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Jüdische Rundschau · 1927-08-16 · Heft 65 (16.8.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 65 (16.8.1927)
Date
1927-08-16
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 406 JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 05, 10.VIII. 1927 blieb und bleiben mußte, da es sich hier um persönliehe außerpolitische Ueberzeugungen handelt. Auch der Erfolg der Poale Zion ist unerwartet groß und beweist, daß auch sie ebenso wie der Misrachi weit über die Kreise ihrer organisierten Anhänger Stimmen gewonnen haben. Ihrer Liste kamen zunächst zwei Umstände zunutze. Erstens hat ihnen ihr Zusapnuenschluß mit dem Jung-Jüdischen Wanderbund die Sympathien der Jugend eingetragen, da sie die einzige Liste waren, die an prominenter Stelle Repräsentanten der Jugendbewegung enthielt. Zweitens ist ihnen der größte Teil der Stimmen der Hitachduth zugefallen, die durch eine unbegreifliche Sorglosigkeit ihres Büros wegeii fehlerhafter Listeneinreichung aus dem Wahlkampf ausgeschieden war. Die Liste der Poale Zion war also die einzige Liste in Deutschland, die klar und unzweideutig für die palästinensische Arbeiter- Schaft eintrat. Und die Sympathien für die palästinensisclie Arbeiterschaft sind im deutschen Zionismus weit über die Grenzen der Arbeiterparteien lebendig. Man kann wohl auch sagen, daß das sehr aufrichtige, aber wenig taktische Verhalten des Linken Zentrums den Eindruck erzeugt hat, als ob das Linke Zentrum vor allem gegen die Arbeiterschaft ins Feld ziehen wolle, während z. B. in der Tschechoslowakei die Vertreter der Arbeiterschaft selbst auf der Liste des Linken Zentrums kandidierten. Die Parole der Konsolidierung unserer palästinensischen Wirtschaftsbetriebe, ohne deren unbarmherzige Durchführung nach unserer Meinung gerade die Arbeiterwirtschaft vor der Gefahr des Zusammenbruchs steht (wie gerade jetzt das Beispiel des Solei Boneh beweist), wurde als arbeiterfeindlich stigmatisiert. Auch dies verstehen wir im Wahlkampf, wo es vor allem auf die Wirkung ankommt, und das Resultat hat den Poale Zion Recht gegeben. Was jedoch die Politik auf dem Kongreß betrifft, so sind wir überzeugt, daß gerade die deutsche Gruppe der Poale Zion innerhalb ihrer Partei für eine Wirtschaftspolitik kämpfen wird, die die Gedanken der Wirtschaftlichkeit und Rationalisierung in diesem Moment gegenüber allen anderen Forderungen in den Vordergriind schiebt. Auch hier finden wir eine gewisse höhere Gemeinsamkeit, die alle Gruppen im deutschen Zionismus charakterisiert und die sich weniger auf Welt- *anschauungsfragen, als vielmehr auf gewisse Methoden der praktischen Politik bezieht. Denn auch das ״Linke Zentrum“ dürfte auf dem Kongreß keineswegs ganz einheitlich sein, auch in dieser Kongreßfraktion wird gerade die deutsche Gruppe eine eigene Note haben, analog zu den deutschen Vertretungen innerhalb anderer Parteien. Aus dem Wahlresuitat ergeben sich freilich schon jetirt. Konsequenzen für die Kongreßpolitik. Denn ähnlich wie 111 Deutschland sind die Wahlen in allen Ländern ausgefallen, mit Ausnahme von Amerika, wo keine eigentliehen Wahlen stattgefunden haben. Sonst aber sehen wir überall ein Anwachsen der Flügelparteien, d. h. also eine fortschreitende weltanschauliche und parteimäßige Differenzierung des zionistischen Lebens, ln einem Punkte also muß man von einem ausgesprochenen Mißerfolg des Zentrums sprechen, nämlich insofern das Programm des Zentrums eine Zurückdrängung des Frakfionsprinzips zugunsten einer starken tragfähigen Mitte vorsah. Es ist dies kein politischer Programmpunkt, aber ein wichtiges organisatorisches Prinzip, auf dem man die Kongreßtechnik und die Wahl der neuen Exekutive basieren wollte. Diese Absicht wird bei der Stärke der Fraktionen nicht so leicht durchzuführen sein, wie man angenommen