Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 65 (16.8.1927)
- Date
- 1927-08-16
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652938--19325-2677189- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
JUD.4K/4 Einzelnummer 0,25 Goldmark JÜDISCHE RUNDSCHAU Redaktion und Verlag Berlin W15, Meinekestraße 10, Erscheint jeden Dienstag und Freitag. Bezugspreis bei der Expedition monatlich 1,85 Goldmark, vierteljährlich 5,25 Goldmark. Ausi&ndsabotmesieixU werden in der Wibnt&g der einzelnen Linder berechnet Anzeigen •Verwaltung Jüdische Rundschau G.m.b.H., Berlin W15, Meinekestr.10 Telephon: Amt Bismarck 7165—70. Telephon: Bismarck 7165- 70, Postscheckkonto: Berlin Nr. 17 392• Für Oesterreich: Postsparkassenamt Wien. Konto Nr. 15« 03(1. Für Tschechoslowakei: Postsparkaasenamt Prag, Konto Nr. 59 410. Für Polen: Poatsparkaaienamt Warschau, Konto Nr. 190 703. RedaktionsSchluß Sonntag und Mittwoch nachmittag. Nummer 65 | Berlin, 16. VIII. 1927 Anzelgtnprel«! 8 gespalLNonparetHeieil« 0 JO G.-M. StellangasaehaOJSG^M. Anielgenschlafl: Dienstag und Freitag nachmittag 4 Uhr. י״ח מג׳ אב תרס״ז | XXXII. Jahrg. Der Zionismus erstrebt für das Jüdische Volk die Schaffung einer BHentllch rechtlich gesicherten Heimstätte In Palästina. ״Baseler Programm.1* Die Tagesordnung des Kongresses Die zionistische Exekutive veröffentlicht folgende Tagesordnung des XV. Kongresses in Basel vom 30. August bis 9. September 1927. I. Sitzung. Dienstag, den 30. August, 8 Uhr abends. 1. Eröffnung des Kongresses durch den Präsidenten der Zionistischen Organisation, Dr. Ch. Weizmann. 2. Eröffnungsansprache des Präsidenten der Zionistischen Exekutive, Herrn N. Sokolow. 3. Begrüßungen. 4. Wahl des Präsidiums. 5. Gedenkrede auf Achad Haam von Dr. Martin B u b e r. Um 10>/3 Uhr abends tritt der Permanenzausschuß zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. II. Sitzung. Mittwoch, den 31. August, 91/a Uhr vorm, bis U/a Uhr nachm. 6. Entgegennahme des Berichtes des Kongreßgerichtes über die Kongreß wählen, Berichterstatter: Vorsitzender des Kongreßgerichtes, Rechtsanwalt S. Oronemann. 7. Unterbreitung des Berichtes der Exekutive und Darlegung der zukünftigen Politik durch die Herren Dr. Ch. W e i z - mann und N. Sokolow. 8. Eröffnung der Generaldebatte. III. Sitzung. Mittwoch, den 31. August, 3—6tyj Uhr nachm. 9. Nachruf zu Ehren der Zionisten, die in der letzten Kongreßperiode verschieden sind. 10. Fortsetzung der Generaldebatte. IV. Sitzung. Mittwoch, den 31. August, SV*—1 fVa Uhr abends. 11. Vorschläge des Permanenzausschusses für die Wahl folgender Ausschüsse: a) Politische Kommission — b) Kolonisations-Kommission — c) Budget-Kommission — d) Or- \ ganisations-Kommisslon — e) Erziehungs-Kommission —!} Immigrations-Kommission — g) Finanzpolitische Kom- ... ׳fÄlllÄlif יי•״■■" ", Donnerstag, den t. September, findet keine Plenar- Sitzung des Kongresses statt Vormittags, um 10V* Uhr, findet im Kasinosaal eine Feier des 1. Kongresses statt. Um 3 Uhr nachm, werden die Kongreßausschüsse durch Erstattung folgender Referate eröffnet: a) Politische Kommission: Referenten: Col. Ki*sch, Dr. M. D. E d e r, Dr. V. J a c o b s o n. b) Kolonisations-Kommission: Referenten: Herr Josef S p r i n z a k, Ing. S. Kaplans k y. c) Budget-Kommission: Referenten: Col. Kisch, Dr. A. Kastei iansky. d) Organisations-Kommission: Referent: Herr Rosenblüth. e) Erziehungs-Kommission: Referent: Dr. J. Lourie. f) Immigrations-Kommission: Referent: Prof. Dr. H. Pick. g) Finanzpolitische Kommission: Referenten: Mitglieder des Finanz- und Wirtschaftsrates. Der wesentliche Inhalt der Referate wird in der Kongreßzeitung wiedergegeben werden. V. Sitzung. Freitag, den 2. September, 9>/2 Uhr vorm, bis 1 Uhr nachm. 