Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1927)
- Date
- 1927-08-23
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652940--19344-2677210- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 482 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr, 67, 23. Vm. 1S27 Viehzucht in Palästina Von Dr. J. B. Orr, D. S. 0, M. €. Wir berichteten bereits vor einiger Zeit, daß die vom ״Empire Marketing Board“ nach "Palästina entsandten Experten Sir John Rüssel und Dr. John Orr ausführliche Gutachten über die Probleme der palästinensischen Landwirtschaft vorgelegt haben. Wir veröffentlichen heute zunächst das erste dieser Gutachten, erstattet von Dr. John Orr, Direktor des Rowett Research Institut in Aberdeen (Landwirtschaftliches Forschungsinstitut der englischen Regierung). Dr, Orr hat sich vor allem mit der Frage der Viehzucht beschäftigt. Das Material der beiden Gutachten wird, obwohl die Verfasser nicht Mitglieder der amerikanisehen Expertenkommission sind, dieser Kommission bei Abfassung ihres Berichtes zur Verfügung stehen. Die Kosten der Expertise wurden bekanntlich zur Hälfte von der Zionistischen Organisation und zur Hälfte vom Empire Marketing Board getragen. Ich bereiste im Wagen einen guten Teil des Landes, besuchte ferner die Laboratorien und Versuchsstationen der Regierung und der zionistischen Organisation und hatte Gelegenheit, die örtlichen Probleme der Viehhaltung mit Beamten und Forschern, persönlich und in zwei formellen Konferenzen zu diskutieren. In den Konferenzen kamen auch andere!andwirtschaftliche Probleme zur Sprache, besonders die Fragen der Zitrusfrüchte und der Aufforstung. Ueber diese wird Sir John Russell in seinem Bericht referieren. Der vorliegende Bericht beschränkt sich ausschließlich auf die Viehwirtschaft. Die Eignung Palästinas für die Viehzucht. Das Klima Palästinas ist für Tiere vorzüglich geeignet; im natürlichen Grünfutter konnte bisher kein Mangel an mineralischen oder anderen wichtigen Stoffen festgesfellt werden; und Schäden von endemischen oder epidemischen Krankheiten scheinen nicht größer zu sein als in anderen Ländern, wo Viehzucht mit Erfolg betrieben wird. Das bauptsächliche Hindernis für die Entwickelung der Viehzucht ist die durch die lange trockene Saison verursachte Kargheit an Grünfutter. Da die Hügel von Erde meist entblößt sind, ist das Land, abgesehen von den Tälern, fast vollständig ohne nützliche Vegetation. Indessen sind nach meiner Meinung viele Bezirke vorhanden, in denen intensive Viehzucht nach modernen Methoden mit Erfolg betrieben werden kann. Ferner gibt es einen einheimischen Markt, der imstande ist, eine beträchtlich vergrößerte Produktion zu verbrauchen. Es werden Jährlich 200 000 Schafe und 45 000 Rinder zu Schlachtzwecken importiert und dazu noch Produkte der Viehwirtschaft, besonders Milch und Milchprodukte, im Werte von ungefähr 160 000 Pfund (1925) und Eier im Werte von 40 000 Pfund (1926). Die hohen Produktionskosten. Die jüdischen Siedlungen beschäftigen sich mit Viehzucht, aber die gegenwärtigen Produktionskosten sind viel zu hoch, als daß sie die Farmer in den Stand setzen könnten, auf dem Weltmärkte zu konkurrieren oder auch nur dauernd erfolgreich auf dem palästinensischen Markte selbst dem Import standzuhalten. Auf Grund der mir vorgelegten Kostenberechnungen stellt sich die Aufzucht einer Kuh bis zur ersten Kalbung auf £ 67, und die Kosten der Milchproduktion betragen, abgesehen