hatte. Wir wollen hier den Vor- ״ängen des Kongresses nicht vorgreifen, aber realpoli- Tsches Denken wird auch in Fragen der Kongreßtaktik mit den gegebenen Tatsachen rechnen müssen. Der Wahlkampf ist vorbei. Er hat eine erhebliche Menge von zionistischer Energie verschlungen. Wir dürfen wohl sagen, daß er in Deutschland Im ganzen ׳ roßen in anständigen Formen und auf einem erheblichen Niveau vor sich gegangen ist, was bei einem Wahli:;impf der Natur der Sache nach nicht selbstverständlich ist. Wir wollen auch nicht sentimental werden, wenn sich da oder dort gezeigt hat, daß wir es ebenso machen wie andere Völker und andere Parteien, und daß manche wn uns im Wahlkampf vergessen, daß sie mit dem ,.Gegner“, den sie anzuschwärzen bestrebt sind, nach c'en Wahlen wieder werden Hand in Hand arbeiten w!i #en. Auch dies liegt im Wesen des Wahlkampfs, (חיי solche Gegnerschaften und Gegensätze nach den Wahlen schnell vergessen werden. Wir sind ein kleiner Ausschnitt aus der demokratischen Welt und alle in diesem Lager viel diskutierten Nachteile der formalen Demokratie sind auch bei uns fühlbar. Zu diesen Nachteilen rechnen wir z. B. die Eigenart der Listenwahl, daß die Frage individueller Fähigkeiten und Eignung der Kandidaten nicht von der Wählerschaft, sondern lediglich von den Parteibüros zu beurteilen ist. Dies schadet der natürlichen Auslese aufstrebender Personiichkeiten und vermindert den Kontakt zwischen Wähler und Gewähltem. Wir glauben, daß der Kongreß und die Bewegung der Gefahr des Einrostens in formalen Doktrinen zu entrinnen versuchen muß, und daß das zionistische Denken auch in bezug auf die Reformbcdiirftipkeif unserer Organisationsmaschine nicht einschlafen darf. Dies gehört zu den Aufgaben, die noch vor uns stehen; aber im gegenwärtigen Moment, nachdem• die Wahlschlacht geschlagen ist, müssen wir alle zu intensiver zionistischer Arbeit für uns die nächsten Wochen zusammentun. Die Probleme, die vor uns stehen, sind schwierig genug, und nur wenn alle Fraktionen, denen die Wählerschaft die Verantwortung aufgebürdet hat, zu sachlicher Arbeit für das gemeinsame Ideal entschlossen sind, kann der Kongreß zu einem zionistischen Erfolg werden. Die jüdische Rechtsschutz-Konlerenz Am 17. August wird in Zürich die vom ״Komitee der jüdischen Delegationen“ gemeinsam mit dem Amerikanisch-jüdischen Kongreß veranstaltete Konferenz zum Schutze der jüdischen Rechte eröffnet Die Konferenz war ursprünglich als eine umfassende Weltkonferenz gedacht, an der alle Organisationen teilnehmen sollten, die sich mit dem Rechtsschutz der Juden befassen, insbesondere alle jene Körperschaften, die es für ihre Aufgäbe halten, die Rechtsbeschränkungen von Juden auch in anderen Ländern als ihrem eigenen zu bekämpfen. Es hat sich jedoch gezeigt, daß der Zeitpunkt für eine solche Konferenz noch verfrüht — oder vielleicht auch verspätet — ist; so gut wie alle eingeladenen Organisationen haben die Teilnähme abgelehnt, vom American Jewish Committee (Marshall) bis zum Joint Foreign Committee der englischen Juden (Lucien Wolff) und der Alliance Israelite Universelle. Nicht genug daran, haben mehrere Persönlichkeiten dieser Gruppen sowie ein Teil der assimilatorischen Presse (in Berlin z. B. die C.־V.־Zeitung) gegen die Konferenz Stellung genommen. Diese Art des Reagierens auf einen richtigen Oedanken beweist, daß die jüdische Welt für eine Zusammenfassung ihrer Kräfte auch nur zum Zwecke des Rechtsschutzes nicht reif ist. Die Kontroverse, die sich aus diesem Anlaß zwischen führenden jüdischen Persönlichkeiten entwickelt hat und glücklicherweise nur wenig Beachtung fand, zeigte, daß große Teile des Judentums nach der Episode von Krieg und Rcvolutionszeit wieder in die alten überlebten Formen ihres Denkens zurückgeglitten sind. Wir hoffen, daß trotz der Absage der Notabeln-Komitees die