Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 57 (19.7.1927)
- Date
- 1927-07-19
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652930--19260-2677116- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 408 JÜEttfSÖftK KÖNOSCHÄÜ Nr. s7,1am \9act Kongreß Das Programm der ״Radikalen" Die Vereinigung radikaler Zionisten ersucht uns um Ver- Bffentlichung nachstehenden Programms: Die Vereinigung radikaler Zionisten erblickt ihre vornehmste Aufgabe in dem Kampf für eine Erneuerung der zionistischen Bewegung und ihrer Rückkehr zu dem integralen Programm des Zionismus, das durch die Politik der Leitung in den letzten Jahren immer mehr seines Inhaltes entleert worden ist. Aus diesem Grunde bekämpft sie die von der zionistischen Exekutive in den letzten Jahren geführte Politik der Liquidation, die innerjüdisch zu einem Friedensschluß um jeden Preis mit dem antizionistischen Judentum gelangen will, außenpolitisch wesentliche Forderungen aus dem Mandat überhaupt nicht oder ungenügend vertritt und in der Leitung der Kolonisation jedes klare und großzügige Programm vermissen laßt. Daraus ergeben sich für den 15, Kongreß folgende Forderungen, die das Wahl- Programm der Vereinigung radikaler Zionisten bilden. 1. Abkehr von der bisherigen Agcncv-Politik und an ihrer Stelle Aufnahme von Verhandlungen zur Herbeiführung wirtschaftlicher und finanzieller Kooperation in Palästina mit nichtzionistischen Kreisen; Erweiterung des innerjüdischen Tätigkeitsgebietes der leitenden zionistischen Instanzen durch Schaffung von Ressorts für jüdische Gegenwartspolitik, Hebraisierung des Volkes und zielbewußte Jugendarbeit; Neubelebung der zionistischen Organisation, die* zur Voraussetzung hat, die Erweckung des Machtwitlens der Zionisten und che Wiederaufnähme kämpferischer Auseinandersetzung mit dem antizionistisehen Judentum. 2. Aktivierung der zionistischen Außenpolitik auf der Basis des unbedingten Festhaltens an dem Endziel einer jüdischen Majorität in Palästina und der Forderung an die Mandatsregierung nach einer aktiven Unterstützung unseres Kolonisations- Werkes, Ausbau der politischen Exekutive, die mit mehreren vollverantwortlichen Mitgliedern besetzt sein muß und Vergrößerung des politischen Apparates in England, Palästina und allen wichtigen politischen Zentren; Inangriffnahme der Vorarbeiten zur Verwirklichung einer jüdischen Nationalanleihe für Palästina. 3. Ausarbeitung eines klaren Kolonisationsprogrammes für Palästina, bei welchem die nationalen Ziele der Schaffung eines vollentwickelten jüdischen Gemeinwesens, der Produktivierung des jüdischen Menschen, der völligen Hebraisierung des Jischmv und der weitestgehenden Berücksichtigung der sozialen Forderungen in Palästina maßgebend sein müssen; Festhalten am bisherigen Grundprinzip unserer Kolonisation, die den Siedler als verantwortlichen, völlig gleichberechtigten Träger des Aufbaus betrachtet und Ablehnung aller Versuche zur Einführung eines Systems administrativer Bevormundung; Reorganisation unserer finanziellen und ökonomischen Institutionen im Einvernehmen mit den maßgebenden Vertretern des Jischuw, insbesondere auch der jüdischen Arbeiterschaft; Ablehnung der unter der Parole der sogenannten ״reinen Wirtschaftlichkeit und Rentabilität“ erhobenen Forderung eines völligen Systemwechsels in unserer Kolonisation, der lediglich zu einer Erschütterung der nationalen und sozialen Basis unseres Aufbauwerkes führen muß und schon heute zu einem Kampf gegen die jüdische Arbeiterschaft in Palästina mißbraucht wird. Bekämpfung der Depression in weiten zionistischen Kreisen, die die außerordentliche Bedeutung unserer Leistungen in Palästina verkennt. Voran- Stellung der landwirtschaftlichen Kolonisation als der Basis des Aufbaus und Förderung der städtischen Kolonisation in einer gesunden Proportion