Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652929--19252-2677107- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr. 56, 15.VD. 1927 JDIDISCHE RUNDSCHAU Seite 401 Probleme der Jugend Zur Besinnung der zionistischen Jugend Von Dr. Stephan Krauß (Heidelberg, Psychol. Institut). I. Wer in die Reihen der Jugend Einblick hat, wird mit wachsender Besorgnis einer Veränderung ihrer zionistischen und nicht minder ihrer menschlichen Gesamthaltung als Kollektivum gewahr, die in den letzten Jahren — nicht nur in Deutschland — Platz gegriffen hat. Auf die mit Spannungen vielfacher Art erfüllte Nachkriegszeit und eine Epoche gehobenen Selbstgefühls, die auf Grund merkwürdig leichter Lösungen und darum Scheinlösungen aller schwebenden Fragen zionistische Werke in Gedanken türmte, ist eine Phase gefolgtj in der angesichts der bisherigen Unzulänglichkeit sich den immer wieder fordernd herantretenden Aufgaben gegenüber ein starker Zweifel an einer möglichen Bewäitigung eingestellt hat. Daß diese Phase zusammenläuft mit der notwendig gewordenen allgemeinen zionistischen Re- Vision, macht sie in einer ganz gefährlichen Weise ״erklärlieh“, in einer Weise nämlich, daß ihre tieferen Wurzeln allzuleicht übersehen werden und weiter wuchern können. Findet man sich damit ab, daß ein weitgehender Stillstand in der Jugend ihre natürliche Reaktionsweise auf eine Besinnung der Generation in ihren Nöten sei, so heißt das Verzicht auf Spontaneität und Aktivität der jüngeren Generation. Die Palästinafrische oder -müdigkeit einer Jugend — wir meinen damit mehr innerliche als äußerlich demonstrierbare Merkmale — sollte nie zur Gänze gekoppelt werden dürfen an den Wirtschaftsindex Palästinas. Niemals wird der Moment wiederkehren, in dem eine dritte Alijah möglich war, aber der menschlicheWeg, den so viele dieser Pioniere schritten, ist frei und zeitlos. ״Analysen“, die an der Hand von Erlebnisschicksal und Gesellschaftsschichtung gewiß viel von auslösenden Bedingungen aufdecken, sind darum, auch gehäuft, noch nicht zwingend, gefährlich als überbewertete Teleologismen von rückwärts, sofern das Schöpferische schweigen muß. Aufgäbe ist es, die ganze weite und innige Verflechtung menschlicher Wegfindung, die dem Heranwachsenden aus dem Judesein erfueßen, immer wieder auf das stärkste zu beleuchten und gleichsam Stufen des Schweißes zu legen zwischen den Niederungen und Erez-Israels Höhenblick, was und wie der junge Jude oft, ja meistens wird, dies zu zeigen bedarf keiner Bemühung, aber wie er durch Führung werden kann, damit ist die Frage der Führer und der Jugend zugleich angeschnitten. n. In» Oegensafa zu zionistischen Erziehungsbetrachtungen, die von einer objektiven Sphäre aus Normen statuieren, stelle ich in den Mittelpunkt das Phänomen des Werdens, «Ke entwicklungspsychologische Möglichkeit,sich dieser Sphäre zu verbinden. So gewiß der Mensch imstände Ist, verschiedene Bereiche des objektiv Geistigen im seiner Innenwelt einheitlich zu zentrieren, so wenig kann er nach einer vorgeschauten Einheit geformt werden; die Gesetzlichkeit des Werdens ist untrennbar von dem Werdenden. Gegen «Wese Selbstverständlichkeit wurde ebensooft verstoßen, als kt der Jugendbewegung etwa gleichsam ein Qeneralschema für zionistische Menschenformung auf zustellen und _ durchzuführen versucht