Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 58 (22.7.1927)
- Date
- 1927-07-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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I Seite 414 macht und Völkerbund die Ueberzeugung gewonnen, daß der Aufbauwille des jüdischen Volkes, geboren aus seiner nationalen Not und geleitet von seinem nationalen Ideal, ein realer Faktor ersten Ranges ist. Es hat sich gezeigt, welche großen Energien an Kapital und Arbeit dem Lande durch die Juden zugeführt werden. Vor jedem objektiven Forum muß heute die Verpflichtung der Mandatarmacht zur aktiven Unterstützung des jüdischen Aufbauwerkes anerkannt werden: Nicht nur die Bestimmungen des Mandates erfordern diese, sondern auch das Wohl und die Entwicklung des Landes, das der Mandatarmacht anvertraut wird. ln diesem Sinne glauben wir, daß der Weizmann’sche Grundsatz, unsere Politik gegenüber der Mandatarmacht könne nur auf gegenseitigem Vertrauen beruhen, seine Richtigkeit erwiesen hat. Wenn wir mit der gepanzerten Faust drohen, werden wir lächerlich. Durch die Demonstration unseres Aufbauwiiiens jedoch gewinnen wir das Vertrauen der Mandatarmacht, und wir selbst müssen trotz unserer Ungeduld Verständnis dafür haben, daß die für das Land verantwortliche Instanz einem gänzlich neuen und noch nicht erprobten politischen Faktor wie der Zionistischen Organisation nicht ohne Prüfung ihres Ernstes vertrauen mochte. Fünf Jahre nach der Bestätigung des Mandates sind (vir ein erhebliches Stück weitergekommen. Ohne Uebertreibung können wir sagen, daß das jüdische Volk die Probe bestanden hat, daß es sich als bündnisfähige Macht erwiesen hat. Wir haben deutliche Beweise dafür, daß auch die Regierung diese Tatsache anerkennt. Das Mandat ist die heutige Basis der politischen Struktur Palästinas. England hat, besonders seit den Perspektiven eines neuen Ausgleiches mit Aegypten, stärkste verkehrspolitische und strategische Interessen im Lande. Trotzdem wissen wir nicht, wie lange das Mandat dauern wird. Unsere Aufgabe ist es, uns für die Zeit zu rüsten, wo die Mandatsverwaltung in der heutigen Form verschwinden oder gemildert wird und die Landesbevölkerung selbst mehr Rechte genießt. Wir haben daher die Zeit zu nützen zu einer Verständigung mit der Landesbevölkerung über die künftige Regierungsform Palästinas. In dieser Hinsicht sind wir®noch kaum bis zu den ersten tastenden Versuchen gelangt. Die fünf Jahre Palästinamandat sind ein wuchtiger Abschnitt jüdischer Geschichte. Sie zeigen den Weg an aus einer Zeit tiefster Erregung, Erschütterung und Un- Sicherheit zu einer Periode geordneter, ruhiger und stetiger Aufbauarbeit, eine Etappe auf dem Wege der Errichtung des jüdischen Nationalheimes in Palästina. Die Konferenz der Hisfadrath Die hier eingetroffenen palästinensischen Zeitungen bringen spalteniange Berichte über die Konferenz der Histadruth ־ •־XA1׳bfettenr0i^^«!si1i0ii)r־iijr^ —Wir^trehattcn-״ ־ tmr eine« zusammenfassenden Bericht bis nach Abschluß der Verhandlungen vor und geben nachstehend nur die wichtigsten Daten. Die Verifikations-Kommission der Konferenz schlug in der neunten Sitzung am 11. Juli die Genehmigung von 201 Delegiertenmandaten vor. Außerdem wurde drei Mitliedern des Waad HapoM das Stimmrecht zuerkannt, so aß an der Konferenz 204 stimmberechtigte Delegierte teilnahmen. 