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Jüdische Rundschau · 1927-08-05 · Heft 62 (5.8.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 62 (5.8.1927)
Date
1927-08-05
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 440 JUED1SCHE RUNDSCHAU Nr. 62, 5.VÜI. 1927 b) Notstandsarbeiten belasten nach dem Obengesjgtcn die Zionistische Organisation dreimal so hoch wie Unterstützung, d. 11. tausend Arbeitslose würden für zwei Jahre £ IM 500 erfordern. c) Siedlungsarbeiten kosten für je tausend Siedler nach obigen Ausführungen in zwei Jahren £ 300 (WO. Mir scheint, daß es bei unseren beschränkten Mitteln im Augenblick nicht möglich ist, von der besten, aber teuersten Abhilfe, den Siedlungsarbeiten zu sprechen. Wir müssen zeitlich die Folge von Unterstützung zu Not• standsarbeiten einhalten und werden erst später zu Sied• lungsarbeiten übergehen können. Wenn wir jetzt die Periode der Unterstützung beenden und es uns gelingt, die Arbeitslosigkeit durch Notstandsarbeiten zu beheben, werden wir hoffentlich im Laufe von zwei Jahren allmählieh zu Siedlungsarbeiten übergehen können. Unter den Notstands-(Ameliorations-)arbeiten gibt es solche in Stadt und Land. In den Städten kann man mit Wegebauten und Gebäuden (z. B. Schulbauten, wodurch die Exekutive endlich zu eigenen Schulgebäuden käme und von der Zahlung von Miete für Schulhäuser entlastet würde) 1000—1500 Arbeiter beschäftigen. Von den Interessenten (Munizipalitäten, Stadtvierteln) würde man dazu gewisse Beiträge erhalten. Die Exekutive müßte jedoch im Laufe von zwei Jahren noch £ 100 000, d. h. £ 50 000 jährlich, aus ihrem Budget aufwenden. Das ist zwar eine starke Belastung, aber die Exekutive würde dadurch (zusammen mit den unten erwähnten Maßnahmen) die Freiheit des Handelns, die ihr unter dem Druck der Arbeitslosigkeit verloren ging, zurückgewinnen und in Palästina wieder normale Zustände schaffen. Das wäre mit der obigen Summe nicht zu teuer erkauft. Da anzunehmen ist, daß durch den Beginn der Ausführung des Ruthenberg-Planes, durch den Hafenbau in Haifa, durch verschiedene andere Regierungsarbeiten, im Laufe des kommenden Winters weitere 1000—1500 jüdisehe Arbeiter von neuem Beschäftigung finden werden, so wäre zusammen für 2000—3000 Arbeiter in den Städten gesorgt. Aber das genügt nicht. Es ist zwar ein durchaus normaler Zustand in einem Einwanderungsland, daß eine gewisse Zahl von Arbeitslosen existiert. Aber unseres Erachtens sollte diese Ziffer unter heutigen Verhältnissen 1500—2000 nicht übersteigen, d. h. etwa 10 0/0 aller Arbeiter. Wenn wir uns damit abfinden, so müßte immer noch für mindestens 2000 Menschen Arbeit geschaffen werden. Es besteht keine Möglichkeit, die hierfür im Laufe von zwei Jahren erforderlichen £ 200 000 aus dem laufen, den Budget aufzubringen. Vielmehr bleibt dafür nur der .Weg einer Anleihe übrig. Bei den Schwierigkeiten, auf die wir erfahrungsgemäß bei der Aufnahme von Anleihen stoßen, können wir auf eine Anleihe von £ 200000 nur «fe» »Icfte־-Möglichkeit In der Aufnahme einer A «f* 11oratlons anleihe auf Böden ‘des Jüdischen Nationalfonds. Wenn der J.N.