Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 66 (19.8.1927)
- Date
- 1927-08-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 66, Ü.Vffl. 1027 JÜED1SCHE RONDSCR'A’Ü Seite 47S Institute zu geben sein. Außerdem wäre zu prüfen: in welchem Umfange ansteckende Krankheiten vorherrschen und inwieweit hierin eine Besserung eingetreten ist. Zu prüfen ist ferner die Frage, ob die Milch- und Wasserversorgung ausreichend ist und welche Möglichkeiten einer öffentlichen Qesundheitserziehungsmaßnahme hinsichtlich der Entwicklung der persönlichen und öffentlichen Hygiene bestehen. Auch die Frage der Oründung ausreichender Institute für Säuglings• und Kinderhygiene, sowie anderer Methoden der sanitären Kontrolle, sowie schließlich die Frage des Kloakensystems sind zu prüfen. VH. Buchführung, Bücherrevision und Budget. Es soll von kompetenten Bücherrevisoren eine •usführliehe Prüfung aller vorhandenen Aufstellungen vorgenommen werden (samt darauffolgender Berichterstattung), um die Einnahmequellen und Ausgaben festzustellen, die während der letzten zehn Jahre im Rahmen der verschiedenen offizielten jüdischen Betätigungen in und für Palästina gemacht worden sind, sowie auch über die Organisation, die Verwaltungs- und Leitungsmethoden, sowie die Aktiva und Passiva. Es soll auch ein Budget ausgearbeitet werden, das soweit als möglich die Ausgaben bezeichnen soll, die normalerweise nötig sein werden, um ein Arbeitsprogramm, wie es von der Kommission als Ergebnis ihrer Untersuchung für nötig und durchführbar bezeichnet wird, durchführen zu können. Die obige Aufzählung der Gegenstände, die zu untersuchen sind; und die unter den verschiedenen Kapiteln aufgezählten einzelnen Punkte, ist nicht als erschöpfend zu bctrachten, sondern kann von Zeit zu Zeit ergänzt und ab* geändert werden. Weitere Wahlresultate K o w n 0, 15. August. (J. T. A.) ln L 11 a u e n wurden bei den Wahlen von Delegierten zum XV. Zionistenkongreß 3792 gültige Stimmen abgegeben. Davon entfielen auf die Liste der Allgemeinen Zionisten 1068, auf die der Hitachduth 860, auf die der Zionisten-Sozialisten (vereinigt mit Poale Zion) 809״ auf die des Misrachi 601, auf die der Revisionisten 454 Stimmen. All - femeine Zionisten, Hitachduth, Zionistenozialisten und Misrachi erhielten je ein Mandat, die Revisionisten keines. Riga, 14. August. (J.T. A.) In Lettland wurden als Delegierte zum XV. Zionistenkongreß ein Revisionist und ein Vertreter der Hitachdut h gewählt. Der Revisionist erhielt die Mehrheit aller abgegebenen Stimmen. Bukarest, 15. August. (J. T. A.) Die in Altrumänien durchgeführten Wahlen zum 15. Zionistenkongreß ergaben das folgende Resultat: Das Zionistische Zentrum erhielt 1560 Stimmen und 3 Mandate (Adolf Bernard, Dr. Niemirower, Horia Karp), die Radikale Gruppe Renasterea erhielt 954 Stimmen und 2 Mandate (Dr. M. S i n g e r, Dr. S. Stern), die Revisionisten erhielten 536 Stimmen und 1 Mandat (W. Jabotinsky), Hitachduth erhielt 518 Stirnmen und 1 Mandat (J. S k w I r s k i), Vom Weltverband Poale Zion wird mitgeteilt: Schon auf Grund der teilweisen Wahlresultate kann festgestellt werden, daß die Poale Zion einen bedeutenden Wahlerfolg errungen haben. Auf dem XIV. Kongreß hatte die sozialistische Fraktion 15 gewählte Delegierte, gegenwärtig verfügt die Fraktion bereits über 22 Mandate; es fehlen noch die Wahlresultate aus einer Reihe kleinerer Linder. Aus den Reststimmen der größeren Länder