Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 68-69 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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Seite 490 7ÜEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 68/89, 26. Vm.!927 ך Jede Eintretende verpflichtet sich, in der Wirtschaft zwei Jahre zu verbleiben. Jedes Jahr wird die Hälfte der Arbeite״ rinnen durch Ncueintretende abgelöst. Oie Leitung liegt Gruppen bewährter erfahrener Arbeiterinnen ob. Alle leben unter gleichen Bedingungen. Nach zweijähriger Arbeit in der Arbeiterinneiivvirtschatt sind die Chaluzoth mit Kenntnis und Erfahrung in der Arbeit ausgerüstet und gehen dann entweder in eine Kwuzah oder in einen Moschaw Owdim. Sie werden überall gern au?genommen, Oie Zahl der Mitglieder einer solchen Arbeiterinnenwirtschaft beträgt 20 bis 25. In den letzten Jahren wurde durch die Wanderlehrer der zionistischen Exekutive auch theoretischer Unterricht erteilt. Ebenso erhalten alle Unterricht in hebräischer Sprache und Literatur. Alle Wirtschäften befinden sich auf K. K. L.-Boden. Als 1925/1926 die Einwanderung rasch anstieg, sahen wir, daß es nicht möglich sei, sich mit der Einrichtung von solchen Arbeiterinnenwirtschaften zu begnügen, da die Notwendigkeit bestand, für Hunderte von arbeitsuchenden Chaluzoth auch in den Städten Beschäftigung zu finden, und unter ihnen soziale und kulturelle Arbeit zu leisten. Den Ausweg fand man in der Begründung von Arbeiterinnengruppen, die sich als ein gutes Mittel bewährt haben, für die Chaluzah Arbeit sowohl auf dem Land wie in der Stadt zu erobern. Trotz der schweren Krise ist es uns mit Hilfe des Arbeitsdepartments der zionistischen Exekutive gelungen, elf solche Gruppen in den Städten und Kolonien zu schaffen, und noch eine neue Arbeiterinnenwirtschaff in Afule zu begründen. Die Aufgabe dieser Gruppen war die Zusammenfassung der isolierten Arbeiterinnen, und die Erleichterung ihres besonders schwierigen Lebenskampfes durch gegenseitige Hilfe und gemeinsame Sorge um Arbeit und Leben. Es stellte sich als notwendig und nützlich heraus, einer jeden dieser Gruppen eine kleine landwirtschaftliche 1 iilfswirtschaft anzngliedern, welche es der Gruppe möglich macht, teils ihre Bedürfnisse an Lebensmitteln selbst zu erzeugen, teils durch den Verkant überschüssiger Produkte gewisse Einnahmen zu erzielen. Die Gruppen (Chawuroth) befinden sich an den folgenden Orten: A. In den Kolonien. 1. In Rischon le Zion. Die Gruppe besteht seit dem Sommer 1926 und zählte in den ersten Monaten 8—10 Mitglieder, die sämtlich mit Lohnarbeit in den Weinbergen beschäftigt waren und auch ein kleines Stück Land in Arbeit genommen haben, welches uns im Umfange von 10 Dunam ein ägyptischer Jude zur Verfügung gestellt hat. Jetzt ist die Zahl der Mitglieder auf 23 gewachsen, von denen die Hälfte in der eigenen jungen Wirtschaft beschäftigt ist, während die andere in den Weinbergen und Pflanzungen der Kolonisten Arbeit tut. Die Zahl der Mitglieder der Gruppe soll auf 25 bis 30 erhöht werden. 2. P e t a c h T i k w a 11. Dieser, ebenfalls im Sommer 1926 gegründeten Gruppe, wurde aus Mitteln der zionistischen Exekutive eine Fläche von 25 Dunam bewässerten Bodens zur Verfügung gestellt. Sie umfaßt gegenwärtig 26 Mitglieder, Auch hier sind die Gruppenmitglieder teils in der eigenen Wirtschaft, teils in Lohnarbeit beschäftigt. Als endgültige Mitgliederzahl sind hier 40 vorgesehen. 3. C hederah. Diese Gruppe verfügt über 20, vom Arbeiterinnenrat zur Verfügung gestellte Dunam Boden, und hat weitere 15 vom Waad der Kolonie in Pacht. Hier arbeitet der grollte Teil der Mitglieder in der eigenen Wirtschaft, und nur einige bei den Kolonisten, bzw. als Leiterinnen der Arbeiterkiiehe. Die Gruppe hat 22 Mitglieder und soll schließlich auf 25 bis 30 ergänzt werden. 