Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 60 (29.7.1927)
- Date
- 1927-07-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Nr, 60, 29.m 1927 JUEDlSCHE RUNDSCHAU Seite 427 Die Histadruih - Konferenz (Von unserem Korrespondenten.) AO. Tel-Awiw, den 13. Juli 1927. Die Konferenz der palästinensischen Arbeiter, die jetzt fast eine volle Woche arbeitet, ist erst seit wenigen Tagen in das Stadium der eigentlichen Beratungen eingetreten. Die große Generaldebatte, die den Auftakt der Konferenz bildete, hat einen riesigen Posten an Kraft und Zeit der Delegierten erfordert. Seit der zweiten Konferenz sind mehr als vier Jahre vergangen. Der Rechenschaftsbericht, oder richtiger die Berichte über die verschiedenen Zweige der Tätigkeit der Arbeiterschaft, die der Konferenz gedruckt vorliegen — über organisatorische, politische, wirtschaftliche, kolonisatorische Aktionen und Probleme — enthält einen fast unübersehbaren Stoff, mit dem man sich in Reden von einer oder einer halben Stunde unmöglich auseinandersetzen kann. So ist dieser Versuch einer gründlichen Diskussion in einer Generaldebatte auch nicht geglückt. Dieser Teil, der zusammen mit den Antworten der Mitglieder der Exekutive der allgemeinen Arbeiterorganisation vier Tage in Anspruch nahm, konnte nichts anderes sein als ein großes Redeturnier, in dem alle Probleme gestreift wurden und in dem die verschiedenen Strömungen Gelegenheit fanden, den Delegierten und den Massen der Gäste noch einmal ihre Ansichten über die Richtung der Arbeiterbewegung auseinanderzusetzeii. Die wirkliche Arbeit der Konferenz hat erst seit zwei Tagen mit den Referaten über Kolonisation (Kaplanski und Schkolnik) und denen über die Lage im Lande und im Zionismus (Katznelson und Arlosoroff) begonnen. Sie wird weiter in den verschiedenen Kommissionen fortgeführt, so daß sich das Interesse am Plenum etwas zu verlieren beginnt. Die Generaldebatte über die vier letzten Jahre der Tätigkeit der allgemeinen Arbeiterorganisation und die Ln Zukunft einzuschlagenden Wege gab bereits ein klares Bild über die Tendenzen, die heute in der Arbeiterschaft herrschen. In der Unmenge der Probleme, die die Diskussion streifte, hoben sich die Fragen besonders heraus, die heute überall im Zionismus eine besondere Rolle spielen, jener Komplex, der sich um die Rationalisierung unserer Koloni sationst ä t i g k e i t dreht. Die Diskussion ist für die palästinensische Arbeiterschaft nicht neu. Schon vor vier Jahren, als man in Palästina über ״Neukolonisation und Konsolidierung“ beriet, standen sich dieselben Meinungen wie heute gegenüber. Dennoch trägt der Kampf jetzt einen anderen Anstrich. Die Träger des ״Konsolidierungsgedankens“, d. h. diejenigen, die die zukünftige Tätigkeit den finanziellen Möglichkeiten anpassen wollen, haben heute eine Fülle von Tatsachen zugunsten ihres Systems aufzuweisen. Die Krise, die durch eine überstürzte und unregnlierte Einwanderung verursacht wird, der Stillstand in der Kolonisation, die durch eine zu expansive Politik zu Fall gekommenen Institutionen wie zum Beispiel der Solei-Boneh, sind heute schwere Beweise gegen diejenigen, die auch heute noch an dem Dogma der Expansion oder des ״großen Zionismus“, wie das Schlagwort lautet, festhalten. Die Träger des ״kleinen Zionismus'' werden auch heute noch unpopulär und gelegentlich