Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1927)
- Date
- 1927-07-19
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 57, 19. Vli. 1027 JUEDISCHE RUNDSCHAU Seite 409 Landwirtschaftliche Kolonisation Auszug aus dem Bericht des Departements für landwirtschaftliche Kolonisation der Zionistischen Palästina ~ Exekutive an den XV. Zionistenkongreh Vorbemerkung. Das Organisations-Departement der zionistischen Exekutive ist diesmal in besonderem Maße bemüht, die Berichterstattung an den Kongreß zu fördern. Es soll versucht werden, die Berichte an den Kongreß bereits einige Wochen vor Kongreßbeginn zu versenden. Außerdem hat das Organisations-Departement bereits jetzt gekürzte Auszüge aus den Berichten der Presse zur Verfügung gestellt, so daß die wesentlichsten Teile der Reporte frühzeitig zur Kenntnis der Ocffentlichkeit gelangen können. I. Allgemeine Ueberslcht. Der Zeitraum zwischen dem XiV. und XV. Zionistenkongreß (1925—1927) gehört wohl zu den schwierigsten und ereignisreichsten Perioden zionistischer Palästina-Arbeit. In diese zwei Berichtsjahre fällt nach dem stürmischen Aufstieg der sogenannten vierten Alijah, die, wenn auch hauptsächlich der Stadt zugewandt, auch in der ländlichen Siedlungsarbeit merkliche Spuren hinterließ, der sorgenvolle Abstieg zur Krise. Das dem letzten Kongreß vorgelegte und von diesem gebilligte Kolonisationsprogramm gab diesem Berichtsabschnitt Richtung und Ziel. Der Ausbau und Abschluß der in Angriff genommenen Siedlungen, kurz als ״Konsolidierung des Bestehenden“ bezeichnet, und die Er- Weiterung des Siedlungswerkes durch die Neukolonisierung sowohl vermögender Mittelstandselemente als besitzloser Landarbeiter, schließlich die Erprobung neuer Siedlungsmethoden zwecks Verdichtung und Verbilligung unserer Kolonisation — dies war Sinn und Inhalt des vom XIV. Kongreß beschlossenen Kolonisationsbudgets. Dieses weittragende Programm konnte nicht in vollem Umfange verwirklicht werden; weder die verfügbaren Mittei, noch die Ungunst der Bedingungen haben dies zugelassen. Aber wesentliche Teile davon sind ein Stück vorwärts gekommen. Die Ausarbeitung der Siedlungspläne und damit die Errechnung des Konsolidierungsbedarfes, sichtbare Fortschritte in der Durchführung dieser Ausbaupläne, die vor allem in dem beschleunigten Bautempo, der wirtschaftlichen Konsolidierung mehrerer Betriebe und dem Abschluß von acht Siedlungen ihren Ausdruck finden, die Formulierung der Siedlungsverträge mit den Arbeiter- Siedlern, schließlich der Beginn neuer Kolonisation im Emek und in Judäa — das sind die wichtigsten Kapitel dieses Tätigkeitsberichtes. Neubegründet wurden in den letzten zwei Jahren elf neue Siedlungen und weitere zwei Kolonien in den Tätigkeitskreis des Keren Hajessod eingeschlossen. Es sind dies der Moschaw Nachlatjaakow auf Harbadj und CharoschetHagoj i m in der Ebene von Akko, ferner im Kischongebiet, im Emek Jesreel der Moschaw Kfar Jehoschua, Kfar Baruch auf Warakani, die Kwuzot Scharonah und Hascharon bei En-Beda und Kwuzat Pinsk auf Cvata. Auf Abu Schusche hat sich zu Okkupationszwecken eine Gruppe des galizischen Haschomer Hazair B niedergelassen. In Judäa bzw. im Emek Hascharon sind neuentstanden: Magdiel, Bne Brak, KfarAharon und der Moschaw Karkur, •»während-Kolonfotcneäime In •N«eiona h und Rechobot, in Herzliah Ansiedler der Bne Benjamin- Organisation und in Beer Jaakow vorwiegend sephardische Kolonisten Kredite