zu der landwirtschaftlichen; gleichmäßige ׳■«»rfickilehtigung aller SAieldeo läs-VÄwbeLder Ansiedltmg, die bereit sind, durch Umgestaltung fhtea Lebens die Futtdämente des neuen jüdischen Palästina mitzuschaffen; Bildung einer autoritativen, dem Kongreß verantwortlichen zentralen Leitung des Kolonisationswerkes, die in der Lage ist, die Immigration und Kolonisation nach einem vorbestimmten Plane zu regulieren und zu kontrollieren; Förderung der Privatinitiative im Rahmen des allgemeinen Kolonisationsprogrammes, 4. Abwehr aller Angriffe auf die Rechte des Kongresses, insbesondere der Versuche zur Beseitigung seines Budgetrechtes; Abwehr aller Tendenzen zur Entdemokratisierung der Bewegung unter dem Deckmantel der Forderung eines Regimes von ״unparteiischen Fachmännern“; Bildung einer starken und autoritativen Exekutive auf der Basis einer wirklichen Koalition, die im Gegensatz zu dem bisherigen Zustand sich auf ein bestimmten Koalitionsprogramms einigt und sich verpflichtet, während der Dauer ihrer Tätigkeit gemeinsam die Verantwortung für dieses Programm zu tragen. Die Fraktion der Vereinigung radikaler Zionisten auf dem Kongreß wird auf der Basis dieses Programms ihre Politik führen und bereit sein, an der Bildung einer neuen Exekutive mitzuwirken, die auf der Grundlage der dargelegten Prinzipien eine Aera der Neubelebung der zionistischen Bewegung einleiten soll. An alle misrachisHschen Schekelzahler! An alle Förderer des Aufbaus von Erez-lsrael auf der Grundlage der Tradition! Der XV. Zionistenkongreß wird am 30. August d. J. in Basel eröffnet. Auf ihm wird Richtung und Ausmaß der Palästina-Aufbauarbcit und der allgemeinen zionistischen Tätigkeit für die kommenden zwei Jahre festgelegt. Nie hat die Zionistische Organisation eine so ernste Krise durchgemacht, wie seit dem letzten Wiener Kongreß, nie insbesondere hat Erez-lsrael, seit der Aufbau des Landes im Mittelpunkte der z ionistisc hen Tätigkeit steht, eine so ernste Erschütterung durchgemacht. Hier ist nicht der Ort, Schuld, Versagen und tragisches Geschick, für das keine zionistische Instanz verantwortlich gemacht werden kann, auseinanderzuhalten. Uns liegt jede Demagogie fern, und wir werden die Leitung keinesfalls für Dinge verantwörtlich machen, die außerhalb ihres Machtbereiches liegen. Jedenfalls ist sie an der Entwicklung der Dinge in Polen seit 1925 gänzlich unschuldig. Die Leitung kann auch nicht zur Verantwortung dafür gezogen werden, daß das jüdische Volk, insbesondere außerhalb der zionistischen Reihen, sich vielfach den Pflichten gegenüber dem Aufbauwerk entzieht. Ist schon in Zeiten relativen Gelingens die Mitarbeit der jüdischen Gesamtheit in moralischer und finanzieller Beziehung unentbehrlich, so wird man gewiß sie jetzt fordern müssen, um die akute Notlage, die insbesondere in der großen Arbeitslosigkeit sich ausdrückt, aber auch durch den stockenden Fortschritt bezeichnet wird, zu überwinden. Der Jude desGaluth muß die Krise in Palästina als ein nationales Unglück, das auch seine Person in Mitleidenschaft zieht, empfinden, dann wird er seine Pflicht zu erfüllen wissen. m יי 1 י Tribüne Wir müssen aber auch die Fehler, die wir begangen haben, ausmerzen. Von den sachlichen Fehlern des Atubau• und den politischen Unzulänglichkeiten abgesehen, erblicken wir in Mängeln geistiger, kultu* reIler,sittlicherundreligiöterArfUrSachen des Niederganges. Wäre die ganze Judenheit in Einheit und ehrliche» Willens an das Aufbauwerk unseres Landes herangetreten, wäre der Geist, der die nationale Bewegung unseres Volkes leitet, der Quelle allen jüdischen Denkens, der großen religiösen Tradition näher geblieben, niemals hätte die Krise im Aufbau unseres Landes solches Ausmaß angenommen. lieber die wirtschaftliche Seite des Aufbaus bestehen gegenwärtig zwischen den Forderungen des