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Jüdische Rundschau · 1927-07-26 · Heft 59 (26.7.1927) · page 2

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 59 (26.7.1927)
Date
1927-07-26
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Seite 420 Nr. 59, 26.VII, 1927 nistischen Zeitungen und der Administration der Zionistischen Organisation. Besonders heftig trat die Opposition gegen die Subventionierung der ״Habitnah“ und der ״Hakoah“ auf. Diese Subventionierungen erfolgten nach der Angabe der Opposition ohne vorherige Fühlungnahme mit allen in Frage kommenden zionistischen Faktoren. Die Opposition erklärte das angeblich schwindende Vertrauen der großen jüdischen Oeffeiitlichkeit in Amerika gegenüber den zionistischen Forderungen mit der Mißwirtschaft in den zionistischen Institutionen und mit der Verschwendung öifentlicher Gelder. Diese Krise der amerikanischen Zionistischen Organisation beeinflußte nach der Meinung der Opposition in sehr starkem Maße die Entwicklung in Palästina sowie den Oang der zionistischen Politik in Amerika selbst. Demgemäß stellte die Opposition den Antrag, den Bericht des Administrativ-Komitees abzulchncn und der zurücktretenden Leitung der amerikanisch-zionistischen Organisation auf diese Weise das Mißtrauen zum Ausdruck zu bringen. Die Generaldebatte über den Bericht nahm einen äußerst stürmischen Verlauf. Es gab zahlreiche Zwischenfälle und nur der geschickten Taktik des Vorsitzenden Louis Lipsky und Schmarjah L c w i n s gelang es, die Gemüter zu beruhigen. Louis Lipsky, der den Ansturm der Opposition vorausgesehen hatte, übte in seiner Eröffnungsrede selbst sehonungslose Kritik an den begangenen Fehlern. Er legte ausführlich die unglückselige Entwicklung der ״Zion Commonwealth“ und der ״Securities“ dar und entwarf ein umfassendes Re- Organisationsprogramm. Durch diese Haltung Lipskys wurde die Wucht der oppositionellen Angriffe von vornherein abgeschwächt. Eine starke Unterstützung fand die Opposition indirekt durch die Haltung der Hadassah, die ohne sich der Opposition anzuschließen, die hauptsächlichsten Reformvorschläge der oppositionellen Delegierten zu ihrem Programm machte und auf dieser Grundlage mit Lipsky Vercinbarungen für die zukünftige Arbeitsmethode traf. Louis Lipsky und Hadassah einigten sich auch auf eine gemeinsame Liste der neuen Administrative, bestehend aus 25 Personen, die auch gewählt wurde, wiewohl sie im Nominations-Ausschuß nicht die Mehrheit gefunden hatte. Der Nominations-Ausschuß hatte mit Mehrheit beschlossen, auch Abraham Goldberg zu kandidieren. Die Minorität des Ausschusses stellte der Kandidatur Goldbergs die der Frau Anna Mos ko witz-Kross (Hadassah) entgegen. Lipskv trat für die Liste der Ausschuß-Minderheit ein. ln geheimer Abstimmung unterlag Abraham Goldberg, und die zwischen Lipsky und Hadassah vereinbarte Liste der Administration wurde gewählt, Heftige Debatten entfesselte der Antrag, daß außer Lipsky in die Administrative keine hauptamtlich tätigen Personen gewählt werden dürfen. Gegen diese Minderung der zionistischen Rechte der hauptamtlich Angestellten wurde heftig protestiert. Schließlich kam eine Einigung dahin zustande, daß zionistische Beamte wohl nicht in die Administrative (d. i. unser ״Geschäftsführender Ausschuß“), aber in die Landes- Exekutive (entsprechend unserem ״Landesvorstand“), die aus 127 Mitgliedern besteht, gewählt werden dürfen. Wie wir bereits gemeldet haben, fand außerhalb der offiziellen Verhandlungen eine erregte Debatte über dyn Wiedereintritt der Gruppe von Louis Br and eis in die Leitung der' amerikänischen "Organisation statt. Zu Bc- Schlüssen auf der Convention in dieser Hinsicht ist es nicht gekommen. Hervorzuheben ist, daß die Convention der Exekutive in London und ihrer Politik einstimmig das Vertrauen votierte. Die Opposition auf der Convention trug somit nach den