Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 67 (23.8.1927)
- Date
- 1927-08-23
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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.1927 Nr. 67, 23. VIII. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 481 tltutioncn Tätigkeit hemmen• iflnahmen iciheit zu e Zinsen ־gendeine :!ts- oder!ein, dann vor allen t an, daß h Unter, ־׳ung die ie es der le großen samt in handener! Fürsorge ans dem ind wert- B' c h unter Kongreß :!he als 1a. aus: Krisis, in Welt beie Krisis; . Ich bedaß wir :rreichen. on außen Anleihe, teth, ihre mit Hilfe ntien für n düngen, en Ha. Ist nicht wir zur die Einhat sich neth sind gewach- Juf seine n können ittelstand , solange g dersel- Itig. Die )erwiesen II. e Gelder gestalten : Organiständigen jnistische esamrtelmtbgiim Plan der für die :ugnis in ahre des blke mit Tribüne, Hajessod heute die er Fahne ien. riser I: * K n a a n, id Safed nd Sanes wäre für den in judiach sind dar. 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Eine der wenigen für Industriezwecke in Palästina geeigneten Bodenschätze ist abbaufähiger Stein, der in ungeheueren Mengen vorkommt und seit undenklichen Zeiten zur Ge* * winnung von Baustein verwendet wird. In jüngster Zeit ist die Gewinnung von Zement in modernster Weise durch die ״Nesher“ Zementwerke erfolgreich durchgeführt worden. Die Kalkgewinnung liegt bis jetzt in ihrer primitiven Form fast gänzlich in arabischen Händen. Das Hauptaugenmerk der jüdischen Kreise richtete sich darauf in das Gebiet der Steingewinnung einzudringen und sich aus der Abhängigkeit von den arabischen Steinbruchbesitzem und den hochqualifizierten arabischen Steinmetzen zu befreien. Die Anfänge dieser Bestrebungen liegen etwa fünf Jahre zurück, da der Gdud-Haawodah und der Solei Boneh nach Eröffnung von einigen Steinbrüchen bei Jerusalem unter großen Opfern jüdische Arbeiter ausbildeten und moderne Steingewinnungsmethoden durch Preßluftbetrieb einführten. Es lag der Gedanke nahe, nach europäischem Muster maschinelle Anlagen für große Steinbrüchc und Steinbearbeitungs- Werkstätten zu schaffen, deren Prosperität durch die seit Jahren in Palästina arbeitenden italienischen Werkstätten erwiesen wurde. Es fand sich jedoch kein privater Unternehmer, der diesen Ciedanken in die Wirklichkeit umgesetzt hätte, trotzdem durch die stetig steigende Bautätigkeit in Jerusalem und die dort herrsehende Steinbauweise der Absatzmarkt gesichert war. Auch die in Jaffa und Tei-Awiw eingeführte Zementstein- und Betonbauart verlangt für Bodenbelag, Treppen und sonstige Details Steinprodukte, die mangels billigen Angebotes durch minderwertige Zementerzeugnisse ersetzt werden. Das nahe Aegypten und Syrien, welche große Mengen italienischen Steines iinportieren, dürften ebenfails als zukünftiges Absatzgebiet in Betracht gezogen werden. Eine kleine maschinelle Anlage des Gdud- Awodah in Metulla, welche schönen Marmor gewinnt, konnte naturgemäß einem größeren Bedarf nicht genügen. Das Industrie-Departement der zionistischen Exekutive in Jerusalem, welches die bahnbrechende Bedeutung und große Tragweite der Erzeugung von maschinell hergestellten ■— und daher billigen — Steinprodukten bald erkannte, versuchte schon vor einigen Jahren eine Steinindustriegesellschaft zu schaffen und eine neue, solide, auf Bodenschätzen basierte Industrie zu begründen. In der Nähe von Jerusalem, etwa 5 km vom Zentrum der Stadt entfernt, wurde 1m Dezember 1924 vom Keren Kajemeth ein Grundstück von 25 Dunam gepachtet