Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652939--19337-2677202- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 478 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 80, 19. VIII. 1927 Dem Wachstum tier Arbeitslosigkeit folgte ein Sinken der Löhne. Diese Entwicklung der Arbeitslosigkeit, die Schwächung der Kaufkraft der Bevölkerung, das Uebergreifen der Arbeitslosigkeit auf den Handwerkerstand, das Hereinzichen weiterer Kreise des Mittelstandes in die Depression, die Verschlechterung def Lage unserer Wirtschafts- und Finanzinstitute, die durch all dies herbeigeführte Schwächung der Aktionsfähigkeit der Gemeinden, insbesondere der Gemeinde Tel-Awiw, haben die Möglichkeit einer Selbsthilfe des jüdischen Jischuw eingeschränkt. Es war auch nicht möglich, ohne größere nationale Mittel zur Verfügung zu stellen, eine solche Zahl Arbeitsloser zu beschattigen, die die Arbeitslosigkeit beeinflußt und ihre Beherrschung sichergcstellt hätten. Die Bekämpfung der Arbeitslosigkeit. 1. Das größte Reservoir, das zur Aufnahme jüdischer Arbeiter in Frage kam, sind — wie aus der vorstehenden Dar- Stellung ersichtlich — die jüdischen Kolonien. Das Vertrauen zur Zukunft der Pflanzungen hat zugenommen, und dies führt zu einer schnellen Entfaltung dieses Wirtschaftszweiges. Das Arbeitsdepartement hielt es für notwendig, die Frage zu prüfen, inwieweit und unter welchen Bedingungen eine Ueberfülirung geeigneter Familien des Mittelstandes in die Kolonien zu verwirklichen sei. Es berief daher im November 1926 eine Kornrnission, bestehend aus Sachverständigen und Vertretern der verschiedenen für die Durchführung dieses Gedankens in Frage kommenden Kreise ein, um die Möglichkeiten zu erörtern und einen Plan auszuarbeiten. Die Ergebnisse der Arbeit dieser Kommission haben "bereits gewisse Aktionen in interessierten Kreisen zur Folge gehabt. 2. Hand in Hand mit der eigenen Tätigkeit gingen Benüihungen, die Mitwirkung der Regierung bei der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit zu gewinnen. Die wiederholten Schritte der Exekutive führten jedoch erst im Winter des letzten Jahres zu Ergebnissen. Es muß leider festgestellt werden, daß die Tätigkeit der Regierung, die hauptsächlich darin besteht, Arbeiten, die ohnehin im Gesamtprogramm der Regierungsarbeiten vorgesehen waren, zeitiger zur Ausführung zu bringen, für uns keine solche Entlastung bedeutete, daß sie uns von der Notwendigkeit eigener Aktionen entbunden hätte. 3. Angesichts der Unmöglichkeit, Arbeitslose in wachsender Zahl und in schnellem Tempo mit ständiger Beschäftigung zu versehen, arbeitete das Arbeitsdepartement ein umfangreiches Programm öffentlicher Arbeiten aus. Oeffentliche Arbeiten. Es war das Bestreben des Arbeitsdepartements, seine Anleihen möglichst für solche Zwecke zu verwenden, die außer der Beschäftigung einer ausreichenden Anzahl von Arbeitslosen zur weiteren Entwicklung unserer städtischen und ländlichen Siedlungen beitrugen. Uebef die wichtigsten Arbeiten sei im folgenden berichtet: a) Tel-Awiw. Die Stadtverwaltung Tel-Awiw erhielt in den Jahren 5666 und 5687 Anleihen zum Straßenbau in Höhe von £E 29 000. £E 4000 wurden zur Durchführung von Kanalisationsarbeitcn gewährt. An diesen Arbeiten beteiligte sich auch die Stadtverwaltung aus eigenen Mitteln. Das Arbeitsdepartement gab ferner Anleihen zum Bau der Tachkemonischule des Misrachi (£E 388), des Gebäudes für die Gnessinsehe Schauspieltruppe (£E 600) und des Altersheims (£E 1500). Auch die Gartenvorstädte Ramath Gan und