen September und April gesät werden. Eine zweimalige Fruchtfolge ist von den Arabern ganz Palästinas angenommen: 1. Winterfrucht: Weizen, Bohnen, oder auf leichtem Boden Gerste, und auf sehr sandigem Boden Lupinen; im Januar oder Februar gesät und im Mai oder Juni geerntet. Der Boden liegt dann bis zum nächsten April brach, dann folgt der Anbau. 2. Sommerfrin ht: Durrali, Melonen oder auf besserem Boden mit mehr Feuchtigkeit Sesam oder Kersennah (eine Art Linsen für Viehfutterzwecke). Die Ernte erfolgt im August. Der Bauer pflegt den Weizen zu verkaufen und die Durrah selbst zu verbrauchen. Im Laufe von zwei Jahren wickelt sich der Anbau folgendermaßen ab: 1 m ersten Jahr. Januar bis Mai: Winterfrucht; Regenfall bis April; Juni bis Oktober: brach -- trocken; kein Regen. Zweites Jahr. Oktober bis April: brach — Regen; April bis August: Som1ne;׳fr׳׳ch:. August bis Dezember: brach; der Regen beginnt im Oktober. *) Coi. Sawer erklärt, daß das dortige Grasheu von dem importierten Vieh dem importierten Heu vorgezogen wird. Das Problem zerfällt in zwei Teile: **) Man sagt, daß der Apri!regen besonders gut für die Ernte sein soll.!Die Araber nennen ihn daher den ״Goldregen“. Zur Ze.i meines Besuches standen Weizen und Gerste in vollen Halmen und begannen schon zu reifen, während der Boden gepflügt und für die Sommerfrucht bestellt wurde. Diese Fruchtfolge ergibt keine Futteremte wahrend des Sommers, so daß vom Juni bis zur Regensaison das Vieh von Stroh lebt, während es im Winter einfach wilde Pflanzen grast, die sich eben finden. Dies würde das Land unkrautreich machen, aber die Araber widmen sich extensiv dem Jäten mit der Hand und benutzen das Unkraut zur Fütterung der Schafe. Wenn die Araber ihr Land ordentlich düngen könnten, so würden sie leidlich gute Erträge erzielen; sie lassen jedoch einen Teil des Tierdüngers im Haufen liegen, von denen manche schon sehr alt zu sein scheinen*), auch verkaufen sie einen Teil ihrer Vorrate an die Orangenpflanzer. Der Dünger enthält etwa 0,5 °/0 Stickstoff. Die Araber erzeugen kein Heu und machen auch keinen anderen Versuch einer Konservierung der Futtermittel. Die Regierung tut, was in ihren Kräften steht, um hinsichtlich des Viehstandes helfend einzugreifen, indem sie Quarantäne und andere Regulierungen vorschreibt; Colonel Sawer ist auch bemüht, Mittel zur Er- Ziehung der arabischen Viehwärter zu finden. Die jüdischen Siedler, welche aut den Verkauf ihrer Produkte eingestellt sind, bemühen sich, für den Tauschvericehr zu produzieren und stehen daher nicht unter dem Zwang einer Einheitlichkeit, sondern können ihre Systeme in Anpassung an die Bedingungen jeweilig wechseln. Sie haben allerdings mit einem ziemlich einheitlichen System begonnen, durch welches größere Futterernten erzielt werden und geringere Kosten der Jätung entstehen als bei den Arabern. An Stelle der arabischen Zweifelderwirtschaft schlagen die Tel-Awiwer Experten einen dreiteiligen Anbau-Turnus vor: Erstes J ahr. Oktober: die Regenzeit beginnt; Novemher: Aussaat von Trifolium Alexandrinum für Grünfutter oder von Wickenarten für Heu. Frühlingsbeginn: Anfang der Grünfuttermaht, drei oder vier Mähten bis Mai. April: die Regenzeit geht zu Ende; Wickenernte für Heu; unmittelbar darauf Umpflügen des Bodens in Tiefe von 15—18 cm, Feuchthaltung des Bodens den Sommer über. Mai bis Oktober: Brache. Zweites Jahr. Oktober bis März: Brache. April: Maissaat. Die Reihen in einem Abstand von einem Meter, um die Kultivation zu ermöglichen. Juni bis August: Maisernte für Grünfutter. Drittes Jahr. November: Weizenanbau; Regen bis April. Mai oder Juni: Weizenemte. Dieses System hat ein ganzes Jahr Brache zur Folge, aui den ersten Blick also ein etwas verschwenderisches Vorgehen. Es hat aber der Wechsel demgegenüber den Vorzug, den Boden rein zu erhalten, weil der in Abständen angebaute Mais fast während seiner ganzen Dauer mit Werkzeugen bearbeitet werden kann, während Trifolium Alexandrinum außerordentlich üppig wächst. Dieses System sieht die folgenden Eroten pro 100 Dunam vor: I. ohne Bewässerung: Menschliche Nahrung: Weizen, 33 