und den Gesamtstimmen der kleineren Länder dürfte die Poale Zion noch ein bis zwei Mandate durch die Weltliste erreichen. Dazu kommen■■ die vier Mitglieder des Aktidnskomitees, die bekanntlich im Kongreß Sitz und Stimme haben. Die Fraktion wird also mindestens 26 bis 28 Mitglieder zählen. Am 23. August wird in Basel eine Verbandskonferen z des Weltverbandes Poale Zion eröffnet. An der Konferenz werden Delegierte aus Palästina, Amerika, Argentinien, Polen, Litauen, Deutschland, Oesterreich, England und anderen Ländern teilnehmen. Mlsrachlsten! Das Kennzeichen der Wahlen zum XV. Kongreß in Deutschland und manchen anderen Ländern ist der vielen unerwartete Erfolg des Misrachi. Die Tatsache, daß sich uns immer mehr Sympathien zuwenden, erfüllt uns mit Freude. Sie beweist uns, daß wir unserer Idee und dem Zionismus ln rechter Weise dienen. Mehr als zur F reu d e ruft das Wahlergebnis zur Pf licht auf! Es gilt unsere Idee rein zu erhalten und zu vertiefen, es gilt diese Idee in weite Kreise zu tragen, neue Menschen zu gewinnen, es gilt unsere Organisation zu stärken und namentlich unsere immer mehr anwachsende Jugendbewegung zu fördern. Wir müssen in der misrachistischen Weltorgan i s a t i o n unseren Einfluß in erhöhtem Maße geltend machen und unsere besonderen Forderungen durchzusetzen suchen. In der Zionistischen Vereinigung für Deutschland wie überhaupt ln der Gesamtbewegung muß unsere Mitarbeit intensiviert werden, materiell durch größtmöglichste Förderung aller zionistischen Fonds, ideell durch wachsende Einflußnahme zu unseren religiös-kulturellen Zielen hin. Der Orthodoxie gegenüber muß das Erstarken des Misrachi zum Ausgangspunkt einer zielbewußten Propaganda gemacht werden, die zu zeigen hat, daß nur eine mit der Renaissance des jüdischen Landes verbundene Bewegung die Renaissance der jüdischen Lehre vollbringen kann. Freunde! Helft uns mit allen Kräften des Geistes und mit allen materiellen Mitteln zur Verwirklichung dieses Hochzieles. Ein Jeder gebe sein Bestes mit dem stolzen Gefühl, daß er beiträgt zum Aufbau eines echt jüdischen Lebens in Palästina. Das Zentralbüro des deutschen Misrachi. I. A.: Dr. Wolfsberg. Sacco und Vanzetti Der Stadfrat von Tel-Awiw hat eine Protestresolution gegen das Todesurteil von Sacco und Vanzetti angenommen und das Wiederaufnahmeverfahren verlangt. Auch die palästinensische Arbeiterorganisation (Hlstadruth Owdim) hat an Gouverneur Füller ein Telegramm mit der Forderung gesandt, das Urteil gegen Sacco und Vanzetti aufzuheben. Der bekannte französische Zionist, Rechtsanwalt Ferdinand Corcos hat Dr. Welzmann telegraphisch gebeten, er möge an Justice Brand eis die dringende Bitte der französischen Zionisten weltergeben, daß er sich für die Befreiung von Sacco und Vanzetti einsetze. Die Täflgkeit des Arheiis - Departements Die Zionistische Exekutive stellt uns einen Auszug aus dem (soeben bereits in Broschürenform erschienenen) Bericht des Arbetts-Departements an den XV. Kongreß mit der Bitte um Abdruck zur Verfügung. Wir entnehmen dem Auszug folgende interessante Abschnitte! Die reguläre Tätigkeit des Arbeitsdepartements. In den verflossenen zwei Jahren trat der enge Zusammenhang zwischen der regulären konstruktiven Tätigkeit des Arbeitsdepartements mit den Fragen der Arbeitslosigkeit be* sonders deutlich in Erscheinung. Im folgenden werden die wichtigsten Tätigkeitsgebiete des Arbeitsdepartements während der letzten zwei