-F. 1. Böden Im doppelten Werte der Anleihe hypotheziert (woran ihn seine Statuten nicht hindern), 2. das Darlehn ausschließlich zu Ameliorationen (Drainage, Bewässerung, Wegebau, Bauten) auf diesen Böden benutzt, 3. die Rückzahlung in zehn Jahresraten aus seinen Einnahmen garantiert und 4. eventuell noch eine Zusatzgarantie des Keren Hajessod beibringt, so halte ich es für möglich, daß die Anleihe auf geschäftlicher Basis zustande kommt. (Es wird natürlich eine Angelegenheit zwischen J.N.-F. und K.H. sein, wie sie unter sich die Ameliorationen verrechnen.) Ich denke bei Unterbringung dieser Anleihe an private Geldgeber. Es sollte aber gleichzeitig versucht werden, mit der Regierung dieserhalb in Fühlung zu treten, und zwar auf einer Grundlage, die bisher noch nicht diskutiert worden ist. Wir finden in Palästina, wenn wir hier landwirtschaftliche Kolonisation treiben wollen, solche natürlichen Bedingungen vor, die für Europäer ungeeignet sind. Die Böden sind entweder sumpfig (und deshalb malariaverseucht) oder ungenügend mit Wasser versorgt, oder sie haben keine Wegeverbindung oder sind durch die Wirtschaftsweise der Fellachen völlig ausgesogen und verlangen jahrelange Arbeit und Düngung, bis sie zu Erträgen kommen, die für eine europäische Wirtschaftsweise als normal gelten können. All diese Ameliorationen, die erst den Uebergang von der Fellachen- Wirtschaft zur europäischen Wirtschaft ermöglichen, sind nicht nur für die jüdischen Siedler unentbehrlich, sie sind auch für die Regierung von größtem Nutzen, weil sie die Bodenerträge und damit die Steuererträge steigern. Es erscheint deshalb sowohl im Sinne des Artikels VI des Palästinamandats, das der Regierung die Förderung der jüdischen Kolonisation zur Pflicht macht, als auch im fiskalischen Interesse der Regierung selbst durchaus riehtig, wenn die Regierung bei diesen Ameliorationen mithilft. Sie kann dies tun, ohne daß die Sache sie einen Pfennig kostet, lediglich dadurch, daß sie als Vermittler (eventuell als Garant) zwischen die Siedlungsgesellschaft (in unserem Fall den J.N.-F.) und den Geldgeber tritt. In Deutschland haben die Regierungen Amelioration größerer Bodenflächen stets als eine Sache angesehen, welche die Kräfte des Einzelnen übersteigt und die Mithilfe des Staates im Wege der Gesetzgebung oder der finanziellen Mitwirkung erfordert. Sie haben durch diese Mitwirkung in den letzten 200 Jahren erreicht, daß viele 100000 Hektar Boden, die früher fast unbenutzbar waren, der Landwirtschaft erschlossen worden sind. In unserem Falle, in dem wir £ 200 000 für Ameliorationen als Darlehen aufnehmen und dafür Böden im Werte von £ 400 000 hypothezieren wollen, würde das Darlehen m viel besseren Bedingungen sofort zu beschaffen sein, wenn die Regierung die Rückzahlung und Verzinsung sicherstellte. Das Darlehen würde dann nicht nur auf 10, sondern auf 30—40 Jahre und zu einem Zinsfuß von etwa 5— 6 0/0 erhältlich sein. Zinsen und Rückzahlung zusammen würden jährlich nur etwa 6-7 0/0 des Kapitals ausmachen. Die Regierung könnte diese Summe als eine besondere Am elio ration ss t eu er auf die atneliorierten Böden legen. Da diese Böden £ 400 000 gekostet haben und durch die Ameliorationen auf £ 600000 im Werte steigen, würde die Ameliorationssteuer nur etwa 2 0/0 vom Werte des