Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 56 (15.7.1927)
- Date
- 1927-07-15
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50, 15. VH. 1927 JÜEDISCHE RUNDSCHAU Seite 399 ״Die Kernfrage" Wie der C. - V. sie *fehl Die Kundgebung des deutschen Pro Palästina- Komitees anläßlich der Anwesenheit Dr. Weizmanns in Berlin hat auf alle Teilnehmer, gleichviel ob Zionist oder Nichtzionist, ob Jude oder Nichtjude, den stärksten Eindruck gemacht. Man mag zur zionistischen Bewegung stehen wie immer, ein solches Ereignis ist nicht nur vom zionistischen Standpunkt zu werten, sondern ausallgemeinjüdischen Gründen zweifellos von größtem Interesse. Die assimilatorisehen jüdischen Organisationen, allen voran der Centralverein, beschäftigen sich jahraus jahrein damit, die Aeußerung dieses oder jenes bedeutenden oder weniger bedeutenden Mannes über das Judentum zu sammeln; die Meinung eines kleinen Redakteurs, der sich judenfreundlich äußert, wird ebenso in die Welt hinausposaunt wie die Tat oder Leistung eines Juden auf irgendeinem Gebiete, die für das Judentum reklamiert wird und aus der im Abwehrkampf gegen den Antisemitismus Waffen geschmiedet werden können. Wer kennt nicht die Art der Versammlungsreden zur Abwehr des Antisemitismus, in welchen jüdische Leistungen aufgezählt werden, die den Beifall der Mitweit finden. Man müßte annehmen, daß von diesem Gesichtspunkt aus eine Veranstaltung, bei welcher führende Männer der deutschen Oeffentlichkeit einschließlich der Mitglieder der Regierung sich mit größtem Respekt und mit großer Sympathie über die kulturelle und menschliche Bedeutung eines jüdischen Werkes äußern, zumindest ebenso mitgeteilt zu werden verdienen, wie Dinge viel geringeren Gewichtes. Dies ist aber ein schwerer Irrtum. Wo von Mißgunst und Haß das Urteil getrübt ist, wo man eine Erschütterung der eigenen innerjüdischen Positionen befürchtet, verzichtet man auf wirksame Mittel des Abwehrkampfes und bevorzugt eine Berichterstattung, die weder dem jüdischen Interesse dient, noch loyal genannt werden kann. Die C.-V.-Zeitung vom 8. Juli veröffentlicht unter der Ueberschrift ״Die Kernfrage“ einen Artikel von Dr. Alfred Wiener, der sich auch mit der Kundgebung des Pro Palästina-Komitees beschäftigt. Er zitiert einen einzigen Satz des Ministers Dr. Becker und einen Satz der Frau von Kardorff, von dem er selbst bemerkt, daß er in dem protokollarischen Bericht der ״Jüdischen Rundschau“ nicht enthalten ist. Es handelt sich um eine Hebenbemerkung, die keineswegs für sich selbst zu verstehen ist, sondern lediglich im Zusammenhang mit der vorausgegangenen Rede von Rabbiner Dr. B a e c k, der ausgeführt hatte, daß der eigentliche Feind der jüdischen Palästina-Bewegung der Phi- 1 i s t e r ist, der Mensch, der über die Enge seines persönliehen Gesichtskreises nicht hinaussieht und nicht die Größe der Idee der Erneuerung des Judentums erfassen kann. Frau von Kardorff unterstrich als christliche Deutsche diese Worte und erklärte auch ihrerseits, daß ״der Spießer“, der nicht für eine große Idee einzutreten vermag, ihr veräditlich erscheint. Obwohl es ganz interessant ist, hier aus dem Munde einer zweifellos deutschen und zweifellos vorurteilsfrei und unabhängig denkenden Persönlichkeit zu hören, in welcher Weise der menschliche Maßstab in die Bewertung jüdischer