1. NessZionah. Diese aus 14 Mitgliedern bestehende Gruppe entbehrt noch des Bodens für eine landwirtschaftliche Hilfswirtschaft, doch haben wir die Hoffnung, diesen Mangel mit Hilfe des K. K. L. in absehbarer Zeit zu beheben. Einige arbeiten in Pflanzungen, einige in der Arbeiterküche, der Rest näht, wäscht usvv. 5. B e n j a m i n a. Diese Gruppe haben wir erst vor vier Monaten begründet. Sie hat 15 Mitglieder. Diese bearbeiten augenblicklich eine Fläche von 15 Dunam, und die Pica hat die Gewährung einer weiteren Fläche in Aussicht gestellt. Ein Teil der Arbeiterinnen ist bei den Kolonisten in Lohnarbeit und in den Pflanzungen der Pica beschäftigt. In all diesen Gruppen ist die Lebensführung eine gemein- >3me und die Bedingungen für alle gleich. Darin, wie auch in der Ausgestaltung und Anordnung der eigenen Wirtschaft, gleichen diese Gruppen den ״Arbeiterinnenwirtschaften'‘, von denen sie sich aber darin unterscheiden, daß außer der eigenen Wirtschaft in weitem Umfange Lohnarbeit versehen wird. Durch diese Kombination eigener Wirtschaft mit Lohnarbeit vermögen die Gruppen schon vom ersten Jahre an selbsterhaltend zu sein. Die Wohnverhältnisse sind verschieden, doch geht man zum Teil schon an die Errichtung stabiler Gebäude. 6. Die Arbeiterinnenwirtschaft in Afule. Diese Wirtschaft wurde mit einer früher in Ben Schemen ansässigen Gruppe von Arbeiterinnen, die Ben Schemen verlassen mußten, auf 10!) Dunam Boden errichtet, die Zion Commonwealth gehören und von diesem zur Verfügung gestellt wurden. Die Wirtschaft umfaßt 18 Arbeiterinnen und soll auf 25 bis 30 anwaehsen. B. Die Arbeit in den Städten. 1—2. Tel-Awiw. Die erste Gruppe organisierte sich hier im Winter 1925/26 auf 25 Dunam der Stadtverwaltung gehörigen Bodens im Norden der Stadt. Es waren zu Anfang 15 Arbeiterinnen, mit der Zeit wuchs die Zahl, und ein Teil suchte Arbeit außerhalb. Jetzt ist die Gruppe als ״Chawtiralv“ stabilisiert, und die eigene Wirtschaft dient als Stützpunkt. Später kam noch im Zentrum der Stadt, ebenfalls auf Boden der Stadtverwaltung, eine zweite Gruppe hinzu. Dadurch, daß die beiden Gruppen sich in der Stadt befinden, ist ihr Absatz gut gesichert. Sie legen auch im Auftrag Hausgärten an und pllegcn sie. Ein Teil der Arbeiterinnen ist ferner mit verschiedenen Arbeiten beschäftigt wie Nähen, Weben, Kochen, Waschen usw. und ferner in den Pflanzungen der Stadtverwaltung. Die nördliche Gruppe hat 35 Mitglieder, und die im Zentrum 30. Diese Zahlen werden sich bald auf 50 bzw. 40 erhöhen. Trotz der schweren Krise,, die gerade in Tel-Awiw besonders fühlbar ist, erhalten sich die beiden Gruppen vollständig selbständig, Sie können als nahezu endgültig konsolidiert angesehen werden. 3. Ti her las. Der Gruppe stehen 15 Dunam K. K. L.- Bodens zur Verfügung, dazu kommen 20 Dunam, die auf fünf Jahre zwecks Anlage einer bewässerten Pflanzung pachtlos von der Schchunath Kirjath Schmuel ztigewiesen wurden. Die Zahl der Arbeiterinnen beträgt hier 23 und wird im Laufe des Sominers auf 25 bis 30 anwaehsen. Ein Teil davon arbeitet wie in den anderen Gruppen in Lohnarbeit außerhalb der Gruppe. 4. R a m a 111 - G a 11. Hier wurden von dem K. K. L.-Boden der Schchunath Borochow 15 Dunam zur Verfügung gestellt. In der Gruppe befinden sich 22 Arbeiterinnen. Die Arbeits- Verhältnisse sind wie in den anderen Gruppen. Bemerkenswert ist noch, dal! die Arbeiterinnen hier die Blöcke für das Stallgebäude selbst hergestellt haben. Ihre Zahl soll in den nächsten Monaten auf 30 erhöht werden. 