erhielten. Die Zahl der neuangesiedelten Familien beläuft sich auf zirka 3 50, während weiteren zirka 75 Familien durch Kreditgewährung die Ansiedlung ermöglicht wurde. Die Zahl der von der Zionistischen Organisation mit den Mitteln des Keren Hajessod seit dem XII. Zionistenkongreß (1921) geschaffenen und geförderten Siedlungen wuchs demnach auf 30 an. Insgesamt befinden sich in den von der Zionistischen Organisation finanzierten 45 Siedlungen mehr als 1500 Ansiedlerfamilien, 3 770 landwirtschaftlich Tätige samt Familienangehörigen und 83 00 Seelen (gegen 420 im Jahre 1921). Die von den Ansiedlern angebaute Fläche hat 130 000 Dun am (gegen 17003 im Jahre 1921) überschritten, in sämtlichen Siedlungspunkten, die Nutznießer des zionistischen Kolonisationsbudgets sind oder waren, beträgt die Bevölkerung über 10 400 Seelen oder ein Drittel der gesamten ländlichen jüdischen Bevölkerung Palästinas, die nach einer Zählung im April 1927 30 500 Seelen beträgt. Der Kolonisationsetat betrug in der Berichtszeit £E 210000 (i. J. 5686) und £E 145 000 (i. J. 5687), zusammen £E 355 000, oder nach Abzug von £E 15 000 auf Rechnung des Jahres 5686, die in Wirklichkeit i. J. 5685 verausgabt wurden, £E 340 000 (gegen £E 240000 i. d. J. 5684/5685). Es braucht kaum hervorgehoben zu werden, daß auch der vergrößerte Etat in keinem richtigen Verhältnis zu den vermehrten Aufgaben der Siedlungsarbeit stand. Eine beklagenswert! Folge der Unzulänglichkeit der Mittel war, daß der auf zwei Jahre berechnete Abschluß der Anlage der schon i. J. 1925 bestehenden Siedlungen wieder hinausgeschoben werden mußte. Es ist nur gelungen, den Beschluß der Vollendung■ von wenigstens acht alten und neueren Siedlungen durchzuführen. Sie haben i. J. 5686 den Rest der erforderlichen Siedlungskredite erhalten, bis auf die in einigen Siedlungen noch nötigen Aufwendungen für Irrigation und bewässerbare Pflanzungen. Der Ausbauplan der anderen Siedlungen wird auf die bevorstehende Periode ausgedehnt und ixm ein drittes und viertes Jahr verlängert werden müssen, Die Anlagedauer maneher Siedlungen wird auf solche Weise 6—8 Jahre betragen. Es ist klar, daß eine derartige Verlängerung der Anlagezeit mit Schädigung der Ansiedler und empfindlicher Verteuerung der Kolonisation verbunden sein muß. H. Die abgeschlossenen Siedlungen. Die Siedlungen, deren Anlage bis auf gewisse Nachtrags- Zahlungen i. J. 1926 vollendet wurde, sind die Moschawim KfarNahalal, Kfar Jeeheskel, Ben Schemen und die Kwuzot Daganjah A, Daganjah B, Qewa, Merchawjah, Oan Schmuei. Davon sind Daganjah A, Mcrehawjah und Gan Schmuei Vorkriegsgründungen, die anderen sind i. J. 1921/1922 entstanden. Diese Siedlungen umfassen derzeit 266 Siedlerfamilien und zählen rund 1000 Seelen. Die Investitionen des Keren Hajessod betragen rund £E 188 000. Dazu müssen in Daganjah A, Merchawjah und Gan Schmuei die Investitionen des Jüdischen Nationalfonds für die Anlage der Wirtschaft im Betrage von £E 31000 gerechnet werden. Das ergibt einen Gesamtaufwand von rund £E 220 OOÜ oder £E 315 pro Familie. Ueber den wirtschaftlichen Stand der Siedlungen in ihrem Abschlußjahre kann nur soviel gesagt werden, daß die Kwuzoth Daganjah A, Gewa und Gan Schmuei kleine Gewinne, während Merchawjah buc' mäßige Verluste verzeichnen. In den Moschawim stellen nur wenige Siedler Wirt- Schaftsbilanzen auf, aber aus den Antworten bei der jüngst durchgcfiihrten landwirtschaftlichen Zählung