Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1927)
- Date
- 1927-08-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 6S, tfl.vra. 1927 JUED1SCHE RUNDSCHAU Seite 467 Die Wahlen zum XV. Zionistenkongreß Bekanntmachung Be! den Kongreßwahlen in Deutschland wurden — nach Abzug von etwa 150 Wahlbriefen, die aus formellen Gründen für ungültig erklärt werden mußten — insgesamt 6776 Stimmen abgegeben, davon 3134 ln Wahlkreis I und 3642 in Wahlkreis II. Ungültig (größtenteils für Hitachduth abgegeben) werden in Wahlkreis I 45, in Wahlkreis II 35 Stimmen. Es erhielten gültige Stimmen: Llite 1 (Poele Zion und J.J.W.B.) 1540 (Wahlkreis I 67«, Wahlkreis II 864) Uste 2 (Unke■ Zentrum) 2313 (Wahlkreis I 1082, Wahlkreis II 1231) Uste 3 (Miarachi) 2076 (Wahlkreis I 978, Wahlkreis II 1098) Uste 4 (Zionisten-Revisionisten) 302 (Wahlkreis I 203, Wahlkreis U 99) Uste 5 Vereinigung Radikaler Zionisten 465 (Wahlkreis I 150, Wahlkreis O 315). Gemäß § 17 der Wahlordnung entfallen somit auf Uste i . . . 3 Mandate Uste 2 ... 4 Mandate Liste 3 ... 4 Mandate Liste 4 . . . kein Mandat Liste 5 ... 1 Mandat * Wahlergebnisse aus einzelnen Orten. Wahl k re i s I: Berlin Liste I 335 Liste H 590 Liste III 564 Liste IV ITT Liste V 126 Braunschweig 17 t — 4 — Bremen 1 5 — ־—• — Göthen 1 7 1 T — Cottbus 8 5 —. — — Dessau 10 38 — — — Emden 6 3 7 —- — Erfurt 39 21 2 — 1 Frankfurt a. O. 2 39 3 — 1 Gotha 11" __ — — — Halberstadt 13 25 3 —-! Hamburg 67 109 324 T 16 Hannover 8 17 4 2 3 Insterburg 12 8 —, — Jena 15 7 — — — Kiel 17 13 4 t — Königsberg 21 78 30 — 1 Lübeck 7 6 25 — — Magdeburg 22 8 1 4 1 Mühlhausen (Th.) 5 7 — — — Osnabrück 6 13 3 1 — Stettin 1 12 — — — Stolp — 11 — — — Aachen 4 Wahlkre 13 is 11: 1 1 Bamberg 4 5 2 — — Beuthen 20 . . 26 9 124 Bochum , 15 . 11 ־ (׳• ־ —>. 6 Bonn 2 9 5 .— — Breslau 75 215 230 10 26 Cassel 21 16 3 t — Chemnitz 41 27 36 — 1 Cöln 58 73 53 14 Darmstadt 0 _ — — — Dortmund 30 5 61 — 5 Dresden 7 40 7 1 34 Duisburg 36 6 1 — 3 Düsseldorf 11 19 — 2 20 Elberfeld 4 26 — — — Essen 20 11 29 8 Frankfurt a. M. 39 79 150 25 4 Freiburg 1 12 9 — — Fulda 6 8 -- — — Gelsenkirchen 4 5 — י— __ Gießen 8 2 1 — — Gleiwitz 3 47 o — 5 Görlitz 2 12 — Hamborn 51 18 ד׳ 18 32 Heidelberg 5 8 O — — Hindenburg —• 18 7 — — Jülich 4 10 — — Karlsruhe 53 24 33 —י■ — Konstanz 11 12 2 — — Leipzig 80 120 115 מ 2 Liegnitz 10 7 — 3 1 Mainz 9 18 4S 1 1 Mannheim 21 11 54 2 8 München 19 34 21 ו 3 Nürnberg 3t 34 28 2 סו Oberhausen 3 5 6 1 3 Oppeln Pforzheim 2 7 6 3 1— Plauen 9 7 3 —י■ — Ratibor — 52 1 — — Saarbrücken _ 22 — 1 — Wiesbaden 21 17 36 ו ־־־י Würzburg 3 9 5 ־־־י- — Zwickau 15 35 — — — Berlin, 12. August 1927. Die Hauptwahlkammission für die Wahlen zum XV. Zionistenkongreß in Deutschland, gez. Dr. M. B i 1 e s k i. * Aus der Bekanntmachung der Hauptwahlkommission ergibt sich, daß auf Grund der Kongreßwahlen die folgenden Delegierten aus Deutschland am Kongreß teilnehmen dürften: Alfred Berger, Dr. Georg Lubinski und Joseph Wahl (Poale Zion und J.J.W.B.). Dr. M. Bileski, Dr. Hugo Schachtel, Dr. Max Kolienscher und Dr. Martin Rosenblüth (Linkes Zentrum). Die Herren Blumenfeld und Schocken, die auf der Liste des Linken Zentrums an erster und zweiter Stelle gewählt wurden, dürften auf ihre Mandate verzichten, da sie als Mitglieder des Aktions-Comites Sitz und Stimme am Kongreß haben. Sollte Deutschland auf der W e 11 w a h 1 - liste der Allgemeinen Zionisten ein Mandat erhalten, so würde es Herrn Rechtsanwalt Max J acobsohn -Breslau zu- |jallen. Da ferner Herr Dr. Hantke, der als Direktor des Keren Hajessod teilnahmeberechtigt ist, sein A.