Jüdische Rundschau
- Journal
- Jüdische Rundschau
- Volume
- XXXII (1927)
- Issue
- Heft 55 (12.7.1927)
- Date
- 1927-07-12
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2651273-2652877-2652928--19245-2677099- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Nr, 55, 12. VH. 1927 JÜBDISCHE!ÜNDSCHÄU Seite 395 Brief aus Jugoslawien Sitzung des 2 i 0 n I s t. Verbandsaussehtisses. — Kongreßwahlen. Nichtjüdische Palästinatouristik, — Zionistische Jugendbewegung. (Von unserem Korrespondenten.) Zagreb, Anfang Juli 1927. Am 28. Juni hat In Zagreb unter dem Vorsitz des Präsidenten des Jugoslawischen Zionistenverbandes, Dr. David A1 k a 1 a j aus Belgrad, die Sitzung des zionistischen Verbatidsausschusses stattgefunden, der auch Mitglieder außer* halb Zagrebs beiwohnten. Aus dem Berichte des Verband«- Sekretariats sei hervorgehoben, daß auch in diesem Jahre in Jugoslawien die i ja r-Aktion durchgeführt wurde, wenn auch nicht In dem Ausmaße, wie voriges Jahr. Eine roße Zahl der Orte wurde von den Mitgliedern der Exeutive des Jugoslawischen Zionistenverbandes, dessen Vorsitzender Dr. Alexander Licht ist, besucht. Die Schekelaktion hat relativ einen schönen Erfolg zu verzeichnen. In diesem Jahre wurden in Jugoslawien, wo nur 65000 Juden wohnen, in 62 Orten bis jetzt 5398 Schekallm ver* kauft, gegen 5222 im vorigen Jahre, so daß Jugoslawien in beiden Jahren 10620 Schekalim verkauft hat und so am diesjährigen Kongreß mit 4 Delegierten vertreten sein wird. In Sarajevo (Bosnien) fanden schwere Kämpfe zwischen den Anhängern der sephardischen Renaissancebewegung und den Anhängern der ״absoluten Einheit von Sephardim und Aschkenasim“ statt, die die jüdische Bevölkerung Sarajevos in zwei scharf getrennte Gruppen spalteten, wodurch auch die zionistische Arbeit dieses großen jüdischen Zentrums Jugoslawiens sehr stark leidet; trotz vieler Bemühungen ist noch kein Friede zustandegekommen, wenn sich auch die Gemüter etwas beruhigt haben und die Schekelaktion unter Führung des Oberrabbiners Dr, L e v i und die Sajnmelarbeit der Jugend durchgeführt werden konnte. Die zionistische Frauenbewegung (W. I. Z. O.) entwickelt sich gut; die agile Zagreber Wizo-Gruppe hat bereits in vielen Orten Jugoslawiens zionistische Frauenorts• Organisationen gegründet. Die jugoslawische Siedlung In Palästina, die vor einem halben Jahr im Emek (Djedda) auf 1000 Dunam nach dem Prinzip der Moschaw Owdlm auf K. K. L,-Boden gegründet wurde und deren Inventar von dem jugoslawischen Zionistenverband beigestellt wurde, hat sich bereits wegen ihrer rationellen Ent- Wicklung und fachmännischen Führung einen schönen Ruf im neuen Jischuw erworben. Die Palästinahachscharah liegt in den Händen des zionistischen Jugendbundes ״A c 11 - duth Hazofi m“. der dem Brith Hanoar angehört. Diese* Bund hat auch mit Unterstützung des jugoslawischen Zionistenverbandes bereits Vorarbeiten für die Errichtung einer Hachscharafarm in Jugoslawien getroffen. Der Leiter der jugoslawischen K.K.L.-Stelle berichtete über die Arbeit des jugoslawischen K. K. L. Alle jugoslawischen Orte wurden besucht, dieses Jahr das erstemal auch die großen jüdischen Siedlungen in Südserbien. Wegen der schlechten ökonomischen Lage in Jugoslawien sind die diesjährigen K. K. L.־Einnahmen nicht ganz zufriedenstellend. Die Büchsenarbeit wurde gut organisiert, so daß die K. K. L.