Parteinähme hineinspielt, so besteht doch kein Zweifel darüber daß diese Bemerkung nicht die wichtigste des Abends war. Und wenn Frau von Kardorff dann davon sprach, daß die Jtldln heimatlos sind, daß jedoch, niemand ihnen das Heimatsrecht in den Ländern, wo sie wohnen, verweigern darf, so darf nicht verschwiegen werden, daß dieser Gedanke in der darauffolgenden Rede von keinem Geringeren als Dr. Weizmann interpretiert wurde. Dr. Weizmann hatte wohl den richtigen Instinkt, wenn er sich veranlaßt sah, die Bemerkung seiner Vorrednerin noch weiter auszuspinnen, denn vielleicht ahnte er, daß damit Mißbrauch getrieben werden würde. Dr. Weizmann wies darauf hin, — was in diesen Blättern schon oftmals in verschiedensten Variationen, wenn auch vielleicht in weniger eindringlicher Form und mit weniger zionistischer Autorität dargelegt wurde —, daß zwar einzelne Juden, ja sogar jüdische Gruppen ihre Heimat und ihr Vaterland haben, daß aber das jüdische Volk als Kollektivuni, das Judentum als solches heimatlos ist Die Tradition des Judentums ist heimatlos, seine Kultur kann sich nirgends völljg frei entfalten, und in Palästina soll dieser Ort eines Voll• judentums geschaffen werden, am allerwenigsten zum Schaden der jüdischen Diaspora, die durch die Existenz dieses jüdischen Zentrums innerlich erstarken und darüber hinaus auch a!n Ansehen gewinnen wird. Aus der Natfonalbibliotttek Jerusalem Der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek ist durch die Herren Sidney Pritz und Max Hirsch (Cincinnati) die Möglichkeit gegeben worden, eine sehr wichtige Handschrift zu erwerben: eine Thorarolie der Samaritaner. Die Rolle ist im Jahre 890 der muselmanischen Zeitrechnung, das ist im Jahre 1485, geschrieben worden. Die Thorarolle hat, wie aus den am Schlüsse aufgezeichneten Bemerkungen hervorgeht, mehrere Male ihren Besitzer gewechselt und war zuletzt einer Bank verpfändet. Sie wurde nunmehr der Bibliothek einverleibt. Die der Bibliothek angehörende Autographensammlung Dr. A. Schwadron ist in den letzten Tagen ebenfalls durch eine sehr wertvolle Spende bereichert worden. Herr Kommerzialrat Emil Honigmann, Sohn des Schriftstellers David Honigmann, dessen Bücher ״Das Grab von Sabionetta“ und ״Berek Grenadier“ seinerzeit viel gelesen wurden, hat der Bibliothek eine 411zahl von Briefen Berthold Auerbachs zum Geschenke gemacht. Auerbach war mit David Honigmann sehr befreundet, Und die Briefe legen Zeugnis von dieser Freundschaft ab. Professor Boris Schatz überbrachte aus Amerika als Ge- Schenk des Herrn Nathan D. Kaplan eine Anzahl sehr wertvoller Handschriften u. a. eine Handschrift des Tarschisch von Mosche Ihn Esra, die von dem bekannten Gelehrten Solomon Frensdorff auf Grund einer alten Handschrift angefertigt wurde und starke Abweichungen gegenüber der gedruckten Ausgabe enthält. Unter den Manuskripten befindet sich auch eine Hand- Schrift von Rabbi Menachem Asarja aus Fano (das Buch Mea Keita) und eine Ausgabe der Konkordanz von Buxtorf, welche bedeckt ist mit handschriftlichen Bemerkungen von der Hand Rabbi Wolf Heidenheims. Herr Jehoschua Gordon übergab der Bibliothek eine jroße Sammlung jiddischer Bücher und Zeitschriften u. a. die!ehr seltene Zeitung ״Der jüdische Kongreß“, welche von 0inschas Ruthenberg im Jahre 1915 in New York herausgegeben ivurde. — Die Herren Gustav Steiner und Dr. Julius r i s c h 1, 0rag, übergaben der Bibliothek eine Sammlung von Bücher» ius dem Gebiete der Pädagogik und Heilpädagogik. — Die Bibliothek erhielt von dem Komitee in Rom eine neueriche Sendung. Die Sendung enthielt neben einer großen Anzahl noderner Werke auch wichtige Werke zur Geschichte der Haltelischen Juden, darunter alte Ausgaben wie z. B. L’ebraismo della Diese Darlegung wird in der C-V.