111 Delegierte gehören der Achduth-Awodah, 54 dem Poöl-Hazair, 14 der linken Poale Zion, 8 der Kibuzimliste, 8 dem linken Block und 4 der linken Opposition an. 3 Delegierte sind unparteiisch und 2 Revisionisten. Das Präsidiitm der Konferenz besteht aus Abramowicz, Ben-Zwi, Ben-Gorion, Kaplan, Kaplanskv, Remes und Sprinzak. Der Rechenschaftsbericht des Waad Hapoet ist 50 Bogen stark und Umfaßt 27 Abschnitte. Außerdem liegen Berichte des Palästina-Arbeiterfonds, des Merkas Chaklai und der Kupath Choliin (20 Bogen stark) vor. Für die Generaldebatte waren 10 Stunden vorgesehen. An der Debatte beteiligten sich Vertreter aller Richtungen. In der 6. Sitzung erfolgte die Antwort des Waad Hapo&I auf die kritischen Bemerkungen der Diskussionsredner. In der 9. Sitzung erstattete Kapfansky und Sk01 n i k Referate über die landwirtschaftliehe Kolonisation und in der 10. Sitzung Berl Kaznelson und Chajim Arlosoroff Referate über die Lage im Zionismus und 1'm Lande. In der 6. Sitzung beantragte Arlosoroff in einer heftigen Protestrede die Vorlegung eines Antrages durch die! Permanenzkommission, in dem gegen die Verfolgungen der Zionisten in Rußland protestiert wird. Der Antrag Arlosoroffs wird unter stürmischen Kundgebungen angenommen. Linke Poale Zion und linker Block verlangen das Wort zur Abga&e von Erklärungen und als der Vorsitzende entscheidet, daß diese Erklärungen erst am Ende der Sitzung abgegeben werden können^ verlassen linke Poale Zion, linker Block und linke Opposition die Sitzung, erscheinen aber in der Nachmittags- Sitzung wieder. während der 5. Sitzung der Konferenz am 7. Juli, nachmittags, wurde das Urteil des Jaffaer Gerichtes gegen die Angeklagten der vor vier Monaten veranstalteten Arbeitslosen-Demonstration bekannt. Der Vorsitzende, Ben Gurion, gibt folgende Erklärung ab: ״Es wird mir mitgeteilt, daß der Delegierte der Konferenz Leibowicz zu acht Monaten, Genosse Kleingwill zu sechs Monaten, Genosse Kollischer zu vier Monaten und Genossin Sarah Braudiii zu zwei Monaten Zwangsarbeit verurteilt wurden. Die Konferenz kann nicht stillschweigend dieses verbrecherische Urteil zur Kenntnis nehmen. Wir müssen unseren energischen Protest gegen dieses Urteil zum Ausdruck bringen. Die Konferenz drückt den Verurteilten ihre Sympathien aus und erklärt, daß die Histadruth ihren Kampf gegen die Verfolgungen, die sich in der letzten Zeit mehren, fortsetzen wird.“ Die Delegierten erheben sich von ihren Sitzen und singen die Internationale. Ben Gurion erklärt zum Schlüsse: ״Die Unterdrückungsmaßnahmen der Regierung werden die Histadruth nicht davon abhalten, ihre Tätigkeit fortzusetzen. Die jüdischen Arbeiter sind gegen Verfolgungen abgehärtet.“ In der Eröffnungssitzung richtete Chajim Nachman Bialik an die Konferenz eine Ansprache. Im Namen der arabisehen Arbeiter sprach Philipp Chasson (Vertreter der Haifaer arabischen Arbeiter, die in der Histadruth organisiert sind) und Achmed Cham di für eine arabische Arbeitergruppe, die 600 Mitglieder umfaßt. An der Konferenz nehmen außer den Delegierten ständig etwa 1500 Gäste teil, bei der Eröffnungssitzung waren 8000 anwesend.?UgPISCffg KÜNPSCHKP , Das Hllfswerk für Palästina Jerusalem, 17. Juli. (J-T.A.) Der Stellvertretende Oberkommissar für Palästina, Colonel Symes, erließ einen Appell, in welchem eine ausführliche Schilderung der katastrophalen Wirkungen des Bebens gegeben und um Spenden zur Linderung der Not ersucht wird. Auch werden die Bewohner Palästinas gebeten, sich an das Ausland um Mit- Hilfe zu wenden. Die Schäden, heißt es in dem Appell, gehen in die Millionen, der Wiederaufbau werde zwei Jahre in Anspruch nehmen. Colonel Symes dankt Nathan Straus für seine erste große Spende in Höhe von 5000 Pfund, sowie der Palestine Electric Corporation (Ruthenberg), die 200 