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Jüdische Rundschau · 1927-08-05 · Heft 62 (5.8.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 62 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 442 JOEDISCHE RUNDSCHÄU Nr. 62, 5.V1n. 1027 Beispiele? Beim kurzen Gedächtnis unserer Organisation ist es notwendig, einige zu erwähnen. Wie begründete man viele Jahre hindurch die Erweiterungder J ewish Agency? Wir können nicht warten; wir müssen sofort Geld bekommen, Mar• shall und seine Freunde sind so gute Zionisten wie die besten von uns; sie sind bereit, mit uns die finanzielle Last des Aufbaus zu teilen, nehmen wir sie auf und eine Quelle ungeahnten finanziehen Segens wird sich eröffnen. Und heute? Wer spricht nicht mehr von Nichtwartenkönnen? Noch vor vier Jahren durfte Dr. Wei/mann unter dem brausenden Beifall des Karls• bader Kongresses Grünbaum und die radikale Opposition mit dieser berühmt gewordenen Antithese abfertigen: ,,Sie können warfen, ich kann nicht warten.“ Was tut Dr, Weizmann seit zwei Jahren anderes, als Geduld und die Tugend des Warten׳• Könnens zu predigen? Und warum ist die Parole, wenn sie ein Mann wie Grünbaum ausgibt, der zwei Jahre früher als der Präsident der Bewegung erkannt hat, daß das Tempo der Ko- Ionisation in den nächsten Jahren nicht künstlich gesteigert vierden kann, ein Hochverrat am Zionismus, und warum wird dieselbe Parole plötzlich der Inbegriff zionistischer ״verant• wortungsbewußter Staatsrnannkunst“, wenn sie Dr. Chaiin Weizmann sich aneignet? Und der gälte Zionismus von Marshall und seiner Gruppe, die nur darauf wartet, wie man es uns jahrelang sagte, zum Aufbau Palästinas herangezogen zu werden — wer spricht noch davon? Vorsichtig erklärt man heute, man müsse alle Chancen ausnützen; man müsse auch diesen Kreisen Gelegenheit gehen, mitzuwirken. Wer war je dagegen? Und warum kann diese Mitwirkung nur durch ihre Einbeziehung in die Jewish Agency erfolgen? Auf einmal hat auch Dr. Bileski entdeckt, daß ,,die Erweiterung der Agency als ein Unternehmen von Geisteskranken anzusprechen wäre“, wenn durch sie die antinationalen Juden zur Leitung der nationalen Politik des jüdischen Volkes mitberufen würden. Ja, sind sie es denn nicht, wenn sie in der Agency sitzen? Ist Marshall etwa kein antinationaler Jude, und ist die Agency nicht berufen, die nationale Politik des jüdischen Volkes, der Politik des nationalen Heimes, zu leiten? Hat man nicht Jahre hindurch geradezu mit dem Hauptargument operiert, daß eine Verstärkung unserer politischen Position gerade durch die Mitübernahme der Leitung unserer Politik durch die reichen Juden erfolgen würde. Plötzlich soll das alles nicht mehr gelten? Man darf gestern dies und heute ganz anderes behaupten, wenn nur der Kreis von zionistisehen Politikern der gleiche bleibt, der dies tut. Man nehme unsere äu ßere Pol iti k. Seit Jahren fordert die Opposition die Aktivierung unserer Politik und die aktive Unterstützung Englands. Die Revisionisten haben sich eine Zeitlang geradezu Aktivisten genannt, weil diese Forderung ihnen so wesentlich war. Unsere radikale Gruppe hat auf mehreren Kongressen, die die neutrale Haltung Englands und die dauernde Zufriedenheit mit der englischen Politik, die unsere Exekutive zur Schau trägt, kritisiert. Was erwiderte man uns? Mit welchem Hohn und mit welcher ״staatsmännischer“ Ironie hat Dr. Weizmann in Karlsbad und in Wien alle diese politischen Forderungen abgelehnt und beiseite geschoben? Mit welchem tiefen ״staatsmännischen“ Instinkt hat er uns nachgewiesen, daß England überhaupt keine realen Interesse« in Palästina habe — die Bestätigung dafür erfolgte durch die Ernennung des Feldmarschalls Lord Plumer zum