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Jüdische Rundschau · 1927-08-05 · Heft 62 (5.8.1927) · page 7

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 62 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
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Nr. 62, 5. Vm. 1027 yoEtnscHi Rundschau Srfte 445 / Blätter des ״Bundes Zionistischer Frauen“ Was erwarten die deutschen Zionistinnen von derWizokonferenz (Dieser Artikel bedeutet die Aeußerung des ״Bundes Zionistischer Frauen in Deutschland“.) Auch in diesem Jahre findet, wie bei den letzten drei Kongressen, anläßlich des Zionistischen Kongresses eine Konfereru der WiZO (Womens International Zionist Organisation) statt. Die Wizo, die sich die Aufgabe gestellt hat, die zionistischen Frauen der Welt zusammenzufassen und zu aktivieren, kann für den Aufbau Palästinas von so wesentlicher Bedeutung werden, daß man ihren Konferenzen mit konzentriertem Verantwortlichkeitsbewußtsein gegenübertreten muß. Die deutschen Zionistinnen sind in doppelter Weise organisiert. Sie gehören in ihrer Mehrheit dem ״Kulturverband“ (Verband jüdischer Frauen für Kulturarbeit in Palästina) an, der — vor 25 Jahren gegründet — als erste Frauengruppe mit einer speziellen Frauenarbeit für Palästina begann. Der Kulturvcrband hat schon vor dem Kriege Ausbildungsstätten für Land- und Hausarbeit in Palästina ins Leben gerufen und die Grundlagen für eine palästinensische Heimindustrie zu entwickeln versucht. Der Kulturverband war aber von seinem Beginn an keine zionistische, sondern nur eine propaiäslinensischc Organisation. Er hält die Probleme des palästinensischen Fraucnlcbens für eine alle jüdischen Frauen so stark bewegende Angelegenheit, daß er den Wunsch hatte, eben die Gesamtheit der jüdischen Frauen in sich zu vereinigen. Leiter und zentrale Kräfte waren überall die Zionistinnen. Sie waren aber durch die Idee des Verbandes gehindert, eine weitergehende zionistische Propaganda und Arbeit in ihren Gruppen zu entwickeln. Diese Tatsache machte vor einigen Jahren die Gründung des ״Bundes Zionistischer Frauen in Deutschland“, einer rein zionistischen Organisation, notwendig. Der Bund Zionistischer Frauen hat von seiner Gründung an bis heute in engem Zusammenhang mit dem Kulturverband, aber in klarer Verfolgung seiner eigenen Ziele gearbeitet. Mit dem Kulturverband verfolgte er gemeinsam die Aufbringung von Mitteln für die Frauenarbeit in Palästina, ln seiner Besonderheit versuchte er, die zionistischen Frauen Deutschlands so zu beeinflussen, daß sie zu entschlossenen Trägern des zionistischen Gedankens und zu bereiten Mitarbeiterinnen bei jeder zionistisch notwendigen Aktion werden. Er ging von dem Gkdanken aus, daß die Frau ebenso als Einzelpersönlichkeit wie auch als Erzieherin der Kinder und Mitarbeiterin des Mannes einen entscheidenden Faktor in der zionistischen Entwicklung bedeutet. Er erkannte, daß die intensive Beeinflussung von Frauen auf die Dauer nur durch Frauen selbst geschieht und daß die Kraft der einzelnen Frau nur durch die Bildung gleichgesinnter und zusammenwirkender Gruppen gesteigert werden kann. Als rein zionistische Orga- »isatlon schloß sich der Bund nach seiner Entstehung der!Wizo an, während der Kulturverband als nicht rein zionistische Organisation eine gewisse Sonderstellung innerhalb der Wizo «fciSiuptete^'die ״letzte»' Wizokonferenzen immer zu netten Auseinandersetzungen führte, und auch in diesem Jähre fa grundsätzlicher