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Jüdische Rundschau · 1927-07-15 · Heft 56 (15.7.1927) · page 4

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Journal
Jüdische Rundschau
Volume
XXXII (1927)
Issue
Heft 56 (15.7.1927)
Date
1927-07-15
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 400 JUEDISCHB RUNDSCHAU Nr. 56, 15. VH. 1927 Die Landestagung der Allgemeinen Zionisten Polens Von unserem Korrespondenten. —g. Warschau, 8. Juli. Die achte Landeskonferenz der allgemeinen Zionisten des ehern. Kongreßpolens und deT Randgebiete, welche volle drei Tage ihre oft recht stürmischen Beratungen abhielt, stand sehr wenig unter dem Zeiciien des XV. Kongresses und war vollauf dem Kampfe der Gruppen ״Et 11 Liwnoth“ und ״Al Hämischmar“ gewidmet. Wäre dies die letzte Kampfestagung oder hätte diese Konferenz die von manchen erwartete Aenderung in der Organisation herbeigeführt, könnte man diesen Kampf hinnehmen. Nun wissen wir aber schon, daß die Konferenz res u 11 a 11 o s auseinanderging, alles blieb beim alten, nur sind die Leidenschaften noch verstärkt, die Gegensätze — nicht nur rein theoretische —- noch mehr vertieft. Was erwartete man von dieser Konferenz? Wohl die gesamte zionistische Masse in allen Teilen des Landes erhoffte, daß nun endlich Friede einkehren und daß man mit vereinigten Kräften darangehen werde, die arg zerrüttete Organisation und die fast seelenlose Bewegung wieder zu beleben und zu befestigen. Man hat schon genug des Kampfes, welcher auch nach außen das Ansehen des polnischen Zionismus schädigt, und ersehnte überall den Beginn einer gemeinsamem schöpferischen Tätigkeit ohne den Ideenkampf aufgeben zu müssen. Die Konferenz sollte sich eben mit dem Programm einer solchen aufbauenden Arbeit beschäftigen, hätte die Lage in Polen genau und leidenschaftslos analysieren und Wege und Mittel für eine gründliche Sanierung der Verhältnisse finden sollen. Ohne Vereinigung in Kongreßpolen selbst kann von einer Vereinheitlichung der gesamten allgemeinzionistischen Organisation der polnischen Republik keine Rede sein, und bevor eine solche Zentralisierung zustande kommt, ist es ausgeschlossen, einen Oberrat sämtlicher zionistischer Föderationen für gemeinsame Palästinaarbeit zu schaffen. Die diesbezüglichen Bemühungen Schmarja Levins fanden in diesem Punkte das wichtigste Hindernis. Die bisherigen Leiter des Zentralkomitees, also die Führer der ״Eth L i w n o t h“, welche fast drei Jahre am Ruder waren und die letzte Krisenzeit schwer meistern konnten, gaben sich gehörig Rechenschaft ab von dieser Situation, und ihre Fraktion kam fast ausnahmslos zur Konferenz mit dem Willen, eine Einigung herbeizuführen. Ob dies Ausdruck ihrer Schwäche und der Einsicht der Erfolglosigkeit ihrer bisherigen Bemühungen oder bestes zionistisches Pflichtbewußtsein war, das sei jetzt nicht untersucht. Alle diese Gründe zusammen spielten wohl mit, und so hatten vor Beginn der Beratungen viele Grund zur Annahme, daß die Konferenz den Frieden bringen werde. Die Kräfteverhältnisse waren bis zum letzten Augenblick noch nicht genau klar. Es stellte sich aber nach der ersten Sitzung heraus, daß ״Eth Liwnoth“ eine Mehrheit von zirka 10 Stimmen haben werde. Es muß wahrheitsgemäß festgestellt werden, daß dieser Umstand die Friedensstimmung der Mehrheit nicht geändert hat ׳ Die Orünnaum-Oruppe (62 Delegierte), welche mit den 11 Revisionisten zusammenging, kam zur Konferenz wohl in Kampfesstimmung, aber mit der Zuversicht, eine Mehrheit zu