High-Commissionar —, daß alle solche Forderungen nur auf eine antienglische Politik herauslaufen, daß das Maximum dessen, was wir zu verlangen hätten, in dem Gewährenlassen seitens der englischen Verwaltung bestehe, und hat er nicht vom Oelberg ln Jerusalem der Bewegung die Parole ausgegeben: entpolitisiert euch! Und heute? Heute erklärt Dr. weizmann, daß ״die Aktivierung der englischen Politik von jeher seine Forderung gewesen sei“, heute erklärt Dr. Bileski, ״daß über die Steigerung der Aktivität der Mandatarmacht über das jetzt vorhandene Maß hinaus im großen und ganzen Einigkeit herrsche“; heute redet und schreibt die MaJpA tl|.1|n.d«BSjelbeo׳iOedankefliingfn>״wd, y0rt!$Cdleselben forי־ייס rangen, die sie gestern noch als Forderung der Opposition in der heftigsten Weise bekämpft hat und niemand empfindet, daß das eine unmögliche Situation ist; im Gegenteil, Dr. Bileski rühmt sich noch dessen, daß die Opposition unter dem abkühlenden Einfluß der ״Jüdischen Rundschau“ •und ähnlicher Organe so vernünftig geworden sei, daß sie beinahe dieselben Forderungen erhebe wie die offizielle Richtung. ln beiden Fällen das gleiche Bild. Gedanken von gestern werden heute verleugnet, Forderungen, die man gestern bekämpfte, werden heute übernommen, die Hauptsache ist, daß der Führer bleibt, der gleiche Kreis bleibt; nur keine Aenderung und nur kein Zugeständnis an die Opposition. Am drastischsten aber zeigt sich noch diese Verleugnung alles dessen, was man gestern noch verherrlicht hat in dem Kurs- Wechsel, den der offizielle Zionismus in den sozialen Fragen des Aufbaus vorzunehmen im Begriff ist. Ich will hier statt aller Argumentation im einzelnen mich darauf beschränken, einige Bemerkungen zu zitieren, die Berl Katznelson, bekanntlich einer der gemäßigsten und klügsten der Arbeiterführer in Palästina, in seiner Rede auf der Konferenz der Histadruth über das linke Zentrum, für das ja Dr. Weizmann in der Tschechoslowakei als Spitzenkandidat figuriert, bemerkt hat. Er erklärt: ״Der Unterschied der Bürgerlichen vom linken Zentrum liegt darin, daß die erste Gruppe die Arbeiterschaft fürchtet, während die zweite diese Furcht der Bürgerlichen vor der Arbeiterschaft fürchtet. Die Haltung des linken Zentrums empört die Arbeiterschaft mehr als die der Bürgerlichen; denn letztere verstehen es nicht besser. Das linke Zentrum aber hat jahrelang mit den Arbeitern Schulter an Schulter gekämpft, hat jahrelang unter der Parole des Chaluz Propaganda gemacht und vertritt heute einen Standpunkt, der der Wiederkehr einer Administration im Rothschildschen Sinne nahekommt. Wenn man von Fachleuten spricht, so meint man nicht etwa Aerzte und Ingenieure, sondern Fachleute in sozialen Fragen, deren Charakteristikum im allgemeinen in ihrer Unkenntnis unserer Verhältnisse besieht. Unsere wahren Fachleute, wie Dr, Ruppin, hat man fallen lassen, weil sie das Verbrechen begangen hatten, die Kolonisationsinstanz und das Ansiedlerelement zu koordiliieren.“ Ich glaube, diese Aeußening, die die Stimmung der Arbeiterschaft in einer sehr milden Formulierung vviederspiegelt, spricht deutlicher als alles andere für den radikalen Kurs- Wechsel, den das linke Zentrum und Dr. Weizmann mit ihm gegenwärtig vornimmt. Dabei aber betont man mit Emphase, daß man prinzipientreu und konsequent durch all die Jahre hindurch gebliehen sei und darf der zionistischen Öffentlichkeit einreden, daß sich im Grunde nichts an der prinzipiellen Stcl-!ungnahme geändert habe. Alle Prinzipien dürfen gewechselt werden, wenn nur die Führer die gleichen bleiben. Das ist auf die Datier ein Zustand, der die Bewegung ruinieren muß. Gibt es keine Verantwortung mehr für Forderungen, die man gestern noch vertrat; gibt