Weise behandelt werden soll. . Der Kulturverband hat sich der Wizo seit dem vorletzten Kongreß in der Weise eingeordnet, daß er jährlich eine von ihm aufgebrachte Summe in das Budget der Wizo gibt. Er hat diese Einordnung für notwendig gehalten, weil die Wizo dieselben Aufgaben, die der Kulturverband sich von Beginn an gesetzt hat, in einem erweiterten Maßstab als ihr zentrales Arbeitsgebiet aufgennommen hat und der Kulturverband jede Zersplitterung im Interesse der Arbeit vermeiden wollte. Der Kulturverband leitet aas dieser Einordnung das selbstverständliehe Recht, an der Mitbestimmung über Palästina- und Budgetfragen innerhalb der Wizo ab. Er fordert eine Vertretung einer Delegierten für je 200 Mitglieder innerhalb der Konferenz (auf die Mitglieder der Wizo entfällt eine Delegierte für je 100 Mitglieder), eine Forderung, die nicht nur von allen deutschen, sondern voraussichtlich von allen die Arbeit des Kulturverbandes kennenden kontinentalen Zionistinnen unter- Stützt werden wird. Der Bund Zionistischer Frauen in Deutschland arbeitete in den vergangenen Jahren ohne eine irgendwie erhebliche Hilfe der Weltorganisation. Ein auf der vorletzten Konferenz geplanter Zentralverband für die zionistische Arbeit auf dem Kontinent kam nicht zustande. Die Anregungen, die den zionistischen Gruppen von außen gegeben wurden, beschränkten sich auf die Geldsammelaktion für Palästina, die in Deutschland speziell vom Kulturverband ausgeübt wurde. Es Scheint aber ebenso im Interesse der deutschen Zionistinnen wie in dem aller zionistischen Frauenverbände notwendig, die früher diskutierte und fallen gelassene Idee einer speziellen Gruppe innerhalb der Wizo, welche die Propaganda und innere Erziehungsarbeit unter den zionistischen Frauen des Kontinents organisiert, neu aufzunehmen. Eine derartige Zentralstelle würde die Arbeit jedes einzelnen Verbandes wesentlich beleben, indem sie die Ideen und Erfahrungen der einzelnen Linder für die Gesamtheit nutzbar machten. Nach allgemeiner, schon vor einigen Jahren ausgesprochener Ueberzeugung dürfte der Sitz einer derartigen Zentrale nicht in London, sondern in einer der kontinentalen Hauptstädte sein. Selbstverständlich müßte dabei der engste Zusammenhang zwischen der kontinentalen Zentrale, London und Palästina gewährt sein. Als der KuHurver&and sich gründete, aber auch noch zur Zeit der Entstehung der Wizo war es möglich, Palästina wesentlich als Objekt der Arbeit anzusehen. Es ist heute eine lebendige Wesenheit geworden, die Hilfe von außen braucht, aber ihre Lebensziele selber bestimmt. Die zionistische Propaganda und Erziehungstätigkeit wird ihre lebendige Kraft nur dann auf die Dauer behalten, wenn sie ständig von neuem von allen Problemen Palästinas berührt wird. Wenn auf der anderen Seite Palästina zu seiner Entwickhmg der Mitarbeit des Gafuths bedarf, so ergeben sich daraus innerliche und organisatorische Schwierigkeiten, die das zentrale Problem der Konferenz bilden werden. Die!Wizo hat ihre Zentrale in London. Es liegt in der Natur der Dinge, daß diese Zentrale das Recht für sich behalten will, über die Verwendung des von ihr aufgebrachten Geldes entscheidend zu bestimmen. Es liegt aber ebenso in der Notwendigkeit der Entwicklung, daß aus den Kreisen der palästinensischen Frauen eine Opposition gegen die Bevormundung ihres Lebens auf getaucht ist und daß die palistinensischen Frauen verlangen, entscheidend bei dem Ausbau und Aufbau der im Lande ins