erlangen und mit dem Willen, die Leitung der Organisation zu übernehmen. Der ,Al Hamischmar“ im Gegensatz zu ״Eth Liwnoth“ wollte zwar von einer gemeinsamen Führung der Bewegung nichts hören, glaubte aber doch bei selbständiger Leitung die Bewegung in Polen aus dem Sumpf herausfiihren zu können. Dies also war die Aufstellung beider Fraktionen zu Beginn der Tagung: Die eine trotz Mehrheit bereit, die Macht zu teilen, die andere «ur bereit a 11 e i n die Macht, und sei es als Minder* heit, zu übernehmen. Von einer Verständigung — wie es sich bald herausstcllte — konnte also, trotz größter Bemühungen mancher Gruppen, keine Rede sein. Von einer Kapitulation und vollständiger Räumung des Feldes wollten die Mitglieder von ״Eth Liwnoth“ nichts hören, da sie erstens eine Mehrheit bcsaßen und zweitens glaubten sie nicht, dadurch ihre zionistische Pflicht zu erfüllen. Es muß gesagt werden, daß manche Schritte und Enunziationen des abtretenden Z. K. die Opposition reizen mußten und die besten Absichten der ״Eth Liwnoth“-Fi!hrer durchkreuzten. Wahrend die Eröffnungsrede des Präs. Levvite maßvoll war, zwar das Z. K. verteidigte und das Programm der ״Eth Liwnoth“ nochmals zu rechtfertigen suchte, aber trotz der gegen die Opposition erhobenen Beschuldigung des Disziplinbruches mit einem Appell zur gemeinsamen Arbeit endete — war der offi- /idle Bericht, den im Namen des abtretenden Z.K. Herr F re id abgab, nur dazu angetan, die Gegensätze zu verschärfen. Der offizielle Berichterstatter konnte sich nicht genug tun in Ausfällen gegen die Opposition, welche er des Verrats, der stil’cn Sabotage und Demoralisation beschuldigte. Dann strotzte dieses Referat von Angriffen gegen die palästinensische Arbcitcrschaft, gegen die linken Gruppen im Zionismus und wohl auch gegen die leitenden Faktoren in Palästina, welche die polnischen Juden bewußt benachteiligt hätten. Mit solchen Argumenten suchte auch der Redner das vom Z.K. inspirierte Entstellen des ״Heehaluz Hamerkasi“ und des ״Haschomer Haleumi“ (Gegengründungen zum ״Hechaluz“ und ״Haschomer Hazair“) zu begründen. Das nachfolgende Referat über Jugendarbeit eines Vertreters des Z. K , Herrn E. Lewin, war auch kampfeslustig gegen die Linke gestimmt, und beide diese Referate haben dazu beigetragen, die Leidenschaften noch mehr aufzupeitschen. Bald sah sich das Z. K. gezwungen —■ um den Weg zur Verständigung nicht zu verrammeln —, seinen offiziellen Vertreter zu desavouieren und von der Tribüne mußte Herr Freid selbst mitteilen, daß sein Referat außer den Ziffern nur seine persönliche Meinung enthielt. In diesem Zusammenhang sei erwähnt, daß schon seit langem innerhalb derZ.K. recht starke Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht sind, die noch vor der Konferenz dazu führen, daß z, B. einer der bisherigen Führer der ״Eth Liwnoth“ in Polen, das A.-C.-Mitglied Dr. Gottlieb, von seinen Kollegen abriiekte und sogar auf keiner Kandidafenliste zur Konferenz figurierte. (Auf der Tagung hielt Dr, Gottlieb nur ein Referat über jüdische üemcindearbeit.) Die zweitägige Generaldebatte drehte sich hauptsächlich um die bekannten Gegensätze, die man klar und noch schärfer herauszuarbeiten suchte. Die ״Eth Liwnoth“-Redner (Levvite, Dr. flindes, Hcftmari, Appcnschlak) verurteilten stark den inneren Kampt in der Organisation, erklärten ihn als unzulässig, mit den zionistischen Organisationsprinzipien unvereinbar, suchten nach- /!!weisen, daß die Grünhaum-Gruppe kein Programm besitze, der ״AI Hamischmar“ gründe