es keine Kontinuität und Konsequenz mehr bei der Gruppenbildung; darf man, wie es das linke Zentrum besonders in den wirtschaftlichen Fragen tut, die heiligsten Grundsätze, die man seit vielen Jahren vertrat, heute preisgeben, und dabei noch behaupten, die gleiche Gruppe zu sein, dann hört Zionismus auf, eine politische Bewegung zu sein, in der politische Divergenzen und Gruppen miteinander ringen, sondern dann werden wir ein Notabeln-Comitd wie die meisten anderen jüdischen Organisationen, wo der Kreis der sogenannten Führer entscheidet, aber nicht das Programm einer bestimmten Riehtung und wo, wenn eine Gruppenbildung sich überhaupt vollzieht, das nur nach der persönlichen Beziehung zu diesem oder jenem Führer erfolgt. Gegen diese bequeme Methode müssen wir Oppositionellen uns mit aller Energie wehren. Es muß Verantwortung geben im Zionismus, und wir machen das jetzige Regime verantwortlich für den Niedergang der Bewegung in den letzten Jahren. Nie hat der Zionismus solche Chancen gehabt wie in den Jahren nach der Balfour-Deklaration, und nie hat eine schwächere Leitung große Gelegenheiten stärker verpaßt, als es die Leitung der Zionistischen Organisation in all den letzten Jahren getan hat. Wir glauben nicht, daß durch die Fortsetzung dieses Kurses auch beim besten subjektiven Willen ihrer Anhänger Entscheidendes gebessert werden kann. Eine Richtung, die nach achtjährigem Regime auf allen entscheidenden Gebieten Mißerfolge, Rückschläge, Krisen und Stagnation aufzuweisen hat, kann nicht den Anspruch darauf erheben, die Rettung der Bewegung aus ihrem gegenwärtigen Zustande herbeizuführen. Hier kann nur eine radikale Aenderung des Kurses und der ihm zugrunde liegenden Prinzipien helfen, realisiert durch eine Aenderttng des Kreises der leitenden Persönlichkeiten, die berufen sind, die Geschicke der Bewegung zu bestimmen. Werden die Zionisten und insbesondere deutsche Zionisten, die den Ruhm hatten, die ideologisch durchgebildetsten Zionisten zu sein, endlieh lernen, die Streitfragen innerhalb der Bewegung nach den prinzipiellen Gegensätzen zu beurteilen und zu entscheiden. Der Glaube an diesen öder jenen Führer kann in einer politischen Bewegung immer nur von sekundärer Bedeutung sein. Entscheidend ist immer nur der Geist, in dem sie ihre Politik führt, die Ziele und die Methoden ihrer Aktivität Ich bin überzeugt, daß, wenn es gelingen würde, eine Majorität der Zionisten zu einer sachlichen Entscheidung an Stelle der persöt*• liehen pro oder contra diesen oder jenen Führer zu erziehen, der erste Schritt zur Besserung getan und die wesentlichste Voraussetzung für eine wirklich innere Wandlung der Bewegung geschaffen wäre. Misrachi Von Dr. OskarWoIfsberg. Die W i r t s c h a f t ist ein ausschlaggebender Faktor in der Politik. Sie ist gegenwärtig von gesteigerter Bedeutung, wo die Krise gebieterisch die Festigung unserer Positionen fordert. Die Fachmänner sind darum unentbehrliche und maßgebende Instanzen, die die Rolle eines Wirtschaftsparlaments zu spielen berufen sind. Bei der Frage des Budgets und der Beteiligung der einzelnen Posten darf ihre Stimme nicht überhört werden. Aber dennoch sind die wirtschaftlichen Autoritäten nicht die alleinige und letzte Instanz. Ihre Arbeit entspricht der Leistung des Laboratoriums für die Klinik. Die‘Ent- Scheidung über die Bewertung seiner Ergebnisse liegt in der Hand des Arztes, bei dem alle Fäden der diagnostischen Feststellungen zusammenlaufen müssen, damit deren ver-t wirrende Fülle geordnet wird. Diese Aufgabe fällt bei uns‘ unserem Parlament, dem Kongreß, zu. Ich befürchte, die Bestrebungen, dem Kongreß Kompetenzen zu entziehen; werden sich als ebenso ungeeignet erweisen,. wie