wurde. Jede ״sehematische Antizipation“, um mit der heutigen Denkpsychologie zu sprechen, hat nur dann Aussicht auf Erfolg, wenn sie adäquate Erkenntnismittel zu ״aktualisieren“ imstande ist. Daß eine adäquate Formung nicht möglich ist ohne adäquate Erkenntnismittel, hat das Schicksal des Blau-Weiß bewiesen. Dort wurde auch die Verantwortungsfrage des zionistischen Führers, jüdische Lebensaspekte nicht von einem künstlichen Ausschnitt aus aufzuzeigen, auf das schärfste beleuchtet, ln gewissem Sinne ist das Werden der Generation gezeichnet durch ihre Führer; die geforderte Besinnung der zionistischen Jugend wird zur Frage der Führer. Freilich schränken wir selbst unsere Frage zunächst gemäß dem Vorhandensein erzieherischer Wirksamkeit und Erziehungswillens ein. Doch sind auch hierbei — in der Jugendgemeinschaft, in der Familie, im FreundschaftsvernäTtnis wie in der nach Vorbildern gerichteten Eigensteuerung —־ die wirksamen Kräfte so verschiedenartig, daß klarerweise nichts äußerlich Regelhaftes es sein kann, das uns hier bewegt. Die personale Sachfindung vielmehr (mit W. Stern gedacht), «kr Führung und Gemeinschaft nur dienen, nichts aufzwingen sollen, scheint uns wahre Ent- Wicklung zu gewährleisten. III. Pe rsönHchkeitsbetrachtung orientiert sich neuerdings an dem ״Strukturbegriff“ vom Dilthey und Spranger, nach dem Glieder (Komponenten) durch sinnvolles Aufeinanderbezogensein als ein Wertganzes bewirkend angesehen werden. Seit Spranger in den ״Lebensformen“ gleichsam psychische Modelle verschiedener Wesensart aufgezeigt hat, geht es kaum an, einer beschränkten Auswahl von Erziehungsmittein eine allgemeine Anwendbarkeit zuzutrauen. Hinzu kommt, daß die Kinder- und Jugendpsychologie (K. und Ch. Bühler, W. Stern) eine Anzahl von Entwicklungsph äsen als in sich geschlossene Ganzheiten erkannt hat. Wenn man diese Erkenntnisse bedenkt, wird es offensichtlich, daß Entwicklungsanläufe in Jugendbünden — ganz charakteristisch im Blau-Weiß als dem Repräsen- Unten einer abgelaufenen Epoche —, die sich über Struktur- Voraussetzungen in raschem Prozeß hinwegsetzten und Jüngere als Deminutiva von Aelteren ansahen, ihr Ziel verfehlen mußten. Nicht selten machte man die Erfahrung, daß zugunsten :ines Eingeschworenseins auf eine Gruppenideologie eine Einengung oder gar Verschiebung des Wertbewußtseins geduldet und fast gefördert wurde. Immer mehr konnten sich menschliche Inkorrektheiten mit dieser Ideologie zusammenfinden und scheinbar vertragen. Darum muß endgültig festgestellt werden, daß zionistische Erziehung nicht gefördert wird durch programmatische Entwicklungen und Suggestion oder Autosuggestion großer Schritte, sondern einrig und allein durch eine Art seelischer Mikroskopie, welche den jungen Menschen in jedem Punkte sieht als werdenden Träger von Werten und mittels darauf begründeter spezifischen Bindungen und Lösungen seinen Weg näher tu bestimmen und zu sichern versteht. IV. Entwicklung als Umgestaltung und Erwerb von Verhaltungsweisen wird als bioIogis«ri1 ״sinnvoll“ und psychologisch ״wertvoi. 