sich nur auf die starke Individualitat: Grünbaums, die aber keinen Organisationsrahmen verträgt. Uriinbaum wurde von Levvite mit Mussolini, dann wieder mit einem chassidischen Rabbi verglichen, der wohl blinde Nachlauter besitze aber keine gesunde Partei zu schaffen imstande sei. Die Prinzipien von ,?Eth Liwnoth“, des früher berühmten ״neuen Kurses“ wurden jetzt wenig in der Debatte verteidigt. Die Schwächen und Mängel der vierten Alijah gab man zu, obzwar man diese Alijah als solche weiter hoch zu bewerten suchte, man billigte das Prinzip der Regulierung der Emigration und sprach nicht mehr so hochtrabend vom Privatkapitalismus und der Industrie als dem Alleinretfer des Zionismus. Nur noch Dr. Hindes versuchte theoretisch die Richtigkeit des ״praktischen“ Zionismus der ״Eth Liwnoth“ zu begründen, indem er als Verdienst dieser Gruppe hervorhob, daß sie den Zionismus seines ״Mystizismus“ entkleidet habe. Die Reden der Opposition (Orünbaam. Hartglas; Podlischewski» Grawitzld) waren sehr scharf tmd ließen nichts an Klarheit übrig. Orünhaura verteidigte vor allem das Prinzip des inneren Kampfes, der Opposition als solcher. Er meinte, daß, wenn dieser Kampf jetzt nicht vorhanden wäre, diese Konferenz kaum 50 Delegierte gezählt hätte. Opposition sei fruchtbar, sie bringe uns Leben und zwingt die Unentschlossenen zur Entscheidung. Die Unterschiede sind aber theoretischer Natur, die Opposition anerkenne die Oanzheit der Organisation, wird aus ihr keinesfalls austreten, ■wie es manche Voraussagen, und falls der ״Al Hamischmar“ die Macht übernehmen sollte, wird er sich nur wundern, falls gegen ihn ״Eth Liwnoth“ dann keine Opposition treiben würde. Bleibt aber alles beim alten, werde seine Gruppe auch weiterhin dem Z. K״ das sie für unfähig halte, ״das Leben verbittern“. Grünbaum kam dann nochmals auf die Grundlagen zionistischer Kolonisationspolitik zu sprechen, verteidigte sehr energisch lfm* ITAIIÜDECC ■!■K AT1 AVIVllKB99 Wie bei den letzten Kongressen wiHJsndi dieses Mal wieder ein vollständiger Verhandlung»- Bericht in der nflizisUem Kongreß-Zeitung erscheinen- Wir legren den grtMn Wert darauf, dafl m5g> liehst (die Leser der ״J&diselien Bsmdsehan“ die Kongrreflzeitung bestellen and dadurch, nach wenn sie nicht per• ■önlich am Kongrrefl teilnehmen kSollen, eingehend über den Verlauf der wichtigen Tagung informiert werden. Wir werden In den nächsten Tagen eine direkte Abosn e ment sau ff Order ueg an alle unsere Abonnenten richten und die Einziehung der Bezugsgebühren in Höhe von RH. 3.20 für die vorgesehenen 13 Kongrefi-Hammern durch Nachnahme ankändigen. Wir rechnen mit Bestimmtheit darauf, das unserer Abonnementseinlnduag Folge geleistet werden wird und bitten unsere Leser, uns darüber hinaus in den Urnen nahe• stehenden Kreisen hei der Propagierung der KongreB• zeitang zu unterstützen und uns Abonnements aufeugeben. VERLAG ״JÜDISCHE RUNDSCHAU** BERLIN W15, MelnekestraBe 10 die palästinensische Arbeiterschaft und verlangte, daß man vor ihr vor allem Respekt habe; dann sprach er warm für den ״Hechaluz“ und ״Haschomer Hazair“. Die Landwirtschaft und aas nationale Kapital müssen weiter die Grundlagen unserer Arbeit bleiben. Endlich meinte Grünbaum offen erklären zu müssen, daß er, wo es sich darum handeln werde, zwischen rechts und links zu wählen, den linken Weg wählen werde. In einer eindrucksvollen Rede polemisierte der Präsident des jüdischen Sejmklubs, Abg. Hartglas, mit der Mehrheit. Er begründete sehr überzeugend, daß ״Eth Liwnoth“ den Zionismus in Polen zu einer Bewegung des Kleinbürgertums degradiert habe und infolgedessen die Jugend, der die kleinbürgerlichen Ideale gar nicht imponieren können, die zionistisehen Reihen verlasse. Der Zionismus müsse über den Klassen stehen, sonst verlieren wir die Intelligenz und die Jugend. Es sei eben ein Grundfehler, meinte Abg. Hartglas, zu glauben, daß ohne ״Mystizismus“, ohne Romantik eine nationale Bewegung wie der Zionismus existieren könne. Beide Gruppen, endete Hartglas werden einander näher kommen, aber für eine Verständigung ist leider die Zeit noch nicht reif. Während das Plenum die Generaldebatte und am dritten Tage noch Referate über Kulturarbeit (Heftman, Rosenblatt), Gemeindearbeit (Dr. Gottlieb) und Landespolitik (Präs. Hartglas) anhörte, hielt der Permanenzausschuß stundenlange, mühevolle Beratungen ab, die der Frage des Absolutoriums und der neuen Leitung galten. Die Grünbaum-Gruppe beantragte Uebergang zur Tagesordnung, wofür nur 68 Delegierte stimmten. Der Antrag auf Absolutoriutn erhielt 80 Stimmen bei vier Stimmenthaltungen. ״Eth Liwnoth“ war hinsichtlich der Neubildung des Z. K. zu weitgehenden Kompromissen bereit, einigte sich schon auf je 50 proz. Besetzung durch beide Gruppen. Da verlangten aber die Radikalen, daß den Vorsitz Abg. Grünbaum erhalte. Auf diese Weise hätten sie die Mehrheit. Darauf wollte ״Eth Liwnoth“ nicht eingelien, und so ging man auseinander, ohne Aenderungen herbeigeftihrt zu haben. Das neue Zentralkomitee besteht nur aus Anhängern der ״Eth Liwnoth“. Der Kampf wird also fortdauerti und mit ihm sämtliche Begleiterscheinungen, welche den polnischen Zionismus nicht gesund werden lassen. Kongreßfragen wurden nicht behandelt, für den Wahlkampf keine Parolen ausgegeben, zu den letzten B#schlüssen und Ereignissen in der Weltbewegung hat man keine Stellung genommen. Hat man ein Recht, sich zu beklagen, daß innerhalb unserer Weltbewegung der polnische Zionismus nicht den gehörigen Platz einnehme? Das Hotelwescn in Tel-Awiw ״Mi schar Wetaassiah“ veröffentlicht einen instruktiven Artikel über die Entwicklung des Hotel wesens in Tel-Awiw. Man sicht daraus, daß in den letzten Jahren die kleineren Hotels abnehmen und die größeren zunehmen. Insgesamt gab es im Jahre 5684 in Tel-Awiw 41 Logier- Häuser mit 265 Zimmern und 480 Betten, 5685 63 mit 306 Zimmern und 780 Betten und 5686 41 mit 377 Zimmern und 624 Betten. Davon hatten 3 Hotels — alle 3 Neugründungen des Jahres 5685 — von 23 bis '27 Zimmer. Eine Tabelle der von den Hotels gezahlten Mieten zeigt den großen Riickgang derselben während des letzten Jahres. Die Zahl der billigen Hotels ist gestiegen und die Zahl der teuren heruntergegangen. Von Mai 1925 bis Mai 1926 stiegen in diesen Logierhäusern 6755 Gaste ab. Davon entfallen 46,4go auf 10 Logierhäuser mit je unter 100 Gästen, je 103 -203 Gäste hatten 12 Logierhäuser (29,2״;#) und je 250 bis 550 Gäste 10 Logierhäuser (24,4״;#). Die Zahl der Gäste verteilt sich auf die einzelnen Monate wie folgt: Mai 1025 1046, Juni 064, |ult 876, August 709, September 551, Oktober 716, November 582, Dezember 309, Januar 1926 227, Februar 231, März 226, April 282. Es ist daraus ersichtlich, daß die Zahl der Gäste von Monat zu Monat abnahm, was sehr erklärlich ist, da ja im Frühling und Sommer 1915 noch keine Krise im Lande herrschte und es gerade die Zeit der großen Einwanderung war. Interessant wäre eine Fortführung dieser Tabelle für die Zeit von Mai 1926 bis Mai 1927. Die Zahl der Häuser Ir Tel-Awiw