Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 64 (12.8.1927)
- Date
- 1927-08-12
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 45S JUEDISCHE RUNDSCHAU Nr. 04, 12. VH!. 1927 Die Kongreß «Wahlen erwartet und den die zionistischen Aufbauinstanzen ih• rem Kalkül zugrunde gelegt haben. Wir müssen alles tun, um die Einnahmen in den nächsten Jahren zu steigern, aber wir dürfen uns auf Grund der Erfahrungen auch nicht darüber täuschen, daß schon eine erhebliche Anstrengung dazu gehört, sie auf der bisfterigen Höhe zu halten. Es ist sinnlos, den Delegierten auf dem Kongreß oder bei Aktions-Comitö-Sitzungen das Versprechen abzupressen, daß ihre Länder ihren Beitrag erhöhen werden, und auf solche Versprechungen das neue Budget aufzubauen. Denn erfahrungsgemäß kann man solchen Versprechungen nicht vertrauen, da die Erhöhung des Beitrags nicht lediglich vom guten Willen clcr betreffenden Delegierten abhängt. Es ist klüger und billiger, das Budget vorsichtig zu halten, als es auf ein erträumtes Maximum zu gründen, Hand in Hand damit muß aber das Bestreben gehen, zu einer großeren und angemesseneren Finanzpolitik zu gelangen. Wir brauchen eine langfristige Kredit- Operation zu drei Zwecken: zur Fundierung der bereits entstandenen Schulden, die wie Dr. Weizmann mit Recht ausführte, sich bisher lediglich als eine Einkommens- Überschreitung von etwa 5 Prozent darstellen, und zur Sanierung verschiedener unterkapitalisierter Institute, zweitens zur Durchführung von Ameliorationsarbeiten, die der Arbeitslosigkeit abhelfen (Vorschlag Dr. Ruppin in Nr. 62 der ״Jüdischen Rundschau“) und drittens zur planmäßigen Konsolidierung der bestehenden und Schaffung neuer rentabler landwirtschaftlicher Siedhingen. Welche finanztechnischen Formen sich hierfür empfehlen, soll hier nicht ausgeführt werden. Wenn uns das aber gelingt, dann sind wir ein erhebliches Stück weitergekommen. Dies ist die Aufgabe der künftigen Exekutive, die gestützt auf derartige, von besonderen Trustees zu verwaltende Fonds, die Wirtschaft und Verwaltung in Ordnung zu bringen hat. Aber es wäre verfehlt, diese Aussichten oder Bemühungen beute schon zu eskomptieren und daraufhin neue Schulden zu machen. Dies muß unbedingt unterbleiben, auf die Gefahr hin, unsere Arbeit in den nächsten zwei Jahren sehr einzuschränken. Ohne eine solche ״Deflationskrlse“ kann eine Gesundung nicht kommen. Dies alles muß mit aller Offenheit und Härte ausgesprochen werden, weil wir wollen, daß die zionistische Oeffentlichkeit versteht, warum der Kongreß u. E. zu einschneidenden Maßnahmen gezwungen sein wird. Der Kongreß hat die Aufgabe, die Sanierungsaktion einzuleiten, die uns nach etwa zwei Jahren wieder dazu bringen kann, wirklich zionistische Aufbauarbeit zu leisten. Der Kongreß muß eine Klärung des zionistischen Bewußtseins einleiten, eine Neuorientierung des zionistischen Denkens. Am Ende einer zionistischen Pionierperiode, die unter Schmerzen und Verlüsten dip Fundamente der nationalen Heimstätte geschaffen hät, müsset! wir verstehen lernen, daß der langsame Weg organischen soliden Aufbaus im Rahmen unserer Mittel schneller und slchererzum Ziele führt als eine überstürzte und planlose Einwanderung, die auf große Ziffern abzielt, uns jedoch in der Folge weit zurückwirft und in der Entwicklung hemmt. Die Durchsetzung dieser Erkenntnis ist das wichtigste Ziel, dem wir zuzustreben haben, wichtiger als die bloße Bewältigung aktueller Schwierigkeiten; denn diese werden nur dann wirklich definitiv überwunden werden, wenn das richtige Prinzip unserer ganzen Tätigkeit feststeht. R. W. Für die Erdbeben •Opfer Jerusalem, 