sogar lächerlich gemacht und schwer bekämpft. Die eigentliche wirtschaftliche Debatte soll erst beginnen, wenn über die ökonomische Tätigkeit der Organisation gesprechen wird. Jedoch wird es heute bereits klar, daß der Riß, der sich in der grundlegenden wirtschaftlichen Frage des Zionismus durch die Arbeiterschaft zieht, nicht vollständig der Kluft entspricht, die heute die Parteien scheidet. Die ״Linke“, die numerisch unbedeutend ist, kann in diesen Fragen beiseite gelassen werden, weil sie ihre ökonomischen Entscheidüngen nicht so sehr durch objektive Argumente als durch politische Einstellungen bestimmen läßt. Bei den beiden großen Mehrheitsparteien aber, der Achduth Awodah und dem Hapoel Hazair, sind die Lager in den ״Konsolidierungsfragen“ nicht völlig reinlich getrennt. Der Träger der Fahne der rationellen Wirtschaftsführung ist auch heute der Hapoel Hazair, dessen Führer für dieses Programm eine wütende Attacke reiten. Jedoch machen sich auch innerhalb dieser Parteien gewisse — wenn auch schwache — Tendenzen nach der entgegengesetzten Richtung hin bemerkbar, in der Achduth Awoda ist das Verhältnis umgekehrt. Von den großen Rednern der Fraktion wird auch auf dieser Konferenz der ״Schwung“, die ״Expansion“, ״das irrationale Vorwärtsdringen“ mit äußerster Verve proklamiert. Aber auch in der Achduth Awodah gibt es eine Richtung, die anders gesinnt ist, wie man zum Beispiel aus dem Referat von Kaplanski ersehen konnte. Durch die Parteizugehörigkeit der einzelnen Delegierten wird die klare Tendenz der Richtungen häufig verwischt. Obwohl vor der Konferenz eine neue Bewegung zur Vereinigung der beiden Lager eingesetzt hatte, sind heute die Reibereien zwischen den Parteien schärfer denn je. Und die Kampfeswut läßt manche Uebertreibungen und Ungerechtigkeiten schärfer hervortreten als es gut ist. Würde man heute zwei Lager bilden unter den Devisen ״Konsolidierung“ und ״unbedenkliche Expansion“, so würde sich auf dem Gebiete der ökonomischen Fragen eine weit logischere Scheidung herausbilden, als sie heute unter der Fahne der Parteien möglich ist. Und es scheint, als würde die Truppe der rationellen Wirtschafter dabei erheblich gewinnen. Unter den bestehenden Umständen jedoch, wo die Parole der unseren beschränkten Mitteln entsprechenden Wirtschaft als Kampfruf des Hapoel Hazai'r gilt, ist die Achduth Awodah ״verpflichtet", dagegen anzukämpfen. Und sie tut es nicht ohne Erfolg. Innerhalb der Organisation hatte sich in der letzten Zeit eine unnormale Lage herausgebildet. Die Minderheitspartei, der Hapoel Hazai'r, der mit dem herrschenden Kurs in vielen Punkten nicht einverstanden war, war für die Arbeit der Organisation verantwortlich, da er an allen ihren Institutionen bis zu einem gewissen Grade beteiligt war. Zwar war die Beamtenschaft zu einem sehr großen Prozentsatz zur Achduth Awodah zu rechnen, jedoch nahmen führende Männer des Hapoel Hazai'r an leitender Stelle an der wirtschaftlichen Arbeit der Organisation teil. Da aber der Hapoel Hazair in letzter Zeit politisch und wirtschaftlich häufig zu der amtliehen Politik der Arbeiterorganisation in Gegensatz stand, so bildete sich die ungesunde Lage heraus, daß eine Partei offiziell zugleich verantwortlich und oppositionell stand. Auf der jetzt tagenden Konferenz soll versucht werden, diesem Zustand ein Ende