Leben gerufenen Fraueninstitutionen mitzuwirken. Die Form, in der eine derartige Mit- Wirkung stattfinden könnte, war bereits auf der vorigen Konferenz Gegenstand scharfer Auseinandersetzungen. Von palästinensischer Seite aus wurde die Gründung eines ״Rates palästinensischer Frauen“ (Moazah Merkasit) gefordert, in dem Vertreterinnen aller für Palästina arbeitenden Frauen- Organisationen Sitz haben sollten. Während der ersten Arbeitsperiode soll die Moazah eine wesentlich beratende Körperschaft sein. Ihre Aufgaben sind die folgenden: 1. Studium und Begutachtung der bestehenden Institute; 2. Berichterstattung über Frauenarbeit in Palästina; 3. Beratung über notwendige Maßnahmen zur Ausgestaltung bestehender Institute; 1־. Gutachten über die Zweckmäßigkeit und Ausführbarkeit von neuen der Moazah vorgelegten Arbeitsprojekten; 5. Ausgabe von Direktiven für neue Arbeiten für die bereits bestehenden Organisationen. Die Idee der Moazah wird in diesem Jahr neu aufgenommen werden. Der Wizokonferenz wird eine Vorbesprechung mit den Vertreterinnen der wesentlichsten palästinensischen und sonstigen für Palästina arbeitenden Frauenorganisationen vorangehen. Die deutschen Zionistinnen sind bereits auf der letzten Konferenz für die Idee der Moazah eingetreten und werden es in diesem Jahre von neuem tun. Die Moazah wird, wenigstens für die nächsten Jahre, beratende, nicht beschließende Körperschaft sein. Die zentrale Bestimmung über die Verwendung der Wizogelder wird also nach wie vor, wie auch die Entscheidung über die Moazah fällt, bei der Konferenz liegen. Die Budgetfestsetzung durch eine große in nur längeren Zeitabschnitten zusammentretende Konferenz wird aber immer etwas zufälliges und nicht zu Ende durchdachtes haben müssen. Es scheint darum wünschenswert, daß die Konferenz nur die allgemeinen Richtlinien über den Etat aufstellt und einem besonderen von ihr erwählten Finanz- und Wirtschaftsausschuß die endgültige Budgetfestsetzung und Kontrolle über die Verwendung der Gelder überläßt. Dieser Ausschuß würde in ganz anderer Weise als die auf wenige Tage beschränkte Konferenzkommission Möglichkeit der Anhörung einer Moazah haben und dadurch die für Palästina günstige Verwendung der Gelder verbürgen. Die deutschen Zionistinnen haben, als sie den Anschluß des Bundes beschlossen, die Wizo als die zentrale Organisation der zionistischen Frauenwelt anerkannt, und eben aus dieser Anerkenming folgt ihr Verantwortungsgefühl für die bestmögliche Ausgestaltung der Organisation. Die Frau als Pionierin in Palästina Von Hedwig Gellner. v Ziele. Wenn die Entwicklung einer neuen jüdischen Gesellschaft und einer neuen jüdischen Kultur in Palästina für die Juden der ganzen Welt von Bedeutung ist, so gilt dies in ganz besonderem Maße für die jüdische Frau, die Anlaß hat, nicht nur als Jüdin, sondern auch als Frau unzufrieden zu sein. Aus dieser doppelten Unzufriedenheit ergibt sich das doppelte Pioniertum der Frau in Erez-Israel: Sie muß mitwirken beim Aufbau des Landes und sie muß gleichzeitig dafür kämpfen, daß in der neuen Gesellschaft die Frauen denselben sittlichen Einfluß ausüben können, den sie unter anderen, einfacheren Bedingungen früher in ihrem Wirkungskreis innerhalb ihrer Familien besaßen. Die neue Zeit mit ihren neuen Bedingungen hat den Frauen ihren engeren Wirkungskreis genommen, ihnen aber keinen weiteren dafür gegeben. Um einen solchen, um eine Lebensform, die ihnen ermöglicht, nicht nur ihren Pflichten