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Jüdische Rundschau · 1927-07-22 · Heft 58 (22.7.1927) · page 3

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 58 (22.7.1927)
Date
1927-07-22
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. 58, 22. VH. 1927 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 413 Nach fünf Jahren Am 22. Juli sind genau fünf Jahre verstrichen seit jener historischen Sitzung des Völkerbundrates im St. James-Palast in London unter Vorsitz Lord Balfours, die die Bestätigung des britischen Mandates über Palästina beschlossen hat. So rasch ändert sich die Zeit, daß man sich heute nur mit Mühe in die damalige Situation und Stimmung versetzen kann. Das Palästina-Mandat ist heute eine Tatsache, die für uns zu den Selbstverständlichkeiten des politischen Lebens gehört, und wir denken kaum mehr der Zweifel und Befürchtungen, die noch vor knapp fünf Jahren bezüglich der politischen Zukunft Palästinas gewaltet haben. Fünf Jahre waren seit der Balfour-Deklaration, vier Jahre seit dem Waffenstillstand verflossen, ohne daß das politische Geschick Palästinas endgültig geregelt worden wäre. Die ungeheuren Schwierigkeiten, die sich nach Beendigung des Krieges auftürmten und die Friedensschlüsse stets von neuem verzögerten, die neuen Verwicklungen, die durch das Wiedererstarken der Türkei und die Annullierung des Friedens von Sevres entstanden waren, das Spiel der verschiedenartigen widerstreitenden Interessen und die günstige Chance für Intriguen aller Art, dies alles verwirrte die Situation immer mehr, je deutlicher die (Jnfähigkei der Machthaber, diesen Zustand zu beenden, zu Tage trat. Es ist einem späteren Historiker Vorbehalten, festzustellen, wie schwer der Aufbau der jüdischen nationalen Heimstätte durch diese Verkettung von Tatsachen geschädigt wurde. Hätte unmittelbar nach dem Kriege — im Sinne der Verlieißungen Wilsons — der Neuaufbau der Welt eingesetzt, dann hätten auch alle ideellen, moralischen und materiellen Chancen, die damals für den Zionismus bestanden, voll ausgewertet werden können, dann wäre das jüdische Palästinawerk viel weiter als es heute ist. Aber es ist müßig, sich mit solchen irrealen Hypothesen zu beschäftigen. Der Zionismus ist eben ein Teil dter Weltpolitik geworden und ist abhängig von einer großen Zahl von übermächtigen Faktoren, die ihn ebenso treffen wie andere Völker. Statt darüber zu träumen, was hätte sein können, haben wir die historischen Tatsachen hinzunehmen und müssen mit ihnen fertig werden. Der Entwurf des Palästina-Mandates wurde bereits im Winter 1920 dem Völkerbundsrat von Balfour eingereicht. Immer neue Hindernisse stellten sich seiner Behandlung entgegen. Der Protest Amerikas, die Wirren im Orient, die in mehreren der präsumptiven Mandatsgebiete zu heftigen Kämpfen führten, die Rivalität zwisehen England und Frankreich sowie zwischen Frankreich und Italien, die katholischen Bemühungen, dies alles schuf eine Atmosphäre der Unsicherheit, die von den Gegnern der zionistenfreundlicher Politik Englands, besonders von gewissen Kreisen des englischen Militärs und der Beamtenschaft, zu antizionistischer Propaganda , ausgenutzt wurde. Dadurch erst entstand auch in den Kreisen der "arabischen NationäMten der Gedanke, daß die Balfour-Deklaration, die anfangs als fait accompli hingenommen worden war, umgestoßen werden könnte. Es begann die bekannte arabische Campagne, die sich aller Mittel bediente, angefangen von der Entsendung einer arabischen Delegation nach London bis zu den Ueberfällen auf das Chaluzheim in Jaffa und die jüdisehen