Dunam. Tierfutter: März bis Ende Mai: drei oder vier Mailten von Trifolium Alexandrinum. Juni bis August: Mais, 33 Dunam. Juli bis Herbst: Kürbis, ff erbst bis Winter: Wickenfeeti (bei dem es angeblich gewisse Schwierigkeiten der Behandlung gibt). Es besteht eine Schwierigkeit, über die Zeit bis zur ersten Trifolium Alexandrinum-Ernte zu kommen, die Zeit von August ab. II. mit Bewässerung: * Menschliche Nahrung: Wdzen, 33 Dunam. Tierfutter: November bis Ende Mai: sechs bis sieben Mähten von Trifolium Alexandrinum. Juni bis Oktober: der vom April bis Juli angebaute Mais. September bis November: zwischen dem Mais angebaute Rübe. Juni, bis November: Luzeme; diese gedeiht׳ gut auf leichtem Boden, aber nicht aüf schwerem. Sie hat im ersten Jahr fünf und im zweiten neun Ernten gegeben. Auf bewässertem Boden ist keine Schwierigkeit, das ganze Jahr über Viehfutter zu erzielen, während auf unbewässertem Boden vom September bis März eine solche Schwierigkeit besteht, da Wickenheu als einziges Futtermittel zur Verfügung steht**). Die Möglichkeiten einer besseren Bodenausnutzung. Mein Besuch war leider zu kurz, als daß er mir gestattet hätte, ein so eingehendes Studium der Möglichkeiten einer Verbesserung dieses Systems zu betreiben, wie ich es gern etan hätte. Ich sah immerhin die Versuchsarbeit im Fortschritt egriffen, und dank dem neuen Programm, das von den Beamten der Regierung und der zionistischen Exekutive für midi ausgearbeitet worden war, war ich in der Lage, meine Zeit voll auszunutzen. Das Problem der Ertragsteigerung des Bodens in irgendeinem Lande besteht darin, daß die rruchtarten so eng wie möglich den natürlichen Bedingungen angepaßt werden, und wird mit den folgenden Mitteln gelöst: 1. Auffinden von Frucht- und Vieharten, die den Bedingungen angepaßt und zu zufriedenstellenden Preisen auf dem Markt zu verwerten sind; 2. Bestimmung der Faktoren, welche das Gedeihen dieser Fruchtarien beeinträchtigen und Erstellung von Methoden zu deren Ueberwindung. 3. Die Zusammenfassung der Produkte in ein ökonomisch gesundes System der Wirtschaft. Das Auffinden geeigneter Frucht- und Vieharten und das Ausdenken eines geeigneten Wirtschaftssystems gehen beide notwendigerweise langsam vor sich, und die darauf gerichtete Bemühung muß dauernd fortgesetzt werden, weil die Märkte dauernden Schwankungen aus gesetzt sind, weshalb ein System, das zu einer Zeit befriedigend ist, infolge von Entwicklungen der Transportverhältnisse, des Publikumsgeschmacks usw. zu einer andere» Zeit unrentabel sein kann. Beispiele dafür kann man in dem vollständigen Wechsel finden, dem die britische Landwirtschaft zu Ende des neunzehnten Jahrhunderts intoige der Eröffnung der Vereinigten Staaten, Kanada usw. ausgesetzi war. Die Erforschung neuer Fruchtarten erfolgt durch Professor Dr. Warburg, und die Bemühungen um eine Verbesserung der Wirtschaftsprodukte durch die Experten der Zionistischen Organisation werden von Dr. L. Pinner unter Assistenz von Herrn A. Malzeff in Dschebatta geleitet. Die einheimischen Weizen- und Gersten Sorten geben eine zufriedenstellende Grundlage für Verbesserungen und eine ganze Anzahl von verschiedenen ausländischen Arten wird versucht. Zehn bis zwölf Arten werden ausprobiert und die Resultate scheinen vielversprechend zu sein. Die Bemühungen sind mehr׳extensiver als intensiver Natur, aber das scheint im gegenwärtigen Zeitpunkt der geeignetere Vorgang zu sein. Die Verbesserung des Viehstandes schreitet ständig fort, man hat erfolgreich Kreuzungen Beiruter und Damaszener Kühe mit friesischen und anderen europäischen Bullen vorgenommen. Auch einige Hereforder Bullen kamen zur Verwendung. Die Zusammenstellung verschiedener Fruchtarten in Wirtschaftssysteme, welche den örtlichen Bedingungen angepaßt *) Siehe Dr. F. Menschikowskys Zirkular über arabischen Dünger. **) Das Nichtvorhandcnscin von Weide- und Heuland ist ein großes Hindernis für die Viehwirtschaft der jüdischen Siedler. Alle Rinder, selbst Mutterkühe und Kälber, müssen durch Stallfütterung erhalten werden. *;#.’־־׳< ' ־v -¥:

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