-C. - Mandat niedergelegt hat, wird mit Rücksicht auf die Erkrankung von Dr. Klee, die ihn an der Fahrt zum Kongreß verhindert, der andere A.-C.-Ersatzmann, Dr. Landsberg, der deutschen Delegation an gehören. Dr. Oskar Wolfsberg und Lazarus B a r t h - Berlin, Rabbiner Dr. Jacob Hoffmann - Frankfurt/Main und Dr. Israel R a b in - Breslau (Misrachi). Dr. M. Solowcitschik (Radikale Zionisten). Weitere WaWresnltale In Oesterreich wurden insgesamt 1781 gültige Stirnmen abgegeben. Die Liste ״Pro Jewish Agency“ (Listenführer Dr. Schabt) erhielt 551 Stimmen und die Liste der Radikalen (Listenführer der Präs, des Landesverbandes, Dr. Ooldhammer) 663 Stimmen, Misrachi 111 Stimmen, Rcvisionisten 264 Stimmen, Hitachduth 116 Stimmen und Poale Zion 43 Stimmen. Gewählt sind ein Allgemeiner Zionist und ein Radikaler. in Belgien bewarben sich Allgemeine Zionisten, Misrachi und Poale Zion um das einzige Mandat, das den Allgemeinen Zionisten zufiel. Das Endergebnis in der Bukowina ist. Es wurden in 30 Ortschaften 1850 gültige Stimmen abgegeben, d. s. 65 ׳״. der Wahlberechtigten. Von diesen entfielen auf die allgemeinen Zionisten 993, auf den Arbcitcrblock 363, auf die Misrachistcn 254, auf die Revisionisten 206 und auf die Radikalen 43. Beide Mandate sind den allgemeinen Zionisten zugefallen. Gewählt sind: Dr. Mayer Ebner und Dr. Theodor Weißelbcrger. London, 12. August. (J. T. A.) Das Resultat der in England durchgeführten Wahlen zum XV. Zionistenkongreß ist: Gewählt wurden zwei Misrachistcn und sechs Allgemeine Zionisten, von denen zwei auf einer besonderen Liste der ״Progressiven“ standen. Jerusalem, 12. August. (J. T. A.) Das Zentralbüro des Welt-Misrachi teilt mit, daß laut den eintreffenden Nachrichten über die Wahlresultatc in den verschiedenen Ländern der Welt-Misrachi auf dem XV. Zionistenkongreß durch rund 50 Delegierte vertreten sein wird. — Am 23. August, eine Woche vor Eröffnung des Kongresses, wird der Welt-Misrachi eine Konferenz abhalten, um seine Stellung zu den Kongreil- Problemen zu fixieren. Zionistische Boden- und Finanzpolitik Im ,,Dawar“ vom 25. und 26. Juli kritisiert Dr. A. Granovskv die Grundsätze zionistischer Finanz - und Bodenpolitik. Beide Gebiete stehen nach seiner Auffassung in tiefgehender Wechselwirkung zueinander. Die finanzielle Leitung der Zionistischen Organisation habe aber diesem Zusammenhang nicht Rechnung getragen und die Interessen einer nationalen Agrarpolitik unberücksichtigt gelassen. Während überall in der Welt eine enge Zusammenarbeit zwischen Ansiedlungsinstanzen und Finanzierung:;- Institutionen erfolgt, besteht eine solche Zusammenarbeit bei uns nicht. Obwohl die Zionistische Organisation dem nationalen Bodenerwerb ein Vorrecht zuerkannt hat, werden von ihr nicht unbeträchtliche Summen an Gesellschaften überwiesen, die sich mit privaten Bodenkäufen befassen. Die zionistischen Banken geben Ansiedlern Kredite, ohne ausdrücklich die Wahrung der Interessen nationaler Bodenpolitik zu fordern. Wenn die Zionistische Organisation privaten Bodengesellschaften Darlehen gibt, für die diese Grundstück^ erwerben, um sie zu Spekulationspreisen zu verkaufen, so kann niemand leugnen, daß damit die ״zehn Gebote“ des Zionismus übertreten werden. Ein Beispiel sind die Darlehen an die Haifa Bay Development Cy., die ohne jede Bedingung