Kolonien, die zu regelrechten jüdisch-arabischen Kämpfen und zahlreichen Blutopfern auf beiden Seiten führten. Noch unmittelbar vor der Bestätigung des Mandates schien die arabische Propaganda auf der Höhe des Erfolges zu sein. Am 21. Juni 1922 erklärte das House of Lords das Palästinamandat in seiner gegenwärtigen Form für unannehmbar, weil es mit den Wünschen der gegenwärtigen Bevölkerung Palästinas im Widerspruch stehe. Wir hatten hier das seltsame Schauspiel, daß gerade die reaktionärsten Gruppen der englischen Politik sich zu Anwälten der Demokratie machten. Kurz darauf, am 30. Juni, nahm das amerikanische Repräsentantenhaus eine Resolution zugunsten der jüdischen Heimstätte in Palästina an, wodurch der Einspruch Amerikas gegen die Bestätigung des Mandates beseitigt war. Der Vatikan hatte England eine Note überreicht, in welcher verschiedene Einwendungen erhoben wurden; dies war um so bedeutungsvoller, als außer Italien, wo damals die katholische Volkspartei sehr mächtig war, auch die katholischen Mächte Spanien und Brasilien im Völkerbundsrat saßen. Die moslemisch-christliche Gesellschaft in Palästina hatte für den 13. und 14. Juli einen arabischen Generalstreik Kongreouersammlungen der B. z. v. Dienstag, den 2. August, abends 8 72 Uhr im Schubertsaal, Bülowstr.104 (Nollendorfpl.) Mittwoch, den 3. August, abends 872 Uhr in den Musikersälen, Kaiser-Wilhelm-Str. 31 Referenten: Vertreter sämtlicher Parteien Eintritt: 20 Pf. proklamiert und gleichzeitig eine Delegation nach Mekka geschickt, um den offiziellen Einspruch des damals füh* renden moslemischen Fürsten, des Königs Hussein von Hedschas zu veranlassen. Anfang Juli wurde die ganze Frage vor־ dem englischen Unterhause aufgerollt. Es war das erste Mal, daß die Palästinafrage vor das Parlament kam. Gelegentlich der Besprechung des Etats des Kolonialamtes hielt der jetzige Innenminister, Sir William Joynson-Hicks eine scharfe Rede gegen die Palästinapolitik der Regierung und gegen die Balfour-Deklaration und forderte, daß das Palästinamandat zunächst dem Unterhaus vorgelegt werde. Dieser Antrag wurde mit 292 gegen 35 Stimmen abgelehnt, wodurch das Unterhaus mit überwältigender Mehrheit, die auch die Opposition (die Arbeiterpartei) einschloß, die Palästinapolitik der Regierung billigte. Dieser Sitzung des Unterhauses war das bekannte Weißbuch der Britischen Regierung vorgelegt worden, welches die Interpretation der Balfour- Deklaration und des Begriffes Nationales Heim enthielt, worin klargemacht wurde, daß die Errichtung des jüdisehen Nationalheimes weder die bürgerlichen und religiösen Rechte der gegenwärtigen Bevölkerung beeinträchtigen, noch dieser eine Nationalität aufzwingen soll, die sie nicht wünscht Am 17. Juli sollte die Tagung des Völkerbundrates in London eröffnet werden. Die letzten Tage noch mußten von der zionistischen Leitung zu intensivster politischer Tätigkeit ausgenutzt werden. Teilnehmer an zionistischen Sitzungen werden sich der interessanten und humorvollen Schilderungen Sokolows erinnern, der damals auf dem exponiertesten Posten der zionistischen Außenfront (in Paris) stand. Am 22. Juli erfolgte dann die Bestätigung. Ein Gefühl der Ent- Spannung ging durch die zionistische Weit. Man wußte, daß jetzt das politische Schicksal Palästinas zumindest für die nächsten Jahrzehnte festgelegt war, daß an dieser Festlegung nicht zu rütteln ist und nun eine Periode ruhiger und gesicherter Aufbauarbeit, die Auseinandersetzung mit den Realitäten Palästinas, erfolgen könne. Durch die Bestätigung des Mandates wurde die Ver. waltung