Schchunath Borochow erhielten Anleihen von £E 1500 und £E 100, um Straßenarbeiten zum Anschluß der Vorstädte an die Hauptstraße und zu ihrem inneren Ausbau vornehmen zu können. b) Haifa. In dieser Stadt verlangten die neuangelegten jüdischen Stadtviertel auf und an dem Karmel Verbindung an die Hauptwege und ein inneres Straßennetz. Die Gewährung von Anleihen zum Straßenbau gab der Baubewegung in diesen Stadtteilen einen Antrieb und trug auf diese Weise zu ihrer Fundierung und Ausbreitung bei. Besondere Wichtigkeit kam, den Arbeiten in der Haifa-Bay zu. Die Haifa-Bay Development Company, deren größter Kapitalinhaber die American Zion Commonwealth ist, erhielt Anleihen im Betrage von £E 13 000 zur Durchführung der Entsumpfungsarbeiten im Djedrobezirk. c) Jerusalem. Hier wurden Darlehen zum Straßenbau in den neuen jüdischen Stadtvierteln Talpioth und Beth Hakerem, dann weiter für die Neuanlage der Vorstädte Bajifh Wegan und Schchunath Montefiore gegeben. Die Palestine Land Development Company erhielt für Straßen- und Kanalisationsarbeiten in dem neu anzulegenden Geschäftszentrum Jerusalems einen Kredit von £E 2100. d) Afuleh. Hier kam es nicht in Frage, bereits größere Straßenarbeiten zu unternehmen. Auch schien es empfehlenswert, überhaupt die Arbeiterzahl in dieser Stadt zu verringern. 125 Arbeitslose von Afuleh wurden zu den Entsumpfungsarbeiten in die Haifa Bay überführt. c)Tiber1as. Die Gesellschaft Achusath Bajith erhielt zwecks Straßenbau in dem von ihr errichteten neuen Stadtviertel Kirjath Schmuei eine Anleihe von £E 500. Bei dieser Arbeit fanden 60 Arbeitslose Beschäftigung. f) In den Kolonien konnten und mußten naturgemäß unsere Mittel für öffentliche Arbeiten zur Beschäftigung von Arbeitslosen nur in bescheidenerem Umfang investiert werden. Die Kolonien Jawniel und Beth Gan erhielten eine weitere Anleihe von £E 750 zur Herstellung der Verbindungsstraße zwisehen beiden Kolonien. Rischon-le-Zion erhielt vom Arbeitsdepartement £E 280 außer einer Anleihe des Immigrationsdepartements in Höhe von £E 250 als Darlehen für den Bau von Straßen innerhalb der Kolonie. Insgesamt wurden für öffentliche Arbeiten Anleihen gewährt: im Jahre 5686 CE 667, im ersten Halbjahr 5687 £E 48 958. Auf Rechnung der Anleihen des Jahres 5687 wurden bisher £E 26825 gezahlt. Hilfsarbeiten an Stelle von Unterstützungen. Da es mit den dem Arbeitsdepartement zur Verfügung stehenden Mitteln nicht möglich war, genügend Arbeitslose durch reguläre Arbeiten zu beschäftigen, wurde im Winter 1926 beschlossen, eine Reihe einfacher Arbeiten durchzuführen, um Arbeitslosen auch nur 1 bis 2 Tage in der Woche Arbeit zu geben. Hierfür waren besonders einfache Erdarbeiten geeignet. Im Rahmen dieser Arbeiten wurde die Applanierung von Straßen in Tel-Awiw, die Vorbereitung von Pflanzungs- und Bauplätzen in Ramath Gan, der Neubau des Beth Am in Tei-Awiw und andere Arbeiten durchgeführt. Durchschnittlich wurden mit solchen Arbeiten im Frühjahr 1927 wöchentlich in Tel-Awiw 500 bis 600, in Haifa 100 Arbeitslose beschäftigt. Arbeitslosenunterstützung, Das Arbeitsdepartement suchte in erster Linie konstruktive Methoden zur Beschäftigung der Arbeitslosen, und obgleich eine ständige Verschlechterung der Lage der Unbeschäftigten zu verzeichnen war, lehnte es lange Zeit die Forderung nach Aus- Zahlung von Unterstützungen ab. Erst das Anwachsen der Arbeitslosigkeit im Sommer 1926 führte zu einer Systematisierung der Arbeitslosenunterstützung. Die Auszahlung erfolgte in Jerusalem, Tel-Awiw, Haifa und Afuleh