als Gattin und Mutter zu genügen, sondern darüber hinaus auch an allen Angelegenheiten des öffentlichen Lebens tätigen Anteil zu nehmen, kämpfen die Frauen Palästinas. Es gibt natürlich Tausende von Frauen in Europa und Amerika, die diesen Kampf ebenfalls kämpfen. Aber sie kämpfen ihn gewissermaßen allein, jede einzelne nur von ihrer eigenen Persönlichkeit getragen, und so stark diese Persönlichkeit auch sein mag, so zerschellt sie doch meistens im Kampfe gegen alte Lebensformen und Traditionen, die noch bestehen, auch wenn ihnen der Inhalt genommen wurde. In Erez-Israel wird der Kampf von Frauen als Gruppe geführt, und er wird begünstigt von dem Umstande, daß nicht nur sie selbst, sondern auch die Männer einsehen, daß den Frauen eine breitere Einflußsphäre im öffentlichen Leben eingeräumt werden muß als es in den alten Ländern der Fall ist. Wenn der Einfluß heute noch gering ist, so ist daran vor allem die mangelnde innere Vorbereitung der Frauen schuld. Dies erkannte eine Gruppe von Chaluzoth schon vor 15 Jahren, und dieser Erkenntnis entsprang die Arbeiterinnenbewegung Palästinas, die ihrem Wesen nach nicht politisch, sondern sittlich ist. Ihr Ziel ist die Schaffung von Bedingungen, die Persönlichkeit, Kraft und Fähigkeiten entwickeln und Selbstvertrauen geben zur Mitarbeit, zur klaren Beurteilung der Gegebenheiten, zur eigenen Meinungsbildung. Den Führerinnen der Bewegung schwebt die Schaffung eines Idealtypus der arbeitenden Frau vor, die mit ihrem ganzen Wirken im Gemeinschaftsleben steht. Letzteres wird dabei nicht als vage Vorstellung empfunden, sondern umschließt den ganzen Komplex der Forderungen, die im engeren Sinne das tägliche Leben und der Aufbau einer Gemeinschaftssiedlung, im weiteren der Aufbau der neuen Ge- Seilschaft mit all den vielen sozialen Fragen mit sich bringt. Um sich zu überzeugen, daß die Bewegung in praktischen Fragen Ihren Ausdruck findet, braucht man nur den Bericht der letzten Arbeiterinnenkonferenz zu lesen, auf der mit großem Interesse und viel Verständnis über viele Probleme des Aufbau- Werkes gesprochen wurde: Immigration, landwirtschaftliche und ewerbliche Ausbildung von Mädchen, Arbeitsmöglichkeiten in tadt und Land, Organisierung des Lebens in den verschiedenen Arten des Gruppenlebens, Lohnfragen, Arbeitsvermittlungsämter, soziale Schutzgesetze, Erziehung und Pflege der Kinder, Ab- Schaffung der Kinderarbeit, Wohnungsfragen, kulturelle Arbeit usw. Es wäre falsch, den Eindruck hervorzurufen, als wäre das Interesse für diese Fragen auf die Reihen der Arbeiterinnen beschränkt; es wird natürlich von allen sozial denkenden Frauen geteilt. Aber praktische Versuche, das Leben so zu gestalten, wie es ihnen als Ideal vorschwebt und sich selbst für ein solches Leben zu erziehen, haben allerdings nur die Arbeiterinnen als G r u p p e unternommen, die sich zu diesem Zwecke organisierte und ständig vergrößerte. Heute umfaßt sie offiziell ungefähr 120Q0 Frauen. Den ersten Anstoß zu der Arbeiterinnenbewegung, wie wir sie heute in Erez-Israel sehen, gab die Erkenntnis, daß der bloße Wille zur Mitarbeit und zur Mitverantwortung nicht genügte, sondern daß es dazu einer besonderen sachlichen und menschliehen Vorbereitung bedurfte, die die Chaluzoth aus den Ländern des Galuth nicht mitbrachten. Die ersten Chaluzoth, die dies erkannten, suchten einen Weg, um vollberechtigte, vollwertige Mitarbeiter beim Aufbau der neuen Gesellschaft zu werden. Da für sie nur die