die bei manchen vorhandenen Pläne, die Fachleute auch für die Exekutivbildung in den Vordergrund zu schieben. Das Problem geht dahin, Fachleute als beratende Instanzen möglichst autoritativ zu machen und Koalitionen zu schaffen, bei denen die Träger der Verantwortung die Gewähr weitgehender Objektivität bieten. Die hohe Politik muß mit ethischen Mitteln möglichst viel zu erreichen suchen. Politik und Geschichte sind nicht einfache Anwendungen der Ethik, aber diese soll zur Dominanz gelangen. Das letzte ist auch die Politik nicht. wir begrüßen und fördern alle Bestrebungen, die der Ausbreitung sozialer Gerechtigkeit dienen; Wir wissen*! *laß *ptet!.׳ über ׳׳iu«e«n ** Sehhsucht •Mch>׳Ertteuert»1fl: def!F«»al«.ysGliedei^g*1pach Beseitigung des vielfachen Unrechts geht, das Vergangenheit und Gegenwart aufgerichtet haben. Aber wir glauben, daß es uns gelingen kann, dieses Ziel auch im Rahmen unserer Foederation zu erreichen. Was uns aber — jedenfalls fiir eine bedeutende und große Gruppe von Menschen — als unerläßlich erscheint, das ist die Vereinigung von Zionisten auf der Basis eines r e 1 i - giösen Kulturprogramms, das die Sicherung und Fortdaue r und Fortbildung unserer gewaltigen Tradition mit allen Kräften des Willens und des Geistes anstrebt. Noch immer — und für immer — ruhen in Thora, Talmud und überhaupt in der Hai ach ah, aber auch in all den anderen großen kulturellen Schöpfungen des jüdischen Volkes mit all den latenten Kräften, die durch die Renaissance zur Entfaltung gelangen sollen und werden, so ungeheure Schätze und lebenspendende Energien, daß es uns geradezu als das Ziel der nationalen Bewegung, ihrer Organe und objektivierten Werte erscheint, diesen Kulturgütern den Weg zu bereiten. Wir halten den Misrachi und seinen Weg für eine Art antezipiertes Ziel, wohl nicht so reich und großartig, wie dereinst einmal die Vollendung ausschauen wird, aber immerhin als das geeignetste Mittel dazu. Auch in anderen Lagern wird man die Bedeutung der kulturellen Stabilität, die doch der Elastizität nicht entbehrt, erkennen und wird in Zeitläuften, da das kulturelle Wollen recht ungerichtet, die Kraft nicht eben stark ist, da aber auch vieles andere schwankt, den erhöhten Wert des Misrachi würdigen. Wer insbesondere in den Bemühungen des deutschen Misrachi einen verheißungsvollen Weg erblickt, der stärke seinen Einfluß, indem er ihm bei der Wahl seine Stimme gibt. Sehr leicht kann so die Rolle unserer Landmannschaft in unserer Kongreßfraktion wesentlich maßgebender werden. - Wählt Liste 3 Misrachi! Zu diesem Wahlkampf Von Dr. Aron Barth. * Der Wahlkampf zum Kongreß steht vor seinem Ende. Wer die Programme, die Artikel und Reden der einzelnen Parteivertreter aufmerksam verfolgt hat, wird sich sagen müssen, daß es auf diesem Kongreß überhaupt kaum eine Möglichkeit gibt, auf Grund von Programmen zu wählen. In politischer Beziehung wissen alle Parteien, (vielleicht mit Ausnahme der Revisionisten, die sich aber klar darüber sind, daß sie eine zahlenmäßig ganz geringe Rolle auf dem Kongreß spielen werden), daß eine Aenderung der Zusammensetzung der politischen Exekutive in diesem Augenblick gar nicht in Frage kommt. Die Expertenkommission ist zusammengesetzt. Sie hat ihre Arbeit begonnen. Bis der Kongreß statHindet, werden die Berichte gerade in Arbeit sein. Daß es in diesem Augenblick unmöglich ist, diejenigen, die bisher für die Verhandlungen verantwortlich gezeichnet haben, vor allem also Weizmann, durch andere zu ersetzen, ist jedem klar; es würde das Ende der außenpolitischen Verhandlungsfähigkeit der Organisation bedeuten, wenn man jetzt eine solche Aenderung vornehmen wollte. Eine andere Frage wird es sein, ob man, wenn die