Jahre dargestellt werden: 1. Die Arbeit in den Kolonien. In dem Bestreben, dem jüdischen Arbeiter bei seinem Eindringen in die landwirtschaftliche Arbeit, und zwar hauptsächlich in den Pflanzungskolonien, zur Seite zu stehen, wandte das Arbeitsdepartement der Förderung der jüdischen Arbeit in den Kolonien die größte Aufmerksamkeit zu. Die Parole ״Eroberung der Arbeit“ führte in den letzten Jahren zu einer ständigen Vergrößerung der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien, insbesondere in den Pflanzungskolonien Judäas und Samarias. Die Zahl der jüdisehen Arbeiter in diesen Kolonien betrug Im Oktober 1924 1000 2500 1925 ״ ״ 5000 1926 ״ ״ ״ März 1927 5200 Von diesen Arbeitern sind etwa 60 «,0 landwirtschaftlich beschäftigt; 30 0;״ sind Arbeiterinnen. Die Vermehrung der Zahl der jüdischen Arbeiter in den Kolonien ist wesentlich ihrem Zusammenschluß in Gruppen (Kibbuzim) zu danken. Die schwierigen Existenzbedingungen in der Kolonie, insbesondere das Durchhalten während der Zeit der Arbeitslosigkeit im Sommer treffen den einzelnen Arbeiter naturgemäß härter als die Gruppe. Diese verbilligt die Lebenshaltung durch die Anlage eines gemelnsamen Lagers und gemeinsamer Hauswirtschaft. Die Gruppe richtet Hilfswirtschaften, Gemüsegärten, Kuhstall, Hühnerhof u. dgl. ein. Sic entläßt ihre Mitglieder auch in Zeiten teilweiser Arbeitslosigkeit nicht. Sie erlangt leichter Arbeiten größeren Umfangs. Die Tendenz zur Gruppenorganisation nimmt daher zu, und heute sind 40*0 der Koloniearbeiter in Kibbuzim organisiert. Das Arbeitsdepartement hat es sich zur Aufgabe gemacht, die Situation des jüdischen Arbeiters in den Kolonien zunächst durch Gewährung von Darlehen für die Beschaffung von Wohnungen — zuerst Zelte, sodann Baracken, neuerdings auch mancherorts schon Häuserbau —, ferner von Hausinventar, Arbeitsgerät und weiter von Arbeitsvieh zu erleichtern. Hierzu tritt die Tätigkeit des Departements für landwirtschaftliche Kolonisatioti, die hauptsächlich der Errichtung von Hilfswirtschaften der erwähnten Art gewidmet ist. Die größte Schwierigkeit, der das Arbeitsdepartement bei seiner Tätigkeit begegnete, war der Mangel an Boden zur Anlegung von Lagern und Hilfswirtschaften der Gruppen wie der Einzelarbeiter. Hierzu gesellte sich das Problem der Wasserversorgung auch auf den gepachteten Böden. Die Schwierigkeiten, auf die die kleineren kapitalschwachen Arbeitergruppen bei der Uebernahme größerer Pflanzungsarbeiten stoßen, veranlaßte die Landarbeiterorganisation zur Gründung eines Unternehmeramtes ״Hamisrad Hakab- 1 a n i leawodoth chaklajoth“. Das Arbeitsdepartement stellte einen Posten von £ 3000 als Betriebskapital für den Misrad Hakablam ein, der erst zu «Htfem geringen Teil ausgezahlt werden konnte. Der Misrad Hakablani wurde im Oktober 1925 begründet und übernahm bereits im ersten Halbjahr seiner Be- Stehens Arbeiten im Umfang von £E 9650. 2. Arbeitsbeschaffung für Arbeiterinnen. Bereits im Jahre 5685 gab das Aroeitsdepartement Anleihen im Umfang von etwa £E 1000 zur Unterbringung von Arbeiterinnen in landwirtschaftlicher Arbeit und zur Vermittlung von Beschäftigung in den Städten. Die Möglichkeiten, angemessene Arbeit zu finden, die die einwandemde Chaluzah in Palästina trifft, sind eingeschränkter und schwieriger als bei dem jüdisehen Arbeiter im allgemeinen. So kam es, daß auch die Arbeitslosigkeit die Arbeiterinnen härter traf als die Arbeiter. Das