ergibt sich, daß die meisten Siedler ohne Verluste abzuschließen glauben, bei den anderen Wirtschaften gibt es Gewinne und Verluste so ziemlich in gleicher Zahl. Es ist anzunehmen, daß mit der Steigerung der Ackerbauerträge, der Reife der Pflanzungen und der Anlage der Bewässerung, auf die so ziemlich alle Siedlungen noch warten, die wirtschaftliche Selbständigkeit dieser Ansiedler und die Möglichkeit der Rückzahlungen an den Keren Hajessqd nach Ablauf der zugestandenen fünf Freijahre gegeben sein wird. Der moralische Wert der Tat- Sache, daß eine Reihe von Siedlungen in ihrer Anlage abgeschlossen wurden und nunmehr ganz auf sich selbst gestellt sind, ׳ist recht bedeutend. Damit hat der Konsolidierungsetat unmittelbare, praktische Bedeutung gewonnen, und die Er- Ziehung zur Kalkulation, auf Grund der vom Departement für landwirtschaftliche Kolonisation ausgearbeiteten Normen hat unter den Ansiedlern sichtbare Fortschritte gemacht. III. Verträge mit den Siedlern. Nach nahezu zweijährigen Verhandlungen mit dem Landarbeiterverband, der die Mehrheit der Ansiedler vertritt, wurde im Juli 1926 ein mit diesem vereinbarter Vertragsvorschlag von der Leitung des Kolonisations-Departements und dem Merkas Chaklai gezeichnet. Er bedarf nur noch der Ratifikation des Aktions-Comitds oder des Kongresses. Die Gründzüge des Vertrages sind in der Öffentlichkeit bekannt. Der Vertrag wird im Moschaw mit jedem Ansiedler und seiner Frau, in der Kwuzah mit der gesetzlich eingetragenen Genossenschaft geschlossen. Die Höhe der Schuld des Darlehensnehmers wird bei den vor dem Jahre 5685 (vor Oktober 1925) gegründeten Siedlungen nicht nach Buchwert, sondern auf Grund einer realen Schätzung des gegenwärtigen Wertes der Wirtschaft bestimmt. Soweit angängig, soll eine Schätzung durch neutrale Kommissionen vermieden und der Schuldbetrag im direkten Einvernehmen zwischen Kolonisationsdepartement und den Ansiedlern errechnet werden, wobei der ״Ansiedlungs- Schlüssel“, d. h. der gegenwärtig zur Anlage der betreffenden Wirtschaft erforderliche Betrag als Richtschnur zu dienen hat. Bei den nach Oktober 1925 angelegten Siedlungen gilt der Buchwert der Keren Hajessod-Investitionen, wenn die Anleihe ordnungsgemäß, nach dem vereinbarten Anlageplan zur Aus- Zahlung gelangte. Für neue Siedler gilt der vorliegende Vertrag nur bis zum Jahre 1930. Die Anleihe soll in 50 Jahren mit 20/י> 9/י Zinsen getilgt werden, wobei die Zahlungen erst fünf Jahre nach Abschluß der Darlehensgewährung beginnen. Die Rückzahlungen, Zinsen und Amortisationen, die im Durchschnitt 31/2 ״/o betragen, sind nach einer ansteigenden Skala gestaffelt, so daß sie im ersten Jahrzehnt nur 21/9 °/0, dagegen im 5. Jahrzehnt 41/ä °/0 betragen. Freiwillige Zahlungen innerhalb der fünf Freijahre verringern die Schuld. Zur Sicherung der Anleihe wird zugunsten des Keren Hajessod eine erste Hypothek auf Gebäude und Pflanzungen grundbücherlich eingetragen, während alles andere beweg- Piche Vermögen dem Keren Hajessod verpfändet ist. Nach den ersten zehn Zahlungsjahren haben Keren Ha- * jessod und die Landarbeiter-Siedlungsgesellschaft ״Nir“ das Recht, eine Revision der Zahlungsskala, ohne Aenderung des Schuldbetrages zu verlangen. Die genannte Gesellschaft ״Nir“, die juristische Form für den Landarbeiterverband, erscheint im Vertrag mit An- Siedlern, die ihre Mitglieder sind, als dritte Partei. ״Nir“ ist vor allem der Vertreter der ihr