Bodens betragen. Es unterliegt keinem Zweifel, daß die Siedler oder die Siedlungsgesell- Schaft diese relativ geringfügige Steuer zahlen werden. Die Regierung würde bei dieser Transaktion also so gut wie gar kein Risiko laufen, sie hätte lediglich die Ameliorationssteuer einzutreiben und an die Geldgeber abzuführen. Vielleicht wird dieser Vorschlag, der natürlich verschiedener Variationen fähig ist, den Weg zu einer aktiven Mithilfe der Regierung bei unserem Siedlungswerke anbahnen. Wenn er sich jetzt für die relativ geringe Summe von £ 200 000 als gangbar erweist und einige Jahre hindurch zur Zufriedenheit von Regierung und Siedlern funktioniert, kann er später ausgedehnt werden und zu großen Erleichterungen unseres gesamten Siedl ungswerkes führen. Der Wahlkampf in Polen (Von unserem Korrespondenten.) —g. Warschau, 29. Juli. Der Wahlkampf zum Kongreß wird in Polen eigentlich erst seit einer Woche geführt und so ist es erst heute — zwei Tage vor den Wahlen, die überall in Polen am 31. Juli stattfinden — möglich, zusammenfassend ein Bild der Wahl- Propaganda zu entwerfen. Den vorhandenen Organisationellen Bedingungen gemäß bestehen in der polnischen Republik vier ganz besondere Teile, welche selbständig auch die Kongreßwählen vornehmen, und zwar 1. Kongreßpolen, Posen, Pommern und die Randgebiete, 2. Wilnaer Kreis, 3. Ostgalizien, 4. Westgalizien und Schlesien. Sogar das Wahlreglement wurde in diesen Reichsteilen verschieden ausgelegt. So z. B, darf man in Ost- und Westgalizien brieflich wählen, dagegen in Kongreßpolen ist nur persönliche Stimmenabgabe zulässig. Diese wahrscheinlich zwecks Vermeidung eventueller Wahl- Unregelmäßigkeiten erlassene Vorschrift, brachte aber auch eine krasse Ungerechtigkeit. Es wurde Hunderten Chaluzim, welche gerade jetzt massenweise zwecks Hachscharah in landwirtschaftlicher Arbeit sich befinden, unmöglich gemacht, ihre Stimmen abzugeben. Dies geschah trotz Protestes der ״Hitaehduth“ und ״Poale Zion“. Im ganzen sind in Polen 39 Mandate zu verteilen: 18 in Jfopgrejlpokn js.. Randgebiete!,. |2: 1:jpt, gsj-, ■äto., Wffp rtfjuifcabL i8.iSfc,ÄÄ| lr/*8il.AbschwIctttlif ׳ ׳ TttjJef, Mnktste •Alis? ־',stten diesem Gebiete, da man damit die Zahl der 70 Delegierten aus Kongreßpolen zum XIV. Kongreß vergleichen muß. In keiner Stadt Kongreßpolens wurde eine beträchtliche, der Bevölkerungszahl und der einstigen Stärke entsprechende Anzahl Schkolim verbreitet. An erster Stelle steht Lodz mit 6000 Schkolim, in Warschau verkaufte man nur etwa die Hälfte. Um diese 18 Mandate bewerben sich nun 6 zionistische Gruppen; Eth Liwnoth, Al Hamischmar, Revisionisten, Misrachi, Hitachduth und Poale Zion. Der Aufmarsch der Parfeien brachte also keine Ueberraschungen, trotzdem zu befürchten war, daß Einzellisten aufgestellt werden, die keine programmatische und organisationeile Existenzberechtigung naben. Dies wurde im letzten Augenblick vermieden und so die schon vorhandene Zersplitterung wenigstens auf die großen bestehenden Parteien reduziert. Von den aufgezählten Parteien haben sich die drei Föderationen, der ״Ai Hamischmar“ (Radikale Zionisten Polens) und die Revisionisten programmatisch und organisationeh ihren Weltverbänden