und nach eingehenden, ein Jahr dauernden Untersuchungen und Eröffnungsarbeiten des Steinbruches die ״Steinbruchsgesellschaft Sela“ gegründet (Dezember 1925), in welcher die Zionistische Exekutive der Geldeber war. Im Mai 1926 kamen die bestellten Maschinen aus uropa und im Oktober 1926 wurde mit dem Bau der Fabrik begönnen. Zu Beginn des Jahres 1927 sollte der Betrieb aufgenommen werden. Das Arbeitsprogramm umfaßt folgende Erzeugnisse: Her- Stellung von maschinell bearbeiteten Blöcken bis zu 15 Tonnen' Gewicht, Fußbodenplatten als Ersatz für eingeführten Marmor und minderwertige Zementplatten, Fenster- und Türrahmen, Gesimsträger, Treppen, Balkonplatten, Säulen usw. und alle Arten von prmiHerten Ziersteinen, welche alle bis nun fast ausschlieftlielt von Hand erzeugt wurden. Die restlose Ausnützung des Abfalls sollte durch eine Schotter- und Sanderzeugung erfolgen. •ÖfetfWaitSwPibirättti» iSt»ate־׳Ei»ri<6§uif'd׳er־P*brB^ ttteh nach europäischem Maßstab gemessen; erstklassig. Die erförderliehe Betriebskraft liefert ein Kruppscher Rohöldieselmotor von 75 PS, die elektrische Kraftanlage erzeugt Drehstrom für die elektrisch betriebene Schotter- und Sanderzeugungsanlage und für elektrische Beleuchtung. Die Arbeitsmaschinen wurden von einer erstklassigen italienischen Firma geliefert. Ein großes Gatter erlaubt Blöcke von 15 Tonnen Gewicht in 3 cm starke Platten zu zerschneiden, eine Zirkularsäge und Fräsmaschine besorgt das Zerschneiden der Platten und deren Profilierung, für die Erzeugung von Säulen ist eine 5 m lange Drehbank vorgesehen. Eine Poliermaschine vervollständigt die maschinelle Einrichtung der Werkstätte. Eine ortsfeste Drahtsäge ermöglicht die Massenanfertigung von Treppen und Spezialblöcken, eine transportable Drahtsäge besorgt das Abtrennen großer Blöcke direkt aus dem Muttergestein des Steinbruches. Eine Kompressoranlage versorgt die pneumatischen Hammer mit Preßluft, mittels welchen die Herstellung der Sprenglöcher und die Bearbeitung der Bausteine erfolgt. Eine Pumpenanlage liefert das erforderliche Betriebswasser für alle Maschinen. Ein elektrisch betriebener Kran von 29 Tonnen Tragkraft befördert die Blöcke aus dem Steinbrueh in die Werkstätte; außer- Die Haupt-Redaktion der ״Jüd. Rundschau“ wird ihr die Dauer des Kongresses nach Basel verlegt. Die nächste Nummer am Freitag, den 26. d. Mts. erscheint anläßlich der Kon■ groß ■Eröffnung in verstärktem Umfange. Die Dienstag-Ausgabe vom 30. d. Monats entfällt. Die Freitag-Nummer vom 2.September wird bereits die ersten Berichte vom Kongreß aus Basel enthalten. Dringende Zuschriften iär die־Redaktion sind bis zum 10. September mu richten an Dr. Robert Weltsch, Basel, Messegebände. dem ist ein Netz von Gleisen zur Beförderung der Erzeugnisse auf Kipp- und Plattformwagen vorgesehen. Bis heute wurden von der Zionistischen Exekutive etwa £E 10 (WO investiert. Die Transportmöglichkeiten sind günstig, da das Gelände einige hundert Meter von der Eisenbahnlinie Jaffa—Jerusalem entfernt liegt und ein Anschlußgleis leicht verlegt werden kann, ferner eine Verbindung zur Straße Jerusalem—Bethlehem durch Ausbau eines Fahrweges von T km möglich ist. Damit ist die Verladung sowohl für Exportzwecke als auch der Transport durch Automobile in die Stadt gesichert. Die moderne Anlage, auf einer Berglehne in fast unbewohnter Gegend gelegen, ist von überall weithin sichtbar und repräsentiert sich würdig als ein lebendiges Zeugnis 11 nd als Vor- Posten jüdischer Tatkraft und Energie, welche in ihren noch nicht