Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 68-69 (26.8.1927)
- Date
- 1927-08-26
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. «8/69, 26.VÜT. 1027 JITEOfSCHE RtmDSCHXa Seite 480 Einwanderung und Kapitalbedarf Von Adolf Böhm, Wien. Wenn wir die heutigen zionistischen Schwierigkeiten analy sicren, so ergibt sich uns folgendes Resultat: 1. Franz Oppenheimer hat einmal das ״Gesetz der Wänderung“ eines Volkes so formuliert: Die Menschen strömen aus einem Gebiet hohen politischen und wirtschaftlichen Druckes in das Gebiet geringeren Druckes. Wie steht es nun mit Palästina? Palästina ist durch das Mandat, das das National Home stipuliert, ein Ort des geringsten politischen Druckes für die Juden geworden. Es hat daher für Juden eine mächtige Anziehungskraft. Palästina ist ökonomisch aber noch ein Land sehr hohen Druckes, kann daher Menschenmassen ohne besondere Vorkehrungen nicht fcsthalten. Diese Antithese kennzeichnet unsere Situation. Es gilt, sie zu überwinden. Das heißt: Palästina für den Massenzustrom von Juden auch ökonomisch geeignet zu machen. 2. Die palästinensische Wirtschaft in ihrer normalen Eigenentwicklung ist nicht fähig, neuen Einwanderern in größerer Zahl Spielraum zu geben. Die Wirtschaft ist noch primitiv, die aus ihr zu erwartende Bildung neuen Kapitals gering. Die natürliche Vermehrung der Bevölkerung ist groß und sic wird mit der Besserung der sanitären Verhältnisse, welche die hohe Sterblichkeit der mohammedanischen Bevölkerung rasch senkt, übernormal groß werden, da bei dieser die Geburtenrate viel höher ist als durchschnittlich bei Europäern. 3. Die einwandernden Juden können daher ihren Erwerb durchaus nur im Wege der Neuschaffung von Erwerbsqueilen finden. Sie müssen dazu nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern auch das nötige Kapital mitbringen. Die ZahldcrEinwandcrcr,di ein Palästinadauernd festgesetzt werden können, ist direkt proper• tional dem gleichzeitig mit ihnen einfließen• den Kapital. Eine ״große Einwanderung“ zu verlangen, ohne für den Zustrom entsprechenden Kapitals zu sorgen, heißt ein unverantwortliches Bankerottspicl betreiben. 4. Der Satz, daß die Einwanderung funktionell abhängig ist von der Menge des zuströmenden Kapitals erhellt auch aus der Zahlungsbilanz Palästinas. Das Passivum der Außenhandelsbilanz (Einfuhr weniger Ausfuhr) betrug in runden Ziffern CE 2 300 000 CE 4100000 CF. 4 500 000 CE 4 200 000 CF 3400 000 £E 3 900 000 £E 5 900 000 £E 5 200 000 £E 33500 000 Ein Teil dieser Summe wurde durch Touristenverkehr, Vor- Schüsse der englischen Crown Agents sowie Grants in aid der englischen Regierung für die Garnison, ferner durch Gelder auswärtiger nichtjüdischer Missionen, Vereine usw. ausgeglichen, der Hauptteil ist aber durch jüdische Kapitalein- Wanderung gedeckt worden. In dieser Zeit des starken Kapitalzustroms sind abzüglich der Auswanderer etwa 80000 jüdische Einwanderer ins Land gekommen, von denen ein erheblicher Teil Rückwanderer waren. Jedenfalls ist die obige These, daß Einwanderung von starkem Kapitalzustrom begleitet sein muß, durch die Statistik genügend erhärtet. 5. Die Höhe des zur dauernden Festsetzung einer Ein- Wandererfamilie notwendigen Kapitals kann in der Land- Wirtschaft mit rund £ 1000 angesetzt werden. Die Vorschlage Soskins, der niedrigere Zahlen angibt, sind noch gar nicht erprobt. Aber sogar er nimmt mindestens £ 500 für die Familie an, exklusive Bodenpreis. Der Boden ist aber für die von Soskin propagierten intensiven Kulturen sehr teuer. Der jetzt z. R. in Aussicht genommene in Djidro wird mit Ameliorationen auf mindestens £ 30 per Dunam zu stehen kommen. Schon bei 15 Dunam Boden, was nicht viel ist, werden £ 1000 pro Ansicdlerfamiüe erreicht. Was die Industrie betrifft, so zeigte die letzte Zählung (ohne die Rutenbergstationen) eine Arbeiterzahl