5. Haifa. In Haifa sind Hilfsmaßnahmen für die arbeitslosen Arbeiterinnen besonders dringend. Es gelang uns 100 Dunam Land in fünfjähriger Pacht zu bekommen (davon die Hälfte bewässerbar), wozu noch weitere 50 Dunam kommen, die der Gruppe ohne Entgelt für fünf Jahre übergeben wurden. Diese befindet sich 4 km von der Staat entfernt an der Bahn- Station und der Chaussee. Sie zählt 25 Arbeiterinnen, welche Zahl sich auf 50 erhöhen wird. Die meisten davon sind in der eigenen Wirtschaft bexhäftigt. 6. Afule. Diese aus 11 Mitgliedern bestehende und über 15 Dunam Boden verfügende Gruppe bildete sich erst im Iam1ar d. J. Auch hier findet eine Teilung der Arbeit in der eigenen Wirtschaft und außerhalb statt, und die Gruppe soll noch im Laufe dieses Sommers auf 15 Mitglieder anwaehsen. Die Arbeit in all diesen Gruppen erfolgt unter Leitung von Arbeiterinnen, welche in den ״Arbeiterinnenwirtschaften“ ihre Ausbildung erhalten haben, und nun die Neulinge anlernen. Die Arbeiterinnengruppen in den Städten, sowie die neu errichtete Arbeiterwirtschatt in Afule haben unter Mangel an Mitteln zu leiden, der sie leider an einer vollen Entfaltung ihrer Möglichkeiten behindert, wodurch die Lage der jungen Mädchen in jenen Orten erschwert wird. Die Uebersicht zeigt, von welcher Bedeutung die auf eine wirtschaftliche Verselbständigung der Arbeiterinnen gerichteten Bestrebungen, sowie die bereits erzielten Erfolge sind. Ungcfahr 400 Arbeiterinnen konnten schon in produktiven Beschäftigungen versorgt werden, und es ist kein Zweifel, daß diese Zahl nach Fertigstellung der Gebäude und weiteren Ausgestalfung der Wirtschaften beträchtlich steigen wird. In die ״Arbeiterinnenwirtschaften“ und ,,-gruppen“ finden alle Aufnahme, die entschlossen sind, als Arbeiterinnen ein produktives Arbeitsleben zu führen, ohne Rücksicht aut Herkunft und Stand. Im letzten Jahre erhielt der Rat der Arbeiterinnen vom K. K. L. 500 Dunam bei der Kolonie NessZionain der Nähe Tel-Awiws, damit er dort eine neue Arbeiterinnenwirtschaft einrichtet. Der Boden ist von guter Qualität (Wasser in 4 bis 5 m Tiefe), so daß man auf diesem Areal bis zu 200 Chaluzoth durch Einrichtung einer solchen Wirtschaft in allen Zweigen der Landwirtschaft bestens ausbilden könnte. Die Wirtschaft wird in der Nähe der Landwirtschaftlichen Versuchsstation liegen, und dadurch auch hinsichtlich der theoretischen Ausbildung in günstiger Lage sein. Wegen dieser günstigen Bedingungen kommt dieser zu errichtenden Wirtschaft eine besondere Bedeutung bei, und deshalb meine ich, daß die Welt- Organisation zionistischer Frauen ihre Tätigkeit in den kommenden beiden Jahren auf die Errichtung der Arbeiterinnen- Wirtschaft bei Ness Ziona konzentrieren soll. Es sollte einer jeden zionistischen Frau, wo immer sie sich befindet, klar sein, daß wir aut dem Wege der Ausbildung der Chaluzoth in Erez-Israel das Mittel zur Erziehung der Frau und ihrer Einordnung in die produktive Arbeit, sowie die Quelle ihrer selbständigen Stellung in der Gesellschaft besitzen. (Aus dem hebräischen Manuskript übersetzt.) Zusammenschluß der palästinensischen Frauenvereine (Moazah) Man schreibt uns: Ain 9. und 10. August ist in Tel-Awiw in einer konstituierenden Versammlung, an der 22 Delegierte von 41 Frauen- Organisationen teilnahmen, ein Organisationsverband der jüdischen Frauen Palästinas (Moazah) gegründet worden. Frau A s a r j a h n vom Verein für Gleich- Berechtigung der Frauen führte hierbei den Vorsitz. Aehnliche Gründungsversammhmgen fanden in den letzten Wochen in Jerusalem, Haifa, Petach Tikwah statt. Damit ist der Gedanke der ״Moaza h“, für den die Histadruth Naschitn Ibriot seit Jahren beharrlich