-Büchsen dieses Jahr um 88 «/# mehr eintrugen wie voriges Jahr. Die diesjährige Keren Hajessod-Kampagne, die der Delegierte des Keren Hajessod, Prof. Pazi-Goldmann, führte, hatte einen großen moralischen und materiellen Erfolg. Für den Keren Hajessod wurden alle jugoslawischen Juden, ohne Untershied der Gesinnung, gewonnen. Die Beziehungen zu der jugoslawischen Presse sind ausgezeichnet. Die führenden jugoslawischen Blätter bringen sehr oft Notizen und Artikel über alle Zweige des jüdischen Palästinaaufbaues. — Der nächste Kongreß des jugoslawisehen Zlonistenverbanaes wird nach Roschhaschanah, wahrscheinlich in Belgrad Im Anschluß an den Kongreß des Verbandes Jüdischer Kultusgemeinden Jugoslawlens stattfinden. * Im Anschlüsse an die Tagung des zionistischen Verbandsausschusses fand in Zagreb eine Konferenz statt, die sich mit der Frage der Kandidaturen für den Kongreß befaßte. Es wurde eine Kandidatenliste aufgestellt, der führende zionistische Persönlichkeiten Jugoslawiens angehören und die folgendes Programm vertritt: 1. Die Kandidaten dieser Liste werden beim Kongreß für das Vertrauensvotum der jetzigen Exekutive stimmen; 2. sie werden sich weiter für die Durchführung der Erweiterung der Jewish Agency einsetzett; 3. im Falle, daß sich Dr. Welzmann bereit erklärt, an der Spitze der Zionistischen Organisation zu verbleiben, werden die Kandidaten für seine Kandidatur eintreten, und 4. verpflichten sich die vier Kandidaten dieser Liste, beim Kongresse einen speziellen Klub der jugoslawisehen Landsmannschaft zu bilden. (Es ist nicht ausgeschlossen« daß die jugoslawische Delegation mit dem ״Linken Zentrum“ Zusammengehen wird.) Es ist anzunehmen, daß keine andere Liste für die Kongreßwahlen in Jugoslawien eingereicht werden wird, so daß die Hauptwahfkommission die Liste, deren Hauptprogrammpunkte oben angeführt wurden, ohne Wahlgang als gewählt erklären wird. * Vor kurzer Zeit hat eine Gruppe angesehener nichtjüdischer jugoslawischer Persönlichkeiten, unter ihnen der berühmte Bildhauer Ivan Mestrovic, der Zagreber Stadtpfarrer Msgr. Dr. R i t i g, der jugoslawische Abgeordnete Dr. H0hn jec und der Laibacher Universitätsprofessor Dr. Slavic eine Reise durch Aegypten, Palästina und Syrien unternommen. Die jüdischen Kolonien in Palästina, die jüdischen Vorstädte von Jerusalem und der schöne Strand Tel-Awiws, sowie der Emek haben auf sie einen starken Eindruck gemacht. * Die zionistische Jugend Jugoslawiens, die in zwei Jugendorganisationen organisiert ist, und zwar 1. im Jugendbund ״Achduth Hazofi m“, der zionistisch links steht und sich als Nachwuchs bewegung der palästinensischen Arbeiterschaft bezeichnet, und 2. im Verband jüdischer Jugendvereine, der nicht eine innerzionistisch so ausgeprägte Ideologie besitzt — rüstet sich zu ihren So mmer-Camps. Die ,,Achduth Hazofim“, die bereits zwei Sommerlager hinter sich hat, wird ihren Camp (Mahane) in den wunderschönen Slowenischen Alpen aufscnlagen. Der Jüdische Jugendverband, der bis jetzt jeden Sommer in einzelnen jugoslawischen Städten seinen Kongreß abhielt, wird diesen Sommer zum ersten Male ein Camp haben. — Drei Jugendvereine sind voriges Jahr aus dem Jugendverband (der gegen 25 jüdische Jugendvereine umfaßt) ausgetreten una naben sich einem Propagandaausschuß für die sephardische Bewegung angescnlossen. Dieser Ausschuß?laut im Sommer oder anfangs September eine sephardische ugendkonferenz einzuberufen. Der agilste sephardische Jugendverein der neuen spezifisch sephardischen Richtung ist