beiden Körperschaften, die allein demokratische Organisationen beider Hemisphären repräsentieren, ihre Konferenz erfolgreich durchführen werden. Angesichts. der schweren Lage der Juden in vielen Ländern, des fortschreitenden Numerus Clausus, der Verletzung der Minderhciten-Verträge, der offenen Zurücksetzung und Beleidigung von Juden, kann eine zentrale Vertretung der jüdisehen Rechte, die sich auch eine Position beim Völkerbund schaffen könnte, für das jüdische Leben von großer positiver Bedeutung sein. Schon das ״Comite des Delegations juives“ hat in dieser Hinsicht in aller Stille Wichtiges geleistet. In diesem Sinne wünschen wir der künftigen Konferenz allen Erfolg., Prof. Eiwood Mead und Prol. Jacob Lipman in London London, 12. August. (J. T. A.) Prof Elwood Miead der Sachverständige der amerikanischen Regierung für Bodenerschließung, und Prof. Jacob Q. Lipman, der Rektor der landwirtschaftlichen Hochschule am Rutgers College, beide Mitglieder der Expertenkommission der Jewish Agency, sind auf der Reise nach Palästina in London eingetroffen. Die Zionistische Organisation gab ihnen zu Ehren einen Lunch, bei dem Dt. Eder den Vorsitz führte, Prof. Mead führte,iri seineF An;• Sprache aus, die Sachverständigen werden sichi nrht mrrci etwaige momentane Mißerfolge entmutigen lassen, da gegenwärtig in der ganzen Welt die Lage der Landwirtschaft ungünstig sei. Prof. Lipman sprach ebenfalls von den Schwierigkeiten, die der Landwirtschaft auf der Suche nach neuen Märkten entgegenstehen. Beide Sachverständige sagten übereinstimmend, sie wüßten, daß sie in Palästina einem schweren und komplizierten Problem gegenüberstehen werden, da sic sich dort nicht allein mit den landwirtschaftlichen Tatsachen, sondern auch mit der Verschiedenheit der volklichcn Mentalität zu befassen haben werden. Ihre Beobachtungen werden erschöpfend sein müssen, damit sic in dem späteren Bericht in aller Aufrichtigkeit ihre Schlüsse sollen ziehen können. Die Aaslührung der Gemeindeordimng Der Waad Leumi beschloß in seiner Sitzung vom 26. Juli zwecks Ausführung der Bestimmungen der neuen palästinensischen Gemeindeordnung zwei Kommissionen einzusetzen. Die erste Kommission, bestehend aus den Herren Rabbiner Assaf, Auster, Friedenberg, Dr. Smoira und Leniado hat die Aufgabe, Vorschläge für ein Wahlsystem zur Wahl der Mitglieder der Assefath Haniweharim, des Rabbinischen Rates und der Gemeinden auszuarbeiten. Die zweite Kommission, bestehend aus den Herren Dr. Hurgin, Aronowitz, Botkowski, Benvenisti und S. FI. K11 k hat die Aufgabe, Vorschläge für das Steuersystem der Jüdischen Gemeinschaft Palästinas auszuarbeiten. Der Sitz der ersten Kommission ist Jerusalem, der der zweiten T e I - A w i w. (Ziko.) Eine Agudah-Gemeinde in Jerusalem Jerusalem, 3. August. (J. T. A.) Die Jerusalemer Anhänger der Agudas Jisroel veranstalteten eine Massenver- Sammlung, in der über die neue jüdische Gemeindeordnung referiert wurde. Es wurde folgende Resolution angenommen, die dem stellvertretenden Oberkommissar zwecks Weitergabe an das britische Kolonialamt in London übermittelt wurde: Die Tausende anwesenden Juden sprechen der Regierung ihre Dankbarkeit dafür aus, daß sie in dem Entwurf der jüdischen Gemeindeordnung ihnen Gelegenheit gibt, sich zu einer eigenen jüdischen Gemeinde zu organisieren; sie sind eben gemäß den Bestimmungen der Gemeinde- Ordnung dabei, sich von der neuen jüdischen Gemeinde abzusondern. Die Tausende anwesenden Juden unterbreiten der Regierung die Bitte, den Mitgliedern der Agudas Jisroel- Gemeinde die Möglichkeit zu geben, sich gemäß den Grund- Prinzipien ihrer Religion zu einer separaten Gemeinde zu organisieren. iine neue Spende von Nalhan Strauß Jerusalem, 11. August. (J. T. A.) Nathan Strauß, der kürzlich 250 000 Dollar für das Gesundheitszentrum in Palästina spendete, stellte neuerdings 75 000 Dollar für Erbauung einer Kinderheilstättc in Tel-Awiw zur Verfügung. 