hinsichtlich der Bodenverwertung tisw. gegeben wurden, obwohl es klar sei, daß die Struktur dieser Gesellschaft die Spekulation mit den erworbenen Böden bedinge. Damit trägt die Organisation selbst dazu bei, die Bodenspekulation zu fördern, und das gleiche kann auch von den Darlehen der Hypothekenbank gesagt werden, die an private Hausbesitzer gegeben werden, ohne die oben erwähnten Bürgschaften auszubedingen. So muß es auch nicht wundernehmen, wenn eine Bank außerhalb des Einflusses der Zionistischen Organisation, wie die Hypothekenbank der Brandeis-Gruppe, bis heute nicht ein Darlehen für Bauten gegeben hat, die auf Keren Kajemeth- Boden stehen. Wenn man sieht, wie die Bodenpreise in Tel- Awiw benachbarten Orten Bne Brak und Magdiel gestiegen sind und wahrscheinlich noch steigen werden, so wird man verstehen, daß der Keren Hajessod jene Fälle, die zur Bodenpolitik der Zionistischen Organisation in so entschiedenem Widerspruch stehen, hätte vermeiden können. Der Verfasser verlangt, daß der Kongreß zur Verhütung dieser Erscheinungen allen von ihr abhängigen Finanz- Instituten die Verpflichtung auferlegt, der Bodenpolitik des Keren Kajemeth durch eine zielbewußte Kreditpolitik zu helfen. Nur dadurch wird es möglich sein, die Interessen der nationalen Bodenpolitik auch iif privaten und kaufmännischen Unternehmungen zu wahren. Im einzelnen lautet die Forderung des Verfassers folgendermaßen: 1. Festsetzung eines Arbeitsplanes, der die Boden-, Siedlungs- und Finanzpolitik der Zionistischen Organisation miteinander in Einklang bringt. 2. Festlegung der Organisationsformen für eine gemeinsame Tätigkeit zwischen Keren Kajemeth, Keren Hajessod, den Banken (insbesondere der Hypothekenbank und der künftigen Agrarbank). 3. Die Finanzpolitik der Zionistischen Organisation muß von der Anerkennung des Vorrechtes des nationalen Bodens vor privatem Bodenbesitz durchdrungen sein, 4. Die Tätigkeit der Kreditinstitute muß sich nach folgenden Grundsätzen richten: a) Die Mittel der zionistischen Geldinstitute stehen in erster Linie den Siedlern auf Keren Kajemeth-Bodcn zur Verfügung. b) Darlehen an Siedler auf privatem Bodenbesitz werden nur unter ausdrücklicher Sicherung der Interessen nationaler Bodenpolitik gewährt. c) Die Hypothekenbank erkennt als Verpflichtung an, die Bodenpolitik des Keren Kajemeth zu unterstützen. Eine Denkschrill Aber das Palästina-Erdbeben Jerusalem, 10. August. (J. T. A.) Die Ingenieure Badian und Neu mann, die alle vom Erdbeben heimgesuchten Orte besucht hatten, haben im Aufträge der Haifacr Technischen Hochschule eine Denkschrift abgefaßt, die sich insbesondere mit der Verwendung des Baumaterials und der Bauart in Erdbebengebieten befaßt. Die beiden jüdischen Ingenieure wurden bei ihrem Besuch in Amman, der Hauptstadt Transjordaniens, von Emir Abdullah herzlichst empfangen. Der Emir, dessen Palast durch das Erdbeben schwer beschädigt wurde, lebt mit seiner Familie in Zelten. Wahl-Epilog Eine liebliche Geschichte, — ein ernster Pro* tcst — und ein dringlicher Antrag an den Kongreß. (Breslauer Brief.) Es war so fein gesponnen ... und darum dürfte es weitere Kreise interessieren. Einige erinnern sich vielleicht, daß bei der vorigen Kongreßwahl aus dem schlesischen Badeort Salzbrunn 30 radikale Stimmen eintrafen. Es hatten sich eben gerade in Salzbrunn zufällig 30 Radikale zusammengefunden und Herr Marcus Bon es, Breslauer Vertreter des Radikalismus, hatte nur nötig, sie zu