durch die Allgemeine Arbeiterorganisation, in Jerusalem, Tel-Awiw und Haifa, außerdem durch den Hapoel Hamisrachi, in Tel-Awiw endlich auch durch die Jemenitenvereinigung. Ein im Herbst des vorigen Jahres ausgearbeitetes Reglement bestimmte, daß die Unter- Stützung an solche Arbeitslose ausgezahlt wird, die nicht weniger als 2 Monate vollständig arbeitslos sind. Als Unterstützungssätze wurden bestimmt: Wöchentlich 25 Piaster für den Unverheirateten מ 30 35 י* מ ״ Verheirateten ohne Kinder * ״ mit 1 Kind und so um & Piaster pro Familienmitglied steigend bis zum Höchstsatz von wöchentlich 50 Piastern. Der gesamte für Arbeitslosenunterstützungen in den ersten 9 Monaten 5687 ausgegebene Betrag beläuft sich auf £E 54 205 für rund 5000 Unterstützungsempfänger. Im Frühjahr 1927 wurde Instruktion erteilt, keine weiteren Arbeitslosen in die Listen einzutragen. Dagegen beteiligte sich das Arbeitsdepartement auch mit gewissen Summen an der Unterstütznngstätigkeit des Stadtrats von Tel-Awiw und bei sonstiger Mittelstandshilfe. ln letzter Zeit begann die Zionistische Exekutive Unter- Stützungen in Jerusalem und Haifa durch ihren eigenen Apparat auszuzahlen. Das Arbeitsdepartement suchte und sucht ständig nach Möglichkeiten die Auszahlung von Unterstützungen einzustellen. In der Erkenntnis, daß diese Auszahlungen ebenso sehr zu einem körperlichen wie zu einem moralischen Niedergang des Unterstützungsempfängers führen, und daß ständige Arbeitslosigkeit und ein Leben von minimalen Unterstützungen die Arbeitsfähigkeit und Fachkenntnis der Arbeiter aufs schwerste schädigen muß, und aus manchen anderen Gründen hat das Departement bei verschiedenen Gelegenheiten umfassende Pläne für solche Arbeiten ausgearbeitet, die eine gänzlich oder teilweise Beendigung der Unterstützungsgewährung möglich machen konnten. Gleich zu Beginn des Jahres 5687 entwickelte das Arbeitsdepartement einen umfassenden Plan zur Beschäftigung der Arbeitslosen in wichtigen kolonisatorischen Arbeiten. Der 1m Oktober 1926 unter dem Vorsitz von Sir Herbert Samuel in London tagenden Palästina-Wirtschaftskonferenz wurde ein weiterer Plan unterbreitet. Andererseits überreichte auch die Allg. Arbeiterorganisation ein den Plänen des Arbeitsdepartements im allgemeinen entsprechendes Projekt, und in Uebereinstimmung mit dem von der Allg. Arbeiterorganisation geschaffenen Merkas Haawodah wurde festgestellf, daß bei Ausführung dieses Programms die Auszahlung der Arbeitslosenunterstützungen in Jerusalem, Haifa und Afuleh gänzlich eingestellt werden soll. — Es handelt sich hierbei um Arbeiten im Umfang von etw׳a £E 135 000, an denen unsere Beteiligung im Umfang von etwa £E 80 000 vorgesehen war. Dieser Plan wurde von der Exekutive und vom Aktions-Comite bestätigt. Bis zum Abschluß dieses Berichtes war es aber noch nicht möglich, die Ausführung des Planes sicherzustellen. Rntenbergs großes Jordan-Stauwerk Jerusalem, 14. August. (J. T. A.) Die Vorarbeiten für das große Jordan-Stauwerk der Palestine Electric Corporation haben bereits begonnen. 