kämpft, mindestens zu einem großen Teil verwirklicht worden. Noch gibt es wichtige Frauenorganisationen im Lande — wie Moazat-ha-Poalot und Misrachi •— die sich der Moazah vorläufig nicht angeschlossen haben, doch ist zu hoffen, daß dieser Anschluß früher oder später noch erfolgen wird. Die soziale Arbeit in Palästina, die heute vorwiegend in den Händen der Frauen vereine liegt, wird durch die nun geschaffene Möglichkeit einer Koordinierung der Bestrebungen zweifellos im höchsten Maße gefördert werden. per vorläufige Repräsentant der Landes-Moazah Ist ein Vaad Smani (temporärer Ausschuß), bestehend aus zwölf Vertreterinnen der angeschlossenen Vereine. Die Nachricht wird sicherlich gerade jetzt, da die Konferenz der Wizo bevorsteht, auch bei den europäischen Zionistinnen mit Freude begrüßt werden. Verbürgt sie doch die Aussicht aut eine arbeitstüchtige Zentralstelle der palästinensischen Frauenvereine an Stelle des bisherigen Chaos der Interessen. Eine enge und fruchtbare Verbindung zwischen der nun geschaffenen palästinensischen Moazah und den zionistischen Frauen des Auslandes wird dann entstehen, wenn auch die Wizo und andere Frauenverbände des Auslandes, die in Palästina arbeiten, sich ihr anschließen. Die Rechtsschutz*Konferenz Zürich, 20. August. (J. T. A.) In der Nachmittagssitzung vom Freitag, den 10. August, nahm die Konferenz auf Grund der Vorschläge der Kommission für nationale Organisation, Sprachenfragen, und Schulwesen, für die der polnische Sejmdelegierte Grünbaum referierte, eine Resolution an, in der die Konferenz־ ihr tiefstes Bedauern darüber ausspricht, dab die Vorschriften der Minderheitstraktate in bezug auf die ethnischen, religiösen und sprachlichen Minderheiten noch in keinem einzigen Lande verwirklicht worden seien, und daß in manchen Ländern nicht einmal die bürgerliche und sprachliche Gleichberechtigung der Juden durchgefülirt ist und ihr Leben und Vermögen nicht genügend gesichert sind. Die Konferenz, erklärt ferner, daß die volle Verwirklichung der Gleich berech״ figung der Juden im Osten, wo sie in Massen wohnen und ihr eigenes nationales Leben führen, mir möglich ist, wenn ihr Recht auf nationale Autonomie in den inneren jüdisehen Angelegenheiten anerkannt wird. Es soll der jüdischen Bevölkernng dieser Länder das Recht eingeräumt werden, öffentlich-rechtliche Körperschaften ins Leben zu rufen, denen das Recht zustehen soll, alle innerjüdischen Angelegenheiten zu verwalten und die jüdische Bevölkerting zu diesem Zweck zu besteuern. Diesen Körperschäften, die vom Zentralorgati (Nationalräte usw.) und Lokalorganen (Gemeinden) geleitet werden, sollen besonders die Verwaitimg der jüdischen Schulen, die Bestimmung der Unterrichtsspräche und im Rahmen der allgemeinen Staatsgesetzgebung auch die Festlegung des Unterrichtsorogramms zustehen. Es entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Frage, ob Hebräisch oder Jiddisch als die Hauptunterrichtsspräche in den jüdischen Schulen zu gelten habe. An der Diskussion beteiligten sich Ch. D. Nomberg, M. M. llssischkin, und Jeffroikin, Der Antrag Hellmann, daß nur Jiddisch oder Hebräisch als Unterrichtssprache gelten sollen, wurde hauptsächlich mit den Stimmen der amerikanischen Delegierten abgelehnt. Daraufhin verließen Nomberg, Schabad, Tschernichow und Finkelstein unter Protest die Konferenz. Professor Dubnow und ieffroikin blieben im Saale. Weiter wurden noch die Anträge der Organisationskommission, die Dr. Leon Reich vortrug, erledigt. Zur Fortsetzung und Stärkung der im Jahre 1919 vom amerikanisch-jüdischen Kongreß und dem Komitee der jüdischen Delegation eingeleiteten und von diesen fortgefiihrten Arbeiten zur Sicherung und zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten wurden folgende Organe eingesetzt: Die Konferenz. derCouncij und die Exekutive. Mitglieder der Konferenz können sein: Vertreter der demokratisch gewählten iüdis hen Reoräsentativen Körperschaften. 