Landwirtschaft als Arbeit und die landwirtschaftliche Gruppe als Lebensform in Betracht kam, so war es klar, daß sie sich für diese Arbeit und für dieses Leben vorbereiten mußten. Bis vor zwei Jahren wurde die ganze Erziehungsarbeit unter den Chaluzoth von diesem Gesichtspunkte aus betrachtet und hätte das Leben in Erez-Israel die langsame stetige Entwicklung weiter genommen, wie in den ersten Jahren der neuen Immigration, mit dem Hauptziele der Schaffung landwirtschaftlicher Siedlungen, so wären wir wahr* scheinlich auf dem Wege der Entwicklung der neuen jüdischen Frau in Palästina um ein großes Stück weiter. Die letzten Jahre mit ihrer Ansammlung von Chaluzoth in den Städten und alten Kolonien, mit der Notwendigkeit des Eindringens in städtisehe Berufe, hat das Frauenproblem jedoch sehr kompliziert. Eine Zeitlang schien es, als hätte der schwere Kampf um die bloße Existenzmöglichkeit die idealen, sittlichen Ziele der Be* wegung in den Hintergrund gedrängt. Zu lange Zeit war man sich der veränderten Bedingungen nicht bewußt geworden, die neue Wege verlangten. Aber in der schon erwähnten Arbeite* rinnenkonferenz fanden die Ideale und Bestrebungen der pa* lästinensischen Frau wieder klaren Ausdruck. Die Probleme, mit denen die Frau in Palästina kämpft, sind die Probleme der Frau in der ganzen Welt Nur ist die Möglichkeit einer Lösung beim Aufbau einer neuen Gemeinschaff größer als in alten Ländern. Und es ist kein Zufall, daß es gerade die Chaluzah ist, von der wir einen Fortschritt in dieser Hinsicht erwarten, denn sie reißt sich bewußt von allen Traditionen los, indem sie ihre Familie verläßt und mit dem Entschlüsse nach Palästina geht, dort Pionierin eines neuen Lebens zu werden. Dadurch unterscheidet sie sich von der bürgerlichen Frau, die mit der Absicht nach Palästina geht, dort vor allem für sich und ihre Familie Bedingungen zu schaffen, die es ihr ermöglichen, so zu leben, wie sie an ihrem früheren Wohnorte gelebt hat. Nur soweit es ihr diese Be■ dingungen erlauben, nimmt sie auch am sozialen Leben Anteil. Wege. Einen wichtigen Faktor bei der Erziehung der Chaluzoth bilden die selbständigen Mädchengruppen. Um die Ur* Sachen, aus denen sich diese Gruppen entwickelten und ihre Bedeutung richtig einzuschätzen, muß man das Leben in denselben einerseits mit dem Leben der Mädchen in den gemischten Gruppen, andererseits mit dem Leben eines einzelstehenden Mädchens vergleichen. Das Leben des letzteren, sowohl in den Städten als auch in den Kolonien ist sehr schwer und im Kampfe um die bloße Existenz bleibt ihr keine Kraft übrig für soziale und kulturelle Interessen. Das Gruppenleben gibt ihr eine ge* wisse Sicherheit, die erst die eigentliche Erziehungsarbeit mog* lieh macht. In den gemischten Gruppen haben jene Mädchen, die nicht vorher in einer Mädchenkwuzah gewesen sind, meistens nicht genügend Selbstvertrauen, um eine eigene Meinung geltend zu machen und in die Gestaltung der Gruppe entscheidend einzugreifen. Da sie hauptsächlich im Haushalt beschäftigt sind, ist ihr Leben sehr monoton. Solange das Ziel der Chaluzah nur die Landwirtschaft war, war auch der Zweck der Mädchengruppen landwirtschaftliehe Ausbildung. Die sogenannten Mädchenfarmen sind aber mehr als bloße Ausbildungsstltten; sie sind selbständige Wirtschaffen, für deren Gedeihen jedes Mitglied der Gruppe verantwortlich ist und von deren Erträgnis die Gruppe lebt. Die Zionistische Organisation verlangt genaue Rechenschaft für die