angehörenden Siedler in allen mit der Ausführung des Vertrages zusammenhängenden Fragen. Die Mitunterzeichnung des Vertrages durch diese Gesellschaff — eine vielfach erörterte und z. T. umstrittene Frage — erfolgt nicht auf Grund dieses allgemeinen Vertretungsrechtes. ״Nir“ übt auf Grund des Vertrages sowie des erläuternden Abkommens mit dem Landarbeiterverband eine Reihe von Funktionen aus. Sie beteiligt sich an der Ausarbeitung des Siedlungs- und Finanzplanes, der die Grundlage der Anleihegewährung bildet. Sie ist für die vertragsgemäße Verwendung der Darlehensgelder und Ausführung des Ansiedlungsplanes moralisch mit verantwortlich. Ihr obliegt die Aufsicht über die sozialen Grundlagen der Ansiedlung — Eigenarbeit und Vereitelung von Kauf und Verkauf von Wirtschaften. Sie ist Vertreterin der Siedler in den Schlichtungskommissionen und die einzige Instanz zur Beantragung von Zahlungserleichterungen in Unglücksfällen und der obenerwähnten Revision der Zahlungsskala namens der Siedler. Schließlich sei erwähnt, daß es ״Nir“ oder der Landarbeiterverband ist, der die absolute Verpflichtung übernommen hat, sämtliche ihm angeschlossene Siedler in Moschawim und Kwuzoth zur bedingungslosen Zeichnung des vorliegenden Vertrages zu verpflichten. Die Verträge mit neuen Siedlern, die Eigenkapital besitzen, vornehmlich Mittelstandselementen und Kolonistensöhnen in der judäischen Pfianzungszone, enthalten abweichende Bestimmungen, und zwar ist eine Verzinsung von 4 ס/״ und Tilgungsdatier von 33 Jahren, im Falle kleinerer Darlehenssummen eine zehnjährige Tilgungsfrist vereinbart; die Zahlungen beginnen fünf Jahre nach Darlehensgewährung, während welcher 2 0/0 Zinsen zu entrichten sind. Mit allen neuen Siedlern werden provisorische Verträge geschlossen. IV. Stand der Siedlungen, Fortschritte und Hemmungen. Wie vor zwei Jahren zeigt sich auch in dieser Berichtsperiede eine Mischung von Licht und Schatten in der Arbeit: erkennbare Fortschritte in mancher Hinsicht und ebenso Hemmungen, die zu Schäden und Rückschlägen führen. Siedlungspläne und Konsolidierung. Im Verlaut der beiden Jahre 5686/5687 hat sich die Arbeit in den bestehenden Siedlungen hauptsächlich auf die Ausarbeitung der Sied1ungspläne und die wirtschafiliche Konsolidierung der landwirtschaftlichen Kolonisation konzentriert. Mit dem nahenden Abschluß der Konsolidierung ist eine Gesundung des Budgets deutlich erkennbar. Die Zwecke, für die den Ansiedlern in diesen zwei Jahren Anleihen gewährt wurden, weisen auf eine Vermehrung der Arbeitsgeräte und Produktionsmittel und demgemäß auf eine Verminderung des erforderlichen Betriebskapitals hin. Es ist ferner gelungen, mit der Bauarbeit in allen Siedlungen zu beginnen und dem Provisorium der Baracken und ZeTte vielfach abzuhelfen. In den Milchwirtschaften gelangte man zu deutlieh erkennbaren Verbesserungen. Nach der letzten Zählung vom Ende des Jahres 5686 befanden sich in den Wirtschaften 3116 Stück Großvieh, davon 2241 Stück Rassevieh und außerdem noch 1155 Stück Kleinvieh. י Auch der Fortschritt in den Pflanzungen ist deutlich erkennbar. Die Pflanzungsfläche in den Siedlungen betrug am Ende des Jahres 5686 5014 Dunam Obstbäume und 2771 Dunam Wald- und Zierbäume. Außerdem wurden für das Jahre 5687 1523 Dunam für Pflanzungen vorbereitet. Der Gemüsebau bürgert sich in den Betrieben ein und entwickelt sich insbesondere in den bewässerbaren Wirtschäften, wie z. B. im