der sephardisch-akadenusehe Verein ״E s p e r a n s a“ in Zagreb, der auch den sephardischen Jugendpropagandaausschuß führt und eine Broschüre in kroatischer Sprache über die historische Entwicklung der Sephardim und über die neue spezlfisch-sephardische Renaissancebewegung ausgegeben hat. — Eine jüdische Jugendbewegung der assimilatorischen Richtung gibt es in Jugoslawien nicht. F. A. Henry Ford und der Antisemitismus Die Zeitungen aller Länder bringen in sensationeller Aufmachung die Nachricht, Henry Ford habe seinen Antisemitismus abgeschworen und sich bereit erklärt, für seine früheren Beschimpfungen der Juden ״Sühne zu leisten“. Nach den in den New Yorker Blättern veröffentlichten Mittellungen Arthur Brisbanes hat Ford erklärt, er mißbillig« die antisemitischen Veröffentlichungen seines Or* gan» ״Dearbam Independent“. Louis Ma rs h a 11, der Vorsitzende des American Jewish Committee, veröffentlicht nun eine Mitteilung über die Umstände, unter denen Fords überraschender Widerruf der antisemitischen Beschuldigungen erfolgt ist. Marshall sagt, vor einigen Tagen seien zwei Beauftragte Fords bei Ihm erschienen und hätten Ford» Bedauern über die antisemitisehen Ausfälle des ״Dearborrt Independent“ ausgesprochen. Ford habe, so betonten die Beauftragten, von den Artikeln vorher nichts gewußt und sei das Opfer der Herausgeber des Blattes geworden. Er hätte sich nunmehr davon überzeugt, daß alle An würfe gegen die Juden grundlos waren. Marshall antwortete, er fordere eine schriftliche Erklärung, die von Ford unterzeichnet sein müsse. Diese Erklärung habe er erhalten und er habe sie dann Arthur Brisbane zur Veröffentlichung übergeben, die dann im ״New York American“ erfolgt Ist. Aus einer Reuter-Meldung erfährt man die unmittelbare Ursache für die Erklärung Henry Fords. Sein Widerruf ist das Ergebnis von Verhandlungen zwischen seinen juristischen Vertretern und jenen des Rechtsanwalts Schapiro gewesen. Schapiro hatte Ford wegen verleumderischer Bekidigung auf eine Entschädigung von einer Million Dollar verklagt. Es wird jetzt, wie das Reutersehe Bureau berichtet, erwartet, daß es in dieser Sache, die in den Vereinigten Staaten großes Aufsehen erregt hatte, zu keinem Prozeß kommen wird. Jüdtsclie Arbeiter bei nicbt)Hdiseben Arbeitgebern Von unserem palästinensischen Korrespondenten. In der letzten Zeit sind an einigen Stellen jüdische Arbeiter außerhalb des Jischuw und zum Teil auch außerhalb des westjordanischen Palästina verwendet worden. Schon seit langem gab es einzelne Fälle, wo Juden bei Arabern Arbeit erhielten, besonders wenn es sich um qualifizierte Leute handelte und die Bereitschaft vorhanden war, den Lohnstandard, der innerhalb der jüdischen Wirtschaft fixiert ist, aufzugeben. So wird zum Beispiel jetzt in Jaffa ein großes Gebäude fertiggestellt, wo bei einem arabischen Untern e h m e r Juden und Araber gemeinsam tätig sind. Solche Fälle kommen auch an anderen Orten vor. Die Regierung pflegt, wenn es sich nicht um Arbeiten für Ungelernte handelt, hei denen sie auch Frauen- und Kinderarbeit nicht verschmäht, gelegentlich jüdische Arbeit zu verwenden. Eine der größeren Arbeiten, die im letzten Winter von Juden übernommen wurden, war der Bau der großen Flugschuppen in G a z a h, der vom ״Solei Boneh“ ausgeführt wurde. Gazah ist bekanntlich eine der Flugstationen auf der Luftlinie England—Indien, Die Regierung hat hier Schuppen für die Luftschiffe und Baracken