Pfund gespendet hat und erwähnt, daß die jüdischen Kolonien Petach-Tikwah und Rechowoth die ersten waren, die Geld und Brot in die am schwersten betroffenen Gebiete gesandt haben. Jerusalem, 19. Juli. (J. T. A.) Unter Führung der Regierung wurde in Palästina ein Zentralhilfskomitee gebildet, welches das Unterstützungswerk leiten wird. Colonel Symes hat die Präsidentschaft übernommen. Die von Nathan Strauß, dem amerikanisch-jüdischen Philanthropen, telegraphisch überwiesene Spende von 5000 Pfund wurde wie folgt verteilt: 1000 Pfund für erste Hilfsmaßnahmen in Nablus, Ramleh, Ludd und Transjordanien; 1000 Pfund zur Errichtung von Baracken für die obdachlos gewordenen Familien in allen vom Erdbeben betroffenen Orten. Der Stadtrat von Nablus teilt mit: Wir haben uns telegraphisch an John D. Rockefeiler und an Henry Ford um Hilfe gewandt. Aber trotzdem schon viele Tage vergangen sind, haben wir von diesen keinerlei Antwort erhalten. Dagegen hat Herr Nathan Straus, ohne daß sich jemand an ihn gewandt hatte, sofort 5000 Pfund zur Hilfeleistung gesandt Der Papst hat dem Patriarchen von Jerusalem 50000 Lire (= £ 560) fiir die Opfer des Erdbebens überwiesen. Der König von England hat in einer telegraphischen Kundgebung an die Bevölkerung Palästinas sein Mitgefühl zum Ausdruck gebracht. *. Das zweite Erdbeben, das am 17. Juli Palästina heimsuchte, wurde in Tel-Awiw, Herzliah, Tulkeren, Sichern und Hebron gespürt. Nur in Hebron sind einige Häuser beschädigt worden, ln Jerusalem wurde durch das zweite Erdbeben der durch das erste Erdbeben entstandene Schaden vergrößert. Die Jerusalemer Bevölkerung strömte nach dem Erdstoß am 17. Juli in Furcht vor weiteren Erdstoßen ins Freie. Wie uns telegraphiert wird, wurde beim ersten Erdbeben das Gebäude der aus Deutschland stammenden Kwuza ״Markenhof“ in Um el dschuni (bei Dagania) schwer beschädigt. Die Rechte der hebräischen Sprache Zwei Erfolge. Wir haben kürzlich in einem Briefe unseres palästinensisehen Korrespondenten berichtet, daß in dem Entwurf eines Zensurgesetzes, das jetzt von der Regierung behandelt wird, eine Bestimmung enthalten ist, wonach alle zur öffent- .liehen Aufführung gelangenden Werke vorher der Zensurstefle der Regierung vorgelegt werden müssen; wüf zwar Irt englischer Uebersetzung. Die jüdische Oeffentlichkeit hat sehr nachdrücklich gegen diesen Entwurf Stellung genommen und wie nunmehr gemeldet wird, hat der Justizsekretär Mr. Norman Ben twich einer Delegation der Verteidiger der hebräischen Sprache erklärt, der Artikel des Gesetzes, der eine englische Uebersetzung hebräischer Stücke erfordert, werde ab ge a nd ert werden. Wie unser palästinensischer Korrespondent ferner berichtet hat, wurden in den ersten Sitzungen der neugewählten Stadträte in Haifa und Jaffa von den arabischen Nationalisten gefordert, die Verhandlungen und Protokolle nur in arabischer Sprache zu führen, während die jüdischen Stadtverordneten die Gleichstellung der hebräischen Sprache und die Ernennung eines jüdischen Sekretärs verlangten. In der letzten Sitzung des Stadtrates von Jaffa hat nun der Bürgermeister bei der Eröffnung der Sitzung erklärt, die Forderung der Juden sei durchaus berechtigt und im Einklang mit den Gesetzen des Landes, und er werde keine Diskussion darüber zulassen. Er teilte mit, daß er einen jüdischen Sekretär bereits ernannt hat, der die hebräischen Reden protokollieren wird. Die Erklärung wurde ohne Widerspruch entgegetigenommefl. Im Starftrat von Haifa winde nach einer längeren Diskussion der Antrag eines jüdischen Stadtverordneten Cohen, jjnen jüdischen Sekretär für die hebräische Protokollführung zu ernennen, angenommen. Die Aufwendungen des Keren Hajessod Die ״Ziko“ veröffentlicht folgende Tabelle über die Verwendung der Keren Hajessod-Gelder in Palästina vom 1. April 1921 bis 31. März 1927: Pfd. Sterling °/0 1. Landwirtschaftliche Kolonisation (inkl. Versuchsstation) .... 