Jcrdantal, wo Frühgemüse für den Palästinamarkt wie auch für den syrischen (Damaskus) erzeugt werden kann. Ueber die Fortschritte im Getreide- und Futterbau ist zu berichten, daß die Bemühungen ungeschwächt fortgesetzt wurden, die Erträge zu vergrößern und sie denen anderer Kulturländer anzunähern. Im allgemeinen kann eine Steigerung der Getreideerträge um 50 «/o gegenüber denen der arabischen Fellachen una ein erfreulicher Fortschritt in der Lösung der Frage des Grünfutters verzeichnet werden. So sehr diese Fortschritte der Arbeit zugute kommen, so darf man doch andererseits den Blick vor den zahlreichen Schwierigkeiten nicht verschließen, die ein schnelles Arbeitstempo verhindern. Als solche Schwierigkeiten sind zu nennen: Die finanzielle Lage, Krankheiten der Siedler und Vieh- Seuchen, Pflanzenschäden, Dürre und der schwere Steuerdruck. V. Bewässerung. Dieser Zweig der Tätigkeit, der in dem durstigen Palästina den wichtigsten Platz in der Arbeit einnehmen müßte, kann in diesem Bericht nur geringe Erwähnung finden. Die zur Ausnutzung des natürlichen Wasserreichtums des Landes erforderlichen Geldmittel wurden nicht aufgebracht, und die Wasserschätze im Jordantal und der Ebene Jesreel bleiben fast völlig unausgenutzt, zur Verzweiflung der dem Wasser benachbarten Siedlungen. Dabei sind Schritte zur Ausarbeitung der nötigen Pläne unternommen worden. Ein Bewässerungsplan für die beiden Daganjah und Kinereth wurde ausgearbeitet, ferner für den Moschaw Nahaial, ein Plan der Irrigation mit den Wassern, die durch die Austrocknung der dortigen Sümpfe gewonnen wurden. In Kürze wird auch der Plan der Bewässerung des Nuris-BIocks mit den Wassern von En-Charod beendigt sein. VI. Neukolonisation. A. Die Ansiedlung im Jahre 5686, Der XIV. Kongreß bewilligte für das Jahr 5686 £E 68 000, und zwar für die Ansiedlung Bemittelter, einschließlich Sefardim, £E 40 000, für den Versuch nach dem Plan Dr. Soskins £E 16 000 und für Arbeiteransiedlung £E 12000. Aber der vom Kongreß genehmigte Plan gelangte Im vorigen Jahre größtenteils nicht zur Ausführung. Man war daher gezwungen, das Budget zu kürzen, und sah sich vor die Entscheidung gestellt, was vorangehen soll: Konsolidierung des Bestehenden oder Neukolonisation. Der Standpunkt des Kolonisationsdepartements war, daß die Konsoliderung des Begonnenen eine Vorbedingung für die Neuansiedhing sei, und daher wurde i. J. 5686 de facto das Budget für Neukolonisation in der Ebene Jesreel annulliert. Aber nicht die gesamte Neuansiedlung wurde aufgegeben. Unter den Ansiedlungskandidaten waren Elemente aus dem Mittelstand, die mit dem Strom der vierten Alijah gekommen waren, ihre Mittel in der Landwirtschaft investiert und ohne Kredithilfe keine Möglichkeit des Fortbestehens hatten. Außerdem fand sich auch eine gewisse Anzahl von Kolonistensöhnen, mit denen während einer langen Zeit Verhandlungen über Kredithilfe geführt wurden, die ihnen ermöglichen sollte, eine eigene Wirtschaft in ihrem Wohnorte aufzumachen, und sie vom Wegzug aus der Kolonie zu bewahren. Wese beiden Faktoren wurden richtig gewertet, und trotz der Einschränkung im Budget für das Jahr 5686 begann das Kolonisationsdepartement mit Ansiedlungsarbeiten in den Kolonien Magdiel und Bne Brak, es kam den chassidischen Gesellschäften Nachlath Jaakob und Awodath Jisrael zu Hilfe, schloß Anfeiheverträge mit den Kolonistensöhnen in Neß Zionah und Rechoboth ab, und kam endlich den sephardischen Siedlern in Beer Jaakob zu Hilfe. ...E׳ Fl 1 e A n s״i ed 1 u n g i tu.Iah Z-ß« 51^87.