'ugesehen. Die geistige Entwick- I u n g durchläuft drei masen, die der Erziehung verschiedene Aufgaben zuweisen: in der Kindheit muß das Sichzurechtfinden gesteuert werden, der Erwerb eines Grundkapitals, ו dessen Spitze ״Wert (und Unwert) erleben können“ darstellt, in der Pubertät ist aie Umwertung und neue synthetische Ordnung in Bahnen zu lenken, tn der Adoleszenz und später kommt es auf Kräfteeinsatz, Verwirklichung, tatsächliche Wertung, im gesamten auf ״Wertverwirklichung“ an. Alle Bereiche des Lebens erfaßt diese Betätigung (das Oekonomische, Politisch-Soziale, Geistige, Religiöse, Künstlerische usw.). Diese Anschauung befindet sich in Uebereinstimmung mit der biologischen Stufentheorie der geistigen Entwicklung von K. Bühler, nach der im Zentrum der drei Phasen Instinkt, Einübung und Intellekt stehen. In vielen Fällen wurde bisher nicht mehr vermocht, als die Phase der Wertung in eine prävalente Kritik ausmünden zu lassen. Es ist ein unbefriedigendes Resultat, zu allen Dingen eine Stellung zu haben, aber in den wenigsten eine Haitung. Hic Rhodus, hie salta! — könnte man einem großen Teil unserer Jugend zurufen, V. Die gesammelten Erlebnismassen der Entwicklungsjahre gestalten sich zu Sphären, zentriert um Familie, Schule, Freundeskreis und die vielfältigen Brennpunkte des Wissens und der Erfahrung. Wo tritt das Judentum in diese Sphären ein? Im primitiven Denken haftet ״das Jüdische“ zunächst epiphänomenal an der Familie, evtl, der Schule oder einer sonstigen Gemeinschaft, wird nicht ״kategorial“. Späte? erfolgt die gesonderte Konstitution als Sphäre. Seit der Emanzipation pflegten Entwicklungen mit einem kategorialen Wissens-Judentum zu enden (oft auch im jüdischen Jugendbund!). Hier, abseits von Familie, Gesellschaft, individueller und sozialer Arbeit, fand nicht selten auch der ״Zionismus“ sein vorbestimmtes Plätzchen. Das kategoriale Judesein ist ein Judentum der Starre. Ihm gegenüber steht das essentiellejudesein.bei dem die Judentums-Sphäre aus ihrer Isolierung erlöst wurde und supraphänoinenal zum umschlingenden, die andere« Sphären einigenden weltanschaulichen Band geworden ist. Das essentielle Judesein war und ist zum Teil noch charakteristisch für das traditionelle Judentum. Es erfordert eine hohe Stufe der Persönlichkeit, daß Zionismus als Aequivalent dafür eintreten kann. Die vulgäre Annahme einer zionistischen Erbfolge der Tradition ist ein Irrglaube. Die zionistische Erziehung hat bisher meistenteils darauf verzichtet, Elemente der Tradition, die als Gesamtgefüge schwer willentlich auflebt, neuartig ein zu organisieren. Wo das fehlt, was palästinensische Atmosphäre neu zu wecken beginnt, gerät der Zionismus in die Gefahr, an die Klippen der Nachbarkategorien zu stoßen und zu zerschellen. Mit H o 1 d h e i m bin ich auch der Ansicht, daß die Gefahr der Assimilation nicht geringer geworden ist und wachsen wird, einig aber auch in der Ablehnung einer Abschreckungserziehung vor dem Gespenst Assimilation. Nur im inneren Ausbau liegt die Abhilfe. Was dem Instinkt des Kindes in seine Erlebnismasse einging, das formiere sich intellektuell, um gleich wieder aut dem Wege der Intuition (nach Bergson die Schwester des Instinktes) sich den Sphären mitzuteilen, werde in ״innerer Phänomenologie" (im Sinne von Husserl und Jaspers) als dem Grunde des Ich wesentlich geschaut. Wird jüdisches Erlebnis gelöst von nur bestimmten Stunden und Tagen und erzieherisch eingebettet in die wertgebundenen Sphären, so kommt erst ferner, aber ,vielleicht immer näher, dem Ideal das zustande, was ich dem jüdischen