13. Fortsetzung der Generaldebatte. VI. Sitzung. Freitag, den 2. September, 3—7 Uhr nachm. 14. Fortsetzung und Schluß der Generaldebatte. VII. Sitzung. Sonnabend, den 3. September, 9 Uhr abends. 15. Vorschläge des Permanenzausschusses betreffend die Wahl einer neuen Exekutive. Sonntag, den 4. September, werden keine Pienarsitzungen des Kongresses stattfinden. Der Tag soll Sitzungen der Kommissionen und Beratungen der Kongreßgruppen gewidmet sein. Montag, den 5. September, finden Vormittag und Nachmittag Sitzungen der Kommissionen statt. VIII. Sitzung. Montag, den 5. September, 8— ID,4 Uhr abends. 16. Grundprobleme des Aufbaues Palästinas. Referat von Dr. A. R u p p i n. 17. Berichte über die Aufgaben des K. K. L. und K. H., erstattet von den Herren M. M. Ussischkin und Dr. A. H a n t k e. 18. Vorschläge der Budget-Kommission. Dienstag, den 6. September finden vormittags und Nachmittags Sitzungen der Kommissionen statt. IX. Sitzung. Dienstag, den 6. September, 8—11 ג/ג Uhr abends. 19. Bericht der Politischen Kommission. XII. Sitzung. Mittwoch, den 7. September, 8>/s-- 11 >/3 Uhr a b d. 22. Der Zionismus und die jüdische Gegenwart. Referat: Kurt Blumenfeld. 23. Bericht der Erziehungs-Kommission. Donnerstag, den 8. September, vormittags, finden Sitzungen der Kongreßgruppen statt. XIII. Sitzung. Donnerstag, den 8. September, 3-6 Uhr nachm. 24. Bericht der Organisations-Kommission. XIV. Sitzung. Donnerstag, den 8. September, 80 111/3 Uhr abd. 25. Bericht der Finanzpolitischen Kommission. XV. Sitzung. Freitag, den 9. September, 9V3—1 Uhr nachm. 26. Bericht sonstiger Kommissionen. XVI. Sitzung. Freitag, den 9. September, 3—7 Uhr nachm. 27. Berichte sonstiger Kommissionen. ׳ 28. Wahl des Aktions-Comites, des Kongreßgerichtes, des Ehrengerichtes, des Kongreßanwalts und der Revisoren. 29. Schluß des Kongresses. Bemerkungen zor Tagesordnung des 15. Kongresses Zu der gleichzeitig veröffentlichten Tagesordnung des 15. Kongresses fügt die Exekutive der Zionistischen Organisation folgende ergänzende Bemerkungen hinzu: 1. Es wird beabsichtigt, den Kongreß innerhalb von elf Tagen zum Abschluß zu bringen und die zur Verfügung stehende Zeit in ausgedehntem Maße für die Plenarsitzungen dfes Kongresses und die Tagungen der Kommisstonen auszuputzen. Ueberdies soll auf Grund der Erfaht*»Ät3fcr *f rllpfi#; de", cenMetkM KÖtlgreBg«Ä»1« ׳ fünft ittinn*cnaft«1, ׳ Sonden«- bands-Delegationen und Fraktionen) für die interne Beratung der Kongreßfragen zur Verfügung gestellt werden. 2. Die Beratung der Spezialfragen des Kongress es soll zuerst in den Kommissionen durchgeführt werden, bevor sie vor das Kongreßplenum gebracht werden. Die Kommissionen werden demgemäß schon am dritten Kongreßtage zusammentreten und die Vorschläge der Exekutive entgegennehmen. Um eine doppelte Beratung derselben Gegenstände im Plenum zu vermeiden, wira von Spezialreferaten übet die einzelnen Frage abgesehen und es soll anläßlich der Berichte der einzelnen Kommissionen der Exekutive die Möglichkeit gegeben werden, durch ihre Vertreter den Standpunkt der Exekutive dem Plenum vorzutragen. 