von den Kapitalzinsen, das Aequivalent von ungefähr 1 s. 9 d. pro Gallon in der Wirtschaft. Die Kosten sind also ungefähr doppelt so hoch wie in den Ländern, welche milchwirtschaftliche Produkte ausführen. Sie müssen reduziert werden, wenn sich der betreffende Wirtschaftszweig entfaiten und eine lohnende Beschäftigung für die neuen Siedler sein soll. t Die Ursache der hohen Kosten. Als hauptsächliche Ursachen der hohen Produktionskosten ergeben sich: a) das unzureichende Vorhandensein von Futter und Weide; b) Mangel an zureichend hochwertigen Tieren; c) mangelhafte Organisation des Wirtschaftszweiges. a) Futter und Weide: Besonders die Versuchsstation von Tcf-Awiw wendet dieser Frage erhöhte Aufmerksamkeit zu und durch ihre Bemühungen ist sowohl der Anbau als auch der Ertrag pro Bodeneinheit in rasch aufsteigender Entwicklung begriffen. Es ist im gegenwärtigen frühen Stadium dieser erfolgversprechenden Unternehmung schwer, genau einzuschätzen, wie groß schließlich die Produktion sein wird, oder die Natur und den Wert der Verbesserungen in den Methoden zu beurteilen, welche angewendet werden sollen, um Ueber• schüsse aus den Zeiten reichen Wachstums für die Zeiten der Trockenheit und des Mangels zu erhalten und nutzbar zu machen. Schon jetzt können jährlich in bewässerten Bezirken 6—8 große Kleernten erzielt werden und in einigen Bezirken werden ohne Bewässerung 2—4 Ernten erreicht. Hinsichtlich der natürlichen Fütterung (Weiden) wäre es möglich, durch physikalische Bearbeitung des Bodens, Anwendüng von Düngemitteln oder durch Zucht von Pflanzen, die sich für das Klima besser eignen, die Menge des zu erzielenden Futters zu vergrößern und auch die Zeit zu verlängern, im Laufe derer die Weideplätze noch nach der Regenzeit grün bleiben. Das Problem des Naturfutters ist allerdings voll von Schwierigkeiten und mit den Problemen der Aufforstung und Bewässerung verknüpft, so daß man aut eine unmittelbare Verbesserung in dieser Hinsicht keine Hoffnungen setzen darf. Es soll aber den Bemühungen um die Erforschung der Fütterung, welche als einen Teil die systematische Untersuchung der Möglichkeiten einer Verbesserung des Naturfutters enthalten soll, jede Unterstützung zuteil werden. Es ist von Interesse, hier zu bemerken, daß einige Versuche im Futterbau, die auf Anregung des Empire-Marketing-Board (Englischer Reichswirtschaftsrat) in Australien unternommen werden, auch unmittelbare Bedeutung für das Futterproblcm in Palästina haben werden, b) Rinderzucht: Das einheimische arabische Rind ist klein und der durchschnittliche Milchertrag der Rühe ist gering. In den jüdischen Siedlungen wird das Milchvieh durch eingeführte friesische Zuchttiere aufgezüchtet und in der Regierungs-Studierfarm hat man Versuche eingeleitet, das einheimische Rind für Schlacht- und Arbeitszwecke mittels eingeführter Devon-Bullen zu verbessern. Diese Einfuhr ausländischer Tiere hat den Nachteil, daß sie in ein Land, welches bisher davon verhältnismäßig frei war, gewisse europäische Krankheiten bringt. Diese Schwierigkeit wurde von den Regierungsbeamten allerdings vorausgesehen, und es sind vorbeugende Maßnahmen in der Durchführung begriffen. Es gibt hingegen im Lande selbst einheimische Tiere, welche einer raschen Verbesserung durch selektive Zucht fähig erscheinen. Die Tatsache, daß diese Tiere sich im Lande selbst entwickelt haben und daß sie verhältnismäßig frei von örtlichen Krankheiten sind, gibt