25000 Dollar von dieser Summe hat Nathan Strauß bereits überwiesen, so daß schon sehr bald mit dem Bau und der Einrichtung des Sanatoriums begonnen werden wird. Die nächste Sitzung des Aktions-Comites wird am 28. Aug. in Basel stattfinden. Die Sitzung wird sich mit den Hauptfragen, die auf der Tagesordnung des XV. Zionistenkongresses stehen, beschäftigen. Das Wahlresuitat In Polen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 10. August. Nachdem die Hauptwahlkommissionen ihre Arbeiten beendet hatten, konnte man die Wahlresultate in Polen feststellen. Man erlebte hierbei manche Ueberraschung und gewisse Momente scheinen geradezu symptomatisch zu sein. Das Wahlinteresse kann als ziemlich rege betrachtet werden. In Kongreßpolen beteiligten sich auf zirka 47000 Wahlberechtigte über 30 000 Wähler; ungefähr 2000 Stimmen wurden ungültig erklärt. In Ostgalizien stimmten von über 30000 Berechtigten die Hälfte, in Westgalizien belief sich die Beteiligung auf zirka 65 °,0׳, Zur Wahlurne gingen Zionisten aus sämtlichen Schicilten, in manchen Städten überwog sogar — dank der Propaganda des ״Misrachi“ — das ältere Element, Am schwächsten war die Beteiligung der Intclligenzberufe, was einerseits auf die unpassende Zeit, andererseits aber auch auf das bei ihnen abgeschwächte Interesse oder die Unzufriedenheit mit den gegenwärtigen Verhältnissen in der Organisation zurückzuführen ist. Eine Ueberraschung brachte ftes starke Anwachsen der für ״Misrachi“ abgegebenen Stimmen, insbesondere in Kongreßpolen, wo die misrachistische Liste auf sich ebenso viele Stimmen vereinigte, wie ״Eth Liwnoth“ und ״Al Hamischmar“ zusammen. Die Presste sucht dies damit zu erklären, daß der Misrachi init seinen Losungen viele orthodoxe Elemente zur Wahlurne brachte, daß ferner infolge der Abstinenz der fortschrittlichen Kreise der Misrachi die Oberhand gewann und daß nicht zületzt dank verschiedenen taktischen Wahlmethoden er den Sieg davontrug. Tatsächlich gingen der Hauptwahlkommission sehr viele Beschwerden gegen den ״Misrachi“ zu und das Kongreßgericht wird wahrscheinlich in der Lage sein, das Geheimnis des Misrachisieges in Polen zu untersuchen. Die endgültigen Ziffern für ganz Kongreßpolen samt Randgebieten sind nun folgende: ״Misrachi“ — 0658 Stimmen, ״Eth Liwnoth“ — 6060, ״Poale Zion“ und Haschomer Hazair — 5443, ״Hitachduth“ — 3527, ״Al Hamischmar“ — 3452, Revisionisten — 1352. Wieviel Stimmen des ״Sozialistisehen Blocks“ auf die ״Poale Zion“ allein entfallen, läßt sich natürlich nicht genau feststellen. Die Mandatenvcrtcilung ergibt aber für die Parteien ein vollständig anderes und unrichtiges Bild als die Stimmenzahlen. Da Kongreßpolen in drei ziemlich gleiche Wahlkreise eingeteilt und keine Reichsliste aufgestellt war, ergab sich eine Komplikation bei der Zuteilung der Mandate derjenigen Listen, welche in der ersten Teilung den Wahlquotienten nicht erreicht haben. Die Hauptwahlkommission in Warschau hat ferner im Wahlreglcment beschlossen, bei der Verteilung der Restmandate nach den bei den Stadtratswahlen in Polen geltenden Bestimmungen vorztigehen. Nun ergab sich aber, daß diese Bestimmungen in Polen nicht einheitlich sind und da beschlossen die Vertreter des ״Misrachi“ und ״Eth Liwnoth“, unterstützt vom Vertreter der ״Poale Zion“, die in Wolhynien verpflichtende Vorschrift jn Anwendung zu bringen, wonach bei der zweiten Teilung der Mandate die Minderheiten eliminiert werden und die Restmandate denjenigen Parteien zufallen, welche die größten Stimmenzahlcn auf sich vereinigten. Es erhielten also laut Beschluß Ser Mehrheit der Wahlkommission: ״Misrachi“ — .8 Mandate, ״Eth Liwnoth“ — 5, zion.