3. Es wird beabsichtigt, die Kongreßverhandlungen chronologisch in zwei Teile zerfallen zu lassen, und zwar in den ersten Teil, der sich bis zum Schluß der Generaldebatte erstreckt und die Grundlagen der zionistisehen Politik und Arbeit klären soll und in den zweiten Teil, der Einzelheiten der zukünftigen Arbeit beraten und festlegen soll. Es wird vorgeschlagen, die Wahl der Exekutive aut Grund der Vorschläge des Permanenzausschusses mögliehst nicht, wie bis nun, am Ende, sondern in der Mitte des Kongresses stattfinden zu lassen, damit bei der Beratung der Anträge, die sich auf die künftige Tätigkeitsperiode beziehen, bereits eine neu gewählte Leitung vorhanden ist, die zu den einzelnen Anträgen autoritativ Stellung nehmen kann. 4. Um die Arbeit des Kongresses in der zur Verfügung stehenden Zeit bewältigen zu können, und um dem Kongreß einen glatten Verlauf zu sichern, wird es nötig sein, die parlamentarischen Formen, die sich in den früheren Kongressen herausgebildet haben und die in der Geschäftsordnung niedergelegt sind, streng einzuhalten. Die Zeit des Kongresses soll so eingeteilt werden, daß die Redner aller Parteien zu Worte kommen können, woraus es sich naturgemäß ergibt, daß sämtliche Beteiligten sich in bezug auf die Redezeit eine gewisse Beschränkung werden auferlegen müssen. Zur Vermeidung von zeitraubenden Geschäftsordnungs- Debatten soll die Entscheidung von formellen Fragen im Sinne der Geschäftsordnung dem Präsidium überlassen werden. 5. Einem während des letzten Kongresses vorgebrachten Anträge folgend, soll die Zahl der Mitglieder der Kommissionen in gewissen Grenzen gehalten werden, um auf diese Weise die Leistungsfähigkeit der Kommissionen zu vergroßem. Den einzelnen Ausschüssen sollen Fristen vorgeschrieben sein, innerhalb deren sie mit der Arbeit fertig werden müssen. Die Exekutive hofft, daß durch eine verständnisvolle Zusammenarbeit des Kongreßpräsidiums, der Kongreßdelegierten und der Parteien, dem 15. Kongreß in jeder Beziehung ein gelungener und würdiger Verlauf gesichert werden wird. X. Sitzung• Mittwoch, den 7. September, 91/2 Uhr vorm, bis 1 Unr nachm. 20. Bericht der Kolonisations-Kommission. Xf. Sitzung. Mittwoch*, den 7. September, 3—61/2 Uhr nachm. 21. Bericht der Immigrations-Kommission.; Lord Plumer zurückgekehrt Jerusalem, 12. August. (J.T.A.) Lord Plumer ist am 11. August mit Gemahlin wieder in Palästina eingetroffen. Da das Regierungsgebäude durch das Erdbeben uitbewohnbar geworden ist, nahmen sie ihren vorläufigen Wohnsitz im St. John-Hospiz. Nach den Wahlen Das Ergebnis der Kongrcßwahlen in Deutschland hat in zweifacher Hinsicht Uebcrraschungeti gebracht. Die Tatsachen, die dieses Ergebnis charakterisieren, sind der völlige Zusammenbruch der revisionistischen Propaganda, sowie das große Anwachsen der Flügelparteien auf Kosten der Allgemeinen Zionisten. Der agilen Agitation und dem lärmenden Auftreten der Revisionisten sowie der eifrigen Redetätigkeit der Radikalen war es gelungen, die Auseinander- Setzung mit ihnen in den Mittelpunkt des Wahlkampfes zu schieben. In der heutigen schweren Situation des Palästinawerkes und angesichts der unleugbaren Fehler, die insbesondere in der Einwanderungspolitik und in der Palästinaarbeit gemacht wurden, hatte eine Opposition leichtes Spiel. Und man muß sagen, daß sie ihre Chancen reichlich ausgenützt hat. Den Auftakt bildete das effektvolle Auftreten Jabotinskys, es folgten Deklarationen und Deklamationen aller Art, es kam die bekannte ״Pressekonferenz“ in Berlin, die den Zusammen- Schluß von Radikalen und Revisionisten vorbereiten sollte, der konzentrierte Angriff gegen den Plan der Erweiterung der Jewish Agency. Es ist