für die Reisenden aufgestellt und die organisierte, vielleicht teurere Arbeit der Juden der billigen arabischen vorgezogen. In letzter Zeit sind gelegentlich Jüdische Arbeiter, vor allem Fachleute für Betonbau und SteinbearbeHung, bis hinüber nach Ost- Jordanien gekommen. Zur Zeit wird in Rabbath-Ammon von jüdischen Steinmetzen am Bau des Hauses eines englischen Beamten gearbeitet und es sind weitere Aussichten für Maan und eventuell andere Punkte Transjordaniens gegeben. Es ist wichtig, daß der jüdische Arbeiter über den bcschränkten Kreis des Jischuw hinauskommt und gerade das Studium der Verhältnisse jenseits des Jordan ist von Interesse. Arbeitslosenlürsorge in Palästina Jerusalem, 1. Juli. (J. T. A.) Das Londoner Kolonialamt hat den Plan der Trockenlegung der Kischon- Ebene gebilligt. Eine große Zahl Arbeitsloser wird bei dem Werk, dessen Kosten auf £E 20000 veranschlagt sind, Beschäftigung finden. Auch verschiedene andere Arbeiten, wie Straßenbauten zwischen Jawniel und Kinereth und zwischen Afulch und Kfar Tabor, werden demnächst in Angriff genommen. Me Arbeitslosen •Unterstützung in Haifa Der Haifaer Arbeiterrat, der als Protest gegen den Nichtbeginn der Notstandsarbeiten in Haifa schon mehrmals mit der Einstellung der Verteilung der Arbeitslosen-UnterstAtzung gedroht hatte, hat nunmehr unter dem 23. Juni der Zionistischen Palästina-Exckutive mitgeteilt, daß er es endgültig ablehnt, die Arbeits- Iosenunterstützung weiter zu verteilen, und hat die entsprechenden Listen der Exekutive übergeben, damit diese in der Lage ist, von sich aus für die Verteilung Vorsorge treffen zu können. _ (Ziko.) Die Gesellschaft der Freunde der Jerusalem-Bibliothek sendet uns folgenden Bericht; Seitdem unsere letzten Berichte hinausgegangen sind, war unsere Gesellschaft wieder in der Lage, größere Sendungen von Büchern für die Jerusalem-Bibliothek machen zu können. Auch wird sie gleich nach den Ferien wieder einen größeren Transport auf den Weg bringen. Dieser wird voraussichtlich noch bis zum Kongreß Im Besitz der Bibliothek sein. Während früher, als die Bibliothek kaum erhebliche Büchermengen besaß, fast jedes Buch willkommen war, muß sich die Sammlung von Büchern heute schon neue Wege suchen. Seit dem 1. Juni 1920, wo die Verwaltung der Bibliothek von der Zionistischen Organssation übernommen wurde, also in genau sieben Jahren, hat sich der damals vorhandene Bücherbestand genau versiebenfacht. Da infolgedessen ein großer Teil der Bücher, die wir erhalten, Dubletten sein könnten, vereinbaren wir mit dem Institute neue Wege, um ihr so schnell wie möglich neue und bisher vermißte Werke zuzuführen. So fehlt in der Universität- und National- Bibliothek z. B. das Chemische Zentralblatt, das unsere wissenschaftlichen Arbeiter natürlich sehr vermissen. Im Chemischen Institut ist ei erst seit 1924 vorhanden. Da es mindestens seit 1890, möglichst auch früher dringend gebraucht wird so bitten wir, die wichtige Zeitschrift dem Institute oder der Bibliothek zur Verfügung zu stellen, und sich deswegen mit unserem Geschäftsführer in Verbindung zu setzen. Von der Biochemischen Zeitschrift fehlen in gleicher Weise Bd. 50 sowie die Bände 113—133. Um die geschenk• weise Ueberlassung an unsere Gesellschaft auch dieser Serie wird gebeten. Schließlich liegt uns sehr viel an Liebigs Annalen, gegebenenfalls nehmen wir auch einzelne Bände. Der Vorstand der Gesellschaft der Freunde der Jerusalem- Bibliothek besteht aus San.