in jeder Wirtschaft investierten Gelder und diese Rechenschaft muß von den Mädchen selbst gegeben werden. Es gibt keine Verwaltung und keine Leitung. Die neuen Chaluzoth werden von erfahrenen Genossinnen unterwiesen. Es besteht ein Wettbewerb zwischen den einzelnen Mädchenfarmen, welche von ihnen die besten Resultate erzielt, und dieser Wettbewerb ist von hohem erzieherischem Werte. Auf diese Weise entwickelt sich das Selbstvertrauen und das Ver* antwortiiehkeitsgefühl der Mädchen. Die erste Mädchenfarm in Kinereth hat uns die Führerinnen und Erzieherinnen der späteren Chaluzoth gegeben. Heute bestehen sechs landwirtschaftliche Mädchengrunpen, aus denen jedes Jahr ungefähr TO bis 80 Frauen hervorgehen, die nicht nur landwirtschaftlich sehr gut ausgebildet sind, sondern auch eine vorzügliche menschliche Vorbereitung für das Leben im Lande genossen haben. Ein Teil dieser Frauen geht in die gemischten Sied* lungen über, ein anderer Teil stellt sich wieder für die Arbeit unter den neuen Chaluzoth zur Verfügung. Die Wirkung der Erziehung in den Mädchenwirtschaften ist daher nicht nur auf jene Chaluzoth beschränkt, die tatsächlich Mitglieder einer Mädchenfarm \v־aren( sondern breitet sich durch den Einfluß der letzteren auf breite Schichten der Chaluzoth aus. Von den Tausenden von Chaluzoth, die im Laufe der letzten Jahre ins Land kamen, konnte natürlich nur ein kleiner Teil in landwirtschaftliche Siedlungen aufgenommen werden. Es ergab sich die Frage, wie man die erzieherischen Wir• kungen der Mädchenfarmen auch den Chaluzoth, die auf Lohnarbeit angewiesen sind, in den Städten und Kolonien zugä!!glich machen könnte. Wieder griff man zur Schaffung von Gruppen, sogenannten ״Chawuroth“, die ihrer inneren Konstitution nach den Mädchenfarmen gleichen, indem sie aut der Grundlage gemeinschaftlicher Verantwortung auf gebaut sind. Im Laufe des letzten Jahres wurden zwölf solcher ״Chawuroth“ gegründet, die unter der Leitung früherer Mitglieder von Mädchenfarmen stehen: zwei in Tel-Awiw und je eine in Hai'a, Afule, Tiberias, Benjamina, Chcderah, Petacli- Tikwah, Ramat-Gan, Rischon-le-Zion, Neß-Ziona, Akko. Die Chawuroth erhalten sich teils vom Gemüsebau, teils von Lohnarbeit aller Art, die je nach den örtlichen Möglichkeiten verschieden ist. Das Erzichungsideal, das in der Schaffung eines Idealtyps der palästinensischen Arbeiterin besteht, ist in den Chawuroth von den Mädchenfarmen übernommen worden. Hierbei muß bemerkt werden, daß das hebräische Wort ״Poelet“ nicht einfach mit ״Arbeiterin“ übersetzt werden kann, sondern daß es eine bestimmte ideologische Bedeutung hat, die in der Anmerkung des zionistischen Gedankens und der Tendenzen der Arbeiterbewegung besteht. Man kann natürlich nicht sagen, daß der Idealtypus der jüdischen Frau in Erez-Israel durch diese Gruppen verwirklicht worden wäre. Dazu werden wohl viele Jahre, vielleicht Generationen nötig sein. Aber die bisherigen Erfolge haben gezeigt, daß man in der Erziehung der Chaluzoth den richtigen Weg beschritten hat und es wäre wünschenswert, wenn noch viele Mädchenfarmen und Chawuroth geschaffen würden. Dies hängt von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. In den letzten Jahren wurden aus Keren Hajessod-Geldem große Summen für diese Zwecke verausgabt — zirka 20000 Pfund für Investierungen in Mädchenfarmen und zirka 5000 Pfund zum Bau von )Wohnhäusern und zur Anschaffung von Ein-

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