ausgeschöpften Möglichkeiten als erstes Unternehmen dieser Art im vorderen Orient einen ungeheuren Wert darstellt. Eine gut ausgebildete Arbeitergruppe steht zur Verfügung, ein italienischer, in Carrara geschulter und erfahrener Fachmann und ein Leiter des Unternehmens bereiten die Inbetriebnahme auf Basis moderner Fabrikorganisation vor; ein eigenes Stadtbüro, im Zentrum der Stadt gelegen, wird die Propaganda und den Verkauf durchführen. Im Mai dieses Jahres sollte der Betrieb aufgenommen werden. Die maßgebenden Regierungsstellen brachten der neuen Unternehmung großes Verständnis entgegen, Korrespondenzen, Besichtigungen von Kommissionen der Abteilungen für Bergbau, des Regierungsgeologen, der städtischen Wasserversorgung des Gesundheitsamtes, des Gouvernements, der Eisenbahn- und Postdirektion ließen keinen Zweifel darüber aufkommen, daß die Regierung über den Umfang des geplanten Unternehmens orientiert sei und erkannt habe, daß hier ein neuer produktiver Zweig palästinensischer Industrie im Entstehen begriffen ist, der weitgehendster Unterstützung und Förderung würdig sei. Etwa im Oktober 1926 fauchte ein Plan auf, das neue Regierungsgebäude in der Nähe der Fabrik zu errichten; es wurde ein großes Grundstück angekauft, eine Parkanlage begonnen und die Grenzen des Stadtgebietes bis zum nahen arabischen Dorf Bet-Safafa ausgedehnt; somit war die Fabrikanlage in die Einflußsphäre der lokalen Stadtplanungskommission einbezogen. Es ist klar, daß nunmehr die Steinbruchanlage der Regierung ein Dorn im Auge zu werden begann und man versuchte die Weiterarbeit zu verhindern. Ungiückseiigerweise wurde ein Formfehler in der Konzession entdeckt, welcher der — nach Einbeziehung der Fabrik in die Stadtgrenzen — nunmehr kotn- וופ>וו%י StadtgetBeindeJerusalem das Recht gatj, petie Formaliteh ztir Eriatigtmg einer Baubewriiligung zu verfangen. Bit־ zu. der Erledigung wurde das Werk, einen Monat vor der!!!betriebsetziing, behördlich gesperrt. Es gelang trotz größter Anstrengungen nicht, die Sperrung aufzuheben und so mußte die Weiterarbeit eingestellt werden und schon vier Monate wartet man auf die Erledigung der Formalitäten. Es Ft außerordentlich bedauerlich, daß die Regierung, welche die drei Jahre dauernden Vorarbeiten ständig verfolgen konnte und die Bedeutung des Unternehmens gut verstand, nunmehr die Weiterarbeit verhindert. Das geplante neue Regierungsgebäude, dessen Bau nicht vor!י/ז fahren fertiggestellt sein kann, soll etwa einen halben Kilometer von der Fabrik entfernt liegen und diese wird keinesfalls sichtbar sein. Die Notwendigkeit, große Blöcke mittels der Drahtsäge zu gewinnen, schaltet von vornherein größere Sprengungen aus, so daß eine Störung der Nachbarschaft keinesfalls zu befürchten ist. Außerdem befinden sich in der ganzen Umgebung eine große Anzahl arabischer Steinbrüche, welche durchaus mit Sprengungen arbeiten. Werden diese auch still gelegt werden? Aber im allgemeinen muß die Frage gestellt werden, ob bei der Wahl des Platzes auf bestehende Unternehmungen von seiten der Regierung, welche berufen ist, als höchste industriefördemde Steile zu wirken, nicht Rücksicht zu nehmen ist? In dieser Zeit der schweren Arbeitslosigkeit,<la die Regierung Notstandsarbeifen vergibt, hindert sie wegen einer Formalität die Betriebsaufnahme eines vollendeten Unternehmens, welche 50 Arbeiter mit ihren Familien neben einer Anzahl von Trans- Portunternehmern beschäftigen könnte und dem bereits Aufträge von vielen tausenden Pfund vorliegen könnten — 10000 Pfund investiertes