Im März 1927 gab es in Tel-Awiw 3281 Stein- und Ziegelhäuser mit 21 044 Zimmern (außer den Holzbaracken, Zelten usw.). Große Häuser mit je über 20 Zimmern zählte man 128, davon hatten 115 21—40 und 13 41—76 Zimmer. Die Zionisten in Rußland Während in Palästina in schwerem Ringen mit den maferieilen Widerständen die Verwirklichung des Zionismus beginnt, während die Aufmerksamkeit der ganzen zionistischen Welt auf die Sorgen des palästinensischen Alltags gebannt ist, vollzieht sich abseits von der westeuropäischen Oeflentlichkeit ein großer Kampf der zionistischen Idee um ihre Existenz gegenüber brutaler Unterdrückung. Schon seit Jahren wird in Sowjet-Rufiland ein Vernichtimgskampf gegen den Zionismus geführt, veranlaßt in erster Reihe durch die jüdisehen Elemente der Jewsektia, die in ähnlicher Weise wie die Assimilanten jedes Landes sich dadurch als besonders patriotisch legitimieren, daß sie Juden anderer Gesinnung vor den Staatsbehörden diffamieren. Die Verfolgungen gegen die Zionisten haben bereits große Scharen junger Leute in die sibirischen und kirgisischen Gefängnisse gebracht, wo ihnen ein unerträgliches Schicksal unter schwersten Bedrückerngen und materiellen Entbehrungen zuteil wird. Vor uns liegt eine Liste mit 221 Namen — jeder einzelne eine Tragödie für sich — und dies ist ja nur ein kleiner Ausschnitt aus der Zahl der Verbannten und Gefangenen. Mit den verwertlidisten Mittete eines politischen Spitzeltums arbeiten die antizionistischen Kreise unter der jüdischen Jugend, sie schaffen eine unerträgliche Atmosphäre, wo der Bruder vor seinen Geschwistern und die Eltern vor ihren Kindern sich in Acht nehmen müssen. Es wird versucht, die jungen Menschen zu Aeußerungen zu provozieren, die man als konterrevolutionär ausdeuten kann. Wie immer man zu dem bolschewistischen Versuch der Schaffung einer neuen Gesellschaftsform stehen mag, jeder wird diese Schreckenstaten des Bolschewismus verurteilen müssen. Gerade die Freunde des kommunistischen Gedankens werden es um so schmerzlicher empfinden, daß die offiziellen Sowjet-Behörden dieses Treiben dulden und sich dadurch mitschuldig machen, nicht mir an dem Verderben von Tausenden der bestem idealistischen jungen Juden, sondern auch an der durch nichts gerechtfertigten Unterdrückung der zionistischen Idee, der Knebelung des jüdischen Volkstums in Rußland. Der heroische Kampf, den unsere Jugend in Rußland gegen die Unterdrücker führt, ist eine der grandiosesten Manifestationen zionistischer Kraft in unserer Zeit Sie ist ein Beweis, daß ehe jung« Generation des jüdisehen Volkes nicht ohne weiteres bereit ist, den großen Gedanken der Wiedergeburt ihres Volkes aufzugeben. Vielen jungen Zionisten wäre es wohl ein Leichtes, sich durch Verleugnung ihrer Gesinnung oder durch Uebertritt ins kommunistische Lager zu rehabilitieren, aber mit der Kraft und Treue, die unsere Vorfahren bei ähnlichen Judenverfolgungen den Gefahren trotzen ließ, halten diese Menschen an ihrem Zionismus fest. Was in fiüheren Zeiten Religionskämpfe waren, zeigt sich heute hi der Form von Weltanschatmngskämpfen. Sie werden mit derselben Brutalität und Intoleranz geführt wie einst im Mittelalter. Wir sind tieute^ wo Proteste aller Art machtlos an den Schranken der Sowjet-Union abprallen, wahrscheinlich nicht imstande, unseren russischen Freunden zu helfen. Aber sie sollen wissen, daß die zionistische Welt ihren heroischen Kampf würdigt Wir glauben, daß die Zionisten aller Länder aus dem Märtyrertum unserer russischen