Arbeitsdepartement bemühte sich, der Arbeiterin bei der Ueber- Windung dieser Schwierigkeiten zu helfen. Es gewährte in den beiden Jahren der Berichtszeit zur Berufsausbildung Darlehen an Einzelne im Betrage von £E 40. Es unterstützte die Bildung von Arbeiterinnen-Kooperativen, insbesondere von Wä- Seherinnen, Näherinnen, von Albeiterküchen usw. Der Ueberführung von Chaluzoth in die landwirtschaftliche Arbeit half das ArbeitsÖepartement durch Gewährung von Darlehen in Höhe von £E 1035 zur Einrichtung von Gemüsegärten und Beschäftigung von Arbeiterinnen bei Landarbeitergruppen in den Kolonien, sowie zur Einrichtung von Baumschulen. Im Mittelpunkt der Tätigkeit des Arbeitsdepartements auf diesem Gebiete stand im Jahre 5687 die Gründung und Entwicklung der Arbeiterinnen-Chawtiroth. Bisher sind 11 Chawuroth entstanden, und zwar sechs in den Städten und fünf in den Kolonien. Die Chawuroth konnten im allgemeinen ln ausreichendem Maße Boden langfristig pachten. Sie erhielten vom Arbeitsde^artemeni ein erstes Budget von durchschnittlich £E 375. 3. Handwerker. Zwei Momente haben bisher ei ne sy ematische Tätigkeit in den Handwerkerangelegenheiten erschwert. Einerseits ist die Situation des Handwerks im Lande noch keineswegs gründlich erforscht; es fehlt noch an einer statistischen Erfassung ihrer Zahl, Berufsverteilung und ihrer wirtschaWklmn Existenzfragen, besonders der Marktbedingungen. Andererseits erweist sich der Handwerkerstand als schwer organisierbar und zur eigenen Initiative und gegenseitigen Hilfe erziehbar. Die Zahl der Handwerker in Palästina kann auf etwa 4000 geschätzt werden. Hiervon befinden sich mehr als die Hälfte in Jaffa- Tel-Awiw, etwa 600 in Jerusalem, 400 in Haifa. Etwa 20% gehören dem Baugewerbe an, 15 0/0 sind Schneider, 15 n/n Schuhmachen Bisher war das wichtigste Institut der palästinensischen Handwerkerschaft die vom Merkas Baale Hamlacha in Tel-Awiw im Jahre 1923 gegründete Handwerkerbank (Bank Limlache). Die Bank ist ihrer Form nach eine Kreditkooperative mit etwa 800 Mitgliedern, darunter 660 Handwerkern, bas Kapital der Bank betrug am 1. Januar 1926 £E 6239, am 1. Januar 1927 £E 7199, hiervon aus Keren Hajessod-Mitteln £E 2000. Der Handwerkerverein in Haifa hat im Frühjahr dieses Jahres eine kooperative Anleihekasse gegründet, an deren Mitteln sich das Arbeitsdepartement mit dem Departement für städtische Kolonisation mit £E 250 beteiligt hat. Die Lage des Handwerkerstandes in Palästina hat sich in• den letzten zwei Jahren ständig verschlechtert. Die Tätigkeit des Arbeitsdepartements zur Erleichterung dieser schwierigen Lage wurde im allgemeinen gemeinsam mit dem Departement für städtische Kolonisation durchgeführt. Sie bestand in Förderung der Handwerker-Organisation und der Handwerker-Kooperativen, ln Kredithilfe und Arbeitsbeschaffung. 4. Berufsausbildung. Das Arbeitsdenartement sah es stets als seine Aufgabe an, Arbeiter, insbesondere neue Einwanderer und ungelernte Arbeiter auch in den Städten den für das Wirtschaftleben wichtigen Berufen zuzuführen und überhaupt der jüdischen Arbeit neue Berufe und hierdurch neue Positionen in der Landwirtschaft oder an neuen Siedlungsorten zu erschließen. Dies geschah in der Steinindustrie und Fischerei, Häufig bot sich auch Gelegenheit, Arbeiter oder Arbeiterinnen durch Gewährung von Darlehen in Höhe von £E 3 bis 5 zur Be- Schaffung von Arbeitsgerät oder als Unterhaltungsbeitrag während der ersten