2. Erziehungswesen (inkl. Hebräische Universität und National- und Universitätsbibliothek) .... 884698-15. 5 30.95 496116.17. 9 17.36 3. Einwanderung (inkl. Einwandererheime). 329434. 8. 7 11.52 4. Oeffentliche Arbeiten . . . . , 328 196.13. 6 11.48 5. Oeffentliche Gesundheitspflege . . 226 517.11. 3 7.92 6. Investitionen: Pal. Electr. Corpor. . 62000. 0.0 Allg. Hypothekenb. . 65 117. 7.9 Pal. Land Dev. Co. . 21896.18.0 Solei Boneh ... 19 082. 7.9 Schulgebäude ... 9 247. 8.7 Pal. Mining Syndic. . 2 600. 0.0 Handwerkerbank . . 2 058.1H 171 800.13, 2 6,01 7. Verwaltung und Verschiedenes . . 136 986. 6. 9 4.79 8. Nationale und kommunale Institutionen ...». 100 064.14. 6 3.50 9. Religiöse und andere Misrachi- Institutionen. 68 681. 0. 4 2.40 10. Städtische Kolonisation .... 56 717. 5. 9 1.98 11. Keren Kajemeth Lejisrael(Bodenkauf! 32 680.11. 1 1.15 12. Technisches Institut in Haifa . . V6 925 1 16 n.94 - »58 7H9.lU.lO lvOÖO Nr. 58, 22.W.!927 Zu den Kongregwahlen Ein Rundschreiben der Exekutive an die zionistischen Landes- und Sonderverbände. Sehr geehrte Herren Gesinnungsgenossen! I. Im Zusammenhänge mit den bevorstehenden Wahlen zum 15. Zionistenkongreß machen wir Sie nochmals auf die Bestimmung des Statuts aufmerksam, nach welcher das p a s ־ sive Wahlrecht zum Kongreß von der Erfüllung der Verpflichtung gegenüber dem Keren Hayesod abhängig gemacht wird. Somit kommt als Delegierter zum Zionistenkongreß nur derjenige in Betracht, der seinen Verpflichtungen gegenüber dem Keren Hayesod Genüge getan hat Wie bitten Sie, sämtliche innerhalb Ihres Verbandes bestehenden Richtungen, die die Absicht haben, Wahlvorschläge einzureichen, daran zu erinnern, daß sie bei der Wahl ihrer Kandidaten diese Bestimmung beachten. Das Kongreßgericht wird bei der Prüfung der Delegiertenmandate selbstverständlich auch auf die Einhaltung dieser Vorschrift des Statuts bestehen. Wir möchten hier nur die Hoffnung aussprechen, daß es keinen Delegierten geben wird, der durch Vernachlässigung dieser selbstverständlichen Pflicht sich der Gefahr der Annullierung seines Mandates aussetzen wird. Wir bitten Sie aus diesem Grunde, rechtzeitig eine entsprechende Erklärung zu erlassen und im Einvernehmen mit den Hauptwahlkommissionen und Ihrer Lamdesstelle des Keren Hayesod für die Durchführung dieser Vorschrift zu sorgen. II. Die zum ersten Male auf Grund des E i n h e i t s - schekeis stattfindenden Delegiertenwahlem werde« notwendigerweise einen verschärften inneren Kamp f der zionistischen Parteien zur Folge haben. Es ist begreiflich und notwendig, daß in der Wählpropaganda die Gegensätze der verschiedenen Parteien zum Ausdruck kommen. Die Exekutive richtet jedoch an alle zionistischen Grtrpppen die dringende Mahnung, ihre Anhänger und Propagandisten anzuweisen, daß sie in der erregten Atmosphäre des Wahlkampfes und in der Leidenschaftlicchkeit der Wahl- Propaganda einet Tatsache eingedenk bleiben: alle diese Gegensätze befinden sich auf dem Boden der gemeinsamen zionistischen Organisation, sämtliche Beteiligten sind Mitglieder einer einheitlichen Bewegung und sie müssen sich -in ihren Wahlmethoden eine weitgehende Reserve auferlegen. Der Streit der Meinung innerhalb der Zionistischen Organisation