Kapital wartet auf seine Produktivierung und inzwischen verrosten die neuen Maschinen —, die Schäden des Erdbebens verlangen rascheste Lieferung von Steinen, die Bautätigkeit wächst, kostbare Aufträge gehen verloren und man wartet schon vier Monate auf eine Entscheidung — Rätsel über Rätse1, Sollte die Geschichte den Streit des Müllers von Sanssouci mit Friedrich dem Großen wiederholen?. S—r. Joden in der Heimat in der ״Frankfurter Zeitung“ vom 2t. d. M. (zweites Morgenblatt) befindet sich ein interessantes Feuilleton ״In Palästina“ von Sä nd or M ä r a i. Der Autor beginnt: ״Einer, der kein Jude war, sagte mir: ,Ehe Juden können viel, verstehen sich auf manches. Nur eines können sie nicht: für etwas sterben. Und es gibt Fälle, wo kein Klügeln mehr hilft, wo gestorben sein muß....‘ Ich sah die Juden dort, wo sie nicht klügeln; sah das, wofür sie sterben. Heute weiß ich es, daß der jüdische Staat in Palästina entweder gar nicht oder noch lange nicht erbaut weiden wird. Ich weift, daß so manche von den Emigranten in die Städte Europas zurückkehren oder zurückkehren werden, ermüdet vom Kampfe, entmutigt von der Aussichtslosigkeit oder von den Hoffnungsbrocken allzu ferner Aussichten. Aber die, die draußen bleiben, und auch deren gibt es viele, sind bereit, für das junge Land zu leben und zu sterben — und Unzählige sind schon dafür gestorben. Und das große Ergebnis des großen Experimentes liegt für die Juden zunächst in diesem: daß sie etwas hienieden haben, wofür es sich lohnt und wofür sie auch bereit sind zu sterben.“ im folgenden beschwert sich der Autor, daß man Ihm ats Nichtjuden nicht mit vollem Vertrauen entgegenkam. Weiter sagt er: ״Denn diese Generation, die Juden, die jetzt in Palästina Wälder pflanzen. Sümpfe trocknen, Städte errichten, Felder bebauen, Wege brechen, kamen nicht heim nach dem gelobten Lande, um zu leben, sich zu bereichern, m prassen. Wese Generation, die Generation des beginnenden Aufbaus, kann zu Lebzeiten keine bequemen Erfolge gewärtigen: hier wird alles für die Zukunft geschaffen, nicht einmal für die Kinder; nein, für die Kindeskinder. Es bedarf der übermenschlichen Anstrengung, der opferfreudigen Hingabe, der Leiden von zwei bis drei Generationen, damit in Palästina einst zufriedene Menschen leben und sich ernähren können. Was bis dahin geschehen wird, ist ununterbrochene Arbeit und Entsagung; die Menschen, die heimgekehrt sind und im Lande bleiben wollen, kamen heim, nicht, um sich zu bereichern, sie kamen heim, um arm zu sein.“ Und die Schilderung klingt aus in folgender schönen und eindrucksvollen Darstellung, die beweist, daß auch die heutigen bescheidenen Anfänge des fretwerdenden Judentums in Palästina auf objektive Betrachter tiefste Wirkungen aüsstrahlen: ״ln Palästina (doch wohl nicht im Ghetto von Jerusalem) sah ich zuerst Juden, die anders, mit mehr Ungezwungenheit, mehr Einfachheit, mehr Selbstverständlichkeit Juden war£n als in allen andern Ländern der Erde. Hier sah ich zuerst den ruhigen jüdischen Blick, in dem keine Nervosität, kein Trotz, keine Wehmut und auch kein Beteuern zu finden ist: so kann nur der schauen, der daheim ist, der nicht jeden Augenblick angeschrien zu werden befürchtet, der ein schützendes Dach übtr seinem Haupt weiß, der sich frei im selbsterbauten Hause, im selbstgepflanzten Garten bewegt, der dich mit Wein und Brot, Erträgnissen des eigenen Bodens und eigenen Fleißes, bewirtet, der dich in einer Sprache bewillkommt, die die Sprache seiner Väter und seiner Blutsverwandten ist, und der in