zu setzen. Es soll eine gemeinsame Plattform für die Aktionen ausgearbeitet werden, die als Grundlage für ei״e ״Koalition“ dienen soll. Im Falle, daß es nicht möglich ist, in der Frage dieser ״Basis“ zu einer Uebereinstimmung zu kommen, so wird die Mehrheitspartei die Geschäfte der Arbeiterorganisation allein führen. Der Hapoel Hazair geht dann in die Opposition. Die Regelung dieser Angelegenheit ist selbstverständlich eine Frage allerersten Ranges für die Konferenz und die ihr folgende Arbeitsperiode. (Die ״Koalition“ ist inzwischen erfolgt, siehe das untenstehende J. T. A.-Telegramm. — A. d. R.) * Die Konferenz hat sich nach neuntägiger Beratung in Kommissionen aufgelöst, um hier das Material für die Beschlüsse vorzubereiten. Nach der Generaldebatte wurden in gedrängten Diskussionen die Punkte Kolonisation, die Lage im Lande und im Zionismus, der Komplex der wirtschaftlichen Institutionen und der organisatorischen Probleme erledigt. Die Hauptarbeit wird in den Kommissionen geleistet, die von einer Flut von Material überschüttet sind und trotz angestrengter Arbeit fast eine Woche brauchen werden. Ueber die Resultate der Konferenz wird man erst sprechen können, wenn die Beschlüsse, wenigstens im Rohbau, vorliegen, penn die eigentliche sachliche Arbeit der Konferenz hat erst in den Kommissionen begonnen. Die Atmosphäre, in der das Plenum verhandelt hat, war einer gründlichen Auseinandersetzung nicht günstig. Die Teilnähme einer linksgerichteten Opposition, die die Rednertribüne für die Entwicklung ihrer Theorien und für Demonstrationen ausnutzten, machte die Stimmung besonders erregt und führte zu langen und unergiebigen Streitereien. Außerdem ist die Lage im allgemeinen und in Tel-Awiw im besonderen augenblicklich der Abhaltung einer solchen Beratung nicht günstig. Obwohl das Arbeitslosenproblem in seinen praktischen Formen die Konferenz nicht beschäftigen konnte, weil sie keine realen Mittel in der Hand hat, um ihm beizukommen, hing es doch wie ein Damoklesschwert über allen, die sich an dieser Verhandlung beteiligten. Einige ״Mopsim“ hatten mit großem Geschick gerade die Zeit gewählt, um ein paar Demonstrationen in der Stadt zu veranstalten. Und obwohl sie klein und unbedeutend waren, mußten sie notwendigerweise die Not noch beschweren. Innerhalb der Kommissionen ist es selbstverständlich sehr viel leichter, sich den praktischen Problemen zuzuwenden, die die Konferenz zu lösen hat. Und es ist «begründete Hoffnung vorhanden, daß hier noch ein gutes und auch einigermaßen gründliches Stück Arbeit geleistet wird. * Schloß der Koofereoz Jerusalem, 24. Juli. (J.T. A.) Die Konferenz der Histadruth ist nach vierzehntlgiger Dauer am Freitag, den 22. Juli, zu Ende gegangen. Es wurden mehrere Entschlüsse gefaßt, die u. a. auch Forderungen an die palästinensische Regierung enthalten. Diese Forderungen betreffen insbesondere die Beistellung von Staatsländereien für jüdische Kolonisation, die Erleichterung für Naturalisation für Einwanderer, freie Einwanderung, Einführung einer modernen Arbeitsgesetzgebung, Einstellung von Juden in das Grenzschutzkorps u. a. m. ln einer separaten Resolution wird die Erweiterung der jüdischen Kolonisation auf dem Lande gefordert. Es wurde ein neuer Waad Hapoel gewählt, der sich aus 18 Vertretern der Achduth Haawodah (palästinensische Poale