klar, daß eine viel versprechende Opposition in schwerer Zeit leicht den Beifall der Versammlungen finden kann. Dazu kommt noch, daß erfahrungsgemäß eine aufstrebende Opposition stets größere Aktivität entfaltet, als die, immer zu einer gewissen Gleichgültigkeit neigende herrsehende Gruppe. ,Während die Regierungspartei ihre Anhänger meist schwer zur Urne bringt, liegt es im Wesen der Opposition, daß ihr letzter Mann den Kampf mit dem Wahlzettel auslicht. .Wenn trotzalledem in ganz Deutschland für die Revisionisten nur 302 und für die Radikalen 465 Stimmen abgegeben wurden, so bedeutet das eine geradezu vernichtende Niederlage. In gewissem Sinne kann *man freilich auch von einer Niederlage der herrschenden Partei im deutschen Zionismus, des Linken Zentrums sprechen. Diese Partei, die mit Sicherheit mindestens die Hälfte der Mandate zu erobern erwartet hatte, muß sich mit einem Drittel begnügen. Auch dies ist ein außerordentlich interessantes Faktum, aber es gehört in ein ganz anderes Kapitel. Denn die Sieger gegenüber dem Linken Zentrum sind nicht diejenigen Gruppen, die einen grundsätzlichen Wechsel in der zionistischen Politik befürworten, sondern Gruppen, welche in den Grundfragen ungefähr die bisherige Linie einhalten wollen, jedoch außerdem eine ausgesprochenere weltanschauliche Grundlage haben. Misrachi und Poale Zion sind Koalitionsparteien der heutigen Exekutive; und speziell die deutschen Gruppen dieser Föderationen haben iii bezug auf Politik und Wirtschaftspolitik ähnliche — wenn auch natürlich nuancierte — Anschauungen wie das Linke Zentrum. Dies gilt zunächst von der deutschen Gruppe des Misrachi, deren Führer wiederholt im Wahlkampf erklärt haben, daß sie die Politik Weizmanns unterstützen, die Erweiterung der Jewish Agency gemäß den Beschlüssen des Kongresses für notwendig halten und in wirtschaftlichen Fragen die Politik des Linken Zentrums mitmachen. Der deutsche Misrachi steht auf dem — auch nach unserer Meinung richtigen — Standpunkt, daß der Misrachi eine lediglich nach religiösen und kulturpolitischen Kriterien gebildete Gruppe ist, die sich als Gruppe auf eine einseitige Interessenpolitik einer bestimmten Wirtschaftsklasse nicht festlegen könne. Hat bisher der Misrachi auf dem Kongreß sich häufig als Exponent des kleinbürgerlichen Mittelstandes geriert, so geht aus den unzweideutigen Erklärungen des Vorsitzenden des deutschen Misrachi hervor, daß die deutsche Gruppe eine solche wirtschaftspolitische Einseitigkeit nicht gutheißt und mit ihren Sympathien auf der Seite des arbeitenden Palästinas steht. Diese Stellungnahme hat dem Misrachi zweifellos viele Stimmen, insbesondere der religiös orientierten Jugend eingebracht. Wenn dei Misrachi aus diesem Wahlkampf als der eigentliche Siegel hervorgeht, so verdankt er das sicherlich zum großer Teil seiner Führung, die weit über den Parteikreis des Misrachi hinaus Ansehen und Vertrauen genießt. Dabe darf freilich nicht verschwiegen werden, daß auch ge• wisse äußere Umstände, die gerade dem Misrachi die sogenannte Schlepparbeit sehr erleichtern, ihm zu• gute kamen. Der Sieg des Misrachi kann aber aui keinen Fall — dieser Deutung werden wohl die Führet des Misrachi zustimmen — als eine Niederlage det Politik der Z. V. f. D. oder des Linken Zentrums angesehen werden, denn die Entscheidung für Misrachi erfolgt nicht nach einem■ politischen, sondern nach einem kulturellen Gesichtspunkt, also in einer Frage, die ganz, lieh außerhalb des Bereiches der Kongreß-Diskussion &