allem: im Hause, im Garten, im Sprechen, in Arbeit, Recht und Pflicht daheim ist, in einem Lande, dessen Schollen durch und durch mit den sonderbarsten Taten des Mcnschengeschlechtes, der Geschichte des Judentums getränkt sind. Juden niit großer Menschenwürde war ich schon begegnet; aber Juden mit der Ruhe vollendeter Menschlichkeit nabe ich zuerst in Palästina gesehen. Die Heimat, diese neue und doch unheimlich alte Heimat) ist eng, unbequem, gefährlich, sie macht viel Sorgen; aber sie ist eine Heimat. Die paar tausende Juden unter Vierzehnmillionen, die das wissen, gehören nicht zu den unglücklichen ihres Stammes. Ihr Leben ist mühevoll, aber sie wissen, wofür und wo sie zu leben und zu sterben haben.“ sam, aber merklich wachsend, so etwas wie ein Trubel in den Messegängen und Kongreßbüros zu entwickeln. Trotz allem kann man ohne Uebertreibung behaupten, daß ״alles klappt“ und es läßt sich dasselbe auch für die heißen Kongreßtage erhoffen. * Zahlreiche Konferenzen und Beratungen finden schon vor Kongreßbeginn statt. Am 23. August beginnen die Weltkonferenzen der beiden Arbeiterparteien Hitachduth und Poal e Z i 0 n , am 25. die Tagung des Keren Kajeme t h und des Keren H a j e s s od , am 27. die Konferenz der Weltorganisation zionistischer Frauen (WiZO) und am 28. die Beratungen des Aktionskomitees. Von der Ausstellung des Malers Pilichowsky wurde schon mehrfach berichtet. Das Zionistische Archiv veranstaltet eine Zeitungsschau, die an Hand aller zionistischen Zeitungen ein Bild von der Entwicklung und der heutigen Größe unserer Presse geben soll. Neben der Buchausstellung ״Kedetn“ und der Handarbeitenausstellung des ״Verbandes jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina“ wird die Gesellschaft ״Mischar W’taassiah“ an Hand von Diagrammen und Statistiken ein genaues Abbild des Wirtschaftslebens Palästinas geben. Im großen und ganzen wurde jedoch von großen Nebenvcranstaltungen diesmal Abstand genommen und alle Anstrengungen auf die Arbeit des Kongresses konzentriert, was auch am ehesten der heutigen Situation entspricht. So vielseitig und groß die Arbeit des Kongreßbüros auch ist, so läßt allein der Umstand, daß es in der Schweiz bloß 20000, in Wien dagegen 200000 Juden gibt und daß Basel zwar ein Verkehrszentrurn, aber eines von judenärmeren Ländern ist, als das dem Osten näher gelegene Wien, darauf schließen, daß der XV. Kongreß seinem Wiener Vorgänger an Zahl der Besucher nachstehen wird. Doch frei von äußeren Beeinflussungen wird dieser Baseler Jubiläumskongreß in um so höherem Maße vierzehn Arbeitstage dem Palästinawerke und den Fragen unserer Bewegung widmen können und das sein, was von ihm allgemein gefordert wird: ein Arbeitskongreß. Der fünfte Band der Bibelübersetzung von B u b e r und Rosenzweig ״Das Buch Reden“ ist erschienen. David Frisdimann (Zu seinem 5. Todestage.) Von Simon Ernst, Tel-Awiw. In dieser schnellebigcn Zeit vergißt man nur allzuleicht die Großen. Freilich wird dadurch meist der Name, nicht aber das Werk betroffen. David Frischmann ist der Erneuerer unserer literarischen Kritik, der erste vollendete Europäer in der traditionellen Schreibstube, in der man gedankenlos von der Vergangenheit zehrte. Schöngeist war Frischmann und dadurch für uns Revolutionär. Als er mit seinen ersten literarischen Essays hervortrat, herrschte die ״Aufklärungs“-(Haskalah)-Richtung, für die nur die Wissenschaft, meist in recht populärer Form, mit besondercr Spitze gegen die Religion, absoluten Bildungswert besaß. Das Ziel war dem Nutzeffekt