Ver- Handlungen auf Grund der Berichte geführt sind, in die Notwendigkeit versetzt wird, durch einen außerordentlichen Kongreß über die Ratifikation entscheiden zu lassen. Das aber ist im Augenblick nicht aktuell. Zurzeit ist der Kongreß gar nicht in der Lage, in der Agencyfrage irgend etwas Entscheidendes zu tun. ln wirtschaftlicher Beziehung ähneln die Prof. durchführt und wer an den entscheidenden Wirtschaltsberatungen des Kongresses mitwirkt. Das aber sind nicht ״Listenfragen“, sondern Personenfragen. Dabei ist noch darauf hinzuweisen, daß mehrere der gerade in Wirtschaftsdingen beteiligten Personen, z. B. Schocken und der Schreiber dieses an aem Kongreß teilnehmen werden, ob sie gewählt werden oder nicht, da sie als Mitglieder des Wirtschaftsrates ohnedies Sitz auf dem Kongreß haben. Es ist auch ein offenes Geheimnis, daß deshalb die beiden Spitzenkandidaten des ״linken Zentrums“ auf ihr Mandat verzichten . werden, weil sie ohnedies in anderen Eigenschaften das Recht der Teilnahme am Kongreß haben, ebenso . auch z. B. Grünbaum von der Liste der Radikalen. Ist somit auf diesem Kongreß die Entscheidung nach den Programmen, die die Gruppen für diesen Kongreß aufestellt haben, unmöglich, so muß man um so mehr sich anach einstellen, welche Programme die Gruppen für die Gesamtziele des Zionismus haben. In dieser Beziehung stehen sich aber nur Poale Zion und Misrachi gegenüber. Die Programme der anderen Gruppen sind lediglich auf diesen Kongreß zugeschnitten. Allgemein gültige Proramme haben nur diese beiden Parteien. Der entscheiende Unterschied zwischen ihnen besteht darin, daß die P. Z. das internationale Programm des. Sozialismus haben, während der Misrachi alle Fragen und so auch die Wirtschaftsfragen vom nationalen jüdischen Standpunkt aus anfäßt. Sein Gedanke beruht darauf, daß kulturelle, politische und wirtschaftliche Fragen nur in einer über die Tagesschwierigkeitten hinausreichenden ewig gültigen Weise gelöst werden können, wenn man den Aufbau Palästinas basiert auf der jüdischen Kultur. Wer sich schult an Leket, Peah, Schickchah, Anakah usw., braucht die Doktrinen des modernen Sozialismus nicht, um die richtige Einstellung zu den sozialen Fragen zu haben und e r kann deshalb auch unvoreingenommen an die schweren Wirtschaftsfragen dieses Kongresses herantreten, weil er auf solche Theorien keine Rücksicht zu nehmen braucht. So gibt es nach unserer Auffassung auch für denjenigen, der uns parteimäßig ganz fern steht, auf diesem Kongreß keine andere Wahl als die Liste des Misrachi. Kongre$programm der deutschen Hitachduth Der Deutsche Landesverband der Hitachduth (Hapoel- Hazair) tritt dafür ein, daß dieser Kongreß in erster Linie der Gesundung der zionistischen Palästinawirt־ schaft und der Reform der zionistischen Instit u t i o n e n diene. Der Zionismus hat in 8 jähriger Arbeit, inbesondere dank der jüdischen Arbeiterschaft, eine ungeheure kolonisatorische Leistung vollbracht. Es liegt im Wesen einer soeben kolonisatorischen Eroberungsarbeit, daß sie erat allmählich Erfahrungen sammeln und ihre Methoden daher von Zeit zu Zeit überprüfen muß. Insbesondere gilt dies von der zionistischen Arbeit aus zwei Gründen: Weil die Menschen, die das Aufbauwerk leiteten, erst allmählich mit den Realitäten der Aufgabe vertraut werden konnten, und weil die anfängliche Unklarheit über den Umfang der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel eine planmäßige Aufbauarbeit nicht zuließ. Die Unerfahrenheit auf wirtschaftlichem Gebiet und die dauernde Ueberschreitung der finanziellen Mittel haben das zionistische Aufbauwerk in eine kritische Lage gebracht, zumal die übermäßige Einwanderung der 4. Alijah mit