von 5711 Köpfen (nicht Familien) bei einem investierten Kapital von £ 1 S50 000, das sind C 330 per Kopf der meist unverheirateten Arbeiter, wobei nur das investlerte Kapital gerechnet ist, nicht das Kreditkapital, das auch importiert werden muß, weil aus Ersparnissen der palästinensischen Wirtschaft von heute keine großen Kreditkapitalien gebildet werden können. Dabei ist ferner zu berücksichtigen, daß es sich bei dieser Zählung nur um Kleinbetriebe handelt, der Durchschnitt sind zehn Arbeiter. Je größer eine Anlage ist. desto weniger Arbeiter pro Kapitalcinheit beschäftigt sie, dies zeigen folgende Kapital aut dan Kopf des Arbeiter* £ 1000 £ 5000 £ 3000 Selbst wenn wir aber nur £ 300 per Kopf in der Industrie annehmen, was mit den £ 1000 für eine Familie.;in der Landwirtschaft ungefähr gleich ist — übrigens zeigt diese Statistik, daß die Industrie durchaus nicht weniger Kapital zur Ansetzung von Menschen braucht als die Landwirtschaft, was schon Ruppin in seinem letzten Ruche betont —, so kommen wir, wenn wir eine Einwanderung von 30 000 Juden per Jahr als nötig annchmcn. auf eine Summe von 0 Millionen Pfund, wenigstens in den allernächsten Jahren, welche gleichzeitig ins Land strömen müssen, um diese Immigranten dauernd anzusiedetn. Natürlich , sind solche Durchschnittsrechnungen nicht im mindesten exakt, aber jedenfalls geben diese Zahlen, die auf Grund der bisherigen Kolonisation berechnet wurden, gewisse Anhaltspunkte. Sie stimmen übrigens auch recht gut zu den Zahlungsbilanzen: Von den 80 000 Einwanderern ist ein Teil noch nicht untergebracht (7000 Arbeitslose), ein Teil ist durch nichtjüdisches Kapital beschäftigt (z. B. Regierungsarbeiten), ein anderer bestand aus Rückwanderern, die ihr Eigentum zum größten Teil noch im Lande hatten, andererseits ist von eien 33Vi Millionen Pfund des Zahhmgsbi'an/passivums, wie ausgeführt, ein Teil aus nichtjüdischen Quellen gedeckt u'orden. I>ie Abstriche auf beiden Seiten lassen sich nicht exakt an geben, aber da das Verhältnis ohne diese 1 (Einwanderer) : 400 Pfund ist (80 000 : 33 500 000), so zeigt das jedenfalls, daß die Schätzung von £ 300 per Kopf nicht sehr fehlgrcifen kann. 6. Die benötigten Summen müssen aus vier Quellen fließen: a) Eigenkapital der Siedler, b) Unternehmungen, c) Krcditkapital, ' d) Gcmeinschaftsfonds (teilweise auch a bis c ersetzend). Natürlich läßt sich nicht exakt berechnen, wieviel auf jeden der vier Teile käme. Aber in bezug auf die Gemeins c h a f t s f o n d s hat Dr. Ruppin wiederholt eine schematische Durchrechnung gegeben, nach der für den Keren H ajessod bei einer Einwanderung von 30 000 Menschen 1 3/י Millionen Pfund verlangt wurden. Ich selbst halte diese Ziffer für zu niedrig, und zwar aus einer Reihe von Gründen, von denen ich einige anführc: Trotz aller Jndustiicbegeistcrung halte ich die laridwirtschaftliche Ansiedlung aus politischen, nationalen und ökonomischen Gründen für die Basis der Kolonisation. Wir haben in fünf bis sechs Jahren erst 6000 Industriearbeiter angesetzt, und es ist keine Rede davon, daß wir selbst bei den besten Aussichten für die Industrie, von 30000 einströmenden Menschen per Jahr auch nur ein Vierte! industriell ansetzen zu können. Daher wird ein Großteil davon landwirtschaftlich angesiedelt «׳erden müssen. Dies aber erfordert eine starke Beteiligung der Gemeinschaftsfonds, auch wenn man mit Leuten rechnet, die selbst einige Mittel besitzen. So ist das in allen Staaten, die kolonisieren, ln Palästina um so mehr, als eine Ansiedlung in größerem Maße nur auf Böden möglich ist, die sehr große Ameliorationen fordern und eben deshalb nicht von den Arabern besetzt sind, weil diese dazu das Geld nicht haben. 