Zion), 9 Vertretern des Hapoel-Hazair und 6 Vertretern kleinerer Gruppen zusammensetzf. Jerusalem, 24. Juli. (J. T. A.) M. D i z e n g o f f hat ein Telegramm an Dr. Weizmann gesandt, in welchem er seine Demission als Mitglied der zionistischen Exekutive mitteilt Dizengoff war Leiter des Städtischen Kolonisationsdepartements. Die Einnahmen des Keren Kajemeth Lejisrael betrugen im 1927 £E 23 089. in den ersten neun Monaten des Jahres 5687 betrugen die Einnahmen £E 187971 gegenüber 202 982 im gleichen Zeitraum des Jahres 5686. Die Einnahmen sind also um £E 15 011 — 7,4 <0/י — z u r u c k g e g a n g e n. Die größten Einnahmen im Juni 1927 kamen aus: Amerika £E 9 258, Eng- Iand £E 2 423, Kanada £E 2 400, Altrumänien £E 1 358 und Polen-Warschau £E 1087. Da das Haus auf dem Oelberg, in welchem die Regierungsämter und die Privatwohnung Lord Plumers untergebracht waren, durch das Erdbeben unbewohnbar geworden sind, wurde das Hospiz des Ordens St. John in Jerusalem (auf der Straße nach Bethlehem) als Regierungspalais und als Residenz des Oberkommissars Lora Plumer in Anspruch genommen. Lord Plumer wird in der ersten Augustwoche Tn Palästina eintreffen. Er hat seine Urlaubszeit abgekürzt, um das Hilfswerk leiten zu können. Der Generalsekretär des amerikanischen Misrachi, Rabbi Mairim Magnes, hat sich auf dem Dampfer Cleveland nach Europa eingeschifft, und wird über Hamburg zum Kongreß nach Basel fahren. Der in Diensten der Palästina-Regierung stehende sephardische Jude S h e m s ist zum Richter in Haifa ernannt worden. Seine Ernennung erfolgte auf Intervention der jüdischen Rechtsanwälte, die darüber Klage führten, daß beim Jaffaer Gericht kein Richter hebräisch versteht. Aus Jerusalem wird dem Ullstein-Dienst telegraphiert, daß dort und in J af f a am 24. Juli, vormittags um 11 Unr 30 Min., wieder ein leichter Erdstoß verspürt winde. In Hebron, wo er stärker war, entstand eine Panik. Im Monat Siwan (Juni) 1927 wurden in Tel-Awiw 148 Personen eingebürgert, darunter 42 Handwerker, 27 Arbeiter, 19 Landwirte, 11 Angehörige freier Berufe, 11 Beamte, 10 Schüler und 1 Lehrer. (Ziko.) Dem letzten Tätigkeitsbericht der Hebräischen National- Universitätsbibliothek Jerusalem entnehmen wir, daß in der Bibliothek in den Monaten September 1926 bis April 1927 16851 Bücher in 22 066 Bänden katalogisiert wurden. Die Gesamtzahl der bis zu dem genannten Termin katalogisierten Bücher betrug 121523 in 151 733 Bänden. In dem Zeitraum vom Oktober 1926 bis März 1927 betrug die Einnahme der Arbeiterkonsumgenossenschaft Hamaschbir £ 51 310. In dem genannten Zeitraum sanken die Schulden beim Hamaschbir um £ 10 090. Der Hamaschbir konnte seine Wechselschulden von £ 19 607 auf £ 10 264 verkleinern. Dje Moskauer Jüdische Gemeinde hat in ihrer letzten unter dem Vorsitz von Dr. Albert Fuchs stattgefundenen Sitzung beschlossen, das auf ihre Bestellung vom Maler S. Wermel her- Jestellte Porträt Dr. Joseph Ro s e n s, des Direktors des Agrooint, im Sitzungssaal aufzuhängen. Das ״Kölner jüdische Wochenblatt“ teilt mit: Am Tage der Repräsentantenwahl zur jüdischen Gemeinde wurden Wähler von Hitler-Banditen überfallen. Dabei wurde das Mitglied der jüdischen Gemeinde Herr Domb schwer verletzt und mußte sich in Krankenhausbehandlung begeben. Bei der jetzt stattgefundenen Gerichtsverhandlung ist der Hauptangeklagte