Zcitungsberichten einen lokal-amerikanischen Charakter. Der Hafenbau in Haifa Wie der ״Haaretz“ aus sicherer Quelle erfahren haben will, soll der neue Leiter der Abteilung der Palästina-Regierung für öffentliche Arbeiten seinen eigentlichen Dienst erst am 1. Januar 1928, also drei Monate später, als Ursprunglieh vorgesehen, antreten. Während der letzten drei Monate des Jahres 1927 soll er sich mit den letzten Vorbereitungsarbeiten für den Hafenbau in Haifa befassen, so daß alles für Anfang 1928 vorbereitet sein soll. Mit den Arbeiten selbst soll, wenn nichts dazwischen kommt, ganz, bestimmt im Laufe des Jahres 1928 begonnen werden. (Ziko.) Oberrabbiner Aronson in Berlin Wir berichteten bereits, daß Oberrabbiner Aronson am 18. d. M. auf Einladung des Berliner Rabbinerseminars in dessen Hörsaal einen Vortrag hielt. Im folgenden geben wir einem Berichte über diesen Vortrag Raum. Schlomoh Aronson, Tel-Awiws, der ״ersten jüdischen Stadt“, erster Oberrabbiner, verrät, da er das Redepodium betreten hat, durch nichts seine besondere Stellung, Ein mEfelgroßer Mann, mit dunklem, schon etwas graumeliertem Hart und Haar und dem typischen gefurchten Rabbinergesidit, in Haltung und Tracht nicht verschieden von seinen vielen Berufskollegen im Osten, erweckt er zunächst nicht den Lindnirk, als Zeuge neuen Lebens vor einem zu stehen. Alter bald r.wri.t man doch einiges ״ Acuücrliches und nicht mehr AruuerHchc- was nicht nur ihn, sondern die ganze Orthodoxie des neaeii Jischuw zu charakterisieren scheint, das Stehen zwischen den Zeiten. Noch ganz in der Haltung der alten, der fiiropäischcn Orthodoxie befangen, deren religiöse Hingabe atu typischsten sich in Schmirath hadath, der B chut ״ n g und Be - wachung des religiösen Bestandes ausdrückt mul deren religiöser Eifer kein fruchtbareres Feld kennt als das der bcständigen Abgrenzung, zeigen sich doch auf der anderen Seitc schon. Anzeichen eines erhöhten Lebens-, Kraft- und Zukunft«.- bewußtseins, an das man vielleicht optimistischcnveise die Hoffnung auf ein neues Auflebcn freier, lebendiger, religiöser Schöpferkraft knüpfen darf. ־ Man merkt nach einigen Sätzen zunächst an einem äußerliehen Merkmal den Einfluß des neuen Palästina. Oberrabbiner Aronson spricht aschkenasisch; zweifellos würde es ihm Muhe bereiten, sephardiseh zu reden; das merkt man. Aber immer wieder mischt er, ohne es wahrscheinlich zu wissen, Wörter in sephardischer Aussprache oder Betonung in seine aschkcn;׳- sische׳ Rede. Ein Sieg jungen Lebens! Und dann etwas wichtigeres. Es scheint, als hätte sich etwas von der Starrheit der orthodoxen, hauptsächlich auf Abwehr berechneten Haltung gelöst. Eine heitere hoffnungsvolle Zuversicht spricht aus Geste J U ED[ SC H E RUNDSCHAU Die Palästina •Regierung für das hebräische Schulbudget Jerusalem, 21. Juli (J. T. A.) Die Palästina-Regierung hat beschlossen, zum diesjährigen Budget der unter der Kontrolle der zionistischen Exekutive stehenden hebräischen Schulen eine Summe von 20000 ägyptischen Pfund beizusteuern. (Im Schuljahr 1922/23 betrug das hebräische Schulbudget £E 87 474, wozu die Regierung £E 2995 beisteuert^. 1925/26 wurden für das hebräische Schulwesen £E 136 976 ausgegeben; hiervon entfielen auf den Beitrag der Zionistischen Organ!- sation £E 70 000, der Rest wurde aus Beiträgen der jüdischen Gemeinden und Organisationen, sowie aus der Regierungsbeihilfe gedeckt. Für 1925 betrug der Regierungszuschuß £E 266-1, ungefähr zweieinhalb Prozent der Gesamtausgaben. 1926 wurde der Regicrungszuscliuß auf CE 10 664 (für das Schuljahr 1926/27) erhöht, von welcher Summe £E 9740 auf die Schulen der zionistischen Exekutive entfielen.) Zionistische Exekutive und hebräische Lehrerschalt Jerusalem, 10. Juli (J. T. A.) Das zwischen der zionistischen Exekutive und der hebräischen Lehrerschaft getroffene Abkommen, auf Grund dessen der Streik als beendet erklärt wurde, besagt: 1. Die Gehälter für März, April und Mai werden Ende August gezahlt. 