Misrachi und denen einer Reihe anderer Parteien keine wesentlichen Diff«- renzen. Unser Programm hat Raum für Förderer verschiedener Wirtschaftsformen, solange sie im Einklang stehen mit den Normen, die unser Gesetz uns an gibt. Ist doch der Misrachi in wirtschaftlicher Hinsicht ein zionistischer Mikrokormos. Wir wünschen, daß der Aufbau nach sicheren wirtschaftlichen Grundsätzen, frei von doktrinären The• orien, frei von utopischen Plänen und unbegründeten Experimenten gestaltet wird. Das wünschen heute alle anderen Parteien innerhalb der Zionistischen Organisation auch, freilich jede mit spezifischer Begründung und auf verschiedenen Wegen. Man darf sagen, daß ein großer Teil der Versuche, das palästinensische Wirtschaftsleben auf einer neuen Grundlage aufzubauen, die soziales Unrecht ausschließt, die Jedem Ansiedler gleiche Möglichkeiten schafft und den Boden in den Besitz der Gesamtheit des Volkes gibt, als geglückt anzusehen ist, obgleich deren wirtschaftlicher Erfolg heute noch nicht in trockenen Zahlen ausgedrückt werden kann. Wir fordern, daß sich jetzt der soziale und Wirtschaftliehe Aufbau auch bewußt dem Geist anlehnt, und sich orientiert an den Ideen, die das jüdische Oesetz lehrt, daß dem Ueberwuchern fremder Elemente und Formen und der kritiklosen Uebernahme aller möglichen politischen Lehren ein Ziel gesetzt, daß aus der jüdischen Einstellung zu sozialem Aufbau Konse* quenzen gezogen werden, die auf die jüdische Struktur des individuellen Lebens rückwirken. Wir fordern einen Aufbau, der allen Juden die Möglichkeit gibt, an allen Orten des Landes zu leben, d. h. daß überall auch dem traditionstreuen Juden und seinen kulturellen und geistigen Anforderungen an das Leben Rechnung getragen wird. Die bei uns organisierte Arbeiterpartei Hapoel Hamitrachi hat gezeigt, daß die Grundsätze unserer Lehre auch heute noch zu vereinbaren sind mit den Postulaten, die der Aufbau in Erez-lsrael stellt, und die insbesondere für die ihn verwirklichenden Menschen gelten. Die Erfolge unserer Arbeiter weisen den Weg zur Gestaltung eines reinen jüdischen Lebens * im jüdischen Lande. Die Bedeutung unseres Schul -und Er- Ziehungswerks ist ständig im Wachsen begriffen, es findet heute auch bereits Anerkennung bei uns früher prinzipiell entgegenstehenden Kreisen und übt seinen Einfluß im ganzen Lande zur Stärkung des Thorahgeistes aus, da es zeigt, welch lebenstüchtige Menschen dies System hervorbringt. in dieser Richtung mit allen Kräften fortzufahren, ist eine der Hauptaufgaben des Misrachi Die Zeit der Experimente muß vorbei sein, die harte Wirk• liehkeit fordert dies gebieterisch. Parteiprestige darf nicht mehr mitsprechen bei irgendwelchen Forderungen. Die Linke muß das Gute, auch wenn es baalebatisch ist, die Rechte muß das Gute, auch wenn es sozialistisch ist, anerkennen und mit durchführen. Zwei Forderungen haben wir an den XV. Kongreß: Aufbau in Uebereinstimmung mit der jüdi sc hen Ueberlieferung. Aufbau auf Grund wirtschaftlich erprobter Methoden. Wer diese Gedanken unterstützen will, übe sein Kon - greßWahlrecht aus zugunsten der Misrachi* liste! Kein Schekelzahler darf an der Wahlurne fehlen! Zentralbüro des Misrachi In Deutschland. Deutsches Zentralkomitee des Misrachi. Zentrale der Zeire-Misraehi für Deutschland. Me Kandidatenliste des ״Unken Centroms“ Berlin, 10. Juli 1927. Wie wir erfahren, hat das ״Linke Zentrum“ in Deutschland folgende Kandidaten für die Wahlen zum 15. Zionistenkongreß nominiert: 1. Kurt Blumenfeld, 2. Salm an Schocken, 3. Dr. Moritz B1! e s k i, 4. Dr. Hugo Schachtel, 5. R.-A. Dr. Jdax Kollensche», 6. Dr. Martin Rosenblüth, 7. Isaac Feuerring, 8. Dr. Alfred Landsberg, 9. Dr. Sally Hirsch, 10. Nathan Grünstein, Frankfurt a. M., 11. R.