8. August. (J. T. A.) Auf Anregung des stellvertretenden Oberkommissars für Palästina und des Vorsitzenden des Hilfskomitees für die Erdbeben-Opfer, Colonel Symes, hat der gegenwärtig in Jerusalem weilende Sekretär des American Near East Relief Fund, Herr Wickrey, an das Hauptbüro dieser Gesellschaft ein Telegramm gerichtet, in welchem dieselbe ersucht wird, gemeinsam mit dem American Joint Distribution Committee und der Amerikanischen Zionistischeu Organisation eine Mindestsumme von 75 000 Dollar zur Unterstützung der durch das Erdbeben Geschädigten zustandezubringen. 111 der letzten Sitzung des JerusalemerStadtrates wurde mitgeteilt, daß 20 Architekten mit der Untersuchung der beschädigten Häuser beschäftigt sind, 175 Häuser der Altstadt sind in einem eiiisturzgcfährlichen Zustande und müssen sofort repariert, 7um Teil abgetragen werden. In Bethlehem müssen 130 Häuser abgetragen und 180 repariert werden, in Bethjaliah 30 Häuser abgetragen und 160 repariert werden. In Hebron wurden eine arabische Frau, ein arabischer und ein jüdischer Knabe infolge der iiberstandenen Schrecken während des Erdbebens irrsinnig. Großes Befremden erregt die Nachricht, daß die Regierung auf die Bitte der jüdischen Gemeinde um Beistellung einer Summe zur Abhilfe der dringendsten Not der jüdischen Einwohner der durch das Erdbeben stark mitgenommenen Altstadt von Jerusalem die Summe von £E 30 angebofen hat. Dabei sind mehr als 100 jüdische Familien Jerusalems durch die Erdheben-Katastrophe in tiefste Not geraten. Da unter den S p e 11dern für die Geschädigten die Juden bei weitem die erste Stelle einnelunen, ist das Verhalten der Regierung unverständlich und kann mir den Effekt haben, die Juden künftighin wieder auf die Bahn der Selbsthilfe, statt der Teilnahme am allgemeinen Hilfswerk zu verweisen. Der Verlassnngstag in Deutschland Reichsregierung, Preußische Staatsregierung und die Stadt Berlin haben zur offiziellen Verfassungsfeier am 11. August auch die Zionistische Vereinigung für Deutschland eingdaaen. Das Präsidium der Z.V.f. D. leistete der Einladung Folge; Herr Blumenfeld nahm namens der Z. V.f. D. an der offiziellen Feier teil. Die Resultate in Palästina Von unserem Korrespondenten. AG, Tel־Awiw, den 3. August 1927. Heute, am zweiten Tage nach den Wahlen sind die endgültigen Wahlresultate noch nicht ganz klar. Denn es fehlen noch Nachrichten von einigen Stellen und in Tel-Awiw ist man bisher mit der Prüfung der vielen zweifelhaften Stimmen (gegen 1500) nicht fertig geworden. Dennoch sind die Ergebnisse in den großen Umrissen bereits deutlich: im Ganze!! wurden zum Kongreß in Palästina gegen 21 000 Stirnmen abgegeben. Davon entfallen auf die Achduth Awodah 9, auf den Hapoel Hazai'r 5, auf den Misrachi 1, auf die Revisionisfen 2, auf die misrachistischen Arbeiter 2, die bürgerlich-nationale Vereinigung 5, die jemenitischen Arbeiter 1, die Allgemeinen Zionisten 1. Wenn man diese verschiedenen Listen nach den Flügeln ordnet, so ergibt sich für ״links“ (Achduth Awodah, Hapoel Hazai'r, jemenitische Arbeiter) 15 bis 17 Mandate, für ״rechts“ (Misrachi, Revisionisten und national-bürgerliche Vereinigung) 6—8 Mandate, ln der Mitte steht der Abgeordnete der Allgemeinen Zionisten (Dr. Glücksolin), der zu keiner der beiden Seiten zu rechnen ist und die misrachistischen Arbeiter, die in Wirtschaftslagen mit den Arbeitern, in Kulturfragcn mit dem Misrachi stimmen werden. Trotz dem allgemeinen Ruf nach Unparteilichkeit und der starken Propaganda gegen die Parteienwirtschaft, die in letzter Zeit nicht aufgehört hat, zog es also das Publikum vor, sich den Parteien mit