2. Die Gehälter für Juni werden, Vorbehaltlieh der Durchführung der zionistischen Anleihe, Ende August, spätestens Mitte Oktober gezahlt. 3. Die Gehälter für Juli, August und September werden innerhalb des nächsten Budgethalbjahres, d. h. spätestens Ende März 1928, gezahlt. Die Experten-Kommission New York, 21. Juli (J. T. A.) Drei weitere Mitglieder der auf Grund des Jewish Agency-Abkommens zwischen Weizmann und Marshall ernannten Sachverständigenkommission haben die Reise nach Palästina angetreten. Es sind dies der Chef des Departements für Urbarmachung von Boden bei der Regierung der Vereinigten Staaten, Prof. Elwood Mead, der Dekan des Landwirtschaftsdepartements beim Rutgers College und Direktor der Landwirtschaftlichen Versuchsstation von New-Jersey, Prof. Jacob G. Li p man und der Statistiker und Wirtschaftler Prof. Leo W o I m a n , eine Autorität auf dem Gebiete der Behebung der Arbeitslosigkeit und der Arbeiter- Versicherung. Die Leitung des Suez-Kanals Wie der PalästinaTKorrespondent des ״Hajnt“, Pietruschka, berichtet, soll es bereits sicher sein, daß im nächsten Jahre die Verwaltung der Suez-Kanal-Angelegenheiten, die bisher in der Hand des englischen High Commissioner von Aegypten lagen, der Palästina-Regierung übertragen werden soll. Zuni offiziellen Leiter des Suezkanals wird der Leiter des Departements der Palästina-Regierung für Eisenbahnwesen, Col. Holmes, ernannt werden. Dieser Verlegung komme große politische Bedeutung bei. England soll endgültig darauf verzichtet haben, seine Interessen am Suez.- kanal von der ägyptischen Seite aus schützen zu wollen. Es liege also immer mehr im Interesse Englands, in. Palästina, von wo aus jetzt all diese Angelegenheiten verwaltet ׳werden sollen, eine zuverlässige und treue Bevölkerung zu haben, auf die es sich stützen könne. Auf eine diesbezügliche Anfrage Col. Wedgwoods erklärte Kolonialminister Amcry, daß es noch verfrüht sei, über die Uebertragung der Aufsicht des Suezkanals an den Leiter des Eisenbahnwesens in Palästina zu reden, da die diesbezüglichen Verhandlungen erst jetzt begonnen hätten. Rückkehr Richmonds nach Palästina? Der frühere Beamte der Palästinaregierung, Riehmond, der durch seine prononciert araberfreundliche und antijüdische Stellungnahme bekannt ist, soll, wie der ״Haaretz.“ aus London berichtet, zum Leiter des A11 e r tit mer- De־ parte ments der Palästina-Regierung ernannt werden. Eine Bestätigung dieser wenig wahrscheinlichen Meldung liegt noch nicht vor. (Ziko.) Tankwagen, die Petroleumprodukte rach Palästina bringen, unterliegen m Zukunft vollinhaltlich dem Importzoll, ebenso Parfümerien, die aus Syrien nach Palästina eingeführt werden. Das Erdbeben in Palästina Die Reichsanstalt für Erdbebenforschunc in Jena teilt mit: Das Erdbeben in Palästina vom 11. Jul bedeutete insofern eine Ueberraseliung, als in Palästina der artige schwere Beben seit Beginn der christlichen Zeitrechnung nicht mehr aufgetreten sein dürften. Die nicht I seltenen Erdbeben Palästinas, etwa vier im Jahresdurchschnitt, sind riieistens schwach. Die uns sonst zahlreich überlieferten schweren Beben beschränkten sich auf eien Norden also Syrien, wo Antiochia und Aleppo am schwersten und am häufigsten heimgesucht worden sind. Die letzten schweren Beben in jener Gegend, mit Schütiergebieten bis zu 150c Kilometer Länge, haben am 3. April und 5. August 1872, sowie am 9. Januar 1873 stattgefunden. Die übrigen 1m Laufe der Geschichte als zerstört gemeldeten Städte liegen teils an der Küste, teils im Talzuge des Nähr el Asi (Orontes) und des Jordan. Von der Wirkung der Erdstöße zeugen vor allem die Ruinen von Baalbek (Heliopolis), von Babbath Ammon und von Tedmur (Palmyra). Die bis jetzt vorliegenden Nachrichten über das jüngste Beben lassen zwai eine genaue