Kind auf seinem Werdegang wünsche: eine seelische Kosmogonie, von der es nicht wissen, aber einmal ahnen kann, daß sie eine jüdische ist. Sein intellektuelles Handeln wird dann aus einem guten Nährboden reiten. VI. Stellt der innere Ausbau der Persönlichkeit den einen Pol der Erziehung dar, so ist die Mitgliedschaft in einer Gruppe oder Gesellschaft der andere, von dem aus das ״Phänomen des Werdens“ zu betrachten ist. Die soziologische Er- Ziehungsauffassung, die neuerdings stärker, etwa bei Be rnfeId mit seinen scharfen psychoanalytischen Einsichten, hervortritt, untersucht die Erziehungseinrichtungen der Gesellschaft, ihre Wirkung und Rückwirkung. Ihre Hauptaufgabe wäre darin zu sehen, die gruppenbedingten Konflikte im Werden aufzuzeigen und gesellschaftlich zu korrigieren. Im engsten Anschlub daran stehen die Fragen der Kincfer- und Jugendgemeinschaft. Wir werden immer mehr auf deren stärkere Beachtung hingewiesen, da die Familie überhaupt und daher auch die jüdidische Familie entgegen ihrem eigentlichen Wesen durch die stärkere Zeitgewalt ersichtlich an tradierender Kraft einbüßt. Zumindest sollte die im Gemeinschaftsleben gegebene Möglichkeit, alte Formen in freier Gestaltung neu zu erfüllen (wie ich näher ausgeführt habe in ״Vom Aufbau der Erziehungsgemein־ schaft“, Selbstwehr 1925, Nr. 36), für unsere besonders schwierigen jüdischen Lebensformfragen auf das stärkste beachtet werden (siehe auch die wertvollen Beiträge des Erziehung*- heftes des ״Juden“,!926). In einer teils sich selbst regulierenden, teils geführten Jugendgemeinschaft kommen Formen zustände, die (soziologisch-pädagogisch gesehen) eine ״Sy m bo 1 - funktion“ besitzen, indem sie mit zeitweiliger Gültigkeit Gesellschaftseinrichtungen stellvertreten (z. B. das Richteramt) und die die Einführung des Hebräischen wie von Festgebräuchen erleichtern. Ich glaube ganz im allgemeinen und im besonderen im Judentum an einen Symbolgehalt der Erziehung; E. Cassirer hat in seiner ״Philosophie der symbolischen Formen“ in allem Geistigen überhaupt das Symbolhafte aufzuweisen versucht. In den bisherigen Betrachtungen war vielleicht auffälligerweise, aber dennoch bewußt vom sog. ״Wissensstoff“ gar keine Rede; denn es ist unsere Ueberzeugung, daß alles Intellektuelle, wie insbesondere das Wissen vom historischen Judentum und dem heutigen Palästina, sich auf dem dargestellten Boden aufbauen soll und nur auf ihm in höherem Sinne fruchtbar werden kann. Keine der drei bisher stärksten Ausprägungen der Jugendbewegung kann uns für sich allein entsprechen: der w andervoge! mit der einseitigen Betonung des Gemüts, der Boy Scout mit der einseitigen Betonung der Willensstärke und die Arbeiter- Jugendbewegung mit ihrem gesellschaftskritischen Wissen; mit der Bereitschaft, von allen dreien zu lernen, sollen wir an einem eigenen synthetischen Unterbau arbeiten, der sich an die G a n zheit des Seelischen wendet. VII. Den Beziehungen nun der in ihrer Entwicklung so geschauten jüngeren Generation zu der vorangehenden zugewendet, wird es uns War, wie sie sich zu deren ״Lehre“ verhalten wird. Buber hat In Besorgnis um die Weiterführung der Bewegung mit Recht von der ״LehrVerknüpfung" der Generationen gesprochen. So zielbewußt dieser Hinweis ist, so ist vom Wege dieses Prozesses doch zunächst hervorzuheben, daß an die