65 Arbeiter sind gegenwärtig bei diesem Werk beschäftigt. Rutenberg sprach die Hoffnung aus, daß am Jordanwerk gegen Ende dieses Jahres etwa 1000 bis 1500 Arbeiter beschäftigt sein werden. Kleine Nachrichten Der bekannte Schriftsteller Mosche Smilansky, Kolonist in Rechoboth, erlitt bei Rischon le Zion einen Automobilunfall und wurde schwer verletzt, insbesondere am rechten Auge. Er mußte sich einer Operation unterziehen. Smilansky, der ein hervorragender landwirtschaftlicher Sachverständiger ist, war auf der Liste der ״Bürgerlichen Vereinigung“ als Kongreßdelegierter gewählt. Paris, 15. August. (J. T. A.) Das heute, den 15. August, in Kraft getretene «Gesetz beteeJfead-Natwaüsation von Fremden hat große Bedeutung auch für die jüdischen Einwanderer in Frankreich. Das Gesetz wird etwa 100 000 Ausländern, die ihren ständigen Wohnsitz in Frankreich haben, Gelegenheit geben, die französische Staatsbürgerschaft zu erlangen. Unter diesen 100 000 Fremden befinden sich viele Tausende eingewanderte Juden. Nach dem neuen Gesetz hat ein Ausländer, der mindestens 3 Jahre ständig in Frankreich gewohnt hat, das Recht auf Naturalisation. Nach längerer Unterbrechung wurden in der letzten Juliwoche die Bauarbeiten an der Errichtung des Gebäudes für die Hebräische Universitäts- und Nationalbibliothek und für die physikalisch - mathematische Fakultät wieder aufgenommen. Bei den Schachtarbeiten für die Legung der Fundamente der beiden genannten Gebäude sind etwa 70 Arbeiter beschäftigt. Am 12. August ist der Generalsekretär des Hilfsvereins der deutschen Juden, Dr. Mark Wischnitzer, in Moskau eingetroffen, ln einem Gespräch mit dem J. T. A.•Vertreter sagte Dr. Wischnitzer, er werde die jüdischen Kolonien in den Kreisen Cherson, Kriwojrog, Schlochaw, Odessa und der Krim besuchen, um festzustellen, was der Hilfsverein für die Kolonisten auf dem Gebiete der Kulturtätigkeit und der medizinischen Fürsorge leisten könne. Im Laufe des Monats Thamus (Juli) wurden in Tel-Awiw 109 Personen auf Grund des palästinensischen Staatsbürgerschaftsgesetzes eingebürgert. Unter ihnen befinden sich 27 Handwerker, 15 Kaufleute, 18 Landwirte, 16 Angehörige freier Berufe, 11 Arbeiter. Den Rest bilden Beamte, Lehrer und Schüler. (Ziko.) Im Verlage der Buchdruckerei J. Dreyfus in Gebweiler (Ober-Elsaß) wird demnächst eine Vierteljahrsschrift ״SouveniretScience“ erscheinen, die der Geschichte und Volkskünde der Israeliten im Elsaß und in Lothringen gewidmet ist. Die Redaktion führt Dr. M. Ginsburger, Bibliothekar an der Universitätsbibliothek zu Straßburg. Die Regierung von Syrien hat Herrn Joseph Farchi als Vertreter der religiösen Minderheiten zum Mitglied des Stadtrats von Beirut ernannt. In Ostrog (Wolhynien) ist ein jüdischer Bürgermeister (Herr Karl Frankel) gewählt worden. Weltkonlerenz des ״Hechaluz“ in Danzig Unmittelbar nach dem in Basel stattfindenden Zionistenkongreß wird in Danzig am 14., 15. und 16. September eine Konferenz der Weltorganisation ״Hechaluz“ abgehalten werden. Angesagt haben sich Vertreter aus elf Ländern, die 20 000 organisierte Mitglieder repräsentieren. Die allgemeine Arbeiterorganisation in Palästina wird Vertreter entsenden. Warschau, 11. August. (J.T.A.) Das Hauptbüro der Weltorganisation ״Hechaluz“ hat beschlossen, von dem 15. Zionistenkongreß zu fordern, daß dem ״Hechaluz“ 1800 Palästina- Einreisezertifikate für das kommende Jahr für Chaluzim aus Rußland, Polen, Litauen, Rumänien, Galizien, Deutschland, Tschechoslowakei, Oesterreich und Lettland zur Verfügung gestellt werden. In allen diesen Ländern gibt es vollkommen qualifizierte Chaluzim, die die Zahl von 1800 weit übersteigen und mit Ungeduld auf die Erneuerung der Chaluzim-Alijah warten. Tn erster Reihe werden die in Rußland verbannten Chaluzim, denen die Reise nach Palästina freisteht, bei der Zuteilung der Palästina-Zertifikate berücksichtigt werden. Literarische Nachrichten Das gesprochene Arabisch (E. N. Haddad & W. F. Albright: ״The Spoken Arabic of Palestine for Use in