-Zeitung ebenso ignoriert wie die Reden von Bernstorff, Baeck und Becker. Es wird z. B. verschwiegen, daß Minister Becker erklärt hat, er sei im tiefsten ergriffen von dem bedeutenden geistigen Regen, das in der zionistischen Bewegung zum Ausdruck kommt und daß er nur den größten Respekt vor dieser Leistung aussprechen könne. Gereicht eine solche Erklärung des Ministers dem Judentum in den Augen des C.-V. nicht zur Ehre? Gibt es eine bessere Widerlegung des blöden Märchens, daß der Zionismus nur den Antisemitismus bestärke? Warum verschweigt der Central verein diese Aeußerungen, warum verschweigt er den letzten Artikel des Freiherrn von Schoenaieh seinen Lesern? Es wäre doch sicher sogar für antizionistische C.-V.-Mitglieder ganz interessant einmal zu hören, wie prominente Nichtjuden über den Zusammenhang von Zionismus und Antisemitismus denken. Unseres Wissens hat es noch kaum jemals eine so enthusiastische Zustimmung zu einem jüdischen Werk, eine so entschiedene Bejahung jüdischer Leistung gegeben. Es erfüllt sich hier eine alte Prophezeiung Herzls, daß der Zionismus, der sein Werk dem jüdischen Volk zum Frommen, niemandem zu Schaden unternimmt, sogar den assimilatorischen Juden Vorteile bringt, weil sie die Mehrung jüdischer Ehre, die durch die zionistische Idee erzeugt wird, mitgenießen. Statt aber dies anzuerkennen, versuchen die Machthaber im nichtzionistischen Judentum, die Tat- Sachen zu unterdrücken. Wenn man so viel anerkennenswerten Sinn für Autorität hat, daß man schreibt: ״Kein Geringerer als Gemeinde-Rabbiner Dr. Reinhold Lewin in Königsberg“, dann müßte man sich eigentlich auch für die Rede interessieren, die kein Geringerer als Rabbiner Dr. Leo Baeck, der unbestrittene geistige Führer des liberalen Judentums in Deutschland und GroRpräsident des Bne Brith- Ordens, in einer wichtigen jüdischen Angelegenheit hält. Man wird sich verwunderrt fragen, was der C.-V. mit dieser Methode bezweckt. Die Veranstaltung des Pro Palästina-Komitces, die dem Judentum Ehre macht, wird verschwiegen, dafür wird in Tausenden von Exemplaren die minderwertige Broschüre von Weil und Cohn über Palästina verbreitet, von der sogar der Vorsitzende des C.-V, selbst in einer Aufwallung richtigen Gefühles abgerückt ist und die ein prominenter christlicher Theolöge, der lange Zeit in Palästina geweilt und dort eingehende Studien gemacht hat, in einer Zuschrift an uns als ״erstaunlich oberflächlich und schnodderig“ bezeichnet (seine weitere Charakteristik verschweigen wir hier, weil sie beleidigend wirken könnte). Es scheint nach alledem, daß dem C.-V. der Kampf gegen den Zionismus wichtiger ist als der Kampf gegen den Antisemitismus und für die Rechte der deutschen Juden im Staate. Die guten Vorsätze einer größeren Ritterlichkeit im innerjüdischen Kampfe scheinen längst verraucht zu sein. Herr Dr. Holländer hat vor kurzem in der C.-V.