7. B. Parlam״׳ “!•־׳j‘<r'iH״r, die auf Grund eines jüdischen Programms geu-ahU wurden. Vertreter der jüdischen Völkerbund'igen sowie Delegierte jüdischer Organisationen, in deren Programm der Schutz der jüdischen Minderheitsrechte enthalten ist. Die Konferenz ist höchstbeschlußfassende und kontrollierende Instanz. Insbesondere steht ihr die Wahl des Council zu. Sie tagt regelmäßig alle Jahre und tritt außerdem zusammen, wenn die Exekutive oder der Council cs für notwendig erachten. Der Council besteht aus 36 Mitgliedern und kann sich selbst aut 50 ergänzen. Er tritt regelmäßig mindestens einmal jährlich zusammen. Der offizielle Name der Organisation lautet: The Council 0n the Rights of Jewish Minorities. Sitz der Organisation ist Genf. Grünbaum forderte, daß der Name des Rates wie bisher Komitee der jüdischen Delegationen lauten soll; auch soll der bisherige Sitz des Rates, Paris, beibehalten werden. Die amerikanisehen Delegierten Richards, Stephen Wise und Rabbiner Heller verteidigen den Antrag der Kommission, der auch mit großer Mehrheit angenommen wurde. Auch hier gaben die amerikanischen Delegierten den Ausschlag. Zur!31 .11'״. August. (J.T. A.) In der Schluß- Sitzung der Konferenz, am 20. d. M., abends, schlag M, M. Ussischkin die Annahme einer Protestresoiufion vor, in der gegen die Verfolgungen der Juden, insbesondere der Zionisten in Sowjetrußland pro testiert wird. An den Antrag knüpfte sich eine sehr lebhafte Diskussion. Die amerikanischen Delegierten Jacob Fishman und Richter Hartman beantragten, die Konferenz möge dem rumänischen Ministerpräsidenten Bratianu auffordern, Maßnahmen zur Sicherung der rechtlichen Lage der Juden in Rumänien zu ergreifen. Dieser Vorschlag wurde angenommen. Die Konferenz schritt sodann zur Wahl des Präsidiums, der Exekutive und des Generalrates. Auf Vorschlag von Louis Lipsky wurden in das Präsidium die folgenden Personen gewählt: Nahum So ko low (Vorsitzender des Präsidiums), Leo Motzkin, Dr. Steplien S. Wise, Prof. Dr. C h a j e s, Prof. S. Dubnow und Sejmdeputierter J. Orünbaum. Es wurde ein Generalrat gewählt, der sich aus den MRgliedern des Präsidiums, ferner aus 21 amerikanischen, 10 polnischen und 20 Delegierten aus den übrigen Ländern zusammensetzt. Dem Exekutivkomitee gehören die Mitglieder des Präsidiums (Sokoloiv, Motzkin, Wise, Chajes, Dubnow, Grünbäum), ferner Sejmdeputierter Farbstein, W. Temkin, Dr. Margulies, Sejmdeputierter Dr. Leon Reich und R o b i n s o n an. Ein Sitz ist für einen noch zu ernennenden amerikanischen Vertreter reserviert. In der Schlußsitzung wurden noch die folgenden Be- Schlüsse angenommen: Die Organisation zum Schutze der jüdischen Rechte nimmt Teil an der Arbeit der internationalen Organisationen, die das Ziel verfolgen, die Rechte der nationalen Minderheiten zu verteidigen. — Dem Komitee der jüdischen Delegationen in Paris und dem Amerikan.