Lehre als Ganzheit nicht angeknüpft wird, daß man sogar ebensogut von einer ״Lehrzerschlagung“ als Vorstufe einer neuen Synthese sprechen könnte. Auch im Zionismus wird es daher Vorrecht der jeweils ׳ ersten Generation sein, die erkämpften Positionen der Lehre der zweiten vertraut zu machen, dieser aber darf es nicht abgesprochen werden, sie in einem veränderten weltanschauliche n Ge füge zu fassen. vnr. Die Frage, ob und welchen Anteil die Jugend am Kongreß zu nehmen habe, wird durch das Vorangehende einer eindeutigen Antwort zugeführt. In stärkster Weise gilt hier das Wort: tua res agitur, und darum ist es nur wünschenswert, daß die Jugend unter den Kongreßteilnehmern in starker Anzahl vertreten sei, um sich in Wissen und Willen zu stärken. Ob aber die unvermeidliche bewegte Kongreßtaktik in allen Punkten pädagogisch wirkt, möchte ich bezweifeln, und es ist darum eine Institution nötig, die die lugend ihrer ausschließlichen Rolle als Zaungast enthebt. Auf dem diesjährigen Kongreß ist außerdem die Gefahr vorauszusehen, daß aus einem gewissen Stillstand in der Jugend arteiisch Kapital zu schlagen versucht und in beliebter Ober• ächlichkeit verkündet werden wird, wie der Zionismus aussehen müsse, damit sich die Jugend für ihn begeistere. Unserer Meinung nach hat zu dieser Frage die Jugend selbst zu sprechen und sie kann und wird — auch außerhalb der Kongreßsitzungen — Möglichkeit dazu finden. IX. Wenn vorher versucht wurde, die elementaren Probleme zionistischer Erziehung neu zu beleuchten, was natürlich nur in Kürze und fast aphoristisch getan werden konnte, 90 hatten diese Zeilen vornehmlich eine Aufgabe: darzulegen, daß es heute höchst geboten erscheint und voraussichtlich aber auch möglich sein wird, die in gefährlicher Weise in Erscheinung tretende pädagogische Starre des Zionismus zu lösen. Sie sollten den Vorschlag und dringenden Appell begründen, in der Kongreßzeit eine ״Tagung für zionistische Jugendarbeit“ zu veransfalten. Bei der heutigen Lage der Organisationen ist es nicht anders möglich und auch im allgemeinen nicht abträgüch, daß diese Tagung von berufenen Einzelpersonen einberufen wird. Es kommt keineswegs in Frage, hierbei eine Organisation zu begründen, aber empfehlenswert wäre die Institution eines ,,Erziehungsrates“. Wir haben bei der notwendigen Arbeit für unsere Fonds den ״S e e 1 e n f o n d s“ ein wenig vernachlässigt, und um hier Wandel zu schaffen, reicht bei bestem Willen ein Amt der Exekutive nicht aus. X. Wir haben zu zeigen versucht, daß zionistische Jugendarbeit nicht eine Frage der äußeren Lage, sondern der inneren Spannkraft der Bewegung und der Jugend ist. Wo heute Kontinente im Fluge verbunden werden, ist es da nicht besonders geboten, der Jugend nicht nur die Größe, sondern auch die Schwierigkeit des Werkes zu zeigen, daß bei uns nichts im Fluge durchlaufen wird, Stück für Stück der Wirklichkeit erobert, Gedanke auf Gedanken gebaut werden muß? Zu dieser Spannkraft wird die Jugend nur gelangen, wenn sie nicht blasiert wird, sondern, wie heute mit Kerscnensteiner gesagt werden muß, die echte ״Aufwühlbarkeit“ des, Gemütsgrunqes" noch besitzt. Bi dieser G^sfflhlttig muß sie' lieh"’rifif 'älro PhaseÄ und Einzelheiten des Palästinawerkes verbinden. Wie fruchtbar hier auch Einzelaktionen werden können, habe ich unlängst gezeigt (״Arbeit für die Waisensiedlung als Verknüpfung mit dem palästinensischen Erziehungswerk“, Zeitschrift ״Palästina“, Wien 1927, Nr. 4/5). Unlängst las ich eine Stimme aus der Jugendbewegung, die ״die Möglichkeit des Zionismus von der Möglichkeit des konstruktiven Sozialismus abhängig“ macht (Chajim Hoffmann in den Bundesblättern des Techeleth Lawan, Ijar 5687). Wer diese Worte bedenkt, dem geht die Tragweite dessen auf, was die Jugend von der Bewegung verlang und zuerst von sich selbst verlangen wird. Wehe der Bewegung, die an der Lauterkeit ihrer Jugend zweifelt! Es muß der Jugend geholfen •werden aut dem Wege zum jüdischen, zionistischen, sozialen Menschen! Die Jugend hat ein Recht, aber auch eine Pflicht, die sie selbst vollauf auszuschöpfen hat, wenn sie vor die Pforten Palästinas mit Achad Haam und Gordon schreibt: Chidusch haadam, Erneuerung des Menschen. Nachbemerkung: Der organisatorische Aufruf zur Tagung wird nach Zusammenschluß einer Anzahl zionistischer Pädagogen und Jugendführer ergehen, inzwischen sind Mitteilungen zu richten an: Dr. Stephan Krauß, Heidelberg, Psychiatrische Klinik der Uni* versität. AcHereitbuiid der Kameraden Die Bundesleitung sendet uns einen Bericht, dem wir nachstehende interessante Angaben entnehmen: Der Aelterenbund der Kameraden, der aus dem Deutsch- Jüdischen Wanderhund Kameraden hervorgegangen ist, hat vom 26. bis 29. Mai d. J. seine Bundestagung in Dessau abgehalten. Zum Bericht von der Tagung scheint es zweckmäßig, die einzelnen Tage rückwärts zu verfolgen. Am letzten Tage wurden Bundesfragen besprochen, deren allgemeine Bedeutung darin liegt, daß mit der näheren Bestimmung des Kreises unserer Mitglieder auch die Zugehörigkeit der deutschen Juden zu den jüdischen Parteien grundsätzlich und neu gewürdigt worden ist. Unser Bund, der aus einem deutsch-jüdischen Wanderbunde stammt und sich auch bewußt als deutsch-jüdisch fühlt, hat beschlossen, daß die Bezeichnung als Zionist oder die Tat- Sache der Zugehörigkeit zur zionistischen Partei der Zugehörigkeit zu unserem Bunde nicht im Wege steht. Wer unsere übrigen hündischen Voraussetzungen erfüllt, kann auch als Zionist bei uns sein, wenn er Deutschland als Heimat und Vaterland empfindet und seine jüdische Arbeit in Deutschland nicht lediglich auf Palästina einstellt, sondern sie im Bewußtsein des Eigenwertes deutsch-jüdischer Arbeit für das Judentum leistet. Die Entwicklung im Zionismus geht u. E. immer mehr dahin, an Stelle der Ausschließlichkeit der Pro-Palistina-Arbeit die Notwendigkeit der selbständigen und auch in sich allein begründeten Galuth-Arbeit im Dienste des Judentums anzuerkennen. Diese wertvollen jüdischen Kräfte haben mit uns für die deutsch-jüdische Zukunft zu arbeiten, die nach ihrem Wollen auch die ihre ist. Andererseits sind wir uns längst darüber einig, daß die Mitarbeit am Aufbauwerke in Palästina keinen Gegensatz zu unserer deutsch-jüdischen Richtung bedeutet. Wenn wir auch von Bundes wegen keinen Anlaß haben״ zur Palästina-Arbeit Stellung zu nehmen, sind wir doch wohl ausnahmslos der Meinung, daß jenes Aufbauwerk die Hilfe jedes deutschen Juden beanspruchen darf. Von hier aus gesehen sind die Begriffe ״Zionismus“ und ״jüdische Nation“ in ihrer heutigen Vieldeutigkeit zur Abgrenzung gegen das Deutschjudentum nicht mehr geeignet. Wir