Großbritanniens in Palästina legitimiert. Ueber die politische Qualität und den politischen Charakter der A-Mandate bestand freilich angesichts der Neuheit dieser nstitution keine absolute Klarheit. Erst in jüngster Zeit 1at sich wieder eine Diskussion darüber entsponnen, ob das Mandat eine Quasi-Kolonialverwaltung darstellt oder aber ob die Organe des Völkerbundes substantielle Rechte genießen. Der britische Kolonialminister hat mehrfach die Ansicht ausgesprochen, daß England in den Mandatsgebieten souverän sei. Die Rechte der Mandatskoni« mission des Völkerbundes wurden eingeschränkt. Aber auch die Mandatskommission selbst glaubte gelegentlich der ersten Ueberprüfung der Mandatsverwaltung im Oktober 1924 ihre Meinung darüber aussprechen zu müssen, daß zwischen dem Artikel 22 des Völkerbundspaktes, der die allgemeinen Bestimmungen über Mandate enthält, und zwischen den speziellen Bestimmungen des Palästinamandates über die jüdische Heimstätte ein Widerspruch klafft. Erst später hat sich die Mandatskommission der Dar- Stellung Englands angeschlossen, das seine Aufgabe als Mandatarniacht dahin definierte, es habe darüber zu wachen, daß der allgemeine ebenso wie der spezielle Mandatszweck erfüllt wird, ohne daß in der Praxis der Widerspruch geltend wird. Das heißt also, die Mandatarmacht habe sowohl die Erziehung der Landesbevölkerung zur Selbstregierung als auch die Errichtung der jüdischen Heimstätte in Palästina zu fördern. Aus dieser Zweiheit der Ziele ergibt sich freilich ein Zustand, der für die jüdische Sache nicht immer befriedigend gewesen ist. Gerade die wichtigsten Bestimmungen des Mandates wurden bisher nicht durchgeführt. Vor allem Artikel 6, der vorschreibt, daß die Regierung die geschlossene Ansiedlung von Juden auf dem Lande, insbesondere auf Staats- und Br^hländereien, zu fördern hat. Die politische Arbeit der Zionistischen Exekutive im Verlaufe der letzten 5 Jahre war ein ununterbrochenes Ringen um die Durchführung dieser Bestimmungen. Die zionistisehen Bemühungen waren nur zum Teile erfolgreich, weil die Mandatarmacht technische und politische Ein- Wendungen machte; technisch z. B., daß erst die Boden- Vermessung durchgeführt werden müsse, politisch: daß sie Maßnahmen vermeiden müsse, die die arabische Bevölkerung zum Widerstand aufreizen könnten. Es ist eine der schwierigsten und delikatesten Aufgaben der zionistischen Politik, die Mandatarmacht von der Gerechtigkeit der jüdischen Forderungen zu überzeugen. In der klaren Erkenntnis, daß die Berufung auf den BuchitaBendefs Mäidäles'inpsichis derbireits ängedeuteteri, gerade vor dem internationalen Forum des Völkerbundes lautgewordenen Bedenken eine zu schwache Stütze ist, hat die Zionistische Exekutive den Grundsatz vertreten, daß das stärkste Argument für die jüdische Sache die jüdische Aufbauarbeit selbst ist. Im Rahmen der durch das Mandat gegebenen Möglichkeiten, auf Grund der durch die englische Verwaltung geschaffenen geordneten Verhältnisse im Lande, hat die Zionistische Organisation ihr Kolonisationswerk durchgeführt, hat die Entfaltung jüdischen Unternehmungsgeistes und jüdischen Pioniertums auf allen Gebieten unterstützt. Nach mehreren Jahren jüdischer Arbeit hat die englische Oeffentlichkeit, haben Besucher und Experten, haben Mandatar- Das Erdbeben in Palästina im Jahre 1837 Das letzte große Erdbeben in Palästina ereignete sich am 1. Januar 1837. Mittelpunkt des Erdbebens war Safed, das gänzlich zerstört wurde und in dem gegen 4000 Einwohner begraben wurden. Die Mauern von Tiberias und viele Häuser stürzten zusammen und bedeckten