freigesprochen worden. Palästina vor dem Kongreß (Von unserem Korrespondenten.) Kongreßwahlen. — Beamtenabbau. — Die Fönfzehner- Kommission. AG., Tel-Awiw, den 18. Juli 1927. Nach den endgültigen Berichten, die jetzt vorliegen, hat Palästina die nicht unbeträchtliche Zahl von 35 000 Sehe* kein aufgebracht, das bedeutet gegen 27 Delegierte, die Palästina zum Kongreß zu entsenden hat. Die Wahlen sind im Lande bereits für das Ende der nächsten Woche festgesetzt, wohl auch im Zusammenhang damit, daß die ״Kongreßreisen“ bereits Anfang August beginnen. In diesem Jahre macht sich trotz der schweren wirtschaftlichen Situation eine ungewöhnlich starke Tendenz zu Auslandsreisen in der Kongreßzeit bemerkbar. Die Vorbereitungen zu den Kongreßwahlen sind bisher noch immer etwas matt. Es mag sein, daß die Diskus* sionen auf allen Gebieten, wenig Neues mehr zu bieten haben. Außerdem lähmt die allgemeine Mattigkeit, die man in den letzten Monaten besonders stark verspürt, auch in gewisser Beziehung den Elan der Wahlen. Dazu kommt, daß die Arbeiterschaft jetzt bereits an die zwei Wochen mit ihrer Konferenz beschäftigt ist und daher einen Teil der Energie, die sic sonst in die Wahlen stecken würde, in ihren internen Beratungen aufbraucht. Der ganze Kampf dürfte also in die letzte Woche zusammengedrängt werden. * Die ״Kontrollkommission“, die das Aktions-Comite zur Untersuchung der Lage und zur Ausarbeitung eines Budget- Vorschlages ins Land schicken wollte, ist bisher nur durch Kastilianski, den wirtschaftlichen Berater der Londoner Exekutive vertreten, da bekanntlich die anderen Mitglieder ihrer Wahl nicht gefolgt sind. Ein Versuch, die Kommission nachträglich in Palästina aufzufüllen, scheint bisher keine Früchte getragen zu haben, und bald wird es zu spät sein, da der Kongreß die Leiter der verschiedenen Departements erneut ins Ausland führen wird. Unterdessen sind einige Versuche zu ״Sparmaßnahmen“ gemacht worden. Mit dem Apparat der Exekutive hat man angefangen. Aus den Einwanderungsämtern, die jetzt begreiflicherweise wenig Arbeit haben, sind Beamte entlassen, und der Stab der Exekutive auch an anderen Stellen verkleinert worden. Die Presseabteilung ist den Kürzungsbestrebungen vollständig zum Opfer gefallen. Sie Wird wohl bereits seit einiger Zeit durch die Zirkulare und Auszüge des Organisationsdepartements in London zum Teil ersetzt. Damit ist natürlich nur ein kleiner Schritt zur ״Rationalisierung" gemacht worden. Aber unter den gegenwärtigen Verhältnissen ist nur wenig zu tun möglich. Denn es ist ja nicht so, daß die Exekutive oder irgendeine andere Institution im Lande zuviel Leute beschäftigt, d. h. Menschen erhält, die für die Arbeit unnötig sind. Dann brauchte man in der Tat nur eine Reihe von Entlassungen vorzunehmen und hätte das Rätsel, über das soviel — Falsches und Richtiges — geschrieben worden ist, mit einem Federstriche gelöst. Zurzeit liegt das Problem anders. Fraglos kann die Exekutive und andere Stellen unter normalen Verhältnissen mit einem kleineren Stabe auskommen. Das heißt, wenn sie ihre Verpflichtungen zurzeit und in bar begleichen kann usw. Aber zurzeit liegen die Dinge genau umgekehrt. Man denke nur an das heute aktuelle Beispiel der Lehrergehälter. Was kann einfacher sein, als jeden Monat einzutragen, was gezahlt worden ist. Aber wenn man für Hunderte von Lehrern Kreditlisten führen muß, wieviel p*a. jefam-?inielBen scliuldif i|4׳.