lhrÄf«%pweisBi1dSp»»lÄt11id«HWMfc»1i|;.iUpd« ifcfea, jgiratife 1Än׳׳nw#״fflusismÄfe%׳,P#1d»»«r 'n#ch«d«m. Zusamt»«»״ brach des Spekulationsrausches eine das Land schwer oflastende Arbeitslosigkeit zurückgelassen hat. Unter diesen Umständen haben vor allem die Betriebe der jüdischen Arbeiterschaft des nationalen׳ Siedlungs werkes gelitten. Trotz des größten Enthusiasmus und der entbehrungsreichen und opferreichen Aufbauarbeit der Arbeiterschaft konnten die Siedlungen und die Betriebe der Arbeiterschaft infolge ungenügender materieller Fundierung bisher nur zum kleinen Teil selbsterhaltend gemacht werden. Wir fordern daher, daß die zur Verfügung stehenden nationalen Mittel in erster Linie dazu ver wandt werden, den nationalen Siedlungen das planmäßige Budget zur Verfügung zu stellen. Nur durch eine Konsolidierung des Siedlungs werkes kann der Weg zu neuer zionistischer Aufbauarbeit und Kreditfähigkeit freigemacht werden. Wir treten dafür ein, daß nach der ersten Periode zionistischer Arbeit, die mit vollem Recht den Gedanken der nationalen Okkupation in den Vordergrund stellte, jetzt eine Zeit der wirtschaftlichen Fundierung trete, in welcher die erste Sorge der Herbeiführung wirtschaftlicher Rent a b i 1 i t ä t gelten muß. Ebenso wie wir gegen jene Strömungen innerhalb der Arbeiterschaft, die dieses Erfordernis nicht anerkennen wollen, kämpfen, ebenso entschieden wenden wir uns gegen die Tendenzen der bürgerlichen zionistischen Welt, die aus den notwendigen Bemühungen um wirtschaftliche Reorganisation eine Kampfparole gegen den Gedanke״ und die Prinzipien der Arbeiterwirtschaft machen wollen. Zionismus ist fiir uns unmittelbar verbunden mit nationaler, sozialer und menschlicher Renaissance des jüdischen Volkes, Für uns ist Nationalismus die Erneuerung des jüdischen Menschen und der jüdischen Gemeinschaft im Sinne unseres großen Führers A. D. Gordon. Nur dies macht den Zionismus zu einer großen moralischen Macht im jüdischen Leben. Die großen sozialen und menschlichen Werte, die in den neuen Siedlungsformen in Palästina verkörpert sind, sind die größte ideelle und revolutionäre Kraft der zionistischen Bewegung. Wir werden nicht zuiassen, daß unter dem Deckmantel Wirtschaftiicher Reformen ein Vernichtungskampf gegen diese das kleinbürgerliche Bewußtsein mancher zionistischer Kreise beunruhigenden Errungenschaften geführt wird. Die erforderliche Reform der Wirtschaftsverwaltung und des zionistischen Budgets dürfen nicht gegen die Arbeiterschaft gewandt werden, sondern müssen das Ziel haben, die Arbeiterwirtschaften auf eigene Füße zu stellen und sie dadurch endlich aus der furchtbaren Lage zu befreien, in die sie durch die schlechte zionistische Finanzwirtschaft geraten sind. Viel schlimmer als in den Arbeiterwirtschaften ist die Lage in manchen ״kapitalistischen“ Institutionen der Zionistischen Organisation. Wir fordern darum eine genaue Lieber- Prüfung sämtlicher zionistischer Institutionen und eine durchgreifende Verwaltungsreform in denjenigen zionistischen oder halbzionistischen Gesellschäften, die, angeblich nach geschäftlichen Methoden arbeitend, das nationale Kapital unverhältnismäßig in Anspruch genommen haben, ohne auch nur im entferntesten nationale Werte zu schaffen, die denen der Arbeiterschaft gleich wären. Die Delegierten der Hitachduth werden sich auf dem Kongreß dafür einsetzen, daß eine ehrliche Reorganisation im Sinne dieser Richtlinien durchgeführt wird, und daß nicht die Parole der Reorganisation zu einem Werkzeug des innerpolitischen Kampfes mißbraucht wird. Getreu den Traditionen unserer Partei, die stets — seit mehr als 20 Jahren — für den Gedanken einer zionistischen

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