ausgesprochenen Kampfparolen anzuschließen. Freilich sind die Gruppen, die sich für den Wahlkampf zusammengeschlossen haben, zum Teil sehr sonderbare Gebilde. Abgesehen von verschiedenen Listenverbindungen, denen keine grolle Bedeutung zu kommt, da es sich nur um die überzähligen Stimmen handelt, hat die national-bürgerliche Vereinigung versucht, alles an sich zu ziehen, was nicht zur Arbeiterschaft gehörte. Sie umschloß organisatorisch bereits die verschiedenen ״Landsmannschaften“ (Polen, Bulgaren usw.), ging eine Verbindung mit den Indtistriellen ein und gelangte zuletzt zu einer Uebereinkunft mit den Jemeniten. Die ״Allgemeinen Zionisten“ dagegen lehnten jede Vereinigung mit dieser Seite ab. Das Bündnis mit den Jemeniten, das naturgemäß keine programmatische Basis haben konnte, gab den Wahlen einen ungewohnten Charakter. Die Jemeniten, die von der Vereinigung mit Schekeln versorgt worden waren, hatten sich mit ihren ganzen Familien den Wahlen zur Verfügung gestellt. Vom frühen Morgen bis ln die späte Nacht waren sie an der Arbeit und erschienen vollzählig an der Urne. Ihrer starken Beteiligung ist ein Teil des Erfolges der ״Rechten“ zumschreiben. Die Wahlbeteiligung und vor allem die Bewegung bei den Wahlen deutet auf ein lebhaftes Interesse Palästinas am Kongreß. Man sah von frühmorgens an bis Mitternacht große Ansammlungen vor den Wahllokalen. Der Mittelpunkt der Tätigkeit war dieses Mal Tel-Awiw. In Jerusalem war die Beteiligung ungewöhnlich schwach. Haifa steht, gleich an zweiter Stelle: In Tel-Awiw würden in den Tagen vor der Abstimmung und am Wahltage selbst wieder alle Mittel in Bewegung gesetzt, um das Publikum anzuziehen. Zu den Versammlungen, Artikeln, Flugblättern, Plakaten, kam diesmal ein Megaphon des Radioinstituts der Arbeiterorganisation, das von allen Parteien benutzt wurde und die Parolen unermiidlich vom Zentrum der Stadt aus über die Passanten hinwcggehen ließ. Am Wahltage gab es Automobile, Lichtreklamen und von den Revisionisten einen Aufzug ihres ״Bund Trumpeldor“ mit Musik und Reden. Der Wahlapparat arbeitete diesmal mit vielen Reibungen. Die Listen der Schekelzahler waren unübersichtlich׳ und die Wahlhandlung schritt sehr langsam vorwärts. Von Mittag an mußte man oft eine Stunde und länger warten, bis man zum Stimmen kam. Trotzdem stand das Publikum geduldig in Treue und benutzte die heiße Wartezeit zu Diskussionen. Hier zeichneten sich besonders die Jemeniten aus, die sich, ohne müde zu werden mit ganzen Gruppen herumschtugen und auf jeden Einwand eine Antwort fanden. Am heißesten tobte der Kampf in ihrer eigenen Mitte. Neben den mit den Bürgerlichen Liierten gab es jemenitische Arbeiter, die eine besondere Liste aufstellten; zwischen diesen beiden Lagern gab es die schwersten Diskussionen, die schließlich zu Tätlichkeiten führten, so daß die Polizei einschreiten mußte. Es ist der Erwähnung wert, daß die Frauenorganisation ״Wizo“ bei diesen Wahlen zum ersten Male einen eigenen Kandidaten zum Kongreß aufgestellt hat, der auf der Liste der Allgemeinen Zionisten figurierte, der die ״Wizo“ ihre Hilfe bei der Wahlarbeit zur Verfügung stellte. Die noch ausstehenden Stimmen werden das Wahlrcsultaf in seinen Grundzügen nicht mehr ändern. Palästina schickt eine Delegation zum Kongreß, zusammengesetzt aus 8 Listen, die sich in größere Gruppen zusammenschließen. Der Arbeiterschaft ist es gelungen, trotz der Gegnerschaft, die auch in Palästina sich gegen sie erhoben hat, mehr als 50 Prozent auf ihren Listen zu konzentrieren. Der Revisionismus hat trotz aller Anstrengungen und trotz des großen Schwunges einer jungen Oppositionspartei