angelehnt. Die von ihnen der ()Öffentlichkeit in Polen vorgelegten Wahlplattformen enthalten nichts Besonderes, was nicht in allen anderen Ländern gegenwärtig von diesen Parteien propagiert wird. Die Losungen sind identisch, nur wird hie und da die Reihenfolge geändert, der Schwer- Punkt verschoben. So z. B. dreht sich im Programm des Al lamischmar alles um ״die jewish Agency“ und, um den Revisionisten nicht nachzustehen, wird schärfer, als es früher geschah, die außenpolitische Tätigkeit der Exekutive kritisiert. ie Revisionisten natürlich machen es umgekehrt. Es ergibt sich eine interessante Situation, die für manche nicht unerwartet kam. Da die Führer des ״Al Hamischmar״ sich überzeugten, daß der Anhang Jabotinskis in Polen ziemlich schwach sei, ließen sie das Berliner Abkommen in Stich, traten selbständig in die Wahlkampagne und nannten sich die Opposition. Den Revisionisten blieb nichts übrig, als sich als ״schärfste Opposition“ (wörtlich!) zu deklarieren und überdies gestalteten sie die Propaganda für ihre Liste stark persönlich. Da Kongrelipolen in drei Wahlkreise eingeteilt ist, mußte jede Partei drei Wahllisten aufstellen. Die Parteien waren bestrebt, ihre populärsten Persönlichkeitten als Listenführer aufzustellen. Es stehen an der Spitze des ״Eth Liwnoth“: Lewite, Davidson, Hindes, des ״AI Hamischmar“: Grünbauni, Podlischewski, Hartglas, der Revisionisten: Jabotinski, Jacob Kahan, des Misrachi: Oberrabbiner Kuk, Farbstein, Brot, Feldman, der ״Hitachduth“: Sprinzak, Ariosoraff, Lewinsohn, Tartakower, Poale Zion: Bin Gurion, Loffer, Ritow. Es fällt auf, wie wenig führende Persönlichkeiten in Polen die Revisionisten und die Poale Zion aufweisen. Es figurieren auf manchen Listen Zionisten aus anderen Ländern, so z. B. kandidieren die Radikalen in Polen N. Goldmann, Klatzkin, Soloweitschik, die Revisionisten M. Grosman, R, Lichtheim, Soskin, beide Arbeiterparteien haben mehrere ihrer bekannten und verdienstvollen Genossen aus Palästina auf ihre Listen gesetzt. In einer eigenartigen Situation ist der ״Haschomer Hazair“ in Polen. Er war bestrebt, einen einheitlichen zionistischen Arbeiterblock (Hitachduth und Poale Zion) herbeizuführen. Nachdem ihm dies nicht gelang, schloß er einen Technischen Block mit den Poale Zion, welche dem ״Haschomer“ die zweite Stelle sicherten. Die Wahlpropaganda des ״Misrachi“ hebt «elbstverständlich stark das religiöse Moment hervor, es soll aber nicht unwidersprochen bleiben, daß der Misrachi in dieser Richtung in Polen etwas die Grenze überschritten hat. Es geht doch u. E. nicht an, wie es mancherorts geschah, so z. B. das misrachistische Programm der Oeffentlichkeit vorzubringen: ״Wenn ihr wollt, daß der Keren Hajessod und Keren Kajemeth ihre Gelder nicht, wie bis jetzt, für antireligiöse Zwecke ausgeben usw.