7. Ich übergehe hier völlig die Hoffnungen der Revisionisten, da ich sie in der Hauptsache als illusorisch ansehe. Eine Konfiskation unbebauten Bodens ist nicht durchzusetzen, da bisher nicht einmal — anläßlich der Oscherreform — eine Steuer auf unbebauten Boden zu erlangen war. Aber selbst w׳enn der unbebaute Boden konfisziert «׳erden würde, so müßte die Regierung zuerst die Araber bedenken, deren Zunahme per Jahr 15 000 Köpfe beträgt, bei denen es außerdem 100000 Beduinen gibt, die seßhaft gemacht werden sollen usw. Aber selbst wenn die Juden den Boden in Pacht erhalten würden, müßten sie noch immer die hohen Kosten der Amelioration und Besiedhing tragen. Die Einführung von generellen Schutzzöllen in Palästina ist heute für die Regierung und die Bevölkerung, im Jahre 1919 1920 ״ ״ 1921 ״ ״ 1922 ״ ״ 1923 ״ « 1924 ״ ״ 1925 ״ 1926 ״ ״ Beispiele: Nescher Schemen Grands Moulins Kapital £ 300 000 £ 250000 £ 125 000 Arbeit«*■ 300 50 40 Einer der Klassiker des Zionismus, Moische Leih Lilienblimt, pflegte auf die Frage, was es denn in Palästina Neues gebe, gewöhnlich zu antworten: ״Wos soll sein, gefallen a Beheime, gekeift a Beheime“ (was soll es denn geben, gefallen eine Kuh, gekauft eine Kuh). In jenen Zeiten des Chowcwe-Zionismus handelte es sich um Kleinarbeit, aber der Widerhall dieser Kleinarbeit war mächtig, denn die Idee lebte wirklich in den Seelen, man war ihr zugetan mit einer inneren Freude, die jetzt immer seltener wird. Der Hauptvorrat an zionistischen Gedanken, die besten Leistungen der zionistischen Publizistik stammen aus jener Zeit, wo die Zionisten nach dem Erfolge befragt, nur bescheiden antworten konnten: ״Gefallen a Beheime, gekeift a Beheime“. . . . Uni den Widerhall, der nicht mehr so mächtig ist, um die Freudlosigkeit, die in den Reihen der im Golus lebenden Zionisten herrscht, handelt es sich nämlich. Ein ungemein ־wichtiges Thema! Denn der Zionismus ist schließlieh des Golus wegen da. Der Zionismus beseitigt nicht den Golus. Dadurch, daß er für einen kleinen Teil des jüdischen Volkes in Palästina Bedingungen schafft, ein nationales, freies Leben zu führen, kann er dem großem Teil, der im Golus leben wird, nur Stütze sein, nur Bereiter geistiger und moralischer Freude. Palästina kann das geistige Weekend sein für die inzwischen immer und immer größere Zahl Golus- Juden. Damit es aber das wird, muß die zionistische Idee immer warmgehalten werden, müssen solche ״Kleinigkeiten“, wie Stimmung, Begeisterung, Geist nicht ironisch belächÄt werden, müssen Klagen darüber, daß die Zionisten im Golus immer gelangwcilter aussehen, daß ihnen die innere Freude an der Idee immer mehr verloren geht, als äußerst ernst hetrachtet werden. Denn der Zionismus ist des Golus wegen da. II. Dieser 15. Kongreß in Basel, der soviel zu bewältigen und zu ordnen hat, der bestimmt der Schauplatz heißer Redeschlachten sein wird, wird nicht umhin können, zu gleicher Zeit auch sozusagen sentimentaler Kongreß zu sein, denn gar zahlreich und mannigfaltig sind die Erinnerungen erhebender wie schmerzlicher Natur. Zu den schmerzlichen gehört das Bewußtsein, daß das russische Judentum, auf den früheren Baseler Kongressen durch den überwiegenden Teil der Delegierten vertreten — nicht mehr zählt. Wie gern verweilt man im Gedächtnis bei dem aufmunternden Schauspiel jener vielen Aufgeregten, bei den ernsten und feierlichen Gesichtern der russischen Kongreßdelegierten, die i׳t1 Scharen im Bahnhof Friedrichstraße ankamen und für einige Abende dem Cafe Monopol ein neues, ungewohntes Aussehen gaben, denn hier wurden schon die ersten Proben der stürmischen, leidenschaftliehen Landsmannschaftssitzungen abgehalten. Und als sic in Basel eintrafen, fanden sie nicht schon dort die zahlreichen Mitglieder ihrer Kolonien versammelt? O ja! das russische Judentum besaß große Kolonien in Bern, Zürich Genf: die jüdische studierende Jugend. Sie sind nicht einfach gekommen, als Gäste dem Kongreß beizuwohnen, nein, hier zu sein bedeutete für sie