ihnen einen besonderen Wert für das Land. Während nämlich der Durchschnitt der einheimischen Rinder eher als armselig zu bezeichnen ist, gibt es unter ihnen eine Anzahl von guten Einzeltieren. So geben z. B. die Damaskuskühe über 800 Galonen Milch un Jahre, eine Menge, die um ein Beträchtliches den Durchschnittsertrag der britischen Kühe übertrifft. Aber selbst unter den kleinen arabischen Rindern gibt es Ochsen von wesentlich über den Durchschnitt reichender Größe und Kühe, die mehr als 400 Gallonen Milch im Jahre geben. Eine selektive Zucht aus den besten dieser Tiere würde im Laufe einer angemessenen Zeit eine merkliche Verbesserung in der einheimlsehen Zucht herbeiführen und schließlich eine Rasse schaffen, die für das Land ebenso geeignet wäre wie die eingeführt^ europäische. Es gibt im Lande eine große Anzahl von Schafen. Sie befinden sich größtenteils in den Händen der Araber, Das Ergebnis der Schur ist eine leichte und derbe Wolle. Die Tiere machen aber einen guten Eindruck und die einheimische Rasse scheint einer Verbesserung durch Kreuzungen mit eingeführten Widdern fähig zu sein. Zuchtböcke werden zu diesem Zwecke vom Departement für Landwirtschaft eingeführt. Geflügel gedeiht gut. Die ersten Kreuzungen zwischen eingeführten Hähnen und einheimischen Hennen geben einen Eierertrag von ungefähr 150 Stück pro Jahr. Ehe Geflügelzucht in der Versuchsstation der Regierung in Akko, welche als Muster für moderne Methoden der Geflügelzucht dienen soll, hatte einigen Erfolg. In dem Bericht der Station wird festgestellt, daß ״kein Grund vorhanden zu sein scheint, weshalb Geflügelzucht nicht einer der wichtigsten und einträglichsten Wirtschaftszweige in Palästina werden sollte." c) Organisation: Es war das hauptsächliche Ziel der zionistischen Organisation, Immigranten auf dem Lande ansässig zu machen, und die Organisation der Viehwirtschaft in den Siedlungen hat sich in Uebereinsümmung mit dieser Absicht entwickelt. Wenn man in Betracht zieht, daß vor der Einrichtung der jüdischen Siedlungen im Lande keine oder nur eine geringe Viehzucht nach modernen Methoden vorhanden war, welche als Vorbild hätte dienen können, und daß ferner die große Ueberzahl der Siedler keine vorangegangene praktische Erfahrung in der Viehhaltung besaß, dann muß der bisher erreichte Zustand der Entwicklung als zufriedenstellend bezeichnet werden. Eine schwierige Zeit in der Geschichte der Siedlungen ist durch die Energie und Fähigkeit der zionistischen Beamten und durch die Hingabe der Siedler überwunden worden. Nun ist die Zeit allerdings gekommen, an den endgültigen Ausbau dieses Winschaftszweiges zu gehen und ihn sich ln Uebereinstimmung mit den ökonomischen Faktoren entwickeln zu lassen; die gesunde Linie der Entwicklung wird durch Gewinn- und Verlustrechnungen angezeigt und nicht durch politische Erwägungen. Das Ziel muß die Entwicklung eines Wirtschaftszweiges sein, welcher auf dem Weltmarkt konkurrieren kann. Diese Entwicklung wird eine Anzahl Von Aenderungen in den Methoden und in der Organisation notwendig machen. Die Natur dieser Aenderungen kann nicht mit Bestimmtheit vorausgesagt werden. Es wäre müssig, 1m gegenwärtiger» Augenblick Vermutungen über den Gang der Entwicklung aufzustellen, welche nur auf theoretische Erwägungen gegründet sein könnten. Dieser Wirtschaftszweig wird sich seinen Weg, geleitet von den wirtschaftlichen Tatsachen, wie sie sind, suchen und «rauf gefaßt sein müssen, daß