“ Die ״Hitachduth“ hat ausführliche Propagandaliteratur verbreitet und ihrerseits im Wahlkampfe die wirtschaftlichen Aufbauprobleme und die erzieherischen Momente hervorgehoben. Sehr charakteristisch ist das Programm der ,,Eth Liwnoth“. Es enthält Behauptungen, welche darauf hinweisen, daß diese Gruppe eine Evolution durchmacht, oder aber — sehr opportunistisch im Wahlkampfe auftrat. Vor allem zeigt die ״eth Liwnoth“ das Bestreben von ihrer Isolation in der Weltbewegung herauszukommen. Sie empfinden es schwer, daß entgegen sämtlichen anderen im Wahlkampfe auftretenden Gruppierungen, die Eth Liwnoth keine Anlehnung an eine Weltgruppe besitzen. Sie versuchen also darzutun, daß sie eigentlich die Allgemeinen Zionisten Polens sind, daß sie gemeinsam mit den Allgemeinen Zionisten in der Weltbewegung, insbesondere in Palästina, auftreten. Dann wird der prinzipielle Ausgangspunkt dieser Gruppe klargelegt: es handelt sich ihnen in erster Reihe um das Tempo unserer Kolonisationsarbeit, daher ihr Auftreten für die verbreiterte Jewish Agency, für die Industrialisierung Palästinas. Dabei wird sehr energisch der Vorwurf zurückgewiesen, als ob ״Eth Liwnoth“ Gegner des jüdischen Arbeiters in Palästina seien. Es werden dann noch Forderungen aufgestellt, wie 7. B. Einsetzung eines zentralen Kontrollamtes, das von der Exekutive unabhängig sein soll, es wird eine homogene, aus Fachleuten zusammengesetzte Leitung verlangt, den Beamten Mitgliedschaft im Kongreß abgesprochen. Fraktionsmitgliedet sollen während ihrer Anteilnahme in der Exekutive aus ihren Fraktionen austreten. Sämtliche zionistischen Institutionen sollen nicht nach dem Parteischlüssel, sondern nach dem Mehrheitsprinzip zusammengesetzt werden. Die Listen und Programme in Ost - und W estgali- ־/.ien zeigen in manchem wesentliche Unterschiede von denen Kongreßpolens. Der allgemeine Zionismus hat da eine andere Entwicklung durchgemacht und befindet sich heute in einem anderen Stadium, in Ostgalizien wurde ursprünglich nur eine allgemeinzionistische Liste mit Dr. Reich und Dr. Schmorak aufgestellt. Das Programm dieser Gruppe kann nicht schlagwortmäßig bezeichnet werden, da innerhalb der Gruppe Differenzierungen vorhanden sind und da ferner ihre Führer auch zwischen den bestehenden allgemeinzionistisehen Anschauungen balancieren. In wirtschaftlichen Fragen wird mehrfach das Programm der ״Eth Liwnoth“ anerkannt, aber es gibt in dieser Gruppe iuch Anhänger des linken Zentrums“. In politischen Fragen wird wohl die Tätigkeit Dr. Weizmanns stark kritisiert, aber im Resultat ihm das Vertrauen ausgesprochen. Mit Eth Liwnoth hat diese Gruppe noch (mit Ausnahmen) eine scharfe oppositionelle Stellung gegenüber den linken Fraktionen im Zionismus gemeinsam. Seit langem aber tobt in Ostgalizien innerhalb der Allgemeinen Zionisten ein Kampf zwischen der Reich-Mehrheit und einer Minderheit, geführt von den Abgeordneten Ringel, Insler, Frostig und Rottenstreich. Die Gründe dieses Kampfes liegen teils auf landespolitischein, teils auf — persönlichem Gebiete. Da nun diese Minderheit keine Sicherheit bekam, zum Kongreß gewählt zu werden, zogen Dr. Ringel und Red. Frostig ihre Kandidaturen zurück und Dr. Insler stellte sich in einem Wahlkreis an die Spitze einer radikalzionistischen Liste mit Grünbaum und Hartglas. So hat hier der nicht ganz sachliche Kampf zur Etablierung eines ״Al Hamischmar“ tu Ostgalizien geführt. Die übrigen Parteien in Oatgaliziea sind: ״Hitachduth“ ^1it1enkan!fl|attw8t.. .die AbgetrnÄete» Mberatem tn tta&sm׳ Ommer. der - Anteilnahme am zionistischen K«»< f“ ' ‘' ."