Beginners’ Classes“, Jerusalem, B. Y. & W. A. Said, 1927.) Die Erlernung der arabischen Sprache ist dadurch bedeutend erschwert, daß der Anfänger sich sofort nicht einer, sondern zwei Sprachen gegenübergestellt findet, dem klassischen Arabisch, das die Sprache der Bücher ist und dem davon erheblich verschieden gesprochenen Vulgär-Arabisch. Die Erlernung des letzteren, das vom praktischen Gesichtspunkt aus das wichtigere ist, ist nun noch dadurch besonders erschwert, daß die von europäischen Gelehrten verfaßten Lehrbücher für diesen Dialekt nicht das arabische, sondern das lateinische Alphabet benützen, da sie es gewissermaßen für eine Entweihung des arabischen Alphabets halten, mit seinen Zeichen Formen zu schreiben, welche dialektisch, also nicht grammatikalisch sind. Das Erlernen einer Sprache in einem fremden Alphabet ist aber fast eine Unmöglichkeit, da das Alphabet eben der Sprache angepaßt ist, für die es von vornherein bestimmt war. Um diesem Uebelstand abzuhelfcn, haben zwei Jerusalemer Forscher sich zusammengetan und ein neues Lehrbuch des gesprochenen palästinensischen Arabisch mit arabischen Zeichen geschrieben : E. N. Haddad, der Leiter der Schule des syrischen Waisenhauses in Jerusalem, der beste, ja vielleicht der einzige Pädagoge unter den arabischen Sprachlehrern Jerusalems, und W. F. Albright, der Leiter der American School of Oriental Research, der auch in jüdischen Kreisen durch seine vorzügliche Kenntnis des Hebräischen (er hielt seinerzeit die hebräische Gedenkrede auf Ben Jehuda) sehr bekannt ist. Dieser Zusammenarbeit eines Pädagogen und eines Orientalisten ist ein sehr gut brauchbares Lehrbuch entsprungen, das aus einem Lesebuch, einem Konversationsbuch und einem grammatischen Teil besteht. Die grammatischen Regeln sind in einem sehr einfachen Englisch gegeben. Das Buch sei allen, die Arabisch lernen wollen, bestens empfohlen. b. Nachtrag: Das Buch erschien soeben auch deutsch unter dem Titel: ״Arabisch, wie es in Palästina gesprochen wird“. John Galsworthy, der englische Dichter, der dieser Tage seinen 60. Geburtstag begeht, ist in Deutschland in den letzten Jahren schnell berühmt geworden. Sein größter Theatererfolg war das Judenstück ״Gesellschaft“, in welchem er an dem Schicksal eines sein Recht unnachsichtlich verlangenden Juden die Verlogenheit der hohem Gesellschaft, die gegenüber dem Außenstehenden unter allen Bedingungen Zusammenhalt, demonstriert. Das Stück beweist, daß Galsworthy Verständnis tür die Judenfrage hat, insbesondere für ihre persönliche und psychologische Seite. Er versteht, was es heißt, wenn Menschen in einer Atmosphäre sozialer Geringschätzung und in der Fiction einer von ihnen ersehnten, aber nie voll gewährten Gleichberechtigung leben müssen. Soziale Probleme, Entlarvung verlogener Konvention, Erkenntnis des Menschlichen, sind überhaupt charakteristisch für Galsworthys Kunst. Und dazu ist er ein Dichter von poetischer Begnadung. Seine Romane sind, wie kaum andere Werke moderner Literatur geeignet, uns Englands Seele, englische Kultur und Menschen wirklich zu erschließen. Die ״Forsytes“ sind heute schon als klassische Gestalten des modernen Bewußtseins anzusprechen. Viele von uns, die England kennenlernen wollen, werden aus Galsworthys Roinanen mehr erfahren, als aus vielen theoretischen Beschreibungen. Von jüdischem Interesse ist auch der Umstand, daß Galsworthys Uebersetzer und Vorkämpfer in Deutschland, der bereits von dem Dichter schwärmte, als man seinen Namen in DmrtsehlMcHiaum kannte, L e o n Se ha 1 