gewisse Unternehmungen fehlschlagen. Mißgriffe und Fehler vorkommen werden, bevor sich eine solche Organisafion ergibt, welche den Möglichkeiten des Landes und der Eigenart des Volkes angepaßt ist. Vorschläge. Versuchszuchtfarm: Der beste Weg, die Verluste auf ein Minimum zu beschränken, welche sich notwendigerweise einstellen, wenn man sich um neue Methoden bemüht, ist eine experimentelle Zuchtfarm, nicht für die Zwecke wissenschaftlicher Forschung, sondern für die praktische Erprobung von Methoden, von denen man annimmt, daß sie für das Land geeignet sind. Die in dieser einen Farm gemachten Fehler würden weitere Verluste durch die als falsch erwiesenen Methoden verhindern und die Fortschritte würden als Vorbilder für jene Siedlungen dienen, die sieh in Bezirken befinden, welche für die Entwicklung der Viehwirtschaft geeignet sind, sobald sich diese als wirtschaftlich ertragreich erwiesen hat. Ich schlage daher vor, eine solche Zuchtfarm einzurichten. Diese Farm würde nicht nur als Zentrum für die Aufzucht der Rasse des Landes dienen, vielmehr auch als ein Zentrum, von welchem die Siedler zu vernünftigem Preise Milchkühe beziehen, und dem sie, wenn sie es wünschen, die von diesen erzielten Kälber zurückverkaufen könnten. Aufzeichnungen für Zuchtzwecke könnten gemacht werden nicht nur über die Kühe der Farm, sondern über alle, die hier gezüchtet und an die Farmer verkauft wurden. Abgesehen von der wertvollen Leistung einer raschen, systematisch vollzogenen Verbesserung der Viehrassen würde die Farm auch als ein Vorbild für die modernen Methoden der Fütterung, der Tierhaltung und Marktgestaltung dienen. In einem gewissen Ausmaße würde sie auch als Ausbildungszenirum für neue Siedler nützlich sein, die sich in irgendeinem Zweig der Viehwirtschaft auszubilden wünschen. Die Farm könnte in kleinem Umfange beginnen mit etwa 40 bis 50 Rindern und es soll versucht werden, sie sobald als möglich selbsterhaltend zu machen. Sobald sie das Ziel der Selbsterhaltung erreicht hat, soll ihr eine Erweiterung und die Einbeziehung der Schaf- und Geflügelzucht erlaubt werden. Die wichtigste Aufgabe der Farm wäre die Erstellung von Methoden, mittels welcher die Poduktionskosten herabgesetzt werden könnten, und die erzielten Rcsultäte wären auch dafür als wichtiger Maßstab zu werten, in welchem Umfange die Viehwirtschaft in Palästina ertragreich entwickelt werden kann. Es wird vorgeschlagen, von offizieller Seite in den Wirtschaften nur die Anwendung derjenigen neuen Methoden zu fördern, welche durch die Pionierarbeit der vorgeschlagenen Versuchsfarm als wirtschaftlich ertragreich erwiesen worden sind. An unsere Abonnenten! Die Post verlangt von uns die Anmeldung der vom 1. Oktober 1927 ab zu liefernden Exemplare bis zum 15. September. Wir sind daher gezwungen, die Abonnementsgebühren von denjenigen Abonnenten, die die Jüdische Rundschau׳' direkt bei uns abonnieren, in den ersten Septembertagen zu erheben, und zwar werden wir ihnen zu diesem Zweck Nachnahmen zugehen lassen. Wir bitten darum, im eigenen Interesse dafür Sorge zu tragen, dafe diese Nachnahmen prompt eingelöst werden, da sonst Unregelmäßigkeiten in der Zustellung der ״Jüdischen Rundschau" nicht zu vermeiden sein dürften. Berlin, im August 1927. Verlas ,Jüdische Rundschau“ Berlin W15, Meinekestraße 10 Unverzüglich einzuleitende Vemichsmaßnahmetu I a) Rinderzucht: Die Errichtung der Versuchsfarm wird! einige Zeit