geistigen, polemischen Proviant für die Wintersaison, wenn die heißen Debatten mit den jüdischen Sozialdemokratin und Bundisten — den verbittertsten Gegnern des Zionismus — unausbleiblich sein würden. Und dann die Versammlungen der russischen Landsmannschaft. Die, die jetzt grau und verbraucht auf ihren Posten ausharren, weil die Zahl derer zu gering ist, die zur Ablösung bestimmt sind, waren damals noch jung, und auf diesen Landsmannschafts- Versammlungen wie auch auf der Kongreßtribüne gaben sie Beispiele des unvergleichlichen Temperaments, der leidenschaftlieiistcn Liebe zur Idee. Der Führer Herz! hatte cs schwer mit diesem Volk der russischen Juden, die ihn vergötterten, die aber auch meutern konnten. Er ging umher zwischen diesen besessenen Menschen, beschwichtigte sie, und keiner wußte, daß ihn soeben ein Herz-krampf befallen und daß man ihm kalte Umschläge machen müßte. Zu verwundern ist nur, daß in Nordaus Trauerrede auf Herzl während des siebenten Kongresses, des ״Sabbafhkongresses“, wie er ihn nannte, folgende Stelle sich bcfindet: ״Unser Volk“, klagt Nordau, ״hat einen Herzl gcda die Lcbenskosten dadurch verteuert werden würden, undiskutabel usw. 8. Man hat immer gesagt, daß das wichtigste Element für den Aufbau die opferfähigen Menschen sind. Hätten wir Geld in Menge, aber nicht diese Menschen, dann könnten wir nicht das geringste machen. Sehr richtig. Die Situation ist aber die, daß wir die Menschen haben, aber wir haben nicht das Cield und deshalb können wir ebensowenig etwas machen, als wenn wir das Geld hätten und die Menschen nicht. Heute i s t d a - herdie Frage der Beschaffung der fürden Aufbau nötigen Kapitalien diejenige, von deren Lösung die Zukunft derjüdischcn Heimstätte a bh än gt. 9. Keine Phrase, kein Schlafwort, keine Demagogie kann etwas an der Situation ändern: es heißt einzusehen, daß Palästina ein Wanderung eben Kolonisation ist und nicht Aufsaugung der Einwanderung durch die bestehende Volks■ Wirtschaft wie etwa in den Vereinigten Staaten. Und daß diese Kolonisation die Menschen in den primären Erwerbsstufen Landwirtschaft und Gewerbe (Industrie) ansetzen muß, nicht etwa vorwiegend in sekundären, wie Hausbau, soll die An- Setzung Dauer haben. Zu dieser kolonisatorischen Aufgabe sind unweigerlich sehr große Mittel nötig. Diese Tatsache ist unabhängig von dem Wie der sozialen und wirtschaftlichen Formen der Kolonisation. Mit ihr aber wird der Kongreß bei allen seinen Erwägungen zu rechnen haben. Die arbeitende Frau im Aufbau Palästinas (Zur W c 11 k o n f e r e n z der W i za in Basel.) Von Ada F i s c h rn a n n. Die Frage der arbeitenden Frau ist eine der zentralen Fragen unserer Aufbauarbeit im Lande. Es wird allgemein anerkannt, daß ohne die selbsttätige wirtschaftliche Mitwirkung der Frauen ein gedeihlicher Aufbau, insbesondere des landvvirtschaltliehen Lebens, nicht möglich ist, wie auch in der städtisehen Kolonisation erfahrungsgemäß die Frau als selbständige Arbeiterin unentbehrlich ist. Gewisse Umstände, unter denen sich gerade der Aufbau Palästinas vollzieht, steigern noch die an die arbeitenden Frauen gestellten Forderungen, und so ist das Bestreben der arbeitenden Frauen, ihre besondere Stellung im Wirtschaftsleben Palästinas zu behaupten, keine Frage einet theoretischen ״Gleichberechtigung“, vielmehr eine positive Frage unserer Arbeits- und Kolonisationserfordernissc. Die Zahl der Arbeiterinnen im Lande beträgt gegenwärtig ungefähr 12 000. Ihre Mehrzahl ist mit verschiedenen einfach eil Arbeiten in Stadt und Land beschäftigt, eine geringe Minderzahl in der Landwirtschaft und verschiedenen gelernten Arbeitsfächern. Elie Schwierigkeiten, mit denen die Arbeiterin zu kämpfen hat, sind besondere. Es sind nämlich die Arbeitsgebiete, in welche die Arbeiterin bisher einzudringen vermochte, außerordentlich beschränkt, und es besteht