Bestimmung des Herdes nicht zu. Jedoch deutet alles darauf hin, daß diesmal das Beben vom Toten Meer ausgegangen ist. Diese Ansammlung konzentrierten Salzwassers nimmt die tiefste Stelle der Erdrinde ein, denn ihr Spiegel liegt 394 m unter demjenigen des Mittelländisehen Meeres. Sie ist durch Einbruch der Erdrinde in geologisch jüngster Zeit entstanden, und die letzte damit verbundene Katastrophe war gegen Ende der Steinzeit der Untergang von Sodom und Gomorrah gewesen, deren Stätte heute von der Südbucht Sobolia des Toten Meeres einenommen werden dürfte. Mit dem letzten Erdbeben waren einerlei vulkanische Vorgänge verbunden. Die Ursache sind Schollenverschiebungen in der Bruchzone des Toten Meeres, wobei die mit ihren rauhen Bruchrändern aneinanderreibenden Fclsscholicn die Schwingungen der Erdbebenwellen erzeugen. Es handelt sich also, wie bei allen Erdbeben in dieser Gegend, um sogenannte tektonische oder Dislokationsbeben. Kein Vulkan-Ausbruch ln Palästina Jerusalem, 22. Juli. (J. T. A.) Von höher gelegenen Stellen Jerusalems wurde in diesen Tagen bemerkt, •daß aus der Gegend des Toten Meeres Rauchwolken aufstiegen. Man nahm an, daß der bei Zerka gelegene, seit Jahrhunderten erloschene Vulkan wieder in Tätigkeit ist. Es hat sich aber herausgestellt, daß die Rauchwolken aus Erdrissen an den Ufern des Toten Meeres hervorstiegen. Ein bekannter Geologe teilte der J. T. A. mit, daß infolge des Erdbebens an mehreren Stellen der Toten Meer-Ufer Erdrissc entstanden sind, aus denen Gase ausströmen. Es ist wahrscheinlich das gleiche Phänomen, wie es in Verbindung mit Abraham in der Bibel geschrieben wird: Als Abraham von Hebron zuriickblickte und nach den Stätten sah, auf denen Sodom und Gomorra standen, da stieg ein Rauch zum Himmel wie der Rauch eines Ofens. Das vereinigte Hilfskomitee Jerusalem, 21. Juli. (J. T. A.) In Jerusalem hat sich unter dem Patronat der Regierung, wie schon mitgeteilt, ein Komitee gebildet, w׳elches für die Aufbringung der Mittel zur Unterstützung der durch das Erdbeben Oeschädigten" sorgen soll. Dem Komitee gehören der Administrator des Jerusalemer Distrikts, Major Kcith-Roach, der Bürgermeister von Jerusalem, Raghob Bay N a s h a - shibi, der Präsident der palästinensisch-arabischen Exekvttive, M u s:«■ K asim Pa s c h a , ׳Ei Hussein!, der Leiter der zionistischen Exekutive in Palästina, Colonei F. H. Kisch, das Mitglied des Waad Leumi, Mejuchas u. a. m. an. £ 10.000 Schaden der Universität Der Schaden, der dem Universitätsgebäude durch das Erdbeben zugefügt wurde, ist — nach den letzten uns zugekommenen Meldungen — größer, als ursprünglich an genommen wurde. Nach Schätzung des Sachverständigen betragen die Kosten der Wiederherstellung der Gebäude und Laboratorien etwa £ 7000—8000, die Instandsetzung des Wasserkraftwerkes und der Ersatz der beschädigten Instrumente weitere £ 1800—2000. Der Gesamtschaden der Universität beziffert sich demnach auf etwa £ 10 000. Jerusalem, 22. Juli. (J. T. A.) Die Zugänge zur Klagemauer sind gesperrt worden, da in den engen Straßen, die zu diesem jüdischen Andachtsort führen, viele Häuser infolge des Erdbebens dem Einsturz nahe sind und Passanten gefährden können. Seit vielen Jahrhunderten war der Weg zur Klagemauer nicht versperrt gewesen. und Worten des Redenden und eine Art tolerierenden Ver- Stehens, das nicht mehr Zeichen leichtwiegender Preisgabe zu sein scheint, vielmehr ein solches unerschütterten, hoffnungsfreudigen Kraftbewußtseins. Spricht er von der innehaltung der religiösen Vorschriften in Palästina, so heißen diejenigen, die sie nicht befolgen, in seinem Munde nicht inehr Abtrünnige oder Apikorsim, wie wir uns mit Vorliebe von europäischen Orthodoxen genannt sehen, sondern Freidenker, ״Freie“. Und er ruft gegen sie nicht zum heiligen Krieg auf — er sagt vielniefir, daß man ihnen mit Aufsehern und anderen Methoden der Kehillah nicht beikommen könne, daß es sich doch um intelligente, denkende Menschen handle, die man vorsichtig behandeln und überzeugen müsse und daß dies eine sehwierige Aufgabe sei, die nur mit größtem Takt erfüllt werden dürfte. Und er erzählt begeistert, wie von der Tatsache des in Palästina Ansässigseins eine eGentümliche Keduscha, eine Art Heiligkeit alles erfassend ausgehe und auch jene ״Freien“ immer mehr erfasse. Damit sind wir aber schon zum Inhalt 1 des-Vortrags gelangt. 