in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit muß| irgendetwas hinsichtlich der Frage unternommen werden, welche! als die dringendste erscheint, nämlich die der hohen Kosten! der Zucht. Eine Reihe von Versuchen betreffend die Aufzucht! von Rindern wurde schon angeordnet und werden von Mr.l Crichton und Dr. Herzburg-Frankel sowohl in der Regierungs-1 Station in Akko als auch in der zionistischen Exekutive in Benl Schemen durchgetührt. Diesen Versuchen ist als Aufgabe diel Entscheidung darüber aufgetragen, ob Fütterungsmethoden, I welche billiger sind als die gegenwärtig in den SiedlungenI angewandten, zur Aufzucht eines guten Viehstandes erfolgreich I sein können. Die allgemeinen Grundlinien dieser Untemeh-1 mung sind von dem Direktor für Landwirtschaft in Palästina! und von dein Direktor der Station in Tel-Awiw gebilligt. I Es muß bemerkt werden, daß infolge gewisser örtlicher I Schwierigkeiten, besonders infolge des Mangels an manchen I notwendigen Voraussetzungen, der Versuch einer Durchführung I dieser Experimente, so einfach sie sind, kostenreich sein wird und daß die unmittelbaren Resultate gering sein können. Aber selbst wenn diese Versuche sich vom wissenschaftlichen Gesichtspunkt aus als erfolglos erweisen, wird die durch sie gewonnene Belehrung und Erfahrung für die verantwortlichen Leiter von großer Bedeutung sein, Indem sie zukünftigen anderen Untersuchungen von dieser Art die unerläßliche Grund-' läge abgeben werden, b) Weiden: Es wird vorgeschlagen, daß Dr. Magasanik, welcher gegenwärtig die Weideprobleme am Rowett-institute studiert, mit der Fortsetzung dieser seiner Tätigkeit beauftragt wird. Er soll sich mit der umfangreichen Literatur über diesen Gegenstand und mit den verschiedenen, nach mehreren vom Empire Marketing Board veranlaßten Forschungsplänen durchzufiihrenden Unternehmungen vertraut machen. Nach einem sechs- bis achtmonatigen Studium am Rowett-institute ■und in Rothamsted soll er nach Palästina an die Tel-Awiwer Versuchs- Station gehen, wo er in Zusammenarbeit mit den an ähnlichen Fragen arbeitenden Forschern seine Tätigkeit entfalten soll. Das Problem der Viehwirtschaft in den Nachbarländern. Einige Informationen über die Probleme der Viehwirtschaft, welche die Palästina benachbarten Teile des britischen Empire betreffen, erhielt ich durch Gespräche mit Mr. Sale vom Landwirtschaftlichen Departement in Cypern, der nach Jerusalem kam, um an den Konferenzen teilzunehmen, und durch Major Elliot, der Transjordanien besuchte und dort mit einigen der verantwortlichen Beamten in Konferenzen zusammentraf. Ein großer Teil der Probleme ist selbstverständlich allen Ländern dieses Gebietes gemeinsam und es gibt weite Strecken des Empire im Nahen Osten, wo die Viehwirtschaft Wirtschaftlieh bedeutsam und einer Ausgestaltung fähig ist. Ein Austausch von Rindern und Schafen findet in den Ländern zwischen Sudan und Irak statt. Infolgedessen bildet dieses weite Gebiet in einem gewissen Maße eine Einheit, und Entwicklungen in Palästina werden auch auf die Viehwirtschaft in den angrenzenden Ländem von Einfluß sein. Ich schlage vor, daß, wenn sich die Gelegenheit einer Betrachtung der Zuchtprobleme in irgendeinem Teile dieses Gebiets des britischen Reich« ergibt, die Probleme im Lichte der alle angrenzenden Länder betreffenden Bedingungen betrachtet werden, und daß ferner die Beamten in den angrenzenden Ländern über die Resultate der in Palästina unternommenen