-Zeitung von .,Silberstreifen am Horizont“ gesprochen und gemeint, daß sich eine Zeit besseren innerjudischen Ver- Stehens anbahne, wenn man nur erst die Weltanschauungsgegensätze auf wissenschaftlich-soziologischer Basis austrage. Wir wissen nicht, ob die Broschüre von Weil und Cohn bereits die neue wissenschaftliche Methode des C.-V. darstellt. Die Art, wie in der C.-V.-Zeitung über Ereignisse des jüdisehen Lebens berichtet wird, scheint uns jedenfalls weder in dieser, noch in anderer Richtung befriedigend zu sein. Me nenen palästinensischen Münzen Jerusalem, 10. Juli. (J.T.A.) In diesen Tagen sind aäs London in 1500 Kisten Pfund 430 000 in Silber und anderer Provenienz der neuen palästinensischen Währung eingetroffen. Das Geld wird am 1. Oktober d. J. in Umlauf gebracht. Der Napoleon-Berg Jerusalem, 10. Juli. (J.T.A.) Herr Isak Goldberg aus Tel-Awiw, einer der Pioniere des Zionismus in Rußland und früheres Mitglied des Aktions-Comites, hat den zwischen Tel-Awiw und Pefach-Tikwah gelegenen ״Napoleon- Berg“, der Napoleon bei seinem Feldzug in Palästina im lahre 1797 als strategische Basis diente und auch im letzten Kriege ein militärisches Zentrum bildete, käuflich an sich gebracht. Auf diesem Berge waren im Altertum wichtige Siedlungen. Es wird demnächst dort mit Ausgrabungen begonnen werden. Sicilia von Giovanni di Giovanni (1748) und eine sehr schöne Handschrift der Erklärung zur Thora von Rabbi Mosche Cordovero, ein Geschenk des Herrn Ing. Gualtiero Cividalli. ״Kirjath Sepher“. Soeben erschien das erste Heft des vierten Jahrgangs der von der Jüdischen National- und Universitätsbibliothek nerausgegebenen bibliographischen Vierteljahresschrift Kirjath Sepher“. Das Heft umfaßt außer der Bibliographie folgende Aufsätze: F. Bodenheimer: Bibliographisches Verzeichnis der Literatur über die Fauna Palästinas in den Jahren 1924—1926, J. Sonne: Die Namen der Korrektoren der Gebetbücher und Machsorim. Jizchak Rivkind: Die Drucke von Korez-Menasche Unger: Zur Geschichte der jüdischen Siedlung in Pekiin. Meir ben Abraham Halevy: Bemerkungen zum Katalog der hebräischen schönen Literatur. B. D in a bürg: Briefe von S. J. Rapoport. Die Zeitschrift ist durch die Jüdische National- und Universitätsbibliothek Jerusalem zu beziehen. Abonnementspreis 10 Shilling pro Jahr. Im Verlag ״Ac hie wer“ (Tel-Awiw) erschienen soeben unter dem Titel ״Meine Welt“ die Memoiren des bekannten hebräischen Schriftstellers und zionistischen Politikers MordechaibenHillelHacohen. Wir werden auf das Werk, das einen Einblick in die Entwicklung der zionistischen Bewegung in Rußland und ein Stück jüdischer Geistesgeschichte des Ostens bietet, noch ausführlicher zurückkommen. Das Buch (drei Bände) ist in Europa durch die Geschäftsstelle des Achiewer, Berlin W15, Lietzenburgerstr. 8 a, zu beziehen. Ein interessantes Heft der Wiener ״Menora h“ mit dem Titel ״Die Juden in Polen“ ist vor kurzem unter der redaktionellen Leitung Prof. Dr. Majer Balabans (Warschau) erschienen. Eine Reihe von Mitarbeitern von anerkannter Bedeutung, Politiker, Journalisten und Schriftsteller, wie die Deputierten Hartglas, Insler und Silberschein; Rabb. Prof. Dr. Schorr, Dr. S. Rychowski, Dr. M. Weichert, N. Meisel und I. Warschawiak haben zum Gelingen beigetragen. Prof. Dr. Balaban selbst führt in einer Reihe von Auf- Sätzen, teilweise