sammeln, d. h. von ihnen Schekel zu sammeln und das weitere fügte sich ebenso... Still ruhte dann der See. Weder in Salzbrunn noch in Breslau hörte man etwas vom Radikalismus. Zwei ganze Jahre lang. Nicht einmal zur Zeit der Schekelsammlung 1926, auch nicht als die Schekel- Sammlung 1927 einsetzte. Erst nachdem für den Tischo-beaw 1927 und den folgenden Tag die Kongreßwahl auch in Breslau angesetzt war. <1 rei Tage vor dieser Wahl wurde man durch eine Notiz in der ,,Jüdischen Zeitung“ von der Meldung überrasclit, daß am Sonntag, dem ersten Wahltage, am Tischo-beaw, Herr Jizehak Grün bäum in Breslau sprechen werde. Ost* jüdische Kreise und ganz vereinzelt auch westjüdische Zionisten sollen dazu auch direkte Einladungen erhalten haben. Nun muß man wissen, daß die Breslauer Ostjuden, übrigens nicht sehr groß an Zahl, bisher sehr wenig Interesse am Zionismus an den Tag gelegt hatten. Alle Versuche führender Breslauer Zionisten, diese Kreise etwas mehr zionistisch zu interessieren, übrigens jahrelange Versuche, hatten fehlgeschlagen. Es war also nur zu begrüßen, daß hier wieder einmal ein solcher Versuch gemacht wurde, noch dazu von einem so hervorragenden Vertreter unscrcr Idee, von einem so vorzüglichen Beherrscher des Wortes, Wenn auch sozusagen in letzter Stunde .,.., wenn auch im Sinne des Radikalismus .... Der Name, der Ruf des Redners zog auch. Zwar war es nur ein kleiner Saal, aber trotz der sommerlichen Hitze war er ganz gefüllt, zur Hälfte etwa von ostjiidischen Kreisen. Von 11 his 2 Uhr war an diesem ersten Wahltage die Wahlzeit. Für 11 Uhr war auch der Vortrag von Herrn Grün bäum angesetzt. Er begann etwa um 11'! Uhr und sprach überaus fesselnd und überaus interessant, allerdings rein kritisch, nur negativ. Er sprach und sprach und man 'muß sagen, man hörte ihm trotz allen Negativismus und trotz ... na sagen wir, sehr geschickter Gruppierung der Dinge gut zu. Gegen 12•, Uhr, als man doch wohl annehmen konnte, der Redner würde bald zu Ende sein, meldeten sich Dr. Hugo Schachtel und Rechtsanwalt Max Jacobs oh 11, dann ein Vertreter des J.J.W.-B. (Eckstein) und ein Vertreter der Poale Zion (Samson' zu Wort. Um 1 Uhr war Herr Griinbaum auch wirklich fertig. Da erklärte der Vor• sitzende, Herr Marcus Bonos, folgendes: ״Meine Herren, jetzt müssen wir die Versammlung für eine Stunde unterbrechen, damit die liier Versammelten zur Wahl gehen können. Dann wird um 2 Uhr Herr Griinbaum den zweiten Teil seines Vor• träges halten, dann können die Herren, die sich zum Wort ge• meldet haben, zu Worte kommen. Ich unterbreche die Ver. Sammlung... Also: es war gut eingefädelt Erst das zwei• ständige negative Referat des Herrn Grünbaum, dann führt man die Schäflein zur Wahl, dann wird Herr Grünbaum noch einmal zwei Stunden reden, dann können vielleicht so ein paar andere Zionisten auch noch reden ... Aber die Versammlung selbst dachte doch etwas anders, Zunächst verlangten einige Zionisten anderer Richtung das Wort zur Geschäftsordnung, erhielten es aber nicht, da die Ver• Sammlung doch ״unterbrochen“ war. Da sprang Dr. Schach• tel auf das Podium, ergriff die Klingel und erklärte: ״Herr Bon es hat eben diese Versammlung aufgelöst oder unterbrochen, fch eröffne eine neue Ver Sammlung“. Tableau! Das war nicht vorgesehen. Als der neue Versammlungsleiter weiter erklärte, er könne sich nicht gut denken, daß die demokratischen Radikalen so radikal un* demokratisch handeln würden oder gar Herr