viele Hunderte der Bewohner unter den Trümmern. Ueber dieses Erdbeben ist ein sehr interessantes zeitgenössisches Dokument an uns gekommen: die Briefe, welche die Repräsentanten der Jerusalemer Kolelim an den Vorstand des Amsterdamer Kolel (Pekidim we-Amarkalim) R. Zwi Hirsch Leeren gerichtet haben. Sie sind damals durch den Amsterdamer Kolel für die Zwecke der Geldsammlung gedruckt worden und haben sich so erhalten. R. Israel äus Safed, Oberhaupt der Peruschimgemeinde in Safed, war durch ein Wunder gerettet worden, da er wenige Tage vorher-Safed verlassen hatte und sich in Jerusalem aufhielt, während seine Frau und Töchter bei den Warmwasserauellen in Tiberias zur Kur weilten. Das Haus der heißen Bäder in Tiberias, das eben erst damals vom ״Fürsten von Aegypten“ gebaut worden war, erlitt durch das Erdbeben keinen Schaden, und so war es denn R. Israels Frau, die zuerst nach Jerusalem Nachricht gab, indem sie einen reitenden Boten mietete, der die Nachricht von dem Unglück, das am 24. Tebet stattgefunden hatte, am 4. Schwat erst nach Jerusalem brachte. Erst da wurde von den Juden in Jerusalem eine Hilfsexpedition nach Tiberias und Safed entsendet, deren Leiter der Vertrauensmann des Kolet der Peruschim in Jerusalem war. Er berichtet in seinem Briefe an R. Zwi Hirsch Leeren: J ״Gott sei Dank war in Jerusalem und Hebron kein Schade an Menschenleben, nur ein wenig an den Häusern, aber in der Stadt Schechen! war der Schade groß (auch diesmal hat Nablus schwer gelitten, A. d. R.), aber, infolge unserer vielen Sünden, wurden in Ober- und Untergaliläa alle Häuser zerstört . . . und cs ließen ihr Leben für uns und alle Kinder der Diaspora gegen zweitausend Menschen von unsern aschkenasischen und sephardischen Brüdern, in einem Augenblick wurden die teuern Seelen gefangen und stiegen zum Himmel auf ... seit den Tagen der Zer- Störung des Tempels war keine solche Zerstörung, zerstört wurden die Städte Safed und Tiberias bis auf den Grund, vierzehn Gotteshäuser in Safed wurden zerstört, fielen und ihre Krone ward zur Erde geschleudert, und die Krone der heiligen Tora ... Als wir die böse Nachricht vernahmen, zerrissen wir unsere Kleider und groß war das Weinen und Klagen, und wir wählten aus der heiligen Gemeinde einige Männer, unter ihnen Totengräber, welche Gräber zu schaufeln verstehen, und fuhren mit ihnen nach Tiberias, um den Toten den letzten Dienst zu erweisen und den Lebenden zu helfen. Und wir erlangten eine Anleihe und kamen nach Tiberias, da war kein Platz, wo man übernachten konnte, denn die ganze Stadt war ein Steinhaufen; und unter den Ucberlebenden u׳are:1 viele Verwundete und Krüppel vom Schlagen der Steine, die wohnten in Zelten außerhalb der Stadt, es war kein Haus, wo nicht viele Tote waren . . Der Briefschreiber erzählt dann, wie schwer es war, Arbeiter aufzutreiben, welche die Bergungsarbeiten leisteten, und wie der Arbeitslohn immer höher und höher gestellt werden mußte und von 59 Groschen täglich auf 500 Groschen stieg. Das Erdbeben fand mitten in der Regenzeit statt lind die starken Regengüsse, die durch viele Tage niedergingen, zerstörten die unter den Erdmassen begrabenen Habselig־ keiten der Hinterbliebenen, die nun genährt und gekleidet werden mußten. 12 000 Groschen, welche die Jerusalemer Sendboten mitgebracht hatten, waren bald verbraucht, auch eine an Ort und Stelle gemachte Anleihe von 7000 Groschen. Mehr noch als Tiberias hatte Safed gelitten, das ganz zerstört wurde. Unsere Briefschreiber zählen die Namen von dreizehn sephardischen Rabbinern auf, welche ihr Leben in Safed ließen, und von dreißig Dörfern, die vernichtet wurden. R. Mosche Sofer, der berühmte Rabbiner von Preßburg, hielt den Toten einen Hesped, in welchem er die Worte des 60. Psalms zitierte .