bisher noch unbekannte historische Tat- Sachen zur Geschichte der polnischen Judenschaft an. Das Heft enthält ferner über 60 Abbildungen, Presse-Rundschau Vor dem Kongreß Die zionistische Presse beschäftigt sich in den letzten Wochen natürlich in steigendem Maße mit den Problemen des bevorstehenden Kongresses. Im Vordergründe des Interesses stehen vor allem zwei Problemkomplexe: einerseits die Fragen der Wirtschaft, andererseits Fragen der Organisation, die sich wieder besonders auf das Problem der Kongreßreform konzentrieren. Zwischen beiden Komplexen besteht insofern ein Zusammenhang, als diejenigen, die mit den gegenwärtigen Formen der Wirtschaft unzufrieden sind, die von ihnen gerügten Mißstände auf die Arbeitsweise des Kongresses zurückführen. Sie treten daher für eine weitgehende Trennung der politischen und organisatorischen von den wirtschaftlichen und verwaltungstechnischen Aufgaben der Bewegung ein. Dies würde bedeuten, daß dem Kongreß eine Reihe von Rechten genommen werden, die er bisher hatte, vor allem das Budgetrecht. Die Vertreter dieser Ansicht machen geltend, daß der von HerzI geschaffene Kongreß keineswegs als eine Wirtschaftliehe Fragen verwaltende Körperschaft gedacht war, sondern als eine Tribüne zur Diskussion der Judenfrage. Diese Anschauung kommt vor allem iri vielen Beiträgen des amerikanischen Organs ״The New P a 1 e s t i n e“ zum Ausdruck, das eine große Kongreßdiskussion im Anschluß an den von uns wiedergegebenen Artikel von Morrison eröffnet hat. Andere sind dafür, daß Budgetrecht nicht einer völlig unpolitischen Körperschaft, sondern dem A.-C. zu übertragen. Diese Ansicht vertrat z. B. Felix Rosenblüth in unserem Blatte. Von den Parteien der Opposition wird in ihrer Presse dagegen Stellung genommen, daß man dem Kongreß seine Rechte rauben wolle; so Grünbau nt im ״jewish Chronicie“ und in der ״Hazefirah“. Die Methoden der Verwaltung und der Wirtschaft kritisiert N e h e ־ mia de Lieme in einem Aufsatz, der ״Hatikwah“ (Antwerpen) sehr scharf. Die palästinensische Arbeiterpresse sieht die Vorbereitungen zum Kongresse im Lichte eines großen Angriffs auf die Arbeiterschaft. Dabei ist die Rede von einer ״Dolchstoßlegende“, die mit der Darstellung operiere, die Arbeiterschaft sei schuld an den wirtschaftlichen Mißerfolgen. In diesem Zusammenhang nehmen einzelne Publizisten aus Arbeiterkreisen nicht nur gegen die arbeiterfeindliche Haltung der zionistischen Presse Amerikas und Polens Stellung, sondern meinen vermerken zu müssen, daß auch die deutschen Zionisten sich der arbeiterfeindlichen Richtung nähern. — ״Haare z“ veröffentlicht ein sehr umfangreiches und wortreiches Programm der allgemeinen Zionisten Palästinas, das hier schon kurz von unserem palästinensischen Korrespondenten gewürdigt wurde. Das Programm enthält in der Frage der Jewish Agency ein Festhalten an den Beschlüssen des Wiener Kongresses, tritt für eine Reorganisierung der Wirtschaftsarbeit ein, enthält jedoch keine ausreichenden Hinweise auf die Zusammenhänge zwischen Budgetpolitik und vorhandenen Mitteln. Dr. Hugo Herrmann, der auch in der ״Jüdischen Rundschau“ einen ausführlichen Programm- Vorschlag für das ״Linke Zentrum“ veröffentlicht hat, gibt nun in der Prager ״Selbstwehr“ eine zusammenfassende Uebersicht über ״Zustimmung und Widerspruch“, die