nur zwei Mandate erringen können. Die National-bürgerlichen haben durch ihre Politik der Konzentrierung aller ihnen nahestehenden Elemente und durch ihre finanzielle Kraft einen Vorstoß durchführen können, der sic als die drittstärkste Gruppe unter den Parteien kennzeichnet. Eine bedeutende Wendung in der innerpalästinensischen Politik. Mit dem Abschluß der Wahlen gleitet der Schwerpunkt der palästinensischen Geschicke für einige Zeit ins Galuth hinüber. Hier im Lande heißt es jetzt nur aushalten und so gut wie möglich Weiterarbeiten, bis die Beschlüsse des Kongresses eine neue, und wie man hofft, solidere Aktionsbasis schaffen sollen. Die palästinensischen Delegierten fühlen die verantwortungsvolle Aufgabe, der zionistischen Welt, die sich in Basel versammelt, die Lage und die Bedürfnisse des Landes klarzulegen. Weitere Wahlergebnisse Wir haben in Nr. 62 und 63 Resultate der in Kongreßpolen vorgenommenen Wahlen zum XV. Zionistenkongreß veröffentlicht, die zur Zeit der Veröffentlichung von den einzelnen Fraktionen in Polen heiß umstritten waren. Die H a u p t w a h 1 k o in m i s s i o n in Warschau tagte zwei Nächte lang, um zu einem abschließenden Ergebnis zu gelangen, in dieser Sitzung sahen sich Radikale und Hitachduth gezwungen, Obstruktion zu treiben, da sie nach ihrer Meinung von der Mehrheit der Wahlkommission in ihren Ansprüchen gekürzt wurden. Mit Stimmenmehrheit wurde schließlich am 9. August folgendes Resultat bekatintgegeben: Misrachi acht Mandate, Et h Liwnoth fünf Mandate, Linker Block (Poale Zion und Haschonier Hazair) vier Mandate, Hitachduth ein Mandat, AI Hamischmar •und Revisionisfen gingen leer aus. in Ostgalizien lautet das Schlußergebnis: Allgemeine Zionisten fünf Mandate, Hitachduth vier Mandate, Misrachi drei Mandate. Westgalizien (bereits in letzter Nummer veröffentlicht): Allgemeine sechs, Hitachduth ein, Misrachi ein Mandat. In der Tschechoslowakei ist das endgültige Resultat: Linkes Zentrum sechs Mandate, Radikale zwei Mandate, Misrachi ein Mandat. fn Beßarabien haben die Allgemeinen Zionisten ein Mandat und die Hitachduth ein Mandat errungen,!11 der Bukowina rechnet man mit der Wahl eines Allgemeinen Zionisten (Linkes Zentrum) und eines Delegierten der Poale Zion. Das Resultat in Oesterreich wird erst am 12. August bekannt sein. Die vorläufigen Stimmergebnisse erbrachten die meisten Stimmen für das Link« Zentrum; ihm folgen die Radikalen, dann die Revisionisten, Hitachduth, Misrachi und Poale Zion.; In England ist die Zählung der abgegebenen Stimmei noch nicht abgeschlossen. Man rechnet in London mi der Wahl von zwei Allgemeinen Zionisten und einen Misrachi, und in der Provinz mit der Wahl von dre Allgemeinen Zionisten und einem Misrachi. Die bisherigen Ergebnisse lassen einen starken Wa 11!erfolg des Misrachi und eine geradezu vernichtcnde Niederlage der Revisionisten und Radikalen erkennen. Die palästinensische Landwirtschaft Jahresbericht der Regierung für das Jahr 1926. Jerusalem,!. August. (]. T. A.) Der Jahresbericht des Departements für Landwirtschaft der Palästina-Regierung für das Jahr 1926 ist soeben erschienen. Die reichlichen und gut verteilten Regenfälle zu Beginn der Saison ךheißt es in dem Bericht — versprachen ein glänzendes Landwirtschaftsjahr, allein ungewöhnlich hohe Temperaturen sowie Winde in den kritisehen Entwicklungsstadien des Frühlings beeinträchtigten, besonders im Süddistrikt, das Ernteergebnis. In Gerste, die vor der Hitzewelle reif geworden war, erzielte man eine ausgtzeichnete Ernte: 70000 Tonnen gegen 40000 Tonnen im vorangegangenen fahr. Friihweizen ergab besonders im Norden eine