-A. Max Jacobsohn, Breslau, 12. Dr. Alfred Apfel, 13. Dr. Meinhold Nußbäum, Nürnberg, 14. Frau Sonja 0 ron em an n, 15. Dr. Hans Loewy (Makkabi). Die Liste ist der Weltwahlliste der Allgemeinen Zionisten angeschlossen, auf der für Deutschland nominiert wurden: 1. Felix Rosenblüth, London, 2. Dr. Alfred Klee, Berlin, 3. R.-A. Max J acobsohn, Breslau, 4. Dr. Meinhold Nußbaum, Nürnberg. Die Kongreßwahien in Amerika Die Leitung des amerikanischen Landesverbandes der zionistischen Arbeitskarte! Hitachduth-Zeire-Zion schickt uns eine Erklärung, worin dagegen protestiert wird, daß die Leitung der amerikanischen Zionisten das Zustandekommen regulärer Wahlen zum Zionistenkongreß verhindert. Die Fraktion hat gefordert, daß auf Grund des Einheitsschekels gemäß Kongreßbeschluß allgemeine Wahlen stattfinden. Die allgemeinen Zionisten und der Misrachi haben sich dagegen ausgesprochen und haben schließlich gefordert, daß die Kosten der Wahl in Höhe von etwa 10000 Dollar von den vier Parteien zu gleichen Teilen gedeckt werden, worauf die Arbeiterparteien nicht eingehen konnten. Die Poale-Zion haben sich daraufhin einverstanden erklärt, daß als technische Wahlvereinfachung nur eine einzige Liste aufgestellt wird, auf der alle Parteien ihre Kandidaten nominieren gemäß der von ihnen verkauften Sehekelzahl. Die Hitachduth hat als einzige Partei gegen diesen Vorgang protestiert und wendet sich mit diesem Protest an die Öffentlichkeit. Nochmals das ״Kernstlck" Die ״Gemeindezeitung für die Israelit!- sehen Gemeinden Württembergs“ (Schriftldtung* Rabbiner Dr. Rieger, Stuttgart) bringt in ihrer Nummer am 16. Juli einen Leitartikel über die Veranstaltung des ״Pro- Palästina-Komitee s“, aus der folgender Satz hervorgehoben zu werden verdient: ״Die Veranstaltung könnte mit Stillschweigen übergangen werden (!), wenn nicht in ihr Aeußerungen gefallen wären, die, falls die anwesenden Juden den Mut zum freien Wort aufgebracht hätten, dort sofort hätten zurückgewiesen werden müssen." Und dann kommt wieder die aus dem Zusammenhang E. anstaltung des ״Pro-Palästina“Komite’es“ promoviert hat (s. ״J. R,“ Nr. 56). Es scheint von irgendwoher eine Parole ausgegeben worden zu sein, die Veranstaltung, die auf jeden aufrechten Juden einen überwältigenden Eindruck machte, in gröblicher Verzerrung darzustellen, da man sie schon nicht ״mit Stillschweigen übergehen“ kann. Nur um einer Legendenbildung entgegenzutreten, sei hier nochmals ausdrücklich festgestellt, daß die Behauptung, es seien bei der Pro-Palästina-Kundgebung Worte gefallen, die als ״antisemitisch“ auch nur gedeutet werden können, eine grobe Entstellung darstellt. Die ganze Veranstaltung war erfüllt von Respekt für das Judentum, und es wurde ausdrücklieh von mehreren Rednern betont, daß hier nur für eine Sache eingetreten wird und daß niemand angegriffen werden solle. Auch Frau von Kardorff hat ausdrücklich erklärt, daß die Juden in den Ländern, wo sie wohnen, volles Heimatsrecht besitzen müssen; es ist also weder loyal, noch geschickt, noch irgendeinem vernünftigen Zweck dienlich, ihr eine andere Meinung zu unterschieben, nur um einer billigen Polemik gegen den Zionismus willen. Im übrigen verweisen wir auf die Feststellungen in unserem Artikel ״Das Kernstück“ in der vorigen Nummer. Das Siraas’scbe Gesundhellszentrum Jerusalem, 13. Juli. (]. T. A.) In dem von Nathan Straus mit einer Summe von 250000 Dollar begründeten Gesundheit•- Zentrum, zu dem im März d. J. durch den Oberkommissar Lord Plumer in Anwesenheit von Nathan Straus der Grundstein gelegt wurde, wird die Arbeit schon in der zweiten Hälfte des Jul! begonnen werden. In dem Hause wird das Hauptbüro des Gesundheits• und Wohlfahrtsdepartements der Organisation ״Hadassah“ untergebracht sein. Es wird ferner 18 Abteijungen enthalten, darunter solche für Pasteurisatlon, Kinderwohltart, Schulmedizin, Mütterfürsorge und Musterküche. Atlantic City, 1. Juli (J.T.A.) Die Konvention der Frauen- und Mädchenorganisation Haaassah, die hier eine Tagung abhielt, beschloß, im Verlauf des Sommers in Amerika 120 000 Dollar zur Erhaltung der Hospitäler und Kliniken in Palästina aufzubringen. Das gesamte Jahresbudget für Palästina beträgt 600 000 Dollar. Dem der Konvention vorgelegten Berieht war zu entnehmen, daß die amerikanisch-jüdischen Frauen während des Geschäftsjahres Juli 1926 bis Juni 1927 drei Viertel Million Dollar für das Palästinawerk der Hadassah aufbrachte. Davon wurden mehr als 500000 Dollar für das medi* zinische Werk und den Bau neuer Hospitäler verwendet: der Rest wurde dem allgemeinen zionistischen Werk zugeführt. Außerdem wurden Leinenzeug, Wäsche und Bekleidung für 25 Institutionen im Betrage von mehr als 60000 Dollar gesandt Die Minerslsehätze des Tölen Meeres Jerusalem, 14. Juli (J. T. A.) ״Haarez" teilt mit daß Herrn Nowom eisky aus Tel-Awlw die Konzession zur Ausbeutung der Schätze des Toten Meeres definitiv erteilt worden ist. Ihn unterstützt eine englische Ge* Seilschaft. Ing. Nowomeisky ist ein alter Zionist aus Sibirien, der sich seit vielen Jahren, bereits vor dem Kriege, mit dem Problem der Ausbeutung des Toten Meeres befaßt Besserung der Wirtschaftslage in Palästina London, 13. Juli. (J.T.A.) Im Verlauf der am 11. Juli in London stattgefundenen Jahresversammlung der Aktionäre der ״O11 o m a n b a n k“ gab der Präsident, General Sir Herbert A. Lawrence einen Bericht über die Lage in den Orientländern und sagte bezüglich Palästinas, das Jahr 1926 wäre ein Jahr der Geldknappheit und wirtschaftlichen Depression infolge einer übermäßigen Immigration und der damit verbundenen Boden- und Oebludespekulation gewesen. In diesem Jahre aber ist eine leichte Besserung eingetreten. Die Getreideernte hat den Anfang des Jahres gefegten Erwartungen nicht ganz entsprochen; beträchtliche Mengen Mehl mußten eingerührt werden. Die Orange-Ernte in Jaffa litt an den Folgen der Stürme. Trotz alledem ist die Lage des Palästinazweiges der Ottoman-Bank zufriedenstellend. Die Besserung der Wirtschaftslage wird wohl anhalten. Einschränkungen in der Kapath Cholim Infolge der schweren finanziellen Lage der ,,Kupath Cholim“ (Arbeiter-Krankenkasse), wurde durch deren Zentrale ein neues Budget ausgearbeitet, aas am 1. Juni in Kraft trat und eine Reihe von Einschränkungen der Tätigkeit der Krankenkasse zur Folge hat. Die Gehälter aller Angestellten wurden um 10 ״/» herabgesetzt. An vielen Orten wurde eine Einschränkung der ärztlichen Tätigkeit vorgenommen. Der Ver* waltungsapparat, der bisher 31 Personen umfaßte, wurde um sechs Personen verkleinert. (Ziko.) Arlosoroü in der Budget-Kommission Wie der ״Dawar“ meldet, wurde Dr. Chaim Arlo* sorof f von Col. Kisch im Namen der zionistischen Exekutive eingeladen, in die Budget-Kommission einzutreten, die dem Kongreß das Budget iür das nächste Jahr und Vorschläge für administrative Verbesserungen unterbreiten soll. Für ein polnisches Pro •Palästinakomitee Die jüdische Tageszeitung ״Nasz Przeglad“ in Warschau veröffentlicht in ihrer Nummer vom 26. Juni ein Interview mit dem gewesenen polnischen Ministerpräsidenten und Minister des Aeußeren Alexander Skrzynski, der u. a. erklärte, daß er Anhänger der zionistischen Bewegung sei und unverändert auf dem Boden der Deklaration stehe, die er seinerzeit als Minister des Aeußeren im Namen der Regierung dem Präsidenten der zionistischen Exekutive, Nahum Sokolow, übergeben habe. Die nichtjüdische Welt beobachte mit großem Interesse und Respekt das Werk, das vom jüdischen Volke in den letzten Jahren in Palästina geleistet wurde. Herr Skrzynski sprach sich auch mit Sympathie über die philozionistische Bewegung unter den Nichtjuden aus und erklärte sich bereit, an der Bildung eines Pro-Palästina-Komitees ln Polen mitzuarbeiten.