untergeordnet. Auf die Form kam es überhaupt nicht an• Kunst war als Selbstzweck so ziemlich unbekannt. Und andererseits lebte man noch im Glauben der Urväter und schrieb in der verschnörkelten schwülstigen Rhetorik (״Meli/a“), die aus ancitiandergcreihten Bruchstücksätzen der Bibel entstand. Frischmann erzog zur Aufklärung ohne die belehrende schuimäßige Form der Haskaiah-Ftihrcr, und erhob die tiatürliche Schönheit zum Ideal. Seine vielgestaltige Persönlichkeit kommt am prägnantesten in seinen Feuilletons zuni Ausdruck. Hier war er frei; hier ließ er seinen Groll in ästhetisch abgeschliffener Form aus; hier konnte er seinen Glauben andeuten, den er, der ewige Zweifler und ironisicrende Weitbetrachter, sich ja schämen würde in den Credo- Ernst zu gießen, ln dieser schriftstellerischen Gattung steht er unerreicht da. Auch sein witzelnder Hang zum Paradoxen war zur Aufrüttelung der Gemüter nie kein anderer eeignet. Es war eben unerhört neu, s o in der ״heiligen“ prache, bis zur Ausgelassenheit frei, seinen Gedanken nachzugehen. Und obschon Frischmann der klassische Purist in der hebräischen Prosa blieb, so hat er doch durch die individuelle Stoffbehandiung die Auferstehung der lebendigen Nationalsprache mächtig gefördert. Mehr als seine eigenen Originalwerke sichern seine Ueber- Setzungen Frischmanns Dauerstellung in unserer Literatur. Lang und mannigfaltig ist die Reihe der Werke, die durch ihn zu unserem Sprachgut wurden. Lipperts ״Geschichte der Kultur“ und Nietzsches ״Zarathustra“, fast die gesamten Werke Rabindranath Tagorcs, ״Coriolanus“ von Shakespeare, ״Kain“ von Byron, ״Iphigenie auf Tauris“ von Goethe und ״Thais“ von Anatole France, aber auch der russische Dichter Puschkin und viele andere fanden in Frischmann den berufenen hebräischen Interpreten. Wurde doch mit Recht bemerkt, daß der hebräische ״Zarathustra“ mit dem Prophetenrhythmus seiner Reden vielleicht den künstlerischen infentionen Nietzsches mehr ent• sprechen würde als das Original selbst. Ungemein charakteristisch für seine Eigenart ist das satyrische Poem ״Mephisto“ aus seinen letzten Schaffensjahren. Auch ihn, den gealterten hebräischen Schriftsteller, hat in seiner einsamen Schreibstube ein moderner Mephisto, nüchtern im heutigen europäischen Straßenanzug gekleidet, aufgesucht, mit demselben Angebot des Verkaufes seiner Seele gegen Bargeniisse im Diesseits, Er bekam aber eine ganz andere Abfuhr als der Goethe’s. Die Zeiten haben sich eben geändert, auch ist ein heutiger jüdischer Schriftsteller schließ* lieh anders geartet als der mythisch urgermanische Dt. Faust. Dieser klagte: ״Zwei Seelen wohnen ach! in meiner Brust!“; Frischmann weiß nicht einmal, ob er auch nur eine besäße! Er erinnert sich nun, wie ihm diese einzige Seele auf seinem enttäuschungsreichen Lebensweg verloren gegangen ist; und wenn Faust auf den Vertrag mit dem Teufel einging, um die Jugend von neuem zu erleben, so bietet sie, nichts verlockendes für den Juden, der keine frohe schöne Jugend kannte, auch längst keinen Sinn mehr für sie hat. unverrichteter Dinge steigt der Teufel wieder hinunter . . , * Frischmann wurde im Jahre 1863 in einer kleinen Ort• schaff bei Lodz (Polen) geboren, erwarb sich das traditionelle hebräische Wissen zu Hause und ging nach Deutschland zur Selbstbildung, ließ sich dann in Warschau dauernd als freiet hebräischer Schriftsteller nieder. Er war Redakteur der Zeitschrift ״Haaor“ und später der bekannten Vierteljahrschrift ״Hatckufa“; er starb in Berlin am 15. August 1922. i-j ..."י . . /