-soz. Block — 4, Hitachduth — 1 Mandat. ״Al Hamischmar“ kein Mandat. Ein Vergleich der auf die einzelnen Listen abgegebenen Stimmen und der Zfhl der auf obige Weise verteilten Mandate ergibt sofort <ah Urteil über/m!! Gerechtigkeit dieses Beschlusses. Wäre •der zweite vorgeschlagene Schlüssel angewendet worden, so hätte das Ergehnis folgendermaßen gelautet: ״Misrachi“ — 6 Mandate, ״Eth Liwnoth“ — 4, Zion.-Soz. Block“ — 3, ״Al Hamischmar“ — 3, ,,Hitachduth“ — 2 Mandate. Das Vorgehen der Hauptwahlkommission hat in den Kreisen der benachteiligten Minderheit (״AI Hamischmar“ und ״Hitachduth“) große Aufregung hervorgerufen, die Verirctcr dieser Gruppen haben in stundenlangen nächtlichen Sitzungen energisch ihre Rechte verteidigt, aber ohne Erfolg und so sahen sie sich gezwungen, aus der Wahlkommission auszutreten und Protest bei der Exekutive und beim Kongreßgericht cinzulegen. Die zionistische Oeffentiicljkeit in Polen erwartet mit Spannung das angerufene Urteil des Kongreßgerichts. ln Ostgalizien, wo die Unzufriedenheit innerhalb der allgemeinzionistischen Organisation noch besonders stark war (s. unseren letzten Brief in der ״J. R.“, Nr. 62), errang die erste Stelle die ״Hitachduth“ mit 5285 Stimmen, dann folgen die Allgemeinen Zionisten — 5231, ״Misrachi“ — 3867. Haschomer Hazair, Revisionisten und Radikale Zionisten (Abg. Insler) erhielten je zirka 500 Stimmen. Auch liier ergab die Kreiseinteilung ein umgekehrtes Verhältnis bei der Mandaten- Verteilung. Es erhielten: Allgcm. Zionisten 5 Mandate, Hitachduth — 4 tund ,,Misrachi“ 3. Der ״Hitachduth“ fehlten 93 Stirnmen zur Erlangung des fünften Mandats auf Kosten des ״Misrachi“. Dieses Ergebnis rief in der zionistischen Presse Ostgaliziens eine sehr lebhafte Diskussion über die Ursachen und Folgen der Schlappe der Allgemeinen Zionisten hervor. Die Minderheit beschuldigt die Exekutive in Lemberg, was vom Abg. Griinbaum ausgehiitzt wird, um gegen das ״Notabeinsystem“ im Zionismus aufzutreten, ln den Kreisen der Mehrheit wird als Ursache des Mißerfolges allzu intensive Beschäftigung mit Landespolitik und Vernachlässigung der reinzionistischen Arbeit angegeben. In Westgalizien wiederum haben die Allgemeinen Zionisten, welche als dem Linken Zentrum nahestehend betrachtet werden können, einen schönen Erfolg zu verzeichnen. Von 11 297 abgegebenen Stimmen erhielten die Allgemeinen Zionisten mehr als die Hälfte — 5861 Stimmen, ״Misrachi“ — 2372, ״Hitachduth“ — 1575, Poale Zion und Haschomer Hazair — 935, und Revisionisten — 554 Stimmen. Der Erfolg der Allgemeinen Ziomsten ist eine Frucht der in diesem Teile Polens systematisch und intensiv geführten zionistischen Arbeit und nicht zuletzt ein Beweis für die Anziehungskraft des dort aufgestellten Programms. So erhielten hier von den 8 zur Verteilung gelangenden Mandaten — 6 die Allgemeinen Zionisten, 1 der ״Misrachi“ und I die ,,Hitachduth“! . . In sämtlichen Teilen Polens hat die revisionistische Liste, die überall von Wl. [abotinskv geführt wurde, eine verhältnismäßige geringe Wählerzahl auf sich vereinigt — insgesamt irrt ganzen Reiche 2406 Stimmen. Dieses Resultat bestätigt die unsererseits anläßlich des Besuches Jabotinskys in Polen ausgedrückte Meinung, daß seine Propaganda keine nachhaltige Wirkung ausgeübt*hat. Es ist noch von Interesse, die Ziffern für ganz Polen zusammenziifassen. In .der .ganzen polnischen Republik waren etwa 100 000 Wahlberechtigte, es beteiligten sich gegen 60 000 Wähler. Auf die allgemein-zionistischen Listen sämtlicher Schattierungen entfielen über 23 500 Stimmen, auf den ״Misrachi“ — zirka 16 000, die Hitachduth über 10 000 und Poale Zion mit Haschomer Hazair zirka 7000. Nach der bisherigen Feststellung erhielten in ganz Polen verschiedene allgemein-zionistische Gruppen 16 Mandate (Revisionisten kein einziges Mandat), ״Misrachi“ 12, Hitachduth 6 und Poale Zion - Haschomer Hazair 4 Mandate.

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