Monate ihrer Lehrzeit zu beschaffen. Das Arbeitsdepartement verausgabte für solche Darlehen in den Jahren 5686 und 5687 ungefähr je £E 1000. , 5. Kulturarbeit. Die Kulturtätigkeit der Arbeiterorganisationen hat mit der Vermehrung der Zahl der Arbeiter im Lande naturgemäß eine Erweiterung erfahren. Die Budgetierungen des Arbeitsdepartements im Jahre 5686 betrugen für die Kulturkommission (Waadath Hatarbuth) der Allgemeinen Arbeiter- Organisation £E 9600, für den Hapoel Hamisrachi £E 900. Im Jahre 5687 dagegen gestattete die allgemeine Lage, welche die Verwendung eines erheblichen Teiles des regulären Arbeitsbudgets für die Zwecke der Arbeitslosigkeit erzwang, nur geringere Zuweisungen für die Kulturarbeit, und es wurden zunächst im ersten Halbjahr 5687 für die Allgemeine Arbeiter- Organisation £E 4800, fiir den Hapoel Hamisrachi £E 450 und erstmalig auch ein geringerer Betrag für die KuHurtätigkeit unter den Jemeniten bestimmt. Von den Veranstaltungen der Kulturkommission der Allgemeinen Arbeiterorganisation im Jahre 1926 seien auf Grund des letzten Jahresberichtes der Kommission erwähnt: a) Abendkurse zur Verbreitung der hebräischen Sprache unter Erwachsenen in den Städten Jerusalem, Haifa und Tel-Awiw und in den Ko• lonien; b) Kulturtätigkeit unter der Arbeiterjugend: 2 Abendschulen in Tel-Awiw, 1 in Jerusalem; besondere Abendkurse in Haifa, Tiherias und mehreren Kolonien. Außerdem bestehen Arbciterjugeiiclklubs in 4 Städten und 7 Kolonien, c) Die 2 e ntralbibliothek enthält gegenwärtig 58 710 Bände. Die Bibliothek arbeitet in 84 Filialsteilen; es bestehen 49 Lesesäle, d) Die Kulturkommission veranstaltet ferner in den verschiedenen Arbeiterzentren wissenschaft'iche und literarische Vorträge und Fortbildungskurse. Die Kulturkommission des Hapoel Hamisrachi veranstaltet Kurse für Erwachsene in Jerusalem und Tel-Awiw, in Petach Tikwah, Sichron Jacob, Klar Saba, Rechowoth, Kinereth und Bne Brak. An den Kursen nehmen etwa 600 Mitglieder teil. Die Kulturkommission unterhält eine Zentralbibliothek für die Gruppen des Hapoel Hamisrachi. 6. Arbeitsgesetzgebung. Von gelegentlichen und unbedeutenden Ansätzen abgesehen gab es bis zu diese#! Jahre in Palästina keinerlei Arbeiterschutzgesetzgebung. Zwar besteht eine Verordnung über die Gesundheits-Inspektion in Fabriken und Bergwerken, jedoch hat die Regierung ihre Anwendung bisher nicht mit Nachdruck betrieben. Als Ergebnis zahlreicher Schritte der Exekutive und der Allgemeinen Arbeiterorganisation berief die Regierung im Jahre 1925 eine Kommission, in der sich auch Vertreter der jüdischen Bevölkerung befanden, zur Ausarbeitung angemessener Vorschläge auf dem Gebiet des Arbeiterschutzes ein. Jedoch wurde die Arbeit der Kommission vorzeitig abgebrochen und führte nicht zu nennenswerten Ergebnissen. Endlich veröffentlichte die Regierung am 1. November 1926 Gesetzentwürfe über ein Unfallentschädigungsgesetz für Arbeiter sowie über die Legalisierung der Aufstellung von Streikposten. Die Zionistische Exekutive legte der Regierung verschiedene Abänderungsvorschläge zum UnfaHentschädigun״sgesetz vor, die von einer aus Vertretern der Arbeitgeber und der Arbeitnehmer zusammengesetzten, vom Arbeitsdepartement herufenen Kommission beraten worden waren. Die Gesetze wurden am 11. und 12. Januar 1927 von der Regierung verkündet. Verschiedene der Abänderungsvorschläge sind berücksichtigt worden. Das Unfallcntschädigungsgesctz kann nur als ein erster Schritt der Arbeitsgesetzgebung in Palästina angesehen werden. Insbesondere ist es die Frage der Frauen- und Kinderarbeit, die einer dringenden Regelung bedarf. 