i t ist (ein Bruder von Dr. Isidor Schalit in Wien). Seine ausgezeichnete Uebersetzung hat nicht wenig dazu beigetragen, den Büchern (Forsyte-Saga, Der weiße Affe, Der Patrizier, Die dunkle Blume, Der silberne Löffel u. a.), die sämtlich im Verlag Paul Zsolnay in Wien erschienen sind, zu ihrem ungewöhnlichen Erfolg zu verhelfen. —0. Ueber das in Frankfurt mit großem Erfolg aufgeführte Drama ״Kolonne Hund“ von Friedrich Wolf brachte das ״Jüdische Wochenblatt“ in Frankfurt eine Kritik im Leitartikel. Darauf erhielt Dr. Ernst Simon einen Briet des Autors, dem wir nachstehendes entnehmen: Sie haben zwar recht, daß ich bei ״Kolonne Hund“ bewußt an Tel-Awiw und die Kolonien am Kischon dachte. Die Siedlerzeit und meine Erlebnisse in den Moorkolonien der Marsch und Haide lieferten den groben Baustoff. Im Vorderbogen wird aber auch mein palästinensisches Blut ein Wörtlein dabei mitgeredet haben. Während meiner Siedlerarbeit im Moor habe ich immer mit Stolz meine Herkunft von dem Volke betont, das ״den Spaten in der Hand, das Schwert an der Seite“, einst seine Stadt neuaufbaute. So verstehen Sie auch mein ״Heldenepos des Alten Bundes“, das ich nach dem Erfolg meines Schwabendramas ״Der arme Konrad“, um Irrtümern vorzubeugen, gerade in den Tagen der Stahlhelmfreudigkeit herausbrachte. Herr Adolf Bartels hat es denn auch verstanden; leider aber die Enkel Makkabi’s nicht. Dort hat es niemand auch nur beachtet, zu meinem aufrichtigen Schmerz. Um so freudiger war ich überrascht, von dieser Seite einmal eine Zustimmung zu erhalten, zumal zu einer so freimütigen Würdigung eines ״Kommunistendramas“ an solcher Stelle ein gewisser Mut gehört. Ich habe gefunden, je mehr wir uns anderwärts anschmeißen und vom Aufgehen des Juden in der deutsehen Volksgemeinschaft u. ä. reden, um so windiger ist es bestellt. Seien wir, was wir sind: gute Makkabäer, keine Liebediener, ־— Kämpfer um das Reich der Gerechtigkeit dieser Welt — mehr können wir nicht sein! Mit bestem Gruß Ihr Dr. Friedrich Wolf. ״Zionistische Politik“. Unter diesem Titel erscheint in den nächsten Tagen im Verlag Dr. R. Färber, Mährisch- Ostrau, Tschechoslowakei, eine Sammlung von Aufsätzen von Hans K 0 h n und Robert W e 11 s c h. Das Buch behandelt prinzipielle zionistische Fragen, insbesondere die Frage des jüdischen Nationalismus und der zionistischen Zielsetzung, zum Teil ausgehend von verschiedenen Ereignissen der letzten sieben Jahre, in dem Bestreben, eine einheitliche zionistische Grundauffassung zur Geltung zu bringen, die in der gegenwärtigen Desorientierung des zionistischen Bewußtseins zu einer Besinnung auf den geistigen und sittliehen Grundcharakter der zionistischen Bewegung und ihre unvergänglichen Werte beiträgt. Die Autoren verbinden mit einer eindeutigen Bejahung des Nationalismus als sittlicher und kulturell schöpferischer Macht eine Ablehnung der auf Demonstration und Selbstgerechtigkeit sowie eigene Macht- Steigerung abzielenden Aeußerungsformen des europäischen politischen Nationalismus. Unter diesem Gesichtspunkt werden auch die Probleme der zionistischen Politik befrachtet. Aus dem Inhalt seien erwähnt die Aufsätze: ״Der Eintritt des Judentums in die europäische Kultur“, ״Moses Heß“, ״Achad Haam“, Aufsätze über Liberalismus, über zionistische Ideologie sowie eine ganze Reihe von Aufsätzen zur praktischen Politik des Zionismus, der Araberfrage und der Frage der künftigen Staatsform Palästinas. Die Mehrzahl der veröffentlichten Stücke erschien in den Jahren 1920—26 in der ״Jüd. Rundschau“. M »