Versuche informiert gehalten werden, Zum Schluß wünsche ich meine Anerkennung für die vom Landwirtschaftlichen Departement der palästinensischen Regierung und von der Tel-Awiwer Versuchsstation geleistete Arbeit zum Ausdruck zu bringen und ferner für das freundliche Interesse, das ich bei allen Forschern und Beamten im Laufe der Diskussion der das Land betreffenden landwirtschaftlichen P«>Heme*lgetroffea ,fiiabe. Ich/ tßpßng :ifßbmmäerermm •tiefen'• Eindruck• vö« d'eit»'Iveitfen :uha׳:ün»»äsä»aett' Blick, mit dem der Direktor für Landwirtschaft die landwirtschaftlichen Probleme des Nahen Ostens!»trachtet und von der Voraussicht, die er bei der Behandlung dieser Probleme, besonders der mit der Krankheitsvorbeugung verbundenen, an den Tag legte. Es war mir eine wirkliche Freude, die Tel-Awiwer Ver- Suchsstation zu besuchen, wo Forscher, voll von Enthusiasmus, wertvolle wissenschaftliche Aufklärung sammeln, die sich gerade in der gegenwärtigen Zeit als sehr wertvoll für die landwirtschaftlicne Entwicklung des Landes erweist. Ersparnisse der Palästina-Reflienmfl Jerusalem, 19. August. (J. T. A.) Die Palästina-Regierung veröffentlicht soeben die Bilanz für das Finanzjähr 1926/27. Die Gesamteinnahmen betrugen 2 390 081 Pfund, die Gesamtausgaben 2103 275 Pfund; der Ueberschuß beläuft sich auf 286 806 Pfund. Das Budgetjahr 1926/27 erbrachte eine Gesamteinnahme von 2 525 034 Pfund. Auf der Ausgabensevte figurierten u. a. die folgenden Posten: 307656 Pfund für öffentliche Schuld und Anleihetilgung, 322 826 Pfund für Sicherheitsdienst und Gefängniswesen; 177 223 Pfund für die transjordanische Grenzmacht und 121 378 Pfund für öffentliehe Erziehung. ״Für das ffldischc Kind in Ern Israel“ Frankfurt a. M., 17. August. (J.T. A.) Auf Anregung von Frau Prof. Fraenkel, Marburg, hat sich ein Damen-Komitee gebildet, welches unter dem Motto ״Für das jüdische Kind in Erez-Israel“ an die jüdische Frauenwelt Europas appelliert, für die Speisung der jüdischen Schulkinder in Erez-lsrael eine großzügige Aktion zu unternehmen. Jede jüdische Frau wird aufgefordert, wöchentlich 20 Pfenn 1 g diesem Zweck zuzuführen, die zunächst dazu verwendet werden, um eine Suppenküche in Jerusalem und Haifa und die Küche der Bne Zion-Schulen in Jerusalem zu subventio nieren. In der Erkenntnis, daß die Not keine Parteiunterschiede kennt, ist auch dieses Komitee unabhängig von allen Organisationen gegründet worden. Zweig-Komitees bestehen bereits in Amsterdam, Frankfurt a. M,, München und Marburg. Das Wahlergebnis in der Schweiz In der Sch w c i z wurden bei einer Gesamtbetetligung von 848 Wählern folgende Stimmen abgegeben: Dr. Julius Becker 436 (6 ungültig), H. Reichenbauch 214 (87 ungültig), Jabotinsky 78, Locker 27, Gewählt ist somit Dr. Becker, Dr. Alfred Klee ist vor einigen Tagen plötzlich schwer erkrankt, so daß eine sofortige Bruch- und Blinddarmoperation nötig wurde. Die Operation verlief so erfolgreich, daß Dr. Klee sich schon wieder auf dem Wege der Besserung befindet und in kurzem mit seiner völligen Wiederherstellung gerechnet wird. Es ist somit die Wahrscheinlichkeit groß, daß Dr. Klee sein Mandat als Mitglied des Zionistischen Aktions-Comifos ausüben und am Kongreß in Basel teilnehmen wird. Prof. Elwood Me ad und Jacob Liptnan, die landwirtschaftlichen Sachverständigen der Jewish Agency-Kommission sind bereits in Palästina eingetroffen und werden in den nächsten Tagen mit ihren Untersuchungen beginnen.