1 Dieser war rein informativ und für solche bestimmt, die mit der rabbinischen Tätigkeit vertraut und für sie interessiert sind. Das ist in Anbetracht des Rahmen«, i ו den der Vortrag statt fand, eigentlich selbstverständlich, und das zahlreiche Audi- : türium, das aus Schülern, Lehrern des Seminars und einem Kreise ihm Nahestehender bestand, war sichtlich außerordentlieh befriedigt. Von allgemeinerem Interesse dürfte das Folgende sein. Das Oberrabbinat hat in Palästina viel weitere Funktionen als in der Galuth. Es ist dort eine staatliche Behörde, bestehend au« je einem aschkcnasischen und einem scphardischen in Rang und Funktionen gleichgestellten Rabbiner, die von der Gemeinde;gewählt und von Regierung« wegen beglaubigt werden. Ein großer Teil der Gerichtsbarkeit, alle familienrechtlichen Angelegenheiten und noch einige andere fallen, insofern es um Juden geht, dem Oberrabbinate zur Entscheidung zu. Das ergibt eine Steigerung der Machtstellung, welche das Ansehen vermehrt und -o manche Aufgaben erleichtert, auf der anderen Seite aber nimmt diese Seite der Tätigkeit die Oberrabbiner so sehr in Anspruch, daß sie für andere wichtige Rabbinatsfunktionen wenig Zeit übrig behalten. Gewisse Sehwierigkeiten ergeben sich auch aus der, wenn auch geringfügigen, Verschiedenheit der religiösen und zerenionlalen Traditionen der drei wichtigsten Gruppen, der sephardischen, aschkenasischen und jemenitischen. Doch findet hier eine allmähliche Annaherung statt. Interessant ist, daß die Aschkenasim ihre nach den Herkunftsländern etwas abweichenden Gebräuche spontan unifiziert haben, indem die .Anordnungen des Wilnaer Gaons als verbindlich anerkannt wurden. Die Jemeniten sind außerordentlich religiös und man verspricht sich von ihnen, daß sie nach entsprechender Schulung innerhalb des religiösen Judentums eine sehr wichtige Rolle spielen werden. Das religiöse Schulwesen ist sehr ausgebreitet. Neben den fesch! wothdes alten Jischuw, die aber nicht d.s Niveau der besten europäischen Jeschhvoth erreichen, hat nun die Jesehiwah von Slobodky, weiche seit Jahrzehnten den Ruf der besten genießt, ihren Sitz nach Hebron verlegt, und der Redner sagt von ihr, daß sich zu allen ihren alten Vorzüge״ d ' :11 voller Kraft da sind, eine Art Heiligkeit getan hat, die durch Palästina bewirkt wird und die jeden Besuch in ihren Mauern zu einem erschütternden und tief berührenden Er'ebms mach‘. Auch die neue Jesehiwah des Rabbi Kuk entwickelt sich schnell und gut, sowohl was die Zahl der Schüler, als auch was die Qualität der Leistung betrifft. Man setzt in de.« Jesehiwah große Hoffnungen. Ein neuer, der Verwirklichung nicht mehr ferner Plan ist eine landwirtschaftliche jesehiwah. Sie soll das Problem lösen, daß die Lehre mit einer nützlichen Berufsausbildung verbunden werde. Auch das niedrigere religiöse Schulwesen breitet sich schnell aus. Die Zahl der Schüler in diesen Anstalten wächst dauernd. Das religiöse Leben, insofern es sich um die Synagoge gruppiert, pulsiert sehr stark. Auch an Wochentagen sind Bethäuser und Syna- ״ogen voll, nicht zu reden von den vielen ״Lernenden“, für die z. B. die große Synagoge in Tel-Awiw Tag und Nacht offengehalten wird, olinc je leer zu bleiben. fn Tel-Awiw ist jede öffentliche Wirtschaftstätigkeit am Sabbat verboten. Das gilt nicht nur für Handel, Hand-

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