sein Programm gefunden hat. Dabei setzt er sich auch mit der Bemerkung Blumenfelds in Nr. 48 der ״Jüdischen Rundschau“ auseinander und klärt manche Mißverständnisse bezüglidi der Stellung zu den NirtitziohisteiJ ■ul Dr. Henpann njmpt auch Stellung zu der von der belgischen ״Hatikwah“ aufgestellten Forderung der Imkonpatibilität von zionistischem Beamtentum und Mitgliedschaft in den legislativen Körperschaften. Obwohl wir an dem Beamtenwahlrecht als einer Errungenschaft der Demokratie festhalten müßten, findet Herrmann den Aus- Schluß von Beamten aus legislativen, nicht aber aus exekutiven Körperschaften empfehlenswert Herrmann polemisiert ferner mit verschiedenen revisionistischen Einwendungen gegen sein Programm. — Im allgemeinen ist zu sagen, daß das Streben nach Sachlichkeit in der Kongreßdiskussion unverkennbar ist, daß aber natürlich durch die Erregung des Wahlkampfes auch viel Schlagworte hineingetragen werden, und eine Reihe von Mißverständnissen zu demagogischen Zwecken ausgenützt werden. Auf die verschiedenen großen Streitfragen, die sich heute schon aus der Diskussion abheben, werden wir noch zu sprechen kommen. Dr. Weizmann hat sich von London zu einem Erholungsurlaub in die Schweiz begeben. Die Ausgrabung der Stadl Mlzpeh Die unter Leitung von Dr. Badie unternommenen Ausgrabungen in Tei-el Nasbe, an der Straße, die von Jerusalem nach Nablus führt, haben zur Entdeckung einer alten israelitischen Stadt geführt, die außerordentlich befestigt gewesen sein muß. Alle Anzeichen deuten darauf hin, daß es sich um das biblische Mizpeh handelt. Die Stadtmauer ist acht Meter breit und ihre ältesten Grundlagen reichen weit in die vorisraelitische Zeit zurück. Die Behauung der Steine und ihre Verbindung sind mit besonderer Sorgfalt ausgeführt. Eine der wichtigsten Entdeckungen bildet ein alter Tempel aus der Zeit ungefähr SCO vor Christi Geburt. Die Grundmauern dieses Tempels stehen noch immer bis zur Höhe von ein bis zwei Meter. In einem der Räume wurden Feuersteinmesser gefunden, die wohl für Zwecke der Beschneidung gebraucht wurden und ein Beweis dafür sind, wie sich im kultischen Leben altertümliehe Werkzeuge erhalten, die im praktischen Leben längst schon durch moderne Geräte ersetzt wurden. Weitere interessante Entdeckungen wurden in den tief in den Felsen gehauenen Getreidespeichern und Zisternen gemacht. Es wurde auch ein sehr wohl erhaltenes jüdisches Haus aus dem 7. vorchristlichen Jahrhundert aufgedeckt. Es enthält mehrere Räume, ein großes steinumfaßtes Bassin, eine Zisterne, einen Brottrog und Ofen. Auffallend ist, daß bis auf eine kurze Siegclinschrift in althebräischen Buchstaben, die aber nur noch schwer entzifterbar ist, auch bei diesen Entdeckungen keinerlei Inschriften gefunden wurden. Hebräisch im Radio. Anläßlich der hebräischen Woche, die die Histadruth Iwrith in New York veranstaltet hatte, wurde auf Veranlassung der Redaktion des rTag“ im Radio ein Vortrag vom bekannten Schriftsteller Ch. Grünberg in hebräischer Sprache gehalten. Gleichzeitig widmete der ״Tag“ eine ganze Seite seines Blattes der hebräischen Bewegung in Amerika, und zwar in hebräischer Sprache. Es ist wohl das erstemal, daß die Klänge des Hebräischen im Radio zu vernehmen waren. Das Moskauer jiddische Künstlertheater wird demnächst in Berlin und Magdeburg auftreten.