Grünbaum, der eben den jetzigen Führern des Zionismus so viel Mangel an Mut vorgeworfen habe, selber so wenig davon besitze, um nicht ein paar gegnerische Aeußerungcn anzuhören und Herr Rechts• anwalt Jacobsohn weiter erklärte, der Montag sei doch auch noch Wahltag, und wer am Montag verreist sei, könne doch schriftlich wählen, erbat sich Herr Griinbaum das Wort und bat Herrn Boncs, doch nicht auf der Unterbrechung zu bestehen und die Versammlung fortzusetzen. Wohl oder übel, Herr Bones mußte nachgeben, er übernahm wieder die Leitung, gab den zur Debatte Gemeldeten das Wort und diese konnten sich mit Herrn Griinbaum auseinandersetzen. Resultat: 25 radikale Stimmen, einige wahrscheinlich noch durch schriftliche Abstim• inung und W a hiprot es t des Herrn Bones, weil die Herren Schachtel und Jacobsohn ilm gehindert haben, seine Leute gleich nach der Rede des Herrn Griinbaum zur Wahl zu führen... Nun, viel Spaß! Aber ernstlich: heißt es nicht wirklich, Geld und Kräfte sehr unnütz vertan, daß man eigens zu solcher Aktion Herrn Grünbaum aus Warschau kommen läßt, bloß um im letzten Augenblick das Wahlresultat zu beeinflussen? Wäre es nicht besser gewesen, irgendwann einmal in ruhigerer Winters• zeit diesen überaus geschickten Propagandisten nach einer Ke• hilla wie Breslau kommen zu lassen und nicht bloß auf das kleine Häuflein zionistisch so uninteressierter Ostjuden wirken zu lassen, sondern die ganze Judenschaft in gehöriger Form einzuladen? Haben wir denn so viel überflüssiges Geld und menschlich wirksame Kräfte? Trotz, allen Radikalismus und aller Schwächen und aller Schwächen der Vertreter dieses Stand• Punktes sei es gesagt. Und dann noch eine Lehre daraus und aus anderen Wahlerlebnissen: Es geht unmöglich weiter so, daß jeder, der noch in letzter Stunde, womöglich am Wahltisch, einen Schekel zahlt oder für den womöglich noch ein anderer ihn zahlt oder ״vor• streckt“, weil er ihn für ״uns gesinnungsgemäß nahestehend“ hält (wörtlich! denn das ist jetzt mehrfach von einer bestimmten Rieh• tung aus gemacht worden!), das Wahlrecht zum Kongreß hat, dasselbe höchste Recht des Zionisten, das der auch nur hat, der Jahr und Tag für den Zionismus arbeitet.... Es geht nicht an, daß jemand das Wahlrecht ausüben kann, obwohl er sich stets antizionistisch ausgesprochen und betätigt hat, nur weil ein guter Freund ihm sagt: ״Tun Sie mir den Gefallen und kommen Sie zur Wahl“ — soweit selbst von diesen Propagan• disten zugestanden, und weiter, wie Zeugen bekunden: ״Den Sehekel bezahle ich schon“ und weiter: ״Denn Sie wollen doch auch, daß unsere — — Richtung im Zionismus die beherrsehende ist, wenn Sie auch sonst von ihm nichts wissen wollen.“ Es geht nicht, daß sozusagen gerichtsnotorisch bekannte Anti• zionisten an den zionistischen Wahltisch treten und sich innerlich belustigen über unsere Blödigkeit. Das muß unmöglich gemacht werden. Es gibt dazu nur e in Mittel: ebenso wie in den Kom.!nunen und in den Gemeinden muß das Wahlrecht an eine gewisse Karenzzeit geknüpft werde h. Das Wahlrecht darf nur der haben, der wenigstens zwei Jahre lang den Schekel entrichtet hat. Das ist nur eine selbstverstündliche Ergänzung der Bestimmung, daß die Zahl der Dele. gierten nach zweijährigem Sehekclergebnis errechnet wird. Nicht bloß einmal kurz vor der Wahl heißt es, sich für den Zionismus cinsetzcn, sondern schon ein Jahr vorher. Letzten Endes wird aies auch den Finanzen der Exekutive sicher nur gut tun. Hille!.