הרעשתד. ארץ פצמתה רפה שבדיה כי מטה In den Worten dieses Verses fand er eine Anspielung auf die von dem Erdbeben betroffenen Orte צפת׳■ טבריה- שבם und außerdem eine Anspielung auf das Wort ים — den Tiberiassee, aus welchem nach jenen Briefen Feuer emporgestiegen war und dessen Wasser die Ufer überfluteten. R, Mosche Sofer sah übrigens in dem Erdbeben eine Strafe dafür, daß die Palästina-Siedler die Orte Galiläas, Tiberias und Safed besiedelt und Jerusalem vernachlässigt hatten. In der Tat hatte die Katastrophe Galiläas von 1837 sehr günstige Folgen für die Entwicklung Jerusalems. Zeugnis des neuen Lebens, das nach Konzentrierung der Reste von Tiberias und Safed in Jerusalem dort begann, ist, daß bald darauf in Jerusalem die erste, von Safed dorthin verlegte Druckerei von Jisrael Back entstand. In der Vorrede des ersten in Jerusalem gedruckten Buches, Awodath hakodesch (1841) erzählt sein Drucker die Geschichte des Erdbebens. ־ b. Palästina kein Erdbebenherd In der ״Frankfurter Zeitung“ schreibt S-tz: Daß Palästina kein Erdbebenherd ist, erhellt am besten aus der Tat- Sache, daß seit 90 Jahren das Land von solchen Katastrophen verschont geblieben ist. Zuletzt wurde Nordpalästina am 1. Januar 1837 von einem Erdbeben heimgesucht, bei dem in Safed und Tiberias 4000 Menschen, zumeist Juden, ums Leben kamen. Jerusalem blieb verschont. Immerhin gehörten im alten biblischen Palästina Erderschütterungen nicht zu den unbekannten Erscheinungen; dafür spricht die Tatsache, daß die Propheten und Psalmsänger auch jede große politische Umwälzung im Völkcrleben als ein großes Wanken der Erde voraussehen oder schildern. So Jesaias 13, 13, daselbst 24, 18, Psalrti 18, 8 u. v. m. Das erste große Erdbeben in Palästina, von dlin die biblische Ueberlieferung spricht, geschah unter dem jüdischen König Usia. Auf dieses Ereignis, das wohl lange Jahrzehnte der Bevölkerung in Erinnerung blieb, spielt der Prophet Secharjah (14, 5) an, indem er bei Schilderung kommender Schrecken droht: ״Und Ihr werdet fliehen, wie Ihr einstens geflohen seid vor dem Beben in den Tagen Usias, des Königs von Judäa.“ Amos (1, 1) beginnt seine prophetische Laufbahn in Israel, wie er im ersten Satze einführend selber schreibt, ״zwei Jahre vor dem Beben“, welches er gleich im folgenden Satze mit den Worten schildert: ,.Der Ewige schreit von Zion her, läßt von Jerusalem seine Stimme ertönen, es trauern die Anger der Hirten und Gipfel des Karmel verdorret.“ Die Erhabenheit und die Schrecken eines Erdbebens mögen wohl auch dem Propheten Habakuk vorgeschwebt haben, da er in Kap. 3 Satz 6 singt: ״Er tritt und macht wankend die Erde, er blickt und macht zittern die Völker, es zersplittern die uralten Berge, es wanken die ewigen Hügel, das ist sein ewiger Wandel.“ Ebenso Joel im Kap. 4 V. 15/16: ״Sonne und Mond verfinstern sich und die Sterne ziehen ihren Glanz ein. Und der Ewige schreit von Zion her, läßt von Jerusalem seine Stimme erschallen. Es beben Himmel und Erde, aber seinem Volke ist der Ewige Zuflucht und Schutz den Söhnen Israels.“ Josephus (Altertümer 15, 5, 2) beschreibt ein Erdbeben in Judäa, bei dem über 30000 Menschen ums Leben gekommen sind. Ein weiteres schweres Erdbeben weiß die Chronik aus der Regierungszeit Hadrians in! zweiten Jahrhundert zu melden, wobei die Städte Cäsaria und Amäos vernichtet wurden.

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