׳ ' י .. In West- Klelnpolen sind außer den drei föderativen Listen ־-׳ Misrachi: Farbstein, Rabb. Hirschfeld, Rabb. Lewin, Hitachduth: Arlosoroff, Dr.Terko, Nella Thon (Tochter des Abg. Thon), Poale Zion: S. Freund — nur zwei allgemeinzionistische Listen vorhanden. Eine mit Abg. Thon und Dr. Hilfstein und eine revisionistische mit Jabotinsky und Dr. Feldschuh an der Spitze. Die allgemeinzionistische Gruppe Westgaliziens kann ihrem Programm gemäß als sehr nahe dem ״linken Zentrum“ stehend angesehen werden. Abg. Thon hat in vielen sehr beachteten Artikeln Stellung zu den wichtigsten zionistischen Problemen genommen und Ist sehr warm für die Arbeiterschaft eingetreten. Es wäre müßig, Wahlprophezeihungen anzustellen. Es fehlen ausreichende Anhaltspunkte, um jetzt schon etwas über den Ausgang der Wahlen ln Polen Voraussagen zu können. Die endgültigen Resultate der Abstimmung werden mehrere Tage auf sich warten lassen, bis die Hauptwahlkommisaionen die Protokolle aus sämtlichen Ortschaften erhalten haben werden. Sicher ist, daß durch Einführung des einheitlichen Schekels und Ausschreibung der Wahlen sehr viel ln Polen für die zionistische Propaganda gewonnen wurde. Die nächste Schekel- und Wanlpropaganaa auf Grundlage des einheitlichen Schekels wird sicherlich viel bessere Resultate zeitigen. Dies soll ausdrücklich festgestellt werden, da von manchen Seiten empfohlen wird, zum föderativen Schekel zurückzukehren. Die Wahlresultate. Kurz vor Redaktionsschluß erhalten wir einige Teilresultäte über die in Polen erfolgten Wahlen zum XV, Zionistenkongreß. Das Gesamtresultat steht noch aus, doch zeigen die einzelnen Teilresultate das starke Anwachsen der Flügelparteien. Nur dort, wo die Allgemeinen Zionisten, wie in Krakau, als Linkes Zentrum in den Wahlkampf zogen, haben sie beträchtliche Erfolge zu erringen vermocht. In Warschau erhielten der Misrachi 909 Stimmen, Eth Liwnoth 263 Stimmen, die Radikalen Zionisten 244 Stimmen, die Hitachduth 148 Stimmen, die Poale Zion 239 Stimmen. In der Vorstadt Praga erhielten Misrachi 162, die Radikalen 12, Eth Liwnoth 24 Stimmen. In Krakau und Westgalizien erhielten (nach vorläufiger Zählung): die Allgemeinen Zionisten (Linkes Zentrum) 2530 Stimmen, der Misrachi 1470 Stimmen, die Hitachduth 850 Stimmen, die Poale Zion 388 Stimmen und die Revisionisten 142 Stimmet!, ln Lernberg erhielten Allgemeine Zionisten 513, der Misrachi 301, die Revisionisten 52, die Hitachduth 191 und die Poale Zion 70 Stimmen. In S t an i s la u erhielten Misrachi 430 Stimmen, Hitachduth 350 Stimmen, Allgemeine Zionisten 150 Stimmen, Revisionisten 54 Stimmen, Poale Zion 125 Stimmen, Radikale 1 Stimme. In Lodz erhielten Eth Liwnoth 451 Stimmen, Misrachi 381, Hitachduth 377, die Revisionisten 105 und die Poale Zion 119 Stimmen. — In Ostgalizien hat nach den letzten Zählergebnissen die Hitachduth die meisten Stimmen erhalten. An zweiter Stelle stehen die Allgemeinen Zionisten und nach diesen kommt der Misrachi. Von den zwölf Mandaten Ostgaliziens werden die Hitachduth wahrscheinlich 5, die Allgemeinen Zionisten 4 und der Misrachi 3 erhalten. Die Radikalen (Listenführer Dr. Insler) erhielt in Ostgalizien nur 400 Stimmen.

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