-Rat Dr. Gustav Bradt und Prof. Dr. Albert Einstein als Vorsitzenden, sowie aue Angehörigen aller Richtungen im Judentum«. Alle Anfragen urtd Mitteilungen sind an den Geschäftsführer, Prof. Dr. Heinrich Loewe, Berlin NW 40, Flemingstr, 12, zu richten. Schatzmeister ist Bankier Emil Dam mann, Berlin NW 7, Universitätsstr. 3 b, Der jährlich« Mitgliedsbeitrag beträgt mindestens IQ M. \ Kleine Nachrichten Wie die PTA. erfährt, sieht die vom Colonial Office b» reits bestätigte jüdische Gemetndeordnung in Pallstlna eine Intervention der Jewish Agency im Falle von Differenzen zwischen dem Wiad LeumI und dem pal fistinen• sischen Oberrabblnat in Fragen des Budgets der jüdischen Gemeinden vor. Die In Haifa aus Anlaß feiner kommunistischen Demonstraften in der vergangenen Woche verhafteten 39 Kommu« nisten büßen gegenwärtig im Gefängnis von Akko eine vier* zehntägige Gefängnisstrafe ab. Zum Protest gegen die Verurteilung traten die Häftlinge in den Hungerstreik. Jerusalem, 6. Juli. (I,T.A.) Eine arabische Gesellschaff zum Zwecke der Ausbeutung der Salzminen im Westen des Toten Meeres ist hier gebildet worden. Die Arbeit wird demnächst in Angriff genommen. Der frühere italienische Kultusminister Senator Baeelli veröffentlicht in der Zeitschrift ״Echi e Commenti“, die von einer Gruppe sehr angesehener Senatoren und Deputierten herausgegcDen ■wird, einen Aufsatz über die Erfolge der j&disehen Aufbauarbeit in Palästina. Die Presse des Vatikans teilt mit, daß Pater Paschal R o - binson.ein englisches Mitglied des Franziskaner-Ordens und früherer englischer Visitator für Palästina, vom Papst zum apostolischen Delegierten für Aegypten und Palästina ernannt werden wird. Jerusalem, 6. Juli. (J. T. A.) Regierungsingenieure sind gegenwärtig mit der Vermessung des Bodens im Jordantal beschftäigt. Man glaubt, daß diese Tätigkeit im Zusammenhang mit dem geplanten Bau einer Eisenbahn zwischen Bagdad und Haifa im Zusammenhang steht. Nach fast zwei Jahre dauernden Verhandlungen haben die chinesischen Behörden endlich die Statuten der jüdischen Gemeinde von Charbin genehmigt. Die Gemeinde hat das Recht, Steuern zu erheben. Das Kollegium des Jüdischen Theologischen Seminars unter dem Vorsitz von Dr. Cyrus Adler ernannte Louis Marshai! in Anerkennung seiner Verdienste um jüdische Wissenschaft und Erziehung zum Doktor h. c. der hebräischen Literatur. In Haifa fand in diesen Tagen eine Konferenz der Faszistcn Palästinas und der benachbarten Länder statt. Geleitet wurde die Konferenz von dem italienischen Konsul in Jerusalem, Pe d raz z i, der den Faszismus im Orient organisiert hat. In den nächsten Tagen beginnt unter der Redaktion des Advokaten Fahmi AI Hussein! in Jaffa eine arabische Tageszeitung ״Sowt Al Hak“ (Stimme der Wahrheit) zu erscheinen. Es wird dies die erste arabische Tages* zeitung in Palästina sein. London, 8. Juli. (J.T.A.) Im Helme von Sir Herbert und Lady Samuel wurde ein sehr zahlreich besuchte■ Gartenfest zugunsten des Frauen- und Kinderwohlfahrts* werkes in Palästina am 6. und 7. JuU abgehalten. Da• Fest wurde von der Föderation der zionistischen Frauen Engiands (Wizö) arrangiert und von Frau James de Rothschild eröffnet. Laut der ״Chwlla“ hat Jabotimky Infolge einer Er* krankung in seiner nächsten Familie seine Propagandareise nach Polen und Rumänien vorläufig verschoben und ist von Wien direkt nach Paris zurückgekehrt. (Ziko.) Man nimmt an, daß von der diesjährigen Tafeltrauben- Ernte in Palästina nach Abzug des Inlandverbrauches gegen 2500 Tonnen für den Export zur Vertagung stehet werden. In den neuen landwirtschaftlichen Arbeitersiedlungen im Emek wurden gegen 16«/# des Bodens der Pflanzung•- kultur zugeführt, fast doppelt soviel wie in den älteren landwirtschaftlichen Siedlungen. 