י , JDI0* >JPotJP® der Neukolonisation und der Durchführung des vom XIV. Kötigreß genehmigten Planes stand von neuem auf der Tages- Ordnung der Sitzung des Aktions-Comitgs In London im Sommer 1926. Einerseits lagen 50 (XK) Dunam im Emek schon im dritten Jahre brach und unbearbeitet da und harrten der bebauenden Hand. In derselben Zeit wuchs die Zahl der Siedlungsanwärter. Andererseits wurde die finanzielle Lage immer gespannter, und im Zusammenhang mit den Anforderungen der Krise wuchsen die Besorgnisse, ob der Keren Hajessod sfark genug sein würde, um die Mittel sowohl für die Konsolidierung des Bestehenden als auch für den Beginn neuer Arbeiten zu be• schaffen. Das Aktions-Comite entschied sich für die Neu• kolonisation. Der Siedlungsplan, der von der Exekutive ge• nehmigt wurde, umfaßt den östlichen Kischonbiock, der sich südöstlich von Nahaial bis zum Kisthon im Gebiet der Dörfer Tel-Schamam, Gvata, Knefes und Warakani erstreckt Südlich von Kischon erstreckt sich ein Streifen von 4 km Länge nach dem Gebirge Ephraim, Abu Schusche, die erste Brücke, die die Kischonböden und den Emek mit dem Gebirge Ephraim verbindet. Die ganze Fläche (ohne Abu Schusche) umfaßt 36500 Dunam. Die ganze Neukolonisation umfaßt 265 Familien, außer den 65 Mitgliedern der Vorbereitungsgruppen. Nach Abzug der 60 chassidischen Familien, die bereits am Orte waren, zählt die Neukolonisation 205 Familien oder 410 Arbeiter, von denen nur die Hälfte in diesem Jahre auf den Boden kommt, während der Rest das nächste Jahr zur Ansiedlung gelangt. Die Neukolonisation wurde Anfang des Jahres 5687 in Angriff genommen. Der Keren Kajemeth begann mit den Sanierungsarbeiten im Kischon, ebenso mit Vorbereitungen für die Wasserversorgung. Teile des Bodens wurden mit Traktoren gepflügt, ferner Getreide für Saat und Versorgung sowie Stroh vorbereitet. Zwecks Ankaufs von Baumaterialien wurden Verträge mit verschiedenen Firmen im Lande geschlossen. Von Werkstätten in Tel-Awiw und Haifa wurden Wagen und Bespannungen bestellt, und aus Zypern 40 Stück Arbeitsvieh gebracht. (Schluß folgt.) Fortschritte der Arbeüerbank Trotz der schweren Wirtschaftskrise im Lande hat die Ent- Wicklung der Arbeiterbank der palästinensischen Arbeiterschaft gute Fortschritte gemacht. Vom 1. Januar bis zum Mai 1927 wurden neue Aktien der Bank im Werte von £ 2300 verkauft. Auch die Zahl der Depositen in der Bank ist gewachsen. Gegenüber £ 26 047, die die Bank an Depositen Anfang 1927 besaß, betrug der Wert der Depositen im Mai 1927 £ 29 676. Der Reservefonds der Bank konnte im gleichen Zeitraum von £ 5606 auf £ 9206 erhöht werden. An barem Kapital in der Kasse und in Banken besaß die Arbeiterbank Anfang 1927 £ 16105, ira Mai 1927 £ 19 891. Diese Arbeiterbank konnte in den erster fünf Monaten 1927 Darlehen in Höhe von £ 59 359 gewähren in derselben Zeit wurden an die Bank Darlehen in Höhe von £ 50604 zurückgezahlt. (Ziko.) Tel-Awiw als Kurort Im Touristic Club in Tel-Awiw fand am 2. Juli eine Zusammenkunft von Vertretern verschiedener Institutionen statt, in der die Frage der Entwicklung Tel-Awiws zum Kurort besprochen wurde. Nach Referaten der Herren Scharnopolsky und Feigelsohn nahm die Versammlung einen Beschluß an, eine besondere Gesellschaft zu gründen, die die Pläne für die Entwicklung Tel-Awiws zum Kurort ausarbeiten soll. (Ziko.)