Freunde für unsere Idee Kraft und Glauben schöpfen können, und sogar ein wenig Beschämung, wenn sie ihre eigenen Leistungen und Opfer für unsere Sache vergleichen mit dem stillen und selbstverständlichen Ausharren jener in einer Welt von Gefahr und Feindschaft * Jerusalem, 12. Juli. (J.T.A.) Die jetzt in Tel-Awiw tagende Konferenz der palästinensischen Arbeiter-Organisation (Histadruth Haowdim) hat einen Beschluß angenommen, in welchem gegen die Verfolgung der Zionisten in Rußland protestiert wird. Die Delegierten auf dem linken Flügel verließen, als der Beschluß angenommen wurde, zum Zeichen des Protestes den Saal. Riga, 12. Juli. (J. T. A.) Aus Rußland kommende Nachrichten besagen, daß die Massenverhaftungen von Zionisten in den Städten Rußlands, insbesondere Südrußlands, fortdauern. Die Q. P. U, (politische Polizei) versucht, durch die Verhaftungen und Verbannungen jede organisatorische Tätigkeit der Zionisten-Sozialisten unmöglich zu machen. Während eines Monats wurden 112, während eines anderen sogar 200 Verbannungen ausgesprochen. Die Jadenfrage in Rumänien ״Times“ beschäftigte sich kürzlich in einem Leitartikel mit den bevorstehenden Wahlen in Rumänien und kommt in diesem Zusammenhang auf die Position der Juden in diesem Lande zu sprechen. Es heißt, wird in dem Artikel gesagt, daß Herr Bratianu. der neue Premier, mit den Vertretem der Judenschaft ein Wahlabkommen getroffen hat, demgemäß diese numerisch wichtige Minderheit gewisse Rechte gesichert erhält, die ihr unter dem nationalistischen Regime des Generals Averescu vorenthalten worden waren. Aber Zwischenfälle wie die Freisprechung eines Studenten, der einen Lokalgouverneur erschoß, weil dieser die Juden vor Mißhandlungen schützte, oder die Freisprechung eines Schülers, der einen jüdischen Schüler im Gerichtssaal erschoß, haben eine tiefe und natürliche Empörung unter den Juden Rumäniens und unter ihren Glaubensgenossen im Auslände ausgelöst. Die wirkliche Ursache der antijüdischen Exzesse, die sich in Rumänien in den letzten Jahren häuften, scheint die Eifersucht der entstehenden rumänischen Berufsstände gegen jüdische Mitbewerber zu sein. Man muß hoffen, daß die zukünftigen rumänischen Regierungen dem Beispiel Polens folgen und zu einem freundschaftlichen Einverständnis mit der jüdischen Minderheit gelangen werden, anstatt einen brutalen Antisemitismus zu dulden, der gewiß nicht geeignet ist, den Patriotismus der Juden der neugewonnenen Territonen zu stärken. König Ferdinand hat Herrn Bratianu und seinen Ministerkollegen empfohlen, gegenüber allen Bürgern die gleiche versöhnliche Haltung einzunehmen; dies könne als ein Wink an die Liberalen interpretiert werden, die bevorstehenden Wahlen stattfinden zu lassen, statt sie zu ״,machen“. Das neue Kabinett hat in einem Manifest Wahlfreiheit zugesichert und bekundet, daß Versuche zu Ruhe- Störungen energisch unterdrückt werden würden. Bis aber das Ergebnis aer Wahlen vorliegt, werden viele, die die rumänische Politik der letzten Jahre zu beobachten Gelegenheit hatten, einem gewissen Skeptizismus die Möglichkeit betreffend Raum geben, daß sich die rumänische liberale Partei zu einem wirklichen Liberalismus bekehrt. Eine neue jüdische Zeitung unter dem Namen ״Bote der jüdischen Kulturverwaltung“ ist in Reval vom Innenministerium registriert worden. Die Zeitung wird vom jüdischen Kulturamt herausgegeben. Als verantwortlicher Redakteur zeichnet Schmarja Ta m a r k i n. #

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