70 «/# des Bodens der Pflanzungen sind für Weingärten und Obstbäume bestimmt. Man glaubt, die Pflanzungsarbeiten im Laufe von drei Jahren durchzuführen. (Zfko.) London, 8. Juli. (J. T. A.) Oberstleutnant Kenworthy richtete im Unterhaus an den Minister für Auswärtige Angelegenheiten die Frage, ob die britische Regierung sich auf eine Erledigung des Rechtsstreites betreffend die Jerusalemer Vorkriegskonzessionen des Griechen Mawromatis durch das Haager internationale Gericht einlasse. Minister Amery erwiderte, die griechische Regierung habe den Fall dem Internationalen Gerichtshof unterbreitet, er, der Minister, könne sich gegenwärtig über weiteres noch nicht äußern. Er werde dies zu gegdaener Zeit tun. Laut einer vom Arbeiterrat in Tel-Awiw am 22. Mai 1927 durchgeführten Zählung der jüdischen Arbeiter und Angestellten hatten an diesem Tage in Tel-Awiw 5407 Arbeiter und Angestellte Beschäftigung, die Mehrzahl davon auf einer ständigen Arbeitsstätte. (Ziko!) Der Präsident der israelitischen Landeskaruäd Ungarns (Verband der neologen Gemeinden), Dr. Franz Mezey, ist am 2. Juli verstorben. Herr Ab. K a h a n , der Chefredakteur der New Yorker jiddischen Tageszeitung ״Forward“, ist in Moskau eingetroffen. Er begibt sich 1n diesen Tagen zu einem längeren Besuch der jücTischen landwirtschaftlichen Kolonien nach der Ukraine und der Krim. ln Jerusalem wurde ein junges jüdisches Mädchen aus streng orthodoxem Hause von einem Christen entführt Die Polizei hat den Aufenthaltsort des Paares entdeckt. Die Untersuchung ist in Schwebe. Am 10. Juli soll in Kowno die Jahreskonferenz der litauischen Zionisten eröffnet werden. (Ziko.) Die Mai-Nummer des Journals ״Die Zukunft“, der verbreitetsten jüdischen Monatsschrift Amerikas, enthält einen ״Brief aus dem jüdischen Deutschland“ betitelten ausführlichen Aufsatz von Dr, Mark Wischnitzer. Anläßlich der Einweihung der neuen Stadtbibliothek fand dieser Tage in Dortmund eine Zusammenkunft der Bibliothekar* leiter Deutschlands statt. Zu den Referenten zählte 11. a. auch Dr. Heinrich Loewe von der Preußischen Staatsbibliothek, der über die Hebräische National- und Universitätsbibliothek in Jerusalem Aufschluß gab. (Ziko.) In der Moskauer Vorstadt Moreneroschtsche begann man mit dem Bau einer großen Synagoge; die Kosten sind mit 200000 Goldrübel veranschlagt. Der Verband jüdischer Studentenvereine in Deutschland e. V. hat zu der Schulungswoche für studentische Selbsthilfe-Arbeit, die vom 6. bis 1*. Juli in Dresden stattfindet, die beiden Exekutivmitglieder cand. phil F. Rabinowitsch und Dr. J. Rubin entsendet. Sie repräsentieren gleichzeitig den Weltverband der Jüdischen Studenten״ schaft. Die Entlassungsfeier am Rabbiner-Seminar su Berlin fand auch in diesem Jahre am Todestage des Begründen der Anstalt, Dr. Israel Hildesheimer 8. A., am 4. lull (4. Tamus) statt. In Anwesenheit der gegenwärtigen Schüler und einer sehr großen Zahl von Gästen hielt der Senior der Dozenten, Dr. Joseph Wohlgemut h, eine groß angelegte Ansprache an die zu entlassenden Rabbiner, Dr. Max Ephraim und Dr. EH Munk.