7. Arbeits vertrag und Arbeitsämter. Die Arbeitsvermittiung im Lande liegt bis heute in den Händen der Arbeitsämter der verschiedenen Arbeiterorganisationen, insbe* sondere der Allgemeinen Arbeiterorganisation. Das Arbeitsdepartement unterstützte die Tätigkeit der Arbeitsämter durch Gewährung monat'ichcr Organisationsbeiträge. Während dieser Beitrag im Jahre 5686 regelmäßig ausgezahft wurde, konnte er im fahre 5687 nur während des ersten Halbjahres gewährt werden. Im Frühjahr 1927 wurde die Frage der Schaffung von pari* tä tischen, d. h. von Arbeitgebern und Arbeitnehmern geineinsam gebi'rieten oder von neutralen Arbeitsnachweisen erneut aufgeworfen. Es schien jedoch erforderlich, bis zur Erledigung dieser Frage die bestehenden Arbeitsämter der Arbeiterorganisafionen zu stützen, um eine wilde Konkurrenz der Arbeits'osen und dadurch hervorgerufene schwere Arbeitskonflikte zu verhindern. Die Arbeitslosigkeit. Die Tatsache, daß sich die Einwanderer vornehmlich in Tel-Awiw konzentrierten und daß hier das Baugewerbe seinen größten Aufschwung erlebte, hatte zur Folge, daß in dieser Stadt mit dem Rückgang der Bautätigkeit die Arbeitslosigkeit am stärksten einsetzte. In der Mitte des Jahres 1926 erreichte die Zahl der Arbeitslosen in Tel-Awiw die Ziffer von 3600. Seither hat sich diese Zahl nur unbeträchtlich erhöht. Erst allmählich und in einem viel langsameren Tempo machte sich die Arbeitslosigkeit in Haifa spürbar. Die Haifaer Industrie hat bis in die letzte Zeit ihre Position behauptet. Auch in Haifa ist die wichtigste Ursache für das allmähliche Steigen der Arbeitslosenziffer von 809 itn Herbst 1925 auf 1900 im Frühjahr!927 die Erschlaffung der Baubewegung. Jerusalem ist nicht in demselben Maße wie Tel-Awiw oder Haifa von der Immigration der letzten Jahre erfaßt worden. Der allgemeine Rückschlag im jüdischen Wirtschaftsleben trat daher hier nicht mit derselben Schärfe in Erscheinung. — Auch A fu Ich blieb von der Arbeitslosigkeit nicht verschont. Die Zahl der Arbeitslosen stieg hier bis zu 600 im Frühjahr 1926. Die Stadt mußte allmählich hiervon entlastet werden. Heute beträgt die Zahl der registrierten Arbeitslosen in Afuleh noch etwa 200. — Wenn auch die Arbeitslosigkeit in Tiberias keinen großen Umfang annahm — sie beträgt heute etwa 100 — so mußte jedoch auch hier eine gewisse Hilfe gewährt werden. Es soll hervorgehoben werden, daß gerade in diesen Jahren schlechter Arbeitslage ein neuer Punkt der jüdischen städtischen Siedlung sich auswirken konnte: A k k o. Die Zahl der Arbeiter in Akko beträgt etwa 200. Die momentane Arbeitslosigkeit ist nur gering. Die Arbeitslosigkeit in den Kolonien war nicht unbeträchtlich. Der Prozeß des Eindringens der jüdischen Arbeiter in die Koloniearbeit ist noch nicht abgeschlossen. Jedoch ist die Arbeitslosigkeit hier im wesentlichen mit der Tatsache verbunden, daß die Arbeit in den Pflanzungen Saisonarbeit ist. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß die Lage der jüdisehen Kolonien sich in den letzten Jahren ständig gebessert hat. Die Arbeitslosigkeit setzte mit dem Beginn des Winter 1923 mit einer Ziffer von etwa 1000 ein, erreichte im Frühjahr 1926 die Zahl von 5000 und stieg langsam bis 8300 im Frühjahr 1927. % *1 » :SM: 2 %■ \-\'i II