-Jüd. Kongreß wird für die bisherige erfolgreiche Tätigkeit auf dem Gebiete des jüdischen Rechtsschutzes, sowie für die Initiative zur Einberufung dieser Konferenz der Dank ausgesprochen. — Die Konferenz drückt ihren besonderen Dank den Herren Nahum Sokolow, Leo Motzkin und Dr. Stephen S. Wise für ihre opfervolle Arbeit aus. Schlußreden hielten sodann Dubnow, Ussischkin, Lipsky, Dr. Chajes, Grünbaum, Leon Reich, Rabbiner Nurok, Dr, Stephen S. Wise u. a. m. Nahum Sokolow erklärte in seiner Abschiedsansprache, daß die erwählte Exekutive sofort mit aller Energie an die praktische Arbeit schreiten werde. * Zürich, 2. August. (J. T. A.) Der Schlußsitzung der Konferenz zum Schutze der Rechte der jüdischen Minderheiten ging eine Sitzung der Wirtschaftskommission der Konferenz voraus, in der Dr. J. Tenenbaum einen ausführlichen Bericht über die wirtschaftliche Lage der jüdisehen Minderheiten in den Ländern Ost- und Sttdosteuropas erstattete. Er beantragte die Annahme einer Resolution, in der gegen die Politik der Hinausdrängung der Juden aus der Nationalwirtschaft verschiedener Länder protestiert wird. Prof. Lasarson beantragte eine Annahme einer Resolution, in der die Regierungen aufgefordert werden, die Bestimmungeii der Friedensverträge mit Bezug auf die Einbürgerung von Landesbewohnern zu verwirklichen. Dr. E. Tscherikosver referierte über die Frage der Staatenlosen und beantragte, die Gründung einer internationalen Vereinigung aller Staatenlosen mit dem Ziele der wirksamen Verteidigung der Interessen der Staatenlosen in die Wege zu leiten. Der Vereinigung sollen Nichtjuden wie Juden angehören. Auf der Konferenz war der Weltverband der jüdisehen Invaliden, Kriegerwitwen und -Waisen durch Deputierten Heller und Dr. Molkner aus Polen, sowie Prof. Lasar aus Oesterreich vertreten. Der Minderhdten-KongreD Genf, 22. August. (J.T. A.) Am 22. August, 3(4 Uhr nachmittags, wurde in Genf der Kongreß der nationalen Minderheiten von dem Präsidenten des vorbereitenden Komitees, Dr. W i 1 f a n , in Anwesenheit von etwa 100 Delegierten eröffnet. Es sprachen sodann die Aus- Schußmitglieder der einzelnen Minderheitsgruppen. Im Namen der jüdischen Minderheiten begrüßte Leo Motzkin den Kongreß Dr. Tadjer sprach für die jüdische Minderheit in Bulgarien. Als Vertreter der jüdischen Minderheiten wurde Leo Motzkin in das Präsidium des Kongresses gewählt. Dr. Tadjer legte Verwahrung gegen die Nichtzulassung der mazedonischen Minderheiten zum Kongreß ein. G e n f, 23. August. (J. T. A.) In der heutigen zweiten Vollsitzung des Minderheitenausschusses referierte Professor Lasersohn (jüdischer Vertreter Lettlands) über ״Staats- Souveränität und Minderheitenrecht“. Er legte die Beschränkung des alten Souveränitätsbegriffes durch die wachsenden Rechte der Minderheiten dar und kam zu dem Schlüsse, daß die Probleme der Souveränität nur durch weitere Ausdehnung des innerstaatlichen Völkerrechts zu lösen seien. In der an das sich schließenden Diskussion über Souveränität und Minderheitsrecht nahm der jüdische Sejmdeputierte aus Polen, Heiler, hervorragend Anteil. Der Vertreter der Deutschen in Ungarn, Dr. Wiindisch, führte aus, die Staatssouveränität im Innern müsse, wie das der jüdische Vertreter aus Litauen, Dr. R 0 - b i n s o n , im Vorjahre ausdrückte, gewisse kulturelle Rechte den Minderheitendelegierten übertragen. Die jüdischen Minderheitsgruppen sind vertreten durch Leo Motzkin (Komitee der jüdischen Delegationen), Abg. Rabbiner Nurok (Lettland). Abg. j. Grün bäum (Polen), Abg. Dr. J. Robinson (Litauen) und Dr. Emil Margulies (Tschechoslowakei). Die jüdische Delegation ist die zweitstärkste auf dem Kongreß. Die neuen Palästina-Poslmarken Jerusalem, 21. August. (J. T. A.) Die ganze Serie der vor kurzem hergestefiten neuen Palastina-Postmarken ist bereits im Verkehr; die alten Marken sind mit Ausnahme der 1 Milliemc-Marken aus dem Verkehr gezogen worden. Die neu ausgegebenen 2-, 3- und 10-Milheme-Posimarken tragen als Zeichnung das Rahel-Grab, die 4-, 6-, 8- und 13-Millieine-Marken den Feisendom, die 5-, 7- und 20 Mil« lieme-Marken die Zitadelle, die 50-, 90-, 100- und 200>Mil• lieme-Marken den Tiberiassec.