darf den Außenstehenden nicht ein Bild der Spaltung und Zerklüftung bieten. Die Methoden der Wahlpropaganda und das Verhalten zu konkurrierenden Kandidatenlisten dürfen der politischen Moral unserer Bewegung und der Würde unserer Organisation keinen Abbruch tun. Es handelt sich hier um einem Meinungskampf unter Genossen, der mit reinen Waffen ausge fochten werden muß. Die zionistischen Verbände, Parteien und Richtungen werden in diesem Kampf mit dem Bewußtsein eintreten, daß nach Beenaigung der Wahlen alle Beteiligtem wieder in das geeinte Lager itirückkehren und sich zu gemeinsamer, positiver, fruchtbringender Arbeit zusatnm enschl ießen müssen. Wir bitten Sie, unsere Mahnung zur Kenntnis der zionistisehen Oeffentlichkeit zu bringen. London, 15. Juli 1927. Mit vorzüglicher HocSächtung und Zionsgruß Exekutive der Zionistischen Organisation, Felix Rosenblüth, Mitglied der Exekutive. Leo Läuterbach, Sekretär des Organisations-Dept. Die ffldische Gemeindeordnang 10 Palästina Jerusalem, 18. Juli. (J.T.A.) Die Jewish Communities Ordinance (Jüdische Gemeinde-Ordnung) für Palästina wurde soeben publiziert und ist somit in Kraft. Das Statut sieht die Exisentz nur einer einizigen jüdischen Gemeinde in jedem Orte vor, jedoch ist die Errichtung autonomer Kongregationen im Rahmen der jüdischen Gemeinde mit einer separaten Schechita- und Begräbnisordnung zulässig. Das Statut läßt auch eine Absonderung von der allgemeinen jüdischen Gemeinde zu. Die Frage der jüdischen Gemeindeordnung bildet seit Jahren einen Streitpunkt zwischen dem Waad Leumi (Natkmalrat der Juden) und dem Waad Hair Haaschkenast, der die Prinzipien der Agudas Jisroel vertritt. Der Waad Leumi hat in seinem Memorandum an die Mandatskommission des Völkerbundes die Annahme des Entwurfs der Assefath Haniwcharim vom Jahre 1920 empfohlen, in welchem der internen Kontrollorganisation des Jischuw ein weiter Spielraum in allen Fragen des jüdischen öffentlichen Lebens, in religiösen, wirtschaftlichen, kulturellen und politischen Fragen, eingeräumt ist. Die Gemeinde sollte als juristische Person anerkannt und eine Zwangsorganisation sein. Die Kehilla als der Kern der Jiscbuw-Organisation sollte alle Juden umfassen, so daß keiner sich der Verpflichtung gegen die Gemeinde sollte entziehen können. Der Gemeinde sollte Zwangsbesteuerungsrecht zustehen. — Die Agudas Jisroel bekämpfte in ihrer Petition an den Völkerbund das Prinzip Zwangseinheit der Jüdischen Gemeinde und . forderte das Recht für jede Gruppe von Juden, unabhängige religiöse Gemeinden zu begründen. Die Kompetenz des Waad Leumi sollte auf politische und wirtschaftliche Angelegenheiten begrenzt sein. Jede Gruppe von Juden sollte das Recht haben, innerhalb der Gemeinde ein eigenes Räbbinat, eine eigene Organisation für rituelle Schächtung und eine Begräbnisordnung zu unterhalten. Die Wiener Ereipisse Wien, 19. Juli. (J.T.A.) Die Ereignisse der letzten Tage in Wien haben auch jüdische Opfer gefordert. Auf det Liste der Toten und Verwundeten stellt man etwa 3 «/o jüdischer Namen fest. Es handelt sich vorwiegend um solche Juden, die zufällig von Geschossen getroffen worden sind. Es steht fest, daß bei der Demolierung des Reichspostgebäudes und des sogenannten ״Antisemiten-Hofes“, wc sich die antisemitischen, Verlagsdruckereien befinden, keine Juden mitwirkten, sondern daß das Zerstörungswerk vor der erregten christlichen Arbeiterschaft vollführt wurde Trotzdem zeigen sich jetzt die antisemitischen Agitatoren be müht, der Bevölkerung einzureden, daß alles das ״Werk dei Juden“ gewesen sei. _ 'äii