׳>sifpÄÄ,er».fkv<»,^,efhaltta hat usw., so wächst diese einfache Transafction iu elttäh umfangreichen Apparat an. Und so ist es bei vielen anderen Beispielen, sowohl in der Exekutive wie anderswo. Die Lösung der Probleme liegt also nicht einfach im Beamtenabbau, sondern in der ״Normalisierung“ der Wirtschaftsaktionen, ohne die sich der einfachste Prozeß immer wieder komplizieren muß. Wie man überhaupt heute in der zionistischen Wirtschaft nur schwer Teilreformen durchführen kann, weil die Räder der großen Maschine überall durcheinandergreifen. * Die Fünfzehnerkommission, der Ausschuß, der beauftragt worden ist, ein Arbeitsgesetz für den Jischuw auszuarbeiten, ist in seiner Arbeit um einige Schritte vorwärts gekommen, und es bestehen sogar Hoffnungen, daß er sich dem Ziele seiner Arbeit nähert. Es wäre nützlich gewesen, wenn der Entwurf noch vor dem Kongreß hätte fertiggestellt werden können. Zwar kann die Versammlung in Basel über diesen Punkt nicht beraten und beschließen, aber die Tatsache, daß der Jischuw unter sich in der Regelung der ökonomischen und wirtschaftlichen Fragen eine gemeinschaftliche Grundlage gefunden hat, wäre für die Kongreßverhandlungen von Bedeutung gewesen. Die schwere Atmosphäre, die in Basel zu fürchten ist, wäre durch einen solchen Fortschritt um einiges zu erleichtern. Unterdessen aber ist der Vorsitzende, Dr. Ruppin, bereits in dieser Woche ins Ausland gegangen, andere Mitglieder folgen ihm in den nächsten Tagen und es ist fraglich, ob das zurückbleibende unvollständige Plenum imstande sein wird, die Arbeit zu beendigen, die sowohl für das Bestehende wie für das Kommende im Lande von großer Bedeutung ist. Das tüdisetie Wirtscbaltsleben in Rußland Moskau, 25. Juli. (J. T. A.) Einem Bericht des Hauptbevollmächtigten der Zentraiverwaltung ״Ort“ in Berlin ist zu entnehmen: Der Kommission zur Erforschung de r W i r tschaftslage der Juden in der Sowjet-Union gehören 40 der angesehensten jüdischen Wirtschaftsstatistiker und Wirtschaftspolitiker an. Ihre Themen sind folgende: 1. Die Dynamik der jüdischen Bevölkerung in der Sowjet-Union. 2. Die soziale und professionelle Schichtung. 3. Die Landwirtschaft und die Binnenwanderung. 4. Handwerk, Kleinindustrie und gewerbliche Kreditkooperation. 5■ Der Anteil der Juden am Handel. 6. Der Zustand der Berutsausbildung unter den Juden. 7. Die Wirtschaftslage der Juden in den Kleinstädten und den Randgebieten. Die Kommission begann ihre Arbeit im November 1926. Es wurde umfangreiches Material über jüdische Demographie, landwirtschaftliche Betätigung, Handwerker-Kooperation usw. gesammelt. Bereits beendet ist die Bearbeitung des Materials über die jüdische Bevölkerungsbewegung in Rußland von 1891 bis 1923. Die Arbeit erscheint demnächst im Druck. Die Daten der Volkszählung von 1926 werden demnächst veröffentlich! werden. Ein sehr reiches Material sammelte die Kommission über Berufsstatistik der jüdischen Bevölkerung in der Ukraine und Weißrußland. Auch dieses Material gelangt demnächst zu! Veröffentlichung. In dem Gebiete von Daghestan wurde an 500 Familien der kaukasischen Bergjuden Siedlungsland verteilt. 300 Familien aus verschiedenen Städten Daghestans haben sich bereits auf dem neuen Boden angesiedelt.