keine Möglichkeit, ihren Umfang zu vergrößern. Dabei zeigt es sich, dal in det städtischen Arbeit viel weniger Gebiete vorhanden sind, die sich für weibliche Arbeit eignen als in der Landwirtschaft, und daß auch die Anpassung der Frau an die städtische Arbeit einen viel langwierigeren Prozeß voraussetzt, als die an die landwirtschaftliche, in der die Frau unentbehrlich ist. Der Weg zur landwirtschaftlichen Arbeit ist durch den Mangel jener — Generationen alten — Erfahrung erschwert, welche die Bauernfrauen in aller Welt besitzen. Einer der Wege, die Chaluzoth mit einer zureichenden Kenntnis der landwirtschaftliehen und anderen Arbeiten zu versehen, ist der der Arbeiterinnenwirtschaften und Arbeiterinnengruppen. Es bestehen gegenwärtig 17 Arbeiterinnenwirtsc haften und - gruppen, die im ganzen Land zerstreut sind und ungefähr 400 Arbeiterinnen produktiv beschäftigen. Es wird in ihnen mit außerordentlicher Hingabe gearbeitet, und die Anstrengungen sind von Erfolg begleitet. In den Jahren 1922 bis 1927 wurden aus den Mitteln der zionistischen Exekutive fünf neue Wirtschaften eingerichtet: 1. in Nachlath Jchuda, 2. in Petach Tikwah, 3. in Scnchunath Borochow, 4. Jerusalem, 5. Chedera. Alle diese fünf Wirtschäften stehen auf fester Grundlage lind erhalten sich selbst ohne Defizite. Die Erfahrung hat gezeigt, daß die Chaluzah, nachdem sie eine bestimmte Zeit in solch einer Wirtschaft gearbeitet hat, Vertrauen zu ihren eigenen Kräften gewinnt und dadurch leistungsfähiger wird, was in Wirtschaften, die aus Männern und Frauen bestehen, nicht immer der Fall ist. In den obengenannten fiint Wirtschaften werden folgende Arbeitszweige betrieben: Gemüsebau, Baumpflanzitng, Fruchtbäume, Geflügel- und Bienenzucht, Milchwirtschaft usw. habt, aber unser Herzl hat kein Volk gehabt“. Es ist die erste Variation jenes Vorwurfs, den Wcizmann mit den Worten: ״Jüdisches Volk, was hast Du getan“ viel, viel später machen sollte. Wann war der Vorwurf unberechtigter: jetzt oder damals? Jabotinsky, der den Weizmann’sehen Ausruf zurückweist, meint, daß das jüdische Volk seine Schuldigkeit getan hat. Sicher aber ist es, daß nur Delegierte eines wahren Volkes sein konnten, die damals dem geliebten und gefeierten Führer glaubten nicht folgen zu sollen, daß nur Delegierte eines Volkes die Versuchung des Uganda- Projektes überwinden konnten. 1 Gestärkt durch die Erinnerungen an einstige Kongreßschlachten, ermutigt durch das Gefühl, daß man auf der historischen Tribüne steht, von der mehr als einmal Empörer und Widerspenstige ans Liebe zu der Idee ihre heißen Worte schleuderten, lvird es diesmal in Basel auch die Opposition leichter haben, ihre Unzufriedenheit zu äußern. Es ist nicht anzunehmen, daß nach der ganzen Lage der Dinge die Opposition erfolgreich aus dem Kampf hervorgehen wird, aber Basel wird vielleicht dazu beitragen, die Mentalität vieler von der Opposition auch besser zu verstellen. In Basel wird es nicht allzu schwer sein, zum Beispiel aus dem hartnäckigen Kampf gegen die Jcwish Agency den verhüllten Schmerz 'über ein russisches Judentum, das nicht mehr zählt, herauszuhören. . . . Max Liebermanns 80. Geburtslag bietet der Wiener Monatsschrift ״Menorah“ Gelegenheit, durch eine besondere Publikation den Meister zu euren. In den ausgezcichncteil Darstellungen des Wiener Kunsthistorikers, Prof. Max Eisler, und des Berliner Kritikers Fritz Stahl, wird ein Bild des bedeutungsvollen Wirkens Liebermanns für die Entwieklung der modernen deutschen Kunst gegeben. Georg Hermann hat eine Reihe persönlicher Erinnerungen und Anekdoten beigesteuert. Weitere Beiträge, die gewohnten Rtibriken, die Fortsetzung der Novelle ״Auf dem Hügel“ sowie die schönen Kunstbeilagcn nach graphischen Werken Liebermanns, Schwarz-weiß-Zeichnungen und zahlreiche Abbildungcr vervollständigen dieses interessante Heit.