gute Ernte, aber der Spätweizen war im Rcifcstadium schweren Schädigungen ausgesetzt. Die Weizenernte ergab 99000 Tonnen gegen 101000 Tonnen im Jahre 1925. Auch die Qualität war geringer und mußte gegenüber dem Importweizen im Preise etwas zurückstehen. Die Ernte in Bohnen, Linsen und anderen Hülsenfrüchten war gegenüber 1925 erhöht, was auf vermehrten Anbau zurückzufufiren ist. Von den Sommer- Pflanzungen hatte Sesam am meisten unter dem ungünstigen Wetter gelitten; der Gesamtertrag 1. J. 1926 war 1800 Tonnen gegen 5000 Tonnen i. J. 1925. Hirse ergab 24000 Tonnen gegen 30 000 Tonnen im Jahre 1925. Der Tabakanbau wurde räumlieh eingeschränkt, im allgemeinen aber wurden bessere Ergebnisse und eine höhere Qualität erzielt. Dem Wunsch nach Ermäßigung des Einfuhrzolls in England für palästinensischen Tabak konnte nicht entsprochen werden, da die britische Tabakindustrie in ihrem gegenwärtigen Entwicklungsstadium nicht in der Lage ist, mit günstiger produzierenden Territorien in Wettbewerb zu treten. Deshalb blieb der britische Markt dem palästinensischen Produkt verschlossen. Es konnten jedoch große Schiffsladungen nach Deutschland und Italien geliefert werden. Zu bemerken ist, daß führende türkische Zigarettenfabriken in Palästina Zweigfabriken errichtet haben, was ein Beweis ist für die gesteigerte Nachfrage nach den hochwertigen palästinensischen Rohprodukten, Die Baumwollernte litt sehr unter der Beschädigung durch den Samenkapselwurm. Nichtsdestoweniger wurde eine Gesellschaft für Baumwollzucht gegründet, die die Möglichkeiten einer stabilisierten Baumwollzucht in Palästina prüft. Besonders günstige Marktbedingungen regten eine Aus* dehnung des Obstfarmwesens an. Ungeachtet dessen, daß die Orangenernte der Saison 1925/1926 durch ungewöhniiehen Frost zu Beginn des Frühjahres reduziert worden war, hielten sie die Preise auf zufriedenstellender Höhe, und es kamen neue Märkte hinzu. Die Plantagen dehnen sich aus und werden rationell bearbeitet; 113 Plantagen werden mit Dampfpflügen bearbeitet. 1926 wurden 6600 Dunam Boden mit Orangen- und Grapefrüchten bepflanzt; 7100 Dunam wurden für Anpflanzung i. J. 1927 vorbereitet. Die Aussichten für die jetzt eingebrachte Ernte sind ausgezeichnet. 18000 Kisten wurden itn Oktober nach England und Aegypten geliefert und erzielten ermunternde Preise. Mit den Ländern Aegypten, Italien, Türkei und Polen werden Verhandlungen wegen Ermögliche., einer normalen Einfuhr von Palästina-Orangen durch We Schaffung von Zollbeschränkungen geführt. Die Weinlese war im allgemeinen zufriedenstellend; sonders Tafeltrauben brachten den Züchtern gute Profite ein und es besteht die Tendenz, die Tafeltraubenzucht auf Koster, der Weintraubennicht auszudehnen. Feldmelonen ergaben eine normale Ernte, die Preise jedoch waren unbefriedigend, weil die Nachfrage aus Syrien beschränkt war. Die Oüvenernte betrug fast das Doppelte als die des Jahres 1925. Feigen waren in der Qualität gering infolge der Schäden durch Schildläuse. Mandeln litten gleichfalls unter den Angriffen des Bohrwurms so daß viele Pflanzungen ausgerodet und durch Orangen- und andere Obstbäume ersetzt wurden. Erhöhtes Interesse wurde dem Bananen-Anbau zugewendet, beträchtliche Plantagen wurden angelegt. Für die gesamte verfügbare Ernte wurden vorzügliche Preise erzielt. Die Möglichkeit, durch besonders ausgerüstete Dampfer die Orangen im Winter und die Bananen im